VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.

A/N: Das nächste Kapitel für euch. Schade nur, dass ich beim letzten so wenige Reviews bekam. Seufz. In diesem Kapitel erhält Harry endlich seinen Hogwartsbrief, die Familie macht den obligatorischen Ausflug in die Winkelgasse und es wartet auch eine Überraschung auf Sirius. Hehe. Doch lest selbst. Ich kann nur hoffen, dass es euch gefällt und bitte gebt ein bisschen Resonanz zurück. In diesem Sinne, euer

Marius

ooOOoo

KAPITEL 10

Am nächsten Morgen frühstückte Harry mit Remus alleine. Sirius und seine Frau schienen noch zu schlafen und Harry gönnte es ihnen. Remus las die Tageszeitung und gab ab und zu einen bissigen Kommentar ab oder las einen Artikel vor. Ein leises Kratzen am Fenster unterbrach die Idylle und Harry öffnete mit einem Wink seiner Hand das Küchenfenster um die Eule hereinzulassen. Würdevoll flatterte die braune Eule einmal um Harry herum bevor sie sich fast auf seinem Frühstücksteller nieder ließ.

"Ah, dein Hogwartsbrief. Es ist soweit." lächelte Remus.

"Eigentlich habe ich ihn schon gestern erwartet." brummelte Harry und löste den schweren Umschlag, den ihm die Eule entgegen streckte, von ihren Bein. Abwesend reichte er ihr ein paar Stücke von seinem Frühstücksspeck und wischte sich die Finger ab, bevor er das Schulsiegel erbrach.

Mr. Harry Potter

In der Küche

Das ungenannte Manor, Wales, las Harry.

"Das ungenannte Manor?" grinste Harry spöttisch.

"Steht das wohl als Adresse darauf?" lachte Remus. "Padfoot ist sich noch unsicher über den Namen. Er wollte es eigentlich Marauder-Manor nennen aber Serena legte ein Veto ein. Sie bevorzugt etwas Seriöseres. Vermutlich wird es bei Black-Estate enden. Nicht sehr einfallsreich, wenn du mich danach fragst." runzelte er die Stirn.

"Ja, die Freuden der Ehe." kicherte Harry, aber sah sicherheitshalber zur Tür.

"Er wollte es ja nicht anders." grinste der Wolf aber auch er sah sich vorsichtig um.

"Mein Gott. Sie hat uns alle drei fest im Griff." konnte Harry nur den Kopf schütteln.

"Wahr. Wahr." seufzte Remus mit einem schiefen Grinsen und blinzelte Harry verschwörerisch zu.

Harry räusperte sich und öffnete das gefaltete Pergament und fing an vorzulesen.

Sehr geehrter Mr. Potter,

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie bei Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei angenommen worden sind. Das Schuljahr beginnt am 1. September und wir erwarten ihre Eule mit der Bestätigung bis spätestens 10. August. Anbei die Liste für die Schulsachen die sie für das erste Jahr benötigen. Die Anreise erfolgt mit dem Hogwartsexpress, Kings Cross Bahnhof, Gleis 9 3/4.

Hochachtungsvoll

Minerva McGonegall

Stellvertretende Schulleiterin.

"Kurz und bündig. So kenne ich McGonegall." lächelte Harry.

"Wir werden deine Sachen heute in der Winkelgasse besorgen." brummte Remus und vertiefte sich wieder in einen Artikel. Harry konnte sich schon vorstellen welchen Artikel er las.

"Vermute ich richtig, dass gestern bei Gringotts ein Einbruch stattfand?" riss er Remus aus seinen Gedanken.

Verblüfft starrte ihn der Werwolf an und nickte. "Das ist auch damals passiert?" fragte er scharfsinnig.

"Yep. Beim ersten Mal war ich mit Hagrid an meinem Geburtstag in der Winkelgasse. Er holte etwas aus einem Verlies um es nach Hogwarts zu bringen. Genau an diesem Gegenstand ist Quirrell alias Voldemort interessiert. Der Stein der Weisen." erklärte Harry.

"Ich erinnere mich wieder. Fluffy und die Falltür?" sah ihn Remus um Bestätigung an.

"Genau der. Nur Hagrid würde einen ausgewachsenen Zerberus Fluffy nennen." kicherte Harry.

"Er war schon zur meiner Zeit verrückt nach Monstern." lächelte Remus. "Sei nur vorsichtig wenn du in Hogwarts bist. Auch wenn du weißt was passieren wird, heißt es noch lange nicht, dass es einfach und gefahrlos ist. Unterschätze dies bitte nicht." wurde er ernst.

"Keine Sorge, Moony. Ich habe nicht vor, Voldemort zu unterschätzen. Aber ich werde alles tun um ihn davon abzuhalten, den Stein in die Finger zu bekommen. Es wäre fatal." erwiderte Harry genauso ernst.

"Solch ernste Themen schon am Frühstückstisch?" kam es verschlafen von der Tür.

"Guten Morgen, Sirius. Wo ist denn deine bessere Hälfte?" begrüßte ihn Harry launig.

"Es geht ihr nicht gut." kratzte sich Sirius abwesend am Hinterkopf und plumpste müde auf seinen Sitz.

"Sie hatte doch schon gestern leichte Probleme am Morgen." bemerkte Remus besorgt.

"Ich weiß. Aber sie will nichts davon hören einen Heiler aufzusuchen. Sture Frau." brummte Sirius und nahm einen großen Schluck von seinem Kaffee.

"Eine Angewohnheit die ich ihr nachfühlen kann." meinte Harry mit einem schiefen Lächeln.

"Wenn der Prophet nicht zum Berg will...! Am besten ist, du holst einen Heiler ins Haus. Wenn du darauf wartest, dass sie die erste Bewegung macht, dann darfst du lange warten." riet ihm Remus weise.

"Moony, der Frauenversteher." schnaubte Sirius spöttisch.

"Ja, das habe ich dir voraus." grinste sein Freund und diesmal kicherte Harry.

"Haha, selten so gelacht." knurrte Sirius.

"Luna hatte auch immer Morgenübelkeit als sie schwanger...! Oh Shit! Denkst du...?" riss Harry die Augen auf und Sirius spuckte seinen Kaffee quer über den Tisch und wurde blass.

"S... Schwanger? Wie konnte das passieren?" quietschte seine Stimme.

"Also, da gibt es den kleinen Zauberer mit seinem Zauberstab und die kleine Hexe... Mensch, Padfoot. Was für eine blöde Frage." lästerte Remus mit einem so breitem Grinsen, dass es sein Gesicht zu zerteilen schien.

"Gott!" stöhnte Sirius abgrundtief auf und klopfte seine Stirn ein paar Mal auf die Tischplatte.

"Süßer Merlin. Wenn das wirklich so ist? Sirius als Vater...!" staunte Harry.

Sirius riss den Kopf hoch und sah ihn aus großen Augen an, bevor er anfing blöde zu grinsen.

"Ich ein Daddy. Wow!" hauchte er erst hingerissen bevor er dann blass wie ein Leichentuch wurde. "Aber das kann nicht sein. Serena hat mir gestanden dass sie keine Kinder empfangen kann. Ihr müsst euch irren." seufzte er schwer.

"Ist das wahr, Onkel Siri?" fragte Harry besorgt.

"Ich wollte es euch eigentlich nicht sagen, da es sie sehr traurig macht. Sie würde sich so sehr Kinder wünschen. Ihr habt ja keine Ahnung wie sehr. Ich... wir würden uns so sehr Kinder wünschen." flüsterte Sirius todunglücklich.

"Oh Padfoot. Es tut mir so Leid für euch." umarmte ihn Remus mitfühlend. Harry erhob sich von seinem Sitz und vervollständigte die Umarmung.

"Danke Jungs, es geht schon wieder." schniefte Sirius leise.

"Warum kann sie keine Kinder bekommen?" fragte Harry vorsichtig.

"Sie redet nicht gerne darüber. Eine schwere Erkrankung als sie noch in der Pubertät war. Mehr weiß ich auch nicht." antwortete Sirius.

"Und keine Heilung möglich?" wollte Remus wissen und Sirius schüttelte traurig den Kopf. "Shit!" murmelte der Wolf bedrückt.

"Du sagst es, mein Freund. Du sagst es." seufzte Sirius.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies nur eine kleine Magenverstimmung ist. Dafür sind die Anzeichen einfach zu eindeutig." sagte Harry entschieden.

"Ich wünschte du hättest Recht, Prongslet." lächelte Sirius etwas.

"Hmm, da gibt es einen ganz einfachen Diagnosezauber. Poppy hat ihn mir damals beigebracht." überlegte Harry.

"Poppy Pomfrey hat dir einen Schwangerschaftsdiagnosezauber gezeigt? Echt?" ächzte Remus. Was ihn so entsetzte, war die simple Tatsache, dass er Harry als 11jährigen sah und nicht als 25jährigen. Sein kleiner Junge schwängert Mädchen? Niemals. Harry war viel zu unschuldig für Sex.

"Sie hat ihn sicher auf dem Effeff beherrscht. Denkt doch nur an die vielen hübschen Mädchen bei Hogwarts. Ich bin mir sicher, dass sie diesen Spruch mindestens dreimal jährlich gebraucht hat." versuchte Sirius die dunkle Stimmung etwas aufzuhellen.

"Wobei du sicher einer der Verursacher warst. Du warst ein schlimmer Finger, Sirius." ging Remus sofort darauf ein.

"Hey, so schlimm war ich gar nicht. Vieles war Geprahle, wie ich heute ungern zugebe. Ich musste schließlich einen Ruf wahren." gab sein Freund zu.

"Warum überrascht mich das nicht." schüttelte Harry den Kopf.

"Nimm ihn dir auf keinen Fall zum Vorbild." mahnte Remus väterlich.

"Also, das war ein Tiefschlag, alter Freund." protestierte Sirius empört, aber man spürte, dass sein Herz nicht darin steckte.

Die beginnende Neckerei wurde von Serenas Ankunft in der Küche unterbrochen. Sie wirkte ein wenig blass und abgespannt was Sirius sofort aufspringen ließ. Fürsorglich führte er sie an den Frühstückstisch und Remus rückte ihr hilfsbereit den Stuhl zurecht.

"Was ist denn mit euch los?" fragte sie misstrauisch.

"Nichts weiter, Schatz." streichelte ihr Sirius sanft über den Rücken.

"Warum glaube ich dir das nicht? Führst du etwas im Schilde?" kniff sie die Augen zusammen.

"Also, ich bitte dich, Schatz. Was denkst du nur von mir? Natürlich nicht. Äh, Harry. Wärst du so lieb?" wandte er sich unvermittelt an seinen Patensohn.

"Schon dabei." murmelte der Junge und schwenkte seine rechte Hand in Richtung der jungen Frau. Er musterte Serena konzentriert und untersuchte ihre Aura.

"Möchte mir bitte jemand sagen was das soll? Was ist denn los?" fragte Serena leicht gereizt.

"Ich habe Harry gebeten eine kurze Untersuchung durchzuführen. Wegen deiner Übelkeit." erklärte ihr Sirius aber umging ihren Blick.

"Meine Übelkeit...?" war seine Frau nicht ganz überzeugt und hob fragend eine Augenbraue.

"Ja. Komm schon Welpe. Ist es...?" hielt es Sirius nicht mehr aus.

"Gleich. Oh, süßer Merlin." fing Harry an zu strahlen. "Glückwunsch. Ihr werdet Eltern." verkündete er dann die frohe Botschaft.

Serena riss die Augen auf und Sirius wurde schlichtweg ohnmächtig.

"Uhhh-uhhh? W... Wie? Was? Eltern?" wurde Serenas Stimme immer höher. "W... Wie konnte das passieren?" brachte sie mühselig heraus.

"Lass es Moony!" schnitt Harry den Wolf ab als dieser den Mund aufmachte.

"Spielverderber." schmollte Remus und sah dann mit einem breiten Grinsen auf Sirius der noch regungslos auf dem Küchenboden lag.

"Beruhige dich bitte, Serena. Schön ruhig!" war Harry zu ihr getreten.

Serena starrte ihn nur aus großen Augen an die sich langsam mit Tränen füllten.

"Du irrst dich nicht? Bist du wirklich sicher?" zitterte ihre Stimme.

"Ja, ich bin mir sicher. Spürst du es nicht? Taste mit deinen Sinnen nach deinem Kind." erwiderte Harry sanft. Er nahm ihre Hand und legte sie vorsichtig auf ihren Bauch. Serena schluckte schwer und schloss die Augen. Gut 30 Sekunden blieb sie in dieser Haltung, als plötzlich ihre Schultern anfingen zu zucken und ein tiefes Stöhnen voller Unglauben und Erlösung ihren Lippen entwich. Tränen liefen über ihre Wangen und auf einmal war Sirius da und zog sie in seine Arme. Er bedeckte ihr Antlitz mit kleinen Küssen und gab sanfte Laute von sich und weinte mit ihr.

Harry schluckte den dicken Kloß herunter den er auf einmal im Hals hatte und irgendwie verschwamm seine Sicht. Remus war es, der den Jungen an der Hand nahm und aus der Küche führte.

"Geben wir ihnen einen Moment." sagte er leise und wischte sich selbst über die Augen.

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Die beiden warteten im kleinen Salon und unterhielten sich leise als die Tür aufging und das Ehepaar den Raum betrat. Serenas Augen waren rotumrändert und Sirius sah nicht viel besser aus. Dafür war das Leuchten darin umso ausdrucksstärker.

Remus und Harry sprangen sofort auf und sahen ihnen erwartungsvoll entgegen.

"Ich habe einen Standardtest ausgeführt und es steht jetzt fest. Zwillinge. Wir bekommen Zwillinge." verkündete Sirius mit dicker Stimme. Er konnte es immer noch nicht fassen.

"Deswegen diese Überlagerung der Aura. Wow. Doppelt Wow." strahlte Harry und seine grünen Augen leuchteten wie Smaragde.

"Meinen Glückwunsch, ihr beiden. Merlin, ich... mir fehlen die Worte." gratulierte Remus. Er umarmte Serena vorsichtig und küsste sie auf beide Wangen bevor er Sirius in seine Arme riss und den Mann schier in seinen Armen zerstampfte.

"L... Luft, Moony. Atmen." keuchte Sirius.

"Sorry." ließ ihn Remus sofort los aber grinste wie in Irrer.

"Hah, ich drücke das was übrig ist." kicherte Harry und sprang an Sirius hoch. Sein Pate lachte bellend und wirbelte den Jungen voller Freude herum bevor er ihn an sich drückte.

"Ich kann es immer noch nicht glauben." schniefte Serena und betupfte ihre Augen.

"Aber wie ist dies nur möglich? Wenn du angeblich keine Kinder bekommen konntest... was hat es verändert?" wurde Remus ernst.

"Ich weiß es nicht, Remy. Und ich werde es nicht hinterfragen." seufzte Serena.

"Ich glaube ich weiß es." warf Harry vorsichtig ein und hatte sofort die Aufmerksamkeit der anderen.

"Verrate es uns bitte. Was ist uns entgangen?" forderte ihn Sirius auf.

"Denkt an eure Trauung. Habt ihr nichts Ungewöhnliches verspürt?" fragte Harry.

"Abgesehen davon, dass mir das Herz bis zum Hals schlug und ich Schmetterlinge im Bauch hatte...?" lächelte Serena.

"Ging mir auch so." küsste sie Sirius zärtlich.

"Was hast du verspürt, Kleiner? Du würdest es sicher sonst nicht ansprechen." vermutete Remus scharfsinnig.

"Habt ihr es nicht gesehen? Diese goldene Glut die euch umgab. Diese Präsenz die für einen Augenblick anwesend war?" fragte sie Harry und erntete ein Kopfschütteln von jedem. Er seufzte und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Warum musste ausgerechnet ihm immer so etwas passieren? Auch wenn er mittlerweile akzeptiert hatte, dass er wahrscheinlich niemals ein normales Leben führen würde, so überraschte es ihn doch immer wieder.

"Welche Präsenz, Harry?" fragte Serena weich.

"Die Schöpferin allen Lebens. Geia. Mutter Erde. Wer sonst könnte dieses Wunder vollbringen?" lächelte er schief. Wenn die Sache nicht so ernst gewesen wäre, würde er lachen. Drei Unterkiefer trafen sprichwörtlich den Boden und drei Paar Augen starrten ihn ungläubig an. Sirius sah wie ein Karpfen aus und Remus wirkte nicht viel besser. Am besten hielt sich noch Serena aber auch sie kämpfte um ihre Fassung.

"S... Sagtest du... Geia?" krächzte Remus.

"Yup." kam es trocken zurück.

"Ich glaube, ich muss mich setzen." stammelte Sirius und plumpste in den nächsten Sessel.

"Meine Güte. Seid doch bitte nicht so überrascht. Ihr beide seid Zauberer und du eine Hexe, Serena. Wo ist der Glauben an das Übernatürliche, an die Macht der Magie? Ts, Ts." schüttelte Harry missbilligend den Kopf.

"Na, hör mal, Welpe. Das mag ja sein... aber Geia? An unserer Hochzeit?" wurde Sirius immer unsicherer.

"Ich glaube es." platzte Serena heraus und ihre Augen leuchteten vor Überzeugung.

"Wirklich?" sah Sirius überrascht auf.

"Harry hat Recht, Schatz. Wer sonst könnte dies möglich machen? Überlege doch bitte mal. Selbst die besten Heiler konnten mir nicht helfen. Nicht einer. Nur den Göttern ist solch ein Wunder möglich." sah ihm Serena intensiv in die Augen und ihre Stimme zeigte das tiefe Staunen über diesen Umstand.

"Wir wurden gesegnet." flüsterte Sirius.

"In der Tat. Wahrlich, das wurdet ihr." nickte Harry überzeugt.

"Hast du sie gesehen?" fragte Remus scheu und Harry nickte lächelnd.

"Du hast die Göttin gesehen." hauchte Serena ehrfürchtig.

"Nur für einen kurzen Augenblick. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass Cassiopeia als Medium für sie dient. Eine beeindruckende Frau." meinte Harry respektvoll.

"Da kann ich dir nur zustimmen." nickte Sirius genauso respektvoll.

"Merlin! Also sind die alten Legenden doch nicht übertrieben." spitzte Remus nachdenklich die Lippen.

Die tiefsinnige Unterhaltung wurde von einem Grollen unterbrochen und alle sahen zu Harry der verlegen errötete.

"Hey, schaut mich nicht so an. Schließlich kann ich nichts dafür, dass ich nicht fertig frühstücken konnte. Ich bin schließlich noch am wachsen." schmollte er. Erneut grollte sein Magen und Sirius grinste breit.

"Er klingt wie einer dieser Teddybären." kicherte er und Serena lachte vergnügt.

"Frühstücken wir fertig bevor der Junge noch am Teppich knabbert." schmunzelte Remus.

"Ja, es wäre schade um das gute Stück." meinte Sirius.

"Lästermäuler." murmelte Harry.

"Und anschließend werden wir in die Winkelgasse reisen um deine Einkäufe für Hogwarts zu erledigen. Da wir gerade dabei sind... Glückwunsch, Welpe." wuschelte Sirius stolz durch Harrys Haar.

"Der Brief liegt noch auf den Küchentisch." erklärte Serena als sie den fragenden Blick Harrys sah.

"Oh, das erklärt es wohl." lächelte der Junge.

"Und heute Abend werden wir eine kleine Feier veranstalten. Grund zur Freude haben wir allemal." machte Sirius weiter.

"Meine Güte. Ich muss es Mama unbedingt erzählen." riss Serena die Augen auf und stürzte zum Kamin.

"Wir gehen schon mal vor." schnappte sich Harry Remus und zog ihn in Richtung der Küche. Sie waren noch auf dem Korridor als sie Mama Desis ungläubigen Schrei hörten. Er wäre sicher auch ohne Flohverbindung aus Sizilien zu hören gewesen, meinte Remus lachend und Harry konnte ihm nur beipflichten.

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Eine gute Stunde später, schritt die kleine Familie aus dem Kamin des tropfenden Kessels. Harry hatte die Liste für die Schule einstecken und fühlte, dass ihn eine unbestimmte Nervosität erfasst hatte. Würde er heute ein paar alte Freunde treffen?

Tom, der Gastwirt sah neugierig zu ihnen und Harry zog schnell die Baseballmütze tiefer in die Stirn um die verräterische Narbe zu verstecken.

"Bei Barte Merlins. Sirius. Sirius Black. Es ist eine Freude, mein Junge. Es ist lange her." rief er aus und kam hinter seinen Tresen hervor um Sirius die Hand zu schütteln.

"Hallo Tom. Wie geht es dir alten Halunken?" grinste Sirius und schüttelte herzlich die Hand des alten Wirtes.

Die anderen Gäste hatten bei Toms Ausruf aufgeblickt und musterten die Ankömmlinge mit scharfen und vor allem neugierigen Blicken. Harry versteckte sich hinter Remus' Rücken und versuchte sich unauffällig wie nur möglich zu machen. Zu seiner Erleichterung lag die Aufmerksamkeit der anderen bei Sirius, der Tom gerade seine Frau vorstellte. Keiner wusste im Grunde, dass er bei Sirius lebte und er war wirklich froh, dass es so war. Ein paar weitere Neuankömmlinge lenkten die Aufmerksamkeit von ihnen ab und bald darauf verließen sie den tropfenden Kessel, ohne dass auch nur einer Harry erkannt hatte.

"Puuh, die erste Hürde haben wir genommen." ließ Harry erleichtert die Luft ab als sie vor dem Eingang zur Winkelgasse standen.

"Die meisten werden dich vermutlich nicht erkennen. Die paar Bilder die von der Hochzeit veröffentlicht wurden, zeigen dich noch mit Brille." grinste Sirius und zückte seinen Stab damit er das Tor öffnen konnte.

"Verdammte Promijäger." murrte Harry sauer.

"Das wird nicht besser werden wenn ich wirklich deinen Wunsch erfülle. Selbst schuld." zuckte sein Pate nur mit den Schultern und Harry seufzte schwer. Sirius hatte ja damit Recht. Wenn er wirklich die Kandidatur für das Ministeramt bekannt gäbe, wäre es bald öffentliches Wissen, dass der Junge-der-lebt unter seiner Verantwortung stand. Aber das hieß noch lange nicht, dass es Harry gefallen musste.

"Du bist nun mal eine berühmte Gestalt, Harry. Irgendwann werden die Menschen deinen Namen genauso wie den Merlins anrufen. Da bin ich felsenfest davon überzeugt." meinte Serena lächelnd und Harry stöhnte abgrundtief.

"Herr im Himmel. Alles, nur nicht das." riss er voller Grauen die Augen auf.

"Was werden sie beten? Beim Barte Potters oder lieber Harry?" lästerte Sirius vergnügt und wenn Blicke töten könnten wäre er augenblicklich umgefallen. Remus hustete als er versuchte sein Lachen zu verstecken und wurde ebenfalls mit einem Funkeln aus Harrys grünen Augen bedacht.

"Beim Barte Potters. Also das gefällt mir." ließ sich Remus nicht beeindrucken und streichelte über Harrys samtene und vor allem bartfreie Wange. Harry klopfte seine Hand weg und schnaubte verächtlich.

"Hört bitte auf ihn so zu necken." mahnte Serena mitfühlend aber selbst sie hatte ein Zucken in ihren Mundwinkeln.

"Paah!" drehte Harry ihnen demonstrativ den Rücken zu.

"Ooch, jetzt schmollt er." neckte Sirius weiter.

"Das gibt Rache! Das ist euch doch klar, oder?" drehte sich Harry wieder um.

"Wir würden es nicht anders wollen, Welpe. So, konzentriert euch wieder." erwiderte Sirius und die Ziegelsteine in der Wand begannen sich zu verschieben bis sich ein Tor gebildet hatte, durch das auch Hagrid ohne große Probleme gekommen wäre.

"Willkommen in der Winkelgasse." machte Sirius eine einladende Geste.

"Mensch, Onkel Siri. Ich bin nicht zum ersten Male hier." drängte sich Harry an ihm vorbei.

Auch wenn es stimmte, so blieb er doch kurz stehen um den Eindruck auf sich wirken zu lassen. Im Krieg war die Winkelgasse wohl das am häufigsten getroffene Ziel von Voldemorts Todessern gewesen. Viele Zauberer und Hexen waren getötet worden. Gringotts wurde schon bald zerstört und geplündert und die Kobolde abgeschlachtet. Doch sie boten erbitterten Widerstand und nahmen viele der Angreifer mit in den Tod. Es war ein schwarzer Tag für die Zauberergemeinschaft und den Kampfeswillen des Ordens des Phönix gewesen. Harry hatte an diesem Tag viele gute Freunde verloren. Er straffte sich und ging dann durch das Tor und betrat die Gasse. Remus beeilte sich an seine Seite während Sirius sich mit seiner Frau etwas zurückfallen ließ.

Eine vernünftige Maßnahme wie sich zeigte, denn es dauerte nur Augenblicke bis Sirius erkannt wurde. Seit seiner Freilassung aus Askaban gehörte er genauso zu den Legenden wie sein Patensohn. Dazu seine unbestrittenen Erfolge als Tranksmeister. Wobei viele rätselten wer wohl sein Partner mit den Initialen HJP war.

"Schon ist er umlagert." sah Remus über die Schulter zurück.

"Und er scheint es zu genießen." lächelte Harry.

"Du weißt doch, er ist ein Showmann wie kein zweiter." grinste der Wolf. "Er wird sich wohl nie ändern." meinte er dann.

"Oh, da wird Serena aber anderer Meinung sein. Sie hat ihn gut im Griff." kicherte Harry.

"Hmm, könnte sein. Wenn es einer schafft ihn zu erziehen dann ist es sie. Gehen wir lieber weiter bevor wir noch auffallen." entschied Remus vorsichtig.

Er tauschte einen schnellen Blick mit Sirius aus der ihm ein unauffälliges Zeichen gab und machte sich mit Harry auf dem Weg zur Bank. Gringotts war beeindruckend wie immer. Die Eingangshalle war mindestens so groß wie die große Halle von Hogwarts. Nur kostbarer ausgestattet. Teuerster Marmor überall und die Decke schien so hoch wie der Himmel zu sein.

Harry stellte sich mit Remus wie jeder andere Kunde an, aber da genug Schalter geöffnet waren dauerte es nicht lange bis sie an die Reihe kamen.

"Ich möchte mein Verlies aufsuchen. Hier der Schlüssel." senkte Harry die Stimme und schob seinen goldenen Schlüssel über den Tresen. Der Kobold sah gar nicht großartig von seiner Schreibarbeit auf und musterte den Schlüssel eher flüchtig.

"Scheint zu passen. Griphook!" erhob er leicht die Stimme und sofort eilte ein anderer Kobold dienstbeflissen herbei und reichte den Schlüssel weiter. "Folgen sie Griphook." brummte der Kobold und winkte sie weiter.

"Guten Tag Griphook. Mögen deine Geschäfte immer gewinnbringend sein." begrüßte ihn Harry höflich.

Der Kobold blinzelte überrascht bevor er sich leicht verbeugte. "Möget ihr immer ein wachsames Auge auf eurer Gold haben, Mr. Potter." erwiderte er dann. "Bitte folgt mir." wandte er sich ohne weiteres Wort ab und ging voraus.

"Ich werde hier auf Padfoot warten. Viel Spaß bei der Fahrt." meinte Remus leise.

"Okay, bis dann." eilte Harry hinter dem Kobold hinterher.

Die Fahrt in die Tiefe unter der Bank war so aufregend wie sie Harry in Erinnerung hatte. Er wusste, dass er nicht herausfallen konnte und genoss die wilde Fahrt die unheimlich an eine Achterbahn erinnerte. Viele Muggel zahlten eine Menge Geld um sich diesen Nervenkitzel zu leisten und hier gehörte er zum Alltag. Die Karre wurde gewaltsam abgebremst, als sie das Ziel erreichten und Harry wurde nach vorne gedrückt.

"Wow." jauchzte er und Griphook schenkte ihm ein wildes Grinsen.

Griphook bedeutete Harry auszusteigen und näherte sich der schweren Tür die das Verlies schützte. Dann strich er mit einer seiner klauenartigen Finger dem Umriss entlang und Harry konnte die Koboldmagie aufleuchten sehen. Als letztes schob Griphook den Schlüssel ins Schloss und zog die Tür auf.

"Ihr Verlies Mr. Potter." trat der Kobold zur Seite.

"Bitte nenn mich Harry. Einfach nur Harry." lächelte ihn der Junge an ohne seine Zähne zu zeigen.

"Wie du wünschst Harry." verbeugte sich der Kobold.

"Ach du dicke Scheiße!" blieb Harry wie angewurzelt stehen und starrte auf den riesigen Berg von Gold, Silber und Bronze.

"Ist etwas nicht in Ordnung?" fragte der Kobold sofort.

"Äh, ich bin mir nicht ganz sicher. Es ist ein wenig... viel. Äh, ich meine es ist ein enormer Batzen Gold. Stimmt die Summe überhaupt?" stotterte Harry.

"Natürlich stimmt die Summe. Gringotts macht nie Fehler wenn es um die Konten ihrer Kunden geht. Zu ihrer Frage wegen der Summe kann ich nur berichten, dass in den letzten paar Jahren einige kleinere Überweisungen von ihrem Herrn Paten stattfanden." erklärte Griphook und wurde wieder förmlich. Bei Fragen des Geldes verstanden Kobolde keinen Humor und vergaßen jede Freundlichkeit.

"Kleinere Überweisungen?" schrillte Harrys Stimme sogar in seinen Ohren. Er konnte es nicht fassen. Sirius musste ihm mindestens zusätzliche 100.000 Galeonen in sein Verlies eingezahlt haben. Eine, für Zaubererverhältnisse, exorbitante Summe.

"Wie ich sagte. Kleinere Überweisungen." blieb der Kobold ruhig aber Harry hatte das untrügliche Gefühl, dass sich Griphook amüsierte.

"So, so. Na warte Padfoot." murmelte Harry und betrat das Verlies. Gut 1000 Galeonen stopfte er achtlos in die mitgebrachte Geldbörse. Als er das Gewölbe verlassen wollte, zögerte er und wandte sich an den Kobold.

"Besitzt Mr. Remus Lupin ein Gewölbe bei Gringotts?" fragte er neugierig. Griphooks Blick verschleierte sich kurz bevor er nickte. "Oh, hervorragend. Bitte überweisen sie 10.000 Galeonen auf Mr. Lupins Konto. Diskret natürlich. Dann weitere 10.000 auf das der Familie Weasley und hier geben sie außergewöhnliche Zuwendungen als Zahlungszweck an. Bitte veranlassen sie dies." gab er den Auftrag.

"Wird sofort erledigt." verneigte sich der Kobold respektvoll. Wer solche Summen überwies war kein einfacher Kunde. 10.000 Galeonen waren der Gegenwert eines ganzen Jahresgehaltes für Ministeriumsangestellte im gehobenen Dienst.

"Oh, und noch einen kleinen Nachtrag. Die Weasleys sind eine stolze Familie und werden das Geld nicht so ohne weiteres akzeptieren. Deshalb benötigen wir eine gute Begründung für die 'außergewöhnlichen Zuwendungen'. Vorschläge dazu?" fragte Harry den Kobold.

Griphook runzelte die Stirn und nickte dann.

"Die Weasleys unterscheiden sich in einen Punkt erheblich von all den anderen Zaubererfamilien. Ich denke, dort können wir ansetzen!"

"Ich bin ganz Ohr!" lächelte Harry.

"Die Kinder. Sieben an der Zahl und das siebte Kind ist ein Mädchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine uralte Stiftung solche Purblutfamilien, die den Erhalt der Zaubererwelt im Auge haben, großzügig unterstützt." erklärte Griphook.

Harry blinzelte und musste grinsen.

"Griphook, das ist einfach genial. Wirklich Slyhterin von dir. Ehrlich!" lobte er den Kobold warm.

"War mir ein Vergnügen!" grinste Griphook zurück und verbeugte sich leicht.

"Hmm, falls es andere Familien geben sollten, die diese Vorgaben erfüllen, so lass es mich wissen. Es spricht nichts dagegen, auch sie ein wenig zu unterstützen. Auch wenn ich glaube, dass es nicht viele sein werden." gab Harry den Auftrag.

"Natürlich. Wird sofort erledigt!"

"Akkurat wie immer. Vielen Dank, Griphook." lächelte Harry zufrieden. "Oh, und ein Bonus von 100 Galeonen an dich, für erstklassige Beratung!"

Der Kobold war überrascht. Der junge Zauberer war wirklich großzügig und auch ehrenvoll. Griphook verbeugte sich erneut und diesmal fiel die Verbeugung wesentlich tiefer aus.

Die Fahrt zurück war lange nicht so erregend und kurz darauf verabschiedete sich Harry von Griphook und betrat die große Schalterhalle. Remus wartete mit Serena und winkte den Jungen zu sich.

"Hast du, was du benötigst?" fragte er Harry leise.

"Yep. Wo ist denn dein holder Ehegatte?" fragte Harry grinsend die junge Frau.

"Bankgeschäfte. Er unterhält sich gerade mit seinen Anlageberater." deutete sie unauffällig auf eine der Goldverzierten Türen.

"Aha. Ich habe wieso mit Sirius ein Wörtchen zu wechseln." runzelte Harry die Stirn.

"Du hast also entdeckt was er gemacht hat?" lächelte Serena leicht.

"Ich brauche sein Geld nicht." schob Harry stur die Unterlippe vor.

"Das mag ja sein, aber Siri ist da anderer Meinung. DU bist SEIN Patensohn und noch wichtiger, du bist SEINE Verantwortung. Er will dich nur damit verwöhnen, Harry. Sirius weiß, dass er dich mit Gold nicht korrumpieren kann. Lass ihn also den Spaß. Er ist wieso der Meinung gewesen, dass du bestimmt einen Teil des Goldes verschenkst." erwiderte sie und Harry wurde prompt rot. "Meine Güte. Er hatte Recht." fing sie an leise zu lachen und reichte Remus verstohlen eine Galeone, die dieser grinsend entgegen nahm.

"Verdammt." brummte Harry verlegen.

"Er kennt dich. Manchmal bist du zu leicht durchschaubar. Wer ist denn der glückliche Empfänger deiner Spende. Arthur?" kicherte Remus und Harry sah ertappt zu Boden.

"Ich verweigere die Aussage." wich Harry aus.

"Aaahh, du bist so knuddelig, wenn du schmollst." seufzte Serena hingerissen und tippte seine Nasenspitze an.

"Ssshh. Doch nicht in der Öffentlichkeit." wurden Harrys Ohren so rot wie das Haar der Weasleys.

"Er ist ja soo niedlich." meinte Serena leise zu Remus.

"Jungs hören das nicht so gerne, meine Liebe. Es bringt sie in Verlegenheit." erwiderte dieser lächelnd.

Harry wurde von Sirius gerettet der just in diesem Moment das Büro verließ.

"Nanu! Warum hast du denn so rote Ohren, Kleiner?" fragte er ahnungslos. Harry warf die Hände hoch und stampfte in Richtung des Ausgangs los. "Was habe ich denn gesagt?" wunderte sich Sirius.

"Frag nicht. Folgen wir ihm lieber." erwiderte Remus mit einem dicken Grinsen und eilte los.

"Was ist dein erstes Ziel?" fragte Sirius als sie Harry eingeholt hatten.

"Ich brauche ein paar Schulroben, dann zu Flourish und Blotts die Bücher besorgen und dann natürlich meinen Zauberstab. In der Apotheke muss ich die Trankszutaten erwerben. Die Ausstattung habe ich ja bereits." warf Harry einen flüchtigen Blick auf die Liste.

"Dann mal los. Erstes Ziel: Madame Malkin." entschied Sirius.

Madame Malkins Geschäft war genauso wie es Harry in Erinnerung hatte. Es war relativ ruhig und die ältere Hexe kam sofort zu ihnen und begrüßte sie gutgelaunt.

"Guten Tag. Hogwarts, nehme ich an?" fragte sie.

"Richtig. Wir benötigen die üblichen Roben für den Jungen und zusätzlich noch ein paar schöne Freizeitroben. Äh, packen sie auch eine Ausstattung für Quidditch mit hinzu." gab Sirius die Bestellung auf.

"Natürlich Sir. Oh, sie sind es Lord Black." erkannte sie ihn jetzt. "Und sie müssen Lady Black sein. Erfreut sie kennen zu lernen." neigte sie respektvoll das Haupt vor Serena. Sie wechselte noch ein paar höfliche Worte mit den Erwachsenen bevor sie Harry bat auf den Anprobestuhl zu steigen.

"Nimm bitte die Mütze ab, mein Junge." bat sie Harry.

Mit einem unhörbaren Seufzen zog er die Mütze vom Kopf und sofort stand sein Haar nach allen Seiten ab.

"Meine Güte. Mr. Potter." erstarrte sie für eine Sekunde.

"Guten Tag, Ma'am." nickte er ihr zu.

"Äh, gut. Was wollte ich jetzt? Ach ja, vermessen." riss sie sich zusammen. Harry unterdrückte ein Kichern und hielt still, als sie ihm flink und sehr routiniert die Maße abnahm. Madame Malkin sagte zu, dass die Roben in gut zwei Stunden fertig sein würden. Sirius nickte anerkennend und bezahlte die Rechnung ehe Harry reagieren konnte.

"Ist meine Pflicht als dein Vormund!" tat er es ab. Harry wusste es besser als sich in der Öffentlichkeit zu streiten und akzeptierte mit einen Knurren.

Der nächste Halt war Flourish und Blotts. Hier war wesentlich mehr los als bei Madame Malkin. Remus, mindestens so bibliophil veranlagt wie Hermine, verschwand ohne weitere Worte in einen der hinteren Bereiche des Buchladens. Sirius schnaubte nur und ließ den Wolf ziehen.

"Wir werden bei Fortescue auf euch beide warten. Ich denke, dass dies ein wenig länger dauern wird." blinzelte er Harry zu.

"Könnte zutreffen. Bis dann." grinste Harry und folgte Remus.

Harrys Schulbücher waren schnell eingesammelt und anschließend nahm er sich die Zeit nach alten und seltenen Büchern zu suchen. Er wusste, dass Mr. Blotts eine kleine aber äußerst feine Sammlung aufgebaut hatte. Nicht jeder hatte zu diesem Bereich Zutritt und es wäre nutzlos gewesen anzufragen. Doch das galt nicht für Remus.

"Moony?" drängte sich Harry dicht an den Werwolf der in ein Werk über Runen versunken war. Zweimal musste er den Anruf wiederholen bis er endlich die Aufmerksamkeit des älteren Zauberers hatte.

"Huh? Was ist denn Harry?" hob Remus irritiert eine Augenbraue.

"Frage bitte Mr. Blotts nach einem Gedichtband von Schiller." bat Harry flüsternd.

"Schiller? Wie in Friedrich Schiller?" ächzte Remus verblüfft.

"Yup." blinzelte ihm der Junge zu und wunderte sich gar nicht, dass Remus von dem deutschen Dichterfürsten gehört hatte.

"Mr. Blotts führt sicherlich keine Muggeldichter, Harry. Du weißt das. Also, wieso soll ich ihn danach fragen?" vermutete Remus sofort etwas anderes hinter dieser Frage.

"Du bist einfach zu schlau, Moony." grinste Harry und sah sich aufmerksam um. Keiner war in ihrer Nähe und um sicher zu gehen, warf er einen stablosen Schweigezauber. Remus entging das natürlich nicht aber er hielt sich mit weiteren Fragen zurück. "Es ist eine Parole. Blotts hat eine geheime Bibliothek mit einigen Raritäten. Wenn du Zugang erlangst, suche bitte nach folgenden Büchern und störe dich bitte nicht an dem Preis. Hier meine Geldbörse." reichte er ihm seinen Beutel mit Gold und nannte schnell die Titel der gesuchten Bücher.

Remus blinzelte erstaunt. "Du bist dir sicher?" fragte er dann leise. Harry sah ihn nur an und der Zauberer seufzte. "Blöde Frage. Entschuldige bitte." murmelte er peinlich berührt.

Er straffte sich und ging dann in Richtung der Kasse wo immer einer der Besitzer anwesend war. Harry beobachte ihn aus der Distanz und versuchte die leise geführte Unterhaltung nachzuvollziehen. Er sah Mr. Blotts erste reservierte Reaktion aber Remus blieb hartnäckig. Dann nickte der alte Buchhändler und verschwand mit Remus in einer der vielen Gänge. Eine gute Viertelstunde wartete Harry geduldig bis Remus wieder erschien. Er trug ein in Papier eingewickelten Paket und hantierte damit als wäre es leicht zerbrechlich. Remus verabschiedete sich höflichst von Mr. Blotts und Harry bezahlte schnell seine Einkäufe.

"Und?" fragte er Remus als sie auf die Straße traten.

"Das war ein echter Augenöffner. Das einzige das mich an der ganzen Sache störte war die Tatsache, dass mich der alte Fuchs nicht eine Sekunde aus den Augen ließ. Er wollte übrigens wissen wer mich empfohlen hat." grinste Remus schief.

"Was hast du geantwortet?" war Harry neugierig.

"Flamel. Ich denke, dass der alte Alchemist sicher einer von Blotts Kunden ist. Es erschien mir als am Unverfänglichsten." erwiderte Remus.

"Oh! Ich bin mir nicht so sicher ob das eine gute Idee war. Nicholas ist äußerst scharfsinnig und wenn er davon erfahren sollte, dann wird er Fragen stellen." runzelte der Junge die Stirn.

"Aber ich dachte er war einer deiner Mentoren?" wunderte sich Remus.

"Das war er auch. Aber er ist stets am Puls der Zeit gewesen oder ist es noch. Beinahe jeder unterschätzte ihn. Selbst Dumbledore ist das passiert." lächelte Harry und dachte an Nicholas und seine schöne Ehefrau Perenelle.

Beide waren Jahrhunderte alt aber man sah es ihnen nicht an. Im Gegensatz zu dem was Dumbledore nach der Zerstörung des Steins der Weisen angenommen hatte, war Nicholas nicht gestorben. Der alte Gauner hatte immer einen Stein in Reserve und er hing trotz seines hohen Alters sehr am Leben. Dafür genoss er es einfach zu sehr. Nach Dumbledores Tod wurde er DER Mentor von Harry und auch schnell ein lieber und enger Freund. Trotz des riesigen Altersunterschiedes. Dieser Umstand hatte Nicholas noch nie gestört und so war er mehr sein väterlicher Freund als ein Lehrer und zu Harrys unendlichem Entsetzen gaben auch er und Perenelle ihr Leben, um ihn zu schützen.

Der zweite Krieg hatte Harry mit einigen wirklich interessanten Menschen zusammengeführt, die er wahrscheinlich sonst nie getroffen hätte. Diejenigen die er lieb gewann, wurden bald von seiner Seite gerissen. Ein Umstand, der ihn immer abweisender machte. Die Folge war, dass er am Ende keinen einzigen wahren Freund mehr übrig hatte.

Remus behielt Harry unauffällig im Auge, als dieser seinen Gedanken nachhing. Er kannte die Stimmungen, die den Jungen ab und an überkamen und es schmerzte sehr ihn so zu sehen. Doch hier waren nicht der Ort und die Stunde um so unachtsam zu sein und deshalb legte er seine Hand auf die Schulter des Jungen und drückte sanft.

"Harry." sagte er weich und der Junge hob den Blick an, der noch leicht unfokussiert wirkte aber sich schnell aufklarte.

"Entschuldige bitte, Moony. Erinnerungen." lächelte er traurig.

"Ich weiß. Komm, essen wir erst ein Eis bevor wir dir deinen Stab besorgen." versuchte der Wolf ihn aufzumuntern.

"Ja, gute Idee." riss sich Harry zusammen.

Das Ehepaar Black sah ihnen entgegen als sie sich dem bekannten Eiscafé näherten. Sie hatten einen schönen Tisch besetzt, mit einem herrlichen Blick über das geschäftige Treiben der Winkelgasse.

"War etwas?" fragte Serena besorgt als sie sich hinzusetzten.

"Alles in Ordnung." versicherte ihr Harry hastig. Sirius hob nur eine Augenbraue und wechselte einen schnellen und wissenden Blick mit Remus und ließ dann das Thema fallen. Er winkte Florian Fortescue, den Besitzer des Eiscafés, zu sich. Schnell war die Bestellung aufgeben und kurze Zeit später genoss Harry einen großen Schokoladeneisbecher.

"Fortescue macht wirklich das beste Eis in der Zaubererwelt." stöhnte Harry genießerisch.

"Das muss sogar ich bestätigen und ich habe viele Eisdielen in Bella Italia frequentiert." gab Serena zu.

"Er hat sicher einen italienischen Vorfahren." mutmaßte Remus.

Harrys Blick irrte immer wieder über die Menschenmenge und er erkannte einige Schüler aus Hogwarts. Lee Jordans Dreadlocks zum Beispiel, waren unübersehbar. Aus seiner Jahrgangsstufe konnte er Sean Finnegan ausmachen. Der junge Ire, war in Begleitung seiner Eltern und Harry musste sich zusammen reißen um seinem Freund nicht zuzuwinken. Es war irgendwie nostalgisch.

"Besorgen wir lieber deinen Stab, bevor dich die Sentimentalität endgültig überwältigt." meinte Sirius, der seinen Patensohn heimlich beobachtet hatte.

"Ist es mir so deutlich anzumerken?" fragte Harry überrascht.

"Ist es, mein Lieber." drückte Serena sanft seine Hand.

Mr. Ollivanders Geschäft wirkte so unauffällig wie eh und je. Eine einfache Fassade und ein schlicht ausgeschmücktes Schaufenster das nur einen einzigen Stab auf einem Ausgebleichten purpurnen Samtkissen zeigte.

Ollivander - Zauberstäbe seit 382 v. Christus, stand auf einem einfachen Schild das darüber hing.

"Er hatte schon dieselbe Dekoration als ich damals meinen Stab bekam. Ollivander hält nicht viel von Marketing." spöttelte Sirius.

"Hat er auch nicht nötig. Er ist der einzige, vom Ministerium lizenzierte Stabhersteller. Andere müssen ihre Stäbe unter der Hand verkaufen." meinte Remus.

Es gab in der Tat nur drei offizielle Stabhersteller in Großbritannien, wusste Harry. Doch nur Ollivander besaß ein eigenes Geschäft in der Winkelgasse. Von den anderen beiden, arbeitete der eine für das Ministerium und der andere hatte eine Werkstatt in der Nähe von Dover und fertigte wertvolle Einzelstücke, die eher Kunstwerke als alltagstaugliche Gebrauchsstäbe waren. Somit war Ollivander mehr oder weniger konkurrenzlos.

Die Türglocke bimmelte kurz als sie das schlecht erleuchtete und leicht schmuddelige Geschäft betraten. Tausende von schmalen Kartons stapelten sich bis zur Decke und nur Merlin wusste, warum diese schiefen Stapel nicht einstürzten.

Harry konnte Ollivanders Aura in einer der dunklen Ecken ausmachen und zuckte als einziger nicht überrascht zusammen als er sie ansprach.

"Ah, Lord und Lady Black, Mr. Lupin und natürlich Mr. Potter. Ich habe sie erwartet, junger Mann." begrüßte er sie.

"Meine Güte. Haben sie mich erschreckt." legte sich Serena eine Hand auf ihren Brustkorb.

"Verzeihen sie bitte die Marotten eines alten Mannes, Mylady." verneigte sich Ollivander leicht. Seine blassen, fast silberfarbenen Augen musterten sie neugierig und schienen in dem dämmrigen Licht des Ladens zu leuchten.

Mit einem Wort. Er war unheimlich.

Ollivander war eines der Geheimnisse die Harry nie enträtseln konnte. Niemand wusste etwas Genaueres über den alten Stabmachermeister und er verschwand spurlos als der Krieg in seine erste ernste Phase trat. Zuerst nahm man an, dass Voldemort selbst ihn ermordete aber es gab keinen Beweis für diese Behauptung. Sein Laden wurde, wie so viele andere in der Winkelgasse, bei einer der ersten Angriffswellen zerstört. Doch als man die Trümmer untersuchte, fand man keine Leiche und vor allem keine Stäbe. Es war sehr mysteriös und nur die Wirren des Krieges verhinderten genauere Untersuchungen. Eine Tatsache machte Harry besonders neugierig. Albus' Bildnis hatte ihm verraten. dass auch er schon im Sommer 1839 seinen ersten Stab bei Ollivander gekauft hatte. Und es war kein Vorfahre Ollivanders gewesen.

Und weil dem so war, konnte Harry nicht widerstehen und öffnete seine magischen Sinne. Zuerst schien ihm die schiere Anzahl von magischen Auren zu überwältigen. Die Anwesenheit von so vielen Stäben war ungewohnt, doch Harry schaffte es diese Eindrücke an den Rand seines Bewusstseins zu schieben und konzentrierte sich auf Mr. Ollivander.

'Mist! Meine erste Theorie trifft schon mal nicht zu', dachte der Junge überrascht. Er hatte angenommen, dass Ollivander ein Vampir war, doch seine Aura zeigte nicht die übliche Signatur eines Vampirs. Sie war hell, mit einem silbernen Rand. Der Kern wirkte nebulös und graue Schlieren wirbelten um das Zentrum. Sehr verwirrend. Harry hatte nie eine derartige Aura zu Gesicht bekommen. Doch eines konnte er mit Bestimmtheit ausmachen. Mr. Ollivander war sehr alt. Und zwar wirklich alt. Aber das überraschenste war, dass er nur ein sehr durchschnittlicher Zauberer war. Aber das konnte täuschen. Harry benutzte ja selbst, sämtliche Methoden um seine wahre Macht zu verschleiern.

"Mr. Potter?" riss ihn Mr. Ollivander sanft aus seinen Überlegungen. Harry blinzelte und unterdrückte schnell seine magische Sicht.

"Ja, Sir?" sah er den alten Mann unschuldig an.

"Haben sie gefunden was sie suchten?" fragte der Stabmacher und klang leicht amüsiert.

"Ähem, leider nicht Sir." erwiderte Harry aufrichtig und verstärkte seine geistigen Schilde. Verdammt, der Mann gab ihm echt das Kriechen.

Silbrige, rätselhafte Augen musterten Harry wie das einzige Exemplar einer gefährlichen Spezies und der Junge fühlte sich äußerst unwohl unter diesem durchdringenden Blick.

"Dürfte ich fragen, welches ihr Stabarm ist?" fragte Ollivander plötzlich.

"Rechte Hand, Sir." versuchte Harry gelassen zu bleiben.

"Ahh. Darf ich?" ohne die Erlaubnis abzuwarten, begann Ollivander Harry zu vermessen. Geschwind war die Spanne zwischen Hand und Ellenbogen gemessen und Ollivander wandte sich ab, wobei das Maßband seine Messungen nicht unterbrach. "Ich denke, dies wird eine Herausforderung." murmelte der Stabmacher und ging zu einem der Stapel und fuhr sachte mit dem Finger über die Kartons und zog dann, äußerst geschickt, einen heraus. Der enorme Stapel wackelte nicht einmal.

"Bitte, probieren sie diesen, Mr. Potter. Englische Eiche, 12 3/4 Zoll, Einhornhaar als Kern. Sehr geeignet für Verwandlung." reichte er ihm den Stab. Doch Harry trat einen Schritt zurück und verbarg seine Hände hinter seinen Rücken.

"Ich befürchte, dass ich diesen schönen Stab zerstöre, wenn ich in anfasse. Tut mir Leid, Sir." verweigerte Harry die Annahme.

Ollivander hob leicht die Augenbrauen und zu Harrys Überraschung zuckten seine Mundwinkel.

"Ich hatte auf eine spektakuläre Explosion gehofft." klang er fast enttäuscht.

"Wie bitte?" ächzte Sirius.

"Wollen wir bitte für eine Minute ehrlich miteinander sein und offen über Mr. Potters Fähigkeiten sprechen?" machte Ollivander ungerührt weiter.

"S... Seine Fähigkeiten?" hüstelte Remus alarmiert und auch Harry verkrampfte kurz.

"Sie haben mich richtig verstanden, Mr. Lupin." erwiderte Ollivander und hob den Stab den er Harry hatte anbieten wollen und schwenkte ihn kurz in Richtung der Tür. Ein deutliches Klicken war zu hören als sich die Tür verschloss. "Jetzt sind wir ungestört." lächelte er.

"Was soll das, Ollivander?" fuhr Sirius' Hand unter seine Robe.

"Bitte, beruhigen sie sich. Ich stelle keine Bedrohung dar." legte Ollivander den Stab ab.

"Lass deinen Stab stecken, Onkel Siri. Er lügt nicht." griff Harry ein. Sirius holte tief Luft und zog seine Hand ohne den Stab wieder hervor.

"Danke für ihr Vertrauen, Mr. Potter." verbeugte sich Ollivander leicht.

"Noch haben sie es nicht, Sir. Es wird sich erst noch herausstellen ob sie dessen würdig sind." erwiderte Harry kühl. Es stand auf einmal nicht mehr ein 11jähriger Junge dort, sondern ein sehr, sehr mächtiger Zauberer. Harrys Augen glühten und schiere Macht sickerte aus ihm als er seine Magie freigab.

Es war ein beeindruckendes Bild und Serena, die Harry niemals in Vollbesitz seiner Kräfte erlebt hatte, sah ehrfürchtig zu dem Jungen und dann zu Ollivander der ihm gegenüberstand. Er hatte nur einen Bruchteil von Harrys Macht und doch wirkte er unerschütterlich. Ein alter Mann, mit schütterem Haar und mit rätselhaften Augen.

"Nur keine Sorge. Ich bin keines Meisters Knecht und niemanden Rechenschaft schuldig. Selbst Albus Dumbledore nicht und erst recht nicht dem Ministerium gegenüber. Ich bin mein eigener Herr." versicherte ihm Ollivander ernsthaft und sah Harry direkt in die Augen. Eine gute Minute starrten sich die beiden schweigend an, bis Harry plötzlich seine Magie wieder bändigte.

"In Ordnung." nickte er dem alten Stabmacher zu.

"Pfuuh!" ließ Sirius die Luft ab die er unbeabsichtigt angehalten hatte.

"Lieber Merlin." schluckte Serena erleichtert.

"Sie sind wirklich ein Rätsel, Sir." sagte Harry wider Willen beeindruckt.

"Ich doch nicht. Ich bin nur ein alter Stabmacher." winkte Ollivander schmunzelnd ab. Harry schnaubte und glaubte keine einzige Sekunde daran. "Aber zurück zu ihnen Mr. Potter. Gehe ich richtig in der Annahme, dass vor mir ein Schattenmagier steht?" fragte Ollivander gespannt.

"Jetzt bin ich wirklich baff." riss Harry die Augen auf.

"Ahh, ich wusste es. Es ist schon sehr lange her, dass ich einem begegnet bin." klang Ollivander sehr zufrieden.

"Es gab seit 3000 Jahren keine Schattenmagier mehr." platzte Remus heraus.

"Tatsächlich, ist es schon so lange her? Wie nur die Zeit vergeht." schnalzte Ollivander betrübt mit der Zunge.

"Sie verarschen uns, Mann." ächzte Sirius.

"Das glaube ich nicht, Siri. Aber ich befürchte, Mr. Ollivander hütet seine Geheimnisse noch entschlossener als Albus Dumbledore. Das sehe ich doch richtig, oder nicht?" ging Harry dazwischen.

"Jeder hütet Geheimnisse, Mr. Potter. Sie sollten dies am besten wissen. Doch kann ich ihnen versichern, dass meine Geheimnisse keine Bedrohung für die ihrigen sind." erwiderte Ollivander geschmeidig und Harry glaubte ihm.

"Nun gut. Sie haben zumindest eines MEINER Geheimnisse entlüftet, Sir. Ja, ich bin ein Schattenmagier." bestätigte Harry Ollivanders Vermutung.

"Vielen Dank, junger Herr. Hmm, ist es weiterhin zutreffend, dass sie heute nicht zum ersten Male mein Geschäft besuchen?" verblüffte ihn der alte Mann erneut.

"Heilige Scheiße!" konnte sich Sirius nicht beherrschen.

"Schatz. Deine Sprache." stieß ihn Serena mit dem Ellenbogen in die Rippen.

"D... Das...!" war Harry hingegen sprachlos. Wer zur Hölle war Ollivander wirklich?

"Nur keine Angst. Ich werde diese Information wie ein Kleinod hüten. Wobei Zartathes sehr erfreut über den Erfolg seines Rituals gewesen wäre. Er selbst, konnte es niemals ausführen." erschütterte ihn Ollivander endgültig.

Zartathes war der Autor des Buches gewesen in dem Harry das Ritual für die Reise durch die Zeit gefunden hatte. Von ihm selbst geschrieben. Davon wussten nicht einmal Sirius oder Remus.

"Ich denke, ich muss mich setzen." murmelte Harry schwach.

"Oh, wie nachlässig von mir. Unentschuldbar. Tee?" machte Ollivander eine einladende Geste. Der junge Schattenmagier konnte nur stumm nicken. Ollivander nahm den Stab wieder auf und schlenkerte ihn gekonnt. Ein Tisch und fünf Stühle erschienen. Ein weiterer lässiger Schlenker und auf dem Tisch stand ein silbernes Tablett mit einem hübschen Teeservice. "Bitte, nehmen sie Platz." forderte er sie freundlich auf.

Harry nickte seiner Familie zu und nahm als erster am Tisch Platz. Nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln und den ersten Schlücken Tee, beruhigten sich langsam die Gemüter.

"Sie werden mir wohl nicht verraten wer sie wirklich sind." äußerste Harry eine Feststellung.

"Vielleicht nicht heute, junger Herr. Nur soviel. Sie hätten das Ritual nicht erfüllen können, wenn nicht gewisse... Inkarnationen es bewilligt hätten." erwiderte Ollivander ruhig.

"Inkarnationen?" fragte Harry vorsichtig.

"Die Inkarnationen der Unsterblichkeit. Manche mögen sie auch Götter nennen." erklärte der alte Stabmacher.

Harry lehnte sich verblüfft zurück und konnte den Mann nur anstarren. Wenn er ehrlich war, so hatte er diesen Aspekt bei seinen 'Reisevorbereitungen' völlig vernachlässigt. Wie alle Zauberer wusste er, dass es sie gab, auch wenn er sie persönlich nie um Hilfe anrief. Zartathes hatte geschrieben, dass das Ritual nur mit der Erlaubnis bestimmter Gottheiten ein Erfolg wäre. Harry hatte diese Aussage eher der damaligen Zeit und dem Aberglauben zugeschrieben. Wie es aussah hatte der junge Schattenmagier sich in dieser Hinsicht arg getäuscht.

"Die Götter?" fragte Remus scheu.

"Wer sonst, Mr. Lupin, hat die Macht, die Zeit über eine größere Abmessung hinweg, zu beeinflussen? Kein Sterblicher, wie ich ihnen versichern kann. Aber die Inkarnationen können die Bitte eines Sterblichen bewilligen und nichts anderes als eine Bitte ist Zarthates' Ritual. Meines Wissens wurde es allerdings niemals vorher erfolgreich durchgeführt. Die Götter scheinen an ihnen sehr interessiert zu sein, Mr. Potter." wandte sich Ollivander mit den letzten Satz wieder an Harry.

"Na Großartig. Genau das was ich benötige. Die Aufmerksamkeit von überirdischen Wesen." stöhnte Harry.

"Die hatten sie schon vorher." lächelte Ollivander etwas.

"Woher wissen sie das?" konnte sich Serena nicht länger zurückhalten.

"Ja, das würde mich, ehrlich gesagt, auch interessieren." nickte Harry eifrig.

Ollivanders Blick umwölkte sich kurz bevor er dann leise seufzte. "Ich wurde auf ihre Ankunft diskret vorbereitet. Mehr darf ich ihnen leider nicht verraten und ich bitte sie darum mich nicht weiter zu bedrängen." beantwortete er die Frage.

"Ich achte ihre Bitte." gab Harry widerwillig nach.

"Vielen Dank." verneigte sich Ollivander aber wieder schien sich der Ausdruck in seinen Augen zu verschleiern. "Doch eventuell werden sie bei einer anderen Gelegenheit mehr erfahren." verkündete er.

Harry hatte ihn genau beobachtet und machte sich seine eigenen Gedanken. Es schien so als würde der alte Mann von jemand instruiert werden und Harry plagte die Neugierde wer der dieser Jemand war. Aber er wusste, dass er heute nichts Weiteres erfahren würde.

"Wir werden sehen." murmelte er daher bloß und atmete tief durch. "Aber zurück zu dem eigentlichen Grund unseres Besuches, Sir. Einen Stab." stand Harry auf.

"Natürlich. Ich denke, ich habe was sie brauchen. Ja, ich bin mir sicher." erhob sich Ollivander ebenfalls und ging ohne weitere Worte in den hinteren Bereich wo sich vermutlich seine Werkstatt befand. Er kam nach ein paar Minuten zurück und hielt eine längliche Schatulle aus poliertem Ebenholz in der Hand. Vorsichtig stellte er sie auf den Tresen ab und strich andächtig darüber. Kein Staubkorn verunreinigte die makellose Oberfläche.

"Ich bin echt gespannt." meinte Sirius leise.

"Nicht nur du, Padfoot. Nicht nur du." stimmte Remus zu.

"Dies ist einer der erste Stäbe die ich als junger Stabmachermeister angefertigt habe. Ein Experiment in Sachen Kunstfertigkeit, Magie und jugendlicher Begeisterung." erklärte Ollivander stolz und als er sah, dass er die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Gäste hatte machte er weiter. "Ich benütze grundsätzlich nur drei Arten von Stabkernen: Einhornhaar, Drachenherzfasern und natürlich Phönixfedern. Wobei letztere die seltenste Essenz ist. Phönixe sind wirklich rar und diejenigen die existieren, geben noch seltener eine ihrer Federn. Sie müssen, wie auch Einhornhaar, freiwillig gegeben werden sonst verlieren sie ihre Wirksamkeit. Auch wenn ich nur diese drei Stabkerne benutze, so ist doch jeder meiner Stäbe ein Unikat. Keiner gleicht den anderen da es immer minimale Abweichungen gibt, so wie jeder Phönix, Drache oder auch Einhorn einzigartig ist. Dazu kommen natürlich noch die Eigenschaften der verschiedenen Hölzer." dozierte der Stabmachermeister einem faszinierten Publikum. Man bekam nicht jeden Tag zu hören was einen Stab ausmachte.

"Mein Stab hat eine Drachenfaser." gestand Remus.

"Ich weiß." lächelte Ollivander. "Doch zurück zu diesem hier." klopfte er leicht auf die Schatulle. "Dies ist nur einer von drei Stäben die ich unterschiedlich zu meiner sonstigen Praxis angefertigt habe. Die anderen beiden gingen schon vor langer Zeit verloren. Große Dinge wurden mit ihnen vollbracht und ich gestehe gerne, dass es große Dinge auf Seiten des Lichtes gewesen sind. Was ich leider nicht von allen meinen Stäben behaupten kann." seine Stimme wurde entfernt und sein Ausdruck traurig.

"Sie sind nicht dafür verantwortlich, was die Besitzer mit den von ihnen angefertigten Stäben vollbringen. Machen sie bitte nicht denselben Fehler wie ich und geben sich an allem die Schuld." sagte Harry weich.

Ollivander blinzelte und nickte dankbar. "Danke, junger Herr. Dies ist auch der Grund, warum ich meine Passion noch auslebe." gab er zu. "Meine Güte, ich schweife wirklich ab. Entschuldigen sie bitte." schüttelte er missbilligend den Kopf.

"Da kenne ich schlimmere." grinste Sirius.

"War das eine Anspielung?" fragte Remus stirnrunzelnd.

"Aber nein." versicherte ihm sein Freund unschuldig.

"Benehmt euch." brachte Serena die beiden sofort wieder zur Räson.

"Bitte machen sie weiter, Sir. Einfach ignorieren." empfahl Harry trocken.

"Ich werde mich bemühen." kicherte Ollivander zu Harrys Überraschung. Der alte Stabmacher schien von seiner Reaktion selbst überrascht zu sein, da er leicht errötete und dann verlegen hüstelte.

Sirius grinste hingegen nur.

"Äh, ja. Also, dieser Stab unterscheidet sich hinsichtlich seines Kernes erheblich von all seinen Brüdern und Schwestern. Er besitzt drei Kerne die miteinander verschmolzen sind. Keiner hat ihn seitdem berühren könnten. Nicht einmal ich, sein Schöpfer." mit diesen Worten öffnete Ollivander unvermittelt die Schatulle.

Der Stab war aus dunklem Holz, rund 12 Zoll Länge und an einem Ende etwas dicker. Auf dem ersten flüchtigen Blick wirkte er nicht anders als so viele Stäbe die Harry gesehen hatte. Aber nur auf dem ersten Blick.

"Merlin!" holte Harry tief Luft und krallte unwillkürlich seine Finger in seine Robe um nicht nach dem Stab zu greifen.

"Er sieht nicht viel anders aus als die anderen." gestand Sirius enttäuscht und auch Serenas und Remus' Reaktion fiel ähnlich aus. Keinen der drei fiel Harrys Verhalten auf.

"Wie kannst du das nur sagen Siri? Er ist... Wow. Ich...!" fing Harry an schwer zu keuchen, als der Drang den Stab zu ergreifen, immer unwiderstehlicher und drängender wurde. Er schien ihn zu rufen und Harrys magischen Sinnen bot sich ein beeindruckendes Schauspiel. Um den Längskörper des Stabes wirbelten hell schimmernde Bänder aus reiner Magie, die verblüffender Weise der seiner Aura ähnelten.

"Ergeben sie sich den Ruf, junger Schattenmagier. Es ist unbestreitbar ihr Stab." sagte Ollivander und seine silberfarbenen Augen leuchteten voller Befriedigung.

Harry biss die Zähne zusammen und versuchte zu widerstehen. Er trat sogar ein, zwei Schritte zurück doch das milderte keineswegs die Wirkung, die der Stab noch immer auf Harry hatte. Mit einem Stöhnen streckte er seine rechte Hand aus und der Stab zitterte fast erwartungsvoll auf seinem dunkelgrünen Samtbett.

"Haben sie keine Furcht, junger Herr." konnte Harry Mr. Ollivander durch das Dröhnen, das seine Ohren erfüllte, sagen hören.

"Schließen sie die verdammte Kiste." brüllte Sirius besorgt und wollte dazwischen springen.

Doch zu spät. Plötzlich bildete sich ein Lichtbogen zwischen dem Stab und Harrys ausgestreckter Hand und die anderen zuckten vor der schieren Macht zurück.

'Nehme dein Geburtsrecht an, Streiter des Lichtes.' vernahm Harry eine ätherische Stimme. Es war keine Aussage sondern ein Befehl und Harry kratzte alles, was er an Willen und Standheftigkeit noch hatte, zusammen. Auch wenn er im tiefsten Grunde seines Herzen wusste, dass es keine andere Wahl gab, war er einfach zu Sturköpfig, um einfach nachzugeben.

'Höre auf dein Herz, mein Streiter.' hörte er wieder die Stimme, die fast ein wenig amüsiert wirkte. Wie eine liebende Mutter, die es besser als ihr störrisches Kind wusste.

Noch ein paar Sekunden zögerte Harry, bevor er sich seinem Schicksal ergab und sich entspannte. Der Stab flog in seine Hand und ein warmes Gefühl raste durch seinen Arm empor und erfüllte seine Brust. Das gesamte Haus schien wie eine Glocke zu dröhnen und einige der hohen Stapel mit Stabkartons stürzten mit Getöse und viel Staubaufwirbeln ein. Ein blendendes Licht umhüllte Harry und die anderen wichen unwillkürlich zurück und mussten ihre Augen bedecken. Plötzlich breitete sich eine mächtige Woge reiner Magie von Harry ringförmig aus und warf sie zu Boden.

Das war das letzte was Harry noch wahrnahm, bevor er ohnmächtig wurde.

TBC...

A/N: Yup, schon wieder ein Blackout. g Hmm, war das nötig? Wir werden es abwarten müssen. Bis danne...