Hallöchen! Wie versprochen das nächste Kapitel, auch wenn die Reviewrate zum letzten mehr als nur gering war... egal. Vielleicht wird euch dieses Kapitel zu einem Review verleiten. :D
Viel Spaß!
Wie immer Vielen Dank an meine Beta Sabinsche! knuddel
Kapitel 7: Ein Becher heilsamer Nichtigkeit
Der Morgen danach war grausam. Severus' Laune schien einen neuen Tiefpunkt erreicht zu haben. Missmutig saß er am Haustisch der Slytherins beim Frühstück und kaute verbissen an seinem Toast.
Er hatte nicht nur nicht schlafen können. Als er gestern Abend in sein Bett steigen wollte, hatte er einen abgetrennten Froschkopf unter seinem Kopfkissen gefunden. Stinksauer war er zu Rabastan Lestrange gestürmt, doch der beteuerte, nur nichts davon zu wissen.
Die Nacht über hatte er kein Auge zugekriegt. Er konnte einfach nicht schlafen, wenn er wusste, dass ein Werwolf ganz in seiner Nähe war. Keine Minute hatte er seine Gedanken von Lupin ablenken können, und als er dann doch endlich eingeschlafen war, hatten ihn Alpträume geplagt. Dementsprechend energielos und reizbar war er heute morgen, und was noch schlimmer war: Die Flecken auf seiner Haut waren um ein Drittel gewachsen. Sie hatten sich über seine gesamten Unterarme und seinen Hals bis zu seiner Brust ausgebreitet, und Severus kriegte langsam Panik. Wenn doch endlich eine Nachricht vom St.Mungus käme!
Severus spähte zum Gryffindortisch herüber. Die Potterbande fehlte. ‚Hoffentlich sind sie tot', dachte er. Was für eine herrliche Wendung es doch wäre: Potter, Black und Pettigrew, getötet von ihrem eigenen Freund. Zerfleischt von der Bestie!
Severus schwelgte ein wenig in dieser Vorstellung, bis er von der Ankunft der Posteulen unterbrochen wurde. Eine Ausgabe des Tagespropheten landete vor seinem Teller, sowie eine kurze Mitteilung.
Mister Snape,
Kommen Sie vor Unterrichtsbeginn in den Krankenflügel. Das Gegenmittel ist eingetroffen.
-- Madame Pomfrey
Das musste man ihm nicht zweimal sagen. Er ließ alles stehen und liegen, schnappte sich nur seinen Tagespropheten und war schon auf dem Weg in den siebten Stock.
Er betrat den Krankenflügel. Durch die hohen Fensterscheiben fielen vereinzelt Sonnenstrahlen hinein. Die weißen Betten, die links und rechts aufgereiht standen, waren leer. Nur im hinteren Teil, nahe Madam Pomfreys Büro, war ein kleiner Bereich durch einen Vorhang abgetrennt.
Severus setzte sich auf das Bett gegenüber und wartete. Einen Moment später kam Madam Pomfrey mit einem Becher in der Hand aus ihrem Büro.
„Oh, da sind Sie ja. Das ging aber fix. Einen Moment Geduld noch", sagte die Heilerin. Severus nickte, auch wenn er es kaum noch aushielt. Madam Pomfrey verschwand mit dem Becher hinter dem Vorhang.
„Hier mein Lieber, trinken Sie das. Ich werde Ihnen in einer halben Stunde den nächsten Trank bringen. Bis dahin bleiben Sie liegen. Und trinken Sie auch von dem Tee." Die Vorhänge wurden erneut zur Seite geschoben und die Heilerin erschien.
„Jetzt haben Sie es bald hinter sich", lächelte sie ihn zuversichtlich an und verschwand erneut in ihrem Büro. ‚Hoffentlich,' dachte Severus aufgeregt. ‚Hoffentlich!'
Kurz darauf kam die Heilerin wieder heraus und hielt einen Becher und ein Stück Pergament in der Hand. Die Flüssigkeit, die sich im Becher befand, war blutrot und sah nicht Vertrauen erweckend aus.
„Was genau ist das, Madame Pomfrey?"
Die Heilerin, die ihm den Becher in die Hand gedrückt hatte, begutachtete das Pergament.
„Nun ja, es ist eine sehr außergewöhnliche Mischung. Kein einfacher Trank" , antwortete sie nachdenklich.
„Und das wird mich auch hundertprozentig hiervon befreien?" fragte Severus und hob eine Hand in die Höhe.
„Das will ich doch meinen! Die Heiler des St.Mungus sind nicht umsonst berühmt für ihre Heilkünste. Sie sollten ein bisschen mehr Vertrauen haben", sagte die Heilerin enthusiastisch.
Severus setzte den Becher an die Lippen und kippte den Trank mit einem Zug hinunter. Ein kaltes Gefühl breitete sich in seiner Speiseröhre aus und zog hinunter bis in seinen Magen. Er spürte, wie sein Puls vor Erwartung hoch schnellte.
Madam Pomfrey beobachtete ihn ebenso erwartungsvoll. Severus starrte auf seine Hände, doch nichts geschah.
Er drehte seine Hände und schob seinen Ärmel hoch, um seinen Arm zu betrachten. Nichts hatte sich verändert. Seine Haut war immer noch bunt und leuchtete schwach.
„Es wirkt nicht!" stieß Severus verzweifelt hervor.
„Seinen sie bei Merlins Barte nicht so ungeduldig!" herrschte ihn die Heilerin an. Sie zog Severus' Arm zu sich und untersuchte ihn.
„Sie warten hier und ich schicke eine Eule zum St.Mungus." Mit einer Sorgenfalte auf der Stirn verschwand Madam Pomfrey erneut in ihrem Büro und ließ Severus allein zurück. Dieser war mit seinen Nerven am Ende. Verdrossen haute er mit seiner Faust auf sein Knie, wie um zu provozieren, dass der Trank doch noch seine Wirkung zeigte.
‚Ich will, dass sie verschwinden! Geht weg! GEHT WEG!!!'
Seine Haut hätte durch diese Behandlung sicherlich blaue Flecken davongetragen, wenn man sie noch hätte ausmachen können.
Severus resignierte. Er stoppte seine Bemühungen, und ein Gefühl von Verzweiflung drückte auf seinen Magen. Es war doch zum Kotzen!
‚Jetzt reiß dich bloß zusammen! Vom Heulen wird es auch nicht besser', schalt er sich innerlich.
Stumm starrte er aus dem Fenster und in die Ferne. Madam Pomfrey schien sich Zeit zu lassen.
Ein Geräusch holte ihn aus seiner Starre. Im Bett hinter dem Vorhang hustete jemand. Langsam erhob sich Severus und ging zu einem Spalt im Vorhang. Er zog ihn ein Stückchen auf, um einen Blick auf den Kranken werfen zu können.
Ein braunblonder Schopf lag auf dem Kissen, graue Schatten lagen um die braunen Augen und über Lupins ganzem Körper lag ein Ausdruck von Erschöpfung.
Severus sah auf dessen Arme, die auf der Bettdecke lagen. Sie waren mit Schnitt- und Schürfwunden übersäht.
Severus spulte seine Erinnerungen zu der Zeit zurück, als sie Werwölfe in Verteidigung gegen die dunklen Künste durchgenommen hatten:
„... Werwölfe verletzen sich oftmals selbst, weil sie ihre Handlungen nicht kontrollieren können..." Dies hatte bei ihm damals nur ein höhnisches Grinsen ausgelöst.
Der Werwolf vor ihm lag friedlich da. Komischerweise beruhigte der Anblick Severus. Er betrachtete die Gestalt, die eine heilende Ruhe ausstrahlte und entspannte sich, unbemerkt von sich selbst.
„Hi", hörte er ein leises Flüstern.
Lupin hatte die Augen geöffnet und schenkte ihm ein kleines Lächeln.
„Hallo", antwortete Severus trocken, seine Augenbrauen misstrauisch zusammengezogen.
Lupins Gesichtszüge wirkten müde. Sein Teint war blass.
„Wie geht es dir?"
„Fabelhaft", brummte Severus leise. Er stand ein paar Schritte von Remus' Bett entfernt.
„Was machst du hier?" fragte Remus, seine Stimme war ein heiseres Flüstern.
Severus hob eine Hand.
„Es geht nicht weg, oder?" fragte Lupin wissend.
„Nein. Anscheinend nicht." Severus Stimme hatte einen gedrückten Unterton. Er wollte sich einfach nicht vorstellen, dass es vielleicht keinen Weg mehr gab ihn zu heilen.
Remus schwieg einen Moment und betrachtete ihn mit sanften Augen.
„Man darf nur die Hoffnung nicht aufgeben", erklärte er dann und lächelte Severus zuversichtlich zu.
Sprach Lupin ihm gerade etwa gut zu? Severus war überrascht. ‚Nein, er spricht uns beiden gut zu', dachte er und diese Erkenntnis machte ihn wütend.
Er wollte Lupin an den Kopf werfen, dass er für solche großspurigen Sprüche ja genau der richtige sei und dass er seinen Rat nicht bräuchte, aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Nur ein Blitzen huschte durch seine Augen.
Lupin schien es nicht zu bemerken.
„Ist das der Tagesprophet?" fragte Lupin mit einem Blick auf die Zeitung.
„Was steht denn heute in meinem Tageshoroskop?"
Severus schaute ihn einen Moment lang verwirrt an, dann trat er einen Schritt vor, um Remus die Zeitung zu reichen. Dieser schüttelte sachte den Kopf.
„Ich kann jetzt nicht lesen, meine Augen sind zu schwach."
Severus schnaubte und verzog sein Gesicht zu einem ungläubigen Grinsen.
„Das nennt man wohl Pech, wenn man das haben will, was man nicht haben kann", zischte er zynisch.
„Da hast du wohl recht", lenkte Lupin ein und wandte sich von ihm ab. Severus war damit gar nicht einverstanden, denn er empfand es als Niederlage. Er würde sich nicht einfach so abweisen lassen.
„Also schön", brummte er. „Was bist du?"
„Fische", antwortete Lupin und blickte erstaunt drein.
Severus öffnete die Zeitung.
„'Fische: Sie fühlen sich schlaff und krank. Gönnen Sie sich etwas Ruhe und lassen Sie den Dingen freien Lauf. Die Zukunft bringt Gutes.'"
Lupin lächelte zufrieden.
„Nur Idioten glauben an ihr Horoskop!" schnaubte Severus kritisch und erntete einen empörten Blick von Lupin.
„Mein Horoskop hat mich noch nie falsch beraten", verteidigte sich Lupin.
„Lupin! Man könnte das Gleiche über jeden schreiben, egal, welches Sternzeichen er hat! Das ist Schund! Da ist kein bisschen Wahrheit dran!" erwiderte Severus verächtlich.
„Also, ich weiß nicht", sagte Lupin nachdenklich. „Was steht denn in deinem?"
„Das ist mir egal! Und wenn da stehen würde, dass ich morgen von einem Blitz erschlagen werde!" sagte Severus überdrüssig und schlug, im Bestreben, Lupin zu zeigen, dass er Recht hatte, erneut die Seite mit den Horoskopen auf.
„Hier: ‚Sie haben ein Problem ohne Lösung. Bewahren Sie Ruhe, sonst wächst es Ihnen noch über den Kopf.' Siehst du? Nichts als ungenau formulierter Schwachs--"
„Es passt doch", unterbrach ihn Lupin.
„Aber ich brauche kein Horoskop, das mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe!" entfuhr es Severus wütend.
Lupins Lächeln wurde unsicher.
„Das verlangt doch auch keiner", versuchte er Severus zu beruhigen.
Eine Pause entstand zwischen ihnen, in der Severus sich von Lupin abwandte.
„Vielleicht will dir das Horoskop lediglich sagen, dass du dir mal eine Pause gönnen und etwas abschalten solltest, dann--"
„Ich verzichte auf deine Ratschläge! Ihr Gryffindors denkt, ihr seid so schlau, aber ich weiß es besser! Ihr seid doch nur Heuchler!" spie Severus. „Du willst wissen, was gut für mich ist? Warum sagst du mir dann nicht, wie ich diese gottverdammten Flecken loswerde? Na, was ist? Ich warte auf eine Antwort!"
Lupin sah ihn verlegen an.
„Ich wollte dich nicht angreifen", sagte Lupin leise.
„Mister Snape, was machen Sie hier für einen Lärm? Kann man Sie denn nicht eine Minute alleine lassen? Mister Lupin braucht seine Ruhe! Ich werde es nicht dulden, dass sein Heilungsprozess gestört wird", ging Madam Pomfrey verärgert dazwischen.
„Ist schon okay...", versuchte Lupin zu erklären, aber Madam Pomfrey ließ keinen Widerspruch zu. Sie zog Severus von dem Kranken weg und schloss den Vorhang.
„Dass das jetzt nicht einfach für Sie ist, verstehe ich. Ich bitte Sie trotzdem, Ruhe zu bewahren. Ich bin mir sicher, dass es irgendwo einen Fehler gab", flüsterte die Heilerin. „Wir werden Sie heilen, das verspreche ich Ihnen!"
Sie schaute Severus beschwörend an.
„Gut. Gehen sie jetzt. Sie haben gleich Unterricht."
Severus tat wie ihm geheißen, jedoch mit einem seltsamen Gefühl in der Brust und mit einem Satz im Ohr, der ihn zu verfolgen schien: „Bewahren Sie Ruhe."
