Hallo ihr Lieben! Hier Kapitel 2 meiner Story. Viel Spaß!

Kein Review? Ist es denn so schlecht? schnüff

Kapitel 2

Aragorn sah aus der Ferne, dass sein elbischer Freund eine Gestalt gepackt hatte. Es artete fast in eine Rangelei aus, bis die Gestalt plötzlich einen länglichen Gegenstand aus ihrem Mantel zog. ‚Ein Schwert!' sprang es Aragorn durch den Kopf. ‚Ich muss ihm helfen!' Er griff nach seinem Schwert, das er an seiner linken Körperseite trug, aber da war nichts. ‚Verdammt, ich hatte es zum Schlafen abgenommen!' fluchte er innerlich. Er sah sich geschwind um und packte einen großen Ast, der am Boden lag. Mit ihm als Waffe rannte er seinem Freund zu Hilfe. Ein paar Büsche verdeckten seine Sicht auf das Geschehen.

Als er sie umrundet hatte, sieht er gerade noch, wie Legolas vor seinen Augen stöhnend zusammensank.

‚Ich bin zu spät…Diese verdammte Bestie! Das wird sie mir büßen!' dachte Aragorn.

Er hob den Ast und rammte diesen auf den Kopf der Gestalt. Ein erstickter Schrei entrann ihrer Kehle bevor sie wie Legolas zuvor stöhnend zusammensank.

‚Die steht so schnell nicht mehr auf… Aber zuerst muss ich mich um Legolas kümmern. Vielleicht ist es doch noch nicht zu spät…' Aragorn warf den Ast weg und beugte sich über den Elb.

‚Mellon! Bist du schwer verletzt? Sag doch was!" bat er ihn verzweifelt.

Der Elb wand sich stöhnend auf dem Waldboden. „Mir… geht… es… gut… Dieses… Biest…" ächzte er.

Plötzlich erkannte Aragorn die Situation. Er musste trotz allen Mitleids für seinen Freund grinsen. Er warf einen Blick auf die Gestalt, die er eben zu Boden gestreckt hat. Sie entpuppte sich als junges Mädchen, das nun bewusstlos auf dem Boden lag. ‚Sie hat sich gut gewehrt, allerdings mit unfairen Mitteln!' schmunzelte Aragorn. ‚Du wirst es Legolas noch büßen müssen, dass du seine heiligsten Körperteile verletzt hast…'

Er fuhr herum, als unerwartet eine weitere Gestalt aus dem Dickicht sprang.

Es war eine Art Wolf. Er fletschte bedrohlich mit seinen tödlichen Zähnen und bewegte sich drohend auf Aragorn und Legolas zu. Die braunen Augen des Tieres funkelten grün im Schimmer des Mondes wie die einer Katze.

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Kira hatte Elenas leisen Schrei gehört. ‚Was war passiert?' fragte sie sich und rannte zu ihrem Rastplatz. Mit Entsetzten realisierte sie das Bild, das sich ihr bot: Elena lag mit blutender Stirn ohnmächtig, wenn nicht schlimmeres, auf dem Boden. Ein Elb lag in der Nähe von ihm ebenfalls auf dem Boden, aber er lebte noch definitiv. Aber ein weiterer Mann schien Elena zu bedrohen. Sie musste etwas tun!

Kira sprang über die Büsche und fletschte die Zähne. Sie bewegte sich langsam auf die vermeintlichen Feinde zu, immer darauf bedacht, notfalls anzugreifen, würden sie eine falsche Bewegung machen. Eine Sache hielt sie aber davon ab, sofort den Mann, der vor ihr stand, anzugreifen: sie kannte seinen Geruch. Irgendwoher… Sie konnte sich nur nicht mehr genau entsinnen, wo sie ihm schon einmal begegnet war.

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Gandalf und die restlichen Mitglieder der Gruppe waren durch die Geräusche des Kampfes erwacht und liefen nun ihrerseits zum Schauplatz des Geschehens.

„Kira! Bleib ruhig! Es ist alles in Ordnung!" rief Gandalf.

Gandalf??? Du hier?" fragte Kira ungläubig. Von dem bedrohlichen Wargh von vor wenigen Augenblicken war nichts mehr zu sehen. „Aber… Das heißt ja…" Sie blickte von einem zum anderen. Sie erblickte die Hobbits, die sich ängstlich hinter Gandalf versteckten, erblickte den Menschen, der sein vorsorglich gezücktes Schwert wieder in die Scheide steckte, warf ihren Blick weiter auf den Zwerg, der sich inzwischen über den gepeinigten Elben gebeugt hatte und lauthals zu lachen anfing. „Das geschieht dir ganz recht! Wieso musst du auch alleine losziehen?" lachte er. Legolas hörte gar nicht hin. Er zog sich langsam an einem Baumstamm hoch und blieb dort schwer atmend angelehnt stehen.

Kiras Blick wandert weiter zu dem anderen Menschen der Gruppe. Er hat sich inzwischen über Elena gebeugt und schien sie zu untersuchen. „Es geht ihr gut!" stellte er in diesem Augenblick fest. „Sie ist nur ohnmächtig!"

Kira war beruhigt. ‚Das ist also die Ringgemeinschaft… Die, die wir begleiten sollen!'

„Was hat euch hierhin verschlagen, Kira?" fragte Gandalf

„Führst du in letzter Zeit Selbstgespräche, Gandalf?" fragte Sam belustigt.

Nein, führt er nicht!" antwortete Kira an seiner Stelle. „Ich spreche zu euch in Gedanken."

Nun konnten sie alle hören. Ungläubig schauten sie sich dennoch an, bis auf Gandalf, der immer noch auf eine Antwort wartete.

Elrond hat nach uns geschickt. Wir sollen euch begleiten!" erwiderte Kira schließlich, nachdem sie bemerkt hatte, dass sie ihm noch eine Antwort schuldete.

„Das war's dann wohl mit unserer reinen Männergesellschaft!" scherzte Boromir.

„Ist das nicht zu gefährlich? Ich meine… Sie ist eine Frau…" gab Aragorn mit einem Nicken des Kopfes Richtung Elena zu bedenken.

Sie ist stärker als man auf den ersten Blick denkt!" ergriff Kira Partei für ihre Freundin.

„Wie sie schon unter Beweis gestellt hat!" grinste Gimli. „Ich meine, sie hat ja schließlich schon unseren Elben Schachmatt gesetzt!"

„Du musst mich nicht ewig daran erinnern!" beschwerte sich Legolas. „Und bist du dir wirklich sicher, dass du sie dabei haben willst?" fragte er scheinheilig.

„Natürlich! Aus eben genanntem Grund!" erwiderte der Zwerg prompt.

„Sicher???" hakte der Elb noch einmal nach. „Dann sieh sie dir genau an. Sie ist eine Elbin!"

„Wie? Nein!" brachte Gimli nur hervor. Dann entdeckte er aber auch die spitzen Elbenohren, die unter ihrem dichten goldbraunen Haar hervorblitzten.

„Tröste dich, Gimli. Sie ist nur Halbelbin!" zwinkerte ihm Gandalf zu.

„Na dann ist es ja nur halb so schlimm…" meinte Gimli ironisch, worauf er wieder einen giftigen Blick Legolas' einfing. „Was ist denn die zweite Hälfte?" fragte er neugierig.

Gandalf wollte gerade ansetzen zu sprechen, als er einen warnenden Blick Kiras einfing. ‚Er sollte also schweigen. Sie kommt also noch nicht damit klar…' dachte er nachdenklich.

„Nun, ich denke, wir sollten sie erst ins Lager bringen. Dort können wir weitersehen." lenkte der Istari ab.

„Schlimmer kann es sowieso nicht mehr kommen, also egal!" meinte Gimli, froh bei dem Gedanken an eine weitere Mütze voll Schlaf. Die Hobbits lächelten ebenfalls bei dem Gedanken an eine weitere Mahlzeit, die sie zu den Erzählungen eingeplant hatten.

Aragorn und Legolas warfen Gandalf einen fragenden Blick zu, da sie gemerkt hatten, dass er Gimlis Frage ausgewichen war. ‚Was für ein Geheimnis rankte um dieses Mädchen, das noch immer so friedlich und zerbrechlich zu ihren Füßen lag?' fragten sie sich.

Aragorn hob Elena schließlich hoch und trug sie ins Lager. Kira blickte ihn fragend an, ob sie sie nicht tragen sollte. „Nein, danke, … Kira. Das ist doch dein Name, oder? Ich bin schuld an ihrem Zustand, also muss ich sie auch tragen." Kira nickte zustimmend.

Elena wurde auf eine Decke gebettet und Aragorn sah sich noch einmal ihre Kopfwunde an, die er ihr zugefügt hatte. Legolas entzündete in der Zwischenzeit wieder ein Feuer.

Die Hobbits quatschten wild durcheinander und überboten sich gegenseitig mit Theorien, warum Elrond gerade dieses Mädchen zu ihnen geschickt hatte.

Gandalf trat zu Aragorn. „Lass mich sie wecken. Bei dir erschrickt sie vielleicht!" schlug er vor. Der Waldläufer trat beiseite und ging herüber zu Legolas.

„Na, geht es dir besser?" grinste er den Elben an.

„Müsst ihr jetzt wirklich alle darauf rumreiten? Gandalf und Boromir hatten mich das schon auf dem Rückweg gefragt, der Zwerg konnte ja schon im Wald seine Klappe nicht halten und jetzt fängst du auch noch an… Noch einmal für alle zum mitschreiben:

MIR GEHT ES GUT!!! NICHTS PASSIERT, ALLES NOCH DRAN!!! ZUFRIEDEN???"

Alle umstehenden kicherten bei dem Ausbruch des Elben.

„Hab ich euch doch gesagt: Elben sind doch so was von sensibel…" flachste Gimli erneut.

„Es beruhigt mich, dass es Euch gut geht! Ich hätte es mir sonst nie verzeihen können!" war eine Stimme zu vernehmen. Die Gefährten drehten sich zu dem Ursprung der Stimme. Elena war erwacht und lächelte den Elben nun verschmitzt an.

„Na toll, jetzt wird man schon von seinem eigenen Volk nicht mehr ernst genommen!" beschwerte sich Legolas, aber konnte nicht anders, als ihr Lächeln zu erwidern.

Auf einmal wurde er sich wirklich bewusst was er bei seinem Wutausbruch gesagt hatte, errötete und beschäftigte sich nun ausgiebig mit dem Feuer, das anscheinend kurz davor war zu erlöschen…

„Ich dachte nicht, dass ich das je sagen würde, aber: Endlich mal eine Elbin nach meinem Geschmack!" grinste Gimli. „Selbstbewusst, große Klappe, das gefällt mir! Du kannst bei uns bleiben!"

„Große Klappe???" begann Elena sich aufzuregen, besann sich dann aber eines Besseren. „Nun ja, zu mir passt ja wenigstens eine große Klappe. Ich bin ja schließlich auch groß. Aber du, mein lieber Zwerg, du bist klein und hast eine große Klappe…" Herausfordernd blickte sie den Zwerg an, der auch prompt darauf einstieg.

„Wir sind vielleicht nicht so groß, wie ihr langgewachsenen Elende, aber wir Zwerge haben ganz andere Qualitäten: wir sind stark, mutig, ausdauernd, witzig und, ach ich könnte dir eine endlose Liste von Eigenschaften aufzählen!" redete sich Gimli in Rage und bemerkte deshalb nicht das immer breiter werdende Grinsen auf Elenas Gesicht. „Dazu müssen wir nicht groß sein! Und… WAS???" Er hatte Elenas Grinsen bemerkt.

„Und…. ihr seid ja anscheinend auch sensibel. Das war nur eine Feststellung der Tatsachen, und du regst dich sofort so auf… Schlimm…" Elena hatte ihm eine Falle gestellt, was er sich nun kläglich eingestehen musste. „Ich geh mich jetzt noch ein paar Stündchen aufs Ohr hauen!" brummelte er in seinen Bart. „Ist ja nicht auszuhalten mit zweien von der Sorte! Tz!"

Er wandte sich ab und legte sich demonstrativ mit dem Rücken zu den übrigen Gefährten.

Diese konnten nur mühsam ein Grinsen unterdrücken. Es war ja auch zu köstlich gewesen, wie Gimli sich aufgeregt hatte.

„Elena…" tadelte Gandalf. „Du bist gerade erstmal so kurze Zeit hier und hast es dir schon mit zweien verscherzt! Wohin soll das nur führen?" bemerkte er grinsend.

Elena zuckte gespielt trotzig mit den Schultern und warf den Kopf zur Seite. „Au!" Ihre Wunde am Kopf hatte ihr diese abrupte Bewegung übel genommen.

„Elena, ich hatte noch keine Gelegenheit dazu, mich bei dir zu entschuldigen. Es tut mir Leid, dass ich dich verletzt habe." meldete sich Aragorn.

„Schon gut!" sagte Elena, die stöhnend ihren schmerzenden Kopf rieb. „Ich hätte mich an deiner Stelle nicht anders verhalten, nehme ich an!"

„Ich bin übrigens Aragorn, Arathorns Sohn." ergänzte dieser. „Die anderen, sofern du sie noch nicht kennst, sind Gandalf, Legolas, Sohn Thranduils, Prinz vom Düsterwald, Gimli Glóinssohn, Boromir, Sohn des Statthalters von Minas Tirith und die Hobbits Meriadoc Brandybock, Peregrin Tuk, Samweis Gamdschie und Frodo Beutlin, wegen ihm wir alle unterwegs sind."

„Aber nenn uns bloß nicht so!" riefen die Hobbits dazwischen. „Wir sind Merry, Pippin und Sam!"

„Ich werde versuchen, alle Namen zu behalten!" versprach Elena lächelnd. „Mein Name ist Elena. Ich lebte bisher eigentlich überall und nirgendwo. Mit Kira an meiner Seite streifte ich in den letzten Jahrhunderten durch Mittelerde." Sie bemerkte die ungläubigen Blicke der Hobbits.

„Was schaut ihr so? Ich bin eine Elbin, schon vergessen?" Sie warf einen kurzen Blick auf Legolas. „Wir können nicht eines natürlichen Todes von Alters oder Krankheits wegen sterben." fuhr sie fort. „Wir können nur durch des Feindes Schwert oder auch durch Kummer sterben, der unser Herz zerstört."

Legolas nickte zustimmend. Trotzdem spürte er, dass sie nicht ganz die Wahrheit gesprochen hatte. Verschwieg sie ihnen etwas?

„Und du bist also der Ringträger?" wandte sie sich nun Frodo zu. „Ich bitte dich, zeige ihn mir."

Frodo zögerte, aber als er Elenas aufrichtigen Blick ohne eine Spur des Begehrens sah holte er den Ring an der Kette hervor.

Augenblicklich wünschte sich die Halbelbin, den Wunsch nie geäußert zu haben. Die Inschrift des Ringes leuchtete und Dunkelheit schien sich um ihr Herz zu klammern, so wie damals…

„Nein!" Die Erinnerungen von damals stiegen in ihr hoch. Das Gefühl von Kälte stieg wieder in ihr auf. „Nein!" schrie sie abermals und drehte sich schnell von dem Ring weg.

Sie wollte wegrennen, wurde aber von Gandalf aufgehalten. „Was hast du gesehen? Was ist los mit dir?" fragte er sie schärfer als beabsichtigt.

„Die Dunkelheit." flüsterte Elena. „Wie damals…"

Kira reichte dies als Antwort. „Willst du nicht wieder umkehren? Nach Hause? Ich will nicht, dass du wieder in Gefahr gerätst!"

„Nein… Ich…" begann Elena schwach, wurde aber merklich stärker. „Ich werde ihr nicht nachgeben. Nicht noch einmal…"

Gandalf blickte sie liebevoll an. „Elena…" flüsterte er und nahm sie in die Arme.

Die restlichen Gefährten blickten sich nur verständnislos in die Augen.

Frodo hatte den Ring wieder weggesteckt und murmelte eine Entschuldigung.

Du trägst keine Schuld!" beruhigte ihn Kira. „Es liegt an ihr…"

Legolas Sorge verstärkte sich durch die Aussage des Warghes noch mehr. Was ist nur los mit ihr? Wer ist sie und wieso greift die Dunkelheit nach ihr?

„Was meinte Kira damit?" fragte Aragorn Elena. „Was liegt an dir?"

„Ich… möchte nicht darüber sprechen…" Allein der Gedanke daran, ihnen jetzt von der Dunkelheit erzählen zu müssen ließ sie unter einem weiteren Kälteschauer erzittern. Sie drückte sich noch fester an die Brust des alten Zauberers. Beruhigend strich er ihr über den Kopf und murmelte leise Worte, die nur die Elben und Kira verstehen konnten. Legolas blickte erstaunt Gandalf an. Er hörte, dass der Zauberer etwas sprach, aber er verstand es nicht. Die Sprache war ihm völlig unbekannt.

„Danke…" murmelte Elena.

‚Also hatte sie ihn verstanden? Wie ist das möglich?' fragte sich Legolas.

„Bitte, ich würde mich jetzt gerne noch ein wenig ausruhen", bat Elena und blickte fragend in die Runde.

Aragorn schaute auf den Stand des Mondes und meinte: „Es bleiben uns noch etwa 2 Stunden bis Sonnenaufgang, die sollten wir nutzen um uns auszuruhen!"

So suchten sich alle einen bequemen Platz und schliefen tatsächlich sofort ein.

Selbst Aragorn und Legolas waren trotz Grübelei nach kurzer Zeit dem Schlaf erlegen.

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Legolas erwachte als erster am nächsten Morgen. Die Sonne tauchte die Lichtung in freundliches Licht. Der Elb blickte auf die noch friedlich schlafenden Gefährten. Vor allem die Neuankömmlinge betrachtete er eingehend.

Zum Einen ein Magiewargh aus dem Nordwald. Ihr cremefarbenes Fell schimmerte im Sonnenlicht. Wie friedlich sie jetzt da lag. Gestern Nacht dachte er noch, sie könnte ihn bei lebendigem Leib zerreißen… Sie war es also, die er gestern in der Nacht hat laufen hören. ‚Sie muss wirklich schnell sein' dachte er.

Sein Blick wanderte weiter zu Elena. Fest in ihre Decke eingerollt schien sie zu schlafen.

Unwillkürlich musste er wieder an den Vorfall von gestern Nacht denken. Sie wirkt nun so schwach, aber in ihr steckt eine Menge. Wie hätte sie es sonst schaffen sollen, sich überhaupt soweit aus meinem Griff winden können, dass sie… ‚Ach, ich sollte es einfach vergessen! Bloß nicht mehr darüber nachdenken!' beschloss er für sich. Aber wie konnte er dieses wunderschöne Wesen nur für einen Ork oder ähnliches halten. Moment! Hatte er gerade „wunderschön" gedacht? Fand er das wirklich? Er besah sie sich noch genauer. Ihr goldbraunes, leicht gelocktes Haar fiel ihr leicht über ihr ebenmäßiges Gesicht. Dazu ihre grünen Augen, ihre schlanke Figur… Ja, man konnte sagen, dass sie wunderschön war, entschied der Elb für sich. ‚Was denke ich hier eigentlich?' holte sich Legolas selbst aus seinen Gedanken.

„Ist was???" hörte er plötzlich Elena fragen, leise, um die anderen nicht zu wecken. „Du starrst mich die ganze Zeit an! Hab ich eine Fliege auf der Nase?"

„Was? Nein, es ist nichts!" antwortete Legolas schnell und wandte sich um. Er stand auf und ging zum Fluss und ließ Elena mit einem fragenden Blick zurück.

Elena wusste nicht, was sie davon halten soll. Seit ein paar Minuten war sie schon wach. Müde blinzelte sie mit den Augen und stellte fest, dass der Elb sie unentwegt ansah. Sie stellte sich weiterhin schlafend, nur um ein paar Sekunden später die Augen einen Spalt weit zu heben. Immer noch! Also sprach sie ihn halt an.

Als er sie einfach so hat stehen- bzw. liegenlassen wusste sie gar nicht mehr woran sie war. Nahm er ihr immer noch die Geschichte der Nacht übel? Am Besten, sie ging der Sache auf den Grund.

Also stand sie auf und lief Legolas nach, in Richtung Fluss.

Dort fand sie ihn, wie er sich Wasser ins Gesicht schmiss.

„Guten Morgen, Legolas!" rief sie fröhlich, als ob nichts gewesen wäre.

„Morgen…" kam es von ihm zurück.

„Bist du mir immer noch böse wegen gestern Nacht?" fragte sie besorgt.

Bevor er irgendetwas entgegnen konnte fuhr sie fort: „Also, ich wollte nur sagen, dass es mir total Leid tut!" Das tat es ihr wirklich, aber dennoch kam sich nicht umhin zu sagen: „Aber wenn du mich nicht so erschreckt hättest, wäre das gar nicht passiert! Du hättest ja ruhig etwas sagen und mich nicht so hinterrücks anfallen können!"

„Na du hast ja eine merkwürdige Art dich zu entschuldigen…" bemerkte Legolas missbilligend. „Bin ich jetzt etwa Schuld, oder was? Würdest du dich denn einem Ork erst einmal schön vorstellen, bevor du dich ihm näherst?"

„Ork??? Du hast MICH für einen ORK gehalten???" Elena war fassungslos. Sie baute sich mit den Händen in den Hüften vor Legolas auf.

„Na hör mal, es war dunkel und…" versuchte sich Legolas herauszureden.

„Na und??? Du bist ein Elb! Du solltest im Dunkeln sehen können! Und dann hältst du mich doch glatt für einen ORK! So sehr hat mich noch nie jemand enttäuscht…"

Sie wandte sich ohne ein weiteres Wort von Legolas ab und ließ ihn allein am Fluss zurück.

„Frauen…" murmelte Legolas.

„Das hab ich noch gehört!!! Und noch etwas: es tut mir gar nicht mehr leid! Höchstens, dass ich nicht fester zugestoßen habe!" hörte er Elenas verärgerte Stimme in seinem Rücken, bis sie sich schließlich ganz entfernte.

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Was ist denn mit dir passiert?" fragte Kira, als sie die sichtlich genervte Elena erblickte.

„Dieser Elb…!!!" war deren einzige Antwort. „Kira! Bürste!"

Sichtlich verwundert über Elenas schlechte Laune gehorchte Kira unmittelbar, um deren Stimmung nicht noch weiter zu verderben. ‚Was hat er bloß mit ihr angestellt?' fragte sich der Wargh, während sie die gewünschte Bürste aus dem Transportstein per Telekinese in Elenas ausgestreckte Hand beförderte.

Elena ließ sich im Schneidersitz auf dem Waldboden nieder und bürstete ihr langes Haar.

Die anderen Gefährten, die diese Szene mitangesehen hatten, schüttelten ihre Köpfe und räumten weiter ihr Lager zusammen, als ob nichts gewesen wäre.

Aragorn sah seinen Freund näher kommen. Auch dieser schien schlechte Laune zu haben.

„Ach, nee, da kommt ja unser guter Elb! Auch schon da?" stellte Gimli fest.

Elena verdrehte nur die Augen und tat so, als ob sie davon nichts mitbekommen hätte.

Gandalf sah von einem Elben auf den anderen und wechselte anschließend einen fragenden Blick mit Aragorn, der diesen mit einem Schulterzucken erwiderte.

„Lasst uns weitergehen! Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Also nehmt eure Rucksäcke und los geht's!" forderte Aragorn die Anderen auf.

Elena stand auf und ließ wortlos die Bürste und ihre Decke im Transportstein verschwinden.

Was hat er dir getan, dass du so verärgert bist?" fragte Kira ihre Freundin.

Er hat mich für einen Ork gehalten! Für eines der hässlichsten Wesen, die auf Mittelerde weilen! Für eine dieser Bestien! Stell dir das mal vor! MICH!" antwortete ihr Elena ziemlich gereizt, ebenfalls per Telepathie. Sie hatten vor langer Zeit entdeckt, dass Kira im Gegenzug auch an sie gerichtete Gedanken hören konnte, obwohl der jeweilige Gegenüber nicht die Kunst der Telepathie beherrschte.

Oh je… Da hat er die liebe Elena auf dem falschen Fuß erwischt… Aber meinst du, dass er das überhaupt so gemeint hatte? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dich einfach so für einen Ork halten würde. Vielleicht war es nur ein Missverständnis, oder es sah wirklich in der Dunkelheit so aus, als ob du ein Ork warst…"versuchte der Wargh zu vermitteln.

Ach, schlägst du dich jetzt auch auf seine Seite?" war die bissige Antwort der Elbin zu vernehmen. Als sie Kiras fragenden Blick auf sich ruhen spürte, fühlte sie, dass sie zu weit gegangen war.

Tut mir Leid. Du kannst ja nichts dazu. Lass mich einfach ein bisschen in Ruhe, ok?" bat Elena ihre Freundin.

Diese lächelte sie an, um ihr ein Zeichen zu geben, dass sie ihr ihren Ausbruch nicht übel nahm.

Dankbar erwiderte Elena das Lächeln kurz, aber nur um sofort wieder in ihren verdrießlichen Gesichtsausdruck zu verfallen.

Die Gruppe setzte sich nun endlich in Bewegung. Legolas und Aragorn führten sie an, während Elena sich bewusst an das Ende des Zuges fallen ließ. Gimli leistete ihr Gesellschaft.

„He, Elb! Guck nicht so grimmig! Oder willst du Falten bekommen?" Als sie sich ihm genervt zuwendete blickte sie in ein breit grinsendes Zwergengesicht. ‚Dieser Zwerg!' dachte sie. ‚Sollte er doch tatsächlich versuchen wollen, mich aufzuheitern?'

Beunruhigt schaute Gimli in die aufblitzenden grünen Augen der Halbelbin. Er befürchtete schon, sie noch mehr verärgert zu haben.

„Falten? Mein lieber Gimli… „ flötete sie. „Mach dir da mal keine Sorgen. Möchtest du nicht eher sagen: ‚Pass auf, dass dein Gesicht nicht irgendwann so verkniffen aussieht wie meins?'"

„Ich…" begann sich der Zwerg aufzuregen, bis er Elenas Lächeln bemerkte. „Ich bin froh, dass du wieder lächelst. Passt viel besser zu dir!" fügte er nun ebenfalls lächelnd hinzu.

„Danke, Gimli." flüsterte Elena leise. Er hatte Recht! Wieso sollte sie sich durch einen dämlichen Elben die Laune verderben lassen?!

Kira und Gandalf warfen sich einen beruhigten Blick angesichts der sich bessernden Laune Elenas zu. Dies wurde aber nicht von allen so positiv wahrgenommen.

„Na wenigstens haben einige ihren Spaß an der Sache…" brummelte Legolas vor sich hin.

Aragorn schüttelte verständnislos seinen Kopf. „Was ist los zwischen euch?" fragte er seinen elbischen Gefährten.

„Zwischen uns ist rein gar nichts! Merk dir das!" zischte der Elb.

Aragorn hob abwehrend die Hände. „Nein, nein, so meinte ich das doch gar nicht! Warum bist du so schlecht auf sie zu sprechen? Was ist los mit dir? So kenne ich dich nicht…"

„Sie ist hysterisch, übersensibel und sie hasst mich! Das ist los!" antwortete Legolas grimmig.

„Wieso sollte sie dich hassen? Was in aller Welt hast du ihr denn angetan?" Der Waldläufer blickte ihn verständnislos an.

„Ich… Nun… Ich habe sie für einen Ork gehalten. Gestern Nacht, als sie in der Mulde stand in dem dunklen Mantel und ihren Händen in den Hüften. Sie wirkte so breit wie ein Ork… Aber ich habe erst gemerkt, dass es nicht so war, als ich sie umklammert hatte…" berichtete Legolas.

Aragorn lachte laut auf. „Und du hast ihr also wahrhaftig ins Gesicht gesagt, dass du sie für einen Ork gehalten hast???"

„Und was ist daran so lustig?" Legolas fand das Ganze überhaupt nicht zum Lachen.

„Ich hatte mir nur gerade vorgestellt, wie es wäre, wenn ich Arwen so ein zweifelhaftes Kompliment unterbreiten würde. Ich fürchte, sie wäre damit auch nicht gerade sehr glücklich…" grinste der Waldläufer.

„Soll das etwa heißen, dass ICH mich bei IHR entschuldigen soll???" fragte der Elb bestürzt.

„Wollt ihr euch denn die ganze Reise über angiften?" fragte Aragorn im Gegenzug.

Legolas stöhnte genervt auf. „Seht nur, dort in der Ferne sieht man die Berge von Caradhras." lenkte er ab, indem er sich zu den Anderen wandte. „Aber ich fürchte, wir brauchen noch etwa zwei Wochen…" schätzte er die Entfernung ab. Tatsächlich konnte auch Elena die feine Linie der hohen Bergkette am Horizont entdecken. „Aber bis Mittag könnten wir in diesem Wäldchen sein, das ihr dort seht! Dort könnten wir rasten!"

„Wochen??? Sooo lange noch?" fragte Pippin. „Machen wir mal eine Pause? Gibt es was zu Essen?"

„Nein, Pippin!" lachte Elena. „Unser guter Elb", fügte sie mit einem strengen Seitenblick auf eben diesen fort. „meinte, dass wir erst gegen Mittag dort im Wald sein werden. Sprich, du wirst erst dort dein Mittagessen bekommen, so leid es mir tut. Aber hier, nimm ein wenig hiervon." Sie gab dem hungrigen Hobbit ein Stückchen Lembas. Ebenso verfuhr sie mit den anderen Hobbits als sie deren gierigen Blicke sah.

„Musst du das Gejammer auch noch belohnen?" beschwerte sich Boromir.

„Möchtest du dir den ganzen Weg bis zum Wald anhören, wie hungrig sie sind?" stellte Elena die Gegenfrage und lächelte den dankbaren Hobbits zu.

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Der Weg zum Wald erwies sich als beschwerlicher als erwartet. Sie erreichten ihn erst gegen Nachmittag.

Wieder einmal schlugen sie ihr Lager auf, da sie in der näheren Umgebung kein geeigneteres Nachtlager erspäht hatten.

Gimli und Boromir wurden ausgeschickt, um Feuerholz zu suchen.

Elena entschuldigte sich inzwischen, um sich umzuziehen. Sie und Kira verschwanden hinter einem großen Stein.

Sie entschied sich für ein wadenlanges, rotes, ärmelloses, eng anliegendes Kleid, das mit einer Knopfleiste von oben bis unten versehen war. Dazu zog sie kniehohe, schwarze Stiefel an, die bequem genug waren um problemlos tagelange Reisen durchzustehen. Nachdem sie fertig umgezogen war, legte sie sich wieder ihre Waffen um. Ihre Armreifen blieben nach wie vor durch die Armschoner verborgen.

Die getragene Kleidung verstaute sie wieder im Transportstein.

Bin ich froh, dass ich mich nicht ewig umzuziehen brauche…" grinste Kira.

„Pfff, ist doch schön! Mag zwar ganz praktisch sein, sich nicht umziehen zu müssen, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich nie die schönen Kleider tragen könnte, die die Elben für besondere Anlässe geschneidert haben… Nee…" erwiderte Elena.

Sie wusch sich nun ihr Gesicht mit dem Wasser, das sie aus einem der Wasserschläuche geschüttet hatte. Sichtlich erfrischt blickte sie Kira an.

„Ahhh, so fühlt man sich doch gleich wie neugeboren!" seufzte sie glücklich.

„Bist du fertig?" hörte sie Gandalfs Stimme hinter dem Felsen. „Boromir hat ein Reh gejagt, das nun bald gar ist. Wie können Frauen eigentlich immer so lange brauchen, bis sie sich fertig gemacht haben?!?" neckte er sie.

„Jaja, komme ja schon…" brummelte die Halbelbin. Sie knöpfte schnell ihr Kleid zu, nahm schnell ihre Decke aus dem Transportstein und legte sie sich über den Arm.

„Na endlich!" begrüßte sie Gimli, als sie hinter dem Felsen hervortrat. „Typisch Frau… Aber wenigstens hat es sich gelohnt! Selten so gute Aussichten gehabt!" grinste er.

Mehr oder weniger verstohlen blickten die Männer Elena an. Zwei Knöpfe am oberen Ende des Kleides hatten sich in ihrer Eile gelöst und ließen einen Blick auf einen Teil ihrer wohlgerundeten Formen zu.

„Elena, Elena…" tadelte Gandalf verschmitzt. „Du bist gerade einmal zwei Tage bei uns und schon machst du hier die armen Männer nervös…"

Elena schaute verständnislos von Gimli zu Gandalf und schließlich schweifte ihr Blick über die übrigen Gefährten, die mehr oder weniger mit geröteten Gesichtern abwechselnd von ihr auf den Boden blickten. Mit plötzlicher Erkenntnis sah sie an sich herunter. ‚Gute Aussicht, nervöse Männer, rote Gesichter?'

„Ihr seid blöd!" rief sie lachend und warf Gimli ihre Decke ins Gesicht. „Wieso müsst ihr mich auch so hetzen?!? Noch was: anstatt so abgelenkt zu sein, würde ich an eurer Stelle mal auf euer Reh aufpassen. So langsam wird es schon schwarz…" bemerkte sie trocken und schloss ihr Kleid um die zwei Knöpfe. ‚Na wenigstens konnten sie nicht allzu viel sehen…' dachte Elena beruhigt.

Die Hobbits waren inzwischen hektisch zum Feuer gestürzt um das Reh herunter zu nehmen.

Sie schienen gerade noch rechtzeitig gekommen zu sein, da es insgesamt noch genießbar erschien, wie ihnen beim Zerteilen klar wurde.

Nach dem Essen saßen sie alle noch gemeinsam am Feuer.

„Kannst du dich eigentlich noch an mich erinnern, Aragorn?" fragte Elena den Waldläufer, der neben ihr am Feuer saß.

Er wandte sich zu ihr um und sah sie prüfend an. Neben ihm saß ein Elbenmädchen, das gerade ihren geflochtenen Zopf löste, sodass die dichten, goldbraunen Haare in leichten Wellen bis zu ihren Hüften fielen. Die üblichen, ebenmäßigen Gesichtszüge, wie bei allen Elben, eine schlanke, wohlgeformte Figur. Die ebenfalls schlanken, aber dennoch durchtrainierten Arme verrieten, dass sie ihr Leben nicht nur mit Singen und Tanzen verbrachte, sondern ihre Waffen nicht nur zur Zierde mit sich herumtrug.

Die klugen, grünen Augen blickten ihn immer noch fragend an. Ja, bekannt kam sie ihm vor, aber er konnte sich nicht spontan daran erinnern woher.

„Sag bloß, du hast wirklich deine Ziehmutti vergessen?" fragte Elena gespielt beleidigt.

Daher kannte ich also seinen Geruch!' In Kira ging die Erleuchtung auf.

„Wie??? Du hast ihn erzogen???" fragte Merry verblüfft.

„Ja, es muss jetzt etwa 60 Jahre her sein… Ich hatte mich mit Arwen und Kira um dich gekümmert. Allerdings nur von deinem 2. bis zum 11. Lebensjahr! Dann musste ich weg…" beantwortete Elena die Frage.

„Jetzt wo du es sagst… Ich erinnere mich… Ja! Du hast immer mit mir gekämpft und Kira war Schiedsrichterin!" rief Aragorn.

Eine nicht ganz einfache Aufgabe bei zwei so dickköpfigen Kindern…" erinnerte sich Kira stöhnend.

„KindER??? Was willst du damit denn schon wieder sagen???" drohte Elena lachend. „Na, willst du mir zeigen, was du inzwischen dazugelernt hast?" forderte sie Aragorn heraus. „Bist mir ja in den Jahren schön über den Kopf gewachsen…"

„Von mir aus gerne!" grinste dieser und erhob sich.

Elena band sich wieder einen Zopf und stand ebenfalls auf.

Ihren Bogen legte sie auf den Boden und ging zu einer Lichtung in der Nähe des Lagers.

Die übrigen Gefährten folgten ihr, gespannt auf das Schauspiel, das sie gleich erwarten würde.

Der Mensch und die Elbin stellten sich gegenüber auf. Kira setzte sich wie in alten Zeiten zwischen ihnen während sie ihre Schwerter zogen. Die Klingen blitzen im Licht der fast untergehenden Sonne auf.

Kira erhob sich. „Seid ihr bereit?" fragte sie und bewegte sich langsam rückwärts.

„Darauf, dass ich gewinne!" grinste Elena den Menschen herausfordernd an.

„Das werden wir noch sehen!" grinste dieser ebenso zurück und griff an.

Elena hatte den plötzlichen Angriff erwartet und sprang geschickt zurück, sodass sein Schlag ins Leere ging.

„Haben sie früher auch schon mit echten Waffen gekämpft?" fragte Legolas Kira besorgt.

Ja, aber mehr als ein paar Kratzer und blaue Flecken hat nie einer von ihnen abbekommen. Es geht ihnen nur darum, dem anderen die Waffe aus der Hand zu schlagen. Zwar ganz gleich, ob mit Waffen oder durch geschickte Tritte, aber immer geschah alles im Rahmen des Erträglichen. Aber oft genug endeten ihre Kämpfe unentschieden. Und dann sollte ich als Schiedsrichterin immer entscheiden, wer denn besser gekämpft hatte. Aragorn war damals schon talentiert und stand ihr nicht viel nach… Also waren die Entscheidungen immer ziemlich schwierig… Aber nun sind beide stärker und geschickter geworden… Ich bin gespannt, wie es heute endet…"

„Was ist eigentlich mit dir und Arwen?" fragte Elena mitten im Kampf Aragorn mit breitem Grinsen auf dem Gesicht, während sie einen Schlag parierte.

„Was hast du denn gehört?" fragte Aragorn grinsend zurück und holte zu einem weiteren Schlag aus.

„Mein Hauptmann Gilnor war vor einiger Zeit in Bruchtal zu Besuch und er hat euch eines Abends Hand in Hand spazieren gehen sehen! Also, sollte ich etwas wissen?" Ihr Grinsen wurde noch breiter. „Und noch etwas: anlügen konntest du mich auch damals schon nicht, also versuche es gar nicht erst!"

„Schon gut, schon gut!" lachte Aragorn und wehrte Elenas Schwert ab. „Es stimmt… Wir lieben uns! Zufrieden?"

„Jetzt echt???" Elena vollführte schnell einen Seitwärtssalto, da sie durch seine Aussage einen Moment abgelenkt wurde und nicht mehr parieren konnte. „Das ist ja toll!" freute sie sich. „Seit wann denn???"

„Seit ich 20 bin…" antwortete er.

„Wie? So lange schon? Und dann habt ihr noch nicht geheiratet?"

„So einfach ist das leider nicht… Elrond erlaubt mir erst sie zu heiraten, wenn ich meine Bestimmung erfülle…"

„Bestimmung? Elrond hatte mir davon erzählt… Du musst Gondor und Arnor vereinigen. Als König! Nicht wahr?"

„So sieht es aus…Tja…" Aragorn verzog resigniert das Gesicht.

„Glaubst du, du schaffst das nicht? Ich denke, du würdest ein guter König sein. Glaube mir!" munterte die Elbin ihn auf.

„Selbst wenn… Was ist, wenn sie dann schon nach Westen gesegelt ist? In die ewigen Lande? Wenn sie Elrond folgt?"

„Du hast doch gesagt, sie liebt dich auch, oder? Und so wie ich sie kenne, wird sie diese Liebe nicht so einfach aufgeben! Vergiss nicht: Elben verschenken nur einmal im Leben ihr Herz. Und wenn du dieser Jemand bist, dann wird sie auch auf dich warten! Gib nicht auf!"

„Danke…" murmelte Aragorn lächelnd. „Du machst mir Mut!"

Die Sonne war inzwischen untergegangen, aber die beiden kämpften immer noch. Noch immer war kein Gewinner abzusehen, obwohl beide vor Anstrengung keuchten.

Seht ihr, was ich meine?! So haben wir Nachmittag um Nachmittag verbracht… Und abends, wenn Klein-Aragorn essen und ins Bett musste, dann ging die große Diskussion los…" seufzte Kira.

Die anderen schauten gebannt dem Kampf zu.

„Ich hätte nicht gedacht, dass eine Frau so gut kämpfen kann!" murmelte Boromir kritisch, aber anerkennend. „Normalerweise dürfen Frauen doch gar nicht kämpfen, oder?"

„Bei euch Menschen vielleicht, aber bei uns Elben steht es ihnen frei, was sie tun. Aber die meisten entscheiden sich nicht für die Waffe…" erwiderte Legolas.

„Unsere Zwergenfrauen kämpfen alle! Sie sind vollkommen gleichberechtigt!" warf Gimli stolz dazwischen.

„Wahrscheinlich, weil man sowieso nicht erkennen kann, wer von euch Mann oder Frau ist…" bemerkte Legolas trocken.

„Haaa Haaaa! Sehr witzig!" brummelte Gimli.

Pippin gähnte. „Ich bin müde… Sagt mir morgen, wie es ausgegangen ist, ok?"

Die übrigen Hobbits, Gandalf und Kira schlossen sich an.

Nicht, dass sie mich jetzt wieder als Schiedsrichterin missbrauchen!" grinste Kira. „Da gehe ich lieber mal!"

Legolas, Boromir und Gimli schauten weiterhin zu wie sich Aragorn und Elena Schlag um Schlag austauschten.

„Willst du noch nicht aufgeben?" fragte Elena keuchend.

„Du hast doch gerade gesagt, ich soll nicht aufgeben!" erwiderte Aragorn lächelnd und ebenso keuchend.

„Unsere Zuschauer verlassen uns schon!" bemerkte die Elbin grinsend. „Ich fürchte, wir langweilen sie… Und dreh mir nicht das Wort im Mund um! Ich meinte gerade was ganz anderes!"

„Tatsächlich?" grinste der Waldläufer zurück. „Aber so schwer es mir fällt: ich denke wir sollten aufhören… Sonst sind wir zu müde, falls uns Feinde angreifen! Frieden?"

Ihre Klingen hielten sie gekreuzt zwischen sich.

„Einigen wir uns also wieder auf ein Unentschieden? Na von mir aus… Aber wenn alles vorbei ist wiederholen wir unseren Wettstreit, einverstanden?" forderte ihn die Elbin heraus.

„Einverstanden!" nahm Aragorn die Herausforderung an und steckte sein Schwert in die Scheide.

Elena lächelte und tat es ihm gleich.

„Weißt du was: ich habe dich vermisst!" eröffnete er ihr.

„Ach, Lügner! So sehr vermisst, dass du mich schon vergessen hast… Verstehe…" lachte Elena und gab ihm einen Klaps an den Kopf.

Glücklich nahm sie ihn dann doch in ihre Arme.

„Hey, läuft was zwischen denen?" Gimli schaute Legolas und Boromir erstaunt an und zeigte mit dem Daumen auf die Elbin und den Menschen.

„Keine Ahnung! Mir doch egal! Mich wundert es nur, dass sie bei ihm nicht gleich hysterisch wird…" brummte Legolas.

„Wie kannst du nur so über andere urteilen, die du noch nicht kennst?" Elena blickte ihn wütend mit funkelnden Augen an. Sie und Aragorn hatten sich aus ihrer Umarmung gelöst und waren zu den anderen getreten.

„Ich…" setzte Legolas an.

„Ach, vergiss es! Ich will es gar nicht wissen!" Elena machte eine wegwerfende Handbewegung und lief zu Kira, die inzwischen am Feuer schlief.

Die vier Männer schauten ihr nach.

„Tja, mein lieber Elb! Bei Frauen musst du wohl noch üben!" grinste Gimli und erntete einen bitterbösen Blick von ihm.

„Was hast du denn jetzt schon wieder angestellt?" fragte Aragorn seinen Elbenfreund, der seine Worte nicht verstanden hatte.

„Ach… Ich hatte mich nur gewundert, dass sie bei dir nicht sofort hysterisch wird. Die Reaktion, die ich von ihr nur kenne, ist nämlich nur DIESE!" Legolas zeigte frustriert in die Richtung in die Elena gerade weggestapft war.

„Ich kenne sie eben schon länger! Aber ich muss dir in einer Sache zustimmen: temperamentvoll ist sie ohne Frage… Und furchtbar dickköpfig kann sie sein… Aber auch unglaublich liebevoll… Ich fange mich so langsam wieder an zu erinnern an die Zeit, die ich mit ihr, Arwen und Kira in Bruchtal verbracht habe..." antwortete Aragorn.

„Das klingt ja schon fast so, als ob du sie liebst…" schüttelte Boromir seinen Kopf.

„Nein, nein!" Aragorn hob abwehrend die Hände. „Mein Herz gehört Arwen! Für immer! Ihr könnt euch also noch Chancen ausrechnen!" grinste er seine Freunde an.

„Sie??? Niemals!" wehrte Legolas sofort ab.

„Sie ist zum Teil eine Elbin, schon vergessen? Also vergiss es!" Gimli schüttelte entschlossen den Kopf.

„Mich brauchst du auch nicht anzugucken!" Auch Boromir verneinte. „Aber warum willst du sie nicht, Legolas. Du bist doch schließlich auch ein Elb." Er schlug ihm auf die Schulter.

„Damit ich mich bis in alle Ewigkeit mit ihr streiten kann? Nein danke! Außerdem ist sie mir in irgendeiner Weise fremd und unheimlich. Normale Elben haben blonde oder schwarze Haare, aber niemals braune. Und denkt an ihre Reaktion als sie den Ring sah… Außerdem benimmt sie sich eher wie ein Mann, als wie eine Frau. Sie war dir ebenbürtig im Kampf, Aragorn!"

„Auf viele Fragen kann ich dir auch keine Antwort geben. Aber sie muss ihr Leben lang geübt haben, ihre Waffen zu führen. Dies wird uns vielleicht noch von großem Nutzen sein. Sie muss auch einem Heer angehört haben. Sie hatte mir von ihrem Hauptmann erzählt… Aber eins weiß ich: man kann ihr bedingungslos vertrauen. Seht in ihre Augen!" sprach sich Aragorn für Elena aus.

„Pff… Wenn sie mich ansieht, sehe ich immer nur dieses wütende Funkeln… Viel mehr kann ich dazu nicht sagen!" Legolas zuckte mit den Schultern.

„Ich mag sie jedenfalls! Schon allein aus dem Grund, weil sie ihn nicht mag!" grinste Gimli und nickte zu Legolas hin.

„Wenn ihr euch noch weiter streiten wollt, dann bitte leise! Ich werde jetzt auch schlafen gehen!" beschloss Boromir.

Die anderen schlossen sich aber ebenfalls an und gesellten sich zu ihren schlafenden Gefährten.

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Elena gähnte und streckte sich, als sie am nächsten Morgen erwachte. ‚Wo bin ich nur?' Verwirrt sah sie sich um. Sonnenlicht strahlte durch das Blätterdach der Bäume, die die Lichtung umrandeten. Ihr Blick fiel auf ihre Begleiter. Diese zehn sollten nun auf unbestimmte Zeit ihre Weggefährten sein? Nacheinander blickte sie die schlafenden Wesen an. Kira. Zusammengerollt lag der Wargh direkt neben ihr. ‚Du wirst mir auch jetzt eine treue Freundin sein, nicht wahr? So viel haben wir in den letzten Jahrhunderten schon durchgestanden… Und nun wartet wohlmöglich der schwierigste Auftrag auf uns. Den Ring zu zerstören. Mitten in das Reich des Dunklen Herrschers zu marschieren. Aber deine Schnelligkeit und deine Magie wird uns eine große Hilfe sein. Dessen bin ich mir sicher!' Liebevoll sah Elena ihre Freundin an, bevor sie ihren Blick weiter schweifen ließ.

Aragorn. Elena staunte über die Veränderung, die ihn in den letzten Jahren erfahren hat. Aus dem kleinen, lustigen Jungen ist ein ernster, kampferprobter Mann geworden. ‚Ob ihn die Bürde, bald König zu werden, so verändert hat? Oder seine Liebe zu Arwen? Ich kann es irgendwie immer noch nicht glauben… Wir haben ihn aufwachsen sehen und nun liebt er sie! Und ein guter Kämpfer ist er geworden. Ich dachte fast, dass er mich gestern besiegen könnte! Ihm kann ich ebenfalls bedingungslos vertrauen!'

Elena wandte ihren Blick von ihm ab und wanderte weiter zu den vier Hobbits, die eng aneinander gekuschelt im Gras lagen. Bei diesem Anblick musste sie unwillkürlich lächeln. ‚Ihr scheint euch wirklich gut zu verstehen. Eine Einheit. Jeder steht für den anderen ein. So müssten wir eigentlich bald alle sein. Eine Einheit! Aber ob Frodo dieser Bürde gewachsen ist? Er sieht noch so jung und schwach aus… Auch die anderen scheinen nicht viel Erfahrung im Kampf zu haben… Bisher schienen sie sich nur fürs Essen zu interessieren!' grinste Elena. Zu gut waren ihr noch die Quengeleien nach Pause und Essen in Erinnerung geblieben. ‚Aber dennoch hat er sich gemeldet, den Ring nach Mordor zu tragen. Und die anderen drei haben zugesagt. Mutig sind sie, kein Zweifel!'

Ihr Blick schweifte weiter zu Gandalf. ‚Zu dir brauch ich mir keine weiteren Gedanken zu machen. Du warst immer für mich da und wirst es auch weiterhin sein. Und ebenso wirst du für diese Gemeinschaft einstehen. Mit deiner Magie und deinem Wissen!'

Boromir. ‚Über ihn kann ich noch nicht viel sagen. Bisher scheint er sehr verschlossen mir gegenüber zu sein. Anscheinend passt es ihm nicht, dass eine Frau das Schwert schwingt… Aber er scheint ein tapferer Krieger zu sein. Entschlossen sieht er aus.'

Gimli. ‚Ja, Gimli! Was kann ich zu ihm sagen?! Er ist nun mal ein Zwerg… Und ich bin eine Elbin… Zumindest zur Hälfte. Und diese elbische Hälfte verbietet es mir eigentlich, einen Zwerg nett zu finden… Zwerge betreiben Raubbau an der Natur! Beuten sie um ihrer Schätze willen aus! Überall errichten sie ihre Minen um Silber und Edelsteine abzubauen, ohne auf die Natur zu achten. Aber dennoch… Etwas in mir sagt mir, dass ich ihn nicht nach seiner Rasse beurteilen darf. Er scheint lustig zu sein, und die Streitgespräche, die wir geführt hatten, waren bisher eigentlich nur witzig! Er scheint ein lustiges Kerlchen zu sein! Natürlich mit der typischen Sturheit der Zwerge, aber was soll's! Mit ihm werde ich mich, glaube ich, noch gut verstehen!' Sie lächelte, als Gimli im Schlaf grunzte.

Elena wandte ihren Kopf weiter zu Legolas. Der Elb lehnte an einem Baumstamm und sah sie ebenfalls an. ‚Was soll ich bloß von ihm halten? Er sieht gut aus, keine Frage! Wie alle Elben. Wahrscheinlich hat er schon einige Frauenherzen gebrochen… Aber ich bin jetzt noch nicht einmal zwei Tage in ihrer Gemeinschaft und er hat mich schon zweimal zur Weißglut gebracht! Das wird ja noch ein ‚Spaß'… Aus ihm werde ich nicht schlau! Pah! Ich ein Ork! Wie kommt er bloß darauf? Aber anscheinend möchte er gerne bei seinem Urteil bleiben… Ich und hysterisch! Blöder Elb!'