Kapitel 6 ´Arya`

Direkt nachdem der Rekrut eingetreten war und ihnen die Nachricht von den Goldröcken erzählt hatte, befahl Yoren, Gendry und Arya nach oben zu gehen und sich dort zu verstecken. Der verwirrte Wirt flehte Yoren an, dass sie ihm keinen Ärger ins Haus bringen sollten, während Yoren, Aryas Vater und die anderen Rekruten aus der Tür traten. Arya kniete nun auf dem Boden eines Raumes im zweiten Stockwerk des Gasthofes. Sie lugte aus dem Fenster, um zu sehen, was draußen auf dem Platz vor dem Gasthof vor sich ging. Unter ihr konnte sie Yoren und ihren Vater sehen, wie sie mit den Goldröcken sprachen, die wegen Gendry dort waren. Die Goldröcke saßen immer noch auf ihren Pferden. Viele der Rekruten standen um sie herum, ihre Waffen in der Hand.

„Was sagen sie?", flüsterte Gendry in Aryas linkes Ohr. Er kniete neben ihr und versuchte ebenfalls aus dem Fenster zu schauen, ohne seinen Kopf zu hoch zu heben. Sein Atmen war warm und er roch nach Bier und Hammeleintopf.

„Sei ruhig!", flüsterte sich energisch zurück. „Hör zu!"

„Aye, ich gehöre zu der Gruppe der Nachtwache", sagte Yoren gerade dem Offizier der Goldröcke. „Was wollt Ihr?"

„Ich habe einen royalen Haftbefehl", sagte der Offizier mit strenger Stimme. In seiner rechten Hand hielt ein gerolltes Stück Pergament. „Wir sollen einen Bastard mit dem Namen Gendry zurück nach King's Landing bringen. Er besitzt einen Helm in der Form eines Bullenkopfs. Er wurde gesehen, wie er mit eurer Gruppe King's Landing verlassen hat."

„Das stimmt", antwortete Yoren. „Er gehört jetzt zur Nachtwache. Er kann von Königen und Königinnen nicht mehr erreicht werden."

„Wir haben einen königlichen Haftbefehl!"

„Ich pisse auf Euren Haftbefehl", sagte Yoren und spuckte auf den Boden.

Der Offizier begann sein Schwert zu ziehen und seine Männer taten es ihm gleich. Yoren war jedoch schneller, und bevor der Offizier überhaupt weiterziehen konnte, hatte Yoren sein Schwert bereits gezogen und legte es an den Bauch des Offiziers. Die anderen Rekruten der Nachtwache richteten ihre Schwerter in Richtung der anderen Goldröcke. Arya war überrascht, dass sogar Hot Pie und Lommy dort waren mit dicken Gesteinsbrocken in ihren Händen.

„Das ist Verrat", rief der Offizier. „Ich werdet dafür alle hängen!"

„Ihr zuerst!", sagte einer der Rekruten und schwang seine Keule. Der Jäger hatte seinen Bogen gezogen und einen Pfeil auf die Sehne gelegt. „Nein. Ich denke er bekommt zuerst einen Pfeil durch sein Herz, bevor er gehängt wird", sagte er.

„All diese Männer gehören zur Nachtwache", sagte Arya's Vater zu den Goldröcken. Seine Stimme war laut, stark und autoritär. „Auch der Junge, den Ihr sucht. Also solltet Ihr besser nach King's Landing zurückreiten, solange ihr es noch könnt."

„Tut besser das, was Lord Stark sagt", riet Yoren dem Offizier. „Es sei denn ihr wollt, dass wir sechs frische Gräber neben der Straße müssen."

Der Offizier schnaubte. „Ich nehme keine Befehle von Verrätern an!"

„Das tut Ihr doch bereits!", sagte Aryas Vater und das Schnauben des Offiziers ging über in Verwirrung. Was meint er damit?, dachte Arya. Nimmt der Offizier tatsächlich Befehle von Verräter entgegen? Sie wusste nicht, wer für die Goldröcke verantwortlich war. Vielleicht meinte er Joffrey. Oder Cersei. Sie konnten den Goldröcken Befehle geben. Aber er war nun mal der König und sie die Königin. Wir konnten die beiden Verräter sein?

„Wir kommen wieder", sagte der Offizier nach kurzem Zögern. „Und wir kommen nicht alleine zurück!" Mit diesen Worten wendete er sein Pferd und ritt davon. Seine Männer folgten ihm. Arya konnte verfolgen, wie sie in Richtung Süden ritten, die Holzbrücke überquerten und dann im Wald verschwanden, der auf der Seite des Weges aufragte.

„Ich hätte sie umbringen sollen", sagte der Jäger.

„Aye. Aber manche von euch wären dann auch tot", sagte Yoren.

Arya setzte sich auf den Boden des Raumes und Gendry tat es ihr gleich. Sie schaute ihn verwirrt an. Irgendetwas stimmte hier nicht. Er war doch nur ein Schmiedelehrling. Er sah aus wie jeder andere auch, außer vielleicht sein tiefschwarzes Haar und seine blauen Augen. Was wollten sie mit ihm machen. „Warum wollen die Goldröcke dich haben?"

„Ich weiß es nicht", antwortete er. Da er sie bei der Antwort nicht anschaute, wusste sie genau, dass er etwas vor ihr verbarg.

„Lügner!"

„Du solltest niemanden einen Lügner nennen."

„Du bist aber ein Lügner", sagte sie lauter. „Sie hatten einen Haftbefehl für dich. Warum?"

Gendry zuckte mit den Schultern und sie schlug ihm dafür auf den Arm. „Erzähl es mir!" Er lachte und sie schlug ihn erneut, was ihn erneut lachen ließ. „Du schlägst wie ein Mädchen!"

Arya wurde rot. „Ich bin kein Mädchen!"

Gendry hob eine Augenbraue. „Wer ist nun der Lügner?"

Aryas Gesicht wurde immer heißer. Was wusste er? Ihr Vater! „Hat Lord Stark gesagt…?"

„Dass du seine Tochter bist? Ja. Lady Arya Stark von Winterfell."

„Ich bin keine Lady!", schrie sie ihn fast an und schlug ihn erneut.

„Was ist denn hier los?", kam die strenge Stimme ihres Vaters von der Tür.

Arya stand auf und Gendry tat es ihr gleich. „Du hast ihm erzählt, wer ich bin!", sagte sie mit lauter Stimme.

Ihr Vater seufzte und nickte. „Er wusste schon vorher, dass du ein Mädchen bist!"

Arya schaute Gendry an. „Wie?", fragte sie nun etwas ruhiger.

„Du bist immer zum piss… zum Wasser lassen in den Wald gegangen", sagte er. „Außerdem, siehst du doch aus wie ein Mädchen. Ich bin doch nicht doof… Milady."

„Doch, das bist du!" Sie schlug ihn erneut und dieses Mal richtig hart, so dass er kurz vor Schmerz aufschrie.

„Das reicht jetzt", sagte ihr Vater mit strenger Stimme und schaute Gendry an. „Und sprich sie ja nicht mehr mit Milady an!"

„Ja, Milord", sagte Gendry die Augen auf den Boden gerichtet.

„Warum wollen die Goldröcke ihn gefangen nehmen?"

Ihr Vater schaute zuerst Gendry und dann wieder sie an. „Ich weiß es nicht genau."

Arya schaute sie abwechselnd an. Sie konnte ihren Vater schlecht einen Lügner nennen, aber sie war sich sicher, dass er wusste warum sie Gendry mitnehmen wollten. Deswegen war er doch ein Lügner. Vielleicht. Wenn jemand dir etwas nicht sagt, was er weiß und er dir damit auch keine Lüge erzählt, ist er dann ein Lügner? „Erzähl es mir doch einfach", sagte sie flehend. „Ich kann ein Geheimnis für mich behalten."

„Wenn Gendry es möchte, dann ja."

Arya schaute Gendry an, doch seine Augen waren weiterhin auf den Boden gerichtet. „Na schön!", sagte sie verärgert. „Behaltet eure Geheimnisse. Es ist mir egal." Sie begann in Richtung Tür zu gehen, doch ihr Vater hielt sie auf.

„Die Tochter des Wirts bringt einen Zuber mit heißem Wasser nach oben, damit du dich waschen kannst. Gendry, du gehst am besten zum Waschhaus, wenn du sauber werden willst. Yoren sagt, dass wir weiterziehen, sobald alle fertig sind. Wir werden die Nacht nicht hier verbringen."

„Es tut mir leid, dass ich so viele Probleme mache, Milord!", entschuldigte Gendry sich.

„Es ist nicht deine Schuld, Junge. Ab mit dir!"

Gendry ging hinaus und Arya setzte sich auf das Strohbett im Raum. Ihr Vater setzte sich zu ihr und zuckte aufgrund seines Beines vor Schmerz leicht zusammen.

„Wie geht es deinem Bein?"

„Es wird besser. Aber nur langsam", antwortete er. Er legte einen Arm um sie und schaute sie ernst an.

„Der Ärger verfolgt uns!"

„Er verfolgt Gendry, meinst du."

„Aye. Aber wir sind gemeinsam mit ihm hier. Deswegen ist es auch unser Ärger."

„Was hat er getan? Hat er jemanden getötet?"

„Nein. Er ist nur ein guter Junge, der in einer blöden Situation steckt. Und wage es ja nicht, ihn damit zu behelligen. Wenn er es dir erzählen will, dann wird er es auch tun."

Sie nickte. Dann viel ihr ein, dass sie ihn noch etwas fragen wollte. „Warum hast du ihm aufgetragen auf mich aufzupassen?"

„Ich mache mir Sorgen um dich!"

„Das ist mir klar, aber warum Gendry?"

„Ich habe ihn schon früher getroffen. In King's Landing."

„Achso… wie?"

„Ich habe ihn in der Schmiede besucht!"

„Warum?"

„Damit er mein Schwert repariert. Jetzt aber genug mit den Fragen. Du lässt ihn damit in Ruhe und…" Bevor er jedoch weiter mit ihr schimpfen konnte klopfte es an der Tür. Ihr Vater stand auf, öffnete die Tür einen Spalt, lugte hinaus und öffnete sie dann ganz. Ein junges Mädchen, nicht älter als Arya selbst, betrat das Zimmer mit einem Zuber voller Wasser und einem Lappen. Ihr Vater bedankte sich bei dem Mädchen und sie ging wieder hinaus. Er folgte ihr und sagte, dass er vor der Tür Wache stehen würde, während sie das Bad nahm.

Arya fühlte die Temperatur des Wassers. Es war warm, nicht zu heiß, aber es würde seinen Zweck erfüllen. Sie hatte seit gut einer Woche kein Bad mehr genossen. Seitdem ihr Vater gefangen genommen wurde und sie hatte flüchten müssen. Sie fühlte sich schmuddelig und schmutzig, der ganze Dreck der Straßen King's Landing klebte an ihrem Körper und in ihren Haaren. Sie zog sich aus und begann sich mit dem nassen Lappen das Wasser über ihren Körper zu reiben. Arya versenkte ihren Kopf im Wasser, blieb einige Sekunden unter Wasser, hob dann ihren Kopf wieder hoch und ließ das Wasser über ihr Gesicht laufen. Sie wusch ihr Gesicht und ihr Haar so gut es ging und fühlte sich danach viel besser. Ihre Kleidung war jedoch immer noch sehr dreckig und als sie sie wieder anzog, fühlte sie sich doppelt so dreckig an wie vorher.

Als sie fertig war, ging ihr Vater zum Waschhaus hinüber, um ein Bad zu nehmen und Arya gesellte sich draußen zu Yoren und den restlichen Männern. Sie beobachtete, wie Yoren sich etwas von dem Bitterblättern nahm und darauf herum kaute. Dann gab er auch einigen Rekruten etwas ab, die ihn danach fragten. Es schäumte im Mund und die Zähne wurden ganz rot. Arya hatte nie Bitterblätter probiert. Es sah aus wie eine ekelhafte Angewohnheit, an der sie nicht teilnehmen wollte.

Aryas Kleidung juckte und fühlte sich schrecklich an, doch sie konnte nichts dagegen tun. Die Meisten hatten noch nasse Haare und sie waren alle total übermüdet. Sie stand bei ihrem Esel, gemeinsam mit Gendry. Hot Pie und Lommy waren in der Nähe.

„Ich wette, er ist auch ein Verbrecher", flüsterte Lommy, doch leider nicht leise genug.

„Er war aber nicht bei uns in der Zelle", antwortete Hot Pie.

„Das liegt daran, dass er wahrscheinlich noch nicht gefasst worden ist."

Falls Gendry sie gehört hatte, zeigte er es nicht und beschäftigte sich weiter mit dem Zaumzeug seines Esels. Arya schaute ihn an und flüsterte ihm zu. „Hast du jemanden getötet?"

„Noch nicht!", flüsterte er zurück. Arya zog scharf die Luft ein und ihre Hand ging automatisch zu Nadel. Als sie ihn jedoch ansah und bemerkte, dass er sie angrinste, beruhigte sie sich wieder. Es war ein hübsches Grinsen und sie wusste, dass er sie auf den Arm nahm.

„Ich werde dich nicht nochmal danach fragen!", sagte Arya und erinnerte sich an die Warnung ihres Vaters.

„Ich kann es dir wirklich nicht sagen", flüsterte Gendry ernst. „Du würdest mir eh nicht glauben. Ich glaube es ja nicht einmal selbst."

Arya entgegnete nichts, war aber trotzdem verwirrt. Warum konnte er nicht etwas über ihn glauben, obwohl es stimmte?"

Kurze Zeit später kam ihr Vater und die restlichen Männer die noch fehlten aus dem Badehaus. Ihr Vater humpelte und stütze sich auf seinen Stock. Arya wollte ihm helfen, doch sie wusste, dass sie es nicht durfte. Er hinkte nach vorne an die Spitze des Zuges und Yoren half ihm auf den Wagen. Ohne ein weiteres Wort, setzte sich der erste Wagen in Bewegung.

Die Straße war jetzt nur noch ein kleiner Pfad. Rings herum war alles sehr bewachsen und sie kamen in der Dunkelheit auch nur langsam vorwärts. Yoren entzündete vorne eine Lampe und bald kamen sie etwas besser voran. Nach ein paar Stunden Marsch waren sie trotzdem nicht weit gekommen. Sie waren jedoch alle Hunde müde, genauso die Pferde und Esel. Arya döste ständig ein und einmal musste Gendry sie sogar festhalten, damit sie nicht von ihrem Esel fiel. Kurz Zeit später lichtete sich der Wald vor ihnen und sie konnten über sich den Himmel sehen, wie klar er war und mit den Sternen, die leuchteten. Plötzlich schrie einer der Männer und zeigte nach oben. Andere folgten seinem Blick und bald sahen sie es alle. Ein roter Streifen, der sich über den Himmel erstreckte und so aussah, als hätten die Götter selbst ihn dort mit einem breiten Pinsel hingemalt.

„Was ist das?", keuchte Hot Pie.

„Der Himmel brennt!", sagte Lommy ängstlich.

Arya lachte ihn aus. „Der Himmel kann nicht brennen." Sie waren Idioten. Sie wusste selbst nicht genau, was es war, doch sie hatte in Winterfell ein paar Unterrichtsstunden über die Sterne gehabt. Sie und Sansa hatten normalerweise Unterricht bei Septa Mordane gehabt, wo sie etwas über die Sieben lernten, Nähen und Stricken, wie man einen Haushalt führte, wie man Musik spielte und sang. Arya war in allem schlecht gewesen, mit Ausnahme, wie man einen Haushalt führte. Sansa war dafür in all den Dingen gut, in denen Arya nicht gut war. Sie hatten aber auch ein paar wenige Stunden mit Maester Luwin genossen, wo er ihnen Dinge beibrachte, die Maester lernten. Nämlich über Pflanzen, Steine, die Meere, Tiere, über die Geschichte von Westeros und über die anderen großen Familien des Reiches. Arya liebte diese Stunden, da sie sie meistens gemeinsam mit Bran hatten und auch, weil Sansa nicht so gut in ihnen war, wie in den Dingen, die sie mit Septa Mordane hatten. Maester Luwin hatte ihnen auch die Sonne, den Mond und die Sterne erklärt.

Er hatte ihnen beigebracht, dass es viele Theorien über Sonne, Mond und Sterne gab. Er mochte am liebsten die Theorie, dass die Welt ein runder Ball aus Gestein, Wasser und Bäumen ist und die anderen Sterne, der Mond und die Sonne um die Welt herum wären. Arya dachte zuerst, dass dies dumm wäre. Das Land war flach und nicht rund wie eine Kugel. Sie erzählte dies dem Maester und dieser nickte. „Viele Menschen denken so. Aber, mein Kind, warum geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter? Warum erscheint der Mond immer an anderen Stellen am Himmel und nicht an der gleichen und warum ändert er seine Form? Und auch die Sterne bewegen sich. Schifffahrer, die bereits auf der anderen Seite des Meeres in den freien Städten waren, haben erzählt, dass die Sterne an anderen Positionen wären als hier. Ein guter Seefahrer kann sie sogar zum Navigieren nutzen. Und das Land kommt einem dann am Horizont sehr verschwommen vor. Wenn man dann näherkommt, kommt es langsam aus dem Wasser heraus, wird immer größer je näher du herankommst. Wenn die Welt tatsächlich flach wäre, warum sollte dies alles dann passieren? Nun, weil die Welt nun mal rund ist und die Sterne, Mond und die Sonne außen herum liegen."

Es klang richtig, aber sie war sich immer noch nicht sicher ob es wirklich stimmte. Die Welt sah für sie flach aus. Außer natürlich die Hügel und Berge. Arya hatte mit Jon darüber gesprochen was der Maester gesagt hatte. Er hatte ihr darauf gesagt, dass Maester Luwin Recht hätte. Sie vertraute Jon und deswegen glaubte sie von diesem Moment an auch daran. Sie konnte den Jungs jedoch dies nicht erzählen, dass die Sterne sich um ihre Welt bewegen würden, und dass der rote Strich wahrscheinlich auch einer dieser sich bewegenden Sterne war. Sie würden sie auslachen und sie fragen, woher sie sowas wüsste und sie konnte es ihnen ja nicht erklären. Nein, sie musste dabeibleiben, dass sie ein dummer Junge war, ein dummer Junge aus dem Volk wie sie.

„Es ist nur ein Stern, der verbrennt und in Richtung der Sonne fällt", sagte sie stattdessen und versuchte dabei genauso unwissend zu klingen wie sie.

Nun war es an Lommy über sie zu lachen. „Sterne fallen nicht in die Sonne", sagte er besserwisserisch. „Die Sonne ist am Tag dort oben und die Sterne in der Nacht. Wie kann also ein Stern in die Sonne fallen?"

„Keine Ahnung.", sagte Hot Pie. „Es sieht so aus als würde er fallen, oder?"

Gendry starrte nach oben zu dem roten Strich. „Es sieht aus wie ein Schwert, nachdem es aus der heißen Glut genommen wurde."

Arya hatte bereits in Winterfell gesehen, wie ein Schwert aus der heißen Glut genommen wurde. Doch das Ding am Himmel sah nicht so aus. Durch die Gedanken an Winterfell, Maester Luwin und Jon bekam sie Heimweh. Sie hätten nie von zu Hause weggehen sollen, dann wäre das alles nicht passiert. Doch bald wäre sie wieder daheim und ihre Mutter, Bran, Rickon und alle anderen wären dann auch dort.

Nein, das stimmte nicht. Sansa würde nicht dort sein. Auch Jon und Robb nicht. Oder Jory, Septa Mordane, Jeyne Poole oder Jeynes Vater. Arya wusste nicht mal, was mit den meisten passiert war, die mit ihnen aus Winterfell fortgegangen waren. Viele waren tot, dass wusste sie. Sie hatte einige ihrer Leichen bei den Stallungen gesehen. Die anderen waren sicher auch tot oder waren Gefangene wie Sansa. Tief in ihr war sie traurig, als sie an die anderen dachte. Auch spürte sie einen großen Hass auf die Personen aufkochen, die dafür verantwortlich waren. Winterfell würde nie wieder das gleiche sein wie, als sie es verlassen hatten. War zu Hause immer noch zu Hause, auch wenn die Leute, die dort hingehörten nicht mehr da waren?

Vorne konnte sie erkennen, wie die Lampe, die Yoren trug, sich nach links bewegte. Der Rest folgte und bald standen sie auf einer Lichtung. Der rote Streifen am Himmel erzeugte so viel Licht, dass sie die Ruinen des Hauses, das hier mal gestanden hatte, sehen konnte. Es musste verbrannt oder aber anderweitig zerstört worden sein. Sie hielten an und Yoren befahl ihnen sich für ein paar Stunden hinzulegen. Nach dem die Pferde und Esel versorgt waren konnten die meisten nichts Anderes mehr tun, als sich ein nicht zu nasses Fleckchen Erde zu suchen und sich so gut es ging vor der Kälte zu schützen. Arya fand ein recht trockenes Stückchen Erde und legte sich auf den Rücken und schaute zu dem roten Streifen hinauf.

Gendry lag in ihrer Nähe. Er wusste, wer sie war, wusste ihr großes Geheimnis. Trotzdem hatte er den anderen nichts erzählt. Yoren hatte gesagt, dass jeder von ihnen sie für ein Paar Kupferstücke und ihre Freiheit sofort ausliefern würden. Gendry jedoch war nicht wie die anderen. Sie dachte es zumindest. Oder war er doch ein Verbrecher? Vielleicht war er doch vor etwas auf der Flucht. Vor was lief er davon? Warum hatte er sich der Nachtwache angeschlossen? Und was wollten die Goldröcke von ihm?

Sie lugte durch ihre halboffenen Augen zu dem roten Streifen am Himmel. „Es hat tatsächlich Ähnlichkeiten mit einem Schwert", flüsterte sie Gendry zu.

„Ein bisschen", sagte er nach kurzem Zögern. „Kurz bevor der heiße Stahl in das kalte Wasser eingetaucht wird." Sie schwiegen für einen Moment. Gendry rollte sich auf die Seite und schaute sie an. „Woher hast du dein Schwert?"

„Nadel war…"

„Nadel?"

„Alle großen Schwerter haben einen Namen. Nadel war ein Geschenk von meinem Bruder Jon."

„Kämpft er gemeinsam mit deinem anderen Bruder?"

„Nein", flüsterte Arya. „Er ist an der Mauer. Er hat sich der Nachtwache angeschlossen."

„Warum?"

„Er ist ein Bast… Sorry. Er ist…"

„Ein Bastard! Du kannst es ruhig sagen, ich weiß schließlich, was ich bin."

„Mein Vater sagt, es ist kein nettes Wort."

„Nein, ich denke nicht. Aber ich glaube viele Bastarde sind an der Mauer. Es gibt sonst keinen Ort, wo sie hinkönnen."

Er legte sich zurück auf den Rücken und sagte nichts mehr. Arya hatte bei den Gedanken an Jon nie an etwas Anderes gedacht als an einen Bruder. Sie wusste ihre Mutter hasste ihn, doch alle anderen mochten ihn. Jon hatte immer ihr Haar durchwühlt und sie seine kleine Schwester genannt. Und er hatte Mikken, den Schmied von Winterfell, darum gebeten Nadel für sie zu machen. Nadel hatte sie gerettet.

„Hast du jemals ein Schwert gemacht?", fragte sie Gendry.

„Noch nicht. Ich sollte…aber bin dann gegangen."

„Warum?"

Er seufzte. „Leg dich schlafen, Arry." Er drehte sich von ihr weg und sagte nichts mehr und nach einer Weile überkam Arya der Schlaf.

Es kam ihr so vor, als wäre sie erst vor kurzem eingeschlafen, als Yoren herumging und sie unsanft weckte während die Sonne aufging. Sie fanden einen kleinen Strom in der Nähe, füllten sich dort ihre Flaschen und kochten einen Topf mit Haferschleim zum Frühstück. Jeder bekam eine Schüssel voll und nachdem sie aufgeräumt hatten, hatte Arya die Möglichkeit in den Wald zu gehen um sich zu erleichtern. Sie sagte nichts zu Gendry, aber er sah sie gehen und achtete darauf, dass sich niemand für sie interessierte. Als sie zurückkam, sprach er gerade mit ihrem Vater. Sie ging zu ihnen herüber. Als sie sie bemerkten, hörten sie auf zu sprechen und ihr Vater humpelte zurück nach vorne, aber nicht ohne ihre einen ängstlichen Blick zuzuwerfen.

„Was ist los?", fragte sie Gendry.

„Er sagt, dass die Straße nun noch gefährlicher werden würde."

„Ich weiß das!"

Gendry verdrehte die Augen, als ob er etwas verheimlichen würde. „Was hat er noch gesagt?"

Er schaute sie an und rang mit sich, doch dann sprach er trotzdem. „Er hat mir gesagt, dass wenn wir angegriffen werden und es schlecht aussehen würde… dann soll ich dich wegbringen."

Arya schaute ihn böse an. „Schön das ihr beide der Meinung seid, dass ich gerettet werden muss. Ich kann auch kämpfen!"

Er zog eine Augenbraue nach oben und schaute dann zu Nadel. „Hast du jemals jemanden mit Nadel getötet?" So wie er es sagte, klang es, als dachte er sie hätte noch nicht mal jemanden mit Nadel gekratzt. Nur sich selbst.

„Ich habe einen Stalljungen in King's Landing getötet."

Er starrte sie verwirrt an, als wäre es das Letzte, was er von ihr als Antwort erwartet hätte. „Nein, hast du nicht!"

„Es ist mir egal, ob du mir glaubst oder nicht", sagte sie beleidigt und begann sich von ihm zu entfernen.

„Warte…", sagte Gendry, doch sie hörte ihm nicht zu und ging einfach weiter. Bald waren sie bei den anderen und es war nicht mehr sicher sich weiter zu unterhalten.

Kurze Zeit später befahl Yoren, dass sie zusammenpacken sollten und bald darauf befanden sie sich wieder auf dem schlechten Weg, der in Richtung der Kingsroad führte. Für einige Zeit ritt Arya neben Gendry, Hot Pie und Lommy, ohne etwas zu sagen. Hot Pie hielt einen Monolog über all die Desserts und Brote die er machen konnte. Dies ließ ihren Magen grummeln, als sie an das ganze köstliche Essen dachte, dass sie schon in ihrem Leben gegessen hatte. Bald jedoch sagte einer der älteren Rekruten zu Hot Pie, er solle aufhören über Essen zu reden oder er würde ihn essen.

Arya kickte ihren Esel leicht in die Seite und er trabte daraufhin etwas näher nach vorne zu dem Wagen, wo ihr Vater war. Sie war sauer auf ihn, weil er glaubte, sie bräuchte einen Bodyguard. Sie wusste, dass sie ein kleines Mädchen war, doch sie fühlte sich nicht wie eins. Nicht mit Nadel an ihrer Seite. Nicht mit Syrio, der neben ihr lief und ihr immer wieder sagte, das es heute nicht soweit wäre und dass die Angst tiefer schneidet als ein Schwert. Ihr war bewusst, dass sie besser mit einem Schwert umgehen konnte als alle anderen hier. Mit Ausnahme Yorens und ihres Vaters.

Im vordersten Wagen schlief Yoren auf ein paar Fässern und ihr Vater saß auf einem der Getreidesäcke, sein Bein hochgelegt. Der Fahrer des Wagens schaute nach vorne und konzentrierte sich auf die Straße und der Jäger war weiter vorausgeritten. Hinter ihnen fuhr der Wagen mit dem Käfig und den drei Gefangenen darin. Als sie an ihnen vorbeikam, zischte Biter sie an und Rorge versuchte sie anzulächeln, doch es sah durch das Loch in seiner Nase noch schrecklicher aus.

„Kleiner Junge", sagte er. „Sei ein Guter Junge und öffne den Käfig! Die Schwarze Krähe schläft. Wir laufen nur weg und er braucht es nicht zu wissen bis es zu spät ist."

Arya schüttelte mit dem Kopf. „Warum sollte ich euch helfen? Ihr seid Kriminelle."

Rorge knurrte. „Weißt du weswegen ich hier bin, Junge? Vergewaltigung und Mord. Frauen, kleine Mädchen, ja sogar kleine Jungen wie du. Schön und frisch, so mag ich sie am liebsten. Und dann schneide ich ihnen die Nase ab und ihre Gedärme heraus."

Arya schauderte und ihre Hand wanderte automatisch, ohne nachzudenken zu Nadel. „Glaubst du wirklich, ich lasse dich aus dem Käfig, nachdem du mir das gesagt hast?"

Rorge knurrte erneut und versuchte sie durch die Gitterstäbe zu greifen, doch sie war zu weit weg.

„Der Junge ist zu schlau, um uns frei zu lassen", sagte der Mann mit dem rot, weißen Haar. Sie hatte gehört, dass sein Name Jaqen H'ghar war. „Der Junge ist schlau. Du heißt Arry, oder?"

Arya nickte und der komische Mann wollte erneut etwas sagen, doch dann ertönte ein Ruf.

„Hey Junge!", rief ihr Vater aus dem ersten Wagen. „Geh von dem Käfig weg!"

Arya kickte ihren Esel erneut und er trottete an die linke Seite des Wagens auf dem ihr Vater saß. Er war sauer, das erkannte sie sofort. „Yoren hat dir gesagt, dass du dich von dem Gesindel fernhalten sollst", sagte er leise zu ihr, während er sie anstarrte. In all den Jahren hatte sie nie etwas gesehen oder davon gehört, dass ihr Vater jemanden geschlagen hätte. Ihre Mutter hatte ihr ein paar Mal die Ohren langgezogen, genauso wie Septa Mordane. Doch jetzt sah er so aus, als wollte er ihr eine verpassen und das ängstigte sie noch mehr als Rorges nasenloses Gesicht. „Du wirst das tun, was man dir sagt. Wir spielen hier kein Spiel, verstanden?"

„Ja", sagte sie und schaute bedröppelt nach unten.

Sein Blick wurde freundlicher. „Diese Leute sind nicht deine Freunde", sagte ihr ihr Vater ruhig. „Alle haben etwas Schlimmes in der Vergangenheit getan. Manche sogar grauenvolle Dinge."

„Nicht Hot Pie oder Lommy. Sie haben nur etwas gestohlen, weil sie arm und hungrig waren."

Eine Augenbraue hob sich in seinem Gesicht. „Aye. Sie vielleicht nicht. Und auch Gendry nicht."

„Warum ist er dann… okay, okay, ich werde nicht weiter fragen", sagte sie als sie seinen Ausdruck sah. Aber Arya war nun verwirrt. „Aber… du bist zu ihnen freundlichen. Du hast versucht ihnen zu helfen. Sie trainiert."

„Weil wir das Ganze hier nur gemeinsam überstehen können, also brauchen wir ihre Hilfe. Aber erinnere dich daran, wer du bist und wer sie sind."

„Das werde ich."

„Sehr gut."

„Ich kann kämpfen, das weißt du. Syrio hat es mir beigebracht. Deswegen hast du ihn doch engagiert."

Er seufzte. „Aber ich möchte nicht, dass du kämpfst."

„Ist das der Grund, weshalb du Gendry gesagt hast, er soll mich bei einem Kampf wegbringen?"

Er zögerte. „Ja, wenn es schlecht stehen sollte."

„Davor hast du gesagt wir sollten nicht davonrennen."

„Manchmal muss man rennen. Nun geh zurück zu den anderen."

Aber Arya wollte nicht nachgeben. „Ich glaube, wir sind wie ein Wolfsrudel. Du hast mir mal erzählt, dass Wölfe immer zusammenhalten. Das sollten auch wir tun."

„Und was soll ich deiner Mutter erzählen, wenn ich leben sollte und du nicht? Das du neben mir gestorben bist wie ein erwachsener Mann?"

Arya schluckte. Sie hatte nie darüber nachgedacht zu sterben. „Nein. Aber du musst mit uns davonlaufen, wenn es schlimm wird. Ich gehe nicht ohne dich."

Er starrte sie an und nickte dann. „Aye. Es kann auch sein das gar nichts passiert. Los jetzt, geh zurück zu den anderen."

Nachdem sie gegen Mittag eine kurze Pause eingelegt und was gegessen hatten, Käse, Brot und gesalzenen Fisch, ritten sie den restlichen Tag relativ schnell. Bald darauf verließen sie den Wald und kamen in ein Gebiet, dass hauptsächlich für die Landwirtschaft genutzt wurde. Immer mehr Menschen kamen ihnen auf der Straße entgegen. Die Geschichten, die sie erzählten, waren jedoch immer die gleichen, über ihr Leid und dass sie vor Söldnern und dem Krieg flohen. Nun jedoch begannen sie auch von einer sehr brutalen Gruppe zu erzählen, die von einem großen Mann auf einem schwarz-weiß gestreiften Pferd angeführt wurde. Der Großteil der Gruppe waren Fremde, erzählte ein anderer verängstigter Farmer, der zwar mit seinem Leben davon gekommen war, doch seine ganze Herde Ziegen und seine Getreidefelder verloren hatte. Seine Frau hatte er zuletzt gesehen, als sie von den barbarischen Menschen entführt wurde. Er flehte sie an ihm zu helfen seine Frau zu befreien, doch Yoren verneinte es und meinte, sie wäre wahrscheinlich sowieso schon tot und er wäre es auch, wenn er dorthin zurückkehren würde. Das Letzte, was sie von ihm sahen, war, wie er dort auf der Straße stand und die Tränen sich ihren Weg über sein Gesicht bahnten. Arya bemerkte den ernsten Blick ihres Vaters und wusste, dass er wütend war, was sie auch wütend machte. All diese armen Menschen, die unbeteiligt waren und einfach nur in diese Sache hineingeraten waren, weil sie dort waren.

Kurze Zeit später kamen sie an eine ausgebrannte Farm und konnten in der Nähe drei Körper an einem Baum hängend sehen. In den Feldern summte es unaufhörlich und es stank fürchterlich, als sie vorbeiritten. Nachdem sie die Farm hinter sich gelassen hatten, konnten sie immer mehr tote Körper, verbrannte Felder und Häuser sehen. An diesem Abend ließen sie sich unter ein paar Apfelbäumen einer Plantage nieder und fanden zusätzlich ein verlassenes Bauernhaus. Sie fanden im inneren nichts was sie gebrauchen konnten. Die Besitzer mussten wohl alles nützliche und die Nahrung mitgenommen haben. Jedoch hatten sie so einen trockenen Schlafplatz und konnten zum Abendessen Äpfel zu ihrer Suppe aus getrocknetem Fisch und Erbsen essen. Sie tranken an diesem Abend auch den letzten Rest Bier, den sie noch hatten. Auch das Brot wurde immer knapper, weshalb sie in der Hütte ein Feuer errichteten und Hot Pie sich an die Arbeit machte. Am nächsten Morgen hatten sie 20 frische Laibe Brot. Sie waren köstlich und jeder lobte ihn für sein Talent. Aber auch ihre restlichen Reserven gingen langsam zur Neige und es war noch ein weiter Weg bis zur Mauer. Sie hörte Yoren zu ihrem Vater sagen, dass er normalerweise in Harrenhal Rast machte, um seinen Proviant aufzufüllen.

Am nächsten Morgen, als sie weiterritten, war das Wetter noch recht schön, was sich gegen Mittag jedoch schlagartig änderte. Es regnete heftig und sie wurden richtig nass. Sie kamen an diesem Tag kaum voran und als sie abends anhielten, setzten alle sich sehr nah an die Feuer um sich zu trocknen und um sich aufzuwärmen. Am nächsten Morgen waren die meisten Rekruten krank. Einem ging es sogar so schlecht, dass er den ganzen Tag im Wagen liegen musste, stark hustete und zitterte. Zwei Tage später war er tot und Arya kannte nicht einmal seinen Namen. Sie schaufelten schnell ein Grab und begruben ihn an der Seite der Straße. Sein Grab war nicht das Einzigste dort.

Kurz darauf näherten sie sich so langsam dem Götterauge, einem großen See, der fast in der Mitte von Westeros lag. Er lag zwar noch relativ weit von der Kingsroad entfernt, jedoch war er so groß, dass man ihn in der Ferne erkennen konnte, wenn man auf einem bestimmten Hügel stand wie Yoren erzählte. Wie erwartet, konnte sie später am Tag den See sehen, als sie auf einer Hügelkuppe standen, wo der Weg sich kreuzte. Sie konnten die schimmernde Wasseroberfläche erkennen, welche den gesamten nördlichen Horizont füllte.

„Ist das das Meer?", fragte Lommy.

„Das Götterauge", erklärte Arya ihm. „Es ist ein See."

„Ein großer See", bestätigte Gendry.

„Harrenhal liegt nördlich, ganz in der Nähe", sagte Arya.

„Harrenhal ist voller Geister", sagte Hot Pie mit quietschender Stimme. Sie waren gerade dabei den Hügel wieder hinunter zu klettern, als der Jäger eilig auf sie zugeritten kam. Er sprach kurz und knapp mit Yoren und ihrem Vater. Kurz darauf stellte sich Yoren auf den Wagen und sprach zu ihnen.

„Es bewegt sie eine groß Gruppe Menschen von vorne auf uns zu und sie sehen nicht so aus als wären sie uns freundlich gesinnt. Wir werden die Straße verlassen und ein Stück in Richtung Westen gehen und uns einen guten Platz zum Ausruhen suchen. Los geht!"

Die Straße in Richtung Westen war schlechter als die Kingsroad, doch hatte der Krieg sie bisher noch nicht erreicht. Viele Menschen waren auf den Feldern oder in ihren Häusern. Viele waren mit Äxten und Sicheln bewaffnet. Yoren hielt an und tauschte mit den Menschen Neuigkeiten aus. Viele wollten wissen, ob der Krieg sich auf sie zubewegte. Yoren und ihr Vater rieten ihnen auf der Hut zu sein, um zu jeder Zeit fliehen zu können. Yoren nutzte das wenige Geld was er hatte um bei einem Bauern ein paar Karotten und Zwiebeln zu kaufen, jedoch wollten die meisten ihm nichts verkaufen, da sie Angst vor dem Krieg und dem kommenden Winter hatten.

Sie übernachteten in einem kleinen Wäldchen und am nächsten Morgen beschloss Yoren sie zum Ufer des Götterauges zu führen und dann dem Ufer in Richtung Harrenhal zu folgen. Er wollte aber auch versuchen ein kleines Boot in einem Dorf die er kannte zu bekommen, mit dem sie über den See fahren konnten. Eineinhalb Tage später kamen sie zu dem Dorf, welches Yoren meinte, doch es war komplett verlassen. Sie untersuchten das Dorf genau, fanden es aber komplett verlassen vor, mit Ausnahme einiger Katzen, Hunde, Hühner und Gänse. Auch Boote waren nirgends zu finden.

Sie nisteten sich in einer kleinen Befestigung ein. Es war keine Burg. Jedoch hatte sie zehn Fuß hohe Mauern und ein starkes Eisentor, weswegen es sicherer aussah als die Holzhäuser in der Stadt. Es gab zusätzlich im Hof eine große Scheune und eine Küche mit einem großen Turm daneben. Sie brachten alle Pferde, Esel und die Wagen in die Scheune auch den Wagen mit den drei Gefangenen. Sie fand auch eine Falltür in der Scheune, welche durch einen Tunnel direkt zum See führte. Dies war ihre Fluchtroute, sollte irgendetwas passieren. Yoren und ihr Vater legten die Wachen fest. Drei Männer sollten sich im Turm befinden, unter ihnen der Jäger mit seinem Bogen. Dazu sollten andere auf dem Wehrgang Wache halten. Sie töteten die Gänse und Hühner und hatten somit ein tolles Abendessen an diesem Tag.

Arya sah ihren Vater, wie er die Holzleiter hinaufstieg um auf die Befestigung zu Yoren zu kommen und folgte ihm leise. Sie stellte sich neben ihren Vater, der sie nicht bemerkte, als dieser und Yoren über das Dorf schauten und miteinander sprachen.

„Wir sollten uns den ganzen Weg in Richtung Harrenhal am Ufer entlang bewegen", sagte ihr Vater.

„Ich stimme dir zu", antwortete Yoren. „Ich kann nicht sagen, wer oder was auf der Kingsroad los ist. Lady Whent war immer freundlich zu uns und hat uns bei sich aufgenommen. Sie sollte auch in der Lage sein, unsere Vorräte etwas aufzustocken."

„Es ist lange her, dass ich zuletzt dort war", sagte ihr Vater. „Im Jahr des falschen Frühlings, beim großen Turnier in Harrenhal." Er sprach mit langsamer, ruhiger Stimme als wäre es eine wichtige Erinnerung. Arya hatte ihn noch nie darüber erzählen hören. Doch plötzlich wurde seine Stimme streng. „Aber Rhaegar Targaryen musste ja alles zerstören. Er musste ja unbedingt meine Schwester als die Schönheitskönigin auswählen."

„Aye", sagte Yoren. „Ich habe davon schon einmal gehört. Er war zu dieser Zeit mit Elia aus Dorne verheiratet, oder?"

„Verheiratet, ja. Es war ein Skandal. Robert war in meine Schwester verliebt und…" Dann stoppte er plötzlich und starrte in die Ferne. „Jemand ist in der Stadt."

Arya schaute genauer hin und konnte ein paar Lichtpunkt erkennen, die sich näherten. Bald darauf konnte man auch Hufgetrappel und rufe von Männern hören. Sie trugen Fackeln und liefen von Haus zu Haus und sahen so aus als suchten sie etwas. Arya konnte nichts sagen wie viele es waren, aber es sah so aus als wären es viel mehr als sie.

Yoren drehte sich um und wirkte überrascht, als er sie sah, rief jedoch sofort einen Befehl. „Hey Junge, wecke sofort die anderen und versammele sie auf der Mauer. Es könnte Ärger geben."

Arya kletterte eilig die Leiter herunter und begann die anderen zusammen zu rufen und sie zu bewaffnen. In wenigen Minuten waren sie fertig und standen alle oben auf der Mauer. Arya stand erneut bei ihrem Vater und Yoren, als die Fackeln immer näher an die Feste kamen. Die Männer trugen ein Banner, welches rot aussah, doch konnte man es in der Dunkelheit sehr schwer erkennen. Zwei von ihnen versuchten das Tor zu öffnen, doch es war verschlossen.

„Der Lord ist weg und wir übernachten hier nur. Wie können wir euch helfen?", rief Yoren ihnen zu.

Ein großer Mann mit einem Kettenhemd saß auf einem Kriegspferd. Er kam näher an das Tor heran geritten und nun konnte sie auch das Banner der Lannisters sehen, was ein anderer Reiter in der Hand hielt. „Mein Name ist Ser Marcus Lefford", rief der Mann. In der Dunkelheit und mit dem Helm, den er trug, war es schwer sein Gesicht ausfindig zu machen. „Wer möchte das wissen?"

„Yoren von der Nachtwache. Ich habe eine Gruppe neuer Rekruten bei mir und haben uns hier heute Nacht niedergelassen, um ruhig schlafen zu können. Wir werden uns morgen früh sofort wieder auf den Weg machen."

„Das ist die Bastardkrähe!", sagte eine Stimme und aus der Dunkelheit kam der Offizier der Goldröcke vom Gasthaus geritten.

„Stimmt, der bin ich. Kommst du zurück um noch mehr einzustecken?", fragte Yoren und spuckte über die Zinne. „Den Bastard, den ihr gesucht habt, ist verschwunden, nachdem ihr das Gasthaus verlassen habt. Er ist nicht mehr bei uns."

„Dann werden wir einen Blick hineinwerfen und uns umsehen, wer so da ist", sagte der Offizier der Goldröcke.

„Ich denke nicht, dass Ihr das tun werdet", antwortete Yoren.

„Im Namen König Joffreys befehle ich Euch das Tor zu öffnen", forderte Ser Marcus.

„Wir haben mit Euren Königen und Kriegen nichts zu tun", erklärte Yoren ihm.

„Öffnet das Tor oder wir räuchern euch aus!"

Nun sprach Aryas Vater. „Ser Marcus, Ihr kennt mich. Ich bin ein Mann von Ehre. Ich sage Euch, der Junge ist weg." Es war eine Lüge, dass wusste Arya. Gendry kniete direkt neben ihr, trug seinen Bullenhelm und seinen großen Hammer.

„Eddard Stark", sagte Ser Marcus. „Ja, ich weiß, dass ihr ein Mann von Ehre seid. Zumindest solange, bis Ihr versucht habt, den Eisernen Thron an Euch zu reißen. Aber das ist unwichtig. Ihr seid der Mann, nachdem ich suche. Die Königin hat befohlen, dass Ihr nach King's Landing zurückgebracht werden sollt."

Arya erstarrte. Sie wollen ihn zurückbringen. Sie werden ihn töten!

„Was möchte die Königin von mir?", fragte ihr Vater ruhig.

„Ich hinterfrage keine Befehle, ich führe sie nur aus", sagte Ser Marcus. „Die Goldröcke hier haben mir erzählt, dass Ihr sie bedroht und Euch wiedersetzt habt, den Bastard heraus zu rücken. Wenn Ihr und der Bastard euch friedlich ergebt, lassen wir den Rest gehen. Solltet Ihr Euch weigern, sterbt ihr alle."

Für einen Moment war es totenstill und ihr Vater stand nur dort. Er drehte sich um, sah sie und lächelte leicht. Dann drehte er sich wieder um. „Habe ich Euer Wort?", rief er zu Ser Marcus herunter.

„Das habt Ihr!"

Manche der Rekruten flüsterten ‚Nein' und ‚Nicht ergeben', aber keiner sagte es laut.

Ihr Vater schaute über die Mauer hinunter zu Ser Marcus. „Nun Ser Marcus, die Sache ist die, dass Ihr ein Bannermann der Lannisters seid. Cersei hat Euch befohlen mich zur Hauptstadt zurück zu bringen. Damit sie mich hängen können? Damit Ser Ilyn Payne mir den Kopf abschlagen kann? Oder sollt Ihr mir die Kehle durchschneiden, nachdem ich mich ergeben habe?"

„Mir wurde gesagt, dass Euch kein Leid zugefügt werden würde!"

„Alle Lannisters sind Lügner. Die Königin genauso wie ihr Bastardsohn, der falsche König!"

Dies war ein weiterer Schock für Arya während, die anderen zu murmeln begannen. Joffrey… ein Bastard? Ein Falscher König?

„So etwas zu sagen ist Verrat, Stark!", sagte Ser Marcus sauer.

„Ich wurde bereits als Verräter gezeichnet, also was?", fragte ihr Vater. „Es ist aber auch kein Verrat die Wahrheit zu sagen. Ich vertraute auf die Worte anderer. Sie haben mich verraten. Deswegen glaube ich nicht, dass ich Euren Worten vertrauen sollte."

„Dann seid Ihr schuld am Tod all dieser Männer hier!", sagte Ser Marcus und sein Ärger wuchs. Er wollte gerade seinen Arm heben um einen Befehl zu geben, als ein Pfeil aus der Dunkelheit geflogen kam und ihn in der rechten Schulter traf, welcher durch sein Kettenhemd durchging und ihn vom Pferd warf. „Tötet alle außer Stark!", rief er und der Kampf begann.

Fackeln und Speere flogen ihnen aus der Dunkelheit entgegen. Ein Speer traf einen der Rekruten im Gesicht und war auf der Stelle tot. Manche der Männer begann mit starken Äxten auf das Holztor einzuschlagen, während andere versuchten die grobe Mauer hinauf zu klettern. Arya zog Nadel und war bereit zu kämpfen, als ihr Vater sie am Arm packte. „Geh! Sofort!"

„Nein!", rief sie. „Ich werde kämpfen!"

„Bring sie weg!", sagte ihr Vater zu Gendry, der hinter ihr stand.

„Ich verlasse dich nicht!", schrie Arya, als der Lärm der Schlacht lauter wurde.

„Sie werden mich nicht töten, süßes Kind, aber sie werden dich und Gendry töten. Lauft!"

Fackeln flogen über die Mauern und landeten in den Dächern der Scheune und den anderen Gebäuden. Immer mehr Pfeile kamen aus dem Turm geflogen, worauf mehr schreie folgten. Tränen füllten ihre Augen, als Gendry sie packte und hochhob. Sie versuchte sich dagegen zu wehren, doch er sprang die Mauer herunter mit ihr in seinen starken Armen. Die Mauer war zwar nur zehn Fuß hoch, doch landete er nicht gut und stolperte.

Arya rollte sich ab und kam schnell wie eine Katze wieder auf die Beine. Jedoch stand einer der Goldröcke vor ihr der gerade auch von der Mauer heruntergesprungen war. Sein Rücken zeigte jedoch zu ihr, weil seine Augen jemand anderen fixierten. „Dort ist der Bastard!", rief er und hieb nach Gendry, welcher immer noch von dem Sprung benommen war. Das Schwert traf den Helm, was diesem aber nichts tat, da er gut und stabil gemacht war, jedoch war Gendry durch den Schlag etwas benommen und stürzte erneut zu Boden. Bevor der Goldrock jedoch erneut zuschlagen konnte, schrie Arya ‚Winterfell!" und bohrte Nadel in seinen Rücken. Nadel brach durch seinen Mantel und knallte gegen sein Kettenhemd. Der Mann schrie auf, ließ sein Schwert fallen und fiel zu Boden während er seinen Rücken hielt. Ohne zu zögern stach Arya mit Nadel nach unten. Nadel ging durch die Augen des Mannes hindurch und letztlich auch durch sein Gehirn, was ihn auf der Stelle tötete. Sie war durch das Schlachtfieber etwas benommen, ihr Herz raste wie wild und ihr kleiner Körper zitterte wild. Sie glaubte, sie könnte jeden Lannister und Goldrock in den Sieben Königslanden töten.

„Los weiter!", rief sie und half Gendry aufzustehen. Plötzlich stand jedoch ein Lannistermann vor ihnen, welchen Gendry mit seinem Hammer ins Gesicht schlug. Dies zerschmetterte ihm die Nase und die Zähne. Zwei Körper fielen von der Mauer herunter. Es war Lommy, der mit einem Lannister-Soldaten rang. Als sie unten ankamen fielen Arya und Gendry sofort über ihn her, bevor der Mann Lommy mit seinem Messer töten konnte. Während Gendry Lommy half aufzustehen, schaute Arya sich nach Yoren und ihrem Vater um. Sie waren beide noch auf der Mauer. Yoren stach sein Langschwert gerade durch den Bauch eines Mannes, während ihr Vater sein Messer durch die Rippen eines anderen Mannes stach. Dies tötete den Mann jedoch nicht. Er schrie auf und schnappte nach ihrem Vater. Das Gewicht des Mannes reichte dabei aus, um ihren Vater aus dem Gleichgewicht zu bringen und sie segelten beide über die Mauer außerhalb der Feste. Als ihr Vater hinter der Mauer verschwand schrie Arya vor Angst auf.

„NEEEEEEIN!"

Gendry hatte auch gesehen was passiert war und keuchte. „Sie haben ihn!"

Arya schrie ihn an. „Mach das Tor auf! Wir müssen ihn retten!" Gendry versuchte es und rannte hinüber zum Tor als sie einen Schrei ‚Hot Pie!' hörten. Sie sahen wir Hot Pie mit einem Goldrock im Arm von der Mauer und direkt auf Gendry fiel. Alle drei gingen zu Boden und waren ineinander verschlungen. Hot Pies plumper Körper landete auf dem Goldrock und ließ ihn aufkeuchen. Er keuchte und versuchte aufzustehen, doch Nadel war schon zur Stelle und schnitt ihm die Kehle durch. Während Gendry und Hot Pie versuchten aufzustehen, schaute Arya sich um. Die Luft war gefüllt mir Rauch, Feuer, Schreien und toten Körpern. Plötzlich stand Yoren vor ihnen.

„Geht! Raus hier! Ihr alle!", schrie er.

„Er ist außerhalb der Mauern!", schrie sie zurück.

„Sie werden ihn nicht töten! Aber sie werden euch töten! Geht!"

„Komm mit uns!"

„Lauft!"

Gendry stand nun endlich wieder und packte Arya. Hot Pie und Lommy folgten ihnen, beide waren unverletzt. Arya schrie erneut nach ihrem Vater, doch Gendry zog sie weiter und kurz darauf waren sie in der Scheune. Sie brannte und die Pferde und Esel schrien, was den Lärm nur noch mehr ansteigen ließ. Lommy benutzte sein Messer, um die Tiere loszuschneiden, welche sofort panisch aus der Scheune liefen.

„Jungs, liebe Jungs!", rief Jaqen aus dem Käfig. „Lasst uns raus! Dieser Mann kann kämpfen!"

„Öffnet den Käfig verdammter Bastard oder ich vergewaltige dich bis zur Hölle.", schrie Rorge. Biter rüttelte wie wild am Käfig, seine Augen geweitet vor Angst.

Arya zögerte für einen Moment, während Gendry die Falltür öffnete. Die Scheune brannte und es war alles voller Rauch und heiß. Sie starrte Jaqen an. „Ich lasse dich raus, wenn du mir hilfst meinen Vater zu retten."

„Dieser Mann verspricht es", sagte Jaqen schnell. Er fragte sie nicht, mal wer ihr Vater ist.

„Gendry, zerstöre das Schloss mit deinem Hammer!", rief sie. Er zögerte, während Lommy und Hot Pie in der Ecke saßen und vor Angst zitterten.

„Geht!", rief Gendry ihnen zu. „Wir sind direkt hinter euch!" Hot Pie und Lommy verschwanden durch das Loch während Gendry das Schloss des Käfigs mit zwei präzisen Schlägen seines Hammers zertrümmerte.

Jaqen stieg so gut es ging aus dem Käfig heraus, da seine Hände immer noch gefesselt waren und ging in Richtung der Falltür. „Warte!", schrie Arya. „Mein Vater ist außerhalb der Mauern! Die Lannisters und die Goldröcke haben ihn! Sie werden ihn zurück nach King's Landing zur Königin bringen. Sie wird ihn töten!"

„Lieber Junge, der Rote Gott ist überall um uns herum und verlangt nach Bezahlung", sagte Jaqen ruhig. „Wir müssen jetzt gehen und den Vater des Jungen an einem anderen Tag retten."

„Sie sollen seinen Vater ficken!", schrie Rorge, als er etwas unbeholfen aus dem Käfig stieg, Biter im Schlepptau. „Lasst uns gehen!"

„Die Kumpanen dieses Mannes werden nicht mitkommen", sagte Jaqen und eher Arya auch nur realisiert hatte, was er gesagt hatte, hatte Jaqen Nadel aus ihrer Hand genommen und damit Rorges Herz aufgespießt. Biter knurrte und stürzte sich auf Jaqen, doch Jaqen war schneller und plötzlich stach Nadel durch Biters Hals und kam am hinteren Ende wieder hinaus. Biter ging neben Rorge zu Boden, während er an seinem eigenen Blut erstickte und Jaqen Arya Nadel zurückgab.

„Diese zwei hätten uns nur Ärger gemacht", sagte er, während sie ihn geschockt anstarrte. Er ging hinüber zum Loch und folgte Gendry, der bereits nach unten gesprungen war. Arya hörte hinter sich einen Schrei und drehte sich um. Sie konnte draußen erkennen wie Yoren starb. Es lagen noch mehr Leichen um ihn herum, doch sie konnte erkennen das drei Lannister Soldaten um ihn herumstanden und ihn mit Speeren durchbohrten, während er langsam auf die Knie sank. Arya keuchte auf und blinzelte um ihre Tränen zu trocknen. Gerade als sie in den Tunnel gesprungen war, begann die komplette Scheune einzustürzen.

Arya schlitterte den ganzen Weg herunter und fand die anderen am Ende des Tunnels, wo sie auf sie warteten. Gendry versuchte die Fesseln an Jaqens Füßen zu lösen, doch er schaffte es nur die Kette zu sprengen, damit er besser laufen konnte. „Die Handfesseln dieses Mannes müssen warten. Es wird Zeit, wir müssen weiter", sagte er.

„Aber… mein Vater", protestierte Arya.

„Wer ist dein Vater?", fragten Lommy und Hot Pie fast gleichzeitig.

Sie zögerte, doch Jaqen kam ihr zuvor. „Wer der Vater dieses Jungen ist, ist jetzt egal. Wir müssen weiter. Dieser Mann möchte nicht weiter in einem Eisenkäfig hocken. Die Männer, die angriffen, werden nach uns suchen, sobald das Feuer aus ist. Sie haben jedoch wen sie wollten, weswegen ich hoffe, dass sie nicht zu genau suchen."

„Wohin gehen wir?", fragte Gendry.

„Weg von hier", antwortete Jaqen.

Arya knurrte ihn an. „Du wirst uns alleine lassen oder?"

Jaqen starrte sie an und seine Augen strahlten Freundlichkeit aber auch eine Intensität ab. „Lieber Junge, dieser Mann hat ein Versprechen gegeben. Dieser Mann hat auch vor es zu erfüllen. Dieser Mann wird so lange bei dir bleiben, bis dein Vater in Sicherheit ist."