Sodele, das dritte Kapitel meiner Story. 26 hits hatte ich schon, nur warum kein Review:-( Sind die Kapitel zu lang, zu schlecht oder was? Würde ja gerne was verändern, wenn möglich...
Falls es irgendwer doch liest: Viel Spaß!
Kapitel 3
Sie erreichten den Caradhras pünktlich zwei Wochen später, als die Sonne direkt über ihren Köpfen schien.
„Da sollen wir hinaufsteigen???" stöhnte Gimli. Sein Blick wanderte über den schmalen, gewundenen Pfad, der sich den Berg vor ihnen hochschlängelte.
„Seid gewarnt, der Pass liegt in der Nähe des Gebietes von Saruman. Er könnte etwas dagegen haben, dass wir ihn benutzen… Seid auf alles gefasst!" warnte Gandalf die übrigen Gefährten. „Lasst uns erst ein wenig verschnaufen. Der Aufstieg wird noch anstrengend genug…"
Die Hobbits klatschten begeistert in die Hände und packten ihre Brote aus den Rucksäcken.
Auch die anderen setzten sich auf den Boden oder einen der umliegenden Felsbrocken und nahmen ihr Mittagessen zu sich.
Verstohlen blickte Legolas auf Elena. Sie saß mit dem Rücken zu ihm gewandt auf einem Felsen und schien sich angeregt mit Kira zu unterhalten. Sie war also immer noch wütend auf ihn, seufzte er. Selbst nach zwei Wochen…
Nachdem sich die Gefährten gestärkt hatten, machten sie sich an den Aufstieg.
Anfangs schien es ein relativ einfaches Unterfangen zu werden. Der Pfad stieg nur sanft an und die Sonne wärmte sie.
Doch als sie etwa ein Drittel des Aufstiegs gemeistert hatten schoss ihnen plötzlich ein eisiger Wind entgegen und der Himmel verdunkelte sich.
„Was???" „Aber wie???" riefen die Gefährten durcheinander.
„Das ist Sarumans Werk!" vermutete Gandalf. „Er muss uns bemerkt haben!"
Der Wind verstärkte sich. Allmählich fingen sie an zu zittern. Der Wind hatte sie durchgefroren. Ihre dünnen Mäntel boten nur geringen Schutz gegen die Wettermacht, die Saruman ihnen entgegen geschickt hatte. Einzig Kira mit ihrem dichten Fell schien die Kälte wenig auszumachen.
„Wir müssen weiter!" rief Aragorn. „Es bringt uns nichts, wenn wir hier stehen bleiben."
„Still, ich höre etwas!" warnten die beiden Elben wie aus einem Munde. Irritiert blickten sie sich an, um dann aber gleich wieder dem Geräusch zu lauschen, das sie vernommen hatten.
Kira fing an zu knurren, sie hatte ebenfalls etwas gehört, das ihr ganz und gar nicht gefiel.
„Wir werden angegriffen! Es nähert sich ein Trupp feindlicher Warghe!"
„Kira! Beschütze die Hobbits!" befahl Gandalf. Die Anderen zogen ihre Schwerter, bzw. Bögen.
Die Hobbits, die noch unerfahren im Kampfe waren, pressten sich an die Felsmauer, die sich seitlich von ihnen erstreckte. Kira stellte sich schützend vor die vier kleinen Wesen und wartete auf den Angriff.
Der Angriff ließ auch nicht lange auf sich warten. Wie aus dem Nichts sprangen berittene Warghs aus Deckungen in den Felsen. Anders als Kira sahen diese Warghs aus wie Bestien. Ihr Fell war schmutzig braun-schwarz, ihr Gesicht war zu einer erschreckenden Fratze verzerrt, die die langen Reißzähne entblößte. Geifer troff aus den geöffneten Mäulern, die bereit waren, alles zu zerreißen, was ihnen zu nahe kam.
Die Orks auf ihren Rücken hatten ihre Schwerter gezogen.
Elena schoss einen Pfeil auf den Wargh ab, der ihr gefährlich nahe war. Sie hatte aber die Rechnung ohne den starken Wind gemacht, den Saruman geschickt hatte. So streifte ihr Pfeil nur knapp die Kehle der Bestie, die jetzt nur noch wenige Armlängen von ihr entfernt war. Als der Wargh gerade zum Sprung auf die Elbin ansetzen wollte, strauchelte er und fiel tot vor Elena um. Ein Messer steckte in seiner Kehle. Ein Elbenmesser.
Elena warf einen dankbaren Blick Richtung Legolas. Für einen Moment vergaß sie ihren Streit. Als die Elbin ihren Pfeil abgeschossen hatte, hatte er realisiert, dass dies ein nutzloses Unterfangen war. Saruman hatte seinen Wind verstärkt und ließ ihn zudem von Zeit zu Zeit drehen, was es unmöglich machte einen präzisen Schuss abzufeuern. Also hatte er schnell seinen Bogen von sich geworfen und zog seine Elbenmesser. Als er bemerkte, dass Elena in Gefahr war, zögerte er nicht lange und warf das Messer, in der Hoffnung, dass es durch sein Gewicht nicht so leicht vom Wind beeinflusst werden konnte, wie ein Pfeil. Und es funktionierte. Elena war gerettet – vorerst. Er lächelte, als sie ihm dankbar in die Augen sah.
Elena wandte sich wieder von Legolas ab und zog nun ihrerseits ihr Schwert. Es wurde aus Mithril geschmiedet und leuchtete deshalb bläulich aufgrund der Orks. Sie blickte sich schnell um, um die Situation einzuschätzen. Saruman hatte 14 Warghe mit ihren Reitern geschickt. 2 näherten sich Kira und Gandalf, die die Hobbits beschützten. 3 kamen auf Legolas zu, jeweils 2 auf Boromir und Aragorn und Gimli. Der 12. Wargh lag zu ihren Füßen. Die beiden anderen warteten noch unschlüssig weiter über ihnen, nicht sicher, wen sie von ihnen angreifen sollten.
‚Aber warum hatte er sie gerettet? Sie hatte ihm allen Grund dazu gegeben, dass es ihm herzlich egal sein dürfte, was mit ihr passiert…' Sie hatten seit ihrem unglücklichen Zusammentreffen nicht mehr wirklich miteinander gesprochen. Während sie sich mit den anderen inzwischen mehr oder weniger angefreundet hatte, verliefen ihre Gespräche –falls sie überhaupt stattfanden- unterkühlt, bzw. endeten im Streit. ‚Warum eigentlich?' fragte sie sich. ‚Warum bringt mich dieser Elb immer zur Weißglut?' Elena seufzte und beschloss ihre Gedanken auf später zu verschieben. Sie hatte jetzt einen Kampf zu bestreiten, da konnte sie sich nicht auch noch um das Verhalten eines Elben Gedanken machen.
Langsam kroch der Ork unter seinem toten Reittier hervor. Er blickte sie hasserfüllt an. Sie erwiderte diesen Blick kalt.
Aragorn blickte kurz besorgt in Elenas Richtung. War sie fähig dazu zu kämpfen? Wäre Legolas nicht gewesen, wer weiß, ob sie jetzt noch gelebt hätte… Aber er konnte seine Gedanken nicht weiterführen. Die Warghs kamen näher und setzten schon zum Sprung an.
Der Ork rannte auf Elena zu. Er hieb sein Schwert in ihre Richtung, aber sie wich behände aus. Sie drehte sich flink um und stieß dem Ork ihr Schwert in die Seite, woraufhin dieser zusammenbrach. Um sicherzugehen, dass er wirklich tot war, schlitzte sie ihm ihr Schwert durch die Kehle, so wie sie es vor langer Zeit von Gilnor gelernt hatte.
Boromir hatte inzwischen einen weiteren Ork von dem Rücken seines Warghs geholt.
„Elena! Bist du bereit?" hörte die Elbin die Stimme Kiras in ihrem Kopf. ‚Bereit? Bereit wozu?' fragte sie sich, aber erinnerte sich im selben Moment. „Leg los, Kira! Wie früher!"
Das war Kiras Stichwort. Die zwei Warghe, die sich ihnen und den Hobbits knurrend genähert hatten, wurden plötzlich wie von einer unsichtbaren Macht durch die Luft gewirbelt. Sie landeten punktgenau vor Elenas Füßen. Mühsam rappelten sich die Warghe und die zwei Orks auf. Aber die Elbin war schneller. Flink schlug sie ihre Klinge durch die Hälse der Warghs.
Plötzlich sah sie im Augenwinkel wie Legolas in Bedrängnis geriet. Einer der Orks hatte sein Schwert erhoben und drohte es in den Rücken des Elben zu rammen. ‚Legolas!' schrie sie in Gedanken. Blitzschnell zog sie eines ihrer Messer aus ihrem Stiefel und warf es dem Ork mitten ins Herz.
Legolas war somit gerettet. Allerdings waren die Orks in Elenas Nähe nicht untätig gewesen in der Zwischenzeit. Sie hatten sich vollständig von ihrem Schock erholt und setzten nun auf Elena zu.
Im letzten Moment wand die Elbin den Blick von Legolas und wich den Klingen der Orks aus. Hingegen war sie nicht schnell genug. Eine der Schwerter traf ihren Oberarm und fügte ihr einen schmerzhaften Schnitt zu. Zu ihrem Glück war es nur der linke Arm, weswegen sie mit ihrem rechten Arm geschwind wie eh und je ihr Schwert führen konnte. Sie unterdrückte den Schmerz und tötete die Orks mit einem Schnitt durch die Kehle, bzw. durch einen Stich durchs Herz.
Sie blickte sich um: Alle Feinde schienen getötet worden zu sein. Insgesamt 28 tote Leiber lagen um die Gefährten verstreut. Aber sie selbst schienen allesamt wohlauf zu sein.
Mit großen Augen traten die Hobbits wieder hinter Kira hervor. Legolas zog inzwischen das Messer aus dem Herzen des Orks. ‚Ein Elbenmesser… Also hat sie…' überlegte er. Bei dem Gedanken daran musste er lächeln.
„Hier, das sollte dir gehören, nicht wahr?" Er überreichte Elena ihr Messer. „Ich danke dir…" fügte er leise hinzu ohne ihr dabei in die Augen zu sehen. Er war sich immer noch nicht sicher, ob sie immer noch wütend auf ihn war oder nicht. ‚Hätte sie mir dann überhaupt geholfen, wenn doch? Mir womöglich das Leben gerettet?' fragte er sich.
„Ich habe hier auch etwas was dir gehört!" Sie hielt ihm sein Messer unter dir Nase, sodass er hochschaute. Grüne Augen trafen blaue. „Ich wollte nur, dass wir quitt sind!" zwinkerte sie ihn an, woraufhin sie ein Lächeln von ihm erntete.
„Seid ihr fertig mit Geschenke verteilen?" fragte Gimli genervt. „Wir wollten jetzt eigentlich weitergehen…"
„Gimli! Du nervst!" lachte Elena.
„Ohooo, ich störe also! Verstehe…" grinste Gimli zurück und wandte sich den anderen Gefährten zu.
„Gimli… Was du schon wieder denkst…" genervt verdrehte Legolas die Augen.
Die Elben warfen sich noch einen kurzen Blick zu und liefen dann zu den anderen.
Kurz verzog Elena das Gesicht. Ihr Arm hatte das Laufen übel genommen.
„Du bist verletzt!" stellte Kira bestürzt fest, der Elenas Zusammenzucken nicht verborgen geblieben war. „Ich rieche Blut. DEIN Blut! Wo wurdest du verletzt?"
Elena verdrehte die Augen. Wieso merkte Kira auch alles?
„Die Orks haben meinen Arm verletzt! Als ich…" Sie warf einen flüchtigen Blick auf Legolas. „Als ich kurz abgelenkt war…"
„Setz dich!" befahl Aragorn. Sie gehorchte, zog ihren Mantel aus und legte ihn neben sich auf den Boden.
Ihr Blut hatte einen großen Fleck am Oberarm des weißen Hemdes hinterlassen. „Ich muss mir die Wunde anschauen. Frodo, gib mir mal Stich. Ich brauche ein sauberes Schwert."
Frodo reichte es ihm und er trennte mit einem sanften Schnitt den Ärmel ihres Hemdes bis zur Schulter auf. Das Schwert des Orks hatte eine etwa fingerlange tiefe Wunde hinterlassen.
Elena seufzte als sie die besorgten Gesichter der Gefährten auf sie gerichtet sah.
„Stellt euch nicht so an! Ist doch nur ein Kratzer! Und bevor ihr gleich ein Drama daraus macht: Kira, gib Aragorn das Verbandsmaterial und die Heilkräuter! Sonst kommen wir hier nie los…" Genervt blickte sie ihre Gefährten an.
Kira gehorchte und überreichte Aragorn das Verbandsmaterial und eine Schale mit Heilkräuterpaste. Überrascht blickte dieser von Elena zu Kira und zurück.
„Ihr seid ziemlich gut ausgerüstet!" bemerkte er anerkennend.
„Was glaubt ihr denn wie viel ich mitnehmen würde, wenn ich auch nichts tragen bräuchte!" grummelte Pippin.
„Ja, vor allem was zu Essen…" neckte Boromir.
Aragorn trug inzwischen die Heilkräuterpaste auf Elenas Wunde auf. Sie zuckte kurz zusammen, biss aber dann die Zähne aufeinander und hielt still. In Windeseile hatte Aragorn die Wunde verbunden und stand auf.
Elena folgte seinem Beispiel und verstaute das Verbandsmaterial und die Heilkräuter wieder im Transportstein, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass niemand sonst verletzt war.
„Können wir weiter?" fragte sie gespielt genervt.
Kira lächelte. Sie wusste nur zu gut, wie sehr es Elena auf die Nerven ging, wenn jeder sich um sie sorgte.
So setzten sich die Gefährten wieder in Bewegung. Der Wind hatte noch nicht abgenommen, im Gegenteil: er schien noch heftiger und kälter zu wehen als zuvor.
Doch sie ließen sich nicht davon abhalten und stiegen weiter der Berg hinauf.
Als sie noch ein ganzes Stück gegangen waren setzte plötzlich Schneefall ein.
„Schnee? Um diese Jahreszeit?" fragte sich Boromir.
„Saruman!" antwortete Gandalf. „Er will mit allen Mitteln verhindern, dass wir den Pass überqueren."
Sie vermummten sich noch tiefer in ihre Mäntel und trotzen weiter dem Wetter.
Doch je höher sie stiegen, desto stärker wurde der Schneesturm und bald sanken sie knietief in den Schnee ein, zumindest die größeren von ihnen. Die Hobbits hatten noch mehr gegen den Schnee zu kämpfen aufgrund ihrer geringeren Körpergröße. Auch der Zwerg hatte einige Schwierigkeiten.
Einzig Legolas ging leichtfüßig wie eh und je. Ihm war es möglich auf dem Schnee zu laufen.
„Wir… brauchen… eine… Pause…" schnauften die Hobbits, die nun schon brusthoch durch den Schnee gewissermaßen schwammen.
Kira hatte es inzwischen aufgegeben durch den Schnee zu laufen, da es bei ihrer Größe und ihrem Gewicht zu einer enormen Anstrengung geworden war und nutzte nun ihre Kraft der Teleportation um sich fortzubewegen.
Aragorn blickte sich verzweifelt um. Die Hobbits hatten sich erschöpft auf dem kalten Boden niedergelassen und knabberten an den Lembaswaffeln, die ihnen Elena gerade gegeben hatte.
„Möchtest du auch?" Elena hielt ihm die eingepackten Lembas unter die Nase.
Dankbar nahm er eine. Die Elbin verteilte die Waffeln auch an alle anderen Gefährten.
Gimli rümpfte erst die Nase, als er den Geruch des Elbenbrotes wahrnahm, biss dann aber doch hinein, überrascht über dessen guten Geschmack und die wohltuende Wirkung, die es in seinem Körper verbreitete.
„Elena?" Diese wandte sich zu Legolas um, der sie eben gerufen hatte. „Komm mal bitte her!" forderte er sie auf.
Die Halbelbin schaute ihn fragend an, trat dann aber doch an den Rand der Schneeschneise, die sie sich schon gegraben hatten.
Legolas sah von oben auf sie herab. „Nein, ich meinte: Komm zu mir. Hierhin! In dir fließt doch auch Elbenblut. Also müsstest du doch eigentlich auch auf Schnee laufen können?!"
Elena blickte ihn ungläubig an. Einerseits hatte er Recht, sie war zum Teil Elbin, aber sie hatte noch nie in ihrem langen Leben versucht auf Schnee zu wandern.
„Ja, schon…" antwortete sie. „Aber…"
„Nichts ‚aber'! Komm her!" Er streckte ihr seine Hand entgegen.
Sie blickte ihn weiterhin skeptisch an, legte dann aber doch ihre Hand in seine. ‚Wie warm sie sich anfühlt, trotz der Kälte…' dachte sie. Er lächelte sie an, als Dank für ihr Vertrauen.
Sie stieß einen Fuß in den Schneewall vor ihr und zog sich mit dem anderen Bein und Legolas' Hilfe hoch.
Etwas unsicher stand sie auf dem Schnee. Aber immerhin, sie stand!
„Unglaublich… Ich kann es!!!" jubelte Elena und strahlte Legolas an.
„Du könntest so vieles schaffen, wenn du dich nur auf deine Fähigkeiten berufen würdest!" war Gandalfs Stimme zu vernehmen.
Elenas Strahlen erstarb augenblicklich, als sie in Gandalfs scharf blickende Augen schaute.
Sie senkte den Blick, wandte sich von Legolas ab und sprang wieder in die Schneise hinunter.
Dieser schaute ihr erst fragend hinterher und wandte dann den Blick zu Gandalf, in der Hoffnung, er würde ihm die Situation erklären. Dieser schüttelte aber nur den Kopf in Richtung der weggehenden Elena und folgte ihr schließlich, ohne einen Blick auf Legolas geworfen zu haben.
‚Muss ich das jetzt verstehen?' fragte sich der Elb. ‚Hab ich irgendetwas falsch gemacht?'
„Es hat keinen Sinn!" meinte Aragorn in diesem Augenblick. „Wir kommen hier nicht weiter! Wir müssen einen anderen Weg nehmen! Gandalf?"
Dieser blickte den Waldläufer besorgt an, aber nickte dann zustimmend. „Ja, es stimmt. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Wir müssen durch die Minen von Moria gehen. Ich wollte es vermeiden, aber es geht nicht anders… Lasst uns dorthin aufbrechen!"
So kehrten sie also um. Der Schneesturm wurde merklich milder.
„Was ist denn so schlimm an den Minen?" fragte Elena Gandalf.
„Es ist eine Stätte der Zwerge. Sie haben dort Jahrhunderte lang kostbare Schätze abgebaut. Gold, Silber, Edelsteine, Mithril…" rief Gimli bevor Gandalf antworten konnte.
„Aber es heißt, dass dort inzwischen Orks und weitere Wesen unglaublicher Boshaftigkeit leben." ergänzte Gandalf Gimlis Bericht um weniger schöne Tatsachen.
„Wir werden sehen… Aber selbst wenn: wir haben keine andere Wahl!" bemerkte Aragorn.
Inzwischen kamen sie wieder an dem Schlachtfeld vorbei.
Bei diesem Anblick strich Elena mit der rechten Hand über ihren Verband. Die Wunde scheint schon zu verheilen. Die Klinge schien zum Glück nicht vergiftet zu sein.
„Tut es noch sehr weh?" fragte Legolas. Ihn plagten leichte Schuldgefühle. ‚Wenn sie mir nicht geholfen hätte, wäre sie auch nicht verletzt worden…'
„Ach, schon wieder fast verheilt!" Elena machte eine wegwerfende Handbewegung. „Mach dir keine Sorgen! Mir geht es gut! Morgen brauchen wir nicht mehr darüber zu reden!"
Legolas lächelte beruhigt.
Nach kurzer Zeit erreichten sie wieder den Fuß des Berges. Inzwischen war es schon dunkel geworden.
„Ich denke, wir sollten hier rasten, oder was meinst du, Aragorn?" schlug Boromir vor. „Unsere Kleinen sind müde!" Mit dem Daumen zeigte er auf die Hobbits, die wahrhaftig kaum noch die Augen aufhalten konnten.
„Du hast Recht!" stimmte Aragorn zu. „Allerdings sollten wir dort drüben den Wald als Rastplatz nehmen! Dort sind wir wenigstens etwas vor feindlichen Blicken geschützt."
„Aber das ist doch noch sooo weit!" stöhnte Sam.
„Na los, dann steigt auf!" bot Kira an. Sie legte sich vor die Hobbits und sah sie aufmunternd an.
„Sind wir dir nicht zu schwer?" fragte Frodo zweifelnd.
„Es wird schon gehen. Es ist ja nur ein kurzes Stück!" versicherte der Magiewargh.
Dankbar lächelten die Hobbits und krabbelten auf den Rücken des großen Tieres.
Langsam, damit die kleinen Halblinge nicht herunterfielen, stand sie auf und setzte sich langsam in Bewegung.
Die übrigen Gefährten folgten ihr. Elena und Aragorn übernahmen jeweils eine Seite des Warghes, um sicherzugehen, dass keiner der Hobbits seitlich hinunterrutschte, da sie inzwischen aufgrund der leicht schaukelnden Bewegungen Kiras beim Laufen eingeschlafen waren.
„Du hast dich gut geschlagen, Elena!" bemerkte Aragorn anerkennend.
„Danke!" erwiderte diese, sichtlich erfreut über das Lob. „Aber ich bin auch gut in Übung gewesen in den letzten Tagen…" setzte sie grummelnd hinzu. „Orks hatten den Silberwald angegriffen und mein Hauptmann hatte mir befohlen mitzukämpfen."
„Also suchen sie auch schon dort nach dem Ring?" mischte sich Legolas in die Unterhaltung ein. „Der Silberwald ist nur zwei Tagesreisen vom Düsterwald entfernt. Vielleicht greifen sie ihn jetzt gerade an…" fürchtete der Elb besorgt.
„Ich denke schon, dass sie nach dem Ring gesucht haben. Obwohl…" Kiras Blick fiel auf Elena, welche sie scharf ansah. Kaum merklich schüttelte sie mit dem Kopf.
„Dein Vater hat ein fähiges Heer auf seiner Seite. Er wird den Düsterwald schon zu verteidigen wissen, auch ohne deine Hilfe!" beruhigte Aragorn den Elben.
„Wenn du das sagst…" meinte Legolas, noch immer nicht völlig von seiner Sorge befreit.
„Habt Ihr kein Vertrauen in Euer eigenes Gefolge, mein Prinz?" Er blickte in Elenas herausfordernd blitzende Augen.
‚Sie hat Recht…' dachte er sich. Der Elb erinnerte sich an seine harte Kampfausbildung, die auch alle anderen Elben des Düsterwalds genossen. Sie würden es schaffen.
Sein zuvor besorgter Blick wurde mehr und mehr zuversichtlich.
„Na also! Geht doch!" grinste Elena.
Schließlich erreichten sie den Wald und auch wenige Augenblicke später eine geeignete Stelle zum Rasten.
„Kann mir mal jemand helfen?" bat Kira. „Die Hobbits sind eingeschlafen und wenn ich mich hinlegen würde, würden sie hinunterfallen."
„Sollen wir sie nicht einfach wecken? Das wäre am einfachsten…" schlug Boromir vor.
„Aber sie schlafen doch gerade so schön… Sie haben sich ihren Schlaf verdient!" entgegnete Elena.
„Es wird uns aber nichts anderes übrig bleiben… Kira ist zu groß um sie einfach so herunterheben zu können!" wandte Aragorn ein.
„Ach, ich habe da schon eine wunderbare Idee…" war Gimli zu vernehmen. „Aragorn und Legolas, ihr seid doch beide gleich groß… Du Boromir, bist leider etwas zu groß, also muss unser feiner Prinz ein wenig arbeiten!" grinste er gehässig den Elben an. „Und du, Elena. Du bist doch auch schön groß, geschickt, schlank, leicht und…"
„Gimli, hör auf mit den Schleimereien und komm zum Punkt!" unterbrach ihn die Halbelbin genervt.
„Nun ja, ich hatte mir das so vorgestellt: du setzt dich auf die Schultern von den beiden und bist so groß genug, um die Hobbits herunter zu heben. Und ihr, Boromir und Gandalf, ihr könntet sie entgegennehmen!" Gimli schaute stolz wegen seiner Idee in die Runde.
„Aber sie ist verletzt!" wandte Legolas ein.
„Darf ich vielleicht auch für mich selbst sprechen?" Elena schaute ihn böse an. „Die Hobbits sind bestimmt nicht schwer, eher wie Kinder. Das ist selbst für ein kleines, schwaches, schwerstverletztes Elbenmädchen zu schaffen!" fügte sie ironisch hinzu.
„Bitte, wie du meinst…" erwiderte Legolas gekränkt.
„Seid ihr fertig? Sonst ist es gleich Morgen und die Hobbits wachen von selbst wieder auf." Gandalf hatte das Schauspiel mit zuckenden Mundwinkeln beobachtet.
„An mir liegt es nicht!" grinste Elena zurück. „Also, wenn sich die Herren bitte genau nebeneinander an Kiras Seite aufstellen wollen?!"
Die beiden warfen sich einen belustigten Blick zu und taten das, was von ihnen verlangt wurde.
„Seid ihr bereit?" vergewisserte sich die Elbin.
Der Mensch und der Elb nickten.
„Brauchst du Hilfe?" bot Boromir ihr an und hielt ihr die Hände wie zu einer Räuberleiter zusammengefaltet hin.
„Nein, danke, ich schaffe das schon!" lehnte Elena ab.
Boromir zog die Augenbrauen hoch, da er sich nicht vorstellen konnte, wie sie sonst auf die Schultern der beiden groß gewachsenen Männer kommen sollte, aber nickte dann.
Elena ging um die Männer herum, bis sie hinter ihnen stand. Kiras Kopf war nun direkt neben ihr und sie zwinkerten sich zu.
Die Elbin legte ihre Hände auf die äußeren Schultern ihrer Gefährten. Sie sprang hoch und landete sanft auf deren inneren Schultern.
„Siehst du, geht doch!" grinste sie Boromir an.
Aragorn umfasste den schlanken Schenkel Elenas, damit sie nicht herunterfiel. Nach einigem Zögern tat Legolas es ihm gleich.
Elena streckte sich zu den Hobbits hin. „Noch ein kleines Stückchen näher!" wies sie die Männer unter sich an. Mit kleinen Schritten robbten sich diese an Kiras Rücken heran.
Nun konnte Elena problemlos die Hobbits erreichen. Ihre Wahl fiel auf Merry, der ganz hinten auf Kiras Rücken saß. Die Halblinge waren im Schlaf nach vorne über gekippt, sodass es ihr am logischsten erschien, sie von hinten nach vorne von dem Rücken des Warghs zu holen. Sie hob ihn hoch und legte ihn in ihre Arme wie ein Kind.
‚Unglaublich, wie klein sie doch tatsächlich sind…' dachte sich Elena bei dem Anblick des Hobbits in ihren Armen. Sie lächelte und beugte sich hinunter, um Merry an Boromir zu übergeben.
Dieser legte ihn vorsichtig auf den weichen Waldboden und deckte ihn mit einer Decke zu, die Gandalf ihm aus einem der Hobbitrucksäcke gegeben hatte.
Ebenso verfuhren sie mit Pippin und Frodo, die sich durch die Umbettung nicht an ihrem Schlaf stören ließen.
„Na ihr beiden, könnt ihr noch?" fragte Elena die Männer die sie trugen.
„Na ich finde nicht, dass sie noch sehr entspannt aussehen…" meldete sich Gimli, bevor noch einer der beiden antworten konnte. „Entweder sind die beiden wirklich zu schwach,.." er empfang einen vernichtenden Blick der beiden Betroffenen. „…oder die Nähe einer netten Elbin macht sie nervös…" Wieder ein vernichtender Blick des Menschen und des Elben und eine skeptische Elena, die von einem Kopf der Männer zum anderen schaute. „… oder unsere gute Elbin hat ein bisschen zuviel von ihren Lembaswaffeln genascht…" grinste Gimli.
„Gimli!!!" riefen die drei Betroffenen wie aus einem Mund.
„Anstatt dich über uns lustig zu machen, könntest du dich lieber nützlich machen! Such Feuerholz! Wie wäre es denn mal damit?" Legolas schaute ihn auffordernd an.
„Ich denke nicht, dass Feuer in dieser Nacht eine gute Idee wäre. Wir sind noch zu nahe an Sarumans Gebiet. Seine Schergen könnten uns so leichter entdecken. Diese Nacht werden wir frieren müssen." verneinte Gandalf den Vorschlag.
„Tja, so schnell wirst du mich also nicht los!" grinste Gimli genugtuend.
„Wollt ihr euch noch weiter streiten, oder können wir weitermachen?" Boromir trommelte mit dem Fuß auf dem Boden.
Elena beugte sich also vor, um Sam von Kiras Rücken zu heben. Plötzlich schoss ihr ein stechender Schmerz durch den Arm. ‚Verdammt! Sam ist zu schwer…Meine Wunde ist wieder aufgerissen!' fluchte sie innerlich. Aber sie wollte sich auch keine Blöße vor Legolas geben, der sie schon vorhin darauf hingewiesen hatte, dass es möglicherweise zu schwierig für sie werden könnte.
Die Elbin biss die Zähne aufeinander und hob Sam in ihre Arme. Sie schwankte leicht, schaffte es dann aber doch den größeren Gewichtsunterschied auszugleichen.
„Was ist los mit dir?" fragte Legolas, der Elenas Zusammenzucken und Schwanken bemerkt hatte.
„Nichts, was soll sein?" erwiderte sie bissig, und anscheinend auch eine Spur zu laut.
Sam schlug augenblicklich die Augen auf. Schnell hatte er realisiert, dass er festgehalten wurde, konnte die Situation aber nicht weiter einschätzen.
„Hilfe!!! Orks!!! Sie haben mich!!!" brüllte er und schlug wie wild um sich und hörte nicht die beruhigenden Worte seiner Gefährten.
Er traf Elena auf den verletzten Arm woraufhin diese leise aufschrie und beeinträchtigt durch den zappelnden Sam das Gleichgewicht verlor.
Aragorn und Legolas versuchten selbst ihr Gleichgewicht zu halten, was aber anhand der zwei Gefährten, die über ihren Köpfen zusammenbrachen ein vergebliches Unterfangen war.
Boromir stürzte nach vorne, um wenigstens Sam aufzufangen, aber er kam zu spät. Vor seinen Füßen lag schon ein Häufchen Elend bestehend aus zwei Elben, einem Hobbit und einem Menschen, die in sich verknotet waren.
„Geht es euch gut?" fragte Gandalf bestürzt.
Als Antwort erhielt er aber nur ein kollektives Stöhnen derer, die sich langsam aus ihrer Verknotung befreiten.
Sam befreite sich zuerst aus Elenas Umklammerung. „Was… Was… Wo bin ich? Was ist passiert?" fragte er verwirrt.
"Ich muss dir gratulieren! Du hast gerade zwei Elben und zwei Menschen zu Boden gestreckt! Das ist nur selten jemandem gelungen!" zwinkerte Gimli anerkennend und lachte beim Anblick der anderen.
„Könntet ihr euch vielleicht auch von mir erheben???" beschwerte sich Legolas.
„Ihr gebt wirklich ein lustiges Bild ab, da muss ich Gimli doch auch mal zustimmen!" lachte Kira nun ihrerseits. Gandalf und die durch Sams Geschrei geweckten Hobbits stimmten mit ein. Sie fanden das Bild, das sich ihnen bot einfach zu lustig: Legolas lag unten, mit dem Rücken auf dem Boden, Elena fest umklammert, die seitlich auf ihm lag. Über ihre Beine erstreckten sich Aragorn und Boromir, die versucht hatten sie aufzufangen.
Die Menschen rappelten sich langsam auf und lachten ihrerseits mit.
„Wenn ich auch aufstehen soll, dann musst du mich schon loslassen!" lächelte Elena den Elben unter ihr an, der sie immer noch fest umklammert hielt.
Sie hatte es geschafft, sich etwas zu drehen. Ihre Hand ruhte nun auf seiner Brust, mit der sie sich ein wenig hochgestemmt hatte, in der Annahme, dass er sie problemlos gehen ließ.
Legolas blickte Elena an. Er spürte ihre Wärme, so wie sie auf ihm lag. Ihr geflochtener Zopf hatte sich im Laufe des Abends gelöst und die langen goldbraunen, leicht gelockten Strähnen fielen ihr über die Schulter und ins Gesicht. Der Elb fühlte die schlanke Figur des Mädchens in seinen Armen.
„Hey, lebst du noch??? Lass mich los!" rief Elena nun lauter. Ihr Gesicht hatte eine leicht rötliche Färbung angenommen. Sie war sich langsam der verfänglich ausschauenden Situation bewusst geworden, in der sie sich gerade befand.
„Wie? Was? Ja, natürlich…" stammelte Legolas und öffnete seine Arme abrupt.
Elena blickte ihn noch einen Moment fragend an, bis er errötend den Blick abwandte.
Schließlich erhob sie sich und schaute in die breit grinsenden Gesichter ihrer Gefährten.
„Was???" fragte sie leicht genervt. „Ich gehe jetzt noch ein wenig schwimmen! Dort hinten im Wald habe ich einen See gesehen. Bis später! Vielleicht habt ihr euch dann eingekriegt…"
Die Elbin stapfte tiefer in den Wald.
„Ich werde etwas spazieren gehen. Mit euch ist es wirklich nicht auszuhalten!" verabschiedete sich auch Legolas, nahm seinen Bogen und ging in entgegengesetzter Richtung in den Wald wie Elena. ‚Was habe ich mir eigentlich gerade dabei gedacht?' fragte er sich. ‚Vielleicht hilft mir das Spazieren gehen, einen klaren Kopf zu bekommen…'
„Elena! Warte! Du solltest nicht alleine gehen! Außerdem war ich auch lange nicht schwimmen." rief Kira ihrer Freundin hinterher und lief ebenfalls in Richtung See nachdem sie einen wissenden Blick mit Gandalf getauscht hatte.
„Sind sie jetzt böse auf uns?" fragte Frodo besorgt.
„Nein, nein, mach dir keine Sorgen!" beruhigte Gandalf ihn. „Ach, Gimli, hol doch bitte etwas Feuerholz. Ich habe es mir anders überlegt."
Gimli gehorchte und machte sich ebenfalls auf den Weg tiefer in den Wald.
„Bist du dir sicher, dass es eine gute Idee ist, den Zwerg alleine zu den Elben zu schicken? Ich werde ihn begleiten!" Boromir erhob sich und lief dem Zwerg hinterher.
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Legolas genoss die Ruhe von seinen Gefährten. Er lauschte den Stimmen des Waldes. Trotz der tiefen Finsternis, die im Wald herrschte, konnte er dank seiner ausgezeichneten Elbenaugen problemlos seinen Weg finden.
‚Was war nur mit mir los? Wie lange habe ich sie wohl so festgehalten? Was sie jetzt wohl von mir denkt… Sie muss mich doch wohl für total verrückt halten… Wahrscheinlich noch mehr hassen als vorher… Oder hat sie mir den „Ork" schon verziehen? Was mache ich mir eigentlich so viele Gedanken über sie? Soll mir doch egal sein, was sie von mir hält…'
Er blickte auf seine Hände, die noch vor wenigen Augenblicken den schlanken Körper Elenas umfasst hatten. Doch was war das? Blut klebte an einer seiner Hände!
Erschrocken hielt er sich die Hand nah vor die Augen, um sicherzugehen, dass ihm die Dunkelheit keinen Streich gespielt hatte. Doch es war wahr! Seine Nase nahm den leicht metallischen Geruch von Blut wahr.
Er war nicht verletzt! Aber… Das würde bedeuten… dass SIE…
Legolas rief sich die Ereignisse der letzten Augenblicke vor Augen. Schlagartig erinnerte er sich: sie mit Sam auf dem Arm, ihr Zusammenzucken und Schwanken, Sams Schläge… Ihre Wunde muss wieder aufgerissen sein…
‚Am See! Sie ist am See… Vielleicht braucht sie Hilfe?!? Vielleicht ist sie nur weggegangen, um uns nicht zu belasten und nicht, weil die anderen oder ich sie geärgert hatten?!?' fragte er sich.
Seine Sorge siegte und er lief zum See.
