Kapitel 2: Ich bin nur, was du mir gibst (Teil 1)

Ein paar Tage später saß Severus im Unterricht. Zaubertränke; sein Lieblingsfach. Normalerweise das, was am meisten Elan in ihm weckte. Heute war es anderes. Den Trank, den sie durchnahmen, hatte er schon vor längerer Zeit studiert; seine Besonderheiten auswendig gelernt, sich seine Zutaten eingeprägt und überhaupt waren ihm einige Verbesserungen eingefallen, die er einmal näher untersuchen wollte. Eigentlich nichts besonderes, denn das tat er fast bei jedem Trank, dessen Wirkung ihm zusagte. Einige andere Tränke hatte er sogar schon eigenhändig nachgeahmt; außerhalb der Stunden, in einem kleinen, unbenutzten Klassenzimmer, nicht weit weg von der Vorratskammer des Zaubertränkelehrers.

Ob er schon Zutaten gestohlen hatte? Das ließe sich wohl nicht verneinen, denn an Drachenbrutfedern und Hiliaruskäfer zu gelangen, war für einen Schüler fast unmöglich.

Severus langweilte sich. Er saß ganz hinten links, wo er ungestört arbeiten konnte, während die anderen Schüler sich mit den Zutaten herum schlugen (ja, Schnippelwürmer können beißen!) und in ihren Kesseln herumpanschten. Er beobachtete das Treiben mit unverhohlener Verachtung. Keiner dieser Deppen würde jemals die wahre Bedeutung von Zaubertränken begreifen. Wie wirksam und gefährlich sie waren, was für eine Präzision und Kunst und was für ein Genie hinter ihnen steckte.

Mit düsterem Blick registrierte Severus, wie Professor Hays, ihr Professor für Zaubertränke in Aushilfe, wieder einmal lange ausschweifte, um den fragenden Blicken in den Gesichtern einiger Schülern Abhilfe zu schaffen.

Severus schaute in die Runde. Am Tisch rechts von ihm saßen Nott und Lestrange, daneben und vor ihnen weitere Slytherins. Ganz vorne, quer in der anderen Ecke der Tischreihen, saßen die Gryffindors, mit denen sie zusammen Zaubertränke hatten. Die Potter-Bande: Sirius Black, Peter Pettigrew, James Potter und Remus Lupin. Und noch weitere Schüler und Schülerinnen, darunter die derzeitigen Freundinnen von Potter und Black: Lily Evans und Amy Maynard.

Der Platz neben Severus war leer. Es scherte ihn nicht sonderlich. Er konnte niemanden gebrauchen, der ihm die Tränke versaute, wenn sie wieder einmal in Paaren arbeiten sollten.

Er blickte auf die Tafel.

‚Eine halbe Stunde und wir sind keinen Schritt weiter!'

Es ärgerte ihn. Professor Hays war so unfähig! Nicht nur das. Er war ein Schlammblut.

Neuer Lehrer - neue Lehrmethoden - grauenhaft lange Erklärungsversuche – lächerlich geringer Erfolg.

Severus's Blick schweifte noch einmal umher und blieb an Remus Lupin haften, der sich gerade zu James Potter beugte und sich flüsternd mit ihm unterhielt.

Es schien ihm wieder gut zu gehen. Er lächelte und reichte hinter Potters Rücken einen Zettel zu Black, den dieser grinsend entgegennahm.

Diese scheinbare Unbekümmertheit war einfach ekelhaft. Severus hasste es. Er hatte die letzten paar Tage über Lupin nachdenken müssen, worüber er sich zudem noch mehr ärgerte.

War alles nur Show gewesen, letztens? Oder war jetzt alles nur Show?

‚Ein Werwolf - ein Werwolf - ein Werwolf', klang es immer oft noch in seinem Kopf und Bilder von seiner Begegnung mit eben diesem von vor ein paar Monaten kamen ihm wieder ins Gedächtnis. Bilder, wie er im Gras lag, rückwärts gestolpert; und ein riesiges, mit Reißzähnen besetztes Maul nur wenige Meter von seinem Kopf entfernt. Kälte; Matsch unter den Händen; helle sternklare Nacht; Angst; sein pochendes Herz; die brennende Kehle vom kalten Wind; der heiße Atem der Bestie. Er, Severus, mutterseelenallein und so verdammt hilflos.

Severus schloss mit grimmigem Bedauern die Augen und schüttelte kaum merklich den Kopf. Er verachtete sich selbst für seine Schwäche. Er hatte sich nicht alleine retten können. Erstarrt vor Angst, unfähig, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Er wäre garantiert gestorben in dieser Nacht, wenn nicht…

Er verscheuchte die unangenehmen Gedanken aus seinem Kopf und ihm wurde schlagartig bewusst, dass er Lupin die ganze Zeit über angestarrt hatte. Und Lupin hatte es bemerkt. Er hatte sich zu ihm umgedreht und schaute ihn flüchtig an, während er immer noch mit Potter redete.

‚Na toll. Warum fühle ich mich jetzt so ertappt?'

Ärgerlich wand Severus seinen Blick erneut der Tafel zu. Kein einziger Satz war hinzugekommen. Wie lange hatte er so da gesessen? 5 Minuten? 10 Minuten? Er wusste es nicht.

„Wir fangen jetzt schon mal an, die Zutaten herauszusuchen und werden in der nächsten Stunde versuchen, diesen nicht ganz einfachen Trank zu brauen", sagte Professor Hays zur Klasse gewandt und allgemeines Gemurmel erhob sich, was bedeutete, dass es gleich zur Pause klingeln würde.

Keine Doppelstunde Tränke war bisher so langweilig und unergiebig verlaufen wie die heutige.

Die Klasse packte unter lautem Geplapper ihre Utensilien zusammen und begab sich auf den Flur.

Severus folgte dem Pulk nach draußen auf den Innenhof. Grüppchen fanden sich an allen Ecken und Enden zusammen. Die Bänke und die Mauer des Außenganges, der den Hof umspannte, waren größtenteils besetzt. Wolken bedeckten den Himmel und ein kalter Wind blies.

Severus sah sich um und gesellte sich schließlich zu Lestrange, der mit einer kleinen Gruppe anderer Slytherins am Außengang lehnte.

„… . Ist doch nicht wahr! Seit wann denn schon?" fragte einer der Slytherins.

„Weiß nicht genau. Ein paar Wochen vielleicht. Er hat lediglich geschrieben, dass er jetzt vollständig aufgenommen ist", sagte Rabastan Lestrange.

„Krass! Richtig krass, aber cool!"

„Um wen geht's?" fragte Severus.

„Niemanden. Kennst du nicht!" antwortete Rabastan kalt.

„Aha, und wie geht es deinem Bruder so?"

„Sag mal, hast du nicht vielleicht noch ganz dringend etwas zu erledigen?" mischte sich ein anderer ein, den Severus nur vom Sehen her kannte.

„Warte," sagte Rabastan zu dem Slytherin gewandt, „ich mach' das schon."

Er wandte sich zu Severus und dirigierte ihn zwei Schritte zur Seite.

„Pass auf", er flüsterte beinahe, „ das ist jetzt nichts gegen dich, aber hier geht es um Familienangelegenheiten. Mein Cousin hier", er zeigte auf den Slytherin, der eben gesprochen hatte und der nun mit ungeduldiger Miene die Arme vor der Brust verschränkte, „und ich müssen dringend etwas Privates besprechen. Kannst du uns nicht kurz alleine lassen?"

„Und die anderen hier sind wohl auch alle Cousins von dir, nicht wahr, Lestrange!"

„...tja..."

Dann drehte er sich auf dem Absatz um und stapfte wütend davon.

ooOoo

„Was machen wir denn heute noch?" fragte Sirius Black

Sie saßen unter einer Eiche. Wie immer als Vierertruppe. James lehnte mit dem Rücken gegen den Stamm und las in dem Brief, den er vorhin von Lily bekommen hatte.

Die anderen saßen im Kreis um ihn herum.

„Wir haben noch eine Stunde Zaubertränke, dann kommt Verwandlung und danach eine Doppelstunde Kräuterkunde" sagte Peter Pettigrew eifrig.

„Ach Peter, du denkst zu engstirnig. Ich meine, was wir heute Abend noch machen!" maulte Sirius den kleinen Dicken an.

„Ich muss noch meinen Aufsatz für Pflege magischer Kreaturen fertig schreiben. Das könnte lange dauern", warf James ein, ohne von seinem Brief aufzusehen.

„Na toll. Heißt das etwa, es läuft heute nichts? Was ist mit dir, Moony?" fragte Sirius.

„Kommt ganz darauf an, was du vor hast", erwiderte Remus lächelnd.

„Mal sehen", überlegte Sirius. „Wir könnten den dummen Slytherins einen nächtlichen Besuch abstatten und eine Ladung Stinkbomben unter Schniffelus' riesiger Nase explodieren lassen. Oder wir stibitzen seine Unterwäsche und hängen sie in der Großen Halle an die Decke. Dann kann er mal zeigen, wie er sie da wieder runter holen will."

Sirius lachte, aber Remus' Ausdruck wurde ernst.

„Viel Spaß dabei, aber ohne mich" sagte er.

„Och Moony, jetzt sei doch kein Spielverderber!" maulte Sirius.

Sirius' unsensibles Verhalten war einfach unbegreiflich! Hatte er, Remus, in der jüngsten Vergangenheit nicht schon genug Ärger und Leid wegen Sirius' Hass auf den Slytherin erleiden müssen? Sirius' Streiche wurden von Mal zu Mal gefährlicher und rücksichtsloser. Remus war jetzt zwar Vertrauensschüler, aber ändern konnte er das Verhalten seines Freundes nicht.

„Es ist doch gar nichts Schlimmes! Wir gehen rein, schnappen uns die Sachen und schon sind wir wieder draußen", versuchte Sirius ihn zu überzeugen.

„Das klingt gut!" stimmte Peter Sirius zu.

„Es klingt gefährlich", erwiderte Remus, „und außerdem denke ich gar nicht daran, bei so etwas mitzumachen!"

„Was ist denn in letzter Zeit los mit dir?" beschwerte sich Sirius. „Man kann gar keinen Spaß mehr mit dir haben!"

James hatte seinen Brief weggesteckt und sah seine beiden Freunde alarmiert an.

„Sirius", sagte James ruhig, „lass gut sein. Ich werde mal schauen, dass ich den Aufsatz während des Mittagessens fertig kriege, damit ich heute Abend Zeit habe."

Sirius warf Remus einen seltsamen Blick zu und murmelte ein ‚Na gut'.

Eine Zeit lang schwiegen sie. Dann hielt Remus es nicht mehr aus.

„Ich geh mal pinkeln", nuschelte er, stand auf und verschwand über den Hof.

ooOoo

Severus saß alleine auf einer steinernen Bank im Flur zum Innenhof. Die Wut war verflogen und hatte ihn müde zurückgelassen.

Er brauchte Lestrange und seine Kumpel nicht! Was hatten die schon Interessantes zu verbergen? Severus wusste eh, wovon sie geredet hatten, auch wenn sie es ihm nie erzählt hatten.

Rabastans Bruder Rodolphus war den Todessern beigetreten. Offiziell hieß es allerdings immer nur, er sei ‚eingetreten'. Aber wer Eins und Eins zusammenzählen konnte, wusste schnell, was gemeint war und Rabastan hatte viel zu viel Geltungsbedürfnis, um seinen Mund zu halten. Er redete mit seinen Freunden fast über nichts anderes mehr und setzte sich dabei in Szene.

„Fast wie Potter", dachte Severus.

Es war egal! Sie waren Idioten, wenn sie das Todessertum für so niedrige Zwecke missbrauchten. Man wurde nicht Todesser, damit man was zu reden hatte! Severus brauchte diese Angebereien und das Gefasel nicht.

Er war noch mit seinen Gedanken beschäftigt, als er auf einmal einen einsamen und ziemlich käsegesichtigen Lupin durch den Rundbogen in den Flur treten sah.

Er schaute ihn an, aber Lupin schien ihn nicht zu sehen.

Er sah, wie Lupin in die entgegengesetzte Richtung davonlief und durch die Tür zu den Jungentoiletten verschwand.

Severus stand auf und folgte ihm.

ooOoo

Er betrat den Raum, an dessen rechter Seite eine Reihe von Porzellanwaschbecken angebracht war, über denen ein langer und teils blinder Spiegel hing. Links neben ihm und an der gegenüber liegenden Wand befand sich jeweils eine Reihe Toiletten. Der Boden war dreckig vom Matsch der Schuhe.

Als er eintrat, knarrte die alte Holztür und seine Schritte hallten von den hohen Steinwänden wieder. Als die Tür wieder ins Schloss fiel, wurden jedoch jegliche Hofgeräusche ausgesperrt.

Auf einmal glaubte Severus seinen eigenen Herzschlag hören zu können. Er wollte nicht, dass es so aussah, als wäre er Lupin gefolgt, deshalb trat er ohne sich umzusehen an eines der Waschbecken und drehte den Hahn auf. Während er sich die Hände wusch, zeigte ihm ein schneller Blick in den Spiegel, dass Lupin an der hinteren freien Wand lehnte, die ein bisschen im Dunkeln lag, und er zeigte ihm auch, dass Lupin ihn schon bemerkt hatte.

Das Plätschern des Wassers und das Gurgeln des Abflusses erfüllten den hellhörigen Raum.

Severus wollte Lupin unter Druck setzen. Er wollte ihn beobachten und er wollte auch sehen, dass sich Lupin verriet. Wollte, dass er zeigte, was er wirklich war. Severus hatte das ständige Lächeln des Gryffindors während der letzten Tage hassen gelernt. Er wollte die Wahrheit wissen. Wenn es Lupin schlecht ging, warum zeigte er das nicht? Nicht einmal seine Freunde Black und Potter schienen es zu wissen. Und Lupin machte dann nachts solche gefährlichen Experimente auf dem Jungenklo!

Nach einigen Minuten, die Severus verstreichen ließ, um Lupin Gelegenheit zu geben seine ‚Maske' wieder aufzusetzen, drehte er den Hahn zu, richtete sich auf und schaute in den Spiegel.

Der Gryffindor war verschwunden.

ooOoo

Zehn Minuten später saß Severus wieder im Zaubertrankunterricht. Er hatte wirklich alle Kabinen und jeden Winkel der Toiletten abgesucht, aber Lupin war einfach nicht mehr da gewesen.

Er hatte die Wände auf versteckte Geheimgänge untersucht, aber nichts gefunden und er hatte jeden ihm bekannten Enthüllungszauber angewendet; ohne Erfolg.

Jetzt stand der Gryffindor vier Reihen vor ihm an seinem Kessel und drehte ihm stur den Rücken zu, während er Nieswurz in seinen Trank schnippelte.

Severus wurmte es. Er konnte es sich einfach nicht erklären. Wie hatte Lupin so unbemerkt verschwinden können? Severus hatte doch nur für wenige Minuten nicht hingesehen und wenn Lupin den Raum verlassen hätte, hätte er es doch gehört!

‚Was, wenn Lupin doch noch da war?', dachte Severus erschrocken. Dann hätte er sich verraten.

‚Arg! Es ist doch zum Auswachsen! Seit vier Tagen krieg ich diesen blöden Werwolf nicht mehr aus meinem Kopf!' dachte Severus.

Wütend über sich selber und völlig in Gedanken packte er statt dem zu verwendenden Wogapi-Gallenextrakt die Flasche mit der Buttersäure und …

Remus stand tief über seinen Kessel gebeugt und beäugte misstrauisch das Gebräu, welches er nach der Anleitung an der Tafel zusammengebraut hatte. Es war weder gelb noch klar geworden, sondern eher bräunlich, schmierig und undurchsichtig. Er war wohl doch nicht so gut in Zaubertränke, wie er geglaubt hatte, andererseits war seine Konzentration heute auch nicht die beste.

Er war in der Pause aufs Klo gegangen, nicht weil er musste, sondern weil er einen Platz brauchte, an dem er allein sein konnte. In letzter Zeit gab es immer wieder Streit mit Sirius. Er war es so leid! Er brauchte nicht noch mehr Abenteuer, nicht noch mehr Aufregung und auch nicht noch mehr Ärger. Aber das verstand dieser Sturkopf ja nicht, und Remus konnte es ihm auch nicht sagen.

Kaum hatte er sich an das kalte Mauerwerk gelehnt und die Augen geschlossen, ging die Tür auf und Severus war herein getreten.

Remus verhielt sich ganz still. Er wollte nicht auch noch eine Auseinandersetzung mit dem Slytherin, der bestimmt ebenso uneinsichtig und schwierig war wie Sirius.

Zu seinem Glück schien ihn Severus nicht zu bemerken. Remus wollte am liebsten ungesehen verschwinden, aber wie sollte er das anstellen? Er warf einen suchenden Blick auf seine Schultasche.

Gestern erst hatte er James Tarnumhang im Gemeinschaftsraum unter einem der Tische gefunden, wo er dem Gryffindor aus der Tasche gefallen sein musste, hatte aber vergessen, ihn ihm zurückzugeben. Wenn er es schaffte ihn überzustreifen, dann konnte er auch warten, bis Severus den Raum wieder verlassen würde.

Er ging langsam in die Hocke und beobachtete den Slytherin dabei angestrengt, der noch immer dabei war, seine Hände zu waschen. Sein Herz schlug kräftig in seiner Brust. Er kramte leise den Umhang aus seiner Tasche. Mit flinken Fingern wand er ihn heraus und warf ihn sich über. Dann verschwand er tiefer in den Schatten des Raumes.

Keine zwei Sekunden später drehte Severus am Hahn des Waschbeckens und Remus erwartete, dass er nun gehen würde. Er beobachtete ihn, wie er den Kopf hob und ihm durch den Spiegel direkt in die Augen sah. Remus schluckte. Der Slytherin warf den Kopf herum und blickte suchend auf die Stelle, wo Remus noch immer stand. Unsichtbar und vor Schreck bewegungslos.

„Was…?" entfuhr es Severus. Dann stürzte der Slytherin direkt auf Remus zu. Remus drückte sich ganz nah an die Wand und wagte nicht zu atmen. Er bereute schon, sich der Situation nicht gestellt zu haben und dass er jetzt Gefahr lief, von Severus enttarnt zu werden.

Der Slytherin inspizierte die Toilettenkabine. Er stand kaum einen halben Meter von Remus entfernt und drohte immer näher zu kommen.

Die Augen in tiefster Konzentration zusammen gepresst sah sich Severus erneut im Raum um, horchte, und Remus konnte für eine winzige Sekunde spüren, wie Severus zitterte. Die warmen Wellen, die von seinem Körper ausgingen, streiften Remus. Dann riss der Slytherin die Türen der anderen Kabinen auf. Remus hätte es beinahe nicht geschafft sich aus dem Weg zu drücken, und vor Aufregung brach ihm der Schweiß aus.

Severus musste wissen, dass er hier war. Er musste ihn doch gesehen haben. Aber er durfte ihn jetzt nicht finden! Nicht mit Tarnumhang! Er würde bestimmt sofort zu den Lehrern rennen und die würden dann James' Umhang an sich nehmen, und dann…

‚Das würde er mir nie verzeihen!' dachte Remus fast panisch.

Irgendwann ging Severus dazu über, Enthüllungszauber auf alle möglichen Gegenstände anzuwenden. Remus hatte es geschafft sich in die andere Ecke des Raumes zu manövrieren und beobachtete Severus' Treiben mit größter Verblüffung.

‚Was tut er denn da? Was sucht er denn?' fragte er sich.

Er sah Severus' Gesichtsausdruck, der immer fragender und immer frustrierter wurde. Beobachtete, wie sich der Slytherin die langen schwarzen Haare aus dem Gesicht strich und sich grübelnd über die Nasenwurzel fuhr. Remus staunte nicht schlecht über dieses Schauspiel.

Ein letzter Blick durch den Raum, ein leise geknirschtes: „Das kann doch nicht wahr sein!" und Severus verließ den Raum. Remus atmete erleichtert aus. Er wartete noch mehrere Minuten bevor auch er ging; den Tarnumhang wieder sicher in seiner Schultasche verstaut.

Die Pausenglocke kündigte die neue Stunde an.

Remus rührte gerade in seinem Trank, als es hinten im Raum gewaltig krachte. Einem erschreckten Aufschrei folgte eine dichte Rauchwolke. Einige Schüler von den hinteren Plätzen flüchteten hustend auf den Gang. Professor Hays reagierte sofort und wechselte mit einem Zauber die Luft des Kellerraumes. Schlagartig wurde diese wieder atembar und der Qualm verschwand und alles was zurückblieb, war ein ziemlich rußgeschwärzter und verwirrt dreinschauender Severus Snape.


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