VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Es geht weiter mit der Geschichte. Ich gestehe, ich hatte viel Spaß beim Schreiben dieses Kapitels. Es ist mit Abstand das längste Kapitel, aber ich wollte das ganze Geschehen zusammen fassen. Und so wurden es tatsächlich über 11.000 Worte. Wow!
Wie immer mein Dank an Pansy, für ihre Mühe. Wobei ich sie auch hier wieder einmal vor den Kopf stoßen werde. Sorry Mädel.
Marius
ooOOoo
KAPITEL 8
Die letzten Wochen vor der Hochzeit waren hektisch. Der Termin war Ende Mai und Remus war dafür zuständig die Einladungen zu verschicken. Eine Aufgabe die ihm Padfoot aufs Auge gedrückt hatte. Mit dem Titel Lord Black waren zu Sirius' Leidwesen auch jede Menge Verpflichtungen verbunden. Das zeigte sich an der langen Liste der Hochzeitsgäste, die so illustre Gäste wie die Longbottems, Bones' oder den Schulvorsteher von Hogwarts aufwies. Selbst der britische Minister für Magie und sein italienischer Amtskollege waren Gäste.
"FUDGE? Du bist nicht bei Sinnen!" schimpfte Harry wütend. Er hatte Fudge, nie die Geschehnisse des vierten und fünften Jahres verziehen.
"Glaube mir, Kleiner. Es gefällt mir auch nicht. Ich kann diesen pompösen Dreckskerl nicht ausstehen. Aber das ist nun mal Politik!" erwiderte Sirius und versuchte seine Laune zu beherrschen.
"Politik?" wurde Harry sofort misstrauisch.
"Natürlich Politik. Glaubst du, sonst hätte ich Fudge oder Dumbledore zu so einem Ereignis eingeladen? Das gehört einfach zu dem Spiel Harry. Du solltest es doch eigentlich wissen!" knurrte Sirius.
"Oh, wie Slytherin von dir!" höhnte der Junge.
"Autsch, das war unter der Gürtellinie!" zuckte Sirius zusammen.
"Harry sei bitte vernünftig. Du weißt, dass Padfoot Recht hat!" versuchte Remus zu vermitteln.
"Ich will nicht vernünftig sein. Nicht, wenn es um Fudge geht!" fauchte Harry.
"Du bist völlig irrational!" warf Sirius die Arme hoch.
"Ach, jetzt bin ich auf einmal irrational?" spottete Harry wütend.
"Ja, bist du!" meinte Sirius.
"Bin ich nicht!"
"Bist du."
"Bin ich nicht."
"Bist du doch!"
"Bin ich nicht!"
"Doch! Und du weißt es!"
"Ach, macht doch was ihr wollt!" winkte Harry ab und ließ die beiden stehen.
Mit einem gewaltigen 'BUUMM' knallt er die Tür hinter sich zu und die beiden Freunde zuckten zusammen.
"Puuh! Das ging besser als erwartet!" seufzte Sirius erleichtert.
"Sehe ich auch so!" nickte Remus und atmete tief durch.
"Er hat wirklich die Laune seiner Mutter!" fing Siri an zu schmunzeln. "Ich verstehe ihn ja im Grunde. Er hat oft genug betont, wie sehr er Fudge verabscheut. Aber er hat es sich selbst zuzuschreiben. Schließlich war er es, der mich dazu gedrängt hat, den Titel anzunehmen." verteidigte er seine Entscheidung.
"Du plapperst, Padfoot!" brummte Remus.
"Tue ich nicht!" kniff Siri die Augen zusammen.
"Tust du doch!"
"Nein!"
"Doch!"
"Nein!"
"Doch!"
"AARRGGHH! Was soll das Moony?" raufte sich Sirius die Haare.
Remus grinste nur und ging leise pfeifend nach draußen. Sirius war in letzter Zeit sehr leicht auf die Palme zu bringen und manchmal konnte der Wolf der Gelegenheit einfach nicht widerstehen.
Ja, die Nerven in der Villa Noir lagen blank. Selbst Tenny blieb davon nicht verschont. In letzter Zeit war es öfters zu sehen, wie sich die kleine Hauselfe verzweifelt an den Ohren zog. Mittlerweile wirkten sie ein wenig ausgefranst, aber es war auch möglich, dass sich Harry das nur einbildete. Er beruhigte sich relativ schnell nach dem hitzigen Intermezzo, da sich seine Slytherinseite ungebeten meldete. Offene Feindseligkeiten gegen Dumbledore und Fudge wäre zu diesem Zeitpunkt völlig verkehrt. Auch wenn sie bereits am Stuhl des Ministers sägten. Sirius hatte über eine Holding so viele freie Anteile der größten britischen Tageszeitung erworben wie nur möglich und war jetzt größter Aktionär. Er hatte auch Harrys Geld für diese Transaktion benutzt, da er als sein Vormund auf das Familienvermögen der Potters zugreifen konnte. Harry hatte auch darauf bestanden und Sirius hatte sich nicht lange gewehrt. Aber noch hatten sie nicht die geschäftsfähige Mehrheit. Also hieß es sich bedeckt zu halten, auch wenn es schwer fiel.
Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, stand der nächste Punkt an. Kleiderroben für Bräutigam und Familie. Dazu würden sie in die Rue de Olymp reisen und Harry befürchtete, dass dies wieder ein schwerer, langer Tag sein würde.
Seine Befürchtungen, stellten sich als berechtigt heraus.
Sirius konnte sich einfach nicht entscheiden und schleppte die beiden von einem Geschäft in das nächste. Remus und Harry trottelten wie zwei Zombies hinter ihm her und langsam erreichten sie die Geduldsgrenze.
"Wenn du mich noch in ein weiteres Geschäft schleifst...! Padfoot, ich schwöre, ich hexe dich in die nächste Woche!" knurrte Remus.
"Was ist denn nur mit euch los? Keine Geduld, häh!" wandte sich Sirius gedankenlos ab.
Harry konnte gerade noch Remus den Stab entreißen und verstecken. Obwohl... er war sehr geneigt, Remus seinen Willen zu lassen.
"Er macht mich wahnsinnig!" ballte Remus die Fäuste. Sirius würde nie erfahren wie nahe er einem, eventuell, schmerzhaften Schicksal entgangen war, denn in diesem Moment stieß er einen Freudenschrei aus.
"Seht nur. Genau das was ich gesucht habe!" winkte er die beiden zu sich. "Ist es nicht Prachtvoll? Serena wird Augen machen!" strahlte er und hielt die Roben vor sich. Remus musste zugeben, dass sie äußerst geschmackvoll waren und nickte sofort.
"Die sind es Siri. Die und keine anderen!" zeigte er sich begeistert.
"Bist du sicher, dass sie zu Serenas Hochzeitskleid passen?" konnte Harry den Mund nicht halten. "Gott, das wollte ich eigentlich nicht laut sagen!" wurde er bleich und Remus stöhnte verzweifelt.
"Du hast Recht, Harry. Ich sollte mit ihrer Mutter plaudern damit es auch zusammen passt!" runzelte Sirius die Stirn. "Kommt, wir gehen wieder!" rannte er aus dem Geschäft.
"Es tut mir Leid, Moony. Es tut mir Leid!" wimmerte Harry.
"Sechs Stunden für Nichts." kam es tonlos von Remus.
"HEY! WO BLEIBT IHR DENN? WIR HABEN NICHT DEN GANZEN TAG ZEIT. HÖRT AUF SO RUMZUTRÖDELN!" rief Sirius von außerhalb.
"Das war es!" Remus entriss Harry seinen Stab und stürmte nach draußen und gleich darauf war ein spitzer Schrei zu hören.
Als Harry auf die Straße trat schlug er sich die Hand vor dem Mund und riss die Augen auf. Remus hatte die Arme vor der Brust verschränkt und sah zufrieden auf Sirius der ein Hochzeitskleid im schrillen Rosa trug. Viele der Passanten lachten und zeigten auf ihn.
"Wenn du dich nicht bald entscheidest Sirius Black, dann wirst du genau dieses Outfit bei deiner Hochzeit tragen. Du hast mein Wort darauf!" sagte der Werwolf gefährlich ruhig.
"Also, ich finde, es steht ihm. Lass es so, Moony!" grinste Harry breit.
"Was soll der Scheiß, Moony? Was ist nur mit dir los?" fragte Sirius verwirrt. Dass er im Kleid inmitten der Rue de Olymp stand, schien ihn lange nicht so zu irritieren, wie das Verhalten seines besten Freundes. Er hatte die Fäuste in die Hüften gestemmt und aus dem tiefen Ausschnitt quollen seine Brusthaare.
'Verdammt, wo ist eine Kamera wenn man eine benötigt?', kicherte Harry bei sich.
"Du merkst es gar nicht!" fuhr sich Remus müde über die Augen und mit einem Schlenker seines Stabes verwandelte er Siri zurück.
"Was denn? Komm, sage es mir bitte." bettelte Sirius.
"Ich soll es dir sagen? DU TREIBST HARRY UND MICH IN DEN IRRSINN!" brüllte Remus los und Sirius wich erschrocken zurück.
"Ähh... ähh...!" stammelte er und sah Hilfesuchend zu seinem Patensohn der ihm aber nur einen kühlen Blick schenkte. "S... so schlimm?" brachte er dann endlich heraus.
"Schlimmer!" murmelte Harry düster.
"Merlin, es tut mir Leid. Aber versteht doch bitte. Ich heirate. Ich meine wir heiraten. Ich... ich werde mich bessern!" sackte Sirius leicht zusammen und bettelte mit den Augen. Das konnte er verdammt gut, wie die beiden wussten.
"Schon gut, Padfoot. Du wirst jetzt in das Geschäft zurückgehen und diese Robe kaufen. Ich bin mir sicher, dass sie wundervoll zu Serenas Ausstattung passen wird. Ähä, keine Widerworte!" hob Remus leicht die Stimme als Sirius etwas sagen wollte.
"Ja, Moony!" senkte Sirius ergeben das Haupt und seufzte tief.
"Und du hältst dich diesmal mit Kommentaren zurück!" wandte sich Remus streng an Harry.
"Ja, Moony!" seufzte auch dieser.
"Na also, geht doch!" nickte dieser erleichtert.
Eine gute Stunde später war ihre Bestellung bei dem Herrenschneider abgeschlossen. Sie hatten für alle drei die passende Kleidung gefunden und sie würde in einer Woche geliefert werden. In versöhnlicher Stimmung lud Remus die beiden zum Essen ein und sie besuchten erneut das Muggelrestaurant.
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In den nächsten Tagen trudelten die Bestätigungen der Einladungen ein. So wie es aussah, würde die Black-DeMonte Hochzeit das wohl größte Event seit den Feiern zur Niederlage des dunklen Lords werden. Mit den Gästen auf der Seite der Braut waren es rund 300 Personen. Serena war begeistert. Sie hatte immer von einer großen und prächtigen Hochzeit geträumt und ihr Traum würde wahr werden. Die DeMontes waren keine arme Familie, aber Sirius bestand darauf den Großteil der Kosten zu tragen. Er konnte es sich wirklich leisten und seine zukünftigen Schwiegereltern sträubten sich nicht lange als sie die riesige Gästeliste sahen. Dafür waren sie aber für die Organisation zuständig. Insgesamt waren zwei volle Tage für die Feierlichkeiten anberaumt.
"Warum kleckern, wenn du klotzen kannst!" meinte Sirius großspurig als Harry eine Bemerkung wagte.
"Natürlich!" spöttelte der Junge aber unterließ weitere Bemerkungen.
"Hast du an die Ringe gedacht, Padfoot?" wollte Remus wissen und Sirius grinste erst und wurde dann totenblass.
"Die Ringe. Scheiße! Ich habe die Ringe vergessen!" schrillte seine Stimme und er fing an zu Hyperventilieren.
"Shhh, beruhige dich. Kein Grund zur Panik. Ich bin mir sicher, dass sich im Familiengewölbe der Blacks ein paar wunderschöne Ringe befinden!" schritt Remus sofort ein. Sirius atmete ein paar Mal tief durch, bevor eine Grimasse zog.
"Bei allen Göttern. Was bin ich froh wenn der ganze Spuk vorbei ist!" fluchte er.
"Wir erst. Wir erst!" stimmte Harry inbrünstig zu.
Sirius fackelte nicht lange und reiste mit Remus über die Flohverbindung nach London, um passende Ringe auszusuchen. Harry nutzte die Gelegenheit sich ein wenig am Strand zu entspannen und die himmlische Ruhe zu genießen. Doch das hielt leider nicht lange vor. Plötzlich tauchte mit einem Plopp Tenny neben ihm auf.
"Was ist denn Tenny?" setzte sich Harry auf.
"Meisterin Narcissa und der junge Meister Draco sind gekommen!" vermeldete sie.
"Danke, Tenny!" versuchte Harry nicht zu seufzen. Schnell warf er sich einen Bademantel über und ging ins Haus, wo ihn Narcissa und Draco bereits im großen Wohnzimmer erwarteten.
"Guten Tag, Mrs. Black. Draco!" neigte Harry höflich leicht das Haupt.
"Mr. Potter!" erwiderte Narcissa ebenso höflich den Gruß.
"Harry!" grinste Draco leicht.
"Sie wollen sicher zu Sirius, oder irre ich mich?" fragte er die schlanke Blondine.
"Richtig. Es geht um ein paar Protokollfragen, anlässlich der Hochzeit. Er ist wohl nicht hier?" nickte Narcissa.
"Einen kurzen Abstecher nach London, aber es kann nicht mehr lange dauern. Wenn es ihnen nichts ausmacht so dürfen sie gerne auf ihn warten." schlug Harry vor.
"Es ist wohl unumgänglich. Ich werde das Angebot annehmen, danke Harry!" überlegte sie nicht lange.
"Wir können ja zum Strand. Was hältst du von einer Runde schwimmen?" wandte sich Harry an ihren Platinblonden Sohn.
"Schwimmen? Ist das dein Ernst?" wurde er blass.
"Aber ja! Ahh, verstehe. Du kannst nicht schwimmen!" vermutete Harry scharfsinnig. "Wenn du willst bringe ich es dir bei. Man kann nie wissen, wann man diese nützliche Fähigkeit gebrauchen kann!" bot er ihm an.
Draco wechselte einen Blick mit seiner Mutter die ihm unauffällig ein Zeichen gab.
"In Ordnung!" seufzte er.
"Dann komm bitte mit. Ich leihe dir auch Badehosen!" zog ihn Harry grinsend nach oben in sein Zimmer. Schnell waren passende Badehosen ausgesucht und Harry warf sie ihm zu. "Du kannst dich im Badezimmer umziehen. Dort hängt auch ein weiterer Bademantel." deutete er in die Richtung. Kurze Zeit später befanden sich die beiden Jungen am Strand und Draco sah sich aufmerksam um.
"Ihr habt es wirklich schön hier. Es hat schon seine Vorteile am Mittelmeer zu wohnen!" war er ein wenig neidisch.
"Yeah. Absolut. Hier, benutze sicherheitshalber die Sonnenschutzcreme. Du bist weiß wie ein Schneemann!" schüttelte Harry den Kopf als Draco den Bademantel auszog. Wie ein Mehlwurm hätte es auch wohl getroffen. Kam der Junge denn nie an die Sonne? Draco errötete und schmierte sich hastig ein bevor er sich zaghaft dem Wasser näherte. Harry blieb dicht bei ihm und achtete darauf, dass er nicht vor seinen Augen absoff. Wie erwartet, schluckte er kräftig Wasser als die erste stärkere Welle kam und geriet leicht in Panik.
"Ruhig, Draco. Dir kann nichts passieren. Versuche es erneut. Es hat schon verdammt gut ausgesehen!" munterte ihn Harry auf. Draco schoss ihm einen schiefen Blick zu aber er zog nicht den Schwanz ein und probierte es tapfer erneut. 'Als wäre er ein Gryffindor', grinste Harry innerlich.
"Hast du das gesehen, Harry? Ich bin geschwommen!" rief Draco eine gute halbe Stunde später voller Glück. Er hatte tatsächlich rund 20 Meter hinter sich gebracht, ohne Wasser zu schlucken.
"Ich wusste du kannst es. Ich habe mich auch nicht viel besser angestellt, als ich meine erste Stunde Schwimmunterricht nahm." lobte ihn Harry.
"Wirklich?" fragte Draco überrascht.
"Wirklich! Ich bin wie ein junger Hund gepaddelt und konnte mich gerade noch so über Wasser halten. Lange nicht so elegant wie bei dir!" schmeichelte er. Das beflügelte Draco nur noch mehr. Nach einer weiteren halben Stunde war er geschafft und stakste mit schwachen Knien an den Strand, wo er mehr oder weniger zusammenbrach.
"Merlin. Ich werde nie wieder laufen können. Meine Arme tun weh und auch mein Bauch und der Kopf!" jammerte er kläglich und war etwas grün im Gesicht.
"Das ist das Salzwasser. Vielleicht war auch ein kleiner Fisch dabei!" kicherte Harry und ließ sich neben Draco auf die Decke fallen.
"Es fühlt sich zumindest so an!" würgte Draco und übergab sich ohne Warnung über Harrys Bauch.
"IIEEHHHH!" schoss dieser hoch und sah an sich mit weit aufgerissenen Augen herunter. Genau diesen Moment suchten sich die Erwachsenen aus, um ebenfalls zu erscheinen.
"Voll erwischt. Gut getroffen Draco!" lachte Sirius bellend.
"Mein Drache! Geht es dir nicht gut?" stürzte seine Mutter besorgt zu ihm.
"Ist... mir schlecht!" stöhnte der blonde Junge und seine Mutter konnte gerade noch ausweichen als er sich erneut übergab.
"Zuviel Meerwasser und zuviel Sonne!" nickte Remus wissend.
"Tenny!" rief Sirius die Hauselfe und befahl ihr einen der Tränke aus seinem Labor zu holen. Blitzschnell war sie wieder hier und überreichte das kleine Fläschchen ihrem Meister. "Danke Tenny. Hier Cissy, gib das deinem Sohn." gab er den Trank weiter. Der Trank half augenblicklich und Draco atmete erleichtert auf. In der Zwischenzeit hatte sich Harry erneut in die Fluten gestürzt und alle Spuren abgewaschen. Als er wieder aus dem Wasser kam, errötete Draco heftig.
"Sorry! Ich wollte das nicht!" entschuldigte er sich.
"Hey, mach dir keinen Kopf. Du kannst schließlich nichts dafür. Außerdem sind alle Spuren beseitigt!" grinste Harry.
"Danke! Obwohl... das schrille IIIEEEHHH war schon komisch!" fing jetzt auch Draco an zu grinsen.
"Ich hätte dich sehen wollen!" lachte Harry.
Ja, Draco hatte sich in den letzten vier Jahren sehr verändert. Sicher, er hatte immer noch eine gewisse Arroganz, aber sie war nicht mehr so vordergründig. Harry wunderte sich nun, ob Draco am 1. September noch in Slytherin sortiert werden würde.
Narcissa blieb mit Draco noch zum Abendessen und die Tischgespräche drehten sich fast ausschließlich um die Hochzeit, die in einer Woche stattfinden würde. Sirius' Cousine hatte den Part der Protokollmeisterin übernommen und nahm ihre Aufgabe sehr ernst. Die zwei Jungen hingegen suchten sich ein besseres Thema. Quidditch! Was sonst. Draco flog wie Harry für sein Leben gern, auch wenn er nicht ganz das Naturtalent des anderen hatte.
"Pack heimlich deinen Besen ein, Draco. Die DeMontes haben einen eigenen Quidditchplatz!" raunte ihm Harry zu. Draco warf einen vorsichtigen Blick zu seiner Mutter, die aber gerade in einer angeregten Unterhaltung steckte und zwinkerte dann Harry grinsend zu. "Yeah, das wird geil!" kicherte der dunkelhaarige Junge und Draco fiel in das Kichern ein.
"Was kichert ihr denn so?" wunderte sich Sirius.
"Och, nichts!" bekam er zwei unschuldige Blicke zurück. Sirius kniff misstrauisch die Augen zusammen doch bohrte nicht weiter. Er würde sie aber im Auge behalten.
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Der Rest der Woche verlief beinahe noch hektischer und alle atmeten insgeheim erleichtert auf, als sie am Donnerstag nach Sizilien aufbrachen. Die drei würden im Gästehaus der DeMontes residieren, wo schon die Räumlichkeiten für sie vorbereitet waren. Ein Portschlüssel brachte sie zu ihrem Ziel und Harry fiel Mama Desi direkt vor die Füße. Er hasste Portschlüssel.
"Eine derartige Ehrerbietung wäre nicht nötig gewesen!" half sie ihm schmunzelnd auf.
"Mir war danach!" scherzte Harry.
Desdomena lachte warm und zog Harry in eine herzliche Umarmung. Diese hatte eindeutig Molly Weasley Qualität, stellte Harry fest, nachdem ihm langsam aber sicher die Luft knapp wurde. Oder war sie gar ein getarnter Todesser und wollte ihn zu Tode herzen? Harry sah es mit Galgenhumor. Mama Desi drückte Harry noch einen dicken Kuss auf beide Wangen und dann zu seinem Entsetzen mitten auf den Mund. Erst dann gab sie ihn frei und begrüßte ihren zukünftigen Schwiegersohn. Remus grinste als er Harrys erstaunte Miene sah und blinzelte dem Jungen zu. Sein Grinsen wurde noch breiter als er bemerkte, dass auch Sirius dieselbe Behandlung erhielt. Doch sein Freund war nicht schüchtern und umarmte seine Schwiegermutter herzlich. Seit Januar waren sich die beiden wirklich näher gekommen und Harry erinnerte sich daran, dass auch Sirius, eine nicht gerade liebevolle Kindheit erlebt hatte.
Auch Serenas Vater kam nun hinzu und bald unterhielten sich die Erwachsenen angeregt. Harry stand ein wenig abseits und langweilte sich. Mama Desis scharfen Augen entging das nicht und so schickte sie den Jungen in den weitläufigen Garten.
"Mein Enkel Marco ist mit den anderen Kindern draußen. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie eine Partie Quidditch spielen wollten.", sagte sie lächelnd.
"Quidditch?" spitzte Harry gleich die Ohren.
"Geh schon, Welpe. Bevor du platzt!" zwinkerte ihm Sirius zu.
Mehr Ermunterung brauchte Harry nicht. Mama Desi rief nach der Hauselfe der Familie und diese führte den Jungen zu seinem Zimmer wo schon sein Gepäck angekommen war.
"Suni hofft, dass euch euer Zimmer gefällt, junger Maestro!" verneigte sich die Hauselfe tief.
"Danke, Suni. Es ist wundervoll!" bedankte sich Harry mit einem breiten Lächeln. Prompt wurde die Verneigung noch tiefer und Tränen glitzerten in den großen Augen der Hauselfe.
"Zu liebenswürdig." schluchzte sie auf und verschwand mit einem Plopp.
"Bei Merlin. Ob Dobby italienische Verwandte hat?" murmelte Harry kopfschüttelnd. Schnell zog sich Harry etwas Leichteres für das Spiel an und schnappte sich seinen Besen. Dann stürmte er aus seinem Zimmer und flitzte den Korridor entlang.
"Langsam, mein Junge!" kam es mahnend von einem der Gemälde an der Korridorwand und Harry bremste ab.
"Quidditch!" lachte Harry erklärend und eilte weiter.
"Ahh, Quidditch. Das waren noch Zeiten!" meinte der dunkelhaarige Mann wehmütig. "Viel Spaß noch!" rief er Harry hinterher. Doch der Junge hörte ihn schon nicht mehr da er bereits die breite Treppe nach unten stürmte. Obwohl er noch nie hier gewesen war, fand er doch den Ausgang ohne Schwierigkeiten und blinzelte in das grelle Sonnenlicht. Es war noch Vormittag, aber bereits gut 30 Grad heiß. Alte Olivenbäume überall und hinter einen kleinen Pinienwald konnte Harry die Tore des Quidditchfeldes ausmachen. Sofort schwang er sich auf seinen Besen und flog in diese Richtung. Der Flugwind war sehr warm und brachte kaum Kühlung. Es war wesentlich heißer als an der Riviera. Doch Harry spürte die Hitze kaum als ihn die Erregung packte. In den letzten Jahren war er nur selten dazu gekommen zu fliegen oder gar Quidditch zu spielen.
Harry überflog den Pinienwald und bremste ab. Es waren nicht nur Kinder in der Luft sondern auch Jugendliche und junge Männer. Aber keine Mädchen, wie ihm auffiel. Diese machte er auf einer kleinen, mit Sonnensegel überdachten Tribüne aus.
"Harry!" bemerkte ihn Marco und scherte aus dem laufenden Spiel aus und flog zu ihm.
"Hi, Marco! Noch ein Platz für einen Spieler frei?" fragte Harry schüchtern.
"Warte mal. Ich frage gleich mal nach!" drehte sich Marco schon um und stieß einen grellen Pfiff aus. "Andrea!" rief er dann laut. Einer der Teenager sah auf und flog rasch auf die beiden Jungen zu. Gekonnt bremste er ab und sah neugierig zu Harry.
"Andrea! Dies ist Harry. Sirius' Patensohn. Er meinte er wäre ein guter Sucher. Harry, dies ist mein älterer Bruder Andrea." übernahm Marco die Vorstellungen.
'Andrea? Er sieht nicht gerade wie ein Mädchen aus', grinste Harry innerlich aber er ließ es sich natürlich nicht anmerken.
"Nenn mich Ando. Ein Sucher also. Marco hat schon von dir erzählt. Mal sehen wie gut du wirklich bist!" kniff Ando leicht die Augen zusammen. Er war schätzungsweise an die 16 Jahre alt und zeigte schon einen leichten Oberlippenbart.
"Hi Ando. In welcher Mannschaft?" fragte Harry lässig.
Die zwei Brüder wechselten einen schnellen Blick und Marco nickte aufmunternd.
"In unserer!" seufzte Ando und winkte die anderen Spieler zu sich. Schnell flogen ein paar Namen Harry zu und er versuchte sich zumindest die seiner Mannschaftskollegen zu merken. Ando war nicht der älteste der Spieler aber der Captain und Hüter seiner Mannschaft. Der Schiedsrichter war einer der älteren Brüder von Serena und Onkel von Ando und Marco.
"Ah, Sera hat von dir erzählt. Ich bin Francesco!" grüßte der dunkelhaarige Mann.
"Signore DeMonte!" neigte Harry höflich das Haupt.
"Lass den Signore mal stecken. Du gehörst jetzt mehr oder weniger zur Familie! Du darfst ruhig Onkel Franco zu mir sagen." grinste Francesco freundlich.
"Äh, danke!" murmelte Harry.
"Fliegt wieder auf eure Plätze. Auf gehts!" rief Franco und scheuchte die Jungs wieder nach oben.
Harry nahm sofort seinen Platz weit über den anderen Spielern ein und grinste dem gegnerischen Sucher scheu zu. Dieser war gut drei Jahre älter als Harry und war leicht und schlank gebaut. Die perfekte Figur für einen Sucher.
Auch wenn es ein freundschaftliches Spiel unter Verwandten war, so wurde sich doch nichts geschenkt. Die Jungs gingen ganz schön zur Sache und die Klatscher flogen gefährlich durch die Luft. Was Harry besonders irritierte waren die lautstarken Kommentare der Spieler. Leidenschaftlich und sehr temperamentvoll. Madam Hooch würde in der Luft rotieren wenn sie so etwas in Hogwarts erleben müsste.
Plötzlich ging der andere Sucher in einen Sturzflug über und Harry zuckte zusammen. Hatte er den Schnatz gesehen? Konzentriert sah er sich um und brach seine Verfolgung ab als er erkannte, dass der andere nur bluffte.
"Gut aufgepasst!" rief Ando zufrieden.
Der andere Sucher kam wieder nach oben und grinste Harry herausfordernd an. "Man kann es ja mal versuchen!" lachte er leise.
"Sicher!" brummte Harry und konnte aus seinem rechten Augenwinkel etwas Goldenes aufblitzen sehen. Sofort nahm er Tempo auf und beugte sich flach über seinen Besen. Der Nimbus 1700S war ein erstklassiger Besen und wurde früher auch von den Profis benutzt. Innerhalb von Sekunden erreichte Harry die Höchstgeschwindigkeit die bei gut 170 km/h lag. Der Wind pfiff ihm ins Gesicht und er konnte Rufe hören. Aber seine Konzentration lag nur bei seinem Ziel. Ja, da war er. Der goldene Schnatz! Die Flügel des Schnatzes schienen zu verschwimmen und er änderte unvermittelt seine Flugrichtung.
Doch umsonst. Harry ließ sich nicht abhängen. Nicht einmal von den Klatschern, die ihm die gegnerischen Treiber in den Weg schickten. Sein Instinkt warnte ihn und eine Rolle um 360 Grad in der Längsrichtung vermied den Zusammenstoß. Wieder änderte der Schnatz die Flugrichtung und flog auf dem Boden zu. Harry neigte den Besen nach vorne und ging in den Sturzflug über. Der Grund näherte sich rasend schnell und kam näher und näher. Erst 5 Meter über Grund konnte Harry seine Finger um den Schnatz krallen und zog heftig nach oben. Beinahe hätte es nicht gereicht. Seine Füße schleiften über den ausgedörrten Boden und wirbelten eine enorme Staubwolke auf, bevor er den Besen abfangen konnte und wieder nach oben zog. Triumphierend streckte er die Faust nach oben und man konnte die Flügel des Schnatzes zwischen seinen Fingern wirbeln sehen.
"Lieber Merlin. Du bist absolut irrsinnig, Junge!" kam Franco auf ihn zugeflogen.
"Das war der nackte Wahnsinn!" jubelte Marco ehrfürchtig.
"Ihr Götter, bin ich heilfroh, dass das nicht Mama gesehen hat." atmete Franco erleichtert auf.
"Oma nicht. Aber Tante Sera!" raunte ihm Ando zu.
"Oh Scheiße! Bitte sag, dass sie nicht hier ist!" wurde Franco blass.
"Doch! Ist sie, Papa!" grinste einer der anderen Jungen.
"HARRY JAMES POTTER! ANTRETEN!" kam es dann auch schon.
"Puuh! Sie hat zum Glück dich auf dem Kieker!" atmete Franco erleichtert auf.
"Vielen Dank, Onkel Franco!" gab ihm Harry einen schiefen Blick und betonte die letzten zwei Worte besonders.
"FRANCESCO LUCA DEMONTE! DU EBENFALLS!" freute sich Franco zu früh.
"Auweia. Der volle Name. Tante Sera sieht wirklich wütend aus, Papa. Uhh, Mama ist auch dort. Viel Glück!" kicherte sein Sohn.
"Wow! Du bist wirklich Harry Potter?" schluckte einer der anderen Jungs.
"Das wird mir jetzt auch nichts helfen!" seufzte Harry und flog in Richtung der Tribüne.
Serena stand auf der kleinen Tribüne und war in Begleitung einer anderen jungen Signora, die sicher Francescos Ehefrau war. Von Sirius war nichts zu sehen, aber zumindest Remus war zu dabei. Harry bremste seinen Flug ab und näherte sich die letzen Meter eher zögerlich. Onkel Franco war nicht viel mutiger und blieb an seiner Seite.
"Hallo Serena! Freust du dich auf die Hochzeit?" begrüßte sie Harry weich und Sirius' Verlobte schnaubte.
"Netter Ablenkungsversuch Harry. Was hast du dir nur dabei gedacht? Du hättest sterben können. Ich habe dich auf jeden Fall schon tot auf dem Platz liegen sehen! Denke doch bitte nur einmal an Siris Gefühle!" wurde ihre Stimme lauter. "Und DU!" nahm sie ihren Bruder aufs Korn und ihre Augen blitzten. Franco zuckte zusammen und Harry konnte ihn schlucken hören. Remus verdrehte im Hintergrund leicht die Augen und machte eine wedelnde Geste vor seinem Gesicht. Er sah aber nicht verärgert aus, sondern eher mitleidig.
"Onkel Franco kann nichts dafür. Er war nur Schiedsrichter!" entschloss sich Harry einzugreifen. Warum sollten beide von ihnen leiden?
"Onkel Franco?" wurden Serenas Augen für einen Augenblick weich.
"Außerdem war ich keinen Moment in Gefahr. Sirius oder auch Remus werden dir sicher bestätigen, dass ich ein erstklassiger Flieger bin. Ich weiß was ich tue!" wurde Harrys Stimme fester.
"Das ist wahr!" stimmte Remus zu und Serena fuhr herum. "Ich weiß, dass du dir nur Sorgen gemacht hast Serena. Aber Harry ist wirklich ein Ass auf dem Besen. Ich bin mir sicher, dass er einmal sogar für die englische Nationalmannschaft spielen wird." blieb Remus ruhig.
"Die wären blöd, wenn sie ihn nicht nehmen!" wagte Franco etwas zu sagen.
"Du und dein Quidditch. Timo! Roberto! Schluss für heute!" rief Francos Ehefrau.
"Ahh! Mama! Bitte." riefen ihre Jungs.
"Nichts da. Keine Widerworte!" sagte sie streng. "Das gilt auch für dich!" funkelte sie Franco an.
"Ja, Schatz!" seufzte dieser schwer.
"Und für dich ebenfalls, junger Mann!" wandte sich Serena wieder an Harry.
"Ja, Ma'am!" ließ Harry den Kopf hängen.
"Es ist wieso Essenszeit." zuckten Serenas Mundwinkel.
"Essen? Mann, hab ich einen Kohldampf!" rief Ando und auf einmal war alles andere vergessen.
Beide Mannschaften landeten und nachdem die Spielbälle verstaut waren machte sich die ganze Gruppe geschlossen auf dem Weg. Die Mädchen und Frauen vorne weg und die Jungs folgten mit Franco und Remus.
"Tolles Manöver! Wenn auch verdammt knapp. Padfoot wäre begeistert gewesen." raunte dieser Harry leise zu.
"Ich weiß!" lächelte Harry scheu. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, so steckte ihm Serenas Anschiss in den Knochen. Remus, der ihn sorgfältig beobachtete, legte ihm mitfühlend eine Hand auf die Schulter und drückte sanft.
"Sie war nur so sauer weil sie dich liebt, Welpe. Sie hatte Angst um dich!" sagte er weich.
"Oh!" hob Harry das Haupt und schaute überrascht.
"Das stimmt, Harry. Ich kenne Sera. Wenn du ihr egal wärst, dann wäre sie auch nicht so ausgerastet. In der Beziehung ist sie unserer Mutter am ähnlichsten. Dein Patenonkel darf sich jetzt schon freuen. Es wird ihm auf jeden Fall nie langweilig in seiner Ehe werden." fing Franco an zu grinsen.
"Siri hasst Langeweile!" kicherte Remus und streckte Franco die Hand hin. "Remus Lupin!" stellte er sich vor.
"Francesco DeMonte! Meine Freunde nennen mich Franco." schüttelte Franco herzlich seine Hand. Die beiden Männer schienen sich sofort zu verstehen und unterhielten sich auf dem Weg zurück sehr angeregt. Harry lächelte bei sich und sah sich aufmerksam um. Die Gruppe hatte gerade den kleinen Pinienwald hinter sich gelassen und die Sonne schlug wie ein Vorschlaghammer auf sie nieder. Jetzt, da das Spiel vorbei war, bemerkte er wie heiß es hier wirklich war. Der Junge wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und warf unauffällig einen Stablosen Kühlungszauber auf sich. Das brachte ein bisschen Linderung, auch wenn es nicht lange anhalten würde.
Marco und Ando tuschelten mit den anderen Jungs und ließen sich dann zurückfallen.
"Warum hast du nicht gesagt dass du DER Harry Potter bist?" fragte Marco neugierig, nachdem sie Harry in die Mitte genommen hatten.
"Eben aus diesen Grund. Ich möchte hier nur Harry sein. Einfach nur Harry." seufzte er.
"Ist das dein Ernst? Also, wenn ich du wäre, dann... ich wäre verdammt stolz!" meinte Ando überrascht.
"Worauf Ando? Dass meine Eltern an diesen Abend sterben mussten? Dass ein psychopathischer Bastard mir mein Leben versaut hat? Nicht ich habe Voldemort besiegt, sondern es war die Liebe meiner Mutter die mich rettete. Mir blieb nur diese verdammte Narbe!" erwiderte Harry leise.
Beide Jungen sahen ihn mit großen Augen an und wussten nicht was sie sagen sollten. Sicher hatten sie die Kehrseite des ganzen Ruhmes nicht gesehen. Auf der anderen Seite waren sie beeindruckt, dass Harry den Namen von Du-weißt-schon-wer so offen aussprach. Auch wenn sie sich hier auf Sizilien befanden, so wussten sie von dem dunklen Lord und fürchteten ihn wie jeder anderer europäischer Zauberer.
"Glaubt mir. Ich wäre viel lieber nicht berühmt und hätte dafür meine Eltern wieder. Und lasst bitte das Thema fallen." würgte Harry weitere Fragen in diese Richtung ab.
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Die beiden Jungen befolgten Harrys Bitte und stellten keine weiteren Fragen. Sie hatten auch ihre Cousins instruiert und somit hatte Harry seine Ruhe. Der Rest des Tages verlief sehr angenehm und Harry genoss mit Sirius und Remus die Gastfreundschaft der DeMontes. Die einzige die sie nicht weiter zu Gesicht bekamen war Serena. Anscheinend befolgte sie einige obskure Traditionen, die verlangten, dass sie ihren Bräutigam erst am Tage der Hochzeit wieder zu Gesicht bekam. Sirius zog auch dementsprechend eine leidende Miene aber Harry war sich absolut sicher, dass dies nur Show war. Er kannte seinen Paten und wusste, dass so ein Verbot ihn erst Recht motivierte, es zu umgehen.
Der Abend war hingegen schon wieder stressig. Zum Anlass der Vermählung gab es einen kleinen Ball, zu dem einige Offizielle eingeladen waren und Harry wollte sich davor drücken.
"Ein Ball! Merlin, sind wir hier im Mittelalter?" ächzte er als er es erfuhr. "Viel Spaß dabei!" verschränkte er die Arme und setzte ein grimmiges Gesicht auf.
"Den wirst du haben!" grinste Sirius.
"Vergiss es!" schnappte Harry.
"Komm schon Welpe. Lass mich nicht hängen. Ich habe auch keine Lust dazu aber man ließ mir keine Chance. Serena hat anscheinend vergessen zu erwähnen, dass ihre Familie ziemlich wichtig in Italien ist." bettelte Siri. Doch Harry dachte gar nicht daran, also griff Sirius zum letzten Mittel und verwandelte sich in Padfoot. Der schwarze zottige Hund winselte und seine blauen Augen sahen so flehend aus, dass Harry schwach wurde.
"Arrgghh! Das ist einfach nicht fair Padfoot. Du weißt, dass ich dir nicht widerstehen kann! Also gut. Ich gebe nach." schimpfte der Junge. Padfoot bellte freudig und sein Schwanz wackelte wie verrückt hin und her. Dann sprang er an Harry hoch und zog seine nasse Zunge quer durch dessen Gesicht. "Iiggitttt! Buhäh, du hattest was mit Knoblauch!" zog Harry eine Grimasse. Padfoot grinste und seine Zunge hing aus einer Ecke seines Mauls. Es war schon ein Bild. Schnell verwandelte er sich zurück und zog Harry lachend in eine Umarmung.
"Das macht mir jedes Mal so viel Spaß!" kicherte der Mann. "Hier, ziehe bitte diese Robe an. Habe sie extra für dich besorgt!" deutete er auf die neue Robe die Harry noch gar nicht gesehen hatte.
"Du hast mir eine Robe für den Ball gekauft? Oh, verdammt Siri. Du WUSSTEST es!" ächzte Harry.
"Yep! Und du hast zugesagt!" machte sich Sirius eiligst aus dem Staub und hörte seinen Patensohn noch laut schimpfen nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte.
Eine halbe Stunde später klopfte er an Harrys Zimmertür und schob seinen Kopf durch den Spalt.
"Bist du fertig Harry?" sah er sich in dem Zimmer um.
"Gerade eben!" ertönte es aus dem Badezimmer und Harry kam ins Zimmer zurück. Er trug die neuen Roben, die wirklich elegant waren. Schwarze Seide, mit einem silbernen Innenfutter. Auf der Rückseite war ein prächtiger Phönix in Gold und Rot aufgestickt, der seine Flügel ausgebreitet hatte. Darunter trug er eine silbergraue Weste, weißes Seidenhemd und schwarze Hosen. Auf der linken Brustseite der Robe waren das Familienwappen der Potters und der Blacks aufgestickt. "Danke Sirius. Sie ist sehr schön!" sagte Harry weich und strich andächtig über sein Wappen.
"Kein Dank nötig, Kleiner. Du siehst einfach herrlich darin aus. Deine Eltern wären sicher stolz auf dich!" fuhr ihn Sirius liebevoll durch das wilde Haar. "Hast du dich gekämmt?" fragte er und verbarg sein Grinsen. Harry schenkte ihm einen vernichtenden Blick und ignorierte ihn dann. Sirius lachte bellend und legte seinen Arm um Harrys Schulter und drückte ihn kräftig an sich. "Dann wollen wir mal. Die Pflicht ruft!" atmete er tief durch.
"Wo ist Moony?" wollte Harry wissen.
"Der Mistkerl hat sich drücken können!" gab Sirius stirnrunzelnd zu.
"Verdammt!" murmelte Harry.
"Ja, verdammt!" stimmte Sirius neidisch zu.
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Das Sommerhaus hatte tatsächlich einen großen weiten Ballsaal. Vermutlich noch aus glanzvolleren Zeiten. Stuckfresken an der Decke und ionische Säulen. Er war von tausenden Kerzen hell erleuchtet und Harry war wider Willen beeindruckt. Mama Desi erwartete die beiden schon ungeduldig am Eingang und führte sie unverzüglich zu ihrem Ehemann. Sirius würde mit Harry auf Seite der Familie die Gäste empfangen und als hätten sie auf sie gewartet, wurde auch schon der Reigen eröffnet. Harry machte gute Miene zum bösen Spiel und lächelte gezwungen als er höflich Hände schüttelte. Die Namen vergaß er mehr oder weniger sofort. Eine Ausnahme bildete der italienische Minister für Zauberei, Sergio Montini, eine wirklich angenehme Persönlichkeit, nebst seiner Ehefrau.
"Da kann sich Fudge eine dicke Scheibe abschneiden!" raunte er Sirius zu, nachdem er ihn und seine Ehegattin begrüßt hatte.
"Jeder ist besser als der alte Fudge!" murmelte Sirius zurück.
Eine gute Stunde dauerte alleine das Defilee und Harry brannten schon die Füße und die Wangen. Erleichtert nahm er an der Tafel Platz, nur um noch eine weitere halbe Stunde langweilige Reden zu vernehmen.
"Das ist einfach fies. Marco und die anderen haben ihre Ruhe. Warum muss ich unbedingt daran teilnehmen?" jammerte er Sirius leise vor.
"Es gibt ja gleich das Essen, Kleiner. Geduld!" erwiderte Sirius leise.
Endlich waren die Tischreden beendet und unter höflichen Applaus setzte sich der letzte Redner. Anschließend wurde das Bankett eröffnet und Harry seufzte erleichtert.
"Wie läuft der Rest des Abends ab?" fragte er Sirius als sie schon beim Dessert waren. Zumindest das Essen war hervorragend gewesen.
"Äh, nach dem Bankett wird die Tischordnung aufgehoben und zwanglose Plaudereien sind angesagt! Anschließend wird von Desi und Auguste der Tanz eröffnet." erfuhr er.
"Zwanglose Plaudereien?" hatte Harry ein mulmiges Gefühl. "Wenn du denkst, dass ich den Jungen-der-lebt gebe, hast du dich geschnitten Sirius. Habe ich mich klar ausgedrückt?" knurrte er und die Weinkelche auf dem Tisch begannen leicht zu singen.
"Verstanden. Ich werde sehen was sich machen lässt. Vielleicht kannst du dich ja schnell verdrücken." zuckte sein Pate unmerklich zusammen.
"Nicht vielleicht!" entgegnete Harry bestimmt und das Singen wurde langsam zu einem Klirren.
"Okay, okay! Ich werde dich entschuldigen!" versicherte ihm Sirius hastig.
"Sehr brav." lächelte Harry falsch.
"Du bist so stur wie deine Mutter!" murmelte Sirius.
"Danke." diesmal grinste Harry wirklich.
Es wurde so schlimm wie er es erwartet hatte. Obwohl er sich an der Seite von Sirius hielt, rettete es ihn nicht vor den anderen Gästen. Irgendwie hatte sich herumgesprochen wer er wirklich war. Einige der Gäste waren diskret aber dies waren die Ausnahmen. Sie nickten ihm nur höflich zu und musterten ihn verstohlen. Dann gab es diejenigen die ihn mehr oder weniger direkt und ohne Rücksichtsnahme nach dem Abend fragten, an dem seine Eltern starben. Es blieb aber nicht lange so. Seine Miene wurde immer abweisender und kälter und seine grünen Augen flammten wie der Todesfluch. Das schreckte die meisten ab. Sirius sah besorgt auf seinen Patensohn und wurde von Mama Desi erlöst. Die hatte die beiden nicht aus den Augen gelassen und als Harry erneut von einem älteren Paar in den 50ern bedrängt wurde, kam sie ihm zur Hilfe.
"Ah, Harry. Da bist du ja. Tut mir ausgesprochen Leid, Signore Baldacci. Es ist schon recht spät geworden und der Junge gehört ins Bett!" sagte sie freundlich.
"Sicher, meine Liebe!" murmelte Signore Baldacci und trat widerwillig einen Schritt zurück.
"Ich bin wirklich müde, Mama Desi!" schenkte ihr Harry ein erleichtertes Lächeln. "Gute Nacht Signora! Signore! Onkel Sirius!" verabschiedete er sich höflich. Mama Desi legte ihm beschützend einen Arm um die Schulter und führte ihn hoheitsvoll aus dem Saal. Im großen Treppenhaus küsste sie ihn sanft auf die Stirn und seufzte.
"Ich muss mich entschuldigen Harry. Es war meine Idee, dass du an diesem Abend teilnimmst. Ich hätte nicht gedacht, dass einige Leute so unverschämt sind." sagte sie weich.
"Ich verzeihe dir, Mama Desi. Zumindest für die Leute kannst du nichts. Gute Nacht!" erwiderte Harry leise.
"Gute Nacht. Schlaf gut!" drückte sie ihm noch einen Kuss auf.
Als er wenige Minuten später in seinem weichen Bett lag, dachte er über den Abend nach. Es war nicht soo schlimm wie er angenommen hatte. Solche Veranstaltungen gehörten einfach dazu, wenn man in gewissen Kreisen verkehrte und er wusste, dass es Sirius, ohne seine Serena, auch nicht besonders viel Spaß gemacht hatte.
"Geschieht ihm recht!" brummelte er und schloss die Augen.
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Der Freitag fing eigentlich sehr gemütlich an. Die Erwachsenen schliefen alle länger und die Kinder versammelten sich nach dem Frühstück in einen der großen Familienzimmer. Mit Ando spielte er ein Partie Zaubererschach und mit den anderen Jungen Kartenspiele. Auch die Mädchen waren hier, und nach anfänglicher Schüchternheit verhielten sie sich nicht anders als andere Mädchen ihres Alters. Es machte ihm auf jeden Fall mehr Spaß als der gestrige Abend mit den Erwachsenen.
Der Nachmittag hingegen war nicht mehr so beschaulich. Es wurde eine Art Generalprobe der Trauung abgehalten und Mama Desi kommandierte die Hochzeitsgesellschaft wie ein Altgedienter Stabsfeldwebel. Die Hochzeit würde im Freien zwischen den uralten Olivenbäumen stattfinden. Der Ort strahlte etwas Heiliges aus und Harry erfuhr, dass hier schon seit Jahrhunderten die Kinder der DeMontes heirateten. Als er die Augen schloss und seinen Geist öffnete, konnte er die uralte Naturmagie fühlen, die diesen Hain erfüllte. Ja, dies war der perfekte Standort um eine Ehe zu starten.
Die Generalprobe verlief, bis auf ein paar kleinere Unstimmigkeiten, perfekt ab. Mama Desi sah sehr zufrieden aus, als sie alle zurück ins Haus schickte. Der Abend verlief im Kreis der Familie und es wurde viel gelacht und geredet und Harry fühlte sich pudelwohl bei den DeMontes.
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Der Tag der Hochzeit brach an und Harry blinzelte in die Morgensonne. Er hatte tief und fest geschlafen und fühlte sich prächtig. Ein kräftiges Klopfen an der Tür unterbrach seine Träumereien.
"Bin schon wach!" hob er die Stimme und die Tür öffnete sich.
"Guten Morgen, Welpe." begrüßte ihn Remus mit einem schiefen Grinsen.
"Morgen, Moony!" gähnte Harry herzhaft und setzte sich auf und tastete nach seiner Brille.
"Wenigstens du bist normal!" seufzte der Werwolf und schauderte.
"Wieso? Was ist denn?" wunderte sich Harry.
"Sirius. Der Mann treibt mich mit seiner Hektik in den Wahnsinn." schnaubte Remus und trat ins Zimmer.
"Hektik? Um... 6 Uhr Morgens? Auweia. Das klingt so gar nicht nach Sirius. Er wird doch nicht kalte Füße kriegen?" kicherte Harry.
"Hehe, zu spät für kalte Füße." fiel Remus in das Kichern ein. "So nervös habe ich Sirius selten erlebt. Todesser und Dementoren? Vergiss sie. Sie alle haben ihn lange nicht so beeinflusst wie diese Hochzeit. Der Mann ist ein nervöses Wrack!" schnaubte er.
"Dabei war er gestern noch so locker!" wunderte sich Harry aber konnte das Grinsen nicht unterdrücken.
"Du hast ja keine Ahnung, Kleiner. Er hat mich bereits um 4 Uhr geweckt und hat seitdem bestimmt dreimal gebadet. Kannst du dir vorstellen, dass er von mir verlangt hat, sich von Hand zu rasieren? Er wollte heute keine magische Rasur, sondern eine von Hand und ich als sein Trauzeuge und bester Freund habe gefälligst dasselbe zu machen. So ein Wahnsinn. Sirius' Hände haben so gezittert, dass er sich dreimal geschnitten hat. Schließlich habe ich ihn rasiert. Nachdem ich die Schnittwunden abgeheilt habe!" erzählte Remus und schüttelte ungläubig den Kopf.
"Er ist ja voll neben der Spur." riss Harry die Augen auf.
"Brutal voll! Er ist völlig abgedreht." stöhnte der Werwolf.
"Wenigstens musst du mich nicht rasieren!" kicherte der Junge und strich sich über das Babyglatte Kinn.
"Bring ihn nicht auf Ideen!" lachte Remus.
"REMUS? REMUS! ICH BRAUCHE DICH!" schallte es auf einmal durch den Korridor.
"Kein Wort!" legte Remus panisch seinen Zeigefinger auf die Lippen, doch zu spät. Die Tür wurde ohne zu klopfen aufgerissen und Sirius stürmte herein. Sein Blick war wild und gehetzt und feiner Schweiß stand ihm auf der Stirn.
"Da bist du ja!" brüllte er und schnappte sich Moony. "Komm." zog er seinen widerspenstigen Freund langsam zur Tür.
"Auch dir einen wunderschönen guten Morgen, lieber Onkel Sirius!" flötete Harry süßlich.
"Wie? Oh! Ja, ja, Morgen." brummelte Sirius und winkte fahrig in Richtung Bett.
"Hilf mir Harry! Bitte!" jammerte Remus.
"Meine Güte. Das glaube ich einfach nicht." murmelte Harry erschüttert und hob die rechte Hand. Ohne dass es Sirius merkte, schickte er ihm einen Beruhigungszauber. Augenblicklich wurde Sirius' Atmung entspannter und er seufzte tief.
"Was wollte ich denn jetzt?" murmelte Sirius nachdenklich und blieb stehen. Gedankenverloren kratzte er sich am Kopf und sein Gesichtsausdruck wurde unbeschrieben.
"Du wolltest in Ruhe frühstücken, mein Lieber. Erinnerst du dich nicht?" soufflierte Harry geschickt.
"Aber ja. Danke Harry." schnippte Sirius begeistert mit den Fingern und seine Augen erleuchteten sich. Er schien jetzt erst Harry richtig wahr zu nehmen und sah sich in dem Zimmer um. "Hast du die Robe für die Hochzeit ordentlich auf einen Bügel gehängt? Sind deine Lackschuhe auf Hochglanz? Warum bist du noch im Bett, Junge?" wurde er wieder hektisch und Harry schickte ihm entschlossen die nächste Dosis des Beruhigungszaubers. Sirius' Mund blieb offen stehen und seine Augen wirkten leicht glasig.
"Das war der stärkste Beruhigungszauber den ich kenne, Moony. Wenn der nicht hilft...!" flüsterte Harry blass.
Remus sah Sirius vorsichtig ins Gesicht und grinste etwas.
"Er sieht leicht schwachsinnig aus. Steht ihm gut!" kicherte er mitleidslos.
"Flöße ihm ein oder zwei Tassen Tee ein. Das wird sicherlich helfen!" empfahl Harry.
"Mal sehen was sich machen lässt. Komm, Padfoot. Bei Fuß!" nahm Remus seinen besten Freund am Arm und führte den Armen langsam aus Harrys Zimmer.
"Uhh? Moony? War was?" konnte Harry Sirius noch stammeln hören bevor die Tür ins Schloss fiel. Mit einem Aufstöhnen sank er ins Bett zurück und starrte an die Decke.
"Das wird was werden!" murmelte er und musste kichern.
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Remus schien das unmöglich zustande gebracht zu haben. Denn als Harry eine halbe Stunde später an den Frühstückstisch kam, war Sirius wieder einigermaßen er selbst. Es waren alle, bis auf Serena und eine ihrer Schwägerinnen, bereits versammelt. Die Braut frühstückte auf ihrem Zimmer und bereitete sich schon vor. Dabei war der eigentliche Zeitpunkt noch gut vier Stunden entfernt. Um 11 Uhr vormittags würde die Trauung stattfinden aber bereits um 8 Uhr wurden die ersten Gäste erwartet.
Die Stimmung am Tisch schwankte zwischen Nervosität und freudiger Erwartung. Die bereits verheirateten Erwachsenen musterten Sirius mitfühlend und die Kinder freuten sich vor allem auf die Festlichkeiten die es heute geben würde. Seit Tagen summte die Küche vor Aufregung und die köstlichsten Düfte stimulierten die Fantasie. Selbst Harry ließ sich jetzt langsam davon anstecken und ertappte sich dabei wie sein linkes Bein auf und ab hüpfte.
"Ich habe gehört, dass die Schicksalsschwestern heute Abend aufspielen werden. Das ist soo cool!" lehnte sich Marco zu ihm herüber.
"Bist du sicher?" fragte Harry überrascht.
"Onkel Franco hat es uns verraten." gestand der junge Sizilianer.
"Ob wir nach Autogrammen fragen dürfen?" wisperte einer seiner Kusinen schüchtern.
"Sicher, warum nicht! Ich werde auf jeden Fall fragen." schob einer der anderen Jungen herausfordernd das Kinn vor.
Harry kannte die populäre Musikgruppe nur aus dem WWN, dem Äquivalent des Muggelradios. Ob es stimmte, dass sie heute spielen würden? Er war sich nicht ganz sicher aber es könnte durchaus möglich sein. Sirius hatte genug Geld und auch Einfluss um es wahr werden zu lassen.
Nach dem Frühstück ermahnte Mama Desi alle Kinder ausdrücklich noch einmal, brav und folgsam zu sein. Sie erntete ein gemeinsames Nicken und Blicke aus großen unschuldigen Kinderaugen. Sie schnaubte kurz auf, bevor ihr Gesichtsausdruck streng wurde und sie alle mit einem Wink entließ.
Der Garten war soweit Sperrgebiet, aber nichts sprach dagegen einen Blick zu erhaschen. Viele Leute schwirrten aufgeregt, aber sehr präzise umher und man konnte jetzt schon sehen wie es einmal aussehen würde. Das ganze Gebiet war mit Sonnensegel, die sich überlappten überspannt und überall waren Blumen arrangiert. Wo gestern noch sonnenverbrannte, kümmerliche Grashalme existierte hatten, war jetzt ein saftiger, dunkelgrüner Rasen. Magie war das Zauberwort. Den Mittelpunkt bildete ein herrlicher Pavillon, in dem die Trauung vollzogen werden würde. Er war von allen Seiten einsehbar und leicht erhöht.
"Wow! Was für ein Aufwand!" murmelte einer der älteren Teenager und sah sich ehrfürchtig um.
"Es ist wunderschön!" schwärmten die Mädchen alle.
Dann war es auch schon soweit, dass die ersten Gäste eintrafen. Eine Stelle vor dem Sommerhaus war der Anreisepunkt für Portschlüssel und für Apparation. Mit einem hörbaren Plopp erschienen die ersten und wurden herzlich begrüßt. Harry stand etwas abseits und beobachtete neugierig das Eintreffen, von entfernten Verwandten der DeMontes, Ehrengästen, Freunden und nahen Bekannten.
Narcissa und Draco gehörten zu den Ersten die eintrafen. Mama Desi begrüßte die beiden freundlich und schickte Narcissa mehr oder weniger sofort an die Arbeit. Draco stand eingeschüchtert dort bis er Harry erblickte der ihn zu sich winkte.
"Morgen, Draco!" grinste Harry.
"Guten Morgen! Merlin, es ist noch so früh und hier ist es schon so heiß." stöhnte der Blonde.
"Du wirst es überleben. Hast du deinen Besen dabei?" fragte Harry gespannt. Sofort ließ Draco die leidende Miene fallen und grinste verschwörerisch.
"In mein Gepäck geschmuggelt. Mama hat nichts gemerkt, nachdem ich jemand bitten konnte ihn einzuschrumpfen." kicherte er.
"Sehr geschickt!" lobte Harry und klopfte ihm anerkennend auf den Rücken. "Komm, ich stell dich den anderen vor!" Draco schluckte und nickte schwach. Harry schmunzelte innerlich als er sich an den "alten" Draco Malfoy aus der Schule erinnerte. Von Sirius und Narcissa hatte er erfahren, dass Kinder der alten Purblutfamilien in der Regel bis zu ihrem 6ten Lebensjahr sehr behütet aufwachsen. Erst dann übernimmt der Vater die Erziehung des Familienerben. Lucius hatte einfach die Zeit gefehlt Draco mit seinen engstirnigen Ansichten zu verderben.
Sie erreichten Ando und die anderen Kinder und Harry legte Draco freundschaftlich den Arm um die Schulter.
"Jungs, dies ist Draco Black. Sirius' Cousin. Seid lieb!" lächelte er.
"Wir sind immer lieb!" grinste Marco
"Hallo. Schön euch zu treffen! Ich bin Draco." stellte sich Draco in einem einigermaßen gut verständlichen Italienisch vor.
"Cooler Name. Gefällt mir. Spielst du Quidditch?" brach Marco gleich das Eis.
"Jäger!" erwiderte Draco stolz. Mehr brauchte es nicht. Sofort entbrannte eine heiße Diskussion über den Lieblingssport der europäischen Zaubererwelt. In der italienischen Liga wurde mindestens so heißblütig gespielt wie in der britischen Liga. Draco kannte sogar einige der einheimischen Spitzenmannschaften und konnte gut mitreden. Doch auch die DeMontes waren gut informiert. So verging mehr oder weniger die Zeit, ohne dass sie es bemerkten. Bis Mama Desi auf einmal erschien und sie ins Haus scheuchte damit sie sich fertig machten. Da das Haus mehr oder weniger überbelegt war, hatte sie Draco einfach bei Harry einquartiert. Dieser hatte nichts dagegen und nahm ihn mit auf sein Zimmer. Eine halbe Stunde später waren beide Jungen frisch geduscht und trugen ihre Festroben.
Der Garten war inzwischen freigegeben und sie mischten sich unauffällig unter die inzwischen gewaltig angewachsene Gästeschar.
"Dort ist Dumbledore und auch Minister Fudge und auch Madame Bones!" erkannte Harry die beiden Männer sofort. Sie waren von mehreren Personen umringt und unterhielten sich angeregt und doch blickte Dumbledore auf einmal auf und sah Harry direkt in die Augen. Sofort hob der Junge seine geistigen Schilde an, doch zu seiner Überraschung unternahm der Schulvorsteher keinen Versuch ihn zu lesen. Er nickte ihm nur zu und ein feines Lächeln war unter seinem Bart zu erahnen.
"Merkwürdig!" murmelte Harry als er sich abwandte.
"Was ist merkwürdig?" wollte Draco wissen.
"Äh, ich wundere mich nur dass Sirius Dumbledore eingeladen hat." wich er verlegen aus.
"Das gehört sich einfach, Harry. Albus Dumbledore ist nicht nur Schulvorsteher der bedeutendsten Schule für Zauberei sondern auch der Chief-Warlock des Zaubergarmots." dozierte Draco und für einen Moment hatte Harry das Gefühl er rede mit Percy Weasley.
"Das ist mir schon klar. Ich meinte ja nur!" seufzte Harry.
"Wow! Schau nur. Dort ist Geordie Desmond. Ich glaube es einfach nicht. Komm mit. Vielleicht bekommen wir ein Autogramm!" zog ihn Draco auf einmal am Ärmel mit.
"Wer zur Hölle ist Geordie Desmond?" bremste Harry ihn.
"Du kennst ihn nicht? Ich glaube es einfach nicht. Desmond ist einer der besten Jäger die je für England gespielt haben. Eine lebende Legende. Sein Rekord von 230 Punkten in einem Spiel ist immer noch ungebrochen!" rappelte Draco aufgeregt herunter.
"Ach, DER Desmond. Na Klar!" hüstelte Harry und versuchte sein Grinsen zu verbergen. Draco bemerkte es gar nicht und zog ihn unerbittlich zu einem Mann im mittleren Alter.
"Guten Tag, Sir. Sind sie Geordie Desmond?" fragte Draco schüchtern.
"Yep! In voller Lebensgröße." grinste der Mann freundlich.
"I... Ich... äh, ich wollte...!" fing Draco an zu stammeln.
"Er wollte ein Autogramm, Sir!" sprang Harry ihm bei.
"Aber gerne." lächelte Desmond und griff in seine Robe und holte eine Autogrammkarte und einen Federkiel heraus.
'Ich glaube es nicht. Er hat tatsächlich Karten dabei', dachte Harry voller Grauen und doch auch fasziniert.
"Für wen soll sie sein?" fragte Desmond erwartungsvoll.
Kurze Zeit später hielt Draco glücklich strahlend eine Autogrammkarte mit persönlicher Widmung in der Hand. Harry hatte höflich abgelehnt als ihm Desmond ebenfalls eine schenken wollte.
"Bist wohl kein Fan, Kleiner?" meinte Desmond enttäuscht.
"Doch. Aber ich sammele keine Autogramme." schmunzelte der Junge. Der ehemalige Quidditchprofi sah ihn genauer an und seine Augen weiteten sich ehrfürchtig, als sein Blick auf der fast verdeckten Narbe hängen blieb. Harry seufzte innerlich und machte dass er weiter kam. Genau das hatte er befürchtet. Die Zeit der Ruhe war wohl endgültig vorbei. Bald würde er seinen Einladungsbrief nach Hogwarts erhalten und das war es dann mit der Anonymität.
"Hey! Warte Harry!" holte ihn Draco wieder ein. "Was war denn?" wollte er wissen und Harry zuckte nur kurz mit den Schultern und deutete unauffällig auf seine Narbe. "Oh! Aber damit war zu rechnen. Du bist nun mal der Junge-der-lebt." senkte Draco die Stimme.
"Ich wollt, ich wäre es nicht. Diese verfluchte Narbe hat mich meine Eltern gekostet. Ich hasse diesen Ruhm und die Aufmerksamkeit. Es erinnert mich nur immer daran was ich nicht haben kann." erwiderte Harry traurig.
"Shit! Diese Kehrseite habe ich nie so erkannt!" murmelte Draco blass.
"Lassen wir das Thema. Ich möchte mir heute die Stimmung nicht verderben lassen. Schließlich ist es Sirius' Tag." verdrängte Harry die dunklen Gedanken.
"Sicher!" stimmte Draco zu.
Harry war erstaunt als ihn Draco auf diese oder jene Person hinwies. Narcissas Sohn kannte jede wichtige Persönlichkeit von Namen her und seine Erklärungen und auch oftmals sehr ironischen Bemerkungen rollten unentwegt über seine Lippen.
"Süßer Merlin. Du hast eine wirklich spitze Zunge. Cool!" kicherte Harry.
"Der Einfluss meiner Mutter." musste Draco grinsen. "Du solltest sie mal hören wenn sie vom Leder zieht. Da bleibt kein Auge trocken und keiner ungeschoren." erklärte er mit Stolz.
"Und was hat sie über mich zu sagen?" packte Harry die Neugierde.
"Nur Gutes, mein Bester. Nur Gutes." funkelten Dracos graue Augen vergnügt.
"Na Klar." schnaubte sein Begleiter.
"Jetzt ernsthaft! Sie ist sehr angetan von dir. Und sie ist ziemlich erzürnt darüber, dass dich Dumbledore bei deinen Muggelverwandten untergebracht hat. Eine Schandtat in ihren Augen." sagte Draco ruhig aber man konnte seiner Stimme anhören, dass er in diesem Punkt mit seiner Mutter übereinstimmte.
"Er hatte seine Gründe für diese Entscheidung. Es war für das bessere gut!" kam es höhnisch zurück.
"Wenn man vom Satan...!" flüsterte Draco erstickt und sah über Harrys Schultern.
"Sag bitte nicht, dass er zu uns kommt?" ächzte Harry.
"Sorry!" biss sich Draco auf die Unterlippe. Entschlossen drehte sich Harry um und starrte direkt auf einen langen weißen Bart und dann in funkelnde blaue Augen hinter einer Halbmondbrille.
"Schulvorsteher Dumbledore!" begrüßte er den alten Zauberer kühl.
"Harry, mein Junge. Schön dich und auch Mr. Black endlich einmal zu treffen." begrüßte ihn Dumbledore jovial. Harry hob leicht eine Augenbraue an als er die Anrede bemerkte. Er war also Harry, während Draco nur Mr. Black war. "Ich bin sicher, dass ihr es kaum erwarten könnt, eure Einladungen nach Hogwarts zu erhalten?" machte Dumbledore von Harrys kühlem Empfang unbeeindruckt weiter.
"In der Tat!" nickte Draco.
"Es wird bestimmt eine interessante Erfahrung." gab Harry zu. "Wenn ich richtig informiert wurde, waren sie dafür verantwortlich, dass ich bei den Dursleys untergebracht wurde. Ist dies korrekt?" ging er direkt auf sein Ziel los. Sofort nahm das Funkeln in Dumbledores Augen an Intensität ab und er seufzte hörbar.
"Ich muss gestehen, dass dies auf meine Kappe geht. Zu dem damaligen Zeitpunkt erschien es mir als das Sicherste. Erst von Remus und Sirius erfuhr ich, wie sehr du dort unter deinen Verwandten gelitten hast. Deshalb möchte ich deine Verzeihung erbitten." überraschte er Harry. Vor allem da er es absolut ehrlich meinte. Harry starrte ihm gut eine Minute direkt in die Augen und nickte dann leicht. Wieder hatte ihn der alte Zauberer überrascht, als dieser die Gelegenheit nicht wahr nahm und keinen Versuch startete, Legementik bei ihm einzusetzen. Harry wusste aus Erfahrung, dass Dumbledore ein vollendeter Meister-Legimens war.
"In Ordnung, Sir. Vergeben, aber nicht vergessen!" gab er sich einen Ruck.
"Das ist wenigstens etwas, mein Junge. Dafür danke ich dir." neigte Dumbledore leicht den Kopf und das Funkeln wurde wieder stärker. "Zitronenbonbon?" hielt er auf einmal eine Tüte mit Bonbons in der Hand und bot sie den beiden Jungen an.
"Äh, nein Danke!" winkten sowohl Harry und auch Draco ab. Manche Dinge ändern sich dann doch nie, lächelte Harry innerlich.
"Ich kann einfach nicht verstehen warum keiner meine Bonbons möchte!" schüttelte Dumbledore nachdenklich den Kopf und schob sich selbst einen in den Mund.
"Vielleicht sollten sie andere Geschmacksrichtungen anbieten? Kirsche oder Orange. Nicht ganz so sauer." grinste Harry leicht. Das hatte er ihm schon vor vielen Jahren einmal sagen wollen.
"Meinst du? Hmm, Kirsche und Orange! Das klingt wirklich lecker." blinzelte Dumbledore abwesend.
"Ah, Signore Dumbledore!" wurden sie in diesem Moment von einem älteren Herrn unterbrochen und Harry nutzte die Gelegenheit mit Draco zu verduften.
"Das ist also der große Dumbledore. Ist er noch ganz richtig im Kopf? Quatscht über Bonbons!" konnte es Draco nicht fassen.
"Unterschätze den alten Mann nicht, Draco. Ich glaube manchmal, dass er das mit Absicht macht. Obwohl er wirklich schwer zu durchschauen ist. Doch seine magische Macht ist ungebrochen und sehr beeindruckend." mahnte Harry leise.
"Das mag sein. Der dunkle Lord hat ihn sicher nicht unbegründet gefürchtet!" runzelte Draco die Stirn.
"Sicher nicht. Er ist der einzige der ihm Paroli bieten konnte." nickte Harry. Sich selbst ließ er dabei außen vor. Es war besser, dass keiner wusste wie mächtig er wirklich war und es war schwer genug seine magische Aura soweit zu unterdrücken damit es keinem auffiel.
"Aber Zitronenbonbons?" murmelte Draco und klang reichlich angewidert.
"Vergiss es einfach Draco. Oh, ist das nicht...?" blieb Harry plötzlich stehen und sah zu einer älteren, streng aussehenden Dame die in Begleitung eines Jungen in Harry und Dracos Alter war.
"Augusta Longbottem. Der Junge muss ihr Enkel sein, wenn ich richtig informiert bin. Ich komme jetzt nur nicht auf seinen Namen." soufflierte Draco sofort.
"Neville. Sein Name ist Neville." flüsterte Harry und schluckte. "Komm, wir begrüßen sie." entschied er aus dem Bauch heraus und näherte sich dem Paar. Draco hüstelte leise aber folgte mehr oder weniger sofort.
Neville sah genauso aus wie ihn Harry damals in Erinnerung hatte. Schüchtern und ein wenig rundlich.
"Guten Tag Ma'am." begrüßte Harry höflich Mrs. Longbottem und lächelte Neville zu. Der schluckte hart und senkte verlegen die Augen.
"Oh, ein Landsmann. Guten Tag, junge Herren." nickte ihnen die alte Lady hoheitsvoll zu. Sie kniff leicht die Augen zusammen und musterte vor allem Draco. "Narcissas Sohn, wenn ich mich nicht sehr irre?" fragte sie direkt.
"In der Tat, Ma'am. Draco Black." verneigte sich Draco leicht.
"Und sie... ahh, unverkennbar ein Potter. Diese Haare." zuckten ihre Mundwinkel als sie Harry unter die Lupe nahm.
"Volltreffer, Ma'am. Mir wurde erzählt es wäre ein Familienfluch." seufzte Harry.
"Schon ihr Großvater hatte diese unbändige Haarpracht, Mr. Potter. Tragen sie sie mit Stolz." überraschte sie ihn mit einem kleinen Lächeln. Dann legte sie eine Hand auf Nevilles Schulter und schob ihn etwas in den Vordergrund. "Dies ist mein Enkel Neville." stellte sie ihn vor.
"Hi Neville. Erfreut deine Bekanntschaft zu machen. Ich bin Harry." reichte ihm Harry lächelnd die Hand. Nevilles Röte vertiefte sich und ergriff vorsichtig Harrys dargebotene Hand.
"Hi Harry!" kippte seine Stimme.
"Ich habe gehört, dass unsere Eltern enge Freunde waren, Neville und ich hoffe sehr, dass auch wir gute Freunde werden." sagte Harry warm.
"Wirklich?" riss Neville die Augen auf.
"Und ob. Dies ist Draco, ebenfalls ein Freund von mir." zog er Draco an seine Seite.
"Neville." war Draco wesentlich reservierter.
"Draco." wurde Neville sofort wieder schüchtern.
Es war gar nicht so einfach unter den wachsamen Augen von Augusta Longbottem ein lockeres Gespräch zu führen aber Harry versuchte es. Ob es an der Anwesenheit seiner Großmutter lag oder dass sie sich erst eben getroffen hatten war schwer zu sagen. Auf jedem Fall war Neville schüchtern wie selten aber Harry wusste welch guter Freund der Erbe der Longbottems war. Er wollte diesmal nicht warten bis sie in Hogwarts waren und so lud er Neville zu seinem Geburtstag im Juli ein. Der pummelige Junge war so verblüfft, dass er nur nicken konnte als er die Einladung annahm. Aber Harry konnte auch die Freude darüber sehen und wusste, dass es richtig gewesen war.
Seine Überlegungen wurden von dem Klang einer Glocke unterbrochen und alle Gäste verstummten langsam und sahen in Richtung des Hauses.
"Das war das erste Zeichen. Es geht los." fing Harry an zu lächeln und verabschiedete sich vorerst von den Longbottems.
Nach und nach nahmen die Hochzeitsgäste ihre Plätze um den prächtig geschmückten Pavillon ein. Die Plätze für die Familie der Blacks befanden sich auf der rechten Seite und Harry konnte schon die Tonks dort sehen. Nymphadora befand sich nun im letzten Hogwartsjahr und war inzwischen 18 Jahre alt. Sie sah atemberaubend aus, nach Harrys bescheidener Meinung. Sie lächelte ihm entgegen und winkte unauffällig. Harry grinste zurück und nahm dann zwischen Marco und Draco Platz und sah gespannt zu der schlanken Person, die als einzige auf dem Podium stand. Eine alte ehrwürdige Hexe, in ein langes weißes Gewand gehüllt und mit einem Blumenkranz gekrönt, wartete dort geduldig. Sie sah noch älter wie Dumbledore aus, aber hielt sich stolz und gerade und ihre Augen sprachen von Weisheit und Mysterien.
"Wer ist das?" fragte Harry Marco leise. Der junge DeMonte hatte es sich nicht nehmen lassen und hatte zwischen den Blacks Platz genommen.
"Eine Priesterin des alten Glaubens. Ihr Name ist Cassiopeia. Man sagt, sie sei über 400 Jahre alt." flüsterte Marco ehrfürchtig zurück. Harry wollte erst spöttisch schnauben, aber in diesem Moment sah er der alten Priesterin genau in die Augen und stockte. Es war nur ein Augenblick aber für Harry schien er eine Ewigkeit zu dauern. Dracos Ellenbogen der sich ihm in die Seite drängte riss Harry aus seiner Erstarrung und er holte tief Luft.
"Was ist denn mit dir los?" raunte ihm der blonde Junge zu.
"Nichts!" murmelte Harry benommen.
Die Glocke ertönte erneut und alle verstummten und sahen erwartungsvoll in Richtung des Hauses. Durch einen Bogen aus Blumen schritt Sirius, in Begleitung von Remus, langsam und erhaben den schmalen Gang zum Pavillon entlang. Er trug die Roben die sie in Paris gekauft hatten und streckte stolz das Kinn vor. An seiner reichten Hand funkelte, nun heute deutlich sichtbar, der Siegelring der Blacks. In Harrys Augen war es wie ein Bild aus lang vergessenen Zeiten und er musste blinzeln als ihm plötzlich die Sicht verschwamm. Sirius' Blick kreuzte sich mit Harrys und ein Lächeln voller Glück und Liebe erleuchtete seine Züge.
'Ich liebe dich auch, Sirius', dachte Harry inbrünstig. Die vergangenen viereinhalb Jahre zogen vor seinem inneren Auge vorbei und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte Harry tiefen Frieden und Glück in seinem Herzen. Sirius und Remus hatten ihm das gegeben was er stets entbehrt und sich immer gewünscht hatte: Eine Familie. Menschen die ihn um seiner selbst willen liebten. Sie hatten seine Eltern natürlich nicht ersetzen können, aber die Zeit mit ihnen hatte die tiefen Wunden in Harrys Seele abheilen lassen. Auch die Albträume die ihn die ersten zwei Jahre regelmäßig quälten, hatten in ihrer Intensität nachgelassen, bis sie ihn nur noch gelegentlich plagten. Harry wusste, dass er dies seiner neuen Familie verdankte und heute würde diese kleine Familie um ein weiteres Mitglied anwachsen.
Sirius und Remus hatten den Pavillon erreicht und stiegen majestätisch die Stufen empor. Vor der alten Priesterin verharrten sie und neigten ehrerbietig das Haupt vor ihr. Cassiopeia lächelte sanft und erwiderte die Geste. Dann drehten sich die beiden Männer wie auf ein geheimes Zeichen gemeinsam den Gästen zu und warteten. Ein drittes Mal ertönte der helle Klang der Glocke und rief die Braut.
Harry streckte seinen Hals um ja nichts zu verpassen.
"Allmächtiger!" hauchte er hingerissen als er Serena erblickte. Sie war einfach wunderschön. Sie trug ein klassisches Hochzeitskleid aus weißer Seide und Spitze. Eine lange Schleppe wurde von Feen getragen und ihr Kleid funkelte überirdisch in dem gefilterten Sonnenlicht. Ihr ebenholzfarbenes Haar wurde von einem kostbaren Diadem gekrönt, das sicher ein Erbstück der Familie war. Serena hatte ihren rechten Arm auf den ihres Vaters gelegt, der sie voller Stolz und Freude, langsam die schmale Gasse entlang führte. Hinter dem Paar ging eine junge Frau die Serenas beste Freundin Kira war und wie in Remus' Fall eine weitere Trauzeugin.
Ein Raunen und Seufzen ging durch die Menge und Harry konnte die Magie fühlen die auf einmal den Ort erfüllte. Und er konnte Sirius' scharfes Einatmen hören, als dieser seine Braut erblickte. Sein Pate nahm nicht die Augen von seiner Braut und Serena erging es nicht anders. Endlich erreichte Auguste mit Serena den Pavillon und Sirius kam ihnen entgegen und übernahm von seinem Schwiegervater dessen Tochter.
"Ich übergebe dir das Kostbarste das ich habe. Meine Tochter." sagte Auguste mit brüchiger Stimme leise.
"Sie ist auch mir Kostbar!" flüsterte Sirius und nahm Serenas Hand und führte sie die Stufen empor.
Die Feen drapierten geschickt die Schleppe, die wie ein seidener Wasserfall die Stufen zierte und flatterten aufgeregt um den Pavillon herum. Es war ein Bild wie aus einem Märchenbuch und etwas das sich für die Ewigkeit in Harrys Gedächtnis einbrannte. Selbst Bill und Fleurs Hochzeit hatte damals nicht dieses Surreale aufweisen können, obwohl die Hochzeit im Fuchsbau, die erste Zaubererhochzeit an der Harry je teilgenommen hatte, wirklich wundervoll gewesen war.
Nun stand das Paar vor Cassiopeia, die die beiden jungen Menschen mit Wohlwollen betrachtete.
"Und wieder hat sich die magische Gemeinschaft versammelt um zwei Liebende nach dem alten Ritus der Götter zu vereinen." fing Cassiopeia an zu sprechen und Harry war überrascht wie kraftvoll ihre Stimme war. "Was diese Vereinigung so hervorhebt, ist die Liebe zwischen diesen beiden. Ich kann mich an viele Hochzeiten erinnern, die bestimmt von Politik und Familienzwängen waren und nur selten wurde der Liebe wegen geheiratet. Umso mehr erfüllt es mich mit Freude. Die Macht der Magie ist stark zwischen euch." lächelte sie das Paar an. "Reicht mir eure Hände!" bat sie die beiden. Sirius und Serena streckten ihr ihre rechte Hand entgegen und Cassiopeia legte ihre Hände darauf. "Dies ist ein Bund der Liebe und der Magie!" hob sie leicht die Stimme an und verfiel in eine Art Singsang. Die Sprache die sie benützte schien uralt und sehr archaisch zu sein und Harry fühlte einen Schauer seinen Rücken herunter laufen. Ein weiches Licht breitete sich um das Trio aus und die kleinen Feen flogen noch wilder umher.
Harry löste keine Sekunde den Blick von der Priesterin und hatte für einen kurzen Augenblick den Eindruck als würden ihre Züge von einer anderen Person überlagert werden. Cassiopeias dunkle Augen leuchteten im tiefen Gold und ihre langen weißen Haare in einem satten Grün und die tiefen Runzeln und Falten verschwanden und zeigten das Antlitz einer jungen und doch uralten Frau.
"Geia!" hauchte der Junge ehrfürchtig als er plötzlich die überwältigende Präsenz der Göttin erkannte. Er hätte aber gleichzeitig nicht sagen können, woher er es wusste.
"Wie?" murmelte Draco irritiert.
Hatte er es nicht gesehen? Die Vision, wenn es denn eine war, verblasste und Harry blinzelte ein paar Mal. Hatte er es sich nur eingebildet?
Der rituelle Gesang endete abrupt und die Priesterin sprach wieder im verständlichen Italienisch.
"Sirius und Serena, die Göttin blickt mit Wohlgefallen auf ihre beiden Kinder und segnet diesen Bund." verkündete Cassiopeia feierlich und nickte dann den beiden Trauzeugen unauffällig zu.
"Bei der Göttin, ich bezeuge dies!" sagten Remus und Kira klar und deutlich.
Wie auf ein Zeichen zog das Brautpaar ihre Zauberstäbe und kreuzten sie vorsichtig vor Cassiopeia, die ihrerseits auf dem Kreuzungspunkt ihren Stab legte. Wieder flammte ein Licht auf, aber diesmal war es nicht göttlicher Segen sondern etwas anderes.
"Die Mächte der Magie bewilligen diesen Bund." intonierte Cassiopeia mit ätherischer Stimme.
"Bei der Macht der Magie, ich bezeuge dies!" bestätigten Remus und Kira feierlich.
Vorsichtig wurden die Zauberstäbe weggesteckt und wieder hielt Sirius liebevoll und zärtlich Serenas Hand. Cassiopeia holte ein goldenes Band aus ihrer Robe und wickelte es in einem kunstvollen Muster um die Hände der beiden. Dann sang sie leise eine kurze Formel in Latein bevor sie erneut die Stimme erhob. Remus reichte ihr die Ringe, die sie segnete und dann kamen die berühmten und legendären 'willst du?' auf die alle gewartet hatten. Serena errötete wie ein junges Mädchen als ihr Sirius den Ring an den Finger steckte und ihre Augen schwammen vor Glück und vor Liebe. Harry hatte einen dicken Kloß im Hals und war nicht der einzige der sich die Tränen wegblinzelte.
"Was die Götter und die Magie verbunden haben, möge der Mensch nicht trennen. Ich segne euch, meine Kinder und wünsche euch alles Glück der Erde. Sirius, du darfst die Braut nun küssen!" lächelte Cassiopeia sehr zufrieden. Mehr Aufforderung bedurfte es nicht und Sirius nahm seine Frau zärtlich in seine Arme und küsste sie sehr gekonnt. Applaus und Jubelrufe stiegen in den Himmel und beinahe jeder streckte seinen Zauberstab in die Höhe und schoss Funken und ähnliches ab. Es war ein enormes Spektakel und es war ein Wunder oder besser gesagt, reine Zauberei, dass die Sonnensegel dabei nicht zerstört wurden.
"Süßer Merlin. Siri, ich bin so glücklich für dich!" konnte Harry Remus über den Jubel sagen hören. Er umarmte seinen besten Freund und Bruder herzlich bevor er auch Serena liebevoll auf die Wange küsste. Das war das Zeichen für alle und in der nächsten halben Stunde nahm das frisch vermählte Brautpaar die Glückwünsche der Familie und der Gäste entgegen. Harry, der den beiden eigentlich nur kurz gratulieren wollte, hatte keine Chance auf ein Entkommen. Sirius hielt ihn dicht an seiner Seite und meinte nur dass SEIN Patensohn dazu gehört.
"Danke Siri." flüsterte Harry glücklich.
Dann begann das Hochzeitsfest und es war ein Tag der Harry für immer im Gedächtnis bleiben würde. Ein perfekter Tag, in seinen Augen.
TBC...
A/N: So, ich hoffe es hat euch gefallen. Vielleicht war es a bisserl schmalzig, doch ich gestehe gerne ein... dass ich ein verkappter Romantiker bin. Merlin, warum nur musste ich das auch gestehen?
