Ich weiß, ich weiß... man kann mich hängen, lynchen, vierteilen und alles mögliche, aber schneller ging es wirklich nicht!
Die ist nun die Update-Version. Mei, mei, da hab ich mir jetzt aber wirklich noch Mühe gegeben. Grundlegend hat sich aber nichts verändert.
Vielen Dank an meine Beta Sabinsche, die einen ganz tollen Job macht! knuddel
Ich würde mich über jegliches Review freuen!



Kapitel 5:

Der nächste Morgen brachte das gleiche nieselige Wetter, mit dem der alte Tag aufgehört hatte. Der Gryffindorschlafsaal war in ein seltsames Licht getaucht; schwefelig gelb war der Himmel draußen. Remus schälte sich frustriert aus seiner kuschelig warmen Decke. Er hatte nicht sehr gut geschlafen. Woran das lag, spürte er schon in seinen Knochen: Morgen war Vollmond.

„Guten Mooorgen, Remy!" stöhnte Sirius, der in Boxershorts vor seinem Himmelbett stand und sich genüsslich streckte. In einem anderen Bett lugte James' wuscheliger Schopf unter der Bettdecke hervor und ein Brummeln signalisierte, dass er noch nicht bereit war den neuen Tag zu beginnen. Peter schlief ebenfalls noch, seine dicken roten Bettvorhänge waren zugezogen.

„Morgen." Remus warf dem schwarzhaarigen Gryffindor einen kurzen Blick zu und rubbelte sich mit den Händen über die Augen. Sie schmerzten und fühlten sich verquollen an. Seine Gelenke waren steif und in seinem Magen rumorte es. Schlaftrunken blieb er auf seinem Bett sitzen und versuchte wach zu werden.

‚Garantiert sehe ich so beschissen aus, wie ich mich fühle', dachte er bei sich.

„Ich weiß, du bewunderst, was du hier siehst, aber du darfst ruhig gucken", grinste Sirius in seiner guten Laune.

„Idiot", erwiderte Remus. Sirius lachte lautlos und fischte ein Handtuch aus seinem Schrank.

„Da hat aber jemand gute Laune!" sagte er schalkhaft.

„Hättest du auch, wenn du aufwachst und sich dein Körper anfühlt, als hätte man auf ihn eingeprügelt", erklärte Remus, stand auf, ging zu seinem Schrank und kramte nach einem Paar frischer Socken.

„Oh-oooh! Haben wir vielleicht eine kleine Verspannung?" sagte Sirius und Remus spürte plötzlich zwei starke Hände auf seinen Schultern, die anfingen ihn mit geschickten Bewegungen zu massieren. Er wollte sie schon abschütteln und mit einem ärgerlichen Kommentar etwas entgegnen, doch sein Körper nahm die Massage so wohlwollend auf, dass ihm jegliches Wort versiegte. Er legte den Kopf auf seine Brust, um Sirius mehr Platz zu bieten. Er fühlte wie er sich zunehmend entspannte, doch dann hörte die Berührung plötzlich auf und er spürte warmen Atem an seinem Ohr.

„Ich weiß, was noch dagegen hilft", lächelte Sirius und hieb ihm mit seinem Handtuch, das er auf seiner Schulter abgelegt hatte, auf den Po. „Ein warmes Bad."

Remus funkelte ihn anklagend an.

„Ach ja? Du denkst wohl, ich teile meine Vertrauensschülervorteile mit einem einfachen Schüler?"

Sirius drehte sich zu ihm um.

„Du willst den ganzen Luxus doch nicht für dich allein beanspruchen, oder? Dass ihr Vertrauensschüler auch gleich so abheben müsst! Pfui, sage ich! Pfui!"

„Ist ja gut. Ist ja gut", lächelte Remus. Er schnappte sich sein Handtuch und die beiden verließen den Schlafsaal.

Es war noch etwas früh und viele Schüler lagen noch in ihren Betten. Die Gänge und die Wendeltreppe, die in den unteren Teil des Turmes führte, wo sich die Waschräume befanden, waren menschenleer.

Sirius redete auf dem Weg zum Bad der Vertrauensschüler ununterbrochen über die Vorteile dieses Titels und Remus hätte ihm am liebsten den Mund zugehext, um den frühmorgendlichen Redeschwall seines Freundes zu stoppen.

„Weißt du, es ist schon seltsam", sagte Sirius und hielt nachdenklich inne. „Eigentlich müsst ihr gar nichts tun und bekommt trotzdem Vergünstigungen, und jede Ausrede zieht bei den Lehrern, egal, in welcher Situation man steckt. Eigentlich ziemlich unfair, meinst du nicht auch?!"

„Du solltest dich gerade beschweren! Ich glaube, ich kenne wirklich keinen, der es besser schafft, die Vorteile eines Vertrauensschülers für sich zu nutzen, als du", erwiderte Remus belustigt. „Und außerdem stecken eine ganze Menge Aufgaben dahinter. Kümmere du dich doch mal um die Sorgen der Erstklässler, dass der eine oder andere Lehrer sie nicht leiden kann oder dass der ein oder andere Schüler gemein zu ihnen war."

Von Sirius kam ein wenig begeisterter Laut. „Nee, das überlass ich dir. Du bist geduldiger als ich."

Sie erreichten das Bad der Vertrauensschüler und Remus hob seinen Zauberstab, richtete ihn auf die Tür und sagte: „Zum Kuckuck noch mal." Die Tür sprang auf und ließ sie eintreten.

Sie standen in einem viereckigen Raum, in dessen Mitte ein riesiges Becken in den Boden eingelassen war. Glänzende Messingrohre bogen sich ein Stück über den Rand hinab. Es war sogar genug Platz, um ein bisschen zu schwimmen. Der Boden und die Wände waren aus geschliffenem Stein und durch ein Fenster mit einer aus Buntglas zusammengesetzten Nixe fiel ein wenig Licht. An den Wänden hingen erleuchtete Kerzenständer zwischen aufwändig gearbeiteten Wandteppichen mit Seemotiven, und es gab eine Bank, auf der sie ihre Sachen ablegen konnten.

Sie zogen sich aus, während aus den Messingrohren bunter Seifenschaum und Wasser in das Becken lief, das sich nun langsam füllte.

„Das neue Passwort heißt ‚Zum Kuckuck noch mal'?" fragte Sirius, während er sich seine Boxershorts auszog.

„Ja", sagte Remus und legte sein gefaltetes Pyjamahemd auf die Bank. „Das letzte Passwort war zu kompliziert zu merken, und als irgendwann alle Vertrauensschüler vor der Tür standen und keiner hinein kam, hat Lily wütend ‚Zum Kuckuck noch mal' gerufen und Professor McGonagall hat dies gleich als neues Passwort festgelegt."

„Ihr Humor ist recht merkwürdig", bemerkte Sirius.

„Allerdings", bestätigte Remus.

Sirius stieg ins Becken und tauchte sofort ab. Remus schaute in den großen Spiegel zu seiner Linken. Sein junger Körper war mit Narben übersät. An seinen Seiten, der Brust und auf dem Rücken war es am schlimmsten. Einen Moment lang betrachtete er sich, drehte sich zu allen Seiten und fühlte über die frischeren Schnitte.

„Hey!" rief Sirius, und Remus schaute ihn aus dem Spiegel heraus an. „Du bist schön genug, Madonna. Komm endlich rein."

Er stieg aus dem Becken und präsentierte sich glänzend nass (und nackt) hinter Remus, was dieser im Spiegel sah.

Langsam kam er näher, lehnte sich schließlich vor und flüsterte in Remus' Ohr:

„Madooonnaa, Madooonnaa..."

„Ach, halt die Klappe, du!" sagte Remus unwirsch. Sirius umgriff von hinten seine Hüfte und sie rangelten sich, wobei Sirius ihn zurück zog und sie kopfüber in das Becken fielen.

Prustend und hustend tauchten sie wieder auf.

„Uhhh! Ich hab Seife in den Augen", sagte Remus anklagend.

Er sah Sirius vorwurfsvoll an, doch der blickte starr und klammerte sich mit einer Hand am Beckenrand fest.

„Was ist los?" fragte Remus besorgt. „Was hast du?"

„Du – hast -- mir in die Eier getreten...", keuchte Black.

ooOoo

„Und es ist trotzdem deine Schuld!" sagte Remus, als sie den Schlafsaal wieder betraten.

„Konnte ich ahnen, dass du gleich so brutal wirst?" fragte Sirius und setzte sich, so vorsichtig wie möglich, auf seine Matratze.

„Was ist passiert?" fragte James, der anscheinend auch schon geduscht hatte und sich gerade anzog. Peter saß schon angezogen auf seinem Bett.

„Etwas Schmerzhaftes", stöhnte Sirius und guckte gequält.

„Ich hab' ihm in die Eier getreten", erzählte Remus gelassen und rubbelte sein Haar trocken. „Aus Versehen."

„'Aus Versehen' hat es sich aber nicht angefühlt!" stöhnte Sirius.

„Tja, mein Lieber, das kommt davon, wenn du dich so ungestüm an Leute ran machst", sagte James und grinste.

„Ich hab mich nicht an ihn rangema--" empörte sich Sirius.

„Oh Weia, Remus! Wird Amy da nicht furchtbar eifersüchtig sein?" unterbrach ihn James und er und Remus grinsten sich an. Remus nahm sich eine frische Unterhose aus seinem Schrank.

„Hey! Moment mal--"

„Auf wen soll ich eifersüchtig sein?" fragte plötzlich eine Mädchenstimme und Remus und Sirius, die noch halb nackt waren, schreckten heftig zusammen und versuchten ihre Blöße zu bedecken. Remus schnappte in Ermangelung anderer Möglichkeiten nach seinem Bettvorhang und hielt ihn sich vor den Körper. Sirius hielt sich lediglich die Hände vor sein Gemächt.

Peter und James brachen laut in Lachen aus und lagen nach kurzer Zeit auf dem Boden und hielten sich die Bäuche.

„Raus hier, Maynard! Und zwar sofort!" sagte Sirius streng und bedachte das hübsche Mädchen mit den kurzen braunen Haaren mit einem bösen Blick.

Dieses lächelte nur verschmitzt und trat einen Schritt in den Jungenschlafsaal. Amy musterte Sirius mit ihren haselnussbraunen Augen von oben bis unten und wandte den Blick dann zu Remus, der mit hochrotem Kopf hinter seinem Bettvorhang stand.

„Sexy Körper, Remus", sagte sie und man konnte förmlich sehen, wie Remus' Gesicht noch ein paar Nuancen röter wurde.

„Jetzt reicht es aber!" sagte Sirius, schnappte sich sein Handtuch, band es sich um die Hüften und stellte sich in Amys Sichtfeld, so dass sie ihn zwingend ansehen musste. „Wie heißt noch mal dein Freund?" fragte er gebieterisch.

„Hmm... ich glaube‚Sirius Black' ist sein Name", sagte sie überlegend und lugte über Sirius' Schulter zu Remus hinüber.

„Richtig!" sagte Sirius barsch und versuchte die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen.

„Deshalb ist es dir strengstens verboten, deine Augen auf so ausziehende Weise auf einen meiner Freunde zu richten!"

„Oh, ich glaube, er war schon nackt, bevor ich mein Auge auf ihn geworfen habe. Ach, aber bevor ich es vergesse: Ich brauche deine Hausaufgaben für Kräuterkunde", schnurrte Amy.

Sirius seufzte, wühlte in seiner Tasche herum und warf dem Mädchen eine Pergamentrolle entgegen. „Hier hast du sie. Und jetzt raus!"

„Danke Schatz!" säuselte sie und verließ grinsend den Schlafsaal der Jungen.

„Sie ist der Teufel!" sagte Sirius bitter.

„Ja, das ist sie", bestätigte Remus aufatmend und James wischte sich eine Lachträne aus den Augen.

ooOoo

Das Frühstück kam und ging und Remus, der nur sehr wenig zu sich genommen hatte, steuerte mit seinen Freunden auf das Verwandlungsklassenzimmer zu. Vor dem Klassenzimmer hatte sich schon eine Traube von Schülern gebildet. Noch ein Fach, das sie mit den Slytherins zusammen belegten. Während sie warteten, verabschiedete sich James und ging zu Lily Evans hinüber, und auch Sirius ging zu seiner Freundin. Es war etwas völlig anderes zwischen Sirius und Amy, als bei James und Lily. Während James sich eher erfolglos bemühte Lily für sich zu gewinnen und Lily ihm eisern, aber nicht abschätzig die kalte Schulter zeigte, schienen Sirius und Amy eine Art Machtkampf um den jeweils anderen auszufechten. Vor ein paar Jahren konnte Sirius noch kein gutes Haar an dem Mädchen lassen, das immer so selbstgerecht daherkam und keine Gelegenheit ausließ einen abfälligen Kommentar abzugeben, aber nun hatte sich so etwas wie eine Hassliebe entwickelt, ein Spiel, das die beiden dazu nutzten ihre Grenzen auszutesten.

‚Ihre sexuellen Grenzen nicht ausgeschlossen', dachte Remus und wurde bei dem Gedanken ein wenig verlegen. Nie sah man die beiden zusammen knutschen oder sich gar umarmen, oder kuscheln, aber immer, wenn sie Sirius diesen speziellen Blick zuwarf, waren beide nach kurzer Zeit für eine Weile verschwunden. Meistens geschah dies nach einem ihrer vielen Streits. Und streiten konnten sie gut.

Remus konnte sich seinen Kumpel nicht in einer richtigen Beziehung vorstellen. Dafür war Sirius einfach zu wild, oder noch nicht reif genug.

Remus' Blick schweifte umher. In einiger Entfernung sah er Severus Snape alleine an einer Wand lehnen. Seine schwarzen Haare hingen ihm von beiden Seiten ins Gesicht, so dass Remus dessen Ausdruck nicht sehen konnte. Er hielt seine Tasche mit beiden Armen vor dem Bauch und starrte geradeaus. Keiner schien ihn zu beachten. Remus überlegte, ob er ihn beim Frühstück gesehen hatte, aber er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern. Dabei war er eigentlich nicht zu übersehen mit den bunten Flecken.

Professor McGonagall erschien, schloss den Unterrichtsraum auf und verhinderte weitere Überlegungen in diese Richtung. Remus nahm seinen Platz neben Peter in der zweiten Reihe ein und breitete seine Unterlagen aus. Währenddessen gingen Sirius und James zu Professor McGonagall und gaben ihre Strafarbeiten ab. Remus hatte Sirius' Arbeit gelesen: „Warum mein Verhalten falsch war" war die von McGonagall vorgeschriebene Überschrift, der Rest hatte sehr wenig mit dem gestrigen Vorfall zu tun. Sirius hatte gesagt, er wollte erst „Warum mein Verhalten falsch war und ich Schniefelus nicht gleich verhext habe" schreiben, aber er hatte eingesehen, dass er sich den Ärger sparen könnte.

„Was soll das heißen, Sie haben Ihre Strafarbeit nicht gemacht?" hörte Remus Professor McGonagall verärgert fragen und blickte nach vorne. Dort stand Severus mit eingefallenen Schultern und sah sich dem stechenden Blick Minerva McGonagalls völlig schutzlos ausgeliefert.

„Nachsitzen, Mister Snape. Um Acht!"

Er nickte kurz und begab sich wortlos wieder zu seinem Platz in der hintersten Ecke des Raumes.

Remus blickte zu Sirius und James. James warf ihm einen viel sagenden Blick zu und Sirius hatte einen Ausdruck von Genugtuung im Gesicht.

Das war seltsam. Noch nie hatte Remus erlebt, dass der schwarzhaarige Slytherin eine Strafarbeit nicht gemacht hatte. Sie hatten schon sehr oft gemeinsam mit ihm Strafarbeiten ausführen müssen, besonders in ihren ersten beiden Jahren in Hogwarts, als die Reibereien zwischen ihnen viel öfter, aber noch lange nicht so heftig abliefen wie jetzt. Weder bei schriftlichen noch bei handwerklichen Arbeiten hatte der Slytherin sich je geweigert oder beschwert, sondern hatte die Zeit stillschweigend verbracht und war dabei meisten noch nicht einmal zu provozieren gewesen, was Sirius und James immer wieder versucht hatten.

Die Stunde schritt voran. Sie mussten in Zweiergruppen arbeiten, wobei sie sich im Raum verteilten, um mehr Platz zum Üben haben. Sie sollten ihre Tiere in Lehnstühle verwandeln. Remus arbeitete mit Peter zusammen und hatte nach kurzer Zeit den Dreh raus und verzauberte seinen Leguan geschickt in einen hölzernen Lehnstuhl, während Peter einen alten Klappstuhl zustande brachte, der zusammenzubrechen schien, wenn man ihn nur schief anguckte.

Remus beobachtete die anderen Gruppen. Vereinzelt hatten Schüler ebenfalls schon Stühle zustande gebracht, manche mehr und manche weniger stabil.

Im hinteren Teil des Raumes saß Severus Snape in einem mächtigen, schmuckvoll verzierten, mannshohen Lehnstuhl mit Lederpolsterung und wachte grimmig über seine Schulkameraden. Remus gestand sich ein Staunen über dessen Können zu. Für den Bruchteil einer Sekunde begegneten sich ihre Blicke.

Das kalte Glitzern in Severus' Augen ging Remus bis unter die Haut. Man mochte Severus soviel verhöhnen wie man wollte, aber dieser Blick machte einem Angst!

Oder war es nur der Blick, mit dem der Slytherin ihn ansah, den Werwolf in ihm? Das Untier, die verabscheuungswürdige Kreatur?

Was musste er nur von ihm denken? Nach der einen Nacht bei der peitschenden Weide und nach der Nacht, in der Severus ihn bei seinem misslungenen Experiment erwischt hatte?

Severus hatte Dumbledore versprechen müssen, dass er niemanden etwas von Remus' Geheimnis verraten würde, doch das änderte nichts daran, dass Remus zweifelte. Und es änderte auch nichts daran, dass Remus immer noch Angst hatte. Er hätte Severus beißen können! Und egal, wie nervig und aufdringlich der Slytherin war, das hätte er nicht verdient!

‚Habe ich mich eigentlich schon bei ihm bedankt? Natürlich habe ich das, ich bin schließlich Remus Lupin!' überlegte Remus. ‚Oder... habe ich? Ich -- nein, ich hab's vergessen...'

ooOoo

Als sie auf dem Weg zu Geschichte der Zauberei waren, sprach James das Thema an.

„Kam euch das nicht gerade auch komisch vor? Schniefelus hat noch nie – und zwar wirklich noch nie - nie - nie - seine Strafarbeiten nicht gemacht! Und ich kann das bezeugen, ich bin schließlich der Grund für neunzig Prozent davon."

„Stimmt. Stock innen Arsch, zwei mal umdrehen und du hast 'nen angespitzten Bleistift!" sagte Sirius und lachte.

„Du bist nicht nur der Grund, du warst auch bei fast allen dabei", berichtigte Remus und ignorierte Sirius' Kommentar, „was daran liegt, dass auch er in neunzig Prozent der Fälle der Grund für Strafarbeiten bei dir ist. Also bloß kein falscher Stolz."

„Nein, das waren höchstens achtzig Prozent", sagte James abschätzend.

„Hat ihn bestimmt überfordert, die ganze Selbstkritik und so...", meinte Sirius.

„Und wenn schon", sagte Remus. „Dann hat er wenigstens nicht so ein Geschwafel geschrieben wie du!"

„Kommt es mir nur so vor, oder verteidigst du Snape gerade?" fragte James.

„Nein", sagte Remus bestimmt. „Ich trage nur die Fakten zusammen."

„Hey!" rief Peter „Da ist er!"

Die drei folgten Peters Blick und sahen Severus still am Rande einer kleinen Slytheringruppe, bestehend aus Lestrange, Nott und Gallahan, stehen. Sie redeten und schienen ihn nicht weiter zu beachten.

„Sieht immer noch aus wie ein Leuchtreklameschild der Muggel", stellte Sirius mit Genugtuung fest.

„Ob das wehtut?" fragte Peter.

„Ach quatsch!", sagte James. „Aber passt auf! Das wird wehtun!"

„James!" zischte Remus, als er sah, dass James seinen Zauberstab herausholte. „Was hast du vor? Du kannst doch hier nicht einfach--!"

„Reg dich ab, Moony. Ich will ihn nur ein bisschen kitzeln", sagte James und schlich davon.

Sirius zuckte entschuldigend die Schultern und verschwand ebenfalls.

„Ihr seid unmöglich!" zischte Remus ihnen hinterher.

„Lass sie doch", meinte Peter gelassen „Es ist doch nur Schniefelus."

„Aaargh!" stieß Remus aus und verschwand in ihrem Klassenzimmer.

ooOoo

Was immer James getan hatte, er hatte es nicht gründlich genug gemacht. Er, Sirius und Peter kamen nur wenig später zu Remus und setzten sich, verdrießlich dreinschauend, neben ihn.

„Und?" fragte Remus nach einer Weile des Schweigens. „War es denn lustig?"

Die drei ignorierten die Frage schlicht und packten ihre Unterlagen aus. Remus runzelte fragend die Stirn, bekam aber trotzdem keine Antwort.

‚Na schön', dachte er, ‚soll mir recht sein.'

ooOoo

Nach dem Mittagessen, bei dem er sich immer wieder umgeschaut hatte und sich nun völlig sicher war, dass er Snape nirgends ausmachen konnte, machte sich Remus allein auf den Weg in die Bibliothek. Peter hatte ihn zwar gefragt, ob er mitgehen solle, aber Remus hatte noch etwas vor. Etwas, das er lieber alleine erledigen wollte.

Er betrat die riesige Bibliothek. Hier war es angenehm warm und ruhig. Er war sich sicher, dass er hier finden würde, wonach er suchte.

Und richtig! Das „Objekt der Begierde" hockte wie erwartet hinter einem Stapel Bücher in der hintersten Ecke der Bibliothek auf einem Stuhl und hatte seine große Nase in ein in Leder gebundenes Buch gesteckt. Der helle Glanz der Kerzen spiegelte sich in seinem fettigen, strähnigen Haar wider.

Remus zögerte. Er war nervös. Severus war nicht umsonst niemandes Liebling und würde es ihm bestimmt nicht leicht machen zu sagen, was er sagen wollte.

‚Was bist du denn auf einmal so feige, hä? Du bist schließlich ein Gryffindor und Gryffindors sind mutig. Oder wie war das...? Warum bin ich dann so aufgeregt?' fragte er sich.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass er Severus noch kein einziges Mal einfach so angesprochen hatte. Dafür hatten immer andere gesorgt, zumeist Sirius oder James. So ein Mist!

„Hi", sagte Remus, als er vor Severus stand, der seine Nase aus dem Schmöker hob.

Severus' Blick verfinsterte sich, als er Remus erkannte und er klappte das Buch zu, in dem er gelesen hatte. Eine Hand glitt unter den Tisch, wahrscheinlich zu seinem Zauberstab.

„Verschwinde, Lupin!" schnarrte Severus bedrohlich.

„Ich wollte nur kurz mit dir reden", sagte Remus unverwandt.

„Ich wüsste nicht, worüber", sagte Severus abweisend.

„Über das, was in der Nacht in den Toiletten passiert ist", flüsterte Remus.

Severus schien kurz zu überlegen.

„Da gibt es nichts zu reden. Außer natürlich, wenn du vor hast, es ein weiteres Mal auszuprobieren. Dann würde ich dir raten, vorher ein Testament aufzusetzen", sagte Severus mit sarkastischem Tonfall.

„Nein", sagte Remus, „ich weiß, dass es dumm war, aber darum geht es nicht—„

„Das war es allerdings", unterbrach ihn Severus und in seinen kalten Augen glitzerte es.

„Ja, schön. Und es mag auch etwas riskant gewesen sein--"

„Schon wieder eine Untertreibung", stellte Severus fest und fixierte Remus' Blick.

„Bist du fertig? Du verschwendest meine Zeit und hast mir bis jetzt noch nichts gesagt, was ich nicht schon wüsste", sagte Severus und wandte seinen Blick von Remus ab.

‚Dieser Kerl ist unmöglich!' dachte Remus. ‚Aber gut. Schließlich hast du nichts anderes erwartet.

„Ich wollte dir nur danken, dass du mir in der Nacht geholfen hast und-- "

Severus lachte kalt und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, so dass Remus sehen konnte, dass er mit einer Hand wirklich seinen Zauberstab ergriffen hatte.

„Lupin!" knurrte Severus und wirkte dabei auf einmal wütend „Verarsch mich nicht!"

„Das tu ich nicht", erwiderte Remus und verlagerte sein Gewicht von einem auf den anderen Fuß. „Ich bin dir wirklich sehr dankbar--"

„Wirklich?" knurrte Severus und legte bedrohlich seine Hand mit dem Zauberstab auf den Buchdeckel. „Wie konnte ich nur etwas anderes vermuten?" Seine Stimme war voll Bitterkeit. „Bei so einem hilfsbereiten, ehrlichen und wagemutigen Gryffindor. Aber ohh...! Du hast mich überzeugt! Jemand, der tatenlos daneben steht, während seine Freunde andere Schüler verhexen und bloßstellen, kommt nicht daher und macht sich über andere lustig!"

Remus war über die Direktheit des Slytherin nicht halb so sehr überrascht, wie er geschockt war über das, was er sagte. Und Severus wollte es wohl nicht dabei bewenden lassen.

„Glaubst du etwa allen Ernstes, ich hätte dir ‚geholfen' – und das sei mal so dahin gestellt – nur weil du mich darum gebeten hast? Angefleht, sollte man eher sagen! Nein." Severus' Gesicht glühte in grünen Farben auf, was ihm den Ausdruck einer grinsenden Grimasse verlieh. Remus schaute in die dunklen Augen, die ihn anstarrten und die auf jede Bewegung in seinem Gesicht achteten.

„Aber warum--?" fragte Remus, und er meinte es ehrlich. Er hatte keinen blassen Schimmer, was in Severus' Kopf vorging. Zudem kündigten sich Kopfschmerzen bei ihm an. „Das verstehe ich nicht."

Severus öffnete den Mund, um zu antworten, als Madame Pince plötzlich hinter Remus erschien, die Augenbrauen missfällig zusammengezogen.

„Sie beide!" zischte die ansonsten so ruhige Bibliothekarin. „Dies ist eine Bibliothek und kein Jahrmarkt! Wenn Sie sich unterhalten wollen, dann tun Sie das draußen!"

„Entschuldigung", sagten Remus und Severus synchron, woraufhin Remus lächeln musste. Die kleine dürre Bibliothekarin ordnete zwei Bücher in das Regal neben Remus ein, wurde dann von einem kleinen Hufflepuffmädchen um Hilfe gebeten und verschwand.

Dann waren sie wieder allein und Remus hatte gar kein Bedürfnis mehr zu erfahren, was die Beweggründe von Severus waren. Er würde sich doch eh nur wieder irgendwelche Spitzfindigkeiten anhören dürfen, und darauf konnte er ehrlich verzichten. Seine Schläfe fing zu pochen an; das erste Symptom seiner baldigen Verwandlung. Seltsamerweise kam es diesmal sehr früh. Er rieb sich einmal über die Augen, doch der Schmerz blieb, dann schaute er wieder zu Severus.

Die Miene des schwarzhaarigen Slytherin war verschlossen. Seine Farbflecken wechselten von grün auf rot und von rot auf violett. Remus betrachtete sie wie ein spannendes Schauspiel.

„Was starrst du so?" blaffte Severus ihn an, aber so leise, dass sie nicht Gefahr liefen wieder von Madame Pince zurecht gepfiffen zu werden.

„Warum hast du das immer noch?" fragte Remus neugierig und wies auf Severus' Gesicht. „Madame Pomfrey kann das doch sicher heilen."

„Nein, anscheinend nicht. Aber ich wüsste nicht, was dich das angeht", zischte Severus.

„Das ist wirklich seltsam", entgegnete Remus, ohne etwas auf Severus' harschen Ton zu geben. „Kam das von der Explosion? Vielleicht eine thermotoxische Reaktion der Hypoderma mit den Alraunenblättern oder dem Wogapi-Gallenextrakt. Oder eine--"

„Lupin! Wenn es weder Madame Pomfrey noch die Medihexen des St.Mungus herausfinden konnten, dann wirst du es wohl auch kaum herausfinden, oder? Wir waren uns doch schon einig, dass deine Kenntnisse in Tränken nicht so weit entwickelt sind, wie sie es eigentlich sein könnten... außerdem habe ich das schon überprüft und ausgeschlossen", sagte Severus überlegen.

„Wirklich? Was, wenn es nicht heilbar ist?" sagte Remus mehr zu sich selbst.

„Dann sind schon zwei Leute mit unheilbaren Krankheiten in einem Raum", antwortete Severus dunkel.

Es dauerte etwas, bis Remus verstand, worauf der Slytherin anspielte.

„Und", fragte Severus und hatte ein diabolisches Grinsen aufgesetzt, „bin ich jetzt dran mit Fragen? Wie geht es uns denn so um diese Zeit des Monats? Kitzelt es schon in den Krallen?"

Remus schaute sein Gegenüber entsetzt an. Er musste erst kräftig schlucken, bevor er ein Wort herausbringen konnte. Wie konnte Severus dieses Thema so offen und dann auch noch so öffentlich ansprechen? Remus verspürte den Drang zu gehen.

„Noch... geht es mir gut", flüsterte er. „Aber darüber sollten wir nicht reden."

Er räusperte sich und tappte wieder von einem Fuß auf den anderen.

„Ich werd' jetzt besser gehen. Ich muss noch Hausaufgaben machen."

Remus wandte sich um und verließ die Bibliothek, ohne Severus noch einmal anzusehen. Seine Füße trugen ihn geradewegs in den Gryffindorgemeinschaftsraum. Er ließ sich in einen Sessel beim Kamin sinken und schaute in die Flammen.

ooOoo

„Hey, Moony!" sagte James und ließ sich in den Sessel neben Remus plumpsen. „Wie geht es dir? Du siehst so blass aus."

„Ich bin okay", antwortete Remus matt. Es war schon später Nachmittag.

„Wo warst du den ganzen Tag? Wir haben dich gesucht", sagte James und wirkte besorgt.

„Ich hatte ein Gespräch mit Snape", sagte Remus unüberlegt und biss sich auf die Innenseite seiner Lippe, als er es bemerkte.

„Ach ja?" fragte James ernst. „Was hat er gesagt? Wenn er dich beleidigt hat, dann sag es, dann werden wir uns mal mit ihm zusammen setzen und die Sache aus der Welt schaffen."

„Lass gut sein", seufzte Remus. James' blau-graue Augen beobachteten ihn. „Es war nichts", winkte Remus ab.

„Wie du meinst", sagte James und strich sich durch sein strubbeliges Haar.

„Wie läuft das Quidditchtraining?" fragte Remus, um das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.

„Super! Das Spiel nächste Woche werden wir gewinnen. Die Slytherins haben keine Chance!" Er lächelte sein Siegerlächeln. „Und den Quidditchpokal werde ich Lily schenken, dann wird sie nicht anders können und endlich mit mir ausgehen."

Remus musste grinsen.

„Na, ob das klappt? Ich schätze, das wird ihr nicht reichen", zweifelte Remus.

„Wie meinst du denn das?" fragte James ahnungslos.

„Er meint damit, dass sie immer noch sauer auf dich ist, weil du Snape ständig ärgerst", sagte Amy, die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war. Ihr kurzes braunes Haar stand fast so strubbelig von ihrem Kopf ab wie das von James. Ihre hübschen großen, braunen Augen hatten einen arroganten Ausdruck, was durch ihre abschätzig hochgezogenen Augenbrauen verstärkt wurde. Wie alle Mädchen trug sie eine Schuluniform, bestehend aus einem knielangen Faltenrock und einem schwarzen Pulli, aus dem der Kragen ihres weißen Hemdes herausragte. Ihre Tasche baumelte an ihrer Hand und ihr Umhang umschmiegte ihre schlanke Figur.

„Sie will jemanden, der sich nicht nur rechtschaffen gibt, sondern der sich auch so verhält", sagte Amy. „Wenn ihr mich fragt, sind das ziemlich utopische Vorstellungen! Aber wenn sie meint, dass sie sich so viel Mühe machen muss..."

James und Remus schauten sich verständnislos an. Amy betrachtete James eindringlich.

„Du hast keine Chance!" lachte sie und ging ohne ein weiteres Wort.

„Ich kann sie nicht mehr leiden", sagte James langsam, als das Mädchen außer Hörweite war.

Remus seufzte.