VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Sorry für den Cliffhanger im letzten Kapitel. Ich konnte einfach nicht widerstehen, (böses Grinsen) obwohl ich es selber hasse, wenn es andere Autoren so machen. Danke auch für die Reviews. Weiter so, ich brauche sie. Lechz! Gier!
In diesem Kapitel lernt Harry mit seinem neuen Stab umzugehen, trifft einen alten treuen Freund und unternimmt einen nächtlichen Ausflug nach London. Viel Spaß beim lesen und gibt mir ordentlich Resonanz, euer
Marius
ooOOoo
KAPITEL 11
Albus Dumbledore genoss gerade mit seiner Stellvertreterin gemütlich eine Tasse Tee und sprach dabei die Antwortbriefe der neuen Schüler durch, als auf einmal einige seiner vielen silbernen Apparaturen, die er im Büro verteilt hatte, anfingen verrückt zu spielen. Nur wenige Augenblicke später, spürte er es selbst.
"Albus! Was war das?" riss Minerva McGonegall die Augen auf.
"Du hast es ebenfalls verspürt?" fragte er überrascht zurück.
"Wie könnte ich nicht? Das war eine äußerst kraftvolle Eruption magischer Macht. Wurden die Schutzschilde Hogwarts angegriffen?" erwiderte McGonegall atemlos.
Albus schloss kurz die Augen und schüttelte dann den Kopf.
"Nein, dies war kein Angriff, meine Liebe. Was immer es auch war... der Ausgangspunkt lag viel weiter im Süden! Eventuell London. Ich werde am Besten einmal im Ministerium nachfragen. Hmm, vielleicht ging eines ihrer Experimente in der Abteilung für Mysterien schief? Oder aber... na nu! Fawkes?" drehte sich Albus überrascht zu seinem Phönix um, der sich mit einem triumphierend klingenden Trällern von seinem Platz in die Luft erhob, um dann mit einem Aufflammen zu verschwinden.
Verdutzt starrte Albus auf die Stelle an der gerade noch sein Vertrauter zu sehen gewesen war. Irgendetwas hatte Fawkes gerufen, davon war er überzeugt. Aber wer oder was?
"Albus?" fragte McGonegall behutsam.
"Uh? Oh, entschuldige bitte Minerva. Ich war kurz in Gedanken. Am besten ist, ich rufe einmal im Ministerium an." sprang der alte Mann von seinem Stuhl auf und eilte zum Kamin. Doch bevor er das Flohpulver in das Feuer werfen konnte, flammte dieses bereits grün auf.
"Albus Dumbledore?" konnte er Madame Bones' Stimme erkennen.
"Genau sie wollte ich gerade anrufen, Amelia. Wissen sie was passiert ist?" fragte er die Direktorin.
"Sie wissen es nicht? Merlin, dabei hatte ich gehofft, dass sie mir eine Erklärung dafür geben können. Hier ist die Hölle los, Albus. Jeder möchte wissen was dieser magische Ausbruch zu bedeuten hat." seufzte sie. Selbst durch das Glühen der Flammen konnte man ihr den Stress ansehen.
"Entweder ist ein uraltes Artefakt zerstört oder eine andere mächtige magische Quelle aktiviert worden. Mehr kann ich ihnen auf die Schnelle auch nicht anbieten, meine Liebe." sagte er beruhigend.
"Soweit sind wir auch schon." schnaubte sie.
"Tut mir ausgesprochen Leid." hüstelte Dumbledore. "Haben sie den Ausgangspunkt lokalisieren können?" fragte er hoffnungsvoll.
"Die Winkelgasse. Soviel steht fest. Meine Auroren sind vor Ort aber noch wissen wir nichts Konkretes. Warten sie..." drehte sie sich kurz weg und Albus konnte sie mit jemand sprechen hören, auch wenn er kein Wort verstand. Geduldig wartete er auf Neuigkeiten und bald tauchte ihr Kopf wieder in den Flammen auf. "Das ist ziemlich merkwürdig. Selbst die Muggel schienen es gespürt zu haben. Zumindest deuten dies die ersten Berichte an. In der Winkelgasse selbst, konnte kein erkennbarer Schaden festgestellt werden auch wenn es angeblich ein paar Sichtungen von Phönixen gegeben haben soll. Selbst Gringotts scheint ahnungslos zu sein. Ich werde sie informieren, sollte ich bessere Informationen zur Verfügung haben. Guten Tag, Albus." beendete sie abrupt das Gespräch.
"Das war... aufschlussreich." blinzelte er nachdenklich.
"Zumindest kam niemand zu Schaden." warf McGonegall erleichtert ein.
"Mmmh!" brummte der alte Zauberer abwesend und strich sich über seinen langen weißen Bart. Sichtungen von Phönixen? War deshalb Fawkes verschwunden? Der Phönix war nun seit gut 80 Jahren sein Vertrauter und in dieser langen Zeit hatte Albus einiges über diese mächtigen magischen Wesen gelernt. Er war im Augenblick der einzig bekannte Zauberer der einen Phönix als Begleiter hatte. Phönixe waren Wesen des Lichtes und auch wenn Albus es sich gegenüber selten eingestand, so war er doch sehr stolz darauf, von einem erwählt worden zu sein. Vor einigen Jahren aber, war Fawkes unruhig geworden und hatte des Öfteren seinen menschlichen Begleiter kritisch beäugt. Albus war dies nicht entgangen, auch wenn er nicht wusste, warum sein fliegender Freund sich so verhielt. Wusste er es wirklich nicht?
"Eigenartig! War ich so blind?" murmelte er betrübt.
"Albus?" fragte Minerva sanft und war zu dem alten Zauberer getreten der immer noch, wie abwesend, in die Flammen starrte.
"Ach Minerva. Ich befürchte ich habe einen großen Fehler gemacht." sagte Dumbledore traurig. "Ich hätte auf dich hören sollen, meine Liebe." wandte er sich ihr zu.
"Ja?" fragte sie neugierig.
"Damals, vor 10 Jahren. Als wir vor dem Haus der Dursleys standen. Du hast damals auf dein Herz gehört und ich nur auf meinen Verstand. Ich wollte den Jungen doch nur beschützen. Hätte ich doch nur auf dich gehört. Bin ich manchmal wirklich so vermessen, Minerva?" sagte er leise und nicht das geringste Funkeln war in seinen Augen zu sehen.
Minerva McGonegall wollte erst ausweichen, aber als sie die Not in Dumbledores Augen sah konnte sie nicht anders.
"Ja. In den letzten Jahren hast du einige Male deine Moral und auch deine Liebe zu den Menschen über Bord geworfen. Ein gutes Beispiel ist Harrys Unterbringung bei den Dursleys. Nicht immer ist das größere Gesamtbild wichtiger als der Einzelne, Albus. Du hattest dies anscheinend vergessen. Doch es ist gut zu sehen, dass du auf deinen ursprünglichen Weg zurückgefunden hast." lächelte sie bei den letzten Worten.
"Danke für deine Aufrichtigkeit." erwiderte er das Lächeln zaghaft. "Ich werde versuchen mich zu bessern und ich darf nur hoffen, dass mir Harry eines Tages verzeiht. Er hat mir bei Sirius' Hochzeit einen ordentlichen Dämpfer verpasst, als er mir, mit so viel Kühle begegnete." verriet er ihr.
"Harry war kühl?" hob sie fragend eine Augenbraue.
"Kühl, aber nicht kalt. Der Junge hat mich wirklich beeindruckt, Minerva und auch ein wenig erschreckt. Er hält sehr viel Macht in seiner Hand und ist sich dessen vollkommen bewusst. Verziehen, aber nicht vergessen. So waren seine Worte." erklärte er.
"Sirius Black und vor allem auch Remus Lupin geben ihm das was er benötigt. Nämlich eine liebevolle Familie. Wir können glücklich sein, dass er nicht mehr bei diesen Muggeln lebt. Wer weiß was sonst aus ihm geworden wäre. Ein zweiter Riddle?" sagte sie ernst.
"Eine berechtigte Befürchtung, wie ich nun weiß. Sirius hat, kurz nachdem er Harry zu sich genommen hat, mit mir geplaudert." verriet er McGonegall.
"Geplaudert?" wanderte ihre Augenbraue noch ein Stückchen höher und Albus gluckste.
"Runtergemacht trifft es wohl eher. Merlin, hat der Junge eine Laune. Pfuuh, sei froh dass du nicht anwesend warst." sträubte sich sein Bart.
"Das ist schon eher DER Sirius wie ich ihn in Erinnerung habe." schmunzelte die Hexe. "Was hat er dir erzählt?" wollte sie wissen und Albus' Ausdruck wurde ziemlich verlegen.
"Die Muggel, von denen ich erwartet habe, dass sie Harry anständig aufziehen, haben den Jungen jahrelang körperlich und seelisch misshandelt. Wenn nur die Hälfte dessen stimmt was mir Sirius an den Kopf geworfen hat, dann hat Harry ein wahres Martyrium erlitten." seufzte er schwer.
"Wenn dem so wahr ist, dann darfst du froh sein, dass er dich nicht in das nächste Jahr gehext hat. Selbst mir jucken im Augenblick die Finger." knurrte McGonegall und ihre Augen blitzten.
"Und ich hätte es verdient." neigte Albus demütig das Haupt.
"Ja, das hättest du." kam es eisenhart zurück. "Aber wenn Harry dir verzeihen konnte, wer bin ich, wenn ich es nicht auch tun würde?" wurde ihre Stimme weicher und sie legte ihre Hand auf Dumbledores Arm und drückte sanft.
"Danke Minerva. Dies bedeutet mir viel." lächelte er warm.
In diesem Moment kam Fawkes zurück und ließ sich mit einem beruhigenden Trällern auf Dumbledores Schultern nieder. Sachte wetzte er seinen scharfen Schnabel an Dumbledores langem Haar und das Phönixlied erfüllte die Seelen der beiden Menschen mit Frieden und Freude.
"Danke, mein alter Freund. Ich werde es nicht wieder tun. Versprochen." sah Albus dem Phönix in die Augen. Wenn ein Phönix lächeln könnte, hätte es sich in diesem Augenblick sicherlich gezeigt. Daher flötete er nur bestätigend und flog zu seiner Stange zurück.
"Wo er nur war?" fragte McGonegall voller Neugierde.
"Er wollte es mir nicht verraten." erwiderte Albus nachdenklich.
'Du musst nicht alles wissen, mein Junge.' kicherte Fawkes zufrieden.
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"Uhh? Wer hat den Drachen gesehen, der über mich hinweg getrampelt ist?" stöhnte Harry und schlug die Augen auf.
"Harry! Merlin, wie geht es dir?" kam Sirius in sein Blickfeld. Sein Pate sah besorgt aus, registrierte der junge Schattenmagier. Remus' Kopf tauchte daneben auf und auch seine Augen zeigten Erleichterung.
"Was war denn?" versuchte sich Harry aufzusetzen und schloss kurz die Augen als ihn ein Schwindelanfall überkam.
"Ssshh, bleib liegen, Welpe. Hier, nimm bitte diesen Trank ein." hielt ihn Sirius ein Fläschchen hin.
"Was ist das?" fragte Harry misstrauisch.
"Nur ein Stärkungstrank." erläuterte sein Patenonkel und hielt die Öffnung der Flasche unter Harrys Nase. Den charakteristischen Duft erkannte Harry sofort und gab widerwillig seine Zustimmung.
"Da geht es dahin." murmelte er und schluckte das Zeug. "Buäh! Widerlich wie immer." zog er Grimassen aber musste zugeben, dass die Wirkung augenblicklich einsetzte und er sich sofort besser fühlte. Er schüttelte sich und setzte sich dann vorsichtig auf und sah sich um.
"Wo ist denn Mr. Ollivander? Wie komme ich in mein Zimmer?" fragte er erstaunt.
"Dem geht es gut, keine Sorge. Du warst es um den wir uns sorgten und wie du hierher kamst...? Nun, das ist eine Geschichte für sich." lächelte Remus.
"Ja, das kannst du laut sagen Moony. An was erinnerst du dich noch Harry?" fragte Sirius vorsichtig.
"Ähh... ich nahm den Stab. Tja, und dann Blackout." runzelte Harry die Stirn.
"Blackout ist gut. Du warst drei Tage lang bewusstlos." platzte Sirius heraus.
"D... Drei Tage?" quiekste Harry erschüttert. Verdammt, warum mussten immer ihn solche Sachen passieren?
"Drei lange, verflucht lange Tage. Du hast keinen Mukser von dir gegeben und wenn du bis heute Abend nicht aufgewacht wärst, dann hätte ich wohl oder übel, Poppy mit hinzu gezogen. Aber das hat sich ja zum Glück jetzt erledigt." stieß er erleichtert die Luft ab.
"Uhh! Ich merke, dass es drei Tage waren. Shit, mir platzt gleich die Blase." wurde Harry blass und zwickte die Beine zusammen.
"Hier. Die Bettflasche!" grinste Sirius dreckig und hielt das Ding hoch. Harry schenkte ihm einen schmutzigen Blick.
"Vergiss es Padfoot. Ich pinkle nicht in das Ding. Ich bevorzuge die herkömmliche Art und Weise." quetschte er zwischen seinen Lippen hervor.
"Ahh, ein Bettpinkler also. Wusste gar nicht, dass du darauf stehst!" war Sirius' Antwort.
"Mach ihm lieber Platz bevor er wirklich noch ins Bett pinkelt!" gluckste Remus und zog Sirius an der Schulter zurück.
"Spielverderber!" schmollte Sirius.
Harry stöhnte und schlug die Bettdecke zurück und ächzte. Er trug nicht einmal einen Schlafanzug.
"Ist Harry endlich erwacht?" kam es in diesem Augenblick vom Eingang und Serena steckte den Kopf in das Zimmer und zog sich blitzartig wieder zurück als Harry quietschte.
"Ich habe nichts gesehen!" rief sie von draußen während die beiden Männer vor Lachen brüllten.
"Yup! Da ist auch nichts zu sehen. Noch nicht, zumindest." lästerte Sirius.
"SIRIUS! Das war Absicht von euch. Ihr Säcke." brüllte Harry mit hochrotem Kopf, bevor er splitternackt wie er war, ins Bad flitzte. Fünf Minuten später kam er zurück und hatte einen seiner Bademäntel angezogen. Sein Haar stand nach allen Seiten ab und seine grünen Augen blitzten vor Unmut.
"Es war keine Absicht. Ehrenwort. Nur ein unglückliches Timing." hob Sirius sofort die Hände und Remus nickte heftig.
"Außerdem habe ich nichts gesehen was ich nicht schon mal gesehen habe!" lächelte Serena.
"WIE BITTE?" wurde Harry wieder rot und seine Stimme stieg um einige Oktaven.
"Bitte beruhige dich, Schatz. Wer denkst du, hat dich die letzten drei Tage gepflegt und überwacht? Diese Hampel hier?" winkte sie abwertend zu den beiden Männern.
"Hey. Was soll das heißen?" protestierte Remus empört.
"Hampel?" wiederholte Sirius milde.
"Das warst du?" fragte Harry scheu.
"Ja, das war ich. Harry, ich habe so viele kleine Neffen die ich gebadet und auch gepflegt habe. Denke an mich wie an eine Mutter die sich um ihr Kind kümmert." sagte sie weich.
Harry stoppte und atmete tief durch und lächelte zaghaft.
"Das kann ich akzeptieren. Danke, Serena." flüsterte er.
"Komm her!" streckte sie die Arme aus und Harry flüchtete in eine Umarmung. Es war eine großartige Umarmung wie Harry gerne zugab. Serena lachte warm und drückte den Jungen fest. "Außerdem bist du wirklich, wirklich niedlich wenn du errötest." kicherte sie und Harry stöhnte und verbarg sein Gesicht an ihrer Schulter. Serena lachte erneut und drückte ihm einen Kuss aufs Haar. "Ich freue mich schon auf unsere." sagte sie liebevoll zu Sirius der ihr Lächeln strahlend erwiderte.
"Wir freuen uns alle darauf." löste sich Harry etwas von ihr.
"Danke. Wie geht es dir? Noch irgendwelche Beschwerden, Schwindelanfälle oder vergleichbares?" fragte sie besorgt und betrachtete ihn sorgfältig.
"Nein, nichts von alledem. Mir geht es wirklich gut. Ehrlich!" versicherte er ernsthaft.
"Du würdest das auch sagen, wenn du deinen Kopf unter dem Arm trägst." grinste Sirius schief.
"Ich denke in diesem Fall dürfen wir annehmen, dass es ihm tatsächlich gut geht." kam Remus Harry zur Hilfe.
"Ausnahmsweise." murmelte Serena.
"Wo ist denn mein Stab?" fragte Harry plötzlich.
"Im Nachttisch. Wir haben ihn dort platziert damit ihn niemand aus Versehen berührt. Das Ding ist echt gefährlich und wir mussten tatsächlich eine Zange benutzen um ihn zu bewegen." erwiderte Sirius und zog vorsichtig die oberste Schublade an Harrys Nachttisch auf. Harry runzelte die Stirn und trat zu Sirius der ihn aber zurückhielt. "Bist du dir sicher?" fragte er den Jungen.
"Ja, ich denke schon. Der Drang den ich in Mr. Ollivanders Laden verspürte, ist verschwunden." überlegte Harry nur kurz. "Vertrau mir." wackelte er mit den Augenbrauen als Sirius noch zögerte.
"Berühmte letzte Worte." brummte sein Pate aber gab den Weg frei. Harry machte den letzten Schritt und sah in die Schublade. Der Stab wirkte absolut harmlos und doch konnte er eine Verbindung mit ihm wahrnehmen. Es fühlte sich aber richtig an, wie er zugeben musste. Ohne weiteres Zögern streckte er die Hand aus und griff danach. Die anderen drei hatten alle die Luft angehalten und ließen sie nun erleichtert ab als nichts passierte.
"Ich hab es euch doch gesagt." drehte sich Harry grinsend um. Er hatte nur eine warme Welle, die den Arm hoch gelaufen war, gespürt.
"Bevor du ihn ausprobierst, sollten wir einen etwas besser geschützten Ort aussuchen. Ich befürchte, dass dieser Stab ziemlich Power hat. Nicht auszudenken was passieren wird, wenn du ein einfaches Wingardium Leviosa ausprobierst." riet Remus weise.
"Das hat was für sich, Alter. Im Keller existiert ein ausreichend geschützter Duellierraum. Schwer mit Schutzbannen und Schilden ausgerüstet." kratzte sich Sirius nachdenklich am Kinn.
"Für einen Schwebezauber?" hob Harry die Augenbrauen.
"Hey, du bist selbst Schuld. Vorher hätte ich auch gelächelt, aber nach der Reaktion im Laden gehe ich keinerlei Risiko mehr ein. Nicht, dass du uns aus Versehen das Dach abhebst. Wie sollte ich das dem Ministerium erklären?" scherzte sein Patenonkel.
"Das ist nur ein Stab, Onkel Siri." versuchte es Harry.
"Und ich bin Merlin." schnaubte dieser.
"Oh, das wusste ich nicht, oh großer Merlin." kicherte Harry.
"Na warte." lachte Sirius und schnappte sich den Racker.
"Hahaaha, bitte Siri. Iiihhh, mein Bademantel." quietschte und lachte Harry hysterisch.
"Ahhh, ich bin blind. Hilfe!" brüllte Remus und bedeckte seine Augen während Serena herzlich lachte.
"Trottel!" stieß Harry seine Faust kräftig auf Sirius Oberarm, nachdem er hastig den Bademantel geschlossen hatte. "Du auch, Moony!" drohte er in die Richtung des Wolfs.
"Aua. Mann, du bist für dein Alter ganz schön kräftig." rieb sich Siri die Stelle.
"Und du zimperlich!" streckte ihm der Junge die Zunge heraus. Kichernd sprang er zur Seite als Sirius erneut nach ihm greifen wollte.
"Genug jetzt." rief Serena streng und schmunzelte innerlich als alle drei 'Jungs' zusammen zuckten.
"Ja, Ma'am!" kam es brav im Chor.
Für eine Sekunde herrschte tiefe Stille in Harrys Zimmer bis auf einmal ein wütendes Knurren zu hören war.
"Das klang gefährlich. Komm, Kleiner. Füttern wir erst einmal das Monster in deinem Bauch." lachte Sirius.
"Na endlich. Ich dachte schon, du sprichst dieses Thema nie an." grinste Harry zurück.
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Erst am nächsten Tag gab Serena Entwarnung und Harry konnte endlich seinen neuen Stab ausprobieren. Er hatte keinerlei Angst, dass ihm das Ministerium wegen illegaler Zauberei etwas anhaben konnte. Sirius hatte sich dessen versichert und gemeint, dass es in vielen Zaubererfamilien sogar erwartet wurde, wenn ein neu zugelassener Hogwartsschüler seinen Stab vor Schulbeginn ausprobiert. Erst in den nächsten Ferien würde das Verbot schärfer kontrolliert und selbst dann gab es Lücken im Gesetz. Alte Purblutfamilien wohnten in der Regel auf Landsitzen die von schweren Schutzschilden umgeben waren und die die Monitore der Behörde überlisteten.
"Aber das gibt den Muggelgeborenen doch einen gravierenden Nachteil?" entrüstete sich Harry.
"Ich weiß. Aber es ist wie es ist." tat es Sirius ab.
Doch für Harry war deswegen die Angelegenheit noch lange nicht vergessen und er nahm sich fest vor, diese Ungerechtigkeit zu korrigieren. Wie sollten sich Muggelgeborene Zauberer oder Hexen gegen Angreifer schützen können? Er wusste aus eigener, bitterer Erfahrung wie hart das Gesetz manchmal zuschlagen konnte und wie ungerecht das System war. Er war noch so geladen, dass er ein wenig unkonzentriert war, als ihm Sirius bat eine Feder frei schweben zu lassen. Harry zielte flüchtig in die Richtung und dachte sich nur die Formel.
Das Ergebnis war, in Ermangelung eines besseren Wortes... durchschlagend!
Die Gänsefeder schoss wie ein Blitz in die Höhe und sprengte ein ziemlich großes Stück aus der massiv gemauerten Kellerdecke.
"Ach du Scheiße." ächzte Sirius fassungslos und diesmal ermahnte ihn Serena nicht, da sie selbst um ihre Fassung rang.
"Ups!" zog Harry den Kopf ein.
"Ups? Du sprengst uns fast die Decke weg und alles was du sagst ist Ups?" rief Sirius verstört.
"Äh, j... ja." stotterte Harry.
"Gut. Ich wollte nur nachfragen." beruhigte sich Sirius schnell und sah kopfschüttelnd auf die Stelle wo die Feder eingeschlagen war. Es bröselten immer noch Staub und kleine Stückchen zu Boden. "Bin ich froh, dass ich nicht meiner ersten Idee nachgab und eine Eisenkugel genommen habe. Ich befürchte, wir wären sonst inzwischen unter den Trümmern unseres eigenen Hauses begraben. Ups." schnaubte er.
"Du hast der Idee nicht nachgegeben weil ich sie dir ausgeredet habe." verbesserte Remus trocken.
"Wie auch immer. Probiere es erneut Harry und bitte diesmal Konzentration und Fokus. Und etwas weniger Power dahinter. Klaro?" klopfte er dem Jungen aufmunternd auf den Rücken.
"Sorry, Sirius." färbten sich Harrys Wangen.
"Ahh, mach dir mal keinen Kopf deswegen. Der Schaden ist ruckzuck repariert!" winkte Sirius großzügig ab und winkte mit seinem Stab. "Reparo." rief er klar und deutlich und hob verdutzt die Augenbrauen als nichts passierte.
"Ich denke, das wird nichts werden, Padfoot. Es war zuviel Macht hinter Harrys Zauber, als das du es mit einem einfachen Reparo wieder herstellst. Da wird ein professioneller Zauberhandwerker ranmüssen." grinste Remus.
"Äh, na gut. Vielleicht sollten wir doch besser ins Freie gehen." änderte Sirius seine Meinung.
"Sehr gute Idee, Schatz. Wie dir das nur immer zufliegt?" spöttelte Serena.
"Begabung, meine Liebste. Begabung. Halte dich an mich und vielleicht färbt etwas davon auf dich ab." konterte Sirius nonchalant.
"Mmm, abfärben. Was für ein hervorragender Einfall." schmunzelte seine Frau und zog Sirius an seinen Roben zu sich. Was folgte war ein langer, leidenschaftlicher Kuss.
"Jetzt geht das wieder los." murmelte Harry und verdrehte die Augen.
"Gehen wir, Junge. Das kann länger dauern." schob ihn Remus nach draußen.
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Es dauerte drei lange Tage (nicht der Kuss natürlich) und unzählige Federn später, bis Harry seine Macht soweit unter Kontrolle hatte, dass er auch feinere Zaubersprüche, ohne größere Schäden zu verursachen, meisterte. Dieser Stab war um einiges mächtiger als sein alter und schon jener war sehr machtvoll gewesen. Der Unterschied war gewaltiger als er sich zuerst gegenüber zugeben wollte und langsam fragte er sich was mit dem Erhalt des Stabes bezweckt wurde. Harry glaubte nicht, dass es ein Zufall war, denn diesem Zustand der Naivität war er längst entwachsen. Er behielt seine Überlegungen für sich, doch er nahm sich vor, mit Mr. Ollivander bei passender Gelegenheit ein intensiveres Gespräch zu führen.
Sirius und Remus hatten ihm auch erzählt was passiert war nachdem er bewusstlos wurde. Harry wunderte sich, dass nicht nur Fawkes sondern noch drei andere Phönixe in der Winkelgasse erschienen waren. Einer der fremden Phönixe war über Harry aufgetaucht und hatte ein Lied gesungen, nachdem er sich auf seiner Brust niedergelassen hatte. Der Junge war so erstaunt wie die anderen und fragte sich was es bedeutete. Die Feuervögel waren nicht lange geblieben und Mr. Ollivander war so höflich, seinen Gästen die Heimreise über seine private Flohverbindung zu ermöglichen. Zumindest entkamen sie so der öffentlichen Aufmerksamkeit.
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In den nächsten beiden Wochen bekam Harry seinen neuen Stab immer besser in den Griff und am Ende dieser zwei Wochen kontrollierte er den Machtdurchfluss nahezu perfekt. Zwischendurch waren sie erneut in die Winkelgasse gereist um eine Eule für Harry zu besorgen. Zu seinem Entsetzen war Hedwig nicht an ihrem Platz und Harry geriet in Panik. Wo war seine Vertraute? Eine der treuesten Freunde die er je hatte. Harry sah sich geschlagene zwei Stunden in Eulyops Eulenimperium um, doch keine Spur von Hedwig. Mit hängendem Kopf und ohne Haustier reiste er nach Hause und nichts was die anderen drei auch versuchten, riss den Jungen an diesem Tag aus seiner Depression. Traurig schleppte er sich nach dem Abendessen auf sein Zimmer und blieb geschockt im Eingang stehen.
"Hedwig!" rief er mit großen Augen als auch schon die schöne Schneeeule auf seiner Schulter landete und weich schuhute. Zärtlich zwickte sie sein Ohrläppchen während er ihr Brustgefieder streichelte.
"Ich dachte ich hätte dich verloren." schniefte er glücklich. Hedwig gab einen beruhigenden Laut von sich und er sah ihr in die goldenen, unergründlichen Augen. Sie trugen einen wissenden Ausdruck und irgendwie sah Hedwig etwas selbstzufrieden aus. "Wie hast du das nur gemacht, mein Mädchen?" wunderte sich Harry. Jetzt war er sich sicher, dass sie grinste und er musste mit ihr lachen.
Es war für seine Freunde immer ein Wunder gewesen wie gut er sich mit Hedwig verstanden hatte. Als würden die beiden miteinander plaudern. Keine andere Eule war so intelligent und so treu wie Hedwig gewesen. So treu, dass sie in die Bahn eines Todesfluches flog und ihr Leben für ihren Menschen gab.
"Ach Hedwig, mein Mädchen. Ich habe dich so vermisst." rieb Harry seine Nasenspitze an dem weichen Gefieder der Eule. "Ja, ich liebe dich auch." lächelte er auf ihre Antwort hin.
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Dass die anderen verwundert waren traf es nicht annähernd. Keine magische Eule dieser Klasse flog frei herum aber sie gehörte eindeutig zu Harry.
"Bei Harry wundert mich nichts mehr." tat es Sirius dann achselzuckend ab.
"Aber wie wusste sie dass er ihr Herr ist? Ich meine, er hat sie doch nur in der Zukunft gehabt." grübelte hingegen Remus.
"Remy, manchmal denkst du zuviel." lächelte Serena.
"Endlich mal einer der mir zustimmt." grinste Sirius.
"Du bist ja nur neidisch, weil ich klüger bin." konterte Remus.
So ging das noch eine ganze Weile und Serena schüttelte innerlich den Kopf. Die beiden Freunde waren manchmal schlimmer wie ein altes Ehepaar.
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Nachdem sich die Aufregung ein paar Tage später gelegt hatte, entschloss sich Harry zu seinem geplanten Besuch in St. Mungos. Es war fast Mitternacht als er aus seinem Bett schlüpfte und sich lautlos anzog. Nur Hedwig bemerkte die Vorbereitungen und zog den Kopf unter ihren Flügel hervor. Ihre Augen schienen in der Dunkelheit zu leuchten als sie Harry beobachtete.
"Shhh, Mädchen. Ich muss noch mal wohin. Du musst dir keine Sorgen machen." trat Harry zu ihr. Hedwig blinzelte und schob den Kopf wieder unter ihren Flügel. "Wenigstens einer der mir was zutraut." kicherte Harry leise. Dann verschwand er übergangslos in den Schatten.
Die Reise dauerte nicht lange. Die Fortbewegung war so anders als Apparation oder ein Portschlüssel. Kein Springen, sondern mehr ein geschmeidiges Gleiten. Harry genoss diese Art zu reisen und bevorzugte sie jeder Zeit gegenüber den herkömmlichen Weisen. Wenige Minuten später trat er aus der dunklen Ecke eines Krankenzimmers. Die geschlossene Abteilung für magische und geistige Dauerpatienten. In seinem alten Leben war Harry nur einmal hier gewesen und hatte es unglaublich bedrückend gefunden. Daran hatte sich nichts geändert.
Frank und Alice Longbottem hatten einen, mit spanischen Wänden abgegrenzten Bereich in dem großen Raum. Nur ein schmaler Spalt befand sich zwischen ihren Betten und Harry konnte erkennen, dass Alice die Hand ihres Mannes hielt. Sie war noch diejenige die etwas mehr Vitalität zeigte, wie Harry von Neville wusste. Frank hingegen, war tiefer in seinem geistigen Gefängnis begraben. Er hatte den Großteil der Cruatiusflüche abbekommen als er sich schützend über seine Frau geworfen hatte.
Beide wirkten im den wenigen Licht, dass die Kerze am Eingang spendete unheimlich blass. Im Gegensatz zu Komapatienten in der Muggelwelt litten sie zumindest nicht großartig an Muskelatrophie, aber auch so war von dem einstmals bei Todessern gefürchteten Aurorenpaar nichts mehr zu sehen.
"Für dich Nev." flüsterte Harry entschlossen und trat an das Bett.
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Die Blacks und Remus saßen schon am Frühstückstisch als Harry am nächsten Morgen endlich erschien. Er sah müde und abgespannt aus, aber trug ein helles Lächeln auf den Lippen.
"Guten Morgen, Welpe. Du siehst furchtbar aus." begrüßte ihn Sirius launig.
"Uhh? Was soll ich sagen? Ich wollte einmal wie du zum Frühstück kommen." grinste der Junge.
"Ist dir gelungen." kicherte Remus.
"Schlecht geschlafen?" fragte Serena leicht besorgt.
"Lang aufgeblieben. Ich hatte noch ein paar Sachen zu erledigen." erwiderte Harry und grub sich herzhaft in sein Frühstück ein.
"Zumindest hat es seinem Appetit nicht geschadet." meinte Sirius zufrieden.
"Ein paar Sachen erledigen?" fragte hingegen Serena nach.
Harry zuckte nur mit den Schultern und baggerte das Essen weg. Die Nacht war anstrengend gewesen und er musste Reserven auffüllen. Er sah nur kurz auf als die Eulen die Post brachten. Sirius bezahlte die Tageszeitung und Serena nahm die Post entgegen.
"Ein Brief von Dumbledore, Schatz." reichte sie ihm einen Umschlag.
"Was will der alte Knabe?" murmelte Sirius und erbrach das Siegel. Seine Augen wurden immer größer je länger er las, bis er den Briefbogen hastig an Remus weiterreichte.
"Süßer Merlin. Kannst du das glauben Moony?" fragte Sirius erschüttert.
"Was ist los, Schatz?" legte ihm Serena beruhigend eine Hand auf den Arm.
"Die Longbottems sind wach." flüsterte Remus ehrfürchtig.
"Wer sind die Longbottems und warum ist es so erschütternd, dass sie aufgewacht sind?" wollte Serena wissen.
"Frank und Alice Longbottem waren enge Freunde meiner Eltern. Nach deren Tod waren sie das nächste Ziel und wurden in den Wahnsinn gefoltert. Neville musste dies mit ansehen und bekam ebenfalls eine Dosis des Cruatius ab." antwortete Harry an Sirius' Stelle.
"Mein Gott. Wie furchtbar!" hielt sich Serena die Hand vor dem Mund.
"Sie haben ein Baby gefoltert?" wurde Sirius grün im Gesicht.
"Das wusste ich nicht. Ein Kind zu foltern. Wie abscheulich." seufzte Remus erschüttert.
"Das hat Todesser noch niemals beeinflusst. Du weißt wie böse sie sind." sagte Harry traurig. "Aber sie sind nicht die einzigen die Rücksichtslos handeln. Nevilles Probleme nach dem Vorfall wurden einfach ignoriert und ein Gedächtniszauber angewandt." diesmal klang Harry angewidert.
"Sie haben was? Sind die wahnsinnig? Jeder Obliviatespezialist weiß, dass es zu geistigen Schäden führen kann, ein so junges Kind zu behandeln." knurrte Sirius entsetzt.
"Wer war dafür verantwortlich?" fragte Remus wütend. Er mochte den sanften Jungen sehr.
"Das wurde niemals festgestellt. Als wir es erfuhren war das Ministerium schon gefallen und jeder Hinweis auf diesen Auroreneinsatz vernichtet. Doch ich habe so meine Vermutungen." sagte Harry grimmig.
"Wer immer es auch war, er wird zur Verantwortung gezogen. Das hast mein Wort, Harry." knurrte Sirius.
"Du weißt wie du mich aufmuntern kannst, Onkel Siri. Danke." lächelte Harry schwach.
"Wir sollten Augusta Longbottem darauf hinweisen. Es ist nie zu spät eine Behandlung bei einem Geistesheiler zu beginnen." überlegte Remus.
"Ein guter Vorschlag, Moony. Nur wie machen wir das Mrs. Longbottem klar? Die Frau ist Furcht einflößend." schauderte Sirius.
"Männer!" schnaubte Serena spöttisch. "Überlass das ruhig mir, Schatz. Mrs. Longbottem ist nicht furchtbarer als meine Großmutter." lächelte sie.
"Oh, Marco hat von ihr berichtet. Du könntest Recht haben." kicherte Harry.
"Sie war nicht bei der Hochzeit?" wunderte sich Remus.
"Sie war dort, Moony. Verlass dich drauf. Ich habe sie getroffen." schauderte Sirius erneut.
"Sirius Black hat Angst vor einer Frau?" grinste Harry breit.
"Jeder vernünftige Mann hat Angst vor gewissen Frauen. Das musst du echt noch lernen, Kleiner." konterte Sirius väterlich.
"Er ist weise. Hör auf ihn." schmunzelte Remus.
Serena hielt sich weitgehends zurück aber sie warf Harry einige nachdenkliche Blicke zu. Der Junge ertappte sie dabei und blinzelte mit einem Lächeln zurück. Serenas Augen weiteten sich flüchtig als sie ihren Verdacht bestätigt sah aber schwieg, nachdem Harry unauffällig den Kopf schüttelte.
Nach dem Frühstück hielt Harry im Garten noch ein Nickerchen, da die letzte Nacht doch Kraft raubend gewesen war. Entspannt lag er auf der Hängeschaukel und die Bilder an die letzte Nacht stiegen wieder hoch.
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"Für dich Nev." flüsterte Harry entschlossen und trat an das Bett.
Schnell war ein Abwehrbann um den Bereich gelegt der dafür sorgen würde, dass er ungestört blieb. Dann setzte er sich auf die Bettkante von Alice Longbottems Bett und beugte sich über Nevilles Mutter. Ihr Gesicht wirkte eingefallen und etwas ausgezehrt, doch es war nichts, was nicht gute Ernährung und ein gesunder Lebenswandel wieder herstellen konnten. Beide waren Anfang 20 gewesen als sie von den Lestranges überfallen wurden und es war nicht zu spät, als dass Neville nicht ein paar Geschwister bekommen könnte. Der schüchterne Junge würde einen tollen großen Bruder abgeben. Dessen war sich Harry sicher.
Sachte legte Harry seine Fingerspitzen auf Alices Schläfen und schloss die Augen. Was er jetzt vorhatte, war ein nicht unriskanter Versuch.
"Von meinen Geist zu deinem Geist." flüsterte er und griff mit seiner Magie und mit seinen Schattensinnen nach Alice Longbottems Geist. Es war keine Legilementik die er anwandte, sondern eine einzigartige Mischung aus seinen Fähigkeiten.
Leere! Das erste was Harry wahrnahm war Leere. Also stieß er tiefer in Alices Geist. Dann kam der Schmerz. Oh ja, Harry kannte diesen Schmerz nur zu gut. Schmerz wie ihn nur der Cruatiusfluch bringen konnte. Unermesslichen, brennenden Schmerz.
Schweiß rann über Harrys Gesicht und er biss die Zähne zusammen als er Alices Schmerz teilte. Unerbittlich ging er tiefer und durchbrach die Barriere aus purem Schmerz, der nur in ihren Verstand existierte. Sofort hörte die Pein auf und er atmete tief durch und sah sich neugierig um. Schwaden von Nebel, die sich langsam auflösten, umgaben ihn, bis sich eine idyllische Landschaft aus den Nebeln schälte.
"Wer ist da?" hörte er eine Stimme fragen.
"Alice?" rief er freudig und starrte in die Richtung aus der die Stimme gekommen war. Langsam bildete sich aus den Schwaden ein Umriss und auf einmal stand eine junge Frau vor ihm.
"James? Oh, aber nein. Doch du siehst ihm unglaublich ähnlich." lächelte sie ihn freundlich an. Sie sah immer noch wie Anfang 20 aus.
"Das höre ich oft." schmunzelte Harry.
"Merlin. Du musst Harry sein. Junge, bist du groß geworden. Und so hübsch." beugte sich zu ihm herunter. Prompt errötete Harry und sie lachte warm. Doch ihre Fröhlichkeit hielt nicht lange an. "Warum bist du hier, mein kleiner Harry? Bist... bist du auch tot?" fragte sie sanft.
"Tot? Aber nein. Sie sind nicht tot, Mrs. Longbottem. Ich bin hier um sie aufzuwecken. Neville braucht sie und seinen Vater." erwiderte Harry.
"Mich aufwecken? Ich kann mich nicht erinnern eingeschlafen zu sein." murmelte sie entrückt.
"An was erinnern sie sich als letztes?" wollte Harry wissen.
Alice runzelte die Stirn und zögerte für einen Augenblick, bevor sie sich überwand und Harrys Frage beantwortete.
"Wir... wir versteckten uns. Dann hörten wir, dass James und Lily getötet wurden. Oh Lily. Sie war meine beste Freundin, musst du wissen." blinzelte sie die Tränen fort. "Dann kamen die Todesser. Frank und ich versuchten Neville zu verstecken doch zu spät. Mein kleines Baby. Mein Baby...!" schluchzte sie und brach in die Knie.
"Sschhh! Neville geht es gut, Mrs. Longbottem. Er ist ein wirklich netter Junge und ein Freund von mir." nahm er sie in die Arme. Nur langsam drangen seine Worte zu ihr durch und sie beruhigte sich.
"Geht es wieder, Mrs. Longbottem?" fragte er weich und sie nickte schniefend.
"Danke und hör bitte auf, mich Mrs. Longbottem zu nennen. Ich bin deine Patentante. Sag ruhig Alice oder Alli wie du es immer getan hast." lächelte sie wackelig.
"Tante Alli." probierte es Harry und ihr Lächeln wurde heller bevor es wieder verblasste.
"Was ist passiert Harry? Wo sind wir hier?" fragte sie entschlossen.
"Wir sind in deinen Verstand, Tante Alli. Gut 10 Jahre sind seit dem Abend, als die Lestranges bei euch aufgetaucht sind, vergangen." erzählte er ihr die Wahrheit.
"10 Jahre!" hauchte sie entsetzt. "Und Frank? Was ist mit meinem Mann?" schluckte sie hart.
"Er liegt im Bett daneben und wenn du dich bemühst, wirst du feststellen, dass du seine Hand hältst." erwiderte Harry weich.
Alice schloss die Augen und langsam trat ein Lächeln auf ihre Lippen.
"Frank. Lieber Gott, ja." flüsterte sie bewegt bevor sie wieder die Augen öffnete. "Ich erinnere mich wieder. Frank hat sich über uns geworfen und den größten Teil der Flüche abgefangen. Er... er hat so geschrieen und Bellatrix hat nur gelacht." versagte ihr die Stimme.
"Es tut mir so Leid, Tante Alli." schluckte Harry und umarmte sie erneut.
"Ach Harry. Du hast dasselbe gute Herz wie deine Mutter." drückte sie ihn fest an sich.
Gut eine Minute blieben sie so und Harry genoss die Umarmung und dachte daran, wie anders alles verlaufen wäre, hätte er die Möglichkeit gehabt bei den Longbottems aufzuwachsen. Sie und Sirius waren ganz oben auf der Liste seiner Eltern gestanden doch das Schicksal hatte es anders gewollt.
"Was geschieht jetzt?" fragte sie dann.
"Du musst aufwachen und ich werde dir dabei helfen." lächelte Harry.
"Du? Wie kommst du überhaupt hierher?" wunderte sie sich.
"Äh, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ehrlich gesagt, habe ich mich nach St. Mungos geschmuggelt und dürfte eigentlich gar nicht hier sein." hüstelte Harry.
Alice sah ihn einen langen Augenblick an und fing dann zu lachen an.
"Ein echter Potter. Unbestreitbar." wuschelte sie liebevoll über sein wildes Haar.
"Na ja." zuckte Harry die Schultern.
Kichernd küsste sie seine Stirn und sah ihm dann in die Augen.
"Du bist kein normaler Junge, habe ich Recht? An dir ist etwas ganz besonderes. Deine Augen verraten dich." sagte sie sanft.
"Du bist eine kluge Frau, Tante Alli. Kein Wunder, dass du mit Mom befreundet warst. Doch es muss ein Geheimnis bleiben. Keiner darf wissen, dass ich es war, der euch aufgeweckt hat. Kannst du mir das versprechen?" wich Harry nicht zurück.
"Eine vernünftige Bitte. Ja, du hast mein Wort. Und danke auch für das süße Kompliment. Doch deine Mutter war die Klügste von allen." lächelte sie.
"Danke." war Harry erleichtert.
"Wie ist es dir ergangen, mein Kleiner?" fragte sie leise.
"Durchwachsen. Doch nun ist es in Ordnung. Wenn es euch besser geht, können wir uns ja treffen und plaudern. Doch nun fehlt die Zeit dazu. Komm, Tante Alli, nimm meine Hand. Es ist Zeit aufzuwachen." streckte er ihr seine Hand entgegen.
"Du kommandierst ganz schön rum." schmunzelte sie aber nahm gerne seine Hand.
"Ich doch nicht." lachte er und ging los. "Nur keine Angst, Tante Alli. Der Schmerz den du gleich fühlen wirst, existiert nur in deiner Einbildung." warnte er sie.
Alice zitterte aber ging mutig weiter. Doch Harry hätte sich keine Sorgen machen müssen. Die Barriere aus Schmerz war schon am zerfasern und fiel endgültig auseinander als sie sie erreichten und hindurch schritten. Nur ein leichtes Ziehen war alles was noch fühlbar war. Langsam kamen sie an die Oberfläche von Alices Bewusstsein und hier verließ sie Harry.
"Den letzten Schritt musst du alleine gehen. Ich weiß, dass du es kannst. Nur Mut, Tante Alli. Wir sehen uns gleich." verabschiedete er sich. Ihr Griff löste sich und Harry zog sich aus Alices Verstand zurück und schlug die Augen auf. Schwer atmend kauerte er über ihren Körper und richtete sich ächzend auf. Das war härter gewesen, als er wieso schon erwartet hatte.
Geduldig wartete er darauf, dass sie aufwachte. Die ersten Anzeichen waren das Flackern ihrer Augenlider und dann ein scharfes Luftholen.
"H... H...arry?" flüsterte sie krächzend.
"Ich bin hier, Tante Alli." lächelte er glücklich.
"D... Durst." bettelte sie heiser.
"Oh, entschuldige bitte. Hier, vorsichtig trinken." hielt er ihr schnell ein Glas frisches Wasser an die spröden Lippen. Sanft hob er den Kopf an und neigte das Glas und sie nahm ein paar Schluck Wasser. Erst jetzt schlug sie langsam die Augen auf und das erste was sie seit 10 Jahren erblickte, waren Harrys leuchtend grüne Augen die sie warm anlächelten.
"Willkommen zurück, Tante Alli." hatte er einen dicken Kloß im Hals.
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Seufzend schmiss sich Harry auf der Hängeschaukel herum. Es war ein Kräftezehrender Akt gewesen und doch bereute er keine Mikrosekunde davon. Dabei war Alice noch der leichtere Part denn Frank war ein ganz anderes Kaliber. Nach ein paar Minuten in denen er sich erholt hatte und Alice langsam munterer wurde, widmete er sich ihren Mann. Gut eine Stunde brauchte er, bis er Frank soweit aus den Tiefen seines Geistes an die Oberfläche geführt hatte damit er den letzten Schritt alleine machen konnte. Frank Longbottem war ein starker Charakter und letztendlich war es nur das Versprechen, dass Alice und Neville noch am Leben waren, das ihn überzeugte.
Frank war in einer schlechteren Verfassung wie seine Frau aber auch bei ihm sprach nichts gegen eine vollständige Genesung. Die Wiedervereinigung des Ehepaares war herzzerreißend gewesen und einer der kostbaren Momente in Harrys Leben.
Harrys letzter Gedanke galt Neville und mit einem Lächeln auf den Lippen fiel er endgültig in den Schlaf.
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Die wundersame Heilung der Longbottems war das große Thema in den nächsten Tagen. Der Tagesprophet überschlug sich förmlich mit den wildesten Spekulationen und auch das Ministerium konnte keine näheren Angaben machen. Es blieb ein Rätsel, weil auch Frank und Alice nichts berichten konnten. Noch vier Tage mussten sie in St. Mungos bleiben bevor sie die Heiler nach Hause entließen.
Sirius, der ein Freund und Kollege der beiden Longbottems gewesen war, schickte Alice einen Berg Rosen und Frank eine Kiste Feuerwhiskey in die Klinik. Besucher wurden leider grundsätzlich abgewiesen und so türmten sich Geschenke in dem Zimmer der beiden auf. Ganz England schien an dem Schicksal der Longbottems Anteil zu nehmen und freute sich mit der Familie.
Neville meldete sich zwei Tage später per Flohverbindung und konnte es immer noch nicht fassen. Harry hatte seinen Freund noch nie so glücklich gesehen und mehr brauchte er an Bestätigung nicht.
"Ich kann es immer noch nicht fassen, Harry. Mom und Dad...!" hier brach Nevilles Stimme und er schluchzte und beruhigte sich mühselig. "Mom und Dad wollen euch unbedingt besuchen kommen wenn es ihnen etwas besser geht." leuchteten seine warmen braunen Augen.
"Ich freue mich so für dich Neville. Du hast ein wenig Glück verdient, mein Freund." lächelte Harry.
"Danke Harry. Das wird so ein tolles Jahr werden. Es ist nur schade, dass bald Schule ist." strahlte Neville.
"Jetzt kannst du dich wenigstens auf die Weihnachtsferien freuen. Sehe es positiv." grinste Harry.
"Ohh! Weihnachten mit Mom und Dad. Ach Harry, wie sehr wünschte ich mir, dass auch du deine Eltern hättest." schniefte Neville. "Oh Gott. Das war grob von mir. Bitte entschuldige Harry." riss er die Augen auf und sah ängstlich zu seinem Freund.
"Keine Sorge Nev. Ich weiß wie du es meintest." beruhigte ihn Harry sofort. Das sah Neville ähnlich. In seiner Freude dachte er an Harrys Schmerz auch wenn es ein wenig ungeschickt war.
Nach ein paar Minuten beendeten die beiden Jungen das Gespräch. Sie würden sich am ersten September auf Bahnsteig 9 3/4 wieder sehen.
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Die letzten Tage vor Schulbeginn schienen förmlich vorbei zu fliegen. Sirius jonglierte geschickt zwischen seinen Pflichten als Ehemann, werdender Vater und seinen Bestrebungen der nächste Minister für Magie zu werden. Was die Familie in Erstaunen versetzte, war das offensichtliche politische Talent des ehemaligen Plünderers.
"Müssen diese verdammten Gene sein, von denen ihr erzählt habt." brummelte er unbehaglich, als Remus ihn lobte.
"Du meinst, 1000 Jahre intensiver Inzucht, erzeugen letztendlich einen fähigen Politiker?" konnte Harry nicht widerstehen. Kichernd rannte er aus dem Zimmer, mit Sirius hart auf den Fersen, während sich Remus vor Lachen am Boden wälzte.
"Ich krieg dich schon noch, Harry James Potter." brüllte Sirius, nachdem sich Harry in seinem Zimmer verbarrikadiert hatte.
"Und was machst du dann?" keuchte Harry vor Lachen und rutschte an der Innenseite seiner Tür herunter.
"Du wirst schon sehen. Meine Rache wird furchtbar und klebrig werden." drohte sein Pate und lachte manisch. Wäre es nur nicht so übertrieben gewesen. So ging leider der Effekt flöten.
Sirius rächte sich in der Tat. Harry, der mit allen Sinnen nach Fallen Ausschau hielt, fiel auf einen der ältesten Tricks der Welt herein. Muggelklebstoff auf seinem Esszimmerstuhl. Das Zeug hielt wie die Hölle und kostete Harry eine gute Hose.
Es wurde auf jeden Fall nicht langweilig und Harry genoss die letzten freien, wahrscheinlich unbeschwerten Tage seiner zweiten Kindheit mit seiner Familie in vollen Zügen.
Den Abend des 31. August verbrachte er im Kreise seiner Lieben. Morgen würde er nach Hogwarts fahren, um sein Schicksal zu erfüllen.
TBC...
A/N: Tja, es ist soweit. Harry ist auf dem Sprung nach Hogwarts. Hmm, ich hoffe es hat euch gefallen, wie ich die Heilung der Longbottems angegangen bin? Bitte reviewt fleißig und schreibt mir eure Meinung dazu. Bis demnächst... Marius!
