Et voila! Kapitel 9
Viel Spaß!
Kapitel 9: Quidditch der verpassten Chancen (Teil 2): Fortschritte
Der Sonntagmorgen war erfüllt von Rufen, Gesängen und Jubel. Die Schüler feierten ihre Mannschaften. Selbst die Geister waren in ausgelassener Stimmung.
Gegen Mittag waren alle, Schüler wie Lehrer, beim Quidditchfeld versammelt. Viele Schüler hatten Fahnen und Banner dabei, die im kräftigen Wind unaufhörlich hin und her flatterten.
Remus gesellte sich zu seinen Freunden auf einen der hohen Aussichtstürme, die das Spielfeld säumten, um einen guten Blick auf das Spiel zu haben. Er hatte seinen Gryffindorschal umgebunden. Sirius trug eine alberne rot-gelbe Mütze, unter der seine schwarzen Haare herauslugten.
Die Mannschaften würden gleich das Feld betreten, in dessen Mitte bereits die Kiste mit den Klatschern und dem Schnatz stand. Remus blickte sich um. Alle Ränge waren voll besetzt, die Lager in Gryffindor- und Slytherinanhänger geteilt.
Kurz darauf war es soweit. Die beiden Mannschaften betraten unter lautem Jubel das Spielfeld; der Quaffel wurde freigegeben. James stieg hoch und höher, über alle anderen Spieler, auf der Suche nach dem goldenen Schnatz. Remus erkannte James an den blitzenden Spiegelungen seiner Brille.
Keine zwei Minuten später hatte sich Gryffindor den Quaffel erkämpft und zum 10 zu 0 verwandelt. Die Reihen der Gryffindors und der meisten Hufflepuffs schrien in heller Begeisterung, während von der Slytherinseite Buhrufe erschallten.
Die nächste halbe Stunde verlief kritisch. David Marx, Jäger von Slytherin, verwandelte kurz hintereinander drei Quaffel zum Tor.
Die Reihen der Gryffindor stöhnten, Sirius riss sich wütend seine Mütze vom Kopf.
Remus und die anderen Schüler beobachteten entsetzt, wie einer ihrer Treiber von einem zurückgeschlagenen Klatscher am Kopf getroffen wurde, vom Besen rutschte und aus 12 Metern Höhe in die Tiefe stürzte. Keine zwei Meter über dem Boden traf dieser noch einen vorbeifliegenden Slytherin und beide stürzten zu Boden. Ein gellender Pfiff des Schiedsrichters unterbrach das Spiel und der verletzte Gryffindor wurde vom Feld geschleppt, während der slytherin'sche Spieler sich wieder in die Lüfte erhob.
Eine Stunde später war Slytherin mit 120 zu 60 in Führung. Sirius vergrub jammernd den Kopf in seinen Armen, die er auf die Balustrade gelegt hatte. Remus behielt James im Blick und kaute besorgt auf seiner Unterlippe herum. James zog seine Runden, ließ sich rasant tiefer sinken und umrundete die Füße der Torstangen, der slytherin'sche Sucher tat es ihm gleich. Keiner von ihnen schien den Schnatz bis jetzt auch nur gesehen zu haben. Remus lieh sich Peters Fernglas und spähte das Feld ab. Auf der gegenüberliegenden Seite des Quidditchfeldes standen die Slytherins und ihre Anhänger, sangen Lobchöre auf ihre Spieler und Spottchöre auf die Gryffindors, vor allem auf James Potter.
„Wir werden verlieren!" hörte Remus Sirius jammern.
Remus wollte das Fernglas gerade absetzen, da sah er ihn – den Schnatz! Er schwebte keinen halben Meter unter der Balustrade einer der Aussichtstürme, auf der eine Gruppe älterer Slytherins standen.
„Ich sehe ihn! Ich sehe ihn!" rief er aus. „Ich sehe den Schnatz!" Sirius riss ihm das Fernglas aus der Hand und spähte dorthin, wohin Remus' Finger zeigte.
Dann versuchten beide mit wildem Winken und Rufen James, der in ihrer Nähe vorbei flog, auf sich aufmerksam zu machen.
Er blickte sie nur für eine Sekunde an, doch diese reichte aus, um ihn von ihrer Entdeckung zu informieren. James blickte quer über das Quidditchfeld in die Richtung, in die die Finger seiner Freunde zeigten. Dann schoss er in rasantem Tempo quer über den Platz, drängte einen gegnerischen Jäger aus der Bahn und quetschte sich in einer Schraube zwischen zwei gryffindor'schen Spieler hindurch. Doch schon hing ihm der Sucher der Slytherins an den Fersen. James krachte beinahe in den Turm, als der gegnerische Sucher ihn bedrängte und ihm jegliche Ausweichmöglichkeit nahm. Er konnte sich noch knapp nach oben retten. Die Slytherins schrien erschrocken auf, als James dicht über ihren Köpfen hersauste und ihnen ihre Frisuren zerzauste.
Slytherin machte derweil einen weiteren Treffer: 130 zu 70.
Remus sah, wie James einen Moment in der Luft stand, dann den Besen wendete und sich direkt vor die Nase der Slytherins stellte, über deren Köpfe er vorhin nur knapp hinweg geflogen war. Dann streckte James eine Hand in den Himmel.
Die Stimme des Stadionsprechers überschlug sich fast als er rief: „POTTER HAT DEN SCHNATZ!!! JAMES POTTER HAT DEN SCHNATZ GEFANGEN!!! DAS SPIEL IST VORBEI: GRYFFINDOR GEWINNT MIT 320 ZU 130 PUNKTEN!!!"
Ein heilloses Geschrei brach unter den Gryffindors aus. Sirius schmiss seine Mütze in die Luft, umarmte erst stürmisch Peter und dann Remus, den er gar nicht mehr loslassen zu wollen schien. James zog unterdessen seine Kreise und ließ sich bejubeln. Den Schnatz hielt er in der empor gestreckten Hand.
Die Slytherins ließen ihre Fahnen sinken und Buhrufe erschallen. Die Spieler der Slytherins standen kurze Zeit in der Luft zusammen, dann verließen sie ohne eine weitere Geste das Spielfeld.
Remus, Sirius und Peter machten sich auf den Weg hinunter auf das Spielfeld, um ihren Spielern Tribut zu zollen.
ooOoo
Im Gryffindorgemeinschaftsraum ging es hoch her. Noch Stunden nach dem Spiel feierte alles und jeder ihren Sieg über Slytherin, ihrem Erzfeind. Ein Taschenorchester spielte die bekanntesten Quidditchhymnen, während die Sieger des Tages sich vor Klopfern auf die Schulter, Umarmungen und anderen Freudenbekundungen kaum retten konnten.
James stand mitten in der Menge und konnte kaum einen Schritt vor oder zurück machen, ohne jemandem auf die Füße zu treten. Sirius stand neben ihm und stiftete die Meute immer wieder zu Jubelrufen an.
Remus saß derweil neben Amy auf einer Couch und genoss das Spektakel. ‚Professor Dumbledore hatte unrecht', dachte er. ‚Ein Sieg ist doch viel besser als die Zeit vor dem Spiel.'
Irgendwann stand Amy auf, lief Richtung Ausgang und verschwand durch das Portal. Remus sah, wie auch Sirius sich aus der Meute löste und sich aus dem Gemeinschaftsraum stahl.
ooOoo
Im Slytheringemeinschaftsraum herrschte Totengräberstimmung. Frustriertes gedämpftes Gemurmel hallte von der hohen Decke wider. Die Spruchbänder und singenden Fähnchen waren eingerollt oder lagen zerknüllt auf dem Steinfußboden. Niemand sprach laut, alle schienen enttäuscht vor sich hin zu brüten. Severus hatte sich in eine Ecke des Gemeinschaftsraumes verzogen, um sich seinen eigenen trüben Gedanken hinzugeben.
Die Quidditchmannschaft betrat den Slytheringemeinschaftsraum. Marx, ihr Kapitän, schritt voran, stieß wütend einen Erstklässler zur Seite und räumte, durch seine bloße Anwesenheit, den beliebtesten Platz im ganzen Gemeinschaftsraum für sie frei. Ihm folgten Lestrange, Gallahan, Nott und die weiteren Spieler. Alle schauten frustriert drein, keiner von ihnen sagte ein Wort.
Nach einer Weile entspannte sich die Stimmung wieder etwas. Die meisten Slytherins gingen früh in ihre Schlafräume. Für sie gab es heute nichts zu feiern.
Severus hatte sich in eine Lektüre vertieft um sich abzulenken. Als er aufsah und bemerkte, dass der Gemeinschaftsraum fast gänzlich leer war, bemerkte er außerdem, dass Marx und zwei weitere Slytherins, die nicht zum Quiddichteam gehörten, ihn grimmig ansahen.
Severus zog den Kopf ein wenig ein. Er hatte Marx' Drohung nicht vergessen und fürchtete, sein Maul etwas zu weit aufgerissen zu haben. Er schaute wieder in sein Buch; versuchte seine Nervosität zu verbergen. Er beschloss, dass es das Beste wäre, wenn er jetzt auch nach oben gehen würde.
Noch ehe er drei Schritte gemacht hatte, wurde er von einem Zauber von den Beinen gerissen. Sein Buch flog davon und rutschte über den Boden.
Severus drehte sich auf den Rücken und zückte seinen Zauberstab.
Bevor er reagieren konnte flog auch dieser davon und landete in der Hand eines der Slytherin.
Marx und seine beiden Kumpel standen plötzlich über ihm. Severus klopfte das Herz bis zum Hals.
„Snape. Auf ein Wort", sagte Marx und ein teuflisches Grinsen zierte seine Mundwinkel. Severus blickte sich Hilfe suchend um, aber Lestrange blickte einfach stumm an ihm vorbei.
ooOoo
Gegen Abend kamen Sirius und James in den Schlafsaal, in dem Remus und Peter saßen. Unten feierten immer noch einige Schüler, doch die Aufregung hatte sich weitestgehend gelegt.
„Los, wir gehen uns jetzt was zu trinken holen!" sagte Sirius enthusiastisch, warf seinen schwarzen Schülerumhang auf sein Bett und wartete, dass James seinen Tarnumhang ausgepackte.
„Die Party ist noch lange nicht vorbei!"
„Aber nur aus der Küche. Der Honigtopf ist mir jetzt zu weit", erwiderte Remus und zog die Karte des Rumtreibers zwischen seinen Unterlagen hervor.
Als sie den Gemeinschaftsraum durchschritten und verlassen hatten, streifte James seinen Tarnumhang über sie. Zwar hatte die Sperrstunde noch nicht angefangen, aber sicher war sicher. Und irgendwie mussten sie den Alkohol ja auch ungesehen zurück in den Schlafsaal bringen.
Sie drängten sich eng aneinander, damit alle unter den Tarnumhang passten. Früher war das kein Problem gewesen, aber Peter hatte seitdem etwas zugelegt.
Sie durchquerten ohne Zwischenfälle die oberen Korridore und die Eingangshalle des nun fast nächtlichen Hogwarts. Vereinzelt kamen ihnen noch Schüler entgegen, ansonsten waren die Flure leer.
Dann stiegen sie weiter hinunter in die Kerker, wo die Küche mit der angrenzenden Vorratskammer lag. James hatte seinen Zauberstab mit ‚Lumos' erhellt, damit sie wussten, wo sie ihre Füße hinsetzten und damit sie die Karte lesen konnten, die Remus in der Hand hielt.
Ansonsten liefen sie schweigend.
Sie bogen um eine Ecke und um noch eine. Die Luft wurde immer kälter und die Steinwände wurden immer dicker. Sie durchschritten eine Tür in einen weiteren Korridor, dann hörten sie plötzlich ein Geräusch.
James legte zur Warnung den Zeigefinger an die Lippen und sie blieben einen Moment stehen, um zu lauschen. Irgendetwas oder irgendjemand lachte. Es war kein normales Lachen. Es klang gackernd und hohl. Dann klirrte etwas und es hörte sich an, als würde etwas auf dem Boden zerschellen.
Die vier Jungen drückten sich nah an die Wand und schlichen dann näher an die Wegbiegung, bis sie einen Blick in den nächsten Gang werfen konnten. Im Schein der Fackeln, die an den Wänden angebracht waren, saß eine Person, den Rücken an die Wand gelehnt.
Über ihr, im düsteren Licht, schwebte etwas hin und her.
Remus spürte Sirius' Atem an seiner Wange, als sich der Gryffindor zu ihm beugte und flüsterte: „Wer ist das?"
Er warf einen Blick auf die Karte, die er immer noch in der Hand hielt.
Ein kleiner nadelartiger Punkt markierte die Stelle, wo die Person auf dem Gang saß. Das kleine Schild daneben gab den Namen preis: Severus Snape.
Wer die andere Person im Gang war, brauchte er gar nicht mehr nachzugucken, man hörte sie schon:
„…nun sitzt es hier und weint, das kleine Schniefelein…"
„… ist ja so allein, das arme Schniefelein…"
„… das ist ja so gemein… hahaha …so gemein…"
„…oh, wie war das fein, voll ins Geicht hinein…"
„…Peeves hört ihn noch schreien…", sang der Poltergeist.
„Halt dein blödes Maul, Peeves! Verschwinde, oder ich sag es dem Blutigen Baron!"
Remus erkannte die zweite Stimme als die von Severus. Einem sehr aufgebrachten Severus.
Remus sah, wie sich James und Sirius einen verschworenen Blick zuwarfen.
Erneut klirrte etwas und zersprang auf dem Fußboden.
„…Peeves hat nichts getan, Peeves schlägt jetzt Alarm…"
„… und Tinte, mit der mess' ich; Snape, du bist so hässlich!..."
James winkte die Jungs ein Stück weiter, so dass sie nun am Ausgang des Ganges standen. Remus hatte seine Finger in Sirius' Arm gekrallt, aber das merkte er erst, als dieser seinen Griff abschütteln wollte. Remus fing sich einen fragenden Blick von Sirius ein.
Remus blickte wieder zu Severus. Der kauerte an der Steinwand, sein Zauberstab in der schlaffen Hand, seine andere wanderte zu seinem Gesicht hinauf und strich ihm über die Augen.
„…Peeves hat es geseh'n; wird's jedem erzähl'n…"
„… was hier grad geschehen…"
„… wenn Slytherins sich streiten…"
„Sei still", knurrte Severus. Ein grüner Strahl schoss aus der Spitze seines Zauberstabes und klatschte neben Peeves an die Decke; der flog ungestört weiter hin und her, sang sein grausames Lied und warf ein Tintenglas nach Severus, das neben diesem zerschellte und seinen Inhalt über den Boden vergoss.
Ehe Remus realisierte, was er tat, war er unter dem Umhang hervorgetreten. Er schwang seinen Zauberstab und rief „Impedimenta!"
Peeves der Poltergeist erstarrte in der Luft, während Severus heftig zusammenzuckte und in Remus' Richtung starrte. Seinen Zauberstab hielt er wie einen Schild, Erstaunen und Furcht lagen in seinen Augen.
Remus ließ seinen Zauberstab sinken, trat auf die beiden zu und sagte mit fester Stimme: „Peeves, verschwinde sofort und sag keinem etwas hiervon, oder ich werde dafür sorgen, dass Professor Dumbledore dich von Hogwarts verweist!" Remus Stimme ließ seine Entschlossenheit hören, doch der Poltergeist ließ sich nicht so leicht einschüchtern.
Der Lähmzauber, der ihn getroffen hatte, war schnell verflogen, (denn bei Geistern halten diese Zauber nicht lange), und so schwebte er wieder zwischen den Fackeln und der Decke hin und her.
„Du willst Peeves von der Schule verweisen lassen?" wiederholte der Geist. „Das wollten schon viele, aber nicht mal der dumme alte Filch hat das geschafft, Wolfsgeburt!"
„ICH bin Vertrauensschüler! Ich warne dich nur einmal, Peeves!" erwiderte Remus entschlossen und schaute dem Poltergeist unerbittlich streng in die halbdurchsichtigen Augen.
Der Geist wirbelte einmal hin und her, dann heulte er auf und verschwand unter Gelächter durch die nächste Wand.
„Und das ‚Wolfsgeburt' merk ich mir", sagte Remus, mehr zu sich selbst als zu dem verschwindenden Geist.
Keine Sekunde später hörte Remus die Schritte seiner Freunde hinter sich. Auch sie hatten den Tarnumhang abgelegt und kamen auf Severus und Remus zu.
Der mehr als erstaunte Ausdruck auf ihren Gesichtern störte Remus.
„Was sollte das denn?" fragte Sirius; zwischen seinen Augenbrauen hatte sich eine Falte gebildet.
„Was denn?!" erwiderte Remus, dann wandte er sich an Severus. Der saß immer noch an der Wand gelehnt, schaute entsetzt auf die wie aus dem Nichts erschienenen Gryffindors und schien sichtlich verwirrt zu sein.
„Alles okay?" fragte Remus und sah besorgt auf den Slytherin hinab. James' Zauberstab erhellte den Bereich, in dem sie standen und Remus konnte nicht nur Severus' roten Augen, sondern auch seine rote, blutverschmierte Nase sehen.
„Was… was macht ihr denn hier? Ihr habt hier nichts zu suchen" antwortete Severus unsicher und machte Anstalten sich zu erheben.
„Es geht ihm gut", schlussfolgerte James. „Schöne scheiße…"
„Damit ist die Party dann wohl gelaufen, oder?" fragte Peter mit einem Seitenblick auf Sirius. Der schaute finster auf den am Boden hockenden Slytherin hinab.
„Deine Nase blutet", sagte Remus an Severus gewandt. „Was ist passiert? War das Peeves?"
Severus schaute ihn immer noch verwirrt an. Dann strich er sich das Blut von der Nase.
„Das ist nichts und das geht dich nichts an."
„Pass gefälligst auf was du sagst, Snape!" fuhr Sirius ihn an.
„Sirius", sagte Remus beschwichtigend, holte sein Taschentuch heraus und hielt es Severus hin.
Severus schaute ihn grimmig an, nahm dann aber doch das Taschentuch und hielt es sich unter die Nase.
„Wir bringen dich am besten in den Krankenflügel", entschied Remus.
„Nein!" sagten Severus und Sirius fast wie aus einem Munde.
„Ich brauche keine Hilfe!" wehrte Severus ab.
„Er braucht keine Hilfe!" entschied Sirius.
„Dann sag mir erst was passiert ist", blieb Remus standhaft und ignorierte ein Stöhnen von James.
„Remus…", sagte James ungeduldig. Remus ignorierte auch ihn. Er sah Severus besorgt an.
„Gar nichts", bekam er als Antwort.
„Verarschen kann ich mich alleine! Sag endlich, was passiert ist, oder soll ich einen Lehrer holen?" Severus funkelte ihn gefährlich an.
„Remus, wir hatten noch was vor, weißt du noch?" sagte Sirius ungeduldig. „Lass die Fledermaus doch hier sitzen, wenn es ihr Spaß macht. Ich versteh eh nicht, was du damit bezwecken willst."
„Nein, Sirius!" Sagte Remus schlicht. James schaute nachdenklich zwischen Remus und Sirius hin und her.
„Hör auf deine Freunde. Lasst mich allein", schniefte Severus mit kaputter Nase und stand auf, wobei er das Gesicht schmerzhaft verzerrte.
„Bist du verletzt? Du zitterst."
Remus sah aus den Augenwinkeln, wie James Severus kritisch musterte. Severus stand an die Wand gelehnt und sah keinen von ihnen an.
„Nein."
Remus schloss für einen Moment ungläubig die Augen, da legte sich eine Hand auf seine Schulter.
„Okay Moony, wir bringen ihn hoch", sagte James. Remus schenkte ihm ein dankbares Lächeln.
„Nein! Ich werde den garantiert nirgendwo hinbringen!" erboste sich Sirius, und auch Peter schien eher weniger von der Idee begeistert zu sein. „James, das ist Snape! Schniefelus!! Ekelhafter, schleimiger Streber Schniefelus!"
„Tut mir Leid, Kumpel", sagte James. Sirius schaute ihn verwirrt und ungläubig an, warf Severus einen bitterbösen Blick zu, würdigte Remus indessen keines einzigen Blickes mehr, drehte sich um und verschwand in dem Gang, durch den sie gekommen waren. Peter folgte ihm.
ooOoo
„Ich will das nicht", protestierte Severus zum wiederholten Male.
„Halt den Mund, Snape", sagte James. „Wegen dir verpasse ich meine Feier, da muss ich mir nicht auch noch dein Gejammer anhören."
Severus lief zwischen James und Remus Richtung Krankenflügel. James hatte ihm seinen Zauberstab abgenommen, damit er sie nicht verzaubern konnte. Severus fühlte sich hilflos, elend und bedrängt, aber das schien die beiden Gryffindors nicht zu interessieren. Er wollte nur alleine sein. Oder doch nicht? Er wusste es in diesem Moment nicht. Eigentlich war es ihm egal, solange er keine dummen Fragen beantworten musste.
Sie erreichten die Große Treppe, die hinauf zum Krankenflügel führte. Inzwischen war es tiefste Nacht. Ihre Schritte hallten von den hohen Wänden wieder.
Severus tat alles weh. Seine Beine wollten keinen Schritt mehr machen, aber er zwang sich weiter. Bloß nicht vor Potter und Lupin zusammenklappen!
Sie schritten die Treppen empor, immer weiter und weiter hinauf. Ein kleiner Schrei entfuhr Severus, als er auf einmal einsackte. In der ersten Schrecksekunde dachte er, seine Beine hätten nachgegeben, doch war es die fehlende Stufe der Treppe, die er übersehen hatte. Er griff in seiner Not nach dem nächsten, was er zu fassen kriegte: Lupins Hand.
Dieser schaute erschrocken neben sich, reagierte aber sofort. Er hielt Severus fest und zog ihn wieder hinauf. James half ihm dabei. Sie stellten Severus wieder auf die Füße.
Severus holte tief Luft. Sein Herz raste und pochte, dann endlich ließ er Lupins Hand los. Dieser lächelte.
„Tut mir Leid", sagte Severus völlig außer Fassung.
„Schon gut", erwiderte Lupin.
Sie schafften den Rest des Weges ohne weitere Zwischenfälle. Severus war auf einmal dankbar für die Flecken, die sein Gesicht zierten, denn so konnte keiner sehen, wie rot er geworden war.
Madame Pomfrey war nicht sehr erfreut, die drei um diese Uhrzeit noch zu Gesicht zu bekommen. Sie machte sich allerdings sofort daran, Severus zu behandeln.
„Mister Snape, man sollte meinen, Sie halten es keinen Tag ohne meine Gegenwart aus", sagte die Heilerin halb tadelnd, halb ihm Scherz. „Und jetzt sagen Sie mir bitte, was die beiden Herren Potter und Lupin mit der Sache zu tun haben."
Severus sah, wie Lupin Potter einen Blick zuwarf.
„Nichts, M'am. Ich… bin die Treppe runter gefallen."
Die Heilerin schaute ihn kritisch an. „Das muss dann aber die ganze Große Treppe gewesen sein. Sie bleiben heute Nacht hier. Und Sie beiden gehen jetzt bitte zurück in Ihren Schlafsaal. Sie sollten schon lange nicht mehr im Schloss herumstreunen!"
„Ja M'am", sagte Potter.
„Gute Nacht", sagte Lupin.
