So, nun endlich kann ich auch hier die Kapitel hochladen. Es ist mal wieder ein Doppelkapitel geworden.

Ich hoffe ihr mögt es und lasst mir ein schönes Review da.

Vielen Dank an alle Leser, Reviewer und an meine liebe Beta Sabinsche


Kapitel 8: Quidditch der verpassten Chancen (Teil 1): Fehltritte

Gegen Nachmittag hatte sich Remus wieder soweit erholt, dass er aufstehen durfte. Die Heiltränke von Madame Pomfrey wirkten wahre Wunder.
Remus hatte sie gefragt, warum es noch nicht möglich gewesen war, Severus zu heilen, und die junge Medihexe hatte ihm erklärt, dass es noch einige Lücken in der Zauberermedizin gab, und dass, wenn Severus Pech hatte, er genau so eine Lücke erwischt hatte. Remus war darüber empört, wenn nicht sogar schockiert.
Er spürte eine sonderbare Verbindung zu dem Slytherin. Er wusste, wie er sich fühlen musste, und er befürchtete, dass er damit der Einzige war.

Peter hatte ihn abgeholt, und nachdem Remus geduscht hatte, machten sie sich auf den Weg in die Bibliothek, damit Remus den verpassten Unterrichtsstoff nacharbeiten konnte. Er tat dies immer sehr gewissenhaft.
Von Peter erfuhr er auch, wie die letzte Nacht verlaufen war, und es beruhigte ihn sehr, dass er nichts Schlimmes angestellt hatte.

Sirius und James bekam er erst wieder am Abend im Gemeinschaftsraum zu Gesicht. Sie hatten den ganzen Tag unten beim Quidditchfeld verbracht und trainiert, denn das Match Gryffindor – Slytherin am Sonntag rückte in greifbare Nähe. Oder um es genauer auszudrücken: James hatte Quidditch trainiert und Sirius' Training hatte darin bestanden, sich - zusammen mit einigen weiteren Gryffindors und dem Team der Slytherins, das versucht hatte, das Training zu sabotieren - einen heftigen Schlagabtausch zu liefern. Verbal.

Sirius schimpfte immer noch lauthals über die gegnerische Mannschaft und vor allem über ihren Kapitän Marx, den er mit so vielen Schimpfwörtern bedachte, dass Remus sich entnervt abwandte. Die anwesenden Gryffindors hingen Sirius an den Lippen und lachten über seine Sprüche.
Alle waren sich sicher, dass sie mit James Potter als Kapitän und Sucher den Quidditchpokal schon so gut wie in der Tasche hatten.
Remus verstand von Quidditch nur so viel wie er musste, und Fliegen gehörte auch nicht zu seinen Hobbys, deshalb versetzte es ihn nicht in Euphorie.

Während Sirius sprach, versank Remus wieder in seinen Gedanken. Severus' Verhalten vom Morgen ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Severus hatte sich sehr kindisch benommen, als er auf das Horoskop geschimpft hatte, und dass er Remus und alle Gryffindors beleidigt hatte, ärgerte Remus. Doch der schmerzliche Blick, den der Slytherin die ganze Zeit zu verbergen versucht hatte, hatte ihn tief in seinem Herzen berührt. Severus war ihm in dem Moment nicht wie der hinterlistige, starke Einzelgänger vorgekommen, der er normalerweise zu sein schien, sondern eher wie ein verängstigtes Kind – verzweifelt - allein.
Wenn Remus ehrlich war, empfand er Mitleid für den Slytherin. Aber er wusste auch, dass er damit nichts ausrichten konnte. Severus wollte sein Mitleid nicht. Er wollte ja noch nicht einmal etwas mit ihm zu tun haben, und Remus konnte es ihm nicht verdenken.
Doch was konnte Remus dann tun? Er wusste nichts über den Slytherin und es gab auch niemanden, den er über ihn ausfragen konnte.
Er wusste nur, dass er es nicht dabei belassen konnte. Irgendetwas musste er tun.

ooOoo

Die nächsten Tage verliefen ereignislos, sah man einmal von der allgemeinen Aufregung, die das Quidditchspiel auslöste, ab.
Severus hatte die meiste freie Zeit im Gemeinschaftsraum verbracht. Lestrange und Co. gingen vollkommen in ihren Vorbereitungen auf und fanden noch nicht einmal die Zeit ihn systematisch auszuschließen, so dass er etwas Ruhe bekam, wenn er sich im Gemeinschaftsraum aufhielt. Severus nutzte die allgemeine Anti-Gryffindor-Stimmung für einen weiteren Versuch sich in die Gruppe der Slytherins einzufügen und beteiligte sich daran, Spottlieder auf die gegnerische Mannschaft zu dichten und die gryffindor'schen Spieler zu verhexen, wo immer er sie traf.
Dass Rabastan Lestrange sein Engagement mit Missfallen beobachtete, ignorierte er bewusst.
Der braunhaarige Slytherin und selbsternannte Anführer einer kleinen Bande, zu der Severus bislang vergeblich Zugang gesucht hatte, ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass er an diesem Umstand nichts ändern wollte.
Lestrange ließ ihn gewähren, doch Severus wusste aus Erfahrung, dass dies nur solange anhalten würde, wie er bereit war, den Gefolgsmann in dem Spiel zu spielen, das sich Rangfolge nannte. Als Halbblut stand er in Slytherin an unterster Stelle. Selbst seine Begabung, was Flüche und die Dunklen Künste betraf, ließ ihn im Ansehen der anderen Slytherins nicht steigen, denn, so kam es Severus vor, Rabastan Lestrange schien die Hand darüber zu halten, wer geduldet wurde und wer nicht. Lieber standen sie stumm und geschlossen hinter Lestrange, dessen Bruder Rodolphus nun ein Todesser war, als sich Severus anzunähern, dessen Fähigkeiten nicht die Schande wettmachen konnten, die es war, nicht reinblütig zu sein. Soweit die Einstellung, die in Slytherin Tradition übte.

Trotz dieses Fortschrittes, was die momentane Akzeptanz der anderen Slytherins ihm gegenüber anging, nahm er sich eine Pause, um etwas zu tun, das er noch nie getan hatte: konsequentes Entspannen.
Seine Hausaufgaben hatte er alle frühzeitig gemacht. Es gab nichts, was er zu erledigen hatte.
Sein Hauptanliegen an diesem Samstag war es nun, nach dem Stress der vergangenen Woche endlich richtig mit dem Kurieren seiner Krankheit anzufangen. Bisher hatte er nicht viel mehr geschafft, als sich in der Bibliothek zu informieren. Jetzt wollte er das Problem frontal angehen, vor allem auch, weil er noch keine neue Nachricht von Madame Pomfrey erhalten hatte.

Das Wetter an diesem Tag war besser als erwartet. Es war trocken, und die Sonne schien, auch wenn ein leichter Wind blies.
Nach dem Frühstück machte sich Severus durch die große Eingangshalle auf den Weg nach draußen. Er hatte ein Buch dabei, doch es war kein Schulbuch, es war ein Roman. Er suchte sich einen Platz am See und setzte sich.

Er war allein, aber er fühlte sich nicht einsam. Severus atmete tief ein und nahm den Duft der Umgebung in sich auf.
Dann lehnte er sich zurück und begann in seinem Buch zu lesen.

Er war so gefesselt von der Geschichte, dass er die Schritte nicht bemerkte, die sich ihm näherten. Erst als er ein dumpfes Geräusch direkt neben sich hörte, sah er auf.

ooOoo

Remus Lupin saß zwei Meter von ihm entfernt im Gras und schaute ihn mit honiggelben Augen an.
„Hallo", begrüßte ihn Lupin fröhlich. Severus sah sich schnell um, aber der Rest der Potterbande war nirgends zu sehen.
„Was willst du hier?" fragte Severus misstrauisch und setzte sich auf. Eine Hand ging automatisch zu seinem Zauberstab, der in seiner Umhangtasche steckte.
„Sitzen", sagte Lupin schlicht und blickte über den See. „Solange es dich nicht stört?" fügte er hinzu.
„Es stört mich aber!" brummte Severus.
Lupin blickte ihn an, machte aber keine Anstalten wegzugehen.
„Das Wetter ist toll, findest du nicht? Viel zu gut, um drinnen zu sein. Außerdem ist es dort so laut. Alle sind wegen des Spieles aus dem Häuschen. Die ganze Aufregung kann einem mit der Zeit total auf die Nerven gehen. Warum bist du hier?"
„Um vor nervigen Leuten wie dir meine Ruhe zu haben", knurrte Severus und bedachte den Gryffindor mit einem bösen Blick.
Der schien sich nicht provozieren, geschweige denn vertreiben lassen zu wollen.
„Und der wahre Grund?" fragte Lupin unbekümmert weiter.
„Ich will in Ruhe lesen!" erwiderte Severus stur. Er senkte seine Augen wieder auf das Buch, doch kaum hatte er einen Satz gelesen, fing Lupin wieder an zu reden.
„Was liest du denn?"
„Ein Buch, oder nach was sieht es deiner Meinung nach aus?"
Severus starrte weiterhin auf die Seite und fragte sich, warum Lupin gekommen war.
„Ist es ein gutes Buch?"
„Ja! Herrgott, Lupin! Was willst du von mir?" fragte Severus verärgert.
„Gar nichts", antwortete Lupin schulterzuckend.
„Würde es dir dann etwas ausmachen, zu verschwinden und mir nicht weiter auf die Nerven zu gehen?" setzte Severus nach.
„Ja", antwortete Lupin.
Severus schaute ihn genervt an. „Was?"
„Es heißt ‚Wie bitte' und: Ja, es macht mir etwas aus. Das ist nun mal der schönste Platz am See."
„Also, ich werde nicht gehen, nur weil ein Gryffindor meint, Anspruch auf ein unkrautbewuchertes Stück Erde erheben zu müssen!" protestierte Severus patzig und lehnte sich demonstrativ zurück.
„Hmm", machte Lupin. „Vielleicht können wir dann beide hier sitzen."
„Vielleicht schick ich dir auch einfach einen Fluch auf den Hals", erwiderte Severus und funkelte Lupin zornig an.
„Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit", lenkte Lupin ein und lächelte.
„Das war kein Scherz, Lupin!" erklärte Severus.
„Ich weiß."

Das merkwürdige Verhalten des Gryffindor machte Severus neugierig. Lupin heckte doch irgendetwas aus. Nur was war die Frage. Vielleicht steckten Potter und Black gerade in einem Gebüsch im Wald und warteten nur darauf, dass Lupin ihn in ihre Falle lockte. Oder aber er wollte sich ein Alibi für einen Streich beschaffen, den seine Freunde gerade ausführten. Wenn das der Fall war, dann würde Severus ihm ein eindeutiges Alibi geben: die Ganzkörperklammer und ein Silencio.

Trotzdem, Severus erkannte eine Chance, wenn sie sich ihm bot.

„Wie leichtsinnig, sich alleine in die Gesellschaft eines Slytherin zu begeben", sagte Severus dunkel. „Gerade für dich. Wer sollte dir zu Hilfe eilen, wenn ich mich entschließen sollte, meine, nennen wir es mal ‚schlechte Laune', an dir auszulassen?"
„Das wäre sehr bedauerlich, denn ich habe eigentlich nicht vor, mich mit dir zu streiten", erwiderte Lupin. „Oder dir wehtun zu müssen", ergänzte er.
Severus lachte kalt.
„Es ist helllichter Tag – kein Vollmond – du bist nicht gefährlich!"
„Warum hast du dann deinen Zauberstab in der Hand?" fragte Lupin und sah ihn überlegen an.
Severus knurrte unwillig.
„Lupin, du überschätzt dich maßlos. Aber das dürfte nach längerer Zeit in Gesellschaft von Potter und Black wohl zum guten Ton gehören."
Jetzt lachte Lupin.
„Ich würde sagen, Severus, du unterschätzt mich maßlos. Aber das dürfte nach längerer Zeit in Gesellschaft von Lestrange wohl zum guten Ton gehören", äffte Lupin Severus nach.
Dieser funkelte ihn böse an.
„Sicher nicht. Aber das können wir ja hier und jetzt testen" sagte Severus bedrohlich, stand auf und hielt seinen Zauberstab angriffsbereit.
Das Lächeln wich von Lupins Gesicht. Er fixierte Severus intensiv, was diesen umso mehr reizte.
„Komm schon, oder hast du ein Problem?"
„Wozu? Ich muss mich vor dir nicht beweisen."
„Richtig, dass übernehmen deine Freunde immer für dich."
„Nein, tun sie nicht", entgegnete Lupin sofort.
„Ich bin mir sicher, du bist nicht halb so mutig alleine, wie mit deinen Freunden. Ich wette, als Schoßhündchen des Quartettes genießt du besondere Vorzüge. Brauchst dir nie die Hände schmutzig zu machen." Lupin schaute ihn ungläubig an. „Ich wette, du bezahlst es Black und Potter, dass sie für dich in die Bresche springen."
„Du hast eine sehr seltsame Idee von den Dingen!" Lupins Haltung versteifte sich.
„Ist das so? Ich schätze nicht. Seit der Nacht an der Peitschenden Weide hast du dich schön zurückgehalten und es allein deinen Beschützern überlassen mich zu jagen, wie ihr es sonst immer zusammen getan habt, weil du genau weißt, dass ich dich jederzeit auffliegen lassen könnte. Und trotzdem kommst du auf deine Kosten. Black und Potter machen weiter, und du hältst die Hand darüber.
Wenn ich es recht bedenke, wäre jetzt doch ein ausgezeichneter Zeitpunkt, um den Spieß umzudrehen, meinst du nicht auch?"
Severus machte gefährlich dreinblickend und provozierend einen Schritt auf Lupin zu. Lupin erhob sich, ein nervöser Ausdruck im Gesicht.

Severus beobachtete den Gryffindor genau. Dass er sich auf dünnem Eis bewegte, wusste er. Black und Potter würden sicherlich Rache nehmen wollen, wenn er Lupin auch nur ein Haar krümmte. Aber genau das würde ihm einen Beweis geben und genau das würde Lupin nicht schmecken. Gryffindors waren doch so leicht zu manipulieren.

„Severus, ich-"

Mit einer schnellen Bewegung hatte Severus seinen Zauberstab gezogen und auf Lupin gerichtet. Dieser blickte nunmehr erschrocken, als ihn ein ‚Locomotor Mortis', der Beinklammerfluch, von den Socken riss.
Severus schaute hämisch grinsend auf Lupin hinab, der nach seinem Zauberstab suchte.
Severus richtete seinen Zauberstab erneut auf Lupin.

„Rictusempra!" rief er und ein gelber Lichtblitz schoss aus der Spitze seines Zauberstabes.
„Protego!" rief Lupin und ein magischer bläulich aufleuchtender Schild erschien, an dem Severus' Zauber abprallte und zu ihm zurück schoss.

Severus landete auf seinem Hosenboden. Der Kitzelfluch hatte ihn in der Magengrube erwischt.
„Finite Incantatem", sagte Lupin, um seine Beine wieder voneinander lösen zu können.

Severus schnappte nach Luft, um sich gegen seinen eigenen Fluch zu wehren.
Er schaffte es sich aufzurichten, und schon schoss ein ‚Levicorpus-Fluch' auf Lupin zu und verfehlte diesen nur um Haaresbreite.

„Hör auf!" rief Lupin. „Warum tust du das? Du bist doch verrückt!" Lupin ging einige Schritte rückwärts. „Ich hätte nie herkommen sollen."
„Ach!" erwiderte Severus hässlich. „Was für eine Erkenntnis."

Das fröhliche Lächeln, das der Gryffindor bei seiner Ankunft getragen hatte, war verschwunden. Severus konnte nicht sagen, was in Lupin vorging. Hatte dieser etwa etwas anderes von solch einer Zusammenkunft erwartet? Wohl kaum. Außer natürlich, er war ein vollkommener Narr, wobei ihn Severus eigentlich für den Klügsten der Potterbande gehalten hatte. Ein Irrtum, wie es schien.

Severus erwartete nun einen Gegenschlag Lupins, doch der schüttelte nur resigniert den Kopf.
„Ich glaube gerade, das dort passiert dir ganz zu recht, Snape", sagte Lupin und deutete vage auf Severus' Gesicht.
Dann drehte er sich um und ging einfach fort.

Severus befreite sich von dem Kitzelfluch und blickte Lupin hinterher, der zum Schloss emporlief.

ooOoo

‚Wie konnte ich nur so dumm sein', dachte Remus, als er kurz darauf durch die Gänge Richtung Gryffindorgemeinschaftsraum lief. ‚Snape ist doch der miese Mistkerl, der er schon immer war.'
Er stutzte einen Moment, als eine Stimme an sein Ohr drang. Er stand auf einer der Treppen, die bis hinauf in den siebten Stock führten und von Zeit zu Zeit ihre Richtung wechselte. Schüler liefen an ihm vorbei die Treppen hinauf und hinunter.

„Wie geht es ihnen, Mister Lupin?" fragte Professor Dumbledore den Gryffindor.
„Danke, Sir, gut", antwortete Remus. Der Schuldirektor nickte zufrieden.
„Morgen ist es also mal wieder soweit. Seltsam, ich habe heute schon das Gefühl, als wäre das Spiel siegreich ausgegangen", schmunzelte Dumbledore, als sie gemeinsam die Treppen emporstiegen.
„Siegreich für wen, Sir?" fragte Remus.
Dumbledore machte eine Kunstpause und schaute Remus über seine Halbmondbrillengläser hinweg an.
„Für uns alle, Mister Lupin. Die Vorfreude ist für mich immer noch das Schönste an einem Spiel. Noch sind alle froh und voller Erwartung. Zählt das nicht mehr als ein Sieg, der beim nächsten Spiel von einer Niederlage abgelöst werden kann?"

„Obwohl", begann Dumbledore und klang ein wenig besorgt. „Die ‚Zauberunfälle' häufen sich momentan leider, und wie mir scheint, sind die Spieler der beiden Teams am anfälligsten für fehlgeleitete Zauber. Sie passen doch auf, dass dies nicht ausgenutzt wird, Mister Lupin?"
„Natürlich, Sir."
Dumbledore lächelte und ging summend durch einen Korridor davon.

ooOoo

Severus hatte es aufgegeben am See Ruhe zu suchen. Er wurde unruhig und beschloss, dem Krankenflügel einen Besuch abzustatten, um in Erfahrung zu bringen, ob sich etwas Neues ergeben hatte.
Madam Pomfrey winkte ihn heran, als er gerade durch die Tür kam und führte ihn in ihr Büro.
Sie dirigierte ihn zu einem der Besucherstühle, lief selbst aber hin und her, während sie Severus die neusten Neuigkeiten offenbarte.

„Ich bin ja so empört!" brachte Madam Pomfrey hervor, ihre Hände unterstrichen dies mit ringenden Bewegungen. „Ich habe gerade eine Eule aus dem St. Mungos erhalten."
„Ja?" fragte Severus ungeduldig.
„Es hat eine unerhörte Verwechslung gegeben. Der Trank, den ich ihnen verabreicht habe, war nicht der, denn sie bekommen sollten."
„Was? Was heißt das?" Severus hatte das Gefühl, seine schlimmste Befürchtung bestätigt zu sehen. „Was war das für ein Trank?
„Es ist nichts Schlimmes. Das heißt, es wird ihren Zustand nicht verschlimmern. Es heißt nur, dass wir jetzt noch etwas länger auf ein Gegenmittel warten müssen, da der Trank, der für sie bestimmt war, einer anderen Patientin verabreicht wurde."
Severus seufzte auf. „Das kann doch nicht wahr sein!"
Madam Pomfrey schüttelte den Kopf. „Versuchen Sie es positiv zu sehen, ein neuer Trank – eine neue Chance. Und dieser Schwangerschaftstrank wird ihnen sicherlich nichts anhaben können."

„SCHWANGERSCHAFTSTRANK???"

ooOoo

Severus verließ den Krankenflügel in Richtung Slytheringemeinschaftsraum. Er wollte nur sein Notizbuch holen und sich dann wieder an seine Forschungen setzen. Es sollte endlich Schluss mit dem Unsinn sein.

In einem der vielen unterirdischen Gänge drang plötzlich eine vertraute Stimme an sein Ohr:
„Mister Snape, ich möchte mit Ihnen sprechen."
„Sir?"

Professor Hays, Severus' dünner junger Tränkelehrer, kam ruhig aber entschieden auf ihn zu.

„Wie geht es Ihnen?"
„Gut, Sir", log Severus.
Professor Hays nickte, und seine blauen Augen huschten über Severus' Gesicht. Dieser war sich sicher, dass sein Professor seine Flecken musterte.
„Kennen Sie die Schulregeln, Mister Snape?" fragte Professor Hays ruhig.
„Ja, Sir", antwortete Severus und ahnte Schlimmes.
„Auch die Regel, die besagt, dass außerunterrichtliche, unbeaufsichtigte Zaubertrankbrauerei verboten ist?"
„Ja, Sir." Severus fragte sich, woher Professor Hays davon erfahren hatte.
„Ich kann Ihre Beweggründe ja verstehen, Mister Snape, und ich kenne Ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet, aber wenn Sie an einem Zaubertrank arbeiten, egal, ob wir ihn vorher im Unterricht durchgenommen haben oder nicht, birgt das ein gewisses Risiko. Wir können Sie nicht einfach herumexperimentieren lassen. Auch nicht, wenn Sie sich einen Heiltrank brauen wollen!"
„Aber Sir, ich habe nicht-"
„Das ist Ihnen doch klar, oder?" unterbrach ihn Professor Hays ernst.
„Ja, Sir", antwortete Severus. „Aber ich habe nichts gebraut", versuchte Severus seiner Verwirrung Ausdruck zu verleihen.

„Mister Snape", seufzte Professor Hays und holte ein kleines braunes Büchlein aus seiner Umhangtasche.
‚Mein Notizbuch!' Severus stöhnte innerlich auf. ‚Ich habe es in der Eile liegenlassen.'
„Professor, ich kann das erklären."
„Sie erkennen dieses Buch? Gut. Ich habe es vor ein paar Tagen, kurz, nachdem Sie in den Kerkern an mir vorbei gehastet sind, in einem Klassenzimmer gefunden. Direkt neben den Überresten eines Trankes. Ich hoffe, Sie verzeihen, dass ich aufgrund der Umstände einen Blick hinein geworfen habe."

Severus unterdrückte einen gequälten Laut. In seinem Notizbuch waren um die 20 Zaubertrankexperimente verzeichnet, die er allesamt außerhalb des Unterrichts durchgeführt hatte. Die Frage, die ihn nun quälte, war, ob diese Beweismittel reichen würden, um ihn von der Schule zu werfen. Bei diesem Gedanken lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken.

„Ich kann zwar nicht sagen, dass es mich sehr überrascht, aber enttäuscht bin ich schon von Ihnen. Sie gefährden ihre Zukunft dadurch. Es ist ein schwerer Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen der Schule und wird entsprechende Folgen nach sich ziehen." Professor Hays blätterte das Büchlein auf. Severus wurde schlecht.
„Es ist... trotzt allem, sehr interessant", gab Professor Hays zu und blickte auf. „Ich hatte vorhin ein Gespräch mit dem Direktor und wir sind zu einer Übereinstimmung gekommen. "

Severus' Magen verkrampfte sich schmerzhaft.

„Wir sind aufgrund Ihrer momentanen Verfassung recht milde gestimmt. Ihnen werden 30 Hauspunkte abgezogen. Aber ich möchte Ihnen anbieten, dass wir gemeinsam nach einem Heilmittel für Ihr Leiden forschen. " Severus schaute seinen Lehrer erstaunt an. „Und, soweit es Sie interessiert, auch noch einige weitere Experimente durchführen." Professor Hays lächelte Severus an, der in dem Moment nicht wusste, was er sagen sollte.

„Professor Dumbledore stimmt mit mir überein, dass es der beste Weg zu sein scheint, Sie von Ihren illegalen Experimenten abzuhalten", sagte Professor Hays. „Und Ihnen nicht den Spaß an der Zaubertrankbrauerei zu vermiesen, der bei Ihnen, im Gegensatz zu Ihren Mitschülern, noch vorhanden ist."
„Danke, Sir!"
„Bitte sehen Sie dies als Chance. Sollten Sie erneut beim illegalen Zaubertrankbrauen erwischt werden, werden wir uns zu anderen Maßnahmen gezwungen sehen." Professor Hays' ernster Blick fixierte Severus, als er ihm sein Notizbuch überreichte. Severus steckte es tief in seine Hosentasche.
„Und jetzt lassen Sie uns über diesen Trank reden", sagte Professor Hays enthusiastisch. „Erzählen Sie mir, welche Zusammensetzung Sie sich vorstellen und zu welchen Ergebnissen Sie schon gekommen sind, so dass wir auf diesen Grundlagen weiterforschen können."

Severus musste einen Moment überlegen, um den Worten seines Professors folgen zu können.
‚Er denkt, Lupins Trank wäre mein Versuch gewesen, mir ein Heilelixier zu brauen. Wie kann das sein? Wenn er meine Aufzeichnungen gelesen hat, müsste er doch wissen, dass das keineswegs die Bestimmung dieses Trankes war!'

ooOoo

Severus hatte sich mit Professor Hays beraten. Hays hatte ihm erklärt, dass sich klassifizierte Tränke meist nur an Kleinigkeiten unterscheiden ließen und sie somit von Severus' Grundlage ausgehend den Trank entwerfen wollten. Anscheinend wollte er Severus eine Chance geben sein Können unter Beweiß zu stellen. Severus hatte seinem Lehrer gesagt, er hätte aus Versehen etwas hineinfallen lassen das er nicht identifizieren konnte, und Hays hatte ihm geglaubt. Severus war auf das Ergebnis dieser Arbeit gespannt, auch wenn er sich nicht so viel davon erhoffte.

Trotzdem. Severus kam zu dem Schluss, dass er wohl oder übel mit Lupin reden musste, wenn er erfahren wollte, was die letzten beiden Zutaten waren. Aber so wie er Lupin bei ihrem Treffen am Morgen behandelt hatte, würde dieser sicher nicht leichtfertig mit Informationen herausrücken.