VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Und ein weiteres Kapitel. Harry vertraut sich den beiden Plünderer an. Ein bisschen emotional und hoffentlich nicht zu dick aufgetragen. Viel Spaß beim lesen,
Marius
KAPITEL 5
Remus hatte nicht übertrieben. Das kleine Lokal befand sich auf der Muggelseite von Paris und der Wirt schien Remus zu kennen, da er die kleine Gruppe persönlich an einen der Tische führte. Harry konnte, der im schnellen Französisch geführten Unterhaltung, natürlich nicht folgen, aber so wie sich die beiden verhielten musste es wohl so sein. Es war der Werwolf der die Bestellung übernahm und seine beiden Begleiter wurden nicht enttäuscht. Harry erkannte die Hälfte der Speisen, die sie zu sich nahmen, nicht, aber es schmeckte alles köstlich.
"Woah, so gut habe ich ewig nicht mehr gegessen. Fast wie in Hogwarts, tolle Wahl Remy." stieß Sirius dezent auf und lehnte sich zufrieden in seinen Stuhl zurück.
"Es war wirklich lecker!" nickte Harry zustimmend und vor allem pappsatt.
"Freut mich, dass euch meine Entscheidung gefallen hat!" lächelte Remus fein.
Harry gähnte herzhaft und dann gleich noch einmal.
"Ich denke wir sollten nach Hause gehen. Der Welpe wird schläfrig." schmunzelte Sirius.
"Bin nicht schläfrig!" nuschelte Harry müde.
"Nein, nein. Überhaupt nicht!" kicherte Remus.
Sirius zahlte die Rechnung und die drei gingen zurück in die Rue de Olymp, um mit dem Flohnetzwerk nach Hause zurückzukehren.
"Ich nehme den Kleinen auf den Arm, Remus. Nimm du bitte die Taschen." konnte Harry die beiden reden hören. Er fühlte wie er hoch genommen wurde und kuschelte sich an Sirius' Schulter und schloss die Augen, auch wenn er versuchte sie aufzuhalten. Die Flohreise bekam er schon gar nicht mehr richtig mit und als er wieder die Augen aufschlug lag er in seinem Bett.
"Merlin. Mir platzt gleich die Blase!" murmelte er stöhnend und sprang auf den Federn. Gerade noch so schaffte er es ins Bad und erleichterte sich.
Als er in sein Zimmer zurückkam, war er einen Moment versucht wieder ins Bett zu gehen aber eigentlich war er nicht mehr müde. Ein schneller Blick auf das Fenster zeigte ihm, dass es schon der Morgen sein musste. Lächelnd ging er an die großen Fenster und schaute über das Meer. Es würde ein weiterer schöner Tag werden und Harry erfüllte Vorfreude. Leise öffnete er die Balkontür und trat ins Freie. Merlin, diese Luft. Angereichert mit Aromen wie es sie nur am Mittelmeer geben konnte. Einige Minuten stand er still dort und genoss die Ruhe bevor er wieder in sein Zimmer zurückkehrte. Schnell schlüpfte er aus seinem Pyjama und wunderte sich nur flüchtig wer ihn wohl hineingesteckt hatte. Es muss wohl Sirius oder Remus gewesen sein.
Eine Viertelstunde später war er geduscht, hatte Zähne geputzt und sich einige seiner neuen Anziehsachen angezogen. Sein unbändiges Haar stand nach allen Seiten ab und war noch leicht feucht und Harry hatte es schon lange aufgegeben es in eine vernünftige Form zu bringen. Als er nach unten kam, saß nur Remus am Frühstückstisch und Harry begrüßte ihn erfreut.
"Guten Morgen, Remus!" lächelte er und der Wolf zog ihn kurz in seine Arme.
"Guten Morgen, mein Kleiner. Na, gut geschlafen?" fragte er lächelnd.
"Und wie!" seufzte Harry inbrünstig. "Wo ist denn Sirius?" sah er sich dann fragend um.
"Der schläft noch. Sirius war schon immer ein Langschläfer!" erklärte Remus.
"Gar nicht wahr!" kam es verschlafen von der Tür.
"Guten Morgen, Sirius!" rief Harry erfreut und erntete ein Grunzen.
"Morgen!" nuschelte sein Pate und schlurfte zum Tisch. Er trug einen leichten Morgenmantel und sah aus, als wäre er gerade aus dem Bett gekrochen. Was wahrscheinlich auch zutraf.
"Was ist denn mit ihm?" fragte Harry leise und lehnte sich zu Remus hinüber.
"Padfoot ist sehr unsozial, solange er nicht seinen Morgenkaffee hat. Denk dir nichts dabei. Er war schon immer so." kicherte Remus.
"Aha!" murmelte Harry und grinste.
Und tatsächlich. Erst nach seiner zweiten Tasse Kaffee wurden Sirius' Augen langsam wachsamer und er begann der munteren Unterhaltung der beiden zu folgen.
"Und wie hast du geschlafen, Harry?" fragte er den Jungen.
"Sehr gut. Habt ihr mich ins Bett gebracht?" wollte er wissen.
"Nee, der Weihnachtsmann." grinste sein Pate frech.
"Oh, der wohnt auch hier?" erwiderte Harry unschuldig.
"Frechdachs!" lachte Sirius aber wurde schnell wieder ernst.
"Was ist denn, Onkel Sirius?" entging es Harry nicht als die beiden Erwachsenen einen Blick austauschten.
"Ähh, als wir dich gestern ins Bett brachten, fielen uns ein paar Narben auf, Harry. Kannst du uns mehr dazu sagen?" fragte Remus weich.
"Oh! Das!" seufzte Harry und senkte die Augen.
"Bitte Harry. Du musst keine Angst vor uns haben!" sagte Sirius sanft und griff nach der Hand seines Patenkindes.
"Ich habe keine Angst vor euch. Das hatte ich nie!" lächelte Harry traurig. "Die Narben verdanke ich Onkel Vernon. Ein Beweis seiner Zuneigung!" sagte er dann bitter. Sirius' Lippen und Augen wurden schmal und er holte tief Luft und von Remus kam ein tiefes Grollen.
"Wir haben es uns schon gedacht, aber danke, dass du uns soweit vertraust es uns zu sagen!" sagte er sehr weich.
"Ich würde euch mein Leben anvertrauen!" gab Harry leise zurück und die beiden Männer schluckten.
"Du... du klingst manchmal gar nicht so nach einem 6jährigen!" fasste sich Remus als erster.
"Ich weiß!" seufzte Harry und sah zu den beiden. "Dies ist Teil dessen, über das ich mit euch reden möchte. Seid ihr bereit, mir jetzt den Eid des Zauberers zu leisten?" wurde er ernst.
"Wir haben es dir zugesagt!" nickte Remus entschlossen und wechselte einen erneuten Blick mit seinem besten Freund.
"Ich, Sirius Orion Black, schwöre hiermit auf meine Magie und mein Leben, dass ich deine Geheimnisse nicht verraten werde, außer du gibst mir die Erlaubnis mit dritten darüber zu sprechen!" sagte Sirius förmlich und eine Welle von Magie besiegelte den Eid.
"Danke!" neigte Harry leicht das Haupt. Remus wiederholte den Eid für sich und erneut erfüllte die Küche ein Ausbruch von Magie und band die drei.
Dieser Eid war wohl der stärkste den ein Zauberer leisten konnte. Würde er ihn brechen, verlor derjenige nicht nur seine magischen Fähigkeiten, sondern auch sein Leben. Doch um dieses zu verhindern, würde der Eid dafür sorgen, dass er kein Wort preisgeben konnte.
"Gehen wir am Besten ins Wohnzimmer. Es wird ein wenig Zeit kosten euch alles zu erzählen!" erhob sich Harry vom Frühstückstisch.
"Du machst mich immer neugieriger, Kleiner!" lächelte Remus etwas.
Ein wenig später hatten es sich die drei im großen Wohnzimmer bequem gemacht. Tenny hatte frischen Tee serviert und Harry nickte entschlossen.
"Ich war es, der Peter Pettigrew gefangen nahm und bei Remus deponiert habe!" ließ er gleich die erste Bombe platzen.
"DU?" kam es ungläubig im Chor zurück und zwei Unterkiefer trafen, bildlich gesprochen, den Fußboden.
"Yep!" kicherte Harry.
"Aber... aber...!" stammelte Sirius und sein bester Freund sah nicht viel besser aus.
"Beruhigt euch bitte!" sagte Harry weich. "Ich fange wohl doch am Besten ganz von vorne an." und wartete ein bisschen, bis sich die beiden etwas beruhigt hatten.
"Wir hören!" nickte ihm Sirius zu.
"Eigentlich bin ich nicht 6 Jahre alt, sondern fast 21! Ich komme aus der Zukunft. Einer düsteren Zukunft!" hob Harry das Kinn.
"D.. du bist was?" stotterte Sirius ungläubig. Hatte er eben richtig gehört?
"Zeitreisen über solch eine Spanne sind unmöglich!" rief Remus.
"Im Grunde hast du Recht, Moony." nickte Harry und beobachtete sorgfältig die beiden Männer.
"Du bist aber Harry? Oder?" fragte Sirius erschüttert.
"Natürlich! Wer sollte ich sonst sein?" erwiderte der Junge trocken.
"Zeitreisen sind unmöglich!" wiederholte Remus sturköpfig.
"Das hast du bereits schon einmal gesagt!" murrte Sirius.
"Weil es wahr ist. Niemand kann weiter, als ein paar Stunden zurückreisen!" beharrte sein bester Freund auf seinen Standpunkt.
"Wenn man einen Timeturner verwendet, dann ja. Aber ich benutzte etwas anderes." sagte Harry leise.
Remus kniff leicht die Augen zusammen und dachte intensiv nach. Der Werwolf hatte ein wirklich umfassendes Wissen über Magie. Eigentlich fiel ihm nur eine Möglichkeit ein, aber diese war so vage, dass er sie erst einmal ablehnte. Und doch saß ihm Harry gegenüber und behauptete in der Zeit mehr 15 Jahre zurückgereist zu sein. Und nicht nur das. Er war nicht körperlich in der Gegenwart erschienen, sondern hatte den Körper seines sechsjährigen Selbst übernommen.
"Was ist mit dem Harry Potter aus der Gegenwart?" fragte er besorgt.
"Yeah! Gute Frage, Moony. Ja, was ist mit ihm?" nickte Sirius zustimmend.
"Er ist immer noch hier. Hmm, es ist nicht einfach zu erklären, Leute. Ich habe all die Erinnerungen bis zu meinem Erscheinen hier behalten. Er ist ich und ich bin er. Zugegeben, es ist etwas verwirrend. Aber wir sind keine getrennten Persönlichkeiten, wenn du das fragst und ich habe ihn auch nicht zerstört oder gar ausgelöscht, wenn das deine Besorgnis ist. Ich BIN Harry James Potter." antwortete Harry mit aller Ernsthaftigkeit und Würde.
"Das ist schwer... zu verdauen!" seufzte Remus und strich sich durch sein Haar.
"Ich glaube dir!" sagte Sirius plötzlich.
"Danke, Padfoot." lächelte Harry erleichtert.
"Ich habe nicht gesagt, dass ich es nicht glaube!" warf Remus ein. "Aber mich würde ungemein interessieren, wie du es angestellt hast?"
"Äh... es war ein uraltes Blutritual!" antwortete Harry vorsichtig.
"Blutritual?" echote der Werwolf entsetzt. Dies war genau die Möglichkeit, die er vorhin, lieber hatte ausschließen wollen.
"Die dunklen Künste?" krächzte Sirius genauso entsetzt.
"Nein, das nicht. Aber es fällt in eine Kategorie von Ritualmagie, die grundsätzlich verboten wurde. Nicht weil sie dunkel ist, sondern weil sie verdammt gefährlich ist und... und ein Opfer verlangt!" gab Harry ehrlich zu.
"Opfer?" stammelte Sirius wie betäubt.
"Du! Du warst das Opfer!" wusste es Remus mit schrecklicher Gewissheit.
Harry seufzte schwer und nickte unmerklich. Remus holte tief Luft und schüttelte benommen den Kopf.
"Warum Harry. Warum dieser Schritt?" fasste sich Sirius wieder.
"Ja! Was ist passiert?" wollte es auch Remus wissen.
"Krieg! Der zweite magische Krieg gegen Voldemort!" erwiderte Harry und die beiden wurden blass.
"Ich denke er ist tot. Ist er doch, oder? Oder nicht?" krallten sich Sirius' Finger in die Armlehne des Sessels und seine Augen waren weit geöffnet. "Remus! Remus, sag doch auch was." Es war ein bisschen viel, was auf den Plünderer auf einmal einstürzte. Erst Harrys Geständnis und dann dies.
"Ich denke nicht, dass er damals getötet wurde, Padfoot." flüsterte Remus und ließ Harry nicht aus den Augen.
"Wurde er auch nicht. Riddle machte sich unsterblich. Schon bereits als 16jähriger, als er seine ersten Morde beging." gab Harry zu.
"Riddle?" fragte Remus verblüfft.
"Lord Voldemort ist nicht sein richtiger Name sondern Tom Marvolo Riddle. Seine Mutter war eine direkte Nachkommin von Salazar Slytherin, aber sein Vater war ein gewöhnlicher Muggel namens Riddle. Dieser verstieß seine schwangere Frau als er erfuhr dass sie eine Hexe ist. Bei der Geburt verlor sie ihr Leben und Tom wuchs in einem Waisenhaus der Muggels auf. Er hatte keine schöne Kindheit und dies erfüllte ihn mit Hass. Doch er erkannte früh, dass er das Geschenk der Magie hatte und es dauerte nicht lange und er terrorisierte seine Peiniger. Dumbledore war es der ihn damals nach Hogwarts holte aber es war auch Dumbledore der ihn in Stich ließ. Der junge Riddle flehte förmlich darum, nicht in den Sommermonaten in das Heim zurückkehren zu müssen aber man nahm keine Rücksicht. Ungeliebt und verachtet wurde er zu dem was alle heute fürchten: Ein böses Scheusal, ohne Gnade und Mitgefühl. Ein Produkt der Zauberergesellschaft, wenn ihr so wollt. Ja, die magische Gemeinschaft hat ihren größten Feind selbst herangezüchtet." schüttelte Harry traurig den Kopf.
Sirius blieb still, auch wenn er sehr blass war. Remus hingegen seufzte schwer und nickte dann.
"Ja, ich muss dir beipflichten Harry. Wir haben viele Defizite." sagte er leise. "Aber das mit Riddle war mir neu. Warum weiß keiner davon?" wunderte er sich.
"Dumbledore weiß es. Er hat es immer gewusst. Ich weiß auch nicht, warum er auf seinen Geheimnissen wie eine Glucke auf ihren Eiern sitzt. Er trägt deswegen, auch wenn er es sicher nicht gern hören will, einen Teil der Schuld mit." knurrte Harry.
"Du scheinst dem Schulvorsteher nicht gerade viel Liebe entgegen zu bringen?" sagte Sirius endlich etwas.
"Ich habe ihn lange bewundert. Seine Leistungen für die Zauberergemeinschaft sind unbestritten aber ich befürchte, dass der alte Mann im Laufe der letzten Jahrzehnte etwas in seiner Urteilskraft gelitten hat. Er sagt immer, dass er das Ganze sieht. Dabei lässt er den einzelnen Menschen außer Acht. Und das kann nicht gut sein. Nehmt mich zum Beispiel. Er hat mich zu den Dursleys geschickt, obwohl ihm jeder sagte, dass sie Magie hassen. McGonegall hat mir später verraten, dass sie ihn an diesem Tag förmlich angefleht hat mich nicht bei meinen Verwandten zu lassen. Doch das hat ihn nicht gerade beeindruckt. Ich habe mich im Nachhinein oft gefragt ob es sogar beabsichtigt war. Ein Junge, der nichts von seinem magischen Erbe wusste. Unterdrückt und misshandelt. Wie würde wohl dieser Junge reagieren wenn er auf einen alten, weisen, großväterlichen Ratgeber trifft? Denkt mal darüber nach." schnaubte der Junge.
"Du meinst das völlig ernst?" ächzte Sirius.
"Todernst, Siri!" sah ihm Harry in die Augen.
"Er könnte Recht haben. Ich habe mich immer über Albus' Entscheidung gewundert. Der Blutschutzzauber den er anführte war nie sehr wirkungsvoll. Glaube mir Padfoot. Ich habe darüber Forschungen angestellt!" warf Remus bitter ein.
"Vergiss auch dich nicht, Sirius. Wer ist der Vorsitzende des Zaubergarmots und hätte verhindern können, dass du ohne Prozess in Askaban landest?" brachte Harry den nächsten Punkt vor.
"Ähh!" öffnete Sirius den Mund und blieb so. "Verdammt! Verdammt!" schluckte er dann und seine Augen flackerten. Die Teetassen auf dem Tisch fingen an zu klappern und Remus legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. "Dieser... dieser alte manipulative Bastard." keuchte Sirius und versuchte sich zu fassen. Harry erhob sich von seinen Sitz und krabbelte auf Sirius' Schoss. Sein Pate umarmte ihn ohne zu zögern und vergrub sein Gesicht in Harrys wilden Haarschopf. Es dauerte ein paar Minuten bis er sich wieder gefasst hatte und er sich entspannte.
"Oh, das bringt mich übrigens zu einer Frage?" sagte Harry, als ihm etwas einfiel.
"Nur zu!" forderte ihn Sirius auf.
"Gab es Schwierigkeiten, als du deinen Anspruch auf Vormundschaft über mich angemeldet hast?" wollte der Junge wissen und Sirius lächelte kurz ein böses Grinsen, bevor ihn die Erinnerungen übermannten.
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Sirius Black wusste nicht welcher Tag heute war. Seit nun fast fünf Jahren vegetierte er in einer der Hochsicherheitszellen von Askaban dahin. Nur sein Wissen, dass er unschuldig war, hielt ihn noch aufrecht. Und die Tatsache, dass er eine Animagusform hatte. Sirius verbrachte viel Zeit als Padfoot und konnte so die Dementoren auf Abstand halten.
Jeden einzelnen Tag verfluchte er sich für seine Unbeherrschtheit. Hätte er doch nur Harry nicht an Hagrid abgeben. Hätte er nur...! Sirius' einzige Sorge, galt dem Jungen. Seinen Patensohn, den er wie sein eigenes Kind liebte.
Seine Grübeleien wurden durch sich nähernde Schritte unterbrochen. Das war ungewöhnlich. Um diese Zeit betrat keine einzige Wache den Zellenblock und auch die Dementoren befanden sich in einen anderem Bereich. Er kauerte auf der versifften Matratze, als seine Zellentür aufgeschlossen wurde und blinzelte verwirrt ins Licht.
"Sirius?" hörte er jemand fragen. Eine Stimme, von der annahm, dass er sie nie wieder hören würde. "Süßer Merlin!" schluckte Remus und eilte zu seinem Freund.
"M... Moony?" krächzte Sirius ungläubig. Es war sicher nur ein Traum.
"Ja, ich bin es Padfoot." liefen Remus Tränen über die Wangen. "Bitte... bitte verzeih mir Siri. Bitte...!" brach seine Stimme.
"Verzeihen?" echote Sirius verwirrt. Warum ersuchte Moony seine Verzeihung? Eher müsste er um seine Verzeihung flehen. Für die Scheiße die er gebaut hatte und für das fehlende Vertrauen, dass er einst in den Werwolf hatte.
Remus war entsetzt, in welch schlechter Verfassung sich Sirius befand. Und gleichzeitig war er erleichtert, dass er anscheinend noch bei Sinnen war. Die Zelle stank erbärmlich und Sirius nicht viel besser. Doch das hielt Remus nicht ab, seinen Freund sanft in seine Arme zu nehmen.
"Wir haben Peter gefunden und wissen, dass du unschuldig bist!" flüsterte er heiser und er konnte Sirius in seinen Armen sich anspannen fühlen.
"Diese Ratte!" knurrte der ehemalige Auror.
"Ja! Komm Sirius. Wir verlassen Askaban." sah Remus seinem Freund in die Augen. Sie zeigten etwas mehr Leben und wirkten nicht mehr ganz so tot wie noch vor ein paar Augenblicken.
An die Rückreise von der Insel konnte sich Sirius nur noch bruchstückhaft erinnern. Als er das nächste Mal die Augen aufschlug und sich bewusst umsah, befand er sich in St. Mungos und Remus saß neben seinem Bett und hielt ein Nickerchen. Es war also doch kein Traum gewesen.
"Moony?"
Der Werwolf erwachte sofort und sprang auf.
"Padfoot? Wie... wie fühlst du dich?" fragte Remus besorgt.
Sirius runzelte die Stirn und seufzte dann.
"Besser." gab er zu.
"Gut. Sehr gut." lächelte Remus wackelig.
"Bitte verzeihe mir Moony." überraschte ihn Sirius.
"Wie? Aber warum denn?" fragte er bestürzt.
Doch Sirius brachte kein Wort heraus und fing an zu weinen. Remus zögerte nicht und zog ihn in seine Arme und weinte mit seinem Bruder. All der Schmerz der letzten Jahre musste von der Seele gewaschen werden und es dauerte ein Weilchen, bis sich die beiden gefangen hatten. Als Sirius genug Kraft gesammelt hatte, stellte er, die für ihn, wichtigste Frage.
"Wie geht es Harry?"
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"Gab es Schwierigkeiten, als du deinen Anspruch auf Vormundschaft über mich angemeldet hast?"
Sirius riss sich aus seinen Erinnerungen und schüttelte den Kopf.
"Sie wagten es nicht. Nachdem ich von den Heilern von St. Mungos für zurechnungsfähig erklärt wurde, haben sich die von Ministerium förmlich überschlagen, um mir zu Gefallen zu sein. Fudge hat so geschleimt, es war einfach widerlich. Du wurdest mir förmlich auf einen Silbertablett, bekränzt mit einem zusätzlich dicken Batzen Gold, serviert." erzählte er und spielte es ein wenig herunter.
"Das ist wahr. Fudge ist eine fette, schleimige Schnecke!" nickte Remus abfällig.
"Ich kann ihn mir bildhaft vorstellen!" kicherte Harry und kuschelte sich an seinen Paten. "Wie hat Dumbledore reagiert?" murmelte er. Dies war eigentlich der Grund für seine Frage gewesen. Insgeheim erwartete er, dass sich Dumbledore gegen Sirius' Absicht, quergestellt hatte.
"Hilfreich, wie ich zugeben muss!" brummte Sirius widerwillig.
"Das ist überraschend!" wunderte sich Harry sehr.
"Ich glaube, ihn plagt das schlechte Gewissen!" war sich Remus sicher.
"Paah!" schnaubte Harry. "Sein Gewissen hätte sich bereits melden müssen, als er mich bei den Dursleys auf die Türschwelle legte." knurrte er.
"Aber warum? Warum diese Entscheidungen?" fragte Remus.
"Das schlimme ist, dass er es nicht einmal mit böser Absicht macht, Moony. In seinen Augen war es die richtige Entscheidung, die dem Gesamtbild am besten entsprach. Er schiebt Leben über sein Schachbrett und in diesem Spiel werden halt ab und an ein paar Bauern geopfert. So einfach ist das." meinte Harry traurig.
"Ich sehe du sprichst aus Erfahrung, mein Kleiner!" seufzte Sirius und streichelte sanft Harrys Rücken.
"Ich musste erst erwachsen werden, um es zu erkennen. Leider wurde ich sehr schnell erwachsen." erwiderte Harry bitter.
"Erzähle es uns!" bat Remus weich und Harry nickte. Er blieb auf Sirius' Schoss sitzen und genoss die Wärme und Liebe seines Paten. Sie half ungemein als er ihnen jetzt von dem Krieg und den vielen Opfern erzählte, die er gekostet hatte. Es flossen viele Tränen und sie mussten ein paar Mal Pausen einlegen, um sich zu fangen. Harry hatte beschlossen, dass er nichts zurückhalten würde und er hielt sich daran. Es dauerte mehr oder weniger den ganzen Tag und Harry fühlte sich todmüde als sie endlich abbrachen. Er war mit seiner Erzählung bis zu seinem fünften Jahr in Hogwarts gekommen und die Schilderung von Sirius' Fall durch den Schleier des Todes beendete die Qual für heute. Sirius und Remus saßen erschüttert dort und brachten erst einmal kein Wort heraus.
"Gott! Es tut mir so Leid, Prongslet. So Leid!" umarmte ihn dann Sirius wie ein Ertrinkender.
"Du kannst ja nichts dafür. Obwohl ich dich in die nächste Woche hexen werde, wenn du wieder ein Duell nicht ernst nimmst." konnte man Harry kaum verstehen.
"Und ich werde dir dabei helfen!" knurrte Remus.
"Ich verspreche es!" zuckte Sirius zusammen.
"Das will dich doch hoffen. Du bist so ein Trottel Padfoot. Du weißt genau wie gut Bellatrix mit dem Stab ist. Wie konntet du nur?" schüttelte Remus den Kopf.
"Hey. Es ist noch gar nicht geschehen." protestierte Sirius kleinlaut.
"Aber es ist so typisch für dich, Siri. Jeder der dich kannte, sagte mir, dass du nie erwachsen wurdest!" löste sich Harry von ihm.
"Also... also...!" stammelte Sirius und wurde rot.
"Schon gut, lieber Padfoot. Versprich mir einfach, dass du in Zukunft erst ein wenig nachdenkst, bevor du handelst. Ich möchte dich nie wieder verlieren!" lächelte Harry müde und tätschelte Sirius' Wange.
"Du hast mein Wort!" seufzte Sirius und grinste schief.
"Bringen wir lieber Harry ins Bett und reden morgen weiter. Ich bin auch ganz erschlagen. Es war viel zu verdauen heute." schlug Remus vor.
"Mmmh, trag mich Siri!" murmelte Harry zustimmend und kuschelte sich wieder an seinen Paten.
"Natürlich, mein Kleiner!" lächelte Sirius liebevoll. Es dauerte nur Sekunden und Harry war eingeschlafen.
"Süßer Merlin. Kein Kind sollte durchmachen was er durchgemacht hat!" flüsterte Remus und strich sanft über Harrys Rücken.
"Nein! Kein Kind. Und vor allem nicht mein Patensohn. Oh, er ist so stark. So viel stärker als James jemals war!" traten Tränen in Sirius' Augen.
"Er ist nicht James, Padfoot. Er ist Harry. Vergiss das nie!" sagte Remus weich.
"Jetzt weiß ich das, Moony. Er hat mehr von Lily als von James." schniefte Sirius.
"Das ist wahr. Er hat ihren Willen und auch ihre brillante Intelligenz." stimmte Remus zu.
"Und von Prongs die Begeisterung für das Fliegen. Eine tolle Mischung!" lächelte Sirius traurig. "Erinnerst du dich noch an den Tag, als ihn Prongs mit auf dem Besen mitnahm?" fragte er leise.
"Als könnte ich das je vergessen. Erst kürzlich kam es mir wieder in den Sinn." gab Remus wehmütig zu.
"Es war eine der Erinnerungen, die mir das Überleben in Askaban sicherten. Dies, und das Wissen, dass ich unschuldig war. Es war die Hölle auf Erden Remus. Die Hölle. Die Dementoren...!" verstummte Sirius und nur seine Augen verrieten seine Qual.
Remus rutschte näher und zog die beiden in seine Arme. Sirius seufzte schwer und bettete seinen Kopf auf die Schulter des Wolfes.
"Danke, dass du mir verziehen hast Padfoot. Es bedeutet mir mehr als du dir vorstellen kannst." schluckte Remus.
"Da gibt es nichts zu verzeihen, Moony. Genauso gut musst du mir verzeihen. Ich hatte dich auch im Verdacht, Bruder." erwiderte Sirius leise.
"Peter hat an diesem Abend mehr als nur Harrys Familie zerstört." erkannte Remus.
"Gut dass er tot ist!" sagte Sirius brutal aber er meinte jedes Wort.
"Ja!" stimmte Remus zu.
Peter hatte vorgestern seine Strafe für den Verrat an den Potters und den Mord an den Muggeln erhalten. Den Kuss des Dementors. Noch lebte sein seelenloser Körper aber es war nur eine Frage von Wochen bis auch dieser absterben würde. Sirius hatte verlangt, dass er erst Harry aufsuchen würde, wenn Pettigrew seine Strafe erhalten hatte. Dies und natürlich hatte er etliche Tage gebraucht bis er einigermaßen in Form war. Es würde noch viele Wochen vergehen, bis er die Defizite ausgleichen konnte. Askaban wurde nicht umsonst von jedem Zauberer der Welt gefürchtet. Es gab nur sehr wenige, die solange wie Sirius diese Hölle überlebt hatten. Sehr wenige.
Sie blieben noch gut eine halbe Stunde so sitzen und beobachteten Harry in seinem Schlaf. Er sah so jung und unschuldig aus und trotzdem runzelte sich ab und an seine Stirn, ganz so als würden ihn schlimme Träume belästigen. Nachdem was sie heute erfahren hatten wussten sie, dass es wahrscheinlich auch so war. Und sie konnten nur wenig dagegen tun.
"Ich verspreche dir Prongslet. Du wirst, bis du nach Hogwarts kommst, eine tolle Kindheit haben." sagte Sirius entschlossen. Harrys Geständnis, dass er aus der Zukunft war, spielte keine Rolle mehr. Sirius Black hatte die Tatsache mit all ihren Konsequenzen akzeptiert. Dies war Harry James Potter, sein Patenkind. Sein kleiner Welpe.
"Ja, diesmal werden wir es richtig machen!" nickte Remus und seine Augen leuchteten wie Gold. Die beiden Freunde wechselten einen langen Blick und waren sich einig.
"Bringen wir den Welpen ins Bett, Moony. Auch ich bin müde!" erhob sich Sirius vorsichtig. Harry murmelte etwas und kuschelte sich noch enger an seinen Paten. Auch wenn er nicht bewusst alles wahrnahm, so wusste er doch instinktiv, dass er sicher war. Ein Umstand den er lange nicht mehr genossen hatte und dem er sich voll ergab. Ja, Harry war seit vielen Jahren das erste Mal wieder glücklich und zufrieden.
TBC...
