Hallöchen alle zusammen!
Ihr ahnt es, das neue Doppelkapitel ist da:D
Hmmm...
das blöde an Doppelkapiteln ist, dass man nur halb so viele Reviews
bekommt. Ich überlege gerade, ob ich das nächste Kapitel erst in einer
Wochen posten soll, um noch ein paar mehr Reviews aus euch
rauszukitzeln... :P
Ansonsten wäre ich hier auf wieder bei 0 Reviews angelangt, und das wäre doch recht enttäuschend.
Ihr könntet dies natürlich verhindern, indem ihr
zu diesem Kap postet und mir ganz dolle versprecht, dass ihr auch zum
nächsten Kap posten werdet. Ja, ein Review pro Kapitel, damit würde ich
mich zufrieden geben.
Ich bedanke mich bei allen Reviewern (danke sword-of-kai und Sturmwarnung!! XD) und meiner super tollen klasse Beta Sabinsche, die diese beiden Kapitel in Rekordzeit durchgearbeitet hat.
ganz liebes knuddel
Es
wird nun etwas gefühlvoller, aber das nur nebenbei. Ich finde
allerdings, dass mir mit diesen beiden Kapiteln eines meiner
Meisterwerke gelungen ist. Haha, bin ich gut hust
Nur ein guter Titel wollte mir promp nicht einfallen. Egal.
Aber jetzt Schluss mit der Lobesleier!
Viel Spaß!
Kapitel 10: Der Sirius-Faktor
Severus schreckte auf. Er lag in einem Bett auf der Krankenstation. Seine Decke lag, weggestrampelt, nur noch halb über seinen Beinen. Mühselig richtete er sich auf, um sie wieder über seinen Körper zu ziehen.
Es war noch Nacht. Der Mond war verdeckt von einer Wand von Wolken, die sich über den östlichen Horizont ausbreitete. Severus fror. Er zog die Decke hinauf bis zum Kinn. Seine Bewegungen fühlten sich seltsam an, wie Gummi. Der Schmerz lindernde Trank, den Madame Pomfrey ihm gegeben hatte, vernebelte seine Wahrnehmung und machte ihn schläfrig.
Gedankenfetzen, zäh wie Patex, schlidderten durch sein Bewusstsein.
‚Lupin hat mir geholfen... Lupin...hat mir geholfen... Remus Lupin...Werwolf... er hat sich gekümmert... Warum...warum nur... Warum... wie konnte er nur?'
Severus drehte sich auf die Seite. Sein Kopf brummte. Das Bett war so weich. Er zog unter der Decke die Beine an, um die Wärme zu speichern, dann driftete er langsam weg und schlief wieder ein.
ooOoo
Am nächsten Tag saßen sie zusammen mit den Hufflepuffs im schrecklich langweiligen Zaubergeschichtsunterricht von Professor Binns. Der kleine dürre Geist mit dem Spitzbart und den großen faltigen Augenliedern schwebte hinter seinem Schreibtisch und las mit einer monotonen Stimme aus einem Buch vor.
Die ganze Klasse hockte gelangweilt auf ihren Stühlen, manche hatten ihr Haupt auf die Tische gelegt und versuchten den - wegen der Siegesparty- versäumten Schlaf nachzuholen.
Remus saß neben James und Peter. Er hatte seine Schreibfeder in der Hand, von der in geringen Abständen Tinte tropfte. Er war der einzige der Rumtreiber, der wenigstens versuchte sich Notizen zu machen. Die anderen saßen zwar still auf ihren Plätzen, aber James' Blick driftete immer öfter ab, und seine Gedanken schienen sich mehr von einem roten Haarschopf gefangen nehmen zu lassen denn vom Unterrichtsgeschehen. Peter, auf der anderen Seite, war in ein Dösen verfallen, dass Remus Angst hatte, er könnte gleich zu schnarchen beginnen.
Remus fiel es heute mehr als schwer aufzupassen. Die Stimmung zwischen den Jungen war gereizt. Sirius war immer noch eingeschnappt wegen gestern Abend. Die Ignoranz, mit der er Remus den Rest des Abends über gestraft hatte, hatte sich in eine Art Aggression gewandelt, die er in spitzfindigen und beleidigenden Kommentaren abließ - die aber hauptsächlich dem Slytherin galten.
Den ganzen Morgen über hatte es schon: „schleimiger Schniefelus –hier", „Heulsuse –dort", „Moony mit Retterkomplex –überall" geheißen. Remus ließ ihn, auch wenn es ihm langsam auf die Nerven ging, und er hoffte, dass Sirius' Ärger bald verflogen sein würde.
Remus wusste jetzt, wo er darüber nachdachte, auch gar nicht, was ihn geritten hatte dem Slytherin zu helfen. So mies, wie dieser ihn am Tag zuvor behandelt hatte. Die Situation hatte ihn einfach überrollt. Vielleicht war es falsch gewesen, Severus zu helfen. Aber es brachte nichts, sich etwas vorzumachen: Er hatte Severus beschützen wollen.
Doch so sehr er sich auch bemühte, nach außen hin gelassen zu wirken, auch Remus war wütend. Auf sich, auf Sirius und auf Severus. Und Sirius' Kommentare taten ihr Bestes, um seine Wut noch zu steigern.
Die Stunde ging vorbei. Die Klasse räumte ihre Sachen ein und verließ das Klassenzimmer.
Remus ließ sich Zeit.
Die meisten Schüler waren schon gegangen, allen voran Sirius, als er hinaus auf den Flur trat.
James wartete auf ihn.
Sie machten sich gemeinsam auf den Weg zu Wahrsagen.
„Er wird es überleben, Moony."
Remus schaute James traurig an.
„Danke, dass du mir gestern geholfen hast", sagte er leise. „Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist."
„Nun ja", sagte James beruhigend und legte einen Arm über Remus' Schulter, während sie liefen. „Du hast nun mal das größte Herz von allen. Und egal, ob um ein verletztes Rehkitz oder einen schleimigen nervigen Schniefelus geht. Du hilfst allen."
Remus schnaubte. „Ja, und verletze meine Freunde. Jetzt ist Sirius auch sauer auf dich."
James
schaute ihn schräg an. „Na ja, meinetwegen hätte ich
Snape nicht geholfen. Sicherlich hat er verdient, was er bekommen
hat."
„Ja, aber warum hast du es dann getan? Ich meine, du
hasst Severus doch genauso wie Sirius."
James blieb einen Moment nachdenklich stehen.
„Du hast uns alle so überrascht mit deiner Aktion – du hättest mal deinen Blick sehen sollen... Ich wollte dich nicht schon wieder im Stich lassen, nur weil es um Snape geht. Das hab ich schon einmal getan. Und ich bereue es."
Remus wusste schmerzlich genau, was James meinte. Auch James war nicht ganz unschuldig daran gewesen, dass Severus in der einen Nacht bei Vollmond den Tunnel unter der Peitschenden Weide gefunden und beinahe mitten in sein Verderben hineingelaufen wäre, auch wenn er ihn nachher vor dem Werwolf gerettet hatte.
Von der jetzigen Verletzbarkeit Remus' einmal abgesehen, war dies der schlimmste Streich, den sie jemals jemandem gespielt hatten.
„Und trotzdem ist es meine Schuld", sagte Remus, als sie die Große Treppe hinaufliefen.
„Remus, denkst du wirklich, dass so jemand wie Schniefelus uns auseinander bringen könnte?"
James lachte. „Nicht mal, wenn sich das Wasser des kompletten Sees - mit Kraken - jetzt vor meinen Augen teilen würde, würde ich das glauben."
„Das soll aber schon mal jemand geschafft haben", wand Remus ein.
„Echt? Wer?"
„Moses Casivo aus der Vierten."
„Wirklich?"
„Hab ich gehört."
„Also, so was."
„Wie auch immer", sagte James. „Ich rede mit Sirius. Mir geht diese Beleidigte-Leberwurst-Nummer nämlich tierisch auf die Nerven!"
ooOoo
Die Doppelstunde Wahrsagen verlief nicht anders als die vorangegangenen Stunden. Sirius gab seine schlechte Laune zum Besten. Als ihn die Lehrerin nach dem letzten Eintrag in sein Traumtagebuch fragte, meinte er mit einem seligen Lächeln, er habe geträumt, dass Snape aus einem Fenster im siebten Stock gefallen sei und gab eine ziemlich detaillierte Beschreibung dieses Vorganges, woraufhin ihm Remus einen bösen Blick zuwarf. Die Lehrerin, die davon nichts mitbekommen hatte, fragte Sirius, ob er noch weitere Träume dieser Art hatte, wohl in dem Versuch, einen übernatürlichen Sinn in ihnen zu finden.
Sirius setzte sein frechstes Rumtreiberlächeln auf, und mit einem Seitenblick auf Remus, was bei diesem wirkte wie eine Ohrfeige, fing er an zu erzählen.
Zum Schluss hatte Sirius eine ganze Enzyklopädie mit Arten gefüllt, wie man Severus schaden konnte. James, der den Einfallsreichtum und die Verwegenheit seines Freundes belächelte, beendete die Sache schließlich, denn Lily schaute mehr als angeekelt zu ihnen herüber.
Die Lehrerin befragte ihre Kristallkugel zu diesem, wie sie sagte, „ungewöhnlichen Zustand seelischer Befangenheit" und argumentierte mit dem Stand der Sterne, dass Sirius' Visionen vom Mars abhängig seien, der einen starken Einfluss auf das Sternbild Stier habe... oder so ähnlich. Remus bekam nicht wirklich mit, ob es einen Sinn machte oder nicht. Für ihn war der Fall eh klar.
Als die Stunde vorbei war und sie die schmale Wendeltreppe des Turmes hinab gestiegen waren, hatte sich Remus' angestaute Wut endlich einen Weg in seinen Verstand gebahnt.
Er sah aus den Augenwinkeln, wie Lily im Begriff war, wutschnaubend auf Sirius loszugehen, doch da hatte Remus ihn schon grob am Arm gepackt.
„Mitkommen!" Er zog den schwarzhaarigen Gryffindor unter dem verwunderten Blick von Peter, dem ausweichendem Blick von James und dem grimmigen Blick des rothaarigen Mädchens in das nächste Klassenzimmer, das zum Glück frei war.
„Hey!" rief Sirius, als Remus die Tür mit einem Knall hinter ihnen schloss.
„Was sollte das?" fragte Remus wütend, während er immer noch Sirius' Arm umfasst hielt.
„Was denn?"
„Nicht ‚was denn'! Du weißt genau, was ich meine!"
„Ich beteilige mich am Unterricht", entgegnete Sirius spitz.
„Quatsch nicht! Hältst du mich für blöd? Das war mies, Sirius!"
„Ach komm schon, das war doch nichts. Du reagierst völlig übertrieben." Sirius musterte Remus. „Passiert in letzter Zeit öfter", setzte er nach.
„Ich reagiere überhaupt nicht übertrieben. Merkst du gar nicht, dass du Severus mit solchen Aktionen schadest?"
„Wenn das Prinzesschen in Gefahr ist, hüpfst du einfach zu seiner Rettung", witzelte Sirius.
„Hör auf damit! Das ist nicht fair." Remus musste sich sehr zusammen reißen, um nicht laut zu werden. Er ließ Sirius' Arm frei. „Ich weiß, du bist sauer, weil ich Snape gestern geholfen habe, aber--"
„Ha! Du gibst es also zu!" platzte es triumphierend aus Sirius heraus.
Remus war leicht verwirrt. „Was gebe ich zu?"
„Du hast ihm geholfen. Wieso?"
„Das kann jetzt nicht dein Ernst sein... Das war doch nur, weil..." Weil? Remus konnte ihm keine gescheite Antwort darauf geben.
„Warum denn nicht? Ehrlich, ich versteh' dich nicht, Moony! Denkst du etwa, er würde dir helfen? Glaubst du im ernst, er würde sich darum scheren, wenn du Hilfe brauchst? Wohl kaum!" Sirius war laut geworden.
Remus wollte seine Worte gerne widerlegen, aber er traute sich nicht, ihm von dem Zwischenfall in den Toiletten zu erzählen. Das würde zu viele Fragen aufwerfen, die Remus nicht beantworten wollte.
„Doch, das würde er. Und wenn nicht... Ich bin immer noch Vertrauensschüler. Ich habe auch die Aufgabe, mich um solche Sachen zu kümmern."
„Ja, Vertrauensschüler von Gryffindor, nicht von Slytherin! Du sollst dich um uns kümmern, nicht um die", argumentierte Sirius.
„Hast du denn nicht gesehen, was sie mit ihm angestellt haben?-- "
Er strich sich in einer wütenden Geste durch das Haar.
„Gibt es vielleicht auch einen richtigen Grund, warum du sauer auf mich bist? Ich hoffe schon, denn ich höre mir nicht noch länger deine spitzfindigen Kommentare an."
„Das ist ein richtiger Grund", versuchte Sirius sich zu verteidigen. „Der Schlange zu helfen ist ja wohl schlimm genug."
Remus trat einen Schritt zurück. Er hatte die Arme vor dem Körper verschränkt und musterte seinen Freund eingehend. Sirius schien es wirklich ernst zu meinen.
Wieso ging dieser Hass nur so tief? So weit?
„Ich habe gemeint, was ich in der Heulenden Hütte gesagt habe! Wir - dürfen - Snape - nicht - mehr - schaden!" Remus betonte die letzten Worte, indem er die Pausen dazwischen lang zog.
„Ach komm, du warst nicht ganz bei dir. Die Verwandlung stand kurz bevor. Da wirst du doch immer ein bisschen emotional", wiegelte Sirius Remus' Worte ab. Seine Hand machte eine wegwerfende Geste.
Remus' Augen weiteten sich ungläubig. Er musste erstmal den Kloß in seinem Hals runterschlucken, der sich vor Wut und Ungläubigkeit gebildet hatte; er musste Sirius begreiflich machen, wie die Dinge lagen.
„Auch wenn ich mich an die Zeit während meiner Verwandlung nicht erinnere, bin ich davor und danach trotzdem noch in der Lage, klar zu denken. Vielleicht denkst du das nächste Mal daran, wenn du wieder jemanden den Weg zur Heulenden Hütte verrätst", sagte er leise, aber bestimmt.
Sirius' Augen zuckte zu Remus. Einen Moment schauten sie sich stumm an. Sirius suchte etwas in seinen Augen und Remus hielt seinem Blick stand. Dann zerfiel der sichere, überhebliche Ausdruck, den der schwarzhaarige Gryffindor getragen hatte, seine Körperhaltung erschlaffte, die Schultern senkten sich um gut zwei Zentimeter.
„Ich hab' das nicht gewollt, Remy. Das musst du mir glauben."
„Sirius, ich tue das nicht um dich zu ärgern, aber so, wie die Dinge stehen, bin ich Severus einiges schuldig. So etwas wie damals darf nicht noch einmal passieren", erwiderte Remus schon etwas ruhiger, aber immer noch verletzt.
„Ja, ich verstehe." Sirius gab einen gequälten Laut von sich. „Aber das heißt doch nicht, dass wir uns jetzt um ihn kümmern müssen." Er schaute Remus flehend in die Augen. „Das kannst du nicht von mir verlangen."
„Das werde ich auch nicht." Remus ließ sich auf einer Tischkante nieder, sich mit den Händen auf der Tischplatte abstützend. „Aber es heißt auch nicht, dass du mir verbieten kannst, es zu tun. Ich weiß nicht, ob es besonders klug war. Ich weiß nur, dass es richtig war."
„Aber warum? Ich verstehe immer noch nicht, was die beiden Dinge miteinander zu tun haben. Snape wird nichts ausplaudern, dass hat uns Dumbledore versprochen. Damit ist doch alles klar, oder?"
„Für mich nicht", erwiderte Remus. Mehr wollte er nicht sagen. Seine Sorgen waren seine Sache, auch wenn Sirius ihre Last durch seine Unbedachtheit noch erschwert hatte. Diese Last zu teilen würde nur kaputt machen, was er sich so lange gewünscht hatte: Seine Freundschaft zu Sirius, zu James und Peter.
Sie schwiegen eine Weile. Sirius wackelte auf seinen Füßen hin und her, lehnte sich schließlich an die Wand in seinem Rücken und fragte: „Also hat James es für dich getan, ja?"
Remus schaute auf. Er sah den ernsten Ausdruck auf Sirius' Gesicht; Sorge schwang darin mit. Plötzlich verstand Remus Sirius' Verhalten. Die Verwirrung, weil sich zwei seiner Freunde urplötzlich um ihren gemeinsamen Feind kümmerten. Sirius war schon so gewesen, als sie sich alle kennen gelernt hatten: Freund oder Feind. Schwarz oder weiß. James war derjenige gewesen, der Sirius von den Klammern seiner Eltern befreit hatte; der ihm den Kopf von den Idealen der Reinrassigkeit und Erhabenheit des Blutes reingewaschen hatte. Aber gleichzeitig hatte James auch wieder ein Hassbild in Sirius erschaffen: das des dunklen, bösen Zauberers. Sirius war ja nicht dumm oder schwer von Begriff, aber wenn er sich einmal einen Feind gemacht hatte, dann ging er erbarmungslos mit ihm um.
„Ja," sagte er bedächtig. „Er denkt deshalb nicht anders über Severus."
„Hat er das gesagt?" Sirius blickte ihn aufatmend an. Remus nickte nur. Sirius' Aufatmen ließ etwas in seinem Inneren zusammenschnüren.
„Ich möchte nicht, dass du irgendjemandem erzählst, was wir gestern in den Kerkern mitgekriegt haben. Es ist besser für Severus und uns, wenn niemand davon erfährt."
„Meinetwegen", sagte Sirius nachdenklich. „Für dich, Remus."
„Danke", antwortete Remus erleichtert.
Es klopfte an der Tür, dann zwängte sich ein blonder Schopf durch den Türspalt.
„Hallo? Lebt hier noch jemand?" Es war Peter.
Sirius nickte Remus zu und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Mittagessen.
ooOoo
Severus hatte sich den ganzen Tag hinter einem Stapel Bücher in der Bibliothek verschanzt. Außer zum Unterricht und zu den Mahlzeiten hatte er sich nicht fortbewegt. Er hatte keine Lust auf seine Schulkameraden. Wer wusste schon, welche neuen Gerüchte über ihn wieder im Umlauf waren. Er konnte ja kaum hoffen, dass Lupin und seine Freunde ihre Klappen hielten. Es war sicher besser, sich erst einmal bedeckt zu halten, bis Gras über die Sache gewachsen war. Und Marx würde seine Lektion schon noch bekommen. Bald.
Severus rutschte auf seinem Stuhl nach unten. Seine Füße hatte er auf den Mittelbalken eines anderen Stuhles abgestellt. Das dicke, schwere Buch hatte er auf dem Schoß; seine Beine dienten als Buchstütze.
Er hatte es heute tunlichst vermieden, einem der Rumtreiber über den Weg zu laufen; hatte sogar Umwege in Kauf genommen, um durch die Schule zu kommen. Es setzte ihm zu, dass er vor den Gryffindors so schwach gewesen war. Und dass Potter und Lupin ihm ihre Hilfe aufgedrängt hatten, machte ihn fast rasend. Wie konnten sie es nur wagen? Was war in letzter Zeit mit der Welt los, dass sie ihn derartig fertig zu machen versuchte? Er musste jetzt Stärke zeigen; unnahbar sein für jegliche Angriffe auf seine Person.
Er vertiefte sich wieder in die Lektüre und versuchte sich von der grausamen Wirklichkeit abzulenken.
Hoffentlich kam Lupin nicht auf die Idee, vorbeizukommen und nachzusehen, wie es ihm ging. Das wäre zuviel Demütigung, als er ertragen könnte.
Andererseits. Er brauchte eine Gelegenheit, um mit Lupin über seinen Trank zu sprechen. Er musste herauskriegen, was die letzten beiden Zutaten waren – und das bis morgen Abend! Da wollte Professor Hays nämlich anfangen, mit ihm an dem Gegenmittel zu arbeiten.
Severus war so wütend, dass er am liebsten alle Bücher vom Tisch gefegt hätte. Noch nicht einmal das blieb ihm erspart.
Severus hatte versucht mehr über Lupins Trank herauszufinden. Er hatte auf Professor Hays Rat in einigen Büchern zum Curare-Prinzip der Zaubertrankbrauerei nachgeschaut und hatte zu seiner Verwunderung ein paar Parallelen zwischen Lupins Trank und dem Trank gefunden, den er sich im Kopf schon zusammengestellt hatte.
Das Brauen von Zaubertränken und das Benutzen der richtigen Zutaten war deshalb so schwierig, weil schon die falsche Reihenfolge der Zugaben, die falsche Anzahl der Rührungen oder eine bisschen andere Temperatur einen vollkommen anderen Effekt auslösen konnten. Auf einmal kam es ihm nicht mehr allzu unwahrscheinlich vor, dass der Professor Lupins „Trank" für seinen Heiltrank gehalten hatte.
Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Er kramte ein Buch aus seiner Tasche, jenes, das er vor einer Woche zufällig entdeckt hatte und das er Madame Pince nun zurückgeben musste. Hatte dort nicht etwas über einen Mann gestanden, der sich mit dem Kurieren der „Wolfskrankheit" beschäftigt hatte? Severus erinnerte sich, dass der Mann es für seine Frau getan hatte. Diese war ein Werwolf gewesen. Eines Nachts bei Vollmond war sie in ein Dorf in Cornwall eingefallen und hatte drei Menschen getötet. Daraufhin hatte man sie hingerichtet.
Severus blätterte durch die Seiten. Das Buch wurde ihm langsam zu schwer. Er setzte sich auf, um es auf den Tisch zu legen und hielt das Buch dabei schräg. Ein Zettel flatterte heraus und landete neben Severus' Füßen. Verwundert hob er ihn auf.
Es war ein Notizzettel, beschrieben mit der gleichen ordentlichen Schrift, in der auch die Kommentare neben die einzelnen Artikel geschrieben waren. Severus betrachtete das Pergament. „Bei abnehmendem Mond wird im Sternenlicht das Fleisch gestärkt."
‚Was, bei Merlins weißem Barte, sollte das nun wieder heißen?' Er legte den Zettel zwischen die Seiten, die Information im Kopf abspeichernd. Dann blätterte er weiter. Endlich hatte er den Abschnitt über den Mann gefunden. Leider fand er keine Informationen über einen entsprechenden Heiltrank.
Severus seufzte. Dann musste er wohl oder übel doch zu Lupin gehen.
ooOoo
Remus lag an diesem Abend sehr nachdenklich in seinem Bett. Die Vorhänge hatte er offen gelassen, damit er durch das kleine Turmfenster in die Nacht hinausgucken konnte. Irgendetwas war heute passiert. Irgendetwas – und es fühlte sich gut an – befreiend. Das Gespräch mit Sirius hatte ihm eines gezeigt. Auch wenn er seinen Frust und seine Wut einmal in Worte fasste, machte es ihre Freundschaft nicht gleich kaputt. Das war eine seiner größten Sorgen gewesen. Jetzt fühlte er sich mehr und mehr bestätigt in seiner Person.
Remus bemerkte ein Tapsen auf den blanken Holzdielen. Er schielte nach links. Eine schlanke Gestalt schlich sich durch den Schlafsaal. Remus hörte Stoff rascheln, dann ein leises Kichern. Die Gestalt verschwand unter dem Vorhang, der zu Sirius' Bett gehörte. Remus hörte noch mehr Stoff rascheln. Dann murmelte Sirius etwas. Danach war jedes Geräusch aus dieser Richtung verstummt.
Remus drehte sich auf die andere Seite.
ooOoo
Severus zog die grünen Vorhänge seines Himmelbettes fest zu, erst dann entledigte er sich seines Hemdes. Seine Haut war blass, die blauen Adern schimmerten hindurch. Auf seinem Brustbein, seinem Hals, seinen Händen, Unterarmen und im Gesicht leuchteten die hässlichen Flecken. Im Dunkeln hatte es einen gespenstischen Effekt. Er betrachtete sie voller Gram. Dann holte er eine Tube aus seiner Hosentasche. Eine weiße Salbe war darin, die er sich auf die leuchtenden Stellen schmierte.
Merlin sei Dank konnten seine Eltern ihn so nicht sehen. Er hatte ihnen nichts von dem Malheur geschrieben. Was sein Vater dazu zu sagen hätte, konnte er sich auch so denken.
Severus seufzte hörbar. Ein Gefühl machte sich in ihm breit. Heimweh war es nicht, aber ein Gefühl, dass er lieber ganz woanders wäre. Fernweh.
Die Blessuren von gestern Abend waren weitgehend verheilt. Severus hatte Madame Pomfrey eine Geschichte von einem Geist, der ihn überrascht hatte und einer fehlenden Treppenstufe aufgetischt, um die Sache zu erklären. Es nützte nichts, wenn sie oder einer der Lehrer sich in die Sache einmischte.
Severus zog sich um, schubste dann seine getragene Kleidung unter dem Vorhang aus dem Bett und kuschelte sich in seine Decke.
Er hatte sich heute keine freie Minute gegönnt, hatte sich mit Arbeit und Aufgaben überhäuft, doch jetzt, in der Stille des Schlafraumes, begannen seine Gedanken zu wandern.
Er spielte die gestrigen Ereignisse noch einmal im Kopf durch. Marx hatte seine schlechte Laune an ihm ausgelassen, weil sie das Quidditchspiel gegen Gryffindor verloren hatten, doch Severus vermutete noch etwas anderes. Marx und Lestrange waren gute Freunde und Lestrange war immer daran interessiert, Severus niedrig zu halten, denn Severus stellte für ihn eine Konkurrenz da, der er sich anders nicht gewachsen sah. Severus hatte einfach mehr Fähigkeiten, er war intelligenter, begabter – brauchbarer. Lestrange wusste das. Wahrscheinlich sollte Severus ein Dämpfer verpasst werden. Dass Lestrange sich dabei noch nicht einmal die Hände schmutzig machen musste, kam ihm sicherlich nur gelegen.
Severus' Gedanken wanderten weiter. Remus Lupin war ihm immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Er hatte ihm geholfen, obwohl Severus ihn so schlecht behandelt hatte. Nicht nur am Tag vor dem Spiel unten am See. Eigentlich immer. Der stille Gryffindor hatte in ihrer Zeit in Hogwarts so einiges von ihm einstecken müssen. Gemeinheiten, Flüche und dergleichen.
Nicht, dass er es nicht verdient hätte, schließlich war er nicht weniger schlimm als seine missratenen Freunde. Aber so ganz stimmte dieses Bild nicht mehr, das Severus sich von ihm aufgebaut hatte. Seit der Nacht in der Heulenden Hütte hatte sich seine Sicht auf den blonden Gryffindor immer wieder gewandelt. Zuerst ins schlechte. Eine zähnefletschende Bestie, die versucht hatte ihn zu töten war nicht wirklich dazu geeignet, einen besseren Eindruck zu erzeugen. Dann, nachdem Severus Lupin auf dem Klo mit seinem „Zaubertrank" erwischt hatte, hatte sein Bild von ihm einen weiteren Knacks bekommen. Es war ein unbenennbares Gefühl, und Severus konnte noch nicht sagen, wie sich das Bild genau verändert hatte. Und gestern Nacht... da hatte Lupin ihn total überrumpelt. Von seinem plötzlichen Auftauchen bis hin zu dem Fakt, dass er ihn verteidigt hatte, wenn auch nur vor Peeves, dem Poltergeist. Es machte für Severus keinen Sinn.
Mit einer Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen schlief Severus ein.
So, und nun: Reviewen! Reviewen! Reviewen!!!
Ich zieh das durch mit der Woche:D
