VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
KAPITEL 1
Mit einem leisen Stöhnen schlug Harry die Augen auf und blinzelte verwirrt. Es war dunkel und stickig und er konnte kaum etwas erkennen. Dazu diese Kopfschmerzen die ihn schier umbringen wollten.
"Shit!" holte er tief Luft und setzte sich vorsichtig auf. Sofort wurde ihm schwindlig und er brauchte ein paar Minuten bis die Übelkeit etwas nachgelassen hatte. Schwaches Licht fiel unter dem Rand der Tür in die kleine Kammer und er sah sich vorsichtig um. Das erste das er undeutlich erkennen konnte, war seine Brille neben der schmalen Matratze.
"Oh heilige Scheiße. Der Schrank. Die Dursleys!"
Harry wurde es heiß und kalt und er schluckte schwer. Es hatte geklappt. Er war wirklich zurückgekehrt. Nur wie weit? Vorsichtig hob er die dünne Decke an und betrachtete seinen kleinen Körper. Höchstens 6 Jahre alt. Maximal.
'So weit wollte ich eigentlich nicht zurück,' überlegte Harry nachdenklich. Um etwas besser sehen zu können, beschwor er ohne nachzudenken eine kleine Lichtkugel auf seiner Handfläche und sah sich genauer um. Der Schrank war nie sehr groß gewesen und durch die Neigung der Treppe hatte man nur auf einer Seite genug Platz um sich einigermaßen hinzustellen. Für einen sechsjährigen natürlich. Er konnte seine Schulsachen aus der ersten Klasse erkennen und wusste Bescheid. Er war 6 Jahre alt. Gut, sein Körper zumindest.
"Gott, ich war ein echter Zwerg. Dagegen war ja Flitwick noch groß. Oh Mist, ich habe keine Schamhaare mehr!" konnte es Harry gar nicht fassen. Wut erfüllte ihn als er seinen kleinen Körper genauer unter die Lupe nahm und seine Rippen zählte die überdeutlich zu sehen waren. Er hatte es mehr oder weniger verdrängt gehabt. Den Missbrauch, den Hunger. Die Bestrafungen. Vernons Prügel.
Oh, nein! Diesmal nicht, Dursleys!
Aber er musste es schlau anstellen, denn sonst würde er Dumbledore oder gar noch schlimmer, Fudge auf den Plan rufen. Und er hatte wahrlich keine Lust als Mündel des Ministeriums zu enden.
Hmm, solange er seinen Stab nicht benutzte, würde ihn auch das Ministerium nicht erwischen. Sein Stab...
Schnell sah sich Harry um und suchte panisch seinen Stab. Nicht, dass er ihn unbedingt benötigte aber er wollte nicht auf ihn verzichten. Zuviel hatte er mit ihm durchgemacht und außerdem war es dieser Stab gewesen der letztendlich Voldemort in die ewigen Jagdgründe geschickt hatte. Seine Finger tasteten in jede Ritze bis er über die vertraute, glatte Oberfläche seines Stabes strich. Er war in den Spalt zwischen Matratze und Schrankwand gerutscht. Erleichtert zog er ihn hervor und ein Lächeln breitete sich auf Harrys Lippen aus. Besser ihn zu verstecken bevor ihn einer der Dursleys noch fand. Ein kleiner Zauber sorgte dafür, dass keiner in die dunkle Ecke seines Schrankes blickte. Zumindest den Zaubern die er mit seinen Stab anwandte, konnte man nicht nachgehen. Harry hatte schon lange die Nachgehzauber auf seinen Stab entfernt als er davon erfuhr, aber warum sollte er ein Risiko eingehen?
Harry wusste inzwischen, dass das Ministerium jedes Heim eines bekannten Zaubererkindes überwachte. Sobald einmal unbewusst Magie praktiziert wurde, überwachte die Abteilung für den Missbrauch minderjähriger Magie ab dahin das Haus. Es wurde mehr oder weniger erwartet dass Kinder in jungen Jahren unbewusst Magie entfesselten. Genau das, was ihm damals im Zoo passiert war als er die Scheibe verschwinden ließ. Dafür waren dann die Obliviatespezialisten zuständig, die die Muggel dementsprechend "behandelten". Doch es gab gegen die Kontrolle eine Abhilfe. Ein Bannschutz, der die sensiblen Monitore im Ministerium austrickste. Er musste nur vorsichtig sein, dass er ihn sehr kontrolliert ausführte um keinen Verdacht zu erregen.
Harry schloss die Augen und konzentrierte sich. In Gedanken ging er noch einem den Bannspruch durch und sammelte seine Magie. Mit leisen Worten gab er den Zauber frei und alle Wände glühten kurz auf. Dann wartete gespannt und sehr nervös ob das Ministerium sich meldete und eine Eule schickte. Doch nichts geschah. Erleichtert entspannte er sich wieder und ein triumphierendes Lächeln erhellte seine Züge.
Und nun etwas zu essen. Und etwas gegen diese mörderischen Kopfschmerzen. Oh Junge, es lag sicher daran, dass so viele Erinnerungen nun seinen Kopf füllten. Er hatte das Gefühl als würde sein Gehirn schier aus allen Nähten platzen. Doch das war zu erwarten gewesen. Erst einmal hier raus. Anscheinend war er wieder einmal hungrig in seinen Schrank verbannt worden. Ein wortloses Aloharama öffnete den Riegel, der außen angebracht war und Harry drückte behutsam die Tür auf. Schweigen erfüllte das Haus und nur Onkel Vernons Schnarchen erfüllte die Stille der Nacht. Gut zu hören.
'Wie ein Dieb in der Nacht...' dachte Harry, 'Hey, ich bin ein Dieb!' kicherte er bei sich. Schnell huschte erst ins Bad um sich ein paar Aspirin einzuschmeißen und dann in die Küche und zum Kühlschrank.
"Süßer Merlin!" hauchte Harry andächtig und bestaunte den prall gefüllten Kühlschrank. Ein schneller Schweigezauber sorgte dafür, dass er nicht gestört wurde und in der nächsten halben Stunde aß sich Harry mal so richtig satt und lehnte sich dann zufrieden zurück. Jetzt hatte er die Muse nachzudenken und viele Gedanken und Pläne gingen ihm durch den Kopf.
Wenn er es darauf anlegte konnte er verschwinden und keiner würde ihn finden. Nicht einmal Dumbledore. Seine verschiedenen Fähigkeiten würden es ihm leicht machen und wenn er es wollte, würde ihn keiner in den Schatten aufspüren. Doch wollte er dies? So sehr er es sich auch wünschte. Etwas sprach dagegen.
Sirius Black.
Er würde seinen Paten auf keinen Fall im Stich lassen. Zulange verfaulte er schon in Askaban.
Sirius war seine erste Aufgabe. Doch dazu brauchte er Peter Pettigrew, diese schmierige Ratte. Harry wusste genau wo sich dieser befand. Im Fuchsbau, als Percys Haustier.
"Ich hole dich bald, du blutiger Verräter!" klang ein helles Knurren durch die Küche und zwei grüne Augen leuchteten wie zwei glühende Kohlen auf. Harry atmete ein paar Mal tief durch um sich wieder in den Griff zu bekommen und räumte dann die Lebensmittel ordentlich wieder auf. Kurze Zeit später, nachdem er sich im Bad erleichtert und ein wenig frisch gemacht hatte, war er wieder in seinem Schrank und versuchte es sich auf der muffigen Matratze bequem zu machen. Er fühlte sich auf einmal sehr müde, eine Folge des Transfers und des Bannes den über das Haus gelegt hatte, wie er wusste. Langsam fielen ihm die Augen zu und Schlaf übermannte den Jungen.
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"POTTER, DU FREAK! RAUS UND AB IN DIE KÜCHE!" wurde die Schranktür mit Wucht aufgerissen. Harry schreckte aus einem wüsten Traum auf und war einen Moment orientierungslos. "HÖRST DU NICHT DU NUTZLOSER BENGEL?" steckte Vernon Dursley seinen massigen Kopf durch die Tür.
"Ich empfehle sehr, dass ihr euer Frühstück selbst macht." hob Harry eine Augenbraue und setzte sich seine Brille auf.
"Wie war das?" flüsterte Vernon und seine Gesichtsfarbe wurde dunkler.
"Wenn nicht, werde ich die Kinderschutzbehörden von eurem Missbrauch berichten. Ich kann mir vorstellen, dass dies bei deiner Firma nicht so gut ankommt, Onkel Vernon!" blieb Harry gelassen.
"Du wertloses Stück Dreck. Na, warte. Ich werde dir diesen Unsinn schon austreiben!" zischte der fette Mann und griff nach den kleinen Jungen.
"Ein Schlag nur Dursley und du bist totes Fleisch!" wurde Harrys Stimme kalt wie Eis. Vernons Hand stockte und wurde blitzartig zurückgezogen als Harry eine glühende Kugel auf seiner Handfläche erscheinen ließ.
"Du... du...!" stammelte Dursley und seine Gesichtsfarbe wechselte innerhalb von Sekunden von Tiefrot zu Weiß.
"Jetzt reden wir mal Tacheles, Onkel Vernon. Wenn ihr mich in Ruhe lässt, werde ich euch ebenfalls in Ruhe lassen. Wenn nicht... nun du kannst dir eventuell ausmalen was dann passieren wird. Nur als kleinen Vorgeschmack...!" sah ihm Harry in die weit aufgerissenen Augen und schickte einen stablosen Stechfluch in den dicken Wanst des Mannes. Mit einem Quietschen sprang Dursley zurück und hielt sich die getroffene Stelle. Es war ein relativ harmloser Fluch, der keinerlei Schaden hinterließ, sondern nur ein wenig schmerzte. Aber das konnte Vernon nicht wissen.
"Ich werde nicht mehr euer persönlicher Haussklave sein. Keine abwertenden Worte über mich oder meine Eltern. Ich weiß genau wer sie sind und wie sie starben. Des Weiteren werde ich nicht länger mehr hier unter der Treppe nächtigen, sondern Dudleys zweites Zimmer beziehen. Ist das klar?" kam es ruhig aber bestimmt von Harry.
Vernon glotzte nur und schluckte ein paar Mal schwer.
"Wer glaubst du wer du bist, du Freak. Dies ist MEIN HAUS!" fing er an zu brüllen und Speichel flog Harry entgegen.
"Du musst nicht brüllen, Dursley. Ich verstehe dich fehlerlos, weißt du!" meinte Harry spöttisch.
"DU MISSGEBURT WAGST ES MIR SO ZU KOMMEN?" wurde Vernons Brüllen noch lauter und er sprang erneut vorwärts um den Jungen zu packen.
Ein lauter Rumms brachte das Haus zum Zittern und Harry sah mitleidslos auf die regungslose Gestalt von Vernon Dursley nieder.
"Ich habe dich gewarnt du fettes Schwein." zuckte er leicht die Schultern und machte sich auf den Weg ins Bad. Dazu musste er über das massive Hindernis steigen das Dursley darstellte. Irgendwie trat er Vernon dabei in die Weichteile, aber man konnte nicht sagen, dass Harry besonders aufgepasst hätte, wohin er seine Füße setzte.
"VERNON!" schrillte Petunias Stimme durch das Haus und sie stürzte zu ihren Ehemann. "Was hast du gemacht?" fauchte sie Harry an.
"Er war mir im Weg, Tantchen. Oh, und übrigens. Keine Beschimpfungen mehr, keine Hausarbeiten. Das ist ab heute vorbei." erwiderte Harry und ließ erneut eine Lichtkugel auf seiner Hand erscheinen. "Ihr lässt mich in Ruhe, und ich lasse euch in Ruhe. Ganz einfach." mit diesen Worten wandte er sich ab und ging ins Bad.
Als er 10 Minuten später nach unten kam, lag Vernon immer noch im Flur. Er war einfach zu schwer, als das ihn Tante Petunia ins Wohnzimmer schleppen konnte. Mittlerweile war auch Dudley in der Küche und wusste nicht ganz so recht was er von der ganzen Sache halten sollte.
"Hi Dudders." grinste Harry seinen Cousin böse an.
"Warum hast du kein Frühstück gemacht, du Freak?" zischte Dudley zurück.
"Weil du fett genug bist, Dudders." entgegnete Harry locker.
"MAMA! Der Freak... AUA, AUAA!" sprang Dudley von seinem Stuhl auf.
"POTTER!" kam seine Tante wütend in die Küche geschossen.
"Reg dich ab Tantchen. Ihm ist nichts passiert. Nur ein wenig Schmerz!" winkte Harry ab.
"Er... er hat nur mit der Hand auf mich gedeutet." war Dudley blass geworden und er wich langsam von seinem Cousin zurück.
"Nur ein kleiner Stechfluch, mein Dickerchen. Wenn du dich brav verhältst, wirst du keine weiteren erfahren müssen. Also merke es dir gut!" warnte ihn Harry ruhig. "Das gilt auch für dich Tante und ganz besonders für deinen Ehemann, diesen Bastard." richtete er die nächste Warnung an seine Tante.
"Wie... wie kannst du es nur wagen! Wir haben dich aufgenommen und dir Kleidung, Essen und ein Dach über dem Kopf zur Verfügung gestellt." brodelte Petunia Dursley.
"Und das war es auch dann schon. Für mein Essen habe ich schwer gearbeitet. Kleidung? Du nennst diese abgetragenen Sachen anständige Kleidung? Was würde wohl Lily sagen wenn sie mich so sehen würde, Tante Petunia? Weggesperrt in eine Abstellkammer unter den Treppen. Aber du kannst dir versichert sein, dass ich nicht freiwillig hier bin, sondern nur weil ein alter Mann es so entschieden hat. Doch du musst dir keine Sorgen machen. Ich werde nicht mehr lange unter eurem Dach weilen. Ich bin so schnell es nur geht von hier verschwunden." flammte Harrys Laune wieder auf und er musste sich zusammen reißen um nicht die gesamte Küche zu verwüsten. "Bis dahin... bis dahin lässt ihr mir meine Ruhe. Das einzige was ich fordere ist, dass ich anständiges Essen erhalte. Nicht zuviel verlangt, oder denkst du nicht?" blieb Harry ruhig auch wenn es ihm schwer fiel.
Petunia starrte ihn lange an und Harry hielt ihren Blick fest. Es war seine Tante die zuerst die Augen senkte und sich dann abwandte.
"Würdest du bitte meinen Mann wieder aufwecken?" sagte sie beherrscht.
"Sicher! Wenn er aber denkt er kann erneut ausrasten wird er wohl die nächsten Wochen auf dem Korridor verbringen." erwiderte Harry und ging aus der Küche. Ein leises Enervate ließ seinen Onkel wieder zu sich kommen und er setzte sich ruckartig auf und sah sich mit wilden Augen um.
"Bleib nur ruhig Onkel Vernon. Das nächste Mal bin ich nicht so zurückhaltend!" drohte Harry und man hörte es seiner Stimme an, dass er es todernst meinte.
Vernon schnaufte und sein Schnauzbart sträubte sich aber sagte kein Wort. Doch seine Blicke sprachen Bände und Harry wusste dass diese Sache noch nicht ausgestanden war. Doch Harry machte sich nur bedingt Sorgen. Er war mit ganz anderen Kalibern als Onkel Vernon fertig geworden. Voldemort war nicht der erste und nicht der letzte den er hatte töten müssen. Er war die letzten drei Jahre immer und stets auf der Hut gewesen. Jeder Tag konnte der letzte sein und man wusste nie, wann ein Angriff von den Todessern drohte. So ein Leben prägt einen.
"Ich bin mir sicher, dass wir zu einem Arrangement kommen können, Dursley. Ich werde versuchen so schnell es möglich ist, diesen gastlichen Ort zu verlassen. Wenn ich gehe, wirst du als Belohnung 10 000 Pfund erhalten. Nicht ich werde dir dieses Geld zahlen aber mein Pate wird es tun. Überlege es dir gut!" erklärte Harry und wartete ab.
Wenn eines Dursley interessierte dann war es Geld und Harry wurde nicht enttäuscht. Er konnte förmlich die Dollarzeichen in Vernons schmalen Augen leuchten sehen.
"20 000!" forderte Vernon augenblicklich.
"Einverstanden!" nickte Harry kühl. Er verspürte nicht die geringste Lust zum Schachern. Für ihn war das Geld nur Mittel zum Zweck. "Dann lasst uns bitte in der Küche versammeln und den Deal klarmachen." mit diesen Worten wandte sich Harry ab und ging in die Küche zurück. Es dauerte nur wenige Augenblicke bis ihn Vernon folgte.
In der nächsten halben Stunde schacherten die beiden erwachsenen Dursleys wie die abgefeimtesten Pferdehändler, aber am Ende einigten sie sich mit Harry auf 20 000 Pfund für das nächste Vierteljahr. Sollte es länger dauern, würden sie für jeden weiteren Monat 5000 Pfund erhalten. Dafür würden sie ihn Ruhe lassen. Er bekam Dudleys kleines Zimmer, anständige Kleidung und auch alles andere was normalerweise selbstverständlich gewesen wäre. Im Grunde war es eine Art Waffenruhe die sich Harry erkauft hatte, aber ihm war es mehr als nur Recht. Dudley sah dem Ganzen mit großen Augen zu und hatte das Gefühl im falschen Film zu sein. Was ihn erschreckte war der Tonfall und die Wortwahl die Harry benutzte. Wenn er es nicht besser wissen würde dann könnte man beinahe meinen, dass sein Cousin ein Erwachsener war. Es war einschüchternd.
Noch am selben Tag wurde Dudleys zweites Zimmer geräumt und Harry zog ein. Der Raum war kahl und ohne irgendwelche Möbel aber Harry war ja nicht umsonst ein Zauberer. Transfiguration war eines seiner starken Fächer gewesen und so tobte er sich aus. Nur eine halbe Stunde später hätte man den Raum nicht wieder erkannt. Gold und Rot herrschte vor und erinnerte an den Gemeinschaftsraum im Gryffindorturm.
"Viel besser!" grinste Harry und sah sich zufrieden um. Er hatte die Größe des Raumes belassen aber auch so war er jetzt gemütlich und vor allem wohnlich.
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Die nächsten paar Tage spielte sich das Leben im Lingusterweg 4 neu ein. In der Schule ließen ihn Dudley und seine Freunde jetzt in Ruhe nachdem er den einen oder anderen von Dudleys Bande hatte auflaufen lassen. Auch wenn er gut einen halben Kopf kleiner als seine Altersgenossen war, so beherrschte er Kampfsportarten von denen die anderen Jungen keinerlei Ahnung hatten. Wie sie zu ihrem Bedauern feststellen mussten. Nach gut einer Woche ging Harry auf Punkt Zwei seines Planes über.
Er glitt durch die Schatten nachts zum Fuchsbau und erforschte die Schutzbanne die das Weasleyhaus schützten. Bill, der in der Zukunft viele der Abwehrbanne für den Fuchsbau gestaltet hatte, war ja noch in der Schule und so waren die jetzigen Grenzen nur unzureichend gestaltet. Gut für Harry. Ohne größere Schwierigkeiten konnte er sich dem Haus nähern und beobachtete aus den Schatten heraus, einige Tage das Treiben der Weasleyfamilie. Das erste Mal als er alle sah, konnte er es kaum fassen und Tränen liefen ihm über die Wangen. Ron, Ginny und vor allem die Zwillinge die es auch schon als 8jährige, Faustdick hinter den Ohren hatten, spielten und scherzten in dem weitläufigen Garten oder auf dem Quidditchplatz und sein Herz flog ihnen entgegen.
Merlin, er würde alles tun damit sie diesmal leben.
Harrys Augenmerk ruhte vor allem auf Percy. Wo hatte er Wurmschwanz? Es dauerte gut eine Woche bis er den Verräter zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Er lag faul auf Percys Schulter und Harry biss sich die Zunge blutig um sich nicht zu verraten. Heute Nacht. Heute Nacht würde er ihn holen.
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Ein leichter Nebel lag auf den Wiesen die den Fuchsbau umgaben. Es war kurz nach Mitternacht und im Haus der Weasleys herrschte tiefe Ruhe. Percy lag friedlich schlafend in seinem Bett. Er teilte das Zimmer mit Charlie der aber im Moment noch in Hogwarts weilte. So hatte er den Raum für sich. Auf dem Nachttisch neben seinem Bett, in einem warmen Nest aus alten Wollsachen, ruhte eine fette Ratte an deren Vorderpfote eine Zehe fehlte. Niemand bemerkte wie sich aus dem Schatten in der Ecke eine Gestalt löste und auf das Bett zu glitt.
Harry näherte sich bis auf zwei Meter Percys Bett und schoss wortlos einen Stunner auf Pettigrew. Ein weiterer Zauber schickte Percy tiefer in den Schlaf und sorgte dafür, dass Harry ungestört weiter gehen konnte. Lautlos schlich er sich zu Percys Bett und hielt nur kurz an als eine der Bohlen knarrte. Das Haus war alt und eigentlich kannte Harry fast jede Stelle die ächzte und so konnte er die meisten umgehen. Er wartete kurz ob sich irgendetwas im Haus rührte und nickte dann zufrieden. Alles schlief.
"Hab ich dich!" lächelte Harry böse als er die Ratte am Genick packte und in den mitgebrachten Käfig sperrte. Es war kein normaler Käfig für ein Tier. Runen bedeckten den Boden und den Deckel und würden dafür sorgen dass sich Pettigrew nicht zurück verwandeln konnte. So lautlos wie er gekommen war, verschwand Harry aus dem Fuchsbau und tauchte wieder in die Schatten ein. Niemand hatte sein Kommen und Gehen auch nur andeutungsweise bemerkt.
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Remus Lupin war einige Tage nicht zu Hause gewesen und er war langsam auf dem Heimweg. Der Vollmond lag drei Tage zurück und er fühlte die Verwandlung in jeden einzelnen seiner Knochen und Muskeln. Die letzten Jahre waren hart für den Werwolf gewesen. Erst der Verlust seiner Freunde James und Lily, dann der Verrat von Sirius und der Mord an Peter. Dies hatte seine Spuren hinterlassen. Remus' bernsteinfarbene Augen hatten viel von ihrem Feuer verloren. Er war einsam. Von seinem Rudel existierte niemand mehr. Nur noch Harry und er wusste nicht wo der Junge sich befand. Wie gerne hätte er den Welpen groß gezogen aber da er ein Werwolf war, blieb ihm das verwehrt. Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen, als er an die glücklichen Tage mit den Plünderern dachte. Wie Harry das erste Mal "Moony" sagte. Wie stolz James war, als sein Sohn mit ihm, seinen ersten Flug auf einen Besen unternommen hatte. Merlin, wie hatte Lily gewütet. Aber das Leuchten in Harrys großen, grünen Augen und das breite, fast zahnlose Grinsen auf dem runden Gesicht war es allemal Wert gewesen. Remus erinnerte sich daran als wäre es erst gestern gewesen.
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"JAMES POTTER! SIRIUS BLACK! REMUS LUPIN! WIE KONNTET IHR NUR!" fauchte Lily Potter
"Oh Schatz! Er ist ein Flieger. Das musst du doch sehen?" hatte James kleinlaut dagegen gehalten und Padfoot hatte eifrig genickt.
"Ich habe dich gewarnt James Potter. Nicht bevor er drei Jahre ist!" hielt ihm Lily die Faust unter die Nase. Ihre grünen Augen funkelten und ihr rotes Haar schien sich im Wind zu bewegen als sich ihre Magie bemerkbar machte. Sie hatte Harry auf den linken Arm genommen und der kleine Schlingel gluckste vor Vergnügen als sein Vater zusammen gestaucht wurde.
"Flie! Flie, Dada!" streckte er seine Ärmchen James entgegen und Lily stöhnte.
Sirius grinste breit und selbst Remus bemühte sich nicht laut heraus zu lachen.
"Hört auf so zu grinsen!" fuhr sie die beiden an.
"Tut mir Leid Lily. Ich bekomm das Grinsen einfach nicht weg!" hielt Sirius die Hände abwehrend hoch. "Du hättest Harry sehen sollen. Er lachte und jubelte die ganze Zeit als er in der Luft war. Er ist für das Fliegen einfach geboren!" sah er sie treuherzig an.
"Er hätte abstürzen können!" fauchte Lily.
"Er war fehlerlos sicher in Prongs Armen!" wagte Remus einzuwenden und schluckte als ihn Lily ins Auge fasste.
"Gerade von dir bin ich enttäuscht Remus. DU bist doch der vernünftige." schüttelte Lily traurig den Kopf.
"Hey! Was soll das heißen?" protestierte James.
"Genau! Es war Moony, der Prongs vorschlug, den Salto zu fliegen!" petzte Sirius und Remus stöhnte.
"Verräter!" murmelte er und machte sicherheitshalber einen Schritt von Lily weg.
"Moooony!" kicherte Harry begeistert. Er konnte noch nicht viel sprechen.
"Männer!" seufzte Lily abgrundtief.
"So sind wir halt!" meinte James und sah sie mit großen Augen unschuldig an.
"Er bekommt keinen eigenen Besen, bis er fünf Jahre alt ist. Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt?" schob Lily das Kinn vor. James fand sie nie anziehender als in diesem Moment. Mit Harry auf dem Arm, diesen grünen funkelnden Augen und das leuchtend rote Haar. Verdammt, hatte diese Frau Temperament. Und er liebte jeden Augenblick mit ihr.
"Natürlich Schatz. Ich verspreche es dir." nickte er brav, aber kreuzte hinter seinen Rücken die Finger.
Lily kniff leicht die Augen zusammen.
"Zeig mir deine beiden Hände und wiederhole das!" verlangte sie. Sie kannte ihre Pappenheimer.
James wurde ein wenig blass und seine beiden besten Freunde feixten.
"Du glaubst doch nicht, dass ich dich reinlegen möchte, Liebling?" versuchte er zu retten was nicht zu retten war.
"Ich kenne dich. Also?" meinte Lily nur.
Geschlagen gab er ihr erneut sein Wort und sie lächelte zufrieden.
"Geht doch, Schatz!" tätschelte sie zärtlich seine Wange.
"Verdammt. Sie hat dich rangekriegt, Prongs!" stöhnte Sirius.
"Achte auf deine Sprache, Sirius." mahnte Lily sofort.
"Ja, Ma'am!" zuckte Sirius zusammen.
"Damt!" gickelte Harry und die drei Plünderer grinsten wie ein Mann.
"Ohh! Männer!" seufzte Lily und verdrehte die Augen.
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Das war kurz nach Harrys erstem Geburtstag gewesen und Remus erinnerte sich an jedes, noch so kleine Detail. Er hatte sich davor und danach, ein wenig rar gemacht und das war der Grund gewesen, dass sie ihm nicht mehr voll vertraut hatten. Oh ja, der dunkle Lord hatte es versucht ihn auf seine Seite zu ziehen aber Remus hatte widerstanden. Zu spät, darüber zu weinen. Zu spät.
Remus seufzte und sah sich um. Die Straße in der seine Wohnung lag, war ruhig. Keiner wusste, dass er als Muggel lebte. Er hatte den Kontakt zur Zaubererwelt weitgehend minimiert. Nur Albus Dumbledore wusste wo er wohnte. Es war nicht einfach Jobs zu finden, die es erlaubten, einmal im Monat für drei Tage zu fehlen. Wie oft er die Arbeitsstelle in den vergangenen fünf Jahren gewechselt hatte, vermochte Remus gar nicht mehr zu sagen. Es war ein unstetes Leben das er führte und es zeigte sich an der schäbigen, wenn auch sauberen Kleidung die er trug. Und das für den Mann, der eine der höchsten Partituren in der Geschichte Hogwarts bei Abschlussprüfungen erreicht hatte. Doch ein Werwolf war nur ein Wesen zweiter Klasse in der Welt der Zauberer.
Als Remus die Tür zu seiner Wohnung aufsperrte, verharrte er in der Tür. Etwas war anders als sonst. Der Wolf in ihm warnte ihn und ein Geruch stieg in seine Nase der ihm vertraut war. Wo hatte er diese Duftnote schon einmal gerochen? Ohne zweiten Gedanken war sein Stab in seiner rechten Hand erschienen und vorsichtig betrat er die Wohnung. Verdammt, er hätte es besser wissen sollen und seine Wohnung mit einem Bannzauber schützen müssen. Wer, zur Hölle hatte ihn in der Welt der Muggel gefunden?
Sorgfältig kontrollierte er jedes Zimmer doch er konnte nichts Verdächtiges wahrnehmen. Der letzte Raum, war die Küche und hier war der Geruch am stärksten. Das Zimmer lag still vor ihm und nur das Ticken der Uhr an der Wand war das einzige Geräusch. Dies, und das klopfen seines Herzens. Etwas befand sich in der Küche, doch er konnte auf dem ersten Blick niemand erkennen. Bis ihm ein Gegenstand auf dem Küchentisch auffiel.
Ein kleiner Würfel der mit einem Tuch abgedeckt war. Darauf lag ein Brief.
Wachsam näherte sich Remus dem Tisch und führte ein paar Aufklärungszauber aus. Was immer sich unter dem Tuch befand, war verzaubert aber soweit harmlos. Der Brief selbst, war völlig sauber. Einem Moment zögerte Remus, bevor er seinen Stab einsteckte und mit spitzen Fingern den Brief nahm und aufschlug. Die Schrift war ihm unbekannt und vorsichtig begann er zu lesen.
Lieber Moony,
ein kleines Präsent für einen der Plünderer. Bevor du es auspackst, ein paar Worte. Padfoot ist unschuldig. Nicht er war der geheime Wächter der Potters, sondern niemand anderes als Peter Pettigrew. Sirius selbst war es, der Pettigrew im letzten Moment vorschlug. Als er von dem Verrat der feigen Ratte erfuhr, kannte er kein anderes Ziel als ihn zu stellen. Doch er wurde verladen. Peter schnitt sich einen Finger ab und tötete die Muggel bevor er in seiner Animagusform in der Kanalisation verschwand.
Sorge bitte dafür, dass Sirius aus dem Höllenloch das Askaban darstellt, entlassen wird. So schnell wie möglich. Sorge auch bitte dafür, dass der Wille der Potters erfüllt wird und Harry bei seinem Paten aufwächst. Dumbledore hat ihn bei Lilys Schwester untergebracht und du kannst dir sicher sein, dass er kein schönes Leben dort führt.
Enttäusch mich bitte nicht,
ein Freund der Plünderer
Remus' Hände zitterten und nun wusste er auch woher er diese Duftnote kannte. Mit einem Ruck zog er das Tuch weg und starrte auf die Ratte in ihrem Käfig.
"Peter!" zogen sich seine Lippen zurück und ein tiefes unheimliches Knurren erfüllte die Küche.
TBC...
