Kapitel 7 `Bronn´

„Was ein Gestank!", beschwerte sich Bronn, als er durch die Kanalisation von Harrenhal watete. Er stand bis zur Hüfte im Dreck, während er in der einen Hand sein Messer und in der anderen eine Laterne trug. Das einzige, woran er dachte, wenn man mal den Geruch außer Acht ließ, war, wie er Tyrion Lannister töten konnte, sollte er hier lebend herauskommen. Die Mauern sind zu hoch für Seile und Hacken, hatte der Zwerg gesagt. Das Tor ist zu stark, um durchzubrechen, hatte er gesagt. Wartet, ich bekomme gerade eine brillante Idee in meinem verdammten Zwergenhirn. „Die Kanalisation!" „Ich habe mich um sie in Casterly Rock gekümmert. Sie fließt dort ins Meer, also muss die Kanalisation von Harrenhal ins nördliche Ende des Götterauges münden. Eine kleine Gruppe Männer könnte durch die Kanalisation kriechen und das Tor für uns öffnen, bevor irgendjemand merkt, dass wir drin sind. Da Lady Whent nur noch wenige Leute in ihrer Burg hat, wird schon nicht viel Scheiße und Pisse dort sein.

Bronn hatte ihm gesagt, er könne ihn mal und Timett und Shagga hatten gesagt, sie würden sich lieber ihre eigenen Schwänze abschneiden und sie an Lady Whents Ziegen verfüttern, bevor sie in die Kanalisation gehen würden. Ser Jason hatte nichts gesagt, aber Bronn sah ihm an, dass er Angst davor hatte, in die Kanalisation gehen zu müssen. Erst als Tyrion jedoch sagte, er würde selbst gehen, gab Bronn nach.

„Du bist ein verdammter Zwerg", rief Bronn. „Du ertrinkst doch direkt in der zwei Fuß hohen Scheiße, bevor du überhaupt zwei Meter weit gekommen bist. Sollte ich dies wirklich machen, dann möchte ich eine Burg und eine Lordschaft, wenn das hier vorbei ist. Aber nicht so ein kleines Minischlösschen, sondern ein schönes, großes, wo es schön ist und eine hochgeborene Lady, die meinen Schwanz jeden Tag lutscht.

„So gut wie erledigt", sagte Tyrion, ohne zu zögern. Bronn grinste. Natürlich wusste er, dass der kleine Dreckszwerg alles tun würde, damit er sein Versprechen halten würde, da er ein Lannister war und alle Lannisters beglichen nun mal ihre verdammten Schulden. Er hatte Bronn sehr gut bezahlt bisher, mit Münzen, Essen, Wein und Frauen. Nun, Münzen bisher noch nicht so viele, da sie bisher noch nicht an irgendwelche Goldvorräte im Camp seines Vaters herankamen. Aber es wurde ihm versprochen und ein Versprechen der Lannisters ist immerhin ein besseres Versprechen als von vielen anderen Männern. Der Champion des Zwerges im Vale gewesen zu sein, war eine der besten Entscheidungen, die er seit langem getroffen hatte. Allerdings hatte er auch Angst davor, dass die vorlaute Zunge des Zwerges ihn irgendwann in größere Schwierigkeiten bringen könnte, als das Bronn oder er sich selber daraus befreien könnten. Nun, das Leben sollte man einfach genießen so lange man es konnte.

„Milord", begann Ser Jason widerstrebend. „Dieser Mann ist ein Söldner. Er ist frech zu Euch und meinen Männern und Ihr versprecht ihm ein Schloss und eine Lordschaft?"

Sie waren auf einem Hügel etwas außerhalb von Harrenhal und blickten bei untergehender Sonne auf die Burg hinunter. Sie hatten vier Tage gebraucht, um hierher zu kommen und da das Terrain sehr wellig und steinig war, waren sie alle sehr müde und hatten keine große Lust noch länger in den Satteln zu sitzen. Die Burg vor ihnen war wirklich ein monströses Konstrukt, aber robust und beeindruckend. Selbst mit seinen zerstörten Türmen und Mauern, sowie den Zinnen, die von Drachenfeuer geschmolzen waren, hatte Harrenhal immer noch die höchsten Mauern und die stärksten Tore des gesamten Landes. Bronn schaute einmal hin, doch bevor er auch nur sagen konnte, dass die Mauern zu hoch waren, hatte Tyrion es bereits ausgesprochen.

„Was ist mit einem Trick? Versucht die Tore zu stürmen, wenn sie sie öffnen", schlug Bronn vor.

„Nein", sagte Tyrion sofort. „Es gibt keine Möglichkeit sich dort in der Nähe zu verstecken. Das Land vor den Toren ist flach und bietet keine Deckung. Außerdem, wie sollen wir sie dazu bringen die Tore zu öffnen? Lady Whent ist eine Vasallin Riverruns und sie wird sicher wissen, dass wir mit ihnen im Krieg stehen. Jeder weiß, wie ich aussehe, Ser Jason und seine Männer tragen die Lannister Farben und du und die Hügelmänner gehen sicher nicht als Reisende durch. Ich könnte Lady Whent das Lied `Regen von Castamere` vorsingen in der Hoffnung, sie öffnet ihre Tore, aber ich glaub nicht, dass es etwas hilft. Ihr Schloss liegt schon in Trümmern. Aber…", und das war der Punkt, wo er die Kanalisation erwähnte und die Diskussion begann.

Nach Ser Jasons Kommentar über Bronn, starrte Tyrion der Ritter mit seinen nicht zusammenpassenden Augen an. „Dieser Mann hat mir das Leben gerettet, Ser Jason, und würde es auch in der Zukunft tun. Also bitte, lasst ihm etwas Raum sich einzubringen. Und ich habe auch keinen Ton von Euch gehört, dass Ihr euch bereit erklären würdet, für mich durch den Dreck zu waten."

Ser Jason atmete tief ein. „Es wäre für mich eine Ehre, Euch dort…"

„Müsst Ihr nicht", sagte Bronn kurz und schnitt ihm das Wort ab. „Ihr kämpft mit einer Lanze auf einem Pferd. Das bringt Euch nicht gerade einen großen Ruf im Hineinschleichen in eine Burg."

Ser Jason schaute Bronn böse an. „Zweifelt Ihr an meiner Ehre?"

„Nein", sagte Bronn. „Ich sage nur wie es ist. Warum kriegen alle Ritter Probleme damit, wenn man ihnen sagt, was sie nicht können?"

„Jetzt aber…"

„GENUG!", befahl Tyrion. „Der Feind ist dort drüber, Gentlemen", er zeigt in Richtung der Burg. „Bronn wird eine Gruppe durch die Kanalisation in die Burg führen. Der Rest sammelt sich hier und greift dann durch das Tor an, sobald dieses offen ist. Wie viele gedenkst du mitzunehmen, Bronn?"

„Nicht viele", antwortete Bronn. „Viele Männer machen viel Lärm. Ich und noch ein, zwei andere sollten genügen. Einer, der die Wachen tötet, während der andere das Tor öffnet." Er schaute Timett an. „Du nicht, du bist zu groß." Er schaute Shagga an und dieser begann zu lachen. „Shagga schwimmt nicht in Scheiße!"

„Ich komme mit", sagte eine leise Stimme von hinten.

Tyrion starrte seinen Knappen an. „Pod, du musst das nicht tun, es gibt andere…"

„Ich weiß, Milord. Ich möchte aber trotzdem mitgehen. Milord."

Tyrion schaute Bronn an und dieser nickte. „In Ordnung. Nur wir zwei."

„Nehmt eine Laterne mit", riet Tyrion. „Wenn das Tor offen ist, gebt uns ein Signal mit der Lampe."

Kurz darauf gingen Bronn und Pod. Als die Dämmerung immer mehr hereinbrach, umrundeten sie die Burg auf der westlichen Seite. Pod hatte die Laterne in der Hand. Auf dieser Seite war das Land hügelig und bewaldet, so dass sie nur schwer gesehen werden konnten. In der Nähe der Burg befanden sich auch keine Felder oder Dörfer und somit war es sehr ruhig, was Bronn zusagte. Das Volk glaubte, dass Harrenhal verflucht wäre und somit wollte keiner in seinem Schatten leben.

Bronn fluchte leise vor sich hin, als sie einem kleinen Strom folgten, der in das Götterauge mündete. Er hatte keine Ahnung, wo der Ausgang der Kanalisation sich befand und in der Dunkelheit danach zu suchen, war fast unmöglich. Links von ihm war die Festung Harrenhal, welche sich über allem erhob, mit ihren schwarzen Mauern, die sie anstarrten. Bronn hoffte, dass dort oben keine echten Augen wären, die zurück starrten.

Sie erreichten das Ufer, als die Sonne komplett untergegangen war, und Bronn fluchte aufgrund ihres Glückes. Die Mauern standen ein Stück vom Ufer weg und es gab einen großen Kai, der auf den See hinausführte. Im Mondlicht konnte er erkennen, dass keine Boote oder Wachen im Hafen waren.

„Na los", sagte er leise zu Pod. „Wir gehen am Ufer entlang, aber schön langsam. Halte nach Öffnungen in der Mauer Ausschau."

Sie konnten die Öffnung der Kanalisation nicht sehen, dafür aber umso besser riechen. Bronn roch es zuerst, kurz darauf auch Pod. Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen und Bronn überlegte, ob er es riskieren konnte Licht zu machen, damit sie besser sehen konnten. Plötzlich keuchte Pod auf und Bronn drehte sich ruckartig um, bereit für einen Kampf. Doch anstatt Pod zu sehen, wie ihm jemand die Kehle aufschlitzte, sah dieser nur in den Himmel.

„Was ist das?", fragte Pod und deutete nach oben. Bronn schaute nun ebenfalls nach oben und sah einen Roten Strich, der sich über den nächtlichen Himmel bewegte.

„Keine Ahnung. Aber er wird unseren Weg perfekt beleuchten."

Bald darauf fanden sie endlich den kleinen Strom an Abwasser, der sich seinen Weg in den See bahnte. Ein Kanal, der ca. 20 Fuß breit war, war in den Felsen geschlagen worden in den letzten 300 Jahren, damit das ganze dreckige Wasser und die Exkremente abfließen konnten. Sie folgten dem Strom und kamen kurz darauf an die Stelle wo der Strom die Burg verließ. Der Ausgang war jedoch mit einem Gitter verschlossen.

„Das ist nicht gut", sagte Bronn und zog an den Stäben. Sie würden sich nicht bewegen. „Nun wir haben es versucht. Ich glaube, wir müssen weiterziehen, ohne Harrenhal einzunehmen."

„Wartet", sagte Pod. „Der Boden unter dem Tor ist sehr locker. Ich denke ich kann mich drunter durchquetschen."

Bronn seufzte. Der Junge war zu eifrig und war drauf und dran sie beide zu töten. „In Ordnung. Versuch es!"

Fünf Minuten später hatte Pod sich unter dem Gitter hindurchgezwängt und somit blieb Bronn nichts Anderes übrig, als ihm zu folgen. Es dauerte etwas länger bei ihm und der Geruch machte ihn verrückt. Kurze Zeit später hatte er dann doch geschafft und er war auf der anderen Seite. Beide waren komplett verdreckt mit Schleim und dem dreckigen Wasser.

„Ich glaube ich werde nachher erst einmal ein Bad nehmen", kommentierte Bronn, als sie sich langsam im Tunnel vortasteten. Das Wasser floss ganz langsam an ihnen vorbei und war nur Knöcheltief. Der Tunnel fiel nach unten hin ab, was dem ganzen Mist half aus dem Schloss zu kommen. Pod entzündete die Laterne und bald darauf machten sie sich auf den Weg, den Kanal hinaufzusteigen. Bronn hatte die Laterne in der einen und sein Messer in der anderen Hand. Pod folgte ihm in der Hand sein Kurzschwert.

Zehn Minuten später kamen sie an eine Kreuzung, wo drei Wege abzweigten. Einer geradeaus, einer links und einer rechts.

„Welchen Weg?", fragte Bronn.

„Das meiste Wasser kommt aus dem Tunnel vor uns. Deshalb glaube ich, dass dort die meisten Leute leben", antwortete Pod.

Bronn schaute ihn an. „Du bist überhaupt nicht dumm, oder?"

Pod schluckte. „Nein, Milord."

„Ich bin kein Lord", schnaubte Bronn. „Noch nicht."

„Ja, Mi… ja."

Bronn ging weiter und lief in den Tunnel vor ihnen hinein und Pod folgte ihm. Als sie immer weiter in das Innere vordrangen, wurde der Gestank immer beißender, das Wasser wurde immer tiefer und sie konnten auch die ersten Ratten sehen. Bronn hatte schon viele Ratten gesehen. Auf der Farm, wo er aufgewachsen war, bei Belagerungen zu seiner Zeit als Söldner, und auf ein paar Schiffen, mit denen er schon gereist war. Aber solche Ratten wie in Harrenhal hatte er noch nie gesehen. Sie waren monströs und ihre Augen leuchteten im Schein der Laterne, bevor sie sich aus dem Staub machten.

„Groß", flüsterte Pod und Bronn nickte.

Nach weiteren 15 Minuten Fußmarsch passierte es. Bronn machte einen weiteren Schritt doch war dort plötzlich kein Boden mehr, auf den er seinen Fuß stellen konnte. Er stolperte und konnte sich gerade noch etwas abfangen, stand dann aber schon bis zur Hüfte im fauligen Kanalwasser. Er fluchte laut und beschwerte sich über den Gestank und dachte sich viele Wege aus, wie der Tyrion töten könnte.

„Was für ein ekelhafter Gestank!", beschwerte er sich. Pod trat vorsichtig neben ihn in das tiefere Wasser und im Licht der Laterne konnten sie einen runden Raum ausmachen, wo aus vielen kleinen Rohren das Wasser herabfloss. Bronn wollte sich schon weiter beschweren, dass sie nun eines dieser engen kleinen Löcher hinaufklettern müssten, als er eine Treppe bemerkte, die in die Wand des Raumes eingelassen war. Die Stufen führten nach oben zu einem kleinen Rost in der Decke.

„Was ist das?" fragte Pod und schaut in dem fahlen Licht nach oben.

„Unser Weg nach draußen", sagte Bronn erleichtert. „Halte das mal." Er reichte Pod die Lampe, steckte sein Messer weg und kletterte hinauf. Die Stufen waren glitschig und seine ganzen Klamotten waren voller Schleim, aber er kam langsam voran und war bald am Rost angekommen. Draußen konnte er wegen der Dunkelheit nichts erkennen. Vorsichtig versuchte er, den Rost anzuheben und es ging erfreulicherweise recht einfach. Er steckte seinen Kopf aus dem kleinen Loch hinaus und nach kurzer Zeit realisierte er, dass er in einen runden Steinraum schaute. Er kletterte hinauf, zog seinen Dolch und wartete gebückt für einen kurzen Moment, lauschte, doch es passierte nichts. Als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte er auf der gegenüber liegenden Seite eine Tür mit einem Griff ausmachen. Er drückte die Klinge und sie ließ sich leicht öffnen. Er schloss sie schnell wieder, und rief Pod zu, dass er hinaufkommen könne. Der Junge hatte es nicht so leicht nach oben zu kommen, da er in einer Hand noch die Laterne hatte. Zweimal wäre er fast ausgerutscht, doch bald war er so hoch, dass er Bronn die Laterne reichen konnte, welche er sofort ausblies, während Pod zu ihm hinaufkletterte.

„Wo sind wir?", fragte Pod flüsternd.

Bronn zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Vielleicht ein Weg um die Kanalisation zu reinigen oder sie von Verstopfungen zu befreien. Schauen wir uns ein bisschen um."

Vorsichtig öffnete er die Tür und sie betraten einen dunklen Gang. Er war sehr lang und es gab viele Türen, die in verschiedene Räume führten. Bronn fluchte erneut. Harrenhal war groß, von innen und von außen. Es gab hunderte Räume, Hallen, Küchen usw. Aber es war auch fast komplett leer. Sie bewegten sich langsam in der Dunkelheit vorwärts und öffneten alle möglichen Türen, welche jedoch nur in leere Zimmer führten. Sie gingen einen weiteren Korridor entlang und dann noch einen und gerade als Bronn dachte, sie würden hier nie wieder rausfinden, stupste ihn Pod an.

"Ich sehe ein Licht."

Bronn schaute in die Richtung in die Pod deutete und dort war es, eine Fackel die in einem Seitenkorridor hing. Eine Fackel bedeutete einen Weg raus. Es bedeutete aber auch, dass hier Menschen lebten. Bronn zog sein Messer und Pod sein Kurzschwert. Sie bewegten sich leise weiter und bald erleuchteten mehr Fackeln den Gang. Bald darauf bogen sie um eine Ecke und am Ende des Korridors sahen sie eine Öffnung, welche zu einem kleinen Hof führte. Dort war niemand zu sehen.

Bronn wollte gerade den Hof überqueren, als er von oben ein husten hörte. Er blieb wie angewurzelt stehen und schaute oben zu den Mauern. Im Licht des roten Streifens, konnte er drei Männer mit Speeren erkennen, die auf der Mauer Wache hielten. Auf der anderen Seite des Hofes konnte er ein kleines Tor erkennen, wo zwei Leute oder ein Mann auf einem Pferd gleichzeitig durchpassen würden. Ein vierter Mann hielt an diesem Tor Wache. Der Weg über den Hof war weit und er würde ihn nicht überqueren können, ohne gesehen zu werden. Sie könnten einen anderen Weg zum Haupttor suchen, doch würde es dauern, bis sie dort ankämen und sie würden sich auch noch mehr von Lady Whents Leuten treffen.

Er drehte sich zu Pod. "Du folgst mir, Junge, sagst nichts und machst nichts. Es gibt eine Wache am Tor und drei auf den Mauern. Wir töten die Wache am Tor, du winkst mit der Laterne und wir halten das Tor, bis der Rest angekommen ist, verstanden?"

Pod schluckte merklich und nickte nervös. "Ja, Mil.… ja."

"Steck dein Schwert weg", sagte Bronn und sie beide steckten es in ihre Scheiden. Ohne eine weitere Sekunde zu warten, ging Bronn quer über den Hof. Sie hatten die Wache fast erreicht, als diese sie bemerkte. Die Wachen auf der Mauer hatten sie nicht bemerkt.

"Hallo Freund", sagte Bronn zu der Wache.

"Wer ist das?", kam die nervöse Antwort.

"Demütige Arbeiter der Lady Whent", entgegnete Bronn.

"Bei den sieben Höllen, woher kommt dieser Gestank?", fragte die Wache nun etwas beruhigter.

"Das sind wir. Wir haben die Kanalisation gereinigt und sind auf den Weg zu den Waschhäusern. Könnt Ihr uns den Weg zeigen?"

Die Wache deutete nach rechts. "Vorbei am Haupttor und an der Schmiede, das große, einstöckige Steinhaus. Beeilt euch aber, bevor wir alle durch den Gestank sterben."

"Viele Dank. Sagt, mein junger Freund und ich haben uns gewundert, was das dort oben am Himmel ist."

Bronn deutete nach oben. Als der Mann nach oben schaute, war dies das Letzte, was er sah, da Bronn ihm bereits die Kehle aufgeschlitzt hatte. Bevor er ihn jedoch fangen konnte, schlug er klirrend auf dem Boden auf.

"Sie haben ihn getötet!", rief eine Stimme von der Mauer und kurz darauf pfiff ein Speer nur ganz knapp an Bronns Ohr vorbei.

"Das Tor!", schrie Bronn zu Pod und dieser rannte zum Tor. Das Tor war mit einer großen Eisenstange versperrt. Sie hoben diese an, warfen sie auf den Boden und öffneten das Tor. Dahinter war ein langer Tunnel der mit drei Fackeln erleuchtet war und am Ende war eine Holztür.

"Öffne sie und gib das Signal", schrie Bronn und Pod rannte in den Tunnel. Bronn zog sein Schwert und sein Messer und drehte sich gerade noch rechtzeitig herum, um sich den drei Wachen zu stellen, die auf den Mauern postiert waren. Der Kampf war kurz. Der Erste fiel durch Bronns Schwert in seiner Kehle, während er mit einem Messer einen anderen lähmte, indem er ihm die Wade aufschlitzte und sich unter einem Speer duckte. Der Mann viel unter Qualen zu Boden doch der dritte hatte bereits sein Schwert gezogen. Sie kämpften kurz miteinander doch dann jagte Bronn sein Messer in die ungeschützte Stelle unter den Armen. Er schrie vor Schmerzen auf und Bronn jagte sein Schwert in die Kehle. Das gleiche tat er mit der gelähmten Wache auf dem Boden.

Nun hallten von überall her Schreie und er konnte Fackeln erkennen, die auf ihn zu kamen. Er schaute zurück in den Tunnel und sah, dass Pod das Tor geöffnet, jedoch Probleme mit der Laterne hatte.

"Beeil dich! Wir kriegen gleich Besuch!"

Mehr konnte er nicht sagen, da bereits mehrere Männer auf ihn zu rannten. Im Tunnel, in dem er sich befand, hatte er jedoch den Vorteil, dass nur ein oder zwei Wachen gleichzeitig gegen ihn kämpfen konnten. Wären sie schlau gewesen, hätten sie Speere nach ihm geworfen oder nach den Bogenschützen gerufen, doch sie waren nicht schlau und sie waren wütend. Also zogen sie ihr Schwert und stürzten auf ihn zu. Erst zwei und dann noch einmal zwei. Als Bronn diese vier besiegt hatte, hatte Pod endlich das Zeichen gegeben und er konnte die Kriegsschreie von Shagga, Timett und Ser Jason mit seinen Männern hinter sich hören. Shagga und Timett quetschten sich an Bronn vorbei und schwangen ihre Äxte, als sich ungefähr 40 Männer von Lady Whent in den Tunnel zwängten. Es war eine blutige Angelegenheit und es hätte viel länger gedauert, hätten nicht Ser Jasons Männer ihre Lanzen mitgebracht und in die Menge vor ihnen gestoßen. Zwei vielen durch die Lanzen, Shagga schlug einem den Kopf ab und Timett tötete einen vierten, indem er ihm den linken Arm abschlug. Darauf verloren Lady Whents Männer jegliche Hoffnung diesen Kampf zu gewinnen und rannten vor Angst zurück in die Burg. Bronn und seine Männer schlugen eine Bresche in die Menge und bald darauf waren sie wieder im Hof angekommen. Der Kampf war nun nur noch sehr kurz, da viele Männer die Waffen niederlegten und Ser Jasons Männer diese vor den Wildlingen beschützen mussten. Zehn Minuten später war es vorbei. Zwei Männer aus Ser Jasons Truppe waren tot, vier verwundet. Die meisten Männer Lady Whents waren entweder verwundet oder getötet, der Rest nun Gefangene. Tyrion und seine restlichen Männer kamen mit Fackeln und auf Pferden hineingeritten.

Tyrion schaute zu Bronn und Pod rümpfte die Nase und grinste. "Sehr gut gemacht. War dies einer Lordschaft würdig?"

Bronn zuckte die Achseln. "Das weiß ich nicht, bis ich sie bekomme."

Dieses Mal war es an Tyrion zu lachen. "Gut gesprochen. Nun, wo ist Lady Whent?" Er kletterte von seinem Pferd und schaute die gefangengenommenen Kämpfer an, welche vor ihm knieten. "Wer hat hier das Kommando?"

Ein Mann schaute auf. "Ich, Milord."

"Ich bin Tyrion, Sohn von Tywin, aus dem Hause Lannister. In seinem Namen übernehme ich das Kommando über diese Burg. Die Armee meines Vaters wird morgen früh hier eintreffen. Es würde ihn freuen, rechtmäßig von der Lady von Harrenhal begrüßt zu werden. Nun, wo ist sie?"

"Verschwunden, vor drei Tagen", sagt dieser.

"Wohin?"

"Sie sagte nichts und wir haben sie auch nicht gefragt, Milord. Sie befahl uns, die Burg zu bewachen und sagte, sie wäre bald zurück."

Shagga grummelte. "Er lügt, Halbling. Lasst Shagga ihm die Nase abschlagen und lasst uns schauen, ob die Wahrheit gemeinsam mit seinem Blut aus ihm herausläuft."

"Nein", sagte Tyrion ernst. "Plündert was ihr wollt, aber diesen Leuten hier passiert nichts. Sollte sich ein Mann dagegen wehren, tötet ihn. Aber ich will keine unnötigen Tode. Und keine Vergewaltigungen!"

Shagga knurrte. "Der Halbling nimmt einem den ganzen Spaß am Krieg, doch wir werden uns an die Anweisungen halten."

Sie begannen die Burg zu durchsuchen und bald waren alle dort lebenden Menschen eingesammelt. Die Burg war groß, jedoch lebten nicht mehr als 200 Menschen hier und sie bewohnten nur einen kleinen Teil der Burg. Sie sammelten die restlichen Wachen ein, weckten den Maester, damit dieser sich um die verwundeten kümmern konnte und verstauten die unverwundeten Soldaten in einer Zelle. Jeder erzählte ihnen die gleiche Geschichte. Lady Whent war vor drei Tagen abgereist und niemand wusste, wohin. Die meisten ihrer Diener hatten sie begleitet, genauso ihre persönlichen Diener. Auch ihr Verwalter, ihre persönliche Wache sowie zwanzig andere bewaffnete Männer begleiteten sie.

Erneut wollte Shagga den Mann foltern, doch Tyrion verneinte es erneut. Sie brauchten einen lebenden Maester, keinen toten und er schützt ja nur seine Herrin. In einer ruhigen Minute erzählte er Bronn, dass es ihm egal wäre, wo Lady Whent hingegangen war, doch seinem Vater würde es das nicht sein.

Kurze Zeit später versammelte Tyrion seine Kommandeure in der großen Halle, um zu beratschlagen, was als nächstes getan werden sollte.

"Wir werden die Nacht hier verbringen", erzählte er allen. "Morgen früh müssen wir weiter nach King's Landing."

„Wir haben Verwundete, Milord", sagte Ser Jason.

„Sie werden genauso wie dreißig weitere Männer hierbleiben und auf die Ankunft meines Vaters warten. Wir haben wichtigere Verpflichtungen im Süden."

„Welche Verpflichtungen, Milord?"

Tyrion lächelte. „Nun, ich soll die Hand des Königs werden. Deshalb werden wir nach King's Landing aufbrechen."

Bronn wunderte sich. Der Zwerg erzählte seinen Männern nichts über Ned Stark, noch nicht. Vielleicht auch gar nicht. Er traute ihnen nicht, weswegen Bronn es auch nicht tun würde.

Nachdem alles besprochen war, ordnete Tyrion an, dass ein Festmahl für alle vorbereitet werden sollte. Ihre Rationswagen kamen nun endlich in der Stadt an und alle begannen sich für die Nacht vorzubereiten.

Unten im Hof schaute Tyrion Bronn und Pod an, roch an ihnen und verzog das Gesicht. „Ich glaube, das Abendessen wird nicht sehr angenehm werden, wenn ich ständig euren Gestank riechen muss."

„Wisst Ihr, während ich so durch den tiefen Morast aus Scheiße und Pisse gewartet bin, konnte ich an nichts Anderes denken, als Euren Kopf und eben diesen zu halten und Euch ersaufen zu sehen."

Tyrion grinste. „Eine Spur von Wahnsinn hat dich eingeholt. Sollte ich ertrinken, würdest du niemals ein Lord werden, geschweige denn das Gold bekommen, das ich dir Schulde."

„Aye", antwortete Bronn. „So ist es."

„Beruhige dich, Bronn", erklärte Tyrion. „Du bist der Mann, der Harrenhal eingenommen hat. Wer kann das schon von sich behaupten?"

„Aegon der Eroberer", quiekte Pod. „Milord."

„Natürlich", entgegnete Tyrion. „Aber dieser hatte drei Drachen."

Tyrion bat eine vorbeilaufende Frau Bronn und Pod das Waschhaus zu zeigen und ihre Kleider zu waschen. Zwanzig Minuten später sank Bronn in ein heißes, seifiges Bad und schrubbte sich den Dreck der Kanalisation sowie den Dreck des Tagelangen Rittes vom Körper. Er hatte kein Bad mehr gehabt, seitdem der Zwerg vor ein paar Wochen gefangen genommen worden war.

Nachdem der Gestank endlich verschwunden war, kleideten Bronn und Pod sich in der Kleidung, die ihnen von der Frau gebracht wurde, während ihre eigene gereinigt wurde. Sie war sehr rau und nicht gut gemacht, doch sie war sauber und das würde vorerst genügen. Ihre Schuhe wurden von einem Jungen gereinigt, der als er fertig war, sich daran setzte Bronns Lederrüstung zu polieren, jedoch mit dessen Anweisung sie nicht zu hart zu schrubben, damit die Rüstung nicht anfing zu glänzen, da er sie lieber dunkel und matt mochte.

Das Abendessen in der großen Halle war ein tolles Fest mit viele warmen Gerichten aus dem Tierbestand und den Lagerräumen von Lady Whent. Es gab Roastbeef, überbackenes Schwein und gegrilltes Hühnchen. Dazu gab es viele Sorten Gemüse, Kuchen, gebackenes Brot und ganz viel Wein, Bier und Schnaps. Bronn aß und trank viel, vor allem da es viele Toasts auf ihn und Pod gab, da sie die Burg ganz alleine eingenommen hatten und auf den Mut den sie aufgebracht hatten. Jedoch wollte Bronn nicht zu viel trinken, da ein Mann, wenn er betrunken ist, am schwächsten war und er nicht wollte, dass in diesen Zeiten jemand ihn überraschen könnte. Eine Burg die heute eingenommen wurde, konnte am nächsten Tag auch ganz leicht wieder zurückerobert werden.

Nachdem die Wachen für die Nacht bestimmt waren und die restlichen Männer sich auf den Weg machten, um einen Schlafplatz für die Nacht zu finden, machten sich Bronn und Tyrion auf den Weg um Shae zu finden und um sie zu Lady Whents Gemächern zu bringen, wo Tyrion die Nacht verbringen wollte. Bronn fand Shae in der Küche, wo sie mit einem düsteren Blick auf dem Gesicht auf einem Stuhl saß, während die anderen Diener die mit ihnen gereist waren umherhuschten, aufräumten und Shae dabei böse Blicke zuwarfen. Alle wussten, dass sie Tyrions Hure war, aber keine traute sich etwas zu ihr zu sagen. Bronn war sich sicher, dass sie irgendwo ein Messer unter ihren Roben versteckt hatte und bereit war, jeden damit aufzuschlitzen, der es wagte, ihr zu sagen, sie solle die Töpfe schrubben.

„Er möchte dich sehen", sagte er mit leiser Stimme. Sie lächelte, stand auf und folgte ihm.

„Ihr wart mutig durch die Kanalisation zu gehen", sagte sie zu ihm, während sie über den Hof gingen. „Jeder spricht darüber."

„Dämlich, meinst du, nicht mutig", antwortete Bronn.

„Vielleicht. Doch die Männer werden es nicht als dämlich bezeichnen."

„Es ist mir scheißegal, was die Männer sagen."

„Was wollt Ihr dann?"

Tyrion hatte ihn das auch schon einmal gefragt. „Ich möchte mein Leben genießen", erzählte ihr Bronn. „Ich möchte niemals jemanden den Arsch küssen. Ich möchte schlafen, wann ich möchte, ich möchte ficken, solange ich kann und ich mochte meinen Magen mit guten Essen und Wein füllen, solange es geht. Und das geht halt am besten, solange ich in Diensten deines Lords bin und ich werde dann sehen, wohin es mich verschlägt."

„Er bringt uns nach King's Landing. Er wird die Hand des Königs werden. Es gibt keine höhere Stellung in diesem Land. Mit Ausnahme des Königs."

„Aye", sagte Bronn. „Aber die letzten zwei bis drei Hände hatten nicht so viel Glück, falls du es nicht gehört hast. Manche von ihnen sind sogar tot."

„Nicht Ned Stark."

„Nein, er nicht. Noch nicht. Wir müssen ihn finden, bevor das passiert."

„Das hat er mir erzählt", sagte Shae.

„Ich bin mir sicher, dass er das getan hat. Aber behalte es für dich."

„Das hat er mir auch geraten. Ich kann Geheimnisse behalten."

„Sehr gut."

„Was machen wir mit Ned Stark?"

„Wir bringen ihr zurück zu Tyrions Vater."

„Tyrion hasst seinen Vater", raunte Shae ihm zu.

„Viele Männer hassen ihre Väter."

„Warum hassen so viele Männer ihre Väter?"

„Weil sie uns auf dem Weg nach oben in eben diesem stehen oder weil sie Land und Titel haben, die wir wollen. Dazu kommt, dass sie ständig zu uns `nein` sagen und uns schlagen."

„Ich dachte es kommt daher, da sie eure Mütter ficken", antwortete Shae. „Und das ihr kleinen Jungs es nicht leiden könnt, wenn eure Mutter mit einem Mann im Bett ist, auch wenn es euer Vater ist."

„Aye, da könnte auch etwas dran sein. Aber dies trifft nicht auf unseren kleinen Lord zu."

„Warum nicht?"

„Nun als ich im Vale war, habe ich viele Geschichten von den Männern der Schlampe Lisa Arryn gehört. Tyrions Mutter starb bei seiner Geburt und somit kannte er sie nie." Sie antwortete nichts darauf und kurz darauf kamen sie endlich an dem Turm an wo sich das Quartier von Lady Whent befand. „Nun los ab mit dir. Dritter Stock, zweite Tür rechts."

Am nächsten Morgen nach einem gemütlichen Frühstück machten sie sich bereit Harrenhal wieder zu verlassen. Shagga, Timett und die anderen Hügelmänner waren darüber nicht sehr erfreut. In Harrenhal hatte es nicht viel zum Plündern gegeben. Sie hatten die Schatzkammer gefunden, nachdem sie allen Gefangenen angedroht hatten, ihnen die Eier abzuschneiden, doch die Kammer war mit einer meterdicken Eisentür verschlossen und es hingen viele Schlösser daran. Auch hinein kamen sie nicht, da die Kämmerer von Lady Whent die Schlüssel mitgenommen hatten. So sehr sie auch gegen die Tür schlugen, sie bekamen sie nicht auf.

Bevor sie jedoch aufbrechen konnten, setzte ein leichter Regen ein, der immer stärker wurde. Tyrion verschob darauf ihren Aufbruch um ein paar Stunden, bis der Sturm sich gelegt hatte. Durch den Sturm verspätete sich ihr Aufbruch so sehr, dass bereits die ersten Vorreiter von der Armee seines Vaters eintrafen und es dauerte keine weitere Stunde, da ritt Lord Tywin Lannister höchstpersönlich in die Burg, gemeinsam mit seinem Kommandanten und seiner Leibgarde.

Bronn saß auf dem Pferd direkt neben Tyrion und Lord Tywin Lannister kam sofort auf seinen Sohn zugeritten.

„Gut gemacht", sagte Tywin etwas widerwillig, als er neben seinen Sohn zum Stehen kam. „Wie habt ihr die Stadt eingenommen?"

Tyrion grinste. „Bronn und Pod sind durch die Kanalisation geschwommen und konnten sich so ins Schloss schleichen und die Wachen überraschen und das Seitentor öffnen. Ich habe Bronn dafür den Titel Lord versprochen, für diese große Tat. Keine große Lordschaft aber eine kleine Burg und eine Lady, die er heiratet und sein Bett warmhält, sowie etwas Volk, worüber er herrschen kann. Vielleicht könnten wir aus Pod noch einen Ritter machen, nachdem er so lange und gut als Knappe für mich gedient hat."

Tywin starrte Bronn an, war einen Blick auf Pod und schnaubte kurz. „Wenn es das ist, was du ihnen versprochen hast, dann soll es so sein. Warum hast du noch nicht für den anderen Auftrag, den ich dir aufgetragen hatte, die Burg wieder verlassen?"

„Wir wollten gerade aufbrechen."

„Dann solltet ihr das auch so schnell wie möglich tun."

Tyrion nickte. „Natürlich. Aber zuerst, was gibt es für Neuigkeiten vom Krieg?"

„Nichts hat sich verändert, seitdem wir das letzte Mal gesprochen haben."

„Und in King's Landing?"

„Raben sind nicht darauf trainiert, eine marschierende Armee zu finden", sagte Tywin zu ihm. Er schaute sich um. „Wo ist Lady Whent? Ich hatte erwartet, dass sie mich kniend begrüßt."

„Sie hat die Burg vor vier Tagen verlassen. So haben es mir zumindest der Maester und die restlichen Gefangenen erzählt. Wohin sie gegangen ist, keiner weiß es", erzählte Tyrion seinem Vater.

„Sie werden sicher bald reden", antwortete Tywin und Bronn wusste sofort, dass es hier bald Folter geben würde.

„Wir haben ein paar Verwundete und zwei Tote, als wir das Schloss eingenommen haben. Es gibt 40 Männer, die im Gefängnis sitzen, alles Wachen von Lady Whent. Ich wollte 30 Mann von Ser Jasons hier…"

„Nimm all deine Männer mit!", befahl sein Vater. „Wir haben genug Kämpfer hier. Wenn es sonst nichts zu besprechen gibt, solltet ihr euch auf den Weg machen. Diese andere Geschickte hat höchste Priorität."

„Natürlich, Vater. Euch alles Gute!"

Tywin grummelte ein „dir auch." Und bewegte sein Pferd weiter in Richtung der Türme. Tyrion rief Ser Jason zu sich und sagte ihm, er solle den Rest seiner Männer einsammeln. Zehn Minuten später waren alle bereit und sie ritten aus dem Haupttor hinaus, während die Armee seines Vaters immer näherkam. Außerhalb der Stadt waren bereits Soldaten damit beschäftigt Verteidigungslinien zu errichten, während immer mehr Soldaten über die Hügel in Richtung der Stadt marschierten. Tyrion, gefolgt von Bronn, Pod und Ser Jason, nahm seine kleine Gruppe an Kämpfern und wandte sich einem kleinen Weg zu, der nach Osten in Richtung der Kingsroad führte.

Bronn konnte erkennen, dass Tyrion vor Wut bebte und kurze Zeit später ritten sie alleine, mit Pod kurz dahinter, während Ser Jason Späher ausschickte.

„Man könnte meinen, er wolle, dass ich versage," sagte Tyrion leise, seine Stimme heiser.

„Aye. Er sagt nicht gerne danke, oder?", sagte Bronn.

„Nein, das hat er noch nie. Eines Tages hat er Jaime, Cersei und mich zu sich gerufen und uns erklärt, wie er die Dinge sieht. Sie waren beiden bereits groß und umwerfend und ich war zusammengestaucht und hässlich und gerade mal acht Jahre alt. Aber wir waren nun mal Lannisters, seine Kinder. Er sprach sehr lange darüber, was von uns erwartet wurde, was unser Familienname bedeutet und wie wir die Familienehre aufrechterhalten sollten. ´Erfolg wird von einem Lannister erwartet und niemand sollte Dankbarkeit dafür erwarten, dass er seine Arbeit macht. Versagen wird nicht toleriert und Bestrafung sollen diese erfahren, die scheitern oder euch behindern bei dem, was ihr vorhabt. Besonders die, die sich gegen euch erheben. ` Dies waren seine exakten Worte. Ich werde mich bis zu meinem letzten Tage daran erinnern."

„Der Regen von Castemere", sagte Bronn und es musste nichts weiter gesagt werden.

„Oh ja. Dies ist mein Vater, in aller Kürze. Du bekommst deine Lordschaft, wenn dies hier vorüber ist natürlich, wenn wir dies gewinnen. Er wird dir sie jedoch widerwillig geben, er wird erwarten, dass du vor ihm kniest und ihm Loyalität schwörst."

„Nun, es kann nicht alles perfekt sein", sagte Bronn mit einem Grinsen.

Am nächsten Tag erreichten sie die Kingsroad, doch die Straße war verdächtig ruhig. Bald sahen sie das erste ausgebrannte Farmhaus, dann tote Körper am Straßenrand und bald auch Menschen, die an Bäumen hingen und am Horizont konnte man Rauch sehen, was noch mehr Chaos erwarten ließ. Tyrion hatte alle gewarnt, dass sie auf Patrouillen der Lannister treffen könnten, die skrupellos waren. Sie sollten nichts tun und einfach nur an ihnen vorbeigehen. Sie hatten einen wichtigeren Auftrag, der zu erledigen war, als sich in die Belange dieser Stoßtruppen einzumischen. Trotzdem erkannte Bronn, dass Ser Jasons Männer sich nicht wohl in ihrer Haut fühlten, als sie dies alles sahen. Die Wildmänner störte dies alles nicht und öfter musste Tyrion sie davon abhalten, in eines der Farmhäuser am Rand zu gehen, um nachzuschauen, ob es dort noch etwas Wertvolles gab. Sie hatten es zu eilig, als dass sie Umwege machen konnten.

Am dritten Tag nachdem sie von Harrenhal aufgebrochen waren, holten sie eine der Stoßtruppen, geführt von Ser Amory Lorch, ein. Bronn kannte den Mann nicht, doch Tyrion und er hatten sich wohl schon früher einmal getroffen. Die beiden Gruppen tragen sich mitten auf der Kingsroad, Tyrions unterwegs nach Süden, Lorchs nach Norden. Tyrion erzählte Lorch, wo Lord Tywin nun war, aber es waren die Nachrichten von Ser Amory Lorch, die faszinierender waren.

„Vor zwei Tagen kamen wir an einer Gruppe Goldröcke vorbei. Sie waren mit ein paar Wachen der Königin unterwegs, die aus King's Landing kamen. Sie hatten den Befehl Ned Stark zu finden um ihn zurück nach King's Landing zu bringen."

„Wo haben die Goldröcke und die Männer meiner Schwester nach Ned Stark gesucht, Ser Amory?", fragte Tyrion.

„Westlich der Kingsroad, Milord", erzählte Ser Amory ihm. „Sie sind ein paar Bauern begegnet, die eine Gruppe Rekruten der Nachtwache gesehen haben, wie sie die Straße südlich des Götterauges genommen haben."

Tyrion dankte ihm für die Neuigkeiten und wünschte ihnen alles Gute. Als die beiden Gruppen aneinander vorbeigingen, konnte man Lorchs Männer über ihre Plünderungen und ihre Vergewaltigungen erzählen hören. Am Ende fuhren einige Wagen mit Korn und Gemüse an ihnen vorbei. Dazu Wagen, auf denen Käfige mit Ziegen, Schweinen und Geflügel standen. Alles für Harrenhal hatte Lorch gesagt.

„So wird Krieg geführt", knurrte Shagga. „Lass uns mit ihnen gehen, Halbling."

„Ach, Shagga", seufzte Tyrion. „Ihr könnt machen, was ihr wollt. Aber wenn ihr nicht mit mir kommt, bekommt ihr auch nicht all das Gold und die Huren, die ich euch versprochen habe, sobald wir King's Landing erreichen."

„Es macht keinen Spaß, etwas so einfach zu bekommen, wie wenn man es sich mit einer Axt holt", grummelte Shagga. Timett und die anderen stimmten ihm zu, blieben jedoch bei Tyrions Gruppe.

Nun war es an der Zeit, Ser Jason in die Sache mit Ned Stark einzuweihen. Dieser nickte nur und sagte zu Tyrion, er würde das tun was Tyrion ihm befahl und würde ihm überallhin folgen. Als Ser Jason nach vorne an die Spitze ritt, schaute Bronn Tyrion an. „Du wusstest, er würde dir folgen. Warum diese Geheimnisse?"

„In Zeiten des Krieges muss nicht jeder alles wissen. Er musste bis gerade eben nicht wissen, dass wir nach Stark suchen."

„Gibt es noch etwas, das ich wissen sollte?", fragte Bronn.

„Nein."

„Würdest du mir erzählen, wenn es etwas gäbe?"

„Nein."

„Gut. Dann weiter."

Sie entschlossen sich landeinwärts zu reiten in Richtung des Götterauges und dann in Richtung Süden zu gehen, um Zeit zu sparen. Tyrion kannte Yoren, den Führer der Gruppe bestehend aus Rekruten für die Nachtwache. Er erzählte Bronn, dass wenn Yoren schlau gewesen ist, er versuchen würde, auf die Westseite des Götterauges zu gelangen, um den Ärger auf der Kingsroad zu umgehen.

Am Ende des nächsten Tages saßen sie immer noch im Sattel und hielten auf ein kleines Dorf zu, das an den fern des Götterauges lag. Viele wollten unbedingt haltmachen, doch Tyrion versprach ihnen warme Betten, starkes Bier und Wein, und vielleicht sogar ein paar Huren, sobald sie die Stadt erreichten. Als sie einen kleinen Hügel erklommen hatten, konnten sie in der der ferne Feuer sehen. Eine Minute später kam einer der Späher schnell auf sie zugeritten.

„Die Stadt ist verlassen", sagte er hastig. „Aber jemand greift ein paar Leute in der Feste beim See an."

Sie gaben ihren Pferden sie Sporen und ritten hastig in die Stadt hinein und immer auf das Feuer in der Feste zu. Es war nun riesengroß und viele Menschen standen drum herum. Die Männer, die außerhalb der Feste standen, hörten die nahenden Pferde, stiegen auf ihre und bereiteten sich auf einen Kampf vor. Ser Jasons Männer waren bereit zum Angriff, als Bronns scharfe Augen das Banner im Licht des Feuers erkannte.

„Es sind deine Bannermänner!", rief er Tyrion zu, als sie sich einreihten. Die beiden Gruppen standen sich nun gegenüber und beäugten sich.

„Wer hat hier das Sagen?", rief Tyrion zu ihnen hinüber.

„Ser Marcus Lefford", sagte einer der Männer. „Aber er ist verwundet. Ein Pfeil hat ihn getroffen."

„Bringt mich zu ihm", befahl Tyrion. Der Mann stieg genauso wie Tyrion ab und begann in eine Richtung zu laufen. Tyrion folgte ihm, mit Bronn und Pod dicht hinter ihm. Zwischen zwei kleinen Wällen der Feste lag ein Mann auf dem Boden, der vor Schmerzen keuchte. Ein anderer versuchte gerade im den Pfeil aus der Schulter zu ziehen. Um ihn herum lagen einige tote Körper, die alle von Pfeilen getötet worden waren.

Ser Marcus schaute auf, als sie auf ihn zukamen und im Licht des Feuers zeigte sein Gesicht Schmerz und Überraschung. „Lord Tyrion?"

„Ja. Was ist hier los, Ser Marcus?"

„Wir versuchen Ned Stark zu finden", sagte er und verzogt vor Schmerz das Gesicht.

Nun war es an Tyrion überrascht zu schauen. „Stark ist hier?"

Ser Marcus nickte. „Wir haben ihn. Doch dieser Krähenbastard hat es verweigert, uns das Tor zu öffnen, damit wir ihn uns holen können. Das gleich gilt für den Bastardjungen."

„Welcher Bastardjunge?"

„Der, den die Goldröcke einfangen sollten, damit der König ihn töten kann."

Tyrion seufzte. Joffrey hatte wieder mal einen idiotischen Einfall. „Beginnt von Anfang an."

In zwei Minuten hatte Ser Marcus ihm alles erzählt. Zwar nicht bis ins kleinste Detail, doch es reichte. „Wo ist Ned Stark jetzt?"

„Dort drüber", sagte Ser Marcus und deutete auf ein kleines Haus. „Ich brauche einen Maester."

„Unglücklicherweise haben wir keinen bei uns", sagte Tyrion. Dann drehte er sich um und schaute Pod an, der die ganze Zeit dich hinter ihm gestanden hatte. „Pod, finde Ser Jason. Sag ihm, sie sollen Wachen aufstellen und das Camp für die Nacht hier aufschlagen. Am besten in den leeren Häusern. Schaut nach den Verwundeten und bereitet das Abendbrot zu." Dann schaute er die Männer an die Ser Marcus halfen. „Bringt ihn in das Gebäude. Sofort!"

Der Ritter schrie vor Schmerzen auf, als sie ihn hochhoben und kurz darauf war er in dem kleinen Haus, in das Bronn und Tyrion ihm folgten. Sie trugen Ser Marcus in das Schlafzimmer und schlossen die Tür hinter sich. In der kleinen Küche brannten ein paar Kerzen und dort am Tisch, seine Hände mit einem Seil gefesselt, saß Ned Stark mit einer Wache direkt hinter sich.

Starks Bart war stark gewachsen. Er war sehr dreckig, stank fürchterlich und Blut tropfte von einem Schnitt auf seiner Wange. Seine Augen waren rot und sahen müde aus. Als er aufsah, um zu schauen, wer eintrat, weiteten sich seine Augen. Dann grinste er und kicherte sogar leicht. „Zwerg", sagte er und Tyrion zuckte leicht zusammen. Bronn wusste, dass er diesen Spitznamen nie mochte. „Die Götter waren gut zu mir, mir meinen Feind direkt an meinen Tisch zu bringen."

„An den Tisch eines anderen", witzelte Tyrion. „Aber ich bin nicht Euer Feind."

„Nein? Der Mann, der versucht hat meinen Sohn zu ermorden, ist nicht mein Feind?"

„Das ist eine Lüge", beharrte Tyrion. „Ich werde es Euch gleich erklären. Aber…"

„Aller Lannisters sind Lügner", sagte Stark hart. Er schaute Bronn vorsichtig an. „Ihr seid kein Mann der Lannisters. Was hat er Euch für euer Schwert versprochen?"

„Eine Lordschaft", sagte Bronn und grinste zufrieden.

Ned Stark schnaubte. „Natürlich. Vielleicht bekommt Ihr sie auch. Alle Lannisters bezahlen schließlich ihre Schulden. Die Starks machen das auch, vielleicht."

Diese Aussage hing schwer in der Luft und Tyrion setzte sich auf einen Stuhl gegenüber von Ned Stark. „Ihr, Lord Stark, und ich haben viel zu besprechen."

„Ich pisse darauf, Zwerg. Mögen die Anderen euch holen."

Tyrion seufzte. „Wir hatten einen schlechten Start. Lasst uns den Angreifer Eures Sohnes erst einmal für einen Moment beiseitelegen. Ich habe andere Dinge mit Euch zu besprechen. Es geht um die Armee Eures Sohnes. Ich bin im Auftrag meines Vaters hier, um mit Euch zu sprechen."

Stark sagte nichts, nickte aber kurz.

„Sehr gut", sagte Tyrion und schaute dann die Wache hinter Stark an. „Ihr könnt gehen!"

Der Mann sträubte sich. „Ser Marcus hat gesagt, …"

„Raus hier", knurrte Tyrion. „Ich habe hier nun das Kommando."

„Ja, Milord", sagte der Mann schnell und war genauso schnell verschwunden.

„Habt Ihr immer das Problem, dass die Leute nicht sofort das machen, was Ihr befehlt?", fragte Ned Stark scherzend. „Ich glaube, es liegt daran, dass sie Euch als einen kleinen Jungen sehen. Aber ich weiß, dass Ihr ein skrupelloser Mann seid."

Tyrion zuckte mit den Achseln. „Skrupellos wie ich es brauche. Nun zu dem, was ich eigentlich wollte. Mein Vater hat mir befohlen Euch zu suchen und Euch zu ihm zu bringen."

Stark lachte. „Da kommt er zu spät. Die Königin hat bereits diesem hier befohlen mich zu finden und mich zurück nach King's Landing zu bringen."

„Das wird nicht passieren", sagte Tyrion. „Ich habe die größere Streitmacht hier. Ser Marcus wird von der Wunder, die er hat, sterben, wenn sie nicht richtig versorgt wird und ich bin nicht umsonst ein Lord und der Sohn des Herren von Casterly Rock, wo er nur ein einfacher Ritter ist. Wir werden nach Norden zu meinem Vater reiten."

„Und was passiert dann?"

„Ihr werdet unter dem Friedensbanner zur Armee Eures Sohnes gebracht und…"

Stark schaute ihn verwirrt an. „Robb ist in Riverrun?"

„Er weiß es nicht", sagte Bronn.

„Ich habe nur Gerüchte gehört", sagte Stark ihnen.

„Oh, ja ich vergaß, dass Raben niemanden, der auf der Straße unterwegs ist, erreichen können, um ihre Nachrichten zu überbringen", bemerkte Tyrion. „Die Truppen Eures Sohnes haben Riverrun eingenommen."

„Wo ist die Armee Eures Vaters?"

Tyrion zögerte einen Moment. „Harrenhal."

„Er belagert es?"

Bronn grinste. „Wir haben es eingenommen. Nur mit ein paar Männern."

Starks Augenbrauen ging nach oben. „Also ist Lady Whent eine Gefangene?"

„Sie war nicht in der Burg, als wir es vor etwa einer Woche eingenommen hatten. Nun, wie ich bereits sagte, werden wir euch nach Riverrun bringen und versuchen eine friedliche Einigung mit Eurem Sohn zu erzielen und um diesen dummen Krieg wieder zu beenden. Mein Vater wird euch die Details dazu sagen."

Stark starrte ihn an. „Was ist mit meiner Tochter?"

Tyrion schaute ihn etwas verwirrt an. „Ihr meint Eure Töchter, oder?"

Stark musste stark blinzeln und schaute dann nach links. „Aye. Töchter natürlich, Sansa und Arya." Es schwebte eine Lüge mit, dass wusste Bronn, doch er konnte nicht sagen, was es für eine war, noch nicht.

„Es wird einen Austausch geben… Sie für meinen Bruder."

Nun war Stark komplett überrascht. „Der Königsmörder? Was ist mit ihm?"

Tyrion seufzte laut. „Die Truppen Eures Sohnes haben ihn vor zehn Tagen gefangen genommen."

Ned Stark grinste und lachte dann laut. Dann jedoch hörte er abrupt auf und schaute wieder grimmig drein. „Glaubt Ihr wirklich, dass Rob den Königsmörder mit zwei kleinen Mädchen austauscht? Ihr und Euer Vater seid verrückt."

„Zwei kleine Mädchen … und Euch!"

„Welche Garantie habe ich, dass Ihr mir nicht einfach die Kehle durchschneidet oder mir ein Messer in den Rücken stecht, wenn es zu dem Austausch kommt."

Tyrion zuckte mit den Schultern und schaute Bronn an. „Dieser Mann traut weder mir noch irgendwem sonst aus meiner Familie."

„Nun, er hat gute Gründe dafür. Es wäre das Beste, du sprichst mit ihm über das andere Thema", sagte Bronn.

„Richtig. Aber ich spreche besser mit einem Kelch Wein in meiner Hand." Bronn bemerkte den versteckten Hinweis und ging nach draußen. Pod stand sicher direkt neben der Tür und Bronn würde ihm auftragen ihm etwas zu trinken zu besorgen.

„Nun Lord Stark, lasst und über Euren Sohn reden und darüber, dass ich unschuldig bin."

„Ihr könnt es versuchen. Aber ich werde Euch wahrscheinlich nicht glauben."

„Nun dagegen kann ich wahrscheinlich nicht viel tun." Plötzlich hallte ein Schrei aus dem anderen Raum zu ihnen herüber. Dann war es wieder still. Tyrion schaute Bronn an und dieser schaute in den anderen Raum. Ser Marcus lag auf dem Bett, bleich, Blut lief sehr schnell aus seiner Schulter, welche richtig schlimm aussah. Der Pfeil war nun draußen, aber das Blut lief viel zu schnell aus der Wunde und die Männer versuchten, diese zu versorgen.

„Es ist vorbei", sagte Bronn zu ihnen und keine zehn Sekunden später atmete Ser Marcus ein letztes Mal. Seine Männer trugen seinen toten Körper hinaus. „Was sollen wir mit ihm machen?", fragte einer der Männer Tyrion.

„Wartet bis zum Morgen und beerdigt ihn dann. Sagt Euren Männern, sie sollen sich was zu essen besorgen und sich dann hinlegen."

„Ja, Milord", sagte der Mann und ging.

Kurz darauf kam Pod zurück und brachte einen Krug voll Wein und zwei Becher. Tyrion nahm sich einen Becher, doch Stark verneinte. „Sprecht, Zwerg, bevor ich mich dazu entschließe, Euch nicht mehr zuzuhören."

Pod ging wieder, während Bronn sich an die Wand lehnte und Tyrion Ned Stark anschaute. „Wo soll ich anfangen? Ich glaube, das Messer ist ein guter Punkt. Ich habe gehört, es war eines aus Valyrischem Stahl mit einem Knochen als Heft. Rar, aber kein schöner Gegenstand. Eure Frau hat mich beschuldigt, einem Attentäter dieses Messer gegeben zu haben, um dann Eurem Sohn die Kehle durchzuschneiden. Aber warum glaubte sie, dass mir dieses Messer gehört?"

Stark starrte ihn an. „Jemand hat uns erzählt, dass es Euer war."

„Ahh, und wer war dieser Jemand?"

„Baelish", antwortete Stark, ohne zu zögern.

Tyrion starrte ihn an und Bronn dachte, er hätte ihn nicht gehört, da er lange schwieg. „Baelish… Baelish, der Eure Frau liebte, seitdem sie Kinder waren. Baelish, der, soweit die Geschichte stimmt, die ich gehört habe, Euch verraten hat und in den Kerker gesteckt hat."

„Aye. Das ist so passiert. Ihr sagt, das Messer ist nicht Eures?"

„Ja!", sagte Tyrion.

„Nun, es steht das Wort von Baelish gegen das Eure."

„Richtig. Aber was sollte ich davon haben, dass ich versuche, Euren Sohn zu töten."

Stark schaute ihn lange und hart an. „Nichts!" Tyrion nickte, doch Stark sprach weiter. „Es sei denn Ihr wolltet Eurem Bruder und Eurer Schwester helfen, ihren abscheuliche Lüge zu verstecken."

Nun wird es interessant. „Bronn, ich denke…", begann Tyrion, doch Stark schnitt ihm das Wort ab.

„Nein, er soll bleiben. Das ganze Land wird es eh bald wissen. Stannis weiß es und er ist nicht der Mensch, der so etwas verheimlicht. Ihr wisst es auch, oder? Ihr seid ein schlauer Mann habe ich gehört, liebt es zu lesen, zu beobachten und zu wissen. Varys ist auch ein schlauer Mann und er wusste es schon lange. Ich glaube, dass Ihr es auch schon sehr lange wisst."

Tyrion sagte nichts, aber nach einem Moment nickte er.

Starks Augen brannte wie Feuer. „Am Tag der Jagd haben wir alle Winterfell verlassen, auch Ihr. Aber nicht der Königsmörder und die Königin. Was hat mein Sohn gesehen? Warum ist er von dem Turm gefallen?"

„Ich weiß es nicht", sagte Tyrion.

„Aber Ihr könnt Euch etwas vorstellen."

„Ja. Aber Ihr müsst auch beachten, dass ich unterwegs zur Mauer war, als Euer Sohn angegriffen wurde."

„Aye, Yoren hat mir dasselbe gesagt. Er erzählte mir, dass Ihr Bran den Plan für einen Sattel gegeben habt, damit er wieder reiten kann."

„Das habe ich. Angelehnt an einen, den ich auch habe. Klingt das so nach jemanden, der ihn unbedingt töten möchte?"

Stark starrte Tyrion an. „Yoren hat das auch zu mir gesagt."

„Wo ist er?", fragte Tyrion.

„Ich glaube, er ist tot. Oder mit ein paar anderen geflohen. Ich weiß leider nicht, wohin sie gegangen sind. Ich wurde über die Mauer der Feste gezogen und dann hierhergebracht. Niemand hat mir etwas über meine Kameraden erzählt."

„Yoren ist ein guter Mann", antwortete Tyrion mit bedrückter Stimme. „Es würde mich traurig stimmen, wenn er tot wäre. Was hier passiert ist, hätte nicht passieren dürfen."

„Das hätte es nicht. Einige dieser Männer waren noch Jungen. Ser Marcus hat mit seinem Leben für seine Brutalität und seine Dummheit bezahlt."

„Richtig", sagte Tyrion und nahm einen Schluck Wein. „Ser Marcus hat einen Bastardjungen erwähnt, den die Goldröcke töten oder zurück nach King's Landing bringen sollten."

Stark nickte. „Er ist ein guter Junge. Solltet Ihr ihn jemals finden und einen Blick auf ihn werfen, dann werdet Ihr wissen, warum Joffrey und Eure Schwester ihn tot sehen wollen."

„Wahrscheinlich", sagte Tyrion mysteriös. „Ich kann mir nur einen genauen Grund denken, warum sie einen Bastard töten wollen."

„Aye", antwortete Stark.

Bronn war verwirrt. Sie sprachen in Rätseln. Was hat ein Bastard mit all dem zu tun?

Tyrion trank einen weiteren Schluck. „Lasst uns zurück zum eigentlichen Thema kommen. Euer Sohn ist vom Turm gefallen…"

„Oder wurde hinunter geschubst. Wahrscheinlich von Eurem Bruder oder von Eurer Schwester, als er sie bei ihrem Verbrechen beobachtete."

Ohhh, das ist hier also los. Jetzt wusste er so langsam, was vor sich ging. Verdammte Lannisters.

„Ja", bestätigte Tyrion. „Oder er wurde von jemandem heruntergeworfen. Aber die Frage von vorhin steht immer noch im Raum. Warum sollte Baelish Euch erzählen, dass es mein Dolch war?"

Stark seufzte, nahm sich nun doch einen Becher und schenkte sich etwas Wein ein, was etwas schwierig war, da seine Hände immer noch gefesselt waren, und trank einen Schluck. „Baelish spielt sein eigenes Spiel."

„Das Spiel der Throne", flüsterte Tyrion.

„Aye. Lügen über Lügen und dann nur Halbwahrheiten ohne Ehre, am wenigsten Eure Schwester. Jon Arryn wusste alles und sie haben ihn getötet."

„Lysa Arryn denkt, dass ich es war", sagte Tyrion und schüttelte seinen Kopf.

„Nein, Ihr nicht", sagte Stark. „Eure Schwester. Der Königsmörder. Jon Arryn wusste alles. Ich fand es heraus. Habe versucht, das Richtige zu tun, nur um die Kinder zu schützen. Ich erzählte es Eurer Schwester, dass ich davon weiß, dass ihre Kinder Bastarde sind und sie…"

„Bastarde?", sprach Bronn überrascht auf. „Warum behauptet Ihr so etwas?"

Stark starrte ihn an. „Wie ist Euer Name."

„Bronn, das reicht vollkommen. Ich bin weder ein Ser noch ein Lord, zumindest noch nicht."

„Nun, Bronn, wenn Ihr jemals die Augen auf die Nichten und Neffen Eures Lords werft, werdet Ihr das blonde Haar sehen, so golden wie es nur die Lannisters haben. Wenn Ihr dann einem von König Roberts Bastarden anschaut, werdet Ihr rabenschwarzes Haar und blaue Augen sehen und zwar bei allen."

„Wie viele?", fragte Tyrion.

Stark zuckte mit den Schultern. „Ich weiß von vieren, den Jungen hier mit eingerechnet. Ich denke, dass Varys den Rest kennt."

Bronn nahm sich den Krug Wein vom Tisch und trank einen Schluck daraus und wischte sich dann den Mund ab. „Lasst mich das nochmal kurz für mich sortieren. Ser Jaime und die Königin ficken…"

Tyrion zuckte zusammen. „Nicht so laut."

„Tschuldigung. Egal, alle Kinder von König Robert sind in Wahrheit die Kinder des Königsmörders. Aber was sollte das alles mit dem verunglückten Starkjungen zu tun haben?"

„Bran hat sie gesehen", sagte Stark mit kalter Stimme und schaute dabei Tyrion an. „In Winterfell. Als sie gerade am Ficken waren und dann haben sie ihn aus dem Turm geworfen, aber es hat ihn nicht getötet. Danach hat Euer Lord Zwerg einen Söldner bezahlt, damit er den Job zu ende bringt und niemand die Wahrheit erfährt."

„Nicht ich!", sagte Tyrion erneut, dieses Mal etwas lauter. „Ich kann es nicht oft genug sagen, dass ich Eurer Familie nichts angetan habe."

„Wenn Ihr es nicht wart, dann Euer Bruder oder Eure Schwester."

Tyrion seufzte. „Ich weiß es nicht. Ihr vergesst aber Baelish, der Lügen erzählt hat, nur um daraus Vorteile zu ziehen."

„Vielleicht hat er das. Ich schulde ihm bereits einen Gefallen. Kleinfinger wird das bekommen, was ihm zusteht, wenn die Zeit gekommen ist."

Tyrion nickte. „Zumindest können wir uns darauf einigen. Aber es sieht so aus, als konnte ich Euch nicht davon überzeugen, dass ich unschuldig bin, Lord Stark." Er stand auf und leerte seinen Kelch. „Wir drehen uns nur im Kreis und ich bin müde und hungrig. Wir werden morgen in Richtung Harrenhal aufbrechen. Ich werdet danach die Bedingungen meines Vaters zu Eurem Sohn bringen."

„Und dann?"

„Sollte Euer Sohn dem zustimmen, werdet Ihr und Eure Töchter nach Harrenhal, Riverrun oder einen anderen Ort gebracht, wo wir Euch dann gegen meinen Bruder austauschen werden. Ohne dass irgendjemandem die Kehle durchtrennt wird. Danach werdet ihr Euren Weg zur Mauer fortsetzten, sobald die Armee Eures Sohnes wieder nordwärts zieht."

„Was passiert, wenn Robb sich weigert?", fragte Stark.

„Dann mögen die Sieben uns allen helfen", sagte Tyrion traurig.

„Der Winter naht", sagte Stark grimmig. „Das Reich wird bluten. Dann wird es gefrieren und verhungern. Ist es das wert?"

„Das werdet Ihr meinen Vater fragen müssen. Er zog in den Krieg, weil Eure Frau mich gefangen genommen hatte, für ein Verbrechen, das ich nicht begangen hatte. Er zog in den Krieg, um unsere beschmutzte Ehre wiederherzustellen. Wenn es nach mir ginge, würden wir nicht in den Krieg ziehen."

„Dann helft mir, ihn zu beenden", sagte Stark und Bronn glaubte, dass dieser Mann tatsächlich Tyrions Hilfe wollte. Er hatte gehört, dass Stark ehrlich und ein ehrbarer Mann war, aber würde er mit seinen Feinden zusammenarbeiten, nur um das Reich und das Volk davor zu bewahren, was auf es zukam?

Tyrion stand dort und starrte Stark an. „Wie?"

„Erzählt Eurem Vater, was ihr wisst. Erzählt ihm, dass Stannis Baratheon der wahre Erbe des Thrones ist. Lasst ihn über Euren Bruder und Eure Schwester richten. Lasst Ser Jaime sich der Nachtwache anschließen und Cersei eine Septa oder eine der Stillen Schwestern werden. Ihre Kinder sollen nach Casterly Rock zurückkehren und von Eurem Vater aufgezogen werden. Alle Armeen sollen nach Hause zurückkehren und für den Winter vorbereiten, bevor es zu spät ist."

Es klang gut, dachte Bronn. Er hatte bereits eine Lordschaft versprochen bekommen. Doch Tyrion seufzte. „Wenn es doch nur so einfach wäre. Mein Vater, mein Bruder und auch meine Schwester würden dem niemals zustimmen. Auch Stannis Baratheon nicht. Für ihn zählt nur der Tod von Joffrey, Myrcella und Tommen. Auch vergesst Ihr Renly. Nein, es wird leider irgendwo Krieg geben. Wer überlebt, nun, dass können nur die Sieben beantworten."