Disclaimer: Die ganze Potter-Sache ist immer noch in JKRs Händen…und auf ihrem Konto.

A/N: Wir nähern uns dem Ende dieser Geschichte. Dies hier ist das letzte Kapitel. Ein Epilog wird in nächster Zeit noch folgen, dann verlassen wir James und Sirius wieder. In dieser Story zumindest. Ich liebe dieses Pairing zu sehr, um es ganz aufzugeben ;)

Herzlichen Dank fürs reviewen an Missy, little-choco, Joeli, Feltonfan, Lucyanne, Slytherene, Sturmwarnung, Moons, Nutellamädchen, citrone und schokowolf.


James atmete tief durch, als die Tür zu dem weiß gekacheltem Raum hinter ihm zufiel. Sein eigenes, recht bleiches Gesicht blickte ihm aus dem Spiegel über dem Waschbecken entgegen. Kaltes Licht flutete den kleinen Raum.

James lehnte die Stirn gegen die kühlen Kacheln. Das Klirren der explodierenden Flasche dröhnte immer noch in seinen Ohren, vermischte sich mit Ricks schmeichelnden Worten und Sirius' Lachen. James schloss die Augen.

Die Welt drehte sich eindeutig zu schnell.

„Wenn ich gewusst hätte, wie du auf den Feuerwhiskey reagierst, hätte ich dir doch lieber keinen gegeben."

James drehte den Kopf etwas zur Seite und öffnete die Augen einen Spalt breit. Er erkannte Sirius, der lässig im Türrahmen lehnte. Die Belustigung verschwand allerdings recht rasch aus seinem Blick, als er James näher betrachtete.

„Merlin, du bist weiß wie die Wand."

„Es geht schon.", sagte James, stieß sich von der Wand ab, trat hinüber ans Becken und ließ kaltes Wasser über seine Hände laufen. Dann beugte er sich hinunter, um etwas von dem kühlen Nass zu trinken. Als er wieder aufsah begegnete sein Blick Sirius' sturmgrauen im Spiegel.

Die Intensität seines Blickes wurde auch durch das Spiegelglas nicht geschwächt. James lenkte den seinen zurück aufs Waschbecken. „Es geht mir gut.", sagte er zum weißen Porzellan, dann atmete er noch einmal tief durch und wandte sich vollständig zu Sirius um, um diesen nur wenige Zentimeter von sich entfernt vorzufinden.

„So siehst du aber nicht aus."

„Danke.", sagte James mit schiefem Grinsen.

„Jemanden, dem es gut geht, fliegen keine Whiskeyflaschen um die Ohren."

James blickte betreten zu Boden. „Ich weiß auch nicht…wie das…wie das passieren…aber es - "

James verstummte. Sirius legte ihm eine Hand auf die Schulter. Das Kribbeln kehrte in James' Magen zurück.

„Ich bring dich nach Hause."

„Nicht nötig.", sagte James kopfschüttelnd und hob den Blick. Sirius schenkte seinen Worten jedoch wenig Bedeutung und schob James aus dem kleinen Raum zurück in die Gaststube.

„Aber Angelina - "

„ – wird es verstehen. So wie du eben aussiehst is es besser, du legst dich ein paar Stunden hin."

oooOOOooo

Auf James' Wunsch hin hatten sie nicht den Fahrenden Ritter genommen, sondern liefen den Weg zu Fuß. Der Regen hatte sich auf kühlen Nieselregen reduziert. Auch der Wind war schwächer geworden, wenn auch nicht weniger kalt als zuvor.

Sie liefen schweigend den Weg entlang, doch James spürte, dass Sirius ihm immer wieder Seitenblicke zuwarf. Es war seltsam. Ganz anders, als all die Male zuvor, bei denen sie allein unterwegs gewesen waren. So viel Unausgesprochenes schien zwischen ihnen zu liegen wie eine eisige Wand.

Die Weggabelung kam in Sicht, die James' Heimweg von dem zur WG trennte. Der Weg war von hier aus nicht mehr weit. Ein paar Minuten, nicht mehr. Die Aussicht auf Wärme und Trockenheit milderte ein wenig das flaue Gefühl in James' Magen, doch es kam augenblicklich zurück, als er an seine Mutter dachte, die bestimmt wieder aufwachen würde, wenn er die Haustür aufschloss. Er konnte ihren besorgten Blick und ihre Fragen förmlich schon sehen und hören. Fragen, auf die James selbst keine Antwort wusste…oder vielleicht doch…

„James?"

James hatte nicht bemerkt, dass er stehen geblieben war. Sirius musterte ihn mit fragendem Blick.

„Was ist?"

„Ich glaube, ich will nicht nach Hause.", antwortete James und fuhr sich mit einer Hand durchs nasse Haar. „Ich würde meine Mum nicht…naja, ertragen ist vielleicht das falsche Wort…"

Sirius lachte. „Okay, schon verstanden." Er schüttelte sich das nasse Haar aus den Augen. „Trocken ist es bei uns auch und schlafen kannst du in meinem Zimmer genau so gut. Und keine Sorge" er legte einen Arm um James' Schulter und grinste „ich kann mich benehmen."

oooOOOooo

Obwohl sich James schon häufig in der Wohnung der bunten Wohngemeinschaft aufgehalten hatte, war Sirius' Zimmer doch etwas Neues für ihn. Hier herrschte ein kreatives Chaos. Kleidungsstücke lagen über den Boden verstreut, das Bett war ein unordentlicher, jedoch bequem wirkender Deckenhaufen und der Schreibtisch unterm Fenster bog sich unter der Last von Studienbüchern, Quidditchmagazinen und Papierfetzen, auf denen Notizen zu Songtexten gekritzelt waren. Sirius' Gitarre lehnte in der Ecke neben dem Schreibtisch.

„Ich hoffe das Chaos stört dich nicht all zu sehr.", sagte Sirius mit schiefem Grinsen und zog die Zimmertür halb hinter sich zu.

„Du hast mein Zimmer noch nicht gesehen.", gab James ebenso grinsend zurück.

„Kann man alles nachholen.", lachte Sirius. „Ich geh mal eben nachsehen, was der Butterbiervorrat so ausspuckt. Machs dir bequem." Er nickte in Richtung Bett, zwinkerte und verließ noch einmal das Zimmer.

James schob zögerlich den Deckenberg zur Seite und setzte sich auf das breite Bett. Obwohl trocken und warm fühlte es sich trotzdem seltsam an hier zu sein, wenn der Rest der Wohnung ungewohnt still und dunkel war.

Nova trottete durch die Tür ins Zimmer und begrüßte James schwanzwedelnd. James lächelte matt und kraulte die schwarze Hündin hinter den Ohren. Nova gab ein paar genießerische Laute von sich und sprang neben James aufs Bett, vergrub sich halb unter den Decken und blickte mit großen Hundeaugen zu James empor. James lachte, legte sich neben sie und streichelte ihr seidiges Fell.

Seine Augenlider wurden immer schwerer…

oooOOOooo

Als James erwachte krochen bereits die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont.

Nova war irgendwann im Laufe der Nacht neben ihm verschwunden und James hatte sich tiefer in die Kissen gekuschelt, die so sehr nach Sirius rochen.

Sirius.

James drehte sich um und fand ihn im Sessel seines Schreibtisches schlafend vor. Er sah ruhig und entspannt aus, obwohl so zu schlafen keinesfalls bequem sein konnte.

James streckte die Hand aus und berührte ihn am Ellbogen.

Sirius schreckte hoch.

„Morgen.", sagte er verschlafen und wischte sich über die Augen.

„Morgen.", sagte James und warf einen Blick aus dem Fenster auf die aufgehende Sonne. „Sehr früher Morgen."

„Mhm." Sirius streckte sich ausgiebig.

„Tut mir leid, dass ich dein Bett so in beschlag genommen habe."

Sirius winkte ab und gähnte.

James hob die Brille an und rieb sich über die Augen, während er seinerseits ein Gähnen unterdrückte.

„Du siehst aber auch nicht ganz wach aus.", sagte Sirius und grinste. Er blickte kurz auf die Uhr und schüttelte sich. „Eindeutig viel zu früh. Allerdings is um diese Zeit noch niemand sonst auf den Beinen. Kaffee?"

James nickte und setzte sich auf. „Klingt nach einer guten Idee."

oooOOOooo

James saß mit geschlossenen Augen neben dem Kamin am Teppich. Der Duft von frischem Kaffee stieg ihm in die Nase. Er schlang die Arme enger um sich, legte das Kinn auf die angezogenen Knie.

„Hier."

Sirius setzte sich neben James auf den Boden und reichte ihm eine Tasse. James nahm sie lächelnd entgegen. Ihre Fingerspitzen berührten sich leicht. Ein Kribbeln ging von der kurzen Berührung aus, lief James' Arm nach oben und ließ die Haare in seinem Nacken aufrichten.

„Danke.", sage James rasch und nahm einen Schluck, verbrannte sich fast am heißen Kaffee.

„Es hat wieder zu regnen begonnen.", bemerkte Sirius nach einer Weile des Schweigens. James hob den Blick aus seiner Kaffeetasse. Regen klatschte heftig gegen die Scheibe.

„Wunderbar.", murmelte er.

„Morgen.", kam es von der Küchentür her. Jo schlurfte in die Küche, gähnte herzhaft und ließ die Finger durch ihr schwarzes, zerzaustes Haar gleiten.

„Morgen.", erwiderte James und stand auf.

„Kaffe steht da drüben.", sagte Sirius und deutete auf die Kanne, die am Küchentisch stand.

„Beleibst du noch zum Frühstück?", fragte Jo James mit verschlafenem Grinsen, goss Kaffee in eine Tasse und zwinkerte ihm zu.

„Nein.", sagte James hastig. Er wollte lieber nicht wissen, was sie über die Nacht, die er in Sirius' Zimmer verbracht hatte, dachte. „Der Kaffee reicht als Frühstück, danke. Ich muss ohnehin gleich los."

oooOOOooo

„Danke noch mal."

„Keine Ursache." Sirius grinste. „Jederzeit wieder."

„Also dann." James drehte sich zur Tür und umfasste die Türklinke, doch Sirius legte seine Hand darüber und hinderte James so daran die Tür zu öffnen.

„Wann seh ich dich wieder?"

Sirius' Atem strich über James' Nacken. Seine Worte waren kaum mehr als ein Flüstern.

James' Herz setzte einen Schlag lang aus.

„Ich…ich weiß nicht…"

Sirius' Lippen berührten sanft die Stelle knapp unter James' Ohr.

„Heute Abend?", hörte James sich selbst sagen.

„Klingt gut." Sirius' Fingerspitzen geisterten James' Wirbelsäule entlang.

James schluckte. Seine Augenlider flackerten unwillkürlich. Als Sirius seinen Nacken erreichte hatte, drehte James den Kopf etwas. Sirius war so nah, seine Lippen nur Millimeter entfernt.

Mach schon', flüsterte eine Stimme in James. ‚Worauf wartest du denn noch?'

James beugte sich ein Stück nach vorne.

„Bis heute Abend dann.", sagte Sirius, trat einen Schritt zurück und nahm seine Hand von James'.

Eine enttäuschte Kälte bohrte sich wie ein Haken in James' Magen.

„Klar…bis nachher."

James wandte sich zum Gehen.

Und dann waren da Sirius' Hände, die ihn umdrehten und Sirius' Lippen so sanft auf den seinen, so zurückhaltend und fragend, dass James einen Moment meinte zu träumen.

Nur einen Moment.

Dann reagierte er ohne nachzudenken.

Seine Hände fanden ihren Platz vergraben in Sirius' Haaren, zogen ihn näher in den Kuss. Sirius legte die Arme um James' Hüften, zog ihn an sich.

Ein warmes, angenehmes Gefühl durchströmte James, hüllte ihn ein und machte ihn leicht benommen, so als hätte er das ein oder andere Glas Honigmet zu viel geleert.

Sirius' Zunge strich über seine Lippen. James öffnete sie, vertiefte den Kuss, bis die Luft knapp wurde und sie voneinander abließen.

„Musst du wirklich schon los?", murmelte Sirius und küsste erneut die Stelle knapp unterhalb James' Ohres.

James zögerte, sah Sirius an, der immer noch die Arme um ihn geschlungen hatte. Die Wärme seines Körpers an seinem eigenen fühlte sich gut und richtig an. Zu gut, um sie schon aufzugeben.

James schüttelte leicht den Kopf und ließ Sirius' Haar durch seine Finger laufen.

„Dann bleib doch."

Sirius löste sich von James und zog ihn in Richtung seines Zimmers.

Panik stieg in James auf. Was auch immer das zwischen ihnen sein sollte, was würde nur geschehen, sobald sich die Zimmertür hinter ihnen schloss?

Wie weit würden sie gehen?

Wollte er das überhaupt?

Der Gedanke verängstigte und faszinierte James gleichermaßen.

Und die Antwort, die er sich selbst gab, erst recht.

„Keine Angst." Sirius, der sich in der Zimmertür James erneut zugewandt hatte, lächelte. Seine grauen Augen schlugen James in ihren Bann. „Ich fall schon nicht über dich her."

Sirius streckte die Hand nach ihm aus.

James atmete tief durch, dann lächelte er etwas unsicher und ergriff die dargebotene Hand.

Mit wild schlagendem Herzen betrat er erneut Sirius' Zimmer.