Kapitel 5 ´Varys'
Er mochte keine Schreie, doch manchmal waren sie notwendig, um an die nötigen Informationen zu kommen. Tief unten in den Katakomben des Roten Bergfrieds in King's Landing saß Lord Varys an einem alten, hölzernen Tisch, welcher vor einer alten Folterkammer platziert war und betrachtete ein Pergament, während drinnen die Schreie weitergingen. Das Pergament war eine Karte vom Hauptschloss, den Lagern und den äußeren Wällen zur Schwarzwasser Bucht. Auf den eingezeichneten Wällen, welche dem Meer am nächsten waren, waren kleine ´X´ mit Kohle eingezeichnet. Ebenfalls lag ein Messingrohr auf dem Tisch, wo an jedem Ende zwei gebogene Glasscheiben eingebettet waren. Ein Werkzeug, das in Myr hergestellt wurde, und von vielen Seefahrern als Fernglas benutzt wurde. Während Varys das Fernrohr weiter bei Kerzenschein begutachtete, ertönte ein weiterer Schrei von der anderen Seite der Tür.
Die Folterkammer gab es, seitdem Maegor, der Grausame, König war. Nicht viele Könige hatten die Kammer danach so oft benutzt, wie Maegor es getan hatte, jedoch fanden sie sie von Zeit zu Zeit hilfreich. Robert Baratheon war von Folter überhaupt nicht begeistert. Varys konnte sich nicht daran erinnern, dass Robert ihm jemals, in der Zeit wo er regierte, den Befehl gab, jemanden zu foltern. Es sollte nicht bedeuten, dass Robert ein sanfter Mensch war, im Gegenteil sogar. Jedoch sah er sich als Held, welcher einen irren König vom Thron gestoßen hatte und er hatte nicht das Interesse ihn auf diese Art und Weise zu ersetzen. Varys tat sein Bestes, Robert all die Informationen zu bringen, die er wollte. Er tat es normalerweise auf subtile und intelligente Weise, um an die nötigen Informationen zu gelangen, doch manchmal musste er Folter einsetzen…so wie jetzt.
Ein weiterer lauter, hoher Schrei drang aus der Kammer und Varys ertappte sich dabei, wie er kurz schauderte. Er schaute der Wache, die vor der Folterkammer stand, ins Gesicht und bemerkte, dass diese sehr blass war. Plötzlich öffnete sich die Tür und ein großer, schwarzhaariger Mann trat aus der Kammer. Er war groß und hatte Muskeln wie ein Bulle. Blutspritzer waren überall auf seinem Gesicht und seinen Händen. Seine schweinsgroßen Hände waren leicht gebrochen und blutig. Eine Peitsche, die genauso blutig war wie er, hing an seinen Gürtel.
„Er ist jetzt bereit zu reden, Milord!", sagte der Folterknecht. Varys nickte, stand auf, nahm das Pergament und betrat die Kammer.
Es war ein sehr großer Raum, in dem einst einige große, abscheuliche Foltergeräte gestanden hatten. Heute jedoch war die Kammer größtenteils leer. Varys hatte gehört, dass Maegor zeitweise mehr als ein Dutzend Menschen hier unten gefangen hielt. Wenn man den Geschichten glaubte, kam Maegor sehr häufig hier herunter und liebte es selbst Hand an den Gefangenen zu legen. Manchmal ließ er sie auch gegeneinander kämpfen, einen Vater seine eigene Tochter schlagen oder ließ einen Sohn die Augen seiner Mutter ausbrennen. Es wird sogar behauptet, er habe eine seiner eigenen Frauen hier unten gefoltert, bevor er sie tötete, weil sie ihm keinen Erben gebären konnte. Varys schauderte erneut. Es waren eigentlich keine Foltergeräte mehr in diesem Raum, mit Ausnahme eines kleinen Kohleofens, welcher fröhlich vor sich hin brannte und einem roten heißen Schürhacken darin und ein paar Peitschen, die an der Wand hingen. Dies war alles, was noch da war und es reichte für seine Zwecke.
Der Mann, der gefoltert wurde, war nackt. Er war an Ketten, die in der Mitte des Raumes hingen, aufgehängt worden. Er war etwa Mitte 30, hatte braunes Haar, welches jedoch bereits in eine Glatze überging, dazu muskulöse und starke Arme. Viele Tattoos zierten seinen Oberkörper. Sie zeigten größtenteils Seemotive, wie Fische, Wale, Segelschiffe und auch einige hübsche Frauen. Er behauptete, ein Fischer zu sein und dass sein Boot an den Klippen der Schwarzwasser Bucht unterhalb der Stadt kaputt gegangen war.
Es war eine wolkenlose Nacht gewesen und er hätte die Gefahr eigentlich bemerken müssen, doch er hatte das Pech mit seinem kleinen Boot einen Stein zu streifen und er hatte es daraufhin kaum zum Ufer geschafft. Dort wurde er direkt von anderen Fischern gesehen, die einen Kameraden suchten, der früher am Tag über Bord gegangen war. Sie riefen sofort ein paar Soldaten, die den Spion auch sofort gefangen nahmen. Er behauptete ein Fischer zu sein, aber als sie sein Boot untersuchten, fanden sie das Myr'sche Fernglas und die Karte des Bergfrieds mit den Befestigungen von King's Landing. Einer der Hauptmänner der Garde bemerkte, dass die Markierungen auf dem Pergament die Katapulte und Skorpione auf den Mauern der Stadt waren. Der so genannte Fischer hatte nichts bei der normalen Befragung gesagt und wurde deswegen zu Varys geschickt.
Es war schwer zu beschreiben, wie er aussah. Sein Gesicht war geschwollen, seine Augen so geschwollen, dass er kaum noch etwas sehen konnte und seine Lippen waren aufgerissen und bluteten. Sein Körper war übersät mit Brandmalen und dort wo die Peitsche ihn getroffen hatte, hingen kleine Fetzen blutiger Haut an ihm herunter und ruinierten den Großteil seiner Tattoos. Während der Folter hatte er auch die Kontrolle über seine Blase und seine Eingeweide verloren. Der Folterknecht hatte ihn zwar einen Eimer Wasser über ihm ausgelehrt, um ihn zu reinigen, doch es hatte nicht gut funktioniert, denn der Gestank, der von ihm ausging, war dadurch nicht entfernt worden. Varys rümpfte die Nase, als er den Mann anschaute.
„Weißt du, wer ich bin?"
Der Mann nickte. „Die Spinne", sagte er durch seine aufgerissenen Lippen, seine Worte waren undeutlich und er sprach sehr langsam. Dies brachte ihm einen weiteren Hieb mit der Peitsche und er schrie erneut auf. „L… L… Lord Varys", stotterte er, „Entschuldigt."
„Gnädigerweise akzeptiert", sagte Varys. „Nun zurück zum Thema. Wir haben Euer Fernrohr und deine Karte gefunden." Varys hielt die Karte hoch. „Was hattest du damit vor, guter Mann?"
Er zögerte einen Moment und sprach dann. „Euch auszuspionieren."
„Offensichtlich", sagte Varys und kicherte. „Es interessiert mich jedoch mehr, für wen du spionierst. Stannis oder Renly?"
Stille. Dann krachte erneut die Peitsche auf ihn nieder und er schrie erneut. „König Stannis."
„Joffrey Baratheon ist der König."
„Er ist ein Bastard!", sagte der Mann verachtend. „Stannis ist der rechtmäßige König." Dies brachte ihm einen weiteren Hieb mit der Peitsche ein. Er nennt Joffrey einen Bastard, dachte Varys. Er wusste, dass Ned Stark einen Brief an Stannis Baratheon geschrieben hatte und ihm berichtete, was er über die wahren Eltern von Robert's Kindern vermutete. Was hatte Stannis Baratheon den Menschen erzählt? Und wie schnell würde sich die Geschichte verbreiten?
Nachdem das Echo der Schreie verklungen war, sprach Varys den Mann erneut an. „Wie lauteten deine Befehle?"
„Kartographiere die Verteidigung von King's Landing!", kam die Antwort keuchend.
„Wann greift Stannis an?"
„Ich weiß es nicht. Ich bin nur ein Fischer."
„Ein schlauer Fischer, wie es aussieht", kommentierte Varys und lugte erneut in Richtung der Karte. „Du kannst ein Fernglas benutzen und eine Karte lesen. Bist wirklich nur ein einfacher Fischer?"
„Ja!"
Varys nickte dem Folterknecht zu und dieser hieb erneut mit der Peitsche. Der Mann schluchzte dieses Mal. „Nur ein einfacher Fischer", sagte der Mann, was ihm noch einen Peitschenhieb einbrachte. „Nur… nur… einer seiner Hauptmänner."
Varys lächelte. „Schon besser. Wie ist Euer Name?"
„Reginald Carlyle."
Varys runzelte die Stirn. „Ich kann mich nicht erinnern Euch zu kennen." Dies war komisch, da Varys dachte, er kenne alle Namen der Hauptmänner von Stannis.
„Ich war unterwegs in den Freien Städten als Händler", keuchte Carlyle. „Ich bin erst vor ein paar Tagen nach Dragonstone zurückgekehrt."
„Nun, das erklärt Einiges. Wie viele Schiffe hat Stannis?"
„Viele!"
„Wie viele?"
„Mehr als hundert. Galeeren und Koggen, die meisten für den Krieg gebaut. Sallandor Saan ist bei ihm."
„Der Pirat!", grübelte Varys. „Wie viel verlangt er?"
„Keine Ahnung!"
„Hat Stannis viel Gold zu seiner Verfügung?"
„Keine Ahnung!"
„Wann wird Stannis angreifen?"
„Dies werde ich Euch nicht sagen."
Der Folterknecht wollte ihn schon einen weiteren Hieb mit der Peitsch geben, doch Varys hob seine Hand und schüttelte mit seinem Kopf. „Nein, es ist genug für heute. Ein Maester soll sich seine Verletzungen anschauen. Dann bringt ihn zurück in seine Zelle und seht zu, dass er was zu essen bekommt und gesäubert wird."
Varys drehte sich um, um zu gehen, als Carlyle erneut sprach. „Was passiert jetzt mit mir?"
„Das entscheidet der wahre König", sagte Varys und ging.
Bald darauf war er wieder an der Oberfläche angekommen und ging über den Hof in Richtung seiner Gemächer, wo er sich ein heißes Bad gönnen würde, nachdem er die ganze Zeit in den Stinkenden Katakomben gewesen war. Als Varys jedoch gerade am Eingang zum Treppenhaus zu seinen Gemächern angelangte, löste sich ein Schatten von der Mauer und plötzlich stand Joffreys Hund, Sandor Clegane, in voller Rüstung und mit all seinen Waffen am Gürtel vor ihm.
„Der König möchte mit Euch sprechen", sagte Clegane, ohne zu zögern und ohne Varys mit Namen oder Titeln anzusprechen. Durch seine wenigen Interaktionen mit dem Mann wusste Varys, dass er nichts auf Formalitäten gab, außer wenn er mit dem König oder der Königin sprach.
„Worüber?", fragte Varys und schaute ihm direkt ins Gesicht, etwas, was vielen Menschen auf Grund seiner schweren Verbrennungen im Gesicht schwer fiel.
„Er sagte nicht warum und ich bin nicht so blöd und frage ihn danach." Clegane drehte sich um und begann in eine andere Richtung zu gehen. Varys wusste das er ihm folgen sollte. Joffrey's Hund mochte es nicht nur zu bellen, sondern er biss auch sehr gerne zu und Varys wollte seine Geduld auf keinen Fall auf die Probe stellen. Sein Bruder, Ser Gregor, war noch viel, viel schlimmer. Geduld war noch nie eine Stärke der Cleganes.
„Wie geht es dem König?", fragte Varys.
„Besser. Er scheißt nur noch fünf Mal am Morgen", erzählte Clegane.
„Nun, dies ist doch deutlich besser als die 20 Mal vom Vortag. Hat Großmaester Pycelle mittlerweile herausgefunden, was die Krankheit hervorgerufen hat?"
„Vergammeltes Essen!"
„Es liegt sicher an der Hitze. Sie lässt alles schlecht werden", sagte Varys.
„Was hat der König Vergammeltes gegessen?"
„Ich bin keiner dieser beschissenen Maester", knurrte Clegane. „Fragt Pycelle!"
Sie gingen den Rest des Weges ohne ein weiteres Wort zu sagen. Varys wusste genau, was Joffrey gegessen hatte und er wusste auch, warum er krank war, da er der Initiator war, doch musste er so tun als wüsste er nichts, selbst gegenüber jemanden wie Sandor Clegane. Er wusste vieles über den Hund, vor allem, dass er seinen Bruder mit viel Leidenschaft hasste. Ein Hass, der daher kam, dass sein Bruder ihm damals das Gesicht verbrannt hatte als sie noch Kinder waren. Er wusste auch, dass Clegane sich gerne in Bordellen aufhielt und viel Wein trank, wenn er gerade keinen Dienst hatte. Er betrank sich meistens bis zur Bewusstlosigkeit, wenn er keinen Dienst hatte.
Clegane kam vor einigen Jahren, kurz nach Joffreys Geburt, nach King's Landing. Cersei hatte ihren Vater nach einem starken Mann als Beschützer für ihren Sohn gefragt und ihr Vater hatte ihr Sandor Clegane geschickt. Somit hatte er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einen Beschützer für seinen Enkel und er hatte verhindert, dass es einen Krieg zwischen den beiden Clegane Brüdern vor seiner Haustür geben würde. Als er neu nach King's Landing kam, war der Hund nicht besonders bekannt. Ein paar Idioten hatten versucht sich mit ihm anzulegen, als er betrunken war und mussten auf schmerzliche Weise erfahren, dass der Mann eine Killermaschine war, egal ob betrunken oder nüchtern. Nun war er ein Mitglied der Königsgarde, ein Musterbeispiel für Tugend und Ritterlichkeit in den Sieben Königslanden. Natürlich durch Jaime Lannisters, dem Königsmörder, als Mitglied der Garde und Barristan Selmy, welcher aus dem Dienst enthoben wurde, war sie nicht mehr so tugendhaft und ritterlich. Clegane hatte sich geweigert zu einem Ritter geschlagen zu werden, da er auf alle `Sers` und ihre Art spuckte. Er müsste normalerweise, nun da er Mitglied war, auch die weiße emaillierte Rüstung der Königsgarde tragen, doch er trug weiterhin öfters seine alte schwarze.
Nach vielen Richtungswechseln und Treppen, die zu steigen waren, erreichten sie endlich die Gemächer des Königs. Es waren die gleichen, die er auch als Prinz bewohnt hatte, da seine Mutter immer noch in der royalen Suite lebte. Varys war sich sicher, dass dies sich eines Tages ändern würde, wie der König es ebenfalls ständig behauptete. Vor der Tür standen zwei Ritter der Königsgarde, Ser Boros Blount und Ser Mandon Moore. Ohne ein Wort zu sagen öffneten sie die Tür, traten zur Seite und ließen Clegane und Varys eintreten.
Als sie den Raum betraten sahen sie, wie Großmaester Pycelle an einem Tisch saß und etwas in einer kleinen Schüssel zusammen mixte. Viele Phiolen und Kolben standen dabei zusätzlich vor ihm auf dem Tisch. Der König saß in der Nähe des Fensters auf einem gepolsterten Sessel. Seine Füße lagen auf einer ebenfalls gepolsterten Fußbank und sein Körper war in eine Decke gehüllt. Er war sehr blass, nass geschwitzt und war immer noch in seiner Schlafkleidung.
„Die Spinne, Euer Gnaden", sagte Clegane, als sie eintraten und er die Tür hinter sich schloss.
„Guter Hund!", sagte Joffrey. Varys wollte gerade etwas sagen, als Pycelle sich räusperte und Joffrey seinen Kopf daraufhin zu ihm drehte.
„Dies sollte die letzte Spülung sein, Euer Gnaden", sagte Pycelle und stand mit der Schüssel in der Hand auf.
Joffrey verzog sein Gesicht. „Nicht jetzt. Ich muss mit Lord Varys reden und kann dies nicht tun, wenn ich auf dem Austritt sitze."
„Natürlich, Euer Gnaden", sagte Pycelle und setzte sich wieder.
„Wie kann ich Euch zu Diensten sein, Euer Gnaden?", fragte Varys, als er leicht das Haupt neigte.
„Ich möchte, dass Ihr jemanden in die Küche schickt, der die Köche und Küchenhilfen ausspioniert."
„Es ist bereits jemand dort unten, der diese Aufgabe innehat", entgegnete Varys, als er sich wieder gefangen hatte.
„Gut. Denn ich möchte wissen, wer mich vergiftet hat!"
Pycelle seufzte. „Euer Gnaden, es war kein Gift. Wie ich euch bereits gesagt habe, wurde das Essen überprüft. Es waren die Eier, die schlecht waren. Ein Problem, das bei solch einer Hitze häufiger auftritt, wenn sie zu lange liegen bleiben, nachdem sie gelegt wurden."
„Warum ist dann niemand anderes krank?", fragte Joffrey sauer, was allerdings durch seine Krankheit nicht so klang.
„Euer Essen wird nur für Euch persönlich zubereitet, Euer Gnaden", erklärte ihm Varys. „Niemand anderes isst des Königs Essen!"
„Dies wird sich ab sofort ändern!", bestimmte Joffrey. „Ich möchte jemanden, der mein Essen vorkostet, bevor ich es serviert bekomme. Ich möchte, dass jeder Teller von nun an probiert wird, bevor er zu mir gelangt."
„Wie Ihr befehlt, Euer Gnaden", sagte Varys schmeichelnd.
„Jetzt, Euer Gnaden…", fing Pycelle an, doch verstummte er, als Joffrey ihn böse ansah.
„Noch nicht!", sagte er und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Varys zu. „Ich habe eine weitere Aufgabe für Euch, Lord Varys."
„Was möchtet Ihr von mir, Euer Gnaden?"
„Ich möchte etwas über meinen Vater wissen!"
Varys wusste genau, wohin dies führte. Er hatte bereits gehört, dass Joffrey Fragen über die Bastarde seines Vaters stellte. „Vielleicht sollte wir dies privat besprechen, Euer Gnaden."
„Nein!", sagte Joffrey spottend. „Ich möchte, dass sie es auch hören. Ich möchte, dass sie wissen, was mein Vater wirklich für ein Mann war. Ich möchte, dass Ihr mir die Wahrheit erzählt. Hund, sollte Lord Varys lügen, möchte ich, dass Ihr ihm die Kehle durchschneidet."
„Mit Vergnügen, Euer Gnaden", sagte Clegane und Varys meinte etwas Schadenfreude in seiner Stimme zu hören. Zumindest hörte es sich für ihn so an. Warum hasste jeder die Spinne?
Varys wusste, dass er solch einen Befehl seinem Hund nicht gab, jedoch tat er so als würde er. Er sah, dass Pycelle sich erneut erhob und es so aussah, als wollte er etwas sagen, entschied sich dann jedoch anders und setzte sich wieder. Pycelle mochte Varys nicht und würde nichts tun, um dies hier zu verhindern. „Ich erwarte Eure Frage, Euer Gnaden", sagte Varys.
„Sagt die Wahrheit!", begann Joffrey, „Wie viele Bastarde hat mein Vater gezeugt?"
Varys antwortete sofort. „Ich weiß von acht."
Er bemerkte sofort, dass Joffrey nicht mit so vielen gerechnet hatte, da er tatsächlich geschockt war. „Acht?! Das… Wer sind sie? Wo leben sie?"
„Die Älteste ist ein Mädchen, Mya Stone. Sie lebt im Vale und ist 19 Jahre alt", begann Varys. „Dann gibt es Edric Storm, in Storm's End, welchen Euer Vater in der Nacht von Stannis Baratheons Hochzeit mit einer noblen Lady gezeugt hat. Zum Bedauern aller im Hochzeitsbett. Stannis hat ihm das nie verziehen." Varys kicherte leicht, doch als er merkte, dass es der König überhaupt nicht lustig fand, hörte er schnell wieder auf. „Edric Storm musste Euer Vater anerkennen, da seine Mutter eine Hochgeborene war. Dann gibt es noch ein Mädchen im Reach. Ihren Namen und ihr Alter weiß ich leider nicht. Ihr Nachname müsste aber Flowers sein. Ein Mädchen in den Riverlands mit Namen Bella. Sie ist, soweit ich weiß, eine Hure. Dann ein Junge, fünf oder sechs Jahre alt, im Norden, ich glaube in White Harbor, wobei Euer Vater seine Mutter hier in King's Landing kennen gelernt hat. Es gibt noch einen Junge in Lannisport, ca. acht oder neun Jahre alt. Euer Vater hat ihn gezeugt, als er gen Westen geritten ist, um die Greyjoy Rebellion zu beenden. Und zu guter Letzt gibt es noch einen 15-jährigen Jungen und ein sehr kleines Mädchen, die hier in King's Landing leben, Euer Gnaden."
Joffrey war für einen Moment sprachlos, bevor er anfing zu sprechen, jedoch zu geschockt, um wütend zu sein. „Könnte es noch mehr geben?"
Varys nickte. „Es erschüttert mich, dass ich es Euch erzählen muss, Euer Gnaden, aber Ihr habt gefragt. Euer Vater war ein sehr lustvoller Mann und hat selten eine Nacht alleine verbracht, egal ob hier oder wo anders. Es würde mich nicht überraschen, wenn es noch mehr Bastarde von ihm in den Sieben Königslanden gibt."
Joffrey starte für einen Moment einfach nur ins Leere und sagte nichts. Dann sprach er. „Hat er meine Mutter geliebt?"
„Ich konnte leider nicht in sein Herz schauen, Euer Gnaden."
„Er begann einen Krieg, weil Rhaegar Targaryen, Ned Stark's Schwester entführt hatte", sagte Joffrey angeekelt. „Er hat sie geliebt, oder?"
„Jeder wusste, dass Lyanna Stark seine erste große Liebe war, Euer Gnaden", antwortete Varys. „Dies war jedoch bevor er Eure Mutter traf."
Niemand sagte für einen Moment etwas und die Stille zog sich dahin, als Joffrey über das Treiben seines Vaters nachdachte und aus dem Fenster starrte. Dann schaute Joffrey zurück zu Varys. „Ich weiß, dass zwei der Bastarde meines Vaters in King's Landing leben. Ich habe auch gehört, dass Jon Arryn und Stark nach den Bastarden meines Vaters gesucht haben. Erzählt mir mehr über die zwei."
„Das Mädchen ist ein Baby. Sie ist die Tochter einer Hure in einer von Kleinfingers Etablissements. Der Junge heißt Gendry und ist 15 Jahre alt. Er ist der Lehrling eines Schmiedes in der Straße des Stahls, Euer Gnaden. Seine Mutter ist vor sieben Jahren gestorben." Es stimmte alles, da Varys nicht wusste, was Joffrey alles wusste und was er selber in Erfahrung gebracht hatte. Hoffentlich wusste Joffrey nichts davon, dass er es arrangiert hatte, dass Gendry gemeinsam mit der Nachtwache am vorherigen Tag verschwunden war.
„Ihr werdet alle Informationen über die beiden Bastarde an Lord Slynt, den Kommandeur der Goldröcke, weitergeben. Am besten heute bzw. sofort!", kommandierte Joffrey. „Nun lasst uns allein!"
„Wie Ihr befiehlt, Euer Gnaden", sagte Varys und ohne ein weiteres Wort verbeugte er sich kurz und ging dann hinaus. Er war nicht überrascht, dass Janos Slynt draußen bereits auf ihn wartete. Varys mochte den Mann nicht. Er war ein Mann aus der Unterschicht, der sich hochgearbeitet hatte, in dem er Ned Stark verraten hatte. Er war nun Lord von Harrenhal.
„Lord Slynt", grüßte er ihn.
„Lord Varys", antwortete Slynt. „Der König sagte, dass Ihr ein paar Namen für mich habt."
„Und was hat der König Euch befohlen, sollt Ihr mit den Namen machen?"
Slynt sträubte sich etwas und seine Wangen zitterten. „Das geht Euch nichts an!"
„Natürlich nicht", sagte Varys wie üblich. Er erzählte Slynt die Details über die beiden Bastarde, genauso wie Joffrey es ihm befohlen hatte, und machte sich dann auf den Weg zurück in seine Gemächer. Varys Leben verlief immer auf Messers Schneide. Ein Fehler und es würde für ihn das Ende sein. Somit hatte er Slynt alles gesagt. Er wusste, sollte das Baby oder Gendry gefunden werden, dass sie sehr schnell tot wären. Aber dies lag nun nicht mehr in seinen Händen.
Das Bad, das er nahm wirkte wahre Wunder und seine Sorgen, die ihn die letzten Tage geplagt hatten, verschwanden immer mehr. Sein schlimmer Rücken war das Resultat eines großen Magens. Und dadurch, dass er immer auf dem Bauch schlief, verschlechterte sich sein Rücken noch mehr. Egal was er versuchte, sein Bauch wurde nie dünner, nur dicker. Varys war ein Eunuch, etwas das jeder wusste. Er glaubte, dass seine runde Figur dadurch verursacht wurde, dass er keine Männlichkeit mehr besaß und nicht an seinem großen Appetit. Alle Eunuchen waren anfällig für einen großen Bauch. In seiner Kindheit, kannte Varys viele Eunuchen und alle hatten einen großen, runden Bauch. In Westeros gab es wenige Eunuchen. In Essos jedoch, war es nicht ungewöhnlich einem Eunuchen zu begegnen. Die meisten waren Sklaven und wurden dafür benutzt, um hochgeborenen Damen und Bordelle zu bewachen. Varys hatte mal einen Maester sagen hören, dass die Rundlichkeit daran lag, dass sie keinen Penis mehr hatten und somit mehr feminin und weniger maskulin wirkten.
Nachdem er sein Bad beendet hatte, aß er etwas Kleines und ging seine ganzen Informationen durch. Er wollte sich gerade auf den Weg zu Königin machen, um ihr über das Verhör des Seemanns zu erzählen, als ein Bote eintrat und ihn zu einer eiligen Sitzung mit der Königin rief. Als er eintraf, waren Pycelle und die Königin bereits da. Vor der Königin lagen zwei Pergamentrollen, die geöffnet und leicht zerknittert waren. Cersei sah etwas verunsichert aus. Sie hatte rote Augen, als hätte sie vor nicht allzu langer Zeit geweint. Varys kommentierte es nicht. Er verbeugte sich vor Cersei. „Euer Gnaden!" Sie sagte nichts und er schaute deswegen zu Pycelle. „Wie geht es dem König?"
„Besser. Er sollte seine Aufgaben morgen wieder in Angriff nehmen können."
Oh, welch ein Glück, dachte Varys. Und auf welche dumme Idee würde der König dieses Mal kommen? Er hatte ihn stoppen können Ned Stark zu töten, doch diesen Trick würde er nicht noch einmal benutzen können. Nicht jetzt.
Cersei drehte sich Varys zu als er sich setzte. Sie schaute ihn nun mit purem Hass an und sprach sehr harsch zu ihm. „Was für Lügen habt ihr meinem Sohn erzählt?"
Ah, Pycelle hat ihr wohl alles erzählt. Varys lugte zu ihm herüber und beide wussten, dass er es wusste. „Ja, er hat es mir erzählt", zischte Cersei. „Großmaester Pycelle ist ein loyaler Gefolgsmann, der mir alles erzählt hat, was vor ein paar Stunden in den Gemächern meines Sohnes gesagt wurde."
„Euer Gnaden, ich habe das getan, was der König von mir verlangt hat. Mit seinem Hund an meiner Kehle… welche Wahl hatte ich?"
„Ihr hättet ihn anlügen können", sagte Cersei und lächelte gefährlich. „Ihr seid doch so gut darin, oder? Im Lügen? Ein Mann wie Ihr kommt nicht soweit, wenn er nicht ein guter Lügner ist."
„Sollte ich Euch beleidigt haben, Euer Gnaden, dann entschuldige ich mich dafür", bot Varys unterwürfig an.
„Ja, Ihr habt mich beleidigt!", schrie Cersei ihn fast an. „Jede Mutter wäre beleidigt, wenn irgendein Idiot ihrem Sohn etwas von dessen Vaters Untreue erzählen würde. Sollten Tommen oder Myrcella, irgendetwas davon erfahren, dann schwöre ich euch, lasse ich Joffreys Hund auf euch los."
„Die werden es definitiv nicht aus meinem Munde hören, Euer Gnaden", antwortete Varys. „Aber zu meiner Verteidigung, Euer Gnaden, der König wusste bereits etwas über die Bastarde seines Vaters. Er wusste auch, dass Jon Arryn und Ned Stark sich über sie erkundigt hatten."
„Erkundigt?", sagte die Stimme von Kleinfinger, als er den Raum betrat, in der Hand ein kleines Leder gebundenes Buch. Er verneigte sich. „Euer Gnaden. Hat das Treffen ohne mich begonnen?"
„Setzt Euch", befahl Cersei. „Wenn Ihr mehr Zeit damit verbringen würdet Euch um die Probleme des Reiches zu kümmern und nicht immer nur die Münzen Eurer Bordelle zählen würdet, dann wärt Ihr rechtzeitig hier."
„Ich bitte um Entschuldigung, Euer Gnaden", sagte Kleinfinger. „Es gab leider ein Problem in einem meiner Bordelle. Dies ist auch der Grund, warum ich zu spät bin. Lord Slynt und ein paar Goldröcke waren dort."
Oh, nein, dachte Varys. Es ist bereits geschehen. Cersei's Augen wurden schmal. „Was hat Slynt mit Euren Bordellen zu tun? War er ein Gast oder hat er eine Eurer Huren verhaftet?"
„Seine Männer haben ein Baby getötet", sagte Kleinfinger ohne Emotionen.
Pycelle betete kurz zu den Göttern und Cersei's Gesicht erblasste. „Ein Baby?"
„Ein Bastard Mädchen. Ich glaube, von Eurem verstorbenen Ehemann", erklärte Kleinfinger. Sie atmete tief ein und aus und tat dies erneut. Dann schaute sie Varys an. Für einen Moment dachte Varys, sie würde ihn anschreien. Aber dann sah er etwas in ihren Augen, Angst und Ekel. Sie wusste, dass Joffrey den Befehl gegeben hatte. Sie wusste, dass ihr Sohn ein Monster war.
Cersei erholte sich schnell und sprach ganz ruhig. „Wir haben Wichtigeres zu besprechen, Milords. Es gibt Nachrichten aus den Riverlands." Sie schaute Pycelle an.
„Schreckliche Nachrichten befürchte ich", begann der Großmaester. „Der Krieg wütet nun auch in den Riverlands, auch wenn wir versucht haben es zu verhindern. Es sind zwei Raben mit Nachrichten von Lord Tywin eingetroffen. Die Erste schilderte den Kampf und den Sieg gegen ein Kontingent der Stark am Grünen Arm."
„Das klingt doch nach guten Neuigkeiten", sagte Kleinfinger. Er drehte sich zu Varys. „Etwas, das Ihr bisher noch nicht gehört habt. Wie überraschend."
Varys lächelte. „Selbst meine Vögelchen brauchen etwas Zeit, um zu mir zu fliegen."
„Hört mir zu, ihr Idioten, oder der kleine Rat wird noch kleiner!", fauchte Cersei sie an. Sie nickte Pycelle zu und er fuhr fort.
„Die zweite Nachricht, die ein anderer Rabe gebracht hat, sagt, dass die Armee, die sie besiegt haben, nur ein kleiner Teil und nicht die Hauptarmee war. Die Hauptarmee hat sich an Lord Tywin's Armee vorbei geschlichen, in Riverrun zugeschlagen und die Belagerung beendet."
„Oh Gott", sagte Varys. Dies hatte er tatsächlich noch nicht gehört. „Wie erging es unseren Truppen?"
„Lord Tywin hat darüber nicht geschrieben. Er hat jedoch einen Verlust gemeldet", antwortete Pycelle.
Pycelle's Augen wandten sich Cersei zu. „Die Starks haben meinen Bruder gefangen genommen", sagte sie durch zusammengebissene Zähne.
„Lord Tyrion wurde erneut gefangen genommen?", fragte Kleinfinger. Varys rollte mit den Augen und wusste, dass er etwas Falsches gesagt hatte.
„MEINEN ANDEREN BRUDER!", schrie Cersei ihn voller Wut an. Sie atmete ein paar Mal tief ein und aus und begann sich wieder zu beruhigen, während niemand ein Wort sagte. „Jaime wurde bei einem Hinterhalt gefangen genommen."
„Wie schrecklich", sagte Varys. Mann, oh, Mann. Das macht das ganze Spiel noch interessanter. Aber wie?
„Ein großer Verlust", sagte Kleinfinger und sah so aus als meinte er es auch.
„Er ist nicht tot", sagte Cersei leise. Ihre Mauer aus Stahlnerven begann zu bröckeln, doch sie besann sich schnell wieder.
„Wir können die Stark Mädchen gegen Ser Jaime austauschen", sagte Pycelle schnell. „Er wird bald wieder bei uns sein, Euer Gnaden."
Kleinfinger schnaubte. „Robb Stark wird Ser Jaime niemals gegen zwei Mädchen eintauschen."
„Eins", sagte Varys.
„Eins", wiederholte Cersei. „Arya Stark wurde noch immer nicht gefunden."
„Warum noch nicht, Lord Varys?", fragte Kleifinger mit einem frechen Grinsen. „Ich dachte, Ihr wärt der Meister aller Flüsterer?"
Varys ignorierte die Provokation. „Es kann vieles mit ihr passiert sein. Sie könnte eine Leiche in irgendeinem Grab sein. Sie könnte sich aber auch versteckt haben oder aus der Stadt geflohen sein. Als ich Lord Stark erzählte, dass sie vermisst wird, glaubte er auch das Letztere. Er behauptete, sie sei ein wildes Kind und würde nur dann gefunden werden, wenn sie dies auch wollte. Mein Fehler war es nach einer hochgeborenen Lady zu suchen. Sie ist keine Lady, zumindest jetzt noch nicht. Und sie hat keine Angst vor Dreck oder davor sich die Finger schmutzig zu machen."
„Dann weitet die Suche aus. Schaut jedem Mädchen, das in der Gosse lebt, in die Augen", sagte Cersei zu ihm. „Zurück zu meinem Bruder. Wir bringen Ned Stark zurück in die Stadt und tauschen ihn gegen Jaime aus. Es war ein Fehler ihn so einfach gehen zu lassen." Ein Fehler,dem Ihr zugestimmt habt, dachte Varys, sagte aber nichts.
„Natürlich!", sagte der Schleimer Pycelle. „Euer Gnaden haben Recht. Wir müssen Ned Stark zurückholen und ihn dann gegen Ser Jaime austauschen." Ein kriechender Schleimer bis zum Ende, dachte Varys.
„Was ist mit der Übereinkunft mit Ned Stark, dass er das Schwarz anlegt?", fragte Varys. „Die Nachtwache kann traditionell nicht von Königen und Königinnen angefasst werden."
„Die Männer der Nachtwache legen ihren Schwur erst an der Mauer ab", sagte Pycelle ihnen. „Nachdem sie ihr Training vollendet haben. Momentan ist er noch kein Schwarzer Bruder."
Kleinfinger schüttelte jedoch den Kopf. „Robb Stark könnte sich weigern einen Kommandeur und großen Schwertkämpfer gegen seinen Vater einzutauschen, der ihm keine große Hilfe ist, da er einen Eid abgelegt hat sich der Nachtwache anzuschließen."
„Wir geben ihm Sansa dazu", sagte Cersei und hing sich damit an ihre letzte Chance etwas auszurichten. „Und Arya dazu, wenn wir sie finden sollten."
„Sansa Stark ist mit dem König verlobt, Euer Gnaden", erinnerte Varys sie. „Er könnte sich weigern sie gehen zu lassen."
Cersei knurrte ihn an. „Ich werde Joffrey eine anderes Mädchen finden, dass er in seiner Hochzeitsnacht ficken kann, dass versichere ich euch. Milords, wir werden Ned und Arya Stark finden und sie alle drei gegen meinen Bruder austauschen. Wo glaubt Ihr, ist Ned Stark jetzt?"
„Einige Meilen nordwärts würde ich behaupten, aber noch südlich des Götterauges. Viele Menschen aus dem Volk wandern in Richtung Hauptstadt, Euer Gnaden. Sie suchen nach Sicherheit und Essen. Wir werden bald überrannt werden."
„Schließt die Tore und lasst sie nicht hinein", befahl sie. „Gebt ihnen auch nichts zu essen. Dadurch dass die Straße in den Süden durch Renly blockiert ist und Stannis der die Einfahrt in den Blackwater Bay von Dragonstone aus blockiert, brauchen wir alles an Nahrung, was wir haben, für uns."
„Wo wir gerade davon sprechen, Euer Gnaden. Der Fischer, der gestern gefangen genommen wurde, ist gebrochen und hat geredet. Er ist einer der Hauptmänner von Stannis. Er sollte unsere Verteidigung ausspionieren und sie auf einer Karte einzeichnen. Er hat mir erzählt, dass Stannis über einhundert eigene Schiffe hat. Dazu kommen die Schiffe eines lysenischen Piraten namens Sallandor Saan."
„Kann es noch schlimmer kommen?", flüsterte Cersei. „Was sind unsere Optionen, Milords?"
„Große Mengen", sagte Pycelle ängstlich. „Können wir einem Angriff vom Wasser und von Land etwas entgegensetzten?"
„Einer Belagerung, ja", sagte Kleinfinger. „Einem anhaltenden Kampf… da bin ich mir nicht sicher. Wir haben jedoch genug Nahrung, um einer mehrerer Monate dauernden Belagerung Stand zu halten." Er schaute in sein in Leder gebundenes Buch. „Falls der Angriff bald kommt. Jedoch reichen unsere Nehrungsreserven wirklich nur ein paar Monate, da momentan nicht viel zu uns durchdringt. Dazu kommt, dass wir nur wenige Krieger in der Stadt haben, mit Ausnahme Eurer persönlichen Garde und den Goldröcken."
„Ich werde Vater befehlen seine Armee hierher zu verlegen!", sagte Cersei wieder etwas lauter, schrie sogar fast. In diesem Moment betrat Janos Slynt den Raum. Cersei sah ihn zuerst und ihre Lippen verengten sich angeekelt. „Lord Slynt."
„Entschuldigt, Euer Gnaden. Ich hatte einen Auftrag zu erledigen." Slynt wollte sich setzten, doch Cersei kam ihm zuvor. „Setzt Euch nicht", sagte sie ihm. Slynt schaute sie verwirrt an doch tat, was sie ihm befahl. „Ich habe gehört, dass ihr neuerdings kleine Babys tötet."
Slynt schaute schnell zu Kleinfinger der ihn aber nur angrinste. „Ich habe es auf Befehl des Königs ausgeführt, Euer Gnaden!"
Cerseis Nüstern flatterten gefährlich. „Der König ist ein Junge. Ich bin die Königin Regentin. Alle Befehle, die der König gibt, sollten vorher zu mir kommen, du Idiot. Wie viele andere Babys hast du heute noch getötet."
„Keine anderen, Euer Gnaden", sagte Slynt. Seine Stirn war voller Schweiß. „Der andere Bastard ist nicht mehr in der Stadt."
„Welche andere Bastard"?", verlangte sie zu wissen und schaute Varys dabei an.
„Ein Schmiedelehrling.", sagte Varys. „Ein Junge von 15 Jahren. Er war der Junge, nachdem Jon Arryn und Ned Stark gesucht und ihn befragt hatte, Euer Gnaden."
Cersei sträubte sich und wandte sich dann wieder Slynt zu. „Wo ist er jetzt?"
„Sein Meister sagt, dass er ihn gestern raus geworfen hat. Er hat ihm empfohlen sich der Nachtwache anzuschließen."
„Er hat ihn gestern rausgeworfen? Um sich der Nachtwache anzuschließen?", sagte Cersei und schaute Varys sehr verdächtig an. „Es sieht fast so aus, als wäre der Junge gewarnt worden, dass jemand bald kommen würde um ihn zu töten."
„Ned Stark wusste, wer er war", antwortete Varys ruhig. Er hatte sich bereits eine Lüge überlegt. „Vielleicht hat er eine Nachricht aus dem Gefängnis geschmuggelt. Er hat mit Yoren, dem Mann der Nachtwache, gesprochen bevor er ging. Möglicherweise ein finaler Akt von Güte, gegenüber seinem toten Freund Robert."
Cersei seufzte vor Ekel und starrte dann erneut Slynt an der sich unter ihrem Blick sehr unwohl fühlte. „Lord Slynt, wollt Ihr, dass es in der Stadt Randale gibt?"
„Nein, Euer Gnaden."
„Sollte das Volk herausfinden, dass ihr auf Anweisung des Königs hin Kinder tötet, dann wird es Randale geben. Wir haben schon genug Feinde außerhalb der Mauern. Wir brauchen nicht noch mehr innerhalb."
„Weise Worte, Euer Gnaden", kommentierte Pycelle. Cersei ignorierte ihn jedoch und beschäftigte sich weiter mit Slynt.
„Ihr werdet damit aufhören die Bastarde meines Mannes zu töten. Sollte der König es noch einmal befehlen, nickt Ihr, sagt ja und kommt dann zu mir. Habt Ihr mich verstanden?"
„Ja, Euer Gnaden. Aber, aber…"
„Aber was?", fragte sie kochend.
„Ich habe bereits eine 6 Mann starke Gruppe losgeschickt. Sie sollen den Jungen finden, der mit der Gruppe der Nachtwache losgegangen ist."
„Mit welchem Befehl?", forderte die Queen.
Slynt schluckte. „Ihn zu töten und seinen Kopf nach King's Landing zurück zu bringen."
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