Soo hier ist endlich Kapitel 10 für euch.
Gan viel Spaß damit :)
Kapitel 10 `Tywin´
Tywin Lannister erwachte kurz nach Sonnenaufgang in den ehemaligen Gemächern von Lady Shella Whent und macht sich für den Tag fertig. Kurz darauf saß er im Solar der ehemaligen Burgherrin und las sich die Nachrichten seiner Kommandeure durch, die ihm berichteten, was die Nacht über geschehen war. Zwei Männer hatten betrunken eine Schlägerei angezettelt, weil der eine den anderen beleidigt hatte. Tywin verurteilte sie dazu ausgepeitscht zu werden und die gesamte Einheit bekam weniger Bier zugeteilt. Eine weitere Nachricht betraf Ser Gregor Clegane, der sich am Blauen Arm befand und dort Vorräte sammelte sowie Nachrichten von den Twins nach Riverrun abfing. Währenddessen befand sich Vargo Hoat auf der östlichen Seite des Götterauges, um dort Chaos unter dem Volke zu verursachen. Ser Amory Loch war vor zwei Tagen mit einer großen Menge Nahrungsmittel zurückgekehrt und hatte berichtet, dass er Tywins Zwergensohn Tyrion auf der Kingsroad getroffen hatte. Er berichtete auch, dass Cersei eine Gruppe Männer befohlen hatte, Ned Stark zurück in die Hauptstadt zu bringen. Daraufhin hatte Tywin ihr eine knappe Nachricht geschickt, die besagte, dass Ned Stark sofort nach Harrenhal zu bringen sei, sollten ihre Leute ihn vor Tyrion finden.
Das Solar war genauso groß wie alles, was sich in Harrenhal befand. Lady Whent hatte nicht dafür gesorgt, dass die Burg sehr wohnlich war, denn sie hatte viele ihrer Türme verrotten lassen und sie den Ratten überlassen. Ihr eigenes Quartier hatte sie jedoch gut gepflegt. Lady Whent war verschwunden, doch wenigstens wusste er jetzt, wohin sie verschwunden war. Es hatte den Maester nur einen gebrochenen Finger gekostet, bevor er ihm alles erzählt hatte. Lady Shella Whent hatte sich plötzlich dazu entschieden, ein paar Verwandte in Maidenpool zu besuchen und danach über Gulltown ins Vale zu reisen. Die Whents waren mit den Tullys verwandt. Eine Tante oder Cousine von ihr war wohl die Mutter von Catelyn und Lysa Tully. Tywin war es jedoch egal, wo sie war. Sie war geflohen und die Festung gehörte nun dem Reich. Was nach dem Krieg mit Harrenhal passieren würde, musste noch entschieden werden.
Es klopfte an der Tür des Solars und einer seiner Wachen trat ein. „Der Maester ist da, Milord."
„Lass ihn eintreten", sagte er zur Wache. Der Maester trat mit schmerzverzerrtem Gesicht ein und ging langsam auf Tywin zu. In seiner Hand hielt er vier Nachrichten, welche er kaum halten konnte, da sein vierter Finger an der linken Hand bandagiert war.
„Es sind Nachrichten eingetroffen, Milord", sagte der Maester. Die Wache blieb im Raum stehen und beobachtete den Maester genau.
„Wie viele Nachrichten sind es und woher kommen sie?", fragte Tywin. Raben waren nur darauf trainiert zwischen zwei Orten hin und her zu fliegen. Die meisten der großen Städte und Festen hatten Raben die nach Harrenhal geschickt werden konnten, denn es war seit über dreihundert Jahren einer der wichtigsten Orte des Reiches.
„Vier. Drei aus King's Landing und eine von Dragonstone."
„Dragonstone?"
„Ja, Milord."
Dies überraschte Tywin doch. Hatte Lady Whent gemeinsam mit Stannis Baratheon etwas ausgeheckt? War sie im Vale angekommen und konnte Lysa Arryn überzeugen sich mehr in den ganzen Krieg einzumischen als sie es eh schon getan hatte? Vielleicht war es doch ein Fehler gewesen sie in Ruhe zu lassen. Er wandte sich wieder dem Maester zu.
„Immer noch keine Nachrichten aus Casterly Rock?"
„Nein, Milord."
„Nun gut. Legt sie auf den Tisch und dann dürft Ihr wieder gehen."
Nachdem er wieder alleine war, nahm er den ersten Brief aus King's Landing und brach das Wachssiegel. Er öffnete und entrollte ihn. Er war erneut ein Brief von Cersei.
Geliebter Vater, ich hoffe dieser Brief findet dich bei bester Gesundheit. Dem König, Tommen, Myrcella und mir geht es gut. Wir sind bereit bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Stannis hält sich weiter auf Dragonstone auf, während Renly Baratheon immer mehr Verbündete gewinnt und sehr schnell über die Rosenstraße auf uns zumarschiert, um uns zu belagern. Wir brauchen deine Armee. Wir brauchen deine tapferen Krieger, um uns zu verteidigen. Ich bete zu den Sieben, dass du dir meine Worte zu Herzen nimmst und schnell zu unserer Rettung eilst. Ich bete auch zu den Sieben, dass unser geliebter Jaime bald von seinen Ketten befreit ist. Mit viel Liebe und Zuneigung, deine dich liebende Tochter Cersei.
Tywin grunzte.
`Nun war sie wieder meine mich liebende Tochter. Zuvor war sie noch die Königin Regentin. Jetzt fragt sie nach meiner Armee. Vorher hatte sie es mir befohlen.`
Er nahm die zweite Nachricht aus King's Landing in die Hand und öffnete sie. Er erkannte an der Handschrift sofort, dass es sich um einen Brief von Varys handelte.
Lord Tywin, ich schicke Euch neue Nachrichten vom Krieg. Stannis sammelt weiter Schiffe und Männer, wobei es mehr Schiffe als Männer sind. Leider habe ich keine Spione auf Dragonstone und Schiffe kommen nicht in die Nähe der Insel, ohne dass sie entdeckt werden. Daher weiß ich leider auch nicht, wann er angreifen wird. Renly hat dagegen mehr als genug Männer, aber er ist auf der Rosenstraße sehr langsam unterwegs. Er stoppt an jeder Burg oder Stadt und hält ein Fest ab und vergnügt sich. Er wird sicher noch einige Wochen oder Mondumläufe dauern, bis er in King's Landing eintrifft. Jedoch haben die beiden Baratheon Brüder es nicht fertiggebracht, sich zu einigen. Beide beharren darauf, dass sie die rechtmäßigen Könige sind. Dazu kommen auch Gerüchte aus Pyke. Balon Greyjoys Sohn Theon soll auf die Iron Islands zurückgekehrt sein. Er ist wohl auf Robb Starks Geheiß dort, um eine Allianz mit ihnen einzugehen. Was daraus geworden ist, kann ich jedoch nicht sagen.
Die Nachrichten aus Pyke waren schlecht. Die Eisenmänner waren grimmige und harte Kämpfer sowie exzellente Seefahrer. Es wäre nicht gut, wenn sie sich mit Robb Stark verbünden würde, da sie sehr nah an Casterly Rock und Lannisport ihre Inseln hatten. Balon Greyjoy war ein empfindlicher Mann. Er gehörte zu der Sorte Eisenmänner, die sich nahmen, was sie wollten und es nicht als ein Geschenk für ihre Dienste ansahen. Greyjoy wollte sicher Rache für seine getöteten Söhne und seine Demütigung vor neun Jahren. Aber eine Allianz mit den Starks? Sie hatten seinen Sohn für neun Jahre gefangen gehalten und waren verstrickt in dem Tod seiner anderen beiden Söhne sowie der Zerstörung der Mauer um Pyke. Nein, dachte Tywin, Greyjoy würde sich niemals Robb Stark anschließen. Er wandte sich wieder der Nachricht Varys zu.
Catelyn Stark hat sich ihrem Sohn in Riverrun angeschlossen. Aus dem Norden gibt es wie immer sonst keine weiteren Nachrichten. Nur die Nachtwache fragt nach neuen Rekruten. Dorne verhält sich momentan ruhig. Jedoch sind erfreuliche Nachrichten von den Dothraki vom anderen Kontinent eingetroffen. Wie es scheint, hat Khal Drogo Viserys Targaryen getötet. Er hat ihm einen Kessel voll geschmolzenem Gold über den Kopf gekippt. Ein grauenvoller Tod. Euer ergebener Diener, Lord Varys.
Tywin musste kurz grinsen. Viserys Targaryen. Er war ein kleiner Junge, als er ihn das letzte Mal vor 15 Jahren gesehen hatte. In den freien Städten wurde er der Bettlerkönig genannt. Robert hatte ihn verabscheut und wollte ihn tot sehen. Nun war es doch passiert. Seine Schwester wurde jedoch nicht erwähnt. War sie immer noch mit Khal Drogo verheiratet oder bereits tot? Die Nachrichten aus dem Osten trafen nur spärlich ein. Diese war wahrscheinlich schon Wochen, wenn nicht Monate alt.
Nun öffnete er die letzte Nachricht aus King's Landing und seufzte laut. Sie war von Joffrey.
Lord Tywin Lannister. Als Wächter des Westens ist es Eure Pflicht das Reich zu beschützen, wenn es der König verlangt. Der König befiehlt Euch, Eure Armee nach King's Landing zu verlegen. Dazu befehle ich Euch, Eure Position als Hand des Königs wahrzunehmen. Jegliche Verzögerung wird nicht toleriert. König Baratheon, der erste seines Namens, König des…
Tywin knüllte das Papier zusammen und warf es, ohne die ganzen Titel seines Enkels zu lesen, in die Feuerschale in der Nähe des Tisches. Der kleine Junge bräuchte einmal ein paar ordentliche Hiebe mit der Peitsche. Dieser vorlaute Bengel! Er war nur König, weil sein betrunkener Vater so dumm gewesen war und vor einen angreifenden Bullen getreten war. Er war sich sicher, dass Cersei nichts von dem Brief ihres Sohnes wusste, sonst hätte sie nicht selbst einen geschrieben. Oder es war ihr Plan gewesen, einen bettelnden Brief von ihr und einen Befehl vom König? Sollten sie gedacht haben, dass es funktionieren würde, dann kannten sie ihn schlecht. Es sei denn, Cersei wusste wirklich nicht was Joffrey trieb. Pycelle hatte die Nachricht von Joffrey wahrscheinlich ungelesen versendet, während Sandor Clegane über seine Schulter geschaut hatte. Die Dinge in King's Landing begannen aus den Fugen zu geraten. Drei Personen, die gleichzeitig an ihn geschrieben hatten, mit unterschiedlichen Worten und Tönen. Varys vertraute er nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Spinne hatte bisher allen Königen loyal gedient. Zumindest glaubte er das, doch er hatte Varys nie komplett getraut. Und Joffrey… nun er war kein König. Zumindest noch nicht. Sie bräuchten alle eine starke Hand, die sie in Form bringen würde. Aber er wurde hier gebraucht. Er brauchte jemanden, der sich den Dingen dort annahm.
Während er darüber nachdachte, wanderten seine Gedanken zurück zu seinem Zwergensohn. Tywin hatte nie verstanden, warum die Götter ihn damit bestraft hatten, seine Frau zu verlieren und ihm dafür einen Sohn in der Größe eines Zwerges zu schenken. Vielleicht lag es an seiner Überheblichkeit, Casterly Rock und seine Familie wieder nach oben zu bringen, wo sein Vater es doch fast geschafft hatte, sie fast komplett zu zerstören. Dies war seine Bestrafung dafür, hatte er öfters vermutet, dass er doch nicht so mächtig war, sondern die Götter ihn immer beobachteten und ihm zeigten, dass sie einen Schritt weiter waren und um den Menschen zu zeigen, dass, wenn sie glaubten, doch alles in Ordnung wäre, immer etwas Schlimmes passieren könnte. Seit diesem Tage jedoch hatte Tywin für die Götter nichts mehr übrig. Er betete nicht zu ihnen, doch er verfluchte sie auch nicht so wie andere es taten, die Geliebte verloren hatten. Er ignorierte sie einfach.
Tywin Lannister hatte sich vor langer Zeit eingestanden, dass er sein drittes Kind nicht liebte. Tyrion hatte das Leben seine Frau genommen, als er auf die Welt kam und wie sehr er die Götter zuerst dafür schuldig gemacht hatte, so konnte er doch nicht umhin auch Tyrion die Schuld dafür zu geben. Als dann der Unfall mit der Hure, die keine war, die Tyrion daraufhin geheiratet hatte, war ihm schließlich bewusstgeworden, dass er ihn nie lieben würde. Er wusste, dass Tyrion glaubte, sie sei eine Hure. Jaime hatte ihm alles erzählt, doch sie war nicht hochgeboren und deshalb war sie nicht gut genug für ihn gewesen, auch wenn der Mann Tyrion gewesen war. Nach dieser Geschichte hatte er überlegt, ihn über das Meer zu verbannen, oder ihn einen Septon oder Maester werden zu lassen, da er die Bücher liebte. Nur damit die Leute endlich aufhören würden, über ihn zu lachen. Er wusste, dass sie hinter seinem Rücken über ihn und seine Familie lachten. Er hatte dies bereits erlebt, als sein Vater noch gelebt hatte und auch da hatte es ihm nicht gefallen. Offen lachte keiner mehr über ihn. Sie wussten alle, was dann passieren würde. Seine Rache war legendär. So wie die seines Vaters hätte sein sollen. Doch Tyrion war immer noch hier und er wusste, dass die Leute über ihn lachten, seinen Sohn, was Tywin auffraß.
Letztendlich hatte er sich doch dafür entschieden, ihn nicht zu verbannen oder ihn in das Leben eines Septons oder Maesters zu zwingen. Er war immer noch einer des Söhne Casterly Rocks und viele Menschen, die ihn kannten, verehrten ihn in vielerlei Hinsicht. Tywins Geschwister hatten Tyrion genauso behandelt wie alle anderen, als wäre alles in Ordnung mit ihm. Sie sagten, er wäre äußerst intelligent und hatte ein scharfes Gespür, was Tywin nicht verneinen konnte. Jaime liebte seinen Bruder über alles, das wusste er. Cersei jedoch hasste ihn von Anfang an und machte ihn dafür verantwortlich, dass ihre Mutter tot war.
Nur wo war Tyrion jetzt? Lorch hatte gesagt, dass er auf der Kingsroad unterwegs in Richtung Süden war. Doch das war nun eine Woche her. Er, sein Söldner und die Wilden hatten, sehr zu seiner Überraschung, Harrenhal eingenommen. Die Kanalisation zu benutzen, war ein brillanter Coup gewesen. Tywin hatte sich selbst etwas von dem Ruhm zugesprochen, da er es war, der Tyrion sich um die Kanalisation und die Zisternen von Casterly Rock hatte kümmern lassen, als er aufwuchs. Tywin war sich sicher, dass er deshalb diese Idee gehabt hatte. Jetzt jedoch wollte Tyrion aus seinem kleinen Söldner einen Lord machen. Nun Lannisters bezahlten immer ihre Schulden. Dieser Bronn würde eine kleine Burg bekommen und die Tochter eines kleineren Lords, welche nicht die hübscheste war, und so würde er immer in Tywins Schuld stehen. Dies war die Welt, wie sie sich zu drehen hatte.
Nun jedoch waren sie dort draußen auf der Suche nach Ned Stark. Er brauchte Stark mehr als er zugeben wollte. Tywin und Stark waren nie Freunde gewesen. Tywin war fast zwanzig Jahre älter und bereits Hand des Königs gewesen, als Stark noch ein kleiner Junge war. Während Roberts Rebellion kamen die Lannisters zu spät; ein Punkt, den Stark nie vergessen würde. Jedoch hatte er vergessen, dass es die Arbeit von Tywin und seinem Sohn gewesen war, sich um King's Landing zu kümmern, bevor Stark und Robert die Stadt erreichten. Jaime hatte Aerys Targaryen getötet. Dafür wurde er nun als Königsmörder bezeichnet. Tywin wusste, dass Jaime das Richtige getan hatte. Aerys hätte die Stadt bist zu den Grundmauern niedergebrannt. Stark und Robert sollten also eigentlich froh darüber sein. Doch sie waren ehrenhafte Männer und das Einzige, was sie sahen, war der Schwur, der von Jamie gebrochen worden war, seinen König zu beschützen und nicht, dass er nicht ihr Feind war.
Nun war Stark ein Verräter, ein Mann der seinen Schwur gebrochen hatte, als Robert starb. Er musste die Wahrheit hinter der ganzen Geschichte erfahren, sobald Stark gefunden worden war. Vor allem brauchte er Stark, damit er Jaime zurückbekam. Er brauchte jedoch auch beide Töchter, denn ohne sie würde Robb Stark keinen Handel eingehen. Cersei hatte nichts zu den Mädchen in ihren Briefen geschrieben. Es war an der Zeit, dass sie von King's Landing nach Harrenhal gebracht wurden. Auch wenn Tyrion Ned Stark nicht finden sollte, musste er Robb Stark ein Friedensangebot machen können und, um Jamie zurückzubekommen, damit sie sich um die Baratheons kümmern konnten.
Während er darüber nachdachte, fiel ihm ein, dass noch ein vierter Brief von Dragonstone auf ihn wartete. Er öffnete ihn und sah, dass er an Lady Whent von Stannis Baratheon war. Tywin las den Brief und sein Gesicht wurde mit jedem Wort immer weißer und er presste seine Zähne immer mehr zusammen. Er knüllte den Brief zusammen und warf ihn ins Feuer. Tywin lehnte am Kaminsims, atmete schwer und starrte in das Feuer, während er das Pergament betrachtete, welches mit seinen Lügen verbrannte.
Es waren Lügen, es mussten welche sein, um Stannis Anspruch auf den Thron geltend zu machen. Er wusste jedoch auch, dass Stannis diesen Brief an jedes noch so kleine Haus in den Sieben Königslanden geschickt hatte. Die Raben flogen nun und verbreiteten diese Lüge. Eine Nachricht, die noch mehr Schande über sein Haus bringen würde, auch wenn sie falsch war. Das Volk würde bald davon hören und es würden sie sofort glauben. Er war sich sicher, dass Cersei und Joffrey bereits davon gehört hatten. King's Landing war um einiges näher an Dragonstone als Harrenhal.
Während er darüber nachdachte, klopfte es an seiner Tür. Es war sicher sein Frühstück, doch er hatte gerade keinen Hunger. Nicht jetzt. Die Tür öffnete sich und er wollte schon die Wache anschreien, als er bemerkte, dass es sein Zwergensohn war, der in den Raum watschelte.
„Tyrion", sagte er kurz und setzte sich dann an den Tisch. Tywin beobachtete seinen Sohn genau. Tyrion war zerzaust und dreckig. Seine Haare waren fettig, seine Rüstung etwas rostig, seine Kleidung verschmutzt und seine Augen sahen sehr müde aus. Er war gerade angekommen und wollte direkt mit mir sprechen, dachte Tywin. Es gab wichtige Informationen die er sofort weitergeben wollte. Gute Nachrichten. Niemand war in Eile, um seinem Vater schlechte Nachrichten mitzuteilen.
„Es ist gut dich zu sehen, Vater", antwortete Tyrion. Bevor er sich jedoch hinsetzten konnte, kam die Wache herein. „Es tut mir leid, Milord, doch Euer Frühstück ist da."
„Bring es zurück!", befahl Tywin.
„Nein, bitte nicht", sagte sein Sohn, als er sich ihm gegenübersetzte. „Ich bin halb verhungert und der Weg war weit. Wir sind die halbe Nacht geritten, um bei Sonnenaufgang hier zu sein." Tywin nickte der Wache zu und dann kam eine Dienerin herein, die das Essen in einem Korb brachte. „Vielleicht etwas dunkles Bier, falls ihr welches habt", sagte Tyrion, als sie sich zum Gehen wandte. Er schnappte sich etwas Brot und Schinken und begann zu essen.
„Wie war deine Reise?", fragte Tywin, während sein Sohn genüsslich kaute.
„Ich habe Ned Stark", sagte Tyrion grinsend, nachdem er geschluckt hatte.
Dies waren gute Nachrichten und genau das, was er hören wollte. „Gut gemacht. Ist er unverletzt?"
„Wenn man von dem gebrochenen Bein absieht, woran Jamie schuld ist, hat er keinen Kratzer. Nun vielleicht ein oder zwei, aber er hatte auch ein, zwei Kämpfe. Die Straße war schließlich nicht gefahrlos."
„Erklär es mir." Tyrion wollte gerade ansetzten zu sprechen, als die Dienerin mit einem Krug Bier und zwei Kelchen, welche sie auf den Tisch stellte, erschien und wieder verschwand. Tywin goss sich und seinem Sohn etwas ein während dieser weitersprach. Er aß sogar etwas vom Brot und Schinken, da sein Hunger nun zurückkehrte, als er die Nachricht hörte, dass Ned Stark sich auf dem Weg der Besserung befand und dass so die Hoffnung stieg, dass sie Jaime befreien könnten.
„Vargo Hoat ist eine wilde Bestie", sagte Tyrion, nachdem er erzählt hatte, was in dem Dorf passiert war und wie Stark versucht hatte, vier Jungen zu retten, die sich der Nachtwache anschließen wollten.
„Ich habe ihn und seine Männer nicht deswegen angeheuert, damit sie Süßigkeiten verteilen."
„Er will Stark umbringen."
„Wegen der sechs Männer, die er verloren hat?"
„Eher wegen der Ehre, die er verloren hat. Seinen Männern sind wir und Stark vollkommen egal. Aber der Verlust von ein paar Kämpfern nehmen sie nicht so leicht. Ein Kommandeur einer freien Kompanie bleibt nicht lange einer, wenn er sich nicht um seine Männer kümmert. Sollten sie nach Harrenhal kommen, haben wir ein Problem."
„Hoat wird das tun, was er gesagt bekommt oder ich hänge ihn auf. Ihn und seine ganze Truppe", sagte Tywin streng. „Wo ist Stark jetzt?"
„Der Maester schaut nach ihm und seinem Bein. Ich denke, danach sollte er erst ein Bad nehmen, sich rasieren und anderen Kleidung anziehen, bevor du ihn begrüßt."
Tywin konnte seinen Sohn über den Tisch hinweg riechen. „Du brauchst ebenfalls ein Bad"
„Ich weiß, Vater, doch ich dachte mir, du willst die Neuigkeiten sofort hören."
„Nun das hast du ja jetzt getan!"
„Aber ich bin doch noch gar nicht fertig."
„Was gibt es noch?"
Tyrion grinste. „Ich habe Arya Stark."
Tywin schaute ihn durchdringend an. Jemand hatte ihn angelogen. „Tatsächlich? Das sind gute Neuigkeiten."
Tyrions Grinsen verschwand. „Du wusstest, dass sie verschwunden war?"
„Nein, tat ich nicht. Deine Schwester muss wohl vergessen haben, mir diese Nachricht in einem ihrer Briefe, wo sie um Hilfe fragte, zu erwähnen. Genauso Varys. Und es scheint so, als hättest du vergessen, mir bei deiner Geschichte über euren Weg zu erzählen."
„Ich habe mir das Beste bis zum Schluss aufgehoben."
„Dies ist kein Theaterstück. Du bekommst dafür keinen Applaus."
„Ich erwarte auch keinen, Vater", sagte Tyrion ruhig.
„Erkläre mir, warum sie aus King's Landing verschwunden und bei ihrem Vater gelandet ist."
„Das Mädchen hat sich in der Gruppe der Nachtwache versteckt und sich als Junge ausgegeben. Yoren, der Mann, der die Rekruten einsammelt, ist tot, deswegen kann ich ihn nicht fragen, ob es seine, Aryas oder Ned Starks Idee war. Die Starks sagen nichts, aber ich glaube, dass Yoren doch seine Finger im Spiel hatte. Sie ist mit ihnen in King's Landing losgereist. Sie starb fast gemeinsam mit Stark, als dieser Idiot Ser Marcus ihr Nachtlager angriff und später fast noch einmal, als Vargo Hoat sie in dem Dorf angriff."
„Da Ser Marcus, wie du bereits erwähnt hast, tot ist, hat er für seine Dummheit bezahlt. Hoat dagegen ist eine andere Sache. Ich werde mich um ihn kümmern, wenn die Zeit reif ist."
„Sehr gut. Ach so, es war übrigens Cerseis Befehl, der Ser Marcus auf die Fährte von Stark brachte."
Er mag Cersei genauso viel wie sie ihn, dachte Tywin und nun will er ihr die Schuld zuschieben. „Ja, Ser Amory hat mir bereits davon erzählt. Falls noch etwas ist…"
„Nur eine Sache noch", sagte Tyrion und nahm einen tiefen Schluck Bier. „Da Ser Marcus Männer bei mir sind, wirst du es wahrscheinlich auch von ihnen hören. Es gab eine Gruppe Goldröcke, die Yorens Gruppe gefolgt waren. Joffrey hat sie angewiesen, einen bestimmten Jungen zu finden und ihn zu töten. Ich habe sie kriechend zurück nach King's Landing geschickt."
Tywin starrte seinen Sohn an. „Welchen Jungen?"
„Er heißt Gendry, ein Schmiedelehrling."
„Warum sollte Joffrey sich über diesen Jungen Gedanken machen?"
„Du würdest es sofort wissen, wenn du ihn siehst. Er hat…"
Tywin unterbrach seinen Sohn. „Komm zum Punkt!"
„Er ist Roberts Bastard."
Tywin schnaubte. „Und Joffrey will ihn töten?"
„Ja."
„Hat der Junge irgendetwas davon gesagt, dass er auf den Thron möchte?", fragte Tywin. Welche Dummheit hatte Joffrey nun wieder vor.
Tyrion konnte sich gerade noch davon abhalten zu lachen. Er wusste, sein Vater hasste Lachen. „Natürlich nicht. Wie sollte er auch? Er ist ein Bastard."
„Richtig. Also will Joffrey ihn. Sollten wir ihn zurück nach King's Landing schicken oder zumindest seinen Kopf?"
Tywin wollte seinen Sohn testen. Er wollte sehen, wie Tyrion mit dieser schwierigen Situation umgehen würde. Sich dem Befehl eines Königs zu widersetzen, konnten nicht viele, ohne dass sie Angst hatten ihren Kopf zu verlieren. Als Hand des Königs musste man dies jedoch von Zeit zu Zeit tun, vor allem bei einem König, der noch ein Kind war. Sein Sohn schaute ihn für einen Moment an, bevor er antwortete: „Ned Stark würde dies nicht gutheißen. Er hat mit seinen Händen und Füßen dafür gekämpft, dass der Junge noch lebt. Er ist der Sohn seines alten Freundes Robert. Er hat ihm eine Arbeit in Winterfell versprochen."
Eine gute Antwort befand Tywin. So wie er Ned Stark kannte, war es die Wahrheit. Tywin zog eine Augenbraue hoch. „Ist das so? Nun wir müssen Lord Stark zumindest für diesen Moment ruhig halten. Lass den Jungen hier etwas arbeiten und wenn das alles vorbei ist, kann er hingehen, wo er will, mir ist es gleich. Als ein Bastard hat er schließlich kein Recht. Es mag jedoch sein, dass Joffrey auch in der Zukunft nach ihm sucht."
„Vielleicht sollte er nicht zu lange in Winterfell bleiben. Ursprünglich wollte er ja zur Mauer."
„Sehr gut, nun wenn…"
„Wie läuft es mit dem Krieg?"
Tywin kannte seinen Sohn und wusste, dass er nicht Ruhe geben würde, bis er alles wusste. Er sammelte das Wissen, einige behaupteten, er würde nur dafür leben. Also erzählte Tywin ihm alles was er wusste: über die Baratheon-Brüder, Balon Greyjoy, Catelyn Stark sowie den Tod von Viserys Targaryen. Er ließ lediglich den Inhalt von Stannis Brief an Lady Whent aus. Er brauchte mehr Zeit, um alles zu verstehen und er wollte darüber ganz sicher nicht mit Tyrion reden.
„Eine goldene Krone? Wie passend", kommentierte Tyrion, als er seinen Krug leerte. „Eine Schande, dass Robert nicht mehr lebt, um dies zu hören."
„Ja."
„Was gibt es neues von Jaime?", fragte sein Sohn.
„Nichts, nur, dass er weiterhin am Leben ist und als Gefangener in Riverrun festgehalten wird."
„Hoffentlich nicht mehr allzu lange."
„Hoffentlich", antwortete Tywin und schaute ihn dann vorsichtig an. „Du wirst in King's Landing gebraucht."
„So erpicht darauf, mich los zu werden, Vater? Ich bin gerade erst angekommen."
„Meinst du, dass du dem Job nicht gewachsen bist?"
Tyrion zögerte kurz. „Ich werde sofort aufbrechen, wenn du es verlangst. Aber wir brauchen erst einmal ein paar Tage, um uns auszuruhen und um die Verpflegung wieder aufzufüllen."
„Natürlich."
Tywin entschied sich dann dafür ihm etwas zu geben, wo er schon die letzten Tage am Überlegen war. „Ich hätte noch eine weitere Aufgabe für dich."
Sein Sohn schaute ihn fasziniert an. „Tatsächlich?"
„Ich habe lange überlegt, wen ich mit Lord Stark und meinen Bedingungen nach Riverrun schicke."
Tyrion erbleichte überrascht. „Vater, würdest du Robb Stark zwei deiner Söhne als Gefangene überlassen?"
„Du wirst mit einer Friedensfahne reiten", erklärte ihm Tywin. „Dazu kommt, dass Arya Stark hier ist und ihre Schwester Sansa auch bald hier eintreffen wird. Du wirst in keiner Gefahr sein."
„Währenddessen wir das hier veranstalten, greifen Stannis und Renly King's Landing an. Ich glaube, ich wäre dort unten nützlicher."
„Möglich. Ich muss darüber nachdenken. Ich glaube, dein Bad erwartet dich."
„Vielen Dank für das Frühstück. Die Bereiche des Schlosses, welche bewohnbar sind, sind voll. Ich und meine Leute werden und wohl in einem der etwas staubigen zusammengefallen Türme einquartieren. Wo sollen Stark und seine Tochter unterkommen?"
„In Lady Whents Dienerinnenquartier hier im Turm. Sie sind alle mit ihr nach Maidenpoole aufgebrochen."
Dies überraschte Tyrion. „Maidenpoole? Bist du sicher?"
„Ja. Der Maester hat es uns erzählt."
„Also hat er mich angelogen und es dir erzählt. Kann es sein, dass deshalb seine Hand bandagiert ist?"
„Ja. Du hast nicht richtig versucht, an die Informationen zu kommen."
Tyrion zog eine Grimasse. „Shagga wollte ihm seine Nase stutzen, doch ich bin ein altes Weichei, Vater. Ich rede lieber einen Menschen zu Tode, als dass ich ihn foltere. Ich wünsche dir einen schönen Tag."
„Lord Stark, seine Tochter und du, ihr sollt zu Mittag zum Essen hier sauber erscheinen."
„Wie du wünschst, Vater."
Die restliche Zeit am Morgen verflog rasch. Tywin legte Stannis Anschuldigungen erst einmal zur Seite und bereitete sich darauf vor, seine Truppen zu inspizieren. Er zog seine beste Rüstung an, bestieg sein Pferd, inspizierte alles und hatte letztendlich ein Treffen mit seinen Kommandeuren in einem Zelt an der frischen Luft außerhalb der Mauern. Nun so sauber war die Luft dann doch nicht. Das Camp einer großen Armee konnte man als miefend bezeichnen. Die Komposthaufen sowie die zugeschütteten Latrinen waren die schlimmsten, doch der Gestank des Schweißes von Mensch und Pferd war nicht zu vernachlässigen. Er ordnete an, dass alle Männer in Gruppe die Bäder Harrenhals aufsuchen sowie ihre Rüstung reinigen sollten. Es würde nicht nur dafür sorgen, dass seine Truppen gesund blieben, sondern auch, dass sie etwas zu tun bekamen, denn eine gelangweilte Armee war nichts, was Lange kampfbereit bleiben würde. Er schickte einige Leute auf Patrouille sowie die Übungsplätze aufbauen, damit seine Leute in Schuss blieben.
Als er sich mit seinen Kommandeuren und seinem Bruder Kevan zusammensetzte, hörte er sich zuerst die Reporte an, die seine Scouts über Roose Bolton und Robb Stark zusammengetragen hatten. Nichts hatte sich an beiden Fronten getan. Es gab nur etwas Neues von Gregor Clegane und Vargo Hoat. Hoat hatte es immer noch nicht fertiggebracht, Dondarrion zu fangen, erzählte einer. Er hatte Hoats Truppe zwei Tage südlich von Harrenhal getroffen. Tywin erzählte ihnen darauf, was in dem Dorf zwischen Hoat und Stark geschehen war. Einer seiner Kommandeure meinte, dass Tyrions Männer denen von Hoat hätte helfen sollen, doch Tywins Blick ließ ihn verstummen, während er ihnen sagte, dass Tyrions Aufgabe, Lord Stark nach Harrenhal zu bringen, deutlich wichtiger gewesen war. Sollte Hoat nach Harrenhal zurückkehren, sollten sie auf keinen Fall innerhalb der Mauern ihr Lager aufschlagen. Sie sollten so weit wie möglich von Stark getrennt sein. Er befahl ihnen, Hoat sofort zu töten, sollte er etwas gegen Stark unternehmen.
Anschließend befahl er Ser Jason Matigar in sein Solar zu kommen. Er befragte Ser Jason über die komplette Reise, die er mit seinem Sohn unternommen hatte, und es sah so aus, als hätte Tyrion ihm alles erzählt. Er rätselte nur darüber, warum Ned Stark mitten in der Nacht aufgebrochen war, um die vier Jungen zu finden. Er wusste schließlich nicht, dass einer der Jungen seine Tochter war und ein anderer Roberts Bastard. Dies war gut. Tyrion hatte zumindest den Anstand, diese Information nicht an jeden weiter zu geben.
„Erzählt mir, wie sich mein Sohn verhalten hat", befahl Tywin Ser Jason, als dieser mit seinem Bericht über die Reise geendet hatte.
„Lord Tyrion war ein energischer Kommandant, der sich den Respekt seiner Männer verdient hat."
Es war klar, dass er nichts Schlechtes über den Sohn seines Lords sagen würde. „Ja, ja. Aber erzählt mir die Details. Was hat er vor allem nachts getan?"
„Ich weiß es nicht, Milord. Ich habe mit meinen Männern und Rittern gegessen. Lord Tyrion hat zuerst immer mit seinem Söldner und später dann mit Lord Stark gegessen, nachdem wir ihn gefunden hatten. Einmal habe ich mit ihm etwas Wein getrunken, doch er war nicht sehr erpicht darauf, mit seinen Untergebenen etwas zu machen, außer dem Söldner."
Tywin bemerkte, dass Ser Jason Bronn nicht mochte, aber dies war ihm gleichgültig. „Hatte mein Sohn Besuch von Frauen? Huren?"
„Nun… ich bin mir nicht sicher, Milord. Ich glaube, dass es nicht weise wäre, sich in die persönlichen Belange meines Kommandanten einzumischen."
„Nein, natürlich nicht", sagte Tywin. „Ihr könnt gehen, Ser Jason. Ihr habt es gut gemacht. Ich möchte, dass Ihr und Eure Männer so schnell wie es geht erholt und vorbereitet seid. Ich habe wahrscheinlich eine weitere Mission für euch."
„Ja, Milord."
Nachdem Ser Jason gegangen war, dachte Tywin über Tyrions Verhalten nach. Tyrion war Ser Jason egal, aber er hatte auch nichts Schlechtes über ihn gesagt. Vielleicht hatte er aber auch Angst, Tywin die Wahrheit zu sagen. Vielleicht hatte sein Sohn jede Nacht eine Hure bei sich gehabt. Er brauchte aber auch nicht Bronn oder die Wilden fragen. Sie waren zu loyal Tyrion gegenüber auch wenn sie bezahlte Kämpfer waren. Tyrion hatte ein Händchen dafür, wenn es darum ging, dass Leute ihm folgten. Er überlegte, ob er Podrick Payne befragen sollte, was sonst alles geschehen war, doch er würde wahrscheinlich nur über seine eigene Zunge stolpern und auch Lügen erzählen. Tyrion hatte wahrscheinlich auch seine Loyalität gewonnen.
Die Mittagsessenszeit rückte immer näher und Tywin hatte die Köche angewiesen, ein üppiges Mahl vorzubereiten. Geröstetes Schweinefleisch glasiert mit Honig, Kartoffeln, Gersten und Wildsuppe, grüner Salat mit Bohnen, dazu Brot, Wein, Bier sowie etwas Wasser für das Starkmädchen.
Er schickte einen Boten aus, um sie zu sich zu rufen. Alle drei waren sie nun sauber. Ned Stark hatte sich nicht rasiert und trug nun einen Vollbart, doch er war zumindest sauber und trug schlichte schwarze Kleidung, die ihm wohl jemand geliehen hatte. Das Starkmädchen hatte kurzes Haar und war auch von der Körpergröße her relativ klein. Sie war dünn und sah ihrem Vater sehr ähnlich. Sie trug ein blaues Kleid, das ihr viel zu groß war, und hatte einen verdrießlichen Gesichtsausdruck, der ihm zeigte, dass sie jetzt lieber woanders wäre.
„Ich präsentiere Euch Lord und Lady Stark", sagte Tyrion theatralisch, als sie in das Solar eintraten. Auch er hatte ein Bad genommen und hatte sich in den Farben der Lannisters eingekleidet.
„Ich kenne Euren Vater seit zwanzig Jahren", sagte Ned Stark zu Tyrion, während er Tywin anstarrte. „Ihr braucht uns nicht vorstellen. Lord Tywin."
„Lord Stark", sagte Tywin und nickte kurz. Sie schüttelten sich nicht die Hände. Stark und die anderen Nordmänner nutzten diese Geste normalerweise, genauso wie sich auf die Schulter zu klopfen. Doch Tywin Lannister tat dies nicht und mochte dies auch nicht, wie Stark sehr genau wusste. Außerdem waren sie momentan Feinde. Tywin wandte sich dem Mädchen zu. „Dann musst du Lady Arya Stark sein."
„Ja, Milord", sagte sie mit starker Stimme, während sie ihn anstarrte. Sie hatte keine Angst vor ihm, dass bemerkte er schnell. Oder war sie verärgert?
„Bitte setzt Euch. Lasst uns essen. Wir haben viel zu besprechen."
„Aye", sagte Stark, humpelte zum Tisch und setzte sich an Tywins rechte Seite. Seine Tochter setzte sich neben ihn und Tyrion gegenüber von Ned Stark auf Tywins rechte Seite. Zwei Diener traten ein, schenkten Wein und Wasser aus und servierten die Wildsuppe.
Nachdem sie wieder gegangen waren, begann Tywin zu sprechen. „Ich hoffe, Euer Bein heilt gut?", fragte er Stark.
„Aye."
„Euer Sohn hat es gebrochen", sagte Arya scharf.
„Arya!", sagte Ned Stark genauso scharf. „Halte deine Zunge im Zaum oder du kannst wieder gehen."
„Tschuldige", murmelte sie.
„Alles in Ordnung", sagte Tywin. „Sie hat Recht. Mein Sohn hat Euer Bein gebrochen und nun hält Euer Sohn ihn gefangen."
„Und Ihr haltet uns und Sansa gefangen", sagte Stark, während er sich ein Stück Brot nahm und es in die Suppe tunkte.
„Nicht lange", sagte Tyrion und trank einen Schluck Wein.
„Nein", sagte Tywin. „Ich werde heute noch nach King's Landing schreiben. Cersei soll Sansa hierherbringen lassen. Bald schon wird das alles hier vorbei sein und es wird wieder Frieden geben. Zumindest im Norden. Ich werde Euch meine Bedingungen nachher im Privaten geben, Lord Stark. Nun jedoch müssen wir erst einmal andere Dinge besprechen."
„Ich höre."
„Ich möchte von Euch wissen, warum Ihr versucht habt, den Eisernen Thron zu nehmen."
„Ich habe nicht versucht, Euch den Thron wegzunehmen", sagte er ernst. „Auf seinem Sterbebett hat Robert mir aufgetragen der Beschützer des Reiches zu sein nachdem er gestorben war und Joffrey zu helfen zu herrschen, bis er alt genug ist, dies selbst zu tun."
Diese Version war neu für Tywin. Er schaute seinen Sohn an, welcher nur mit den Schultern zuckte. Er wusste es auch nicht. „Wie hat Robert Euch diesen Befehl übermittelt?", fragte Tywin.
„Es gab einen Brief, den ich bekam, unterschrieben von Robert und mit seinem Siegel versiegelt. Pycelle und Renly waren Zeugen. Ser Barristan Selms hat den Brief ungeöffnet gesehen und mit dem Siegel intakt. Er hat den Brief geöffnet, nachdem Robert gestorben war und hat ihn laut vor mir, Pycelle, Kleinfinger und Varys vorgelesen. Sie alle haben den Inhalt, König Roberts letzten Befehl, gehört. Wenn es einen Mann gibt, der Euch die Wahrheit sagen wird, dann ist es Barristan Selmy. Er wird Euch die Wahrheit über die Existenz des Briefes bestätigen. Als ich den Brief Eurer Tochter gab, hat sie ihn vor meinen Augen und den aller anderen zerrissen. Danach begann dann das ganze Morden."
„Nachdem Ihr befohlen habt, sie, Joffrey und ihre anderen Kinder in Gewahrsam zu nehmen", sagte Tywin sträubend.
„Ach ja? Immerhin das hat sie Euch erzählt", sagte Stark und trank etwas Wein. „Den wichtigen Teil, warum ich dies tat, hat sie jedoch vergessen zu erwähnen, da bin ich mir sicher."
Tywin war sich nun bewusst, dass er nicht alles darüber wusste, was in King's Landing passiert war, mal abgesehen von Roberts letztem Willen. Er brauchte mehr Informationen. „Lassen wir dieses Thema für einen Moment. Ich würde gerne wissen, warum Eure Frau meinen Sohn verhaftet hat."
„Er hat versuch...", begann Arya, doch der Blick ihres Vaters brachte sie zum Schweigen. „Tut mir leid", murmelte sie und aß weiter.
Tyrion seufzte und schaute seinen Vater an. „Lord Stark und ich haben bereits die ganze Zeit darüber diskutiert. Sie glauben immer noch, dass ich Brandon Stark töten wollte."
„Das stimmt nicht", sagte Tywin streng. „Tyrion hatte keinen Grund gehabt, Euren Sohn zu töten."
„Nein? Ich glaube schon, dass er dies hatte", sagte Stark.
„Ach ja? Und welche Gründe wären das?", fragte Tywin. Tyrion hielt die Luft an, zog eine Augenbraue hoch und wollte etwas sagen, hielt sich jedoch zurück, was er normalerweise nicht tat. Irgendetwas stimmte hier nicht. Etwas, was Tyrion mir nicht erzählt hat oder Angst hat, mir zu erzählen.
Stark schaute mit seinem sturen Blick. „Ich werde dies nicht vor meiner Tochter ausführen."
Tywin setzte seinen Kelch mit Wein an die Lippen, besann sich jedoch anders und stellte ihn wieder ab. Tyrion hatte seine Augen zu seinem Teller hin gesenkt und sagte nichts, so wie es früher gewesen war, als er noch jung war und etwas Falsches getan hatte. Das Starkmädchen saß mit weit aufgerissenen Augen am Tisch und wartete darauf, dass ihr Vater ausführte, was er nicht wollte, dass sie es hörte. Tywin starrte Ned Stark böse an und Stark schaute genauso zurück. Er wusste sofort, dass Stark wusste, was Stannis in seinem Brief an Lady Whent geschrieben hatte. Er bemerkte, dass Tyrion es auch wusste und nur zu viel Angst hatte, um es vorzutragen. „Was hat Stannis Baratheon Euch erzählt?"
Stark schnaubte. „Oh, Ihr kennt also den wichtigsten Part? Das, was Stannis weiß, konnte ich mit eigenen Augen sehen, nachdem ich es herausgefunden hatte. Ich habe einen richtigen Sohn von Robert gesehen. Auch Jon Arryn hat dies getan." Er sprach über Roberts Bastard, den sie aus King's Landing mitgebracht hatten. „Jon Arryn wusste es", sprach Stark weiter. „Ich weiß es. Euer Sohn hier weiß es auch und so wie ich Stannis kenne, wird er es bald dem ganzen Reich sagen."
Stannis hatte dies bereits getan, die Nachricht an Lady Whent war der Beweis. Tywin atmete tief durch. „Auch dies ist eine Lüge. Eine Lüge, damit Stannis den Anspruch an den Thron erheben kann." Er verlor die Kontrolle über das Gespräch und es gefiel ihm gar nicht.
„Aye, würde ich nicht die ganze Wahrheit wissen, dann würde ich dies auch glauben", antwortete Stark. „Mein Sohn Bran hat sie dabei erwischt, in Winterfell. Am Tage der Jagd. Sie haben ihn aus dem Fenster geworfen. Dann hat Tyrion jemanden bezahlt, der Bran ermordet, bevor er aufwachen würde."
„Nicht ich!", sagte Tyrion laut. Tywin bemerkte jedoch auch, dass Tyrion seine Geschwister nicht verteidigte.
„Was Ihr schon die ganze Zeit behauptet", sagte Stark zu Tyrion und nahm dann einen weiteren Schluck. Tywin schaute vom einen zum anderen und dann zu Arya. Das Mädchen hatte den Löffel vor ihrem Mund, doch aß es nicht weiter. Es hörte ihnen genau zu, da es wohl alles neu für es war, was es hörte. Wahrscheinlich war es eine schlechte Idee gewesen, Arya zu diesem ersten Treffen mit einzuladen. Er wand sich wieder ihrem Vater zu. „Lasst uns auch dieses Thema erst einmal verschieben. Warum aber hat Eure Frau meinen Sohn beschuldigt? Welchen Beweis hat sie, dass das Messer meinem Sohn gehörte?"
„Baelish", sagte Tyrion voller Ekel.
„Baelish?"
„Aye, Baelish", bestätigte Stark. „Er hat Catelyn und mir erzählt, dass das Messer, mit dem Bran angegriffen wurde, Tyrion gehörte."
Tywin knurrte. „Baelish." Auch dies hatte Tyrion vergessen zu erzählen.
In diesem Moment kamen die Diener wieder herein und begann die Suppe wegzuräumen. Arya Stark beschwerte sich darüber, als sie schnell damit begann ihre Suppe auszulöffeln.
„Hey! Ich bin noch nicht fertig!"
Tywin schaute sie an. „Keine Sorge, mein Kind. Es kommt noch genug." Das Mädchen ließ daraufhin die Diener die Teller abräumen und sie brachten dann das Schweinefleisch zusammen mit dem Salat und den Kartoffeln herein. Tywin aß nicht viel und auch die anderen beiden nur etwas. Arya jedoch aß, als hätte sie die letzten Tage nichts zu essen bekommen. „Hat mein Sohn Euch nicht genug zu essen gegeben?", fragte er.
„Doch, Milord, aber es war nur harter Käse, salziger Fisch und hartes Brot."
„Unsere Vorräte haben gerade so gereicht", erzählte Tyrion seinem Vater. „Wir hatten zu viele extra Münder zu füttern."
Während sie weiteraßen, erzählte Tyrion eine Geschichte darüber, als sie noch klein waren und Jaime ihn geärgert hatte, indem er ihm etwas zu essen gegeben hatte und gesagt hatte, es wäre Rind, wobei es sich um Hund gehandelt hatte. Er sagte, dass es ihm schmecken würde und er mehr davon haben wolle, bis Jaime begann zu knurren, zu bellen und ihm dann die Wahrheit sagte. Arya lachte lauthals darüber, vor allem, als Tyrion lustige Gesichter und Geräusche machte. Tywin ließ seinen Sohn für einen Moment gewähren. Seine Gedanken kreisten um Baelish. Er ließ sie weiteressen und dachte darüber nach, was das Reich nun über seinen Erstgeborenen und seine Tochter dachte. Eine große Schande. Es konnte einfach nicht wahr sein. Stark jedoch glaubte es und Tyrion wusste ebenfalls etwas, traute sich jedoch nicht, etwas zu sagen.
Dann sagte Stark seiner Tochter, sie möge doch etwas langsamer essen, was sie dann auch tat.
„Wo habt Ihr das hübsche Kleid her, Lady Stark?", fragte Tywin, um die Stille zu durchbrechen.
„Es gehört einer Dienerin von Lady Whent. Sie hatte es zurückgelassen, aber es ist mir zu groß", sagte sie und zog an den Ärmeln. „Und bitte nennt mich Arya, Milord. Ich bin keine Lady."
Sie war mutig. Er musste fast darüber lachen. Tywin Lannister lachte sehr selten. Er traute Menschen, die zu oft lächelten, nicht. „Natürlich seid Ihr eine Lady", antwortete er. „Eines Tages werdet Ihr einen Lord heiraten und…"
„Nein!", sagte sie ernst. „Niemals. Ich werde ein Pferd reiten und…"
„Arya!", sagte ihr Vater scharf. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass du dich etwas hinlegst. Lord Tywin und ich haben noch einiges zu besprechen, was nicht für deine Ohren gedacht ist. Hast du genug gegessen?"
„Ja", antwortete sie, während sie ein weiteres Stück Kartoffel aß.
Tywin wandte sich seinem Sohn zu. „Tyrion, kannst du Lady Stark… Arya… bitte zu Ihren Gemächern bringen."
„Vielen Dank für das Essen, Milord", sagte sie, als sie aufstand und senkte kurz aus Respekt den Kopf.
Dieses Mal konnte er ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. „Aber gerne doch."
„Ich möchte aber gerne zur Schmiede gehen", sagte sie zu Tyrion.
Tywin schaute sie verwundert an. „Warum?"
„Gendry repariert gerade Nadel."
„Gendry… ach ja", sagte Tywin. Nun war er aber doch verwirrt. „Warum kümmert sich ein Schmied um Eure Nadeln?"
„Nadel ist ein Schwert. Ein Langdolch", antwortete ihr Vater seufzend.
„Mein Schwert", sagte Arya stolz zu Tywin. „Es muss etwas abgesplittert sein beim Kampf in der Feste, als ich einen der Goldröcke tötete. Es muss an seinem Kettenhemd passiert sein, als ich ihn von hinten erstochen habe. Milord."
Tyrion gaffte sie an, während Tywin sie erstaunt anschaute. Ned Stark packte seine Tochter bei den Schultern und schaute sie streng an. „Arya, erzähle diese Geschichte niemandem mehr. Vor allem nicht deiner Mutter, sobald wir sie wiedersehen."
„Sie ist in Riverrun", sagte Tyrion.
Tywin zuckte zusammen. Er wollte es Stark eigentlich selbst erzählen.
„Tatsächlich?", sagte Stark überrascht. „Das ist gut zu hören."
„Wann werden wir aufbrechen?", fragte Arya ihren Vater sehnsüchtig.
„Sobald Sansa hier ist", sagte er ruhig. „Doch zuerst werde ich mit Robb reden müssen."
„Wann?"
„In ein bis zwei Tagen", erklärte Tywin ihr. „Dann sollte das alles hier vorbei sein und ihr könnt zurück nach Winterfell reisen." Er schaute seinen Sohn scharf an und nickte in Richtung der Tür.
„Kommt, Lady Stark…", begann Tyrion.
„Arya, Milord", sagte sie mutig.
„Arya", sagte er grinsend. „Lass uns deinen Schmiedelehrling und deine Nadel finden. Wo wir gerade von ihm reden, er hatte mir versprochen, sich um meine Rüstung zu kümmern." Dann gingen sie.
Für einen kurzen Moment herrschte Schweigen. Dann fragte Tywin etwas. „Hat sie wirklich einen der Goldröcke getötet?"
„Aye", sagte Stark seufzend und Tywin erkannte, wie es ihn schmerzte. „Wenn es stimmt was die anderen Jungen sagen, sogar zwei. Dazu noch einen Stalljungen in King's Landing, als sie auf der Flucht war. Mein kleines Mädchen eine Mörderin und das nur, weil Eure Tochter das alles angefangen hat."
Nun starrte er Tywin wütend an und dieser tat es ihm gleich. „Sie hat diesen Krieg nicht angefangen. Eure Frau tat es, als sie Tyrion festnahm."
Stark nickte. „Das mag sein. Aber es fing alles mit der Geschichte in Winterfell an. Dazu kommt, dass Baelish uns die Information dazu gab, was Catelyn veranlasste zu glauben, dass Tyrion einen Assassinen befohlen hätte, meinen Sohn zu töten, ob es nun stimmt oder nicht. Baelish spielt sein eigenes Spiel. Ich will Baelishs Kopf auf einem Speer sehen."
Tywin konnte nicht mehr als ihm zustimmen. „Er wird vorerst verhaftet bist er uns die Wahrheit gesagt hat. Der Rabe wird die Nachricht noch heute überbringen."
„Sehr gut", sagte Stark zufrieden. Dann schaute er Tywin an. „Stannis hat Euch geschrieben, nicht wahr?"
Tywin seufzte laut, da er dieses Thema eigentlich nicht besprechen wollte, doch Stark ließ ihm keine Wahl. „Er hat eine Nachricht an Lady Whent geschrieben, aber sie war schon weg, als die Nachricht eintraf."
„Es stimmt", sagte Stark leise. „Ich fürchte, es stimmt, auch wenn es schlimm ist, es zu hören."
Tywin wurde immer wütender. „Stannis Baratheon ist nicht der wahre König. Joffrey ist es!" Seine letzten Worte schrie er heraus.
„Euer Sohn hat mich gewarnt, es nicht zu erwähnen. Er sagte, Ihr würdet es nicht akzeptieren. Er kennt die Wahrheit. Warum könnt Ihr es nicht sehen? Lasst uns diese ganze Sache abschließen, bevor der Winter kommt und wir alle verloren sind."
Tywin schnaubte verächtlich und setzte wieder sein normales Gesicht auf. „Wir sind nicht hier, um meine Familienhistorie zu besprechen, Lord Stark. Nun zu den Bedingungen."
„Aye", sagte Stark seufzend und schenkte sich noch etwas Wein ein. „Ich höre."
„Ihr werdet zu Eurem Sohn unter weißer Flagge gehen. Zuerst wird Jaime gegen Euch und Eure Töchter ausgetauscht."
„Wenn Robb dem zustimmt."
„Ihr werdet dafür sorgen."
„Ich bin nicht mehr Lord von Winterfell. Eure Tochter hat mir diesen Titel entrissen."
„Ihr seid sein Vater. Er wird auf Euch hören."
„Hören Eure Kinder immer auf Euch?"
Tywin sträubte sich erneut. „Ihr werdet es ihm schon richtig erklären."
Stark nickte. „Ich kann es versuchen."
„Gut. Als zweites soll seine Armee sich nach Norden zurückziehen."
„Was ist mit den Tullys aus Riverrun, den Freys sowie den anderen Familien, die mit ihm verbündet sind?"
„Alle werden Joffrey ihre Loyalität schwören oder sie werden zerstört."
„Auch Robb?"
„Ja."
„Er wird sicher nicht nach King's Landing kommen. Meine Familie weiß was ganz genau, was dann passiert."
„Er kann seinen Schwur in Riverrun vor mir oder Jaime leisten. Joffrey wird es sicher nicht mögen, aber er wird es akzeptieren."
„Sollte es so kommen, dass Ihr Stannis und Renly besiegt, dann wird der Junge irgendwann ein Mann werden. Er wird sich dann sicher an Robb rächen wollen. Und auch Ihr seid nicht dafür bekannt, dass Ihr denen vergebt, die Euch etwas angetan haben", sagte Stark.
„Ich habe es nie gemocht, wenn mir jemand etwas getan hat, das stimmt", sagte Tywin, ohne es zu müssen. „Ich würde Euch einen Friedensvertrag anbieten, doch nach Cersei törichter Aktion werdet Ihr nichts mehr glauben, was auf einem Papier steht, oder?"
„Niemals wieder."
„Was wäre akzeptabel?"
„Eine Geisel."
Tywin grummelte, da ihn diese Aussage doch überraschte. „Wir sind gerade dabei Geiseln auszutauschen, um diesen Krieg zu beenden, und nun wollt ihr eine neue?"
„Nur eine. Myrcella oder Tommen."
Tywin merkte, wie er wieder wütend wurde. Dies hatte er nicht vorhergesehen. „Tommen ist der Erbe des Thrones."
„Nicht wirklich."
Dies ließ ihn nur noch wütender werden. „Sollten wir hier weiter rational über alles diskutieren, dann unterlasst bitte das Thema der Eltern meiner Enkel."
Stark wartete kurz und nickte dann. „Aye. Sie sind schließlich Eure Enkel. Ich denke, das reicht mir, damit Ihr zu Eurem Wort steht. Dann wird Myrcella uns nach King's Landing begleiten. Wir werden uns gut um sie kümmern und sie kann Sansa und Arya eine Freundin sein. Vielleicht kann ihre Freundschaft die große Lücke zwischen unseren Häusern irgendwann schließen."
Tywin mochte dies gar nicht, spielte für den Moment aber mit. „Wen werdet ihr uns dafür geben?"
„Niemanden", sagte Stark ruhig. „Niemand meiner Familie wird jemals wieder einen Fuß südlich des Necks setzen, solange ich lebe."
„Dann bekommt Ihr auch keinen meiner Enkel als Geisel!"
„Dann geht der Krieg weiter", sagte Stark steif.
Tywin stand wutentbrannt auf und funkelte Stark böse an. „Ich habe Euch und Eure Töchter!"
Stark stand ebenfalls auf. „Aye. Aber wenn sie sterben müssen, dann hier mit mir. Meine Frau und meine Söhne werden trauern, aber das Reich wird merken, was für Monster Ihr und Eure Familie seid und auch der Norden wird es niemals vergeben und vergessen. Vergesst nicht, dass Robb Euren Sohn ebenfalls hat. Ich glaube Cersei wird ihren Sohn oder ihre Tochter zu uns geben. Sollte sie Ser Jaime so lieben wie ich glaube, dass sie ihn liebt, dann wird sie den Handel eingehen, um den wahren Vater ihrer Kinder zurückzubekommen."
Tywin bemerkte, wie ihm die Kontrolle entglitt und war sogar kurz davor Stark körperlich zu attackieren. Er konnte sich jedoch noch rechtzeitig kontrollieren und sagte nichts.
Stark leerte seinen Becher Wein. „Ich bin in meinen Räumen", sagte er. „Lasst es mich wissen, wenn Ihr Eure Meinung ändert."
Er drehte sich um und humpelte aus dem Solar, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Tywin setzte sich hin und dachte für eine lange Zeit nach. Die Diener kamen nach einiger Zeit herein und räumten alles vom Tisch ab, doch er sagte nichts zu ihnen und dachte weiter nach.
Dann kam ihm eine Idee. Nun wusste er, was er zu tun hatte. Oh, ich werde Euch geben, was Ihr wollt, Lord Stark, sagte er zu sich selbst. Aber der Weg in den Norden ist weit und gefährlich. Wer weiß schon, was zwischen hier und Winterfell alles passieren kann? Sollte er ihm Myrcella geben, würde sie mit einem Mann der Königswache sowie einer royalen Eskorte kommen, die sie auf dem Weg in den Norden bewachen würde. Dies würde genügen, damit sie sicher war.
Nun brauchte Tywin nur noch jemanden, der bereit war, Stark zu verraten. Von einem Regal nahm er eine Karte, die die Riverlands sowie den Norden zeigte. Er betrachtete lediglich die Straßen, die nur in den Norden führten. Wer würde so etwas den lieben Ned antun? Jemand, dem bereits oft etwas Falsches angetan worden war. Oder jemand der, immer schon mehr wollte. Seine Augen fielen auf Dreadfort. Die Boltons waren noch nie Freunde der Starks gewesen. Vielleicht. Dann fielen seine Augen jedoch auf die Twins. Walder Frey wollte schon immer mehr und war sehr erzürnt, als er nicht viel aus der Rebellion Roberts bekommen hatte. Varys Spione hatte ihm erzählt, dass Robb Stark mit Walder Frey einen Handel eingegangen war. Er hatte sich und Arya versprochen, jeweils ein Kind der Freys zu heiraten, damit er seine Truppen bekam. Aber vielleicht war eine royale Hochzeit noch mehr nach seinem Geschmack. Vielleicht würde Walder Frey sich dann seines Stark-Problems annehmen.
Soo hier endet Kapitel 10.
Das 11 ist bereits fast fertig also wird es nicht wieder so lange dauern.
Auf Bald :)
