VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Das nächste Kapitel meiner Geschichte. Ich möchte mich hiermit bei euch allen, für die tollen Reviews bedanken. Da schwillt mir doch glatt die Brust vor lauter Stolz. Anscheinend mache ich es richtig, denn es gab bisher kaum Kritik, sondern fast ausschließlich dickes Lob von euch. Schnüffel! Ein dickes Dankeschön und eine Bitte von mir: Reviewt fleißig weiter. Auch die diejenigen, die meist nur lesen sind aufgefordert.
Zu diesem Kapitel. Harry liest den Slytherins ein wenig die Leviten und erteilt eine Lektion in Sachen Geschichte. Der Lehrkörper hat eine seiner Versammlungen, Harry macht eine wichtige Entdeckung in der Bibliothek und Halloween steht vor der Tür. Es gibt hier ein, zwei Stellen, die direkt Harry Potter um der Stein der Weisen entnommen sind. Viel Spaß beim lesen, wünscht euch,
Marius
ooOOoo
KAPITEL 15
Harry ging tief in Gedanken zurück in den Aufenthaltsraum der Slytherins. Die Entschuldigung und das Angebot war der Sporn des Augenblicks und nicht so geplant gewesen. Im Grunde war sie seiner eigentlichen Intention völlig konträr, aber er fühlte sich gut mit dieser Entscheidung und wusste, dass er damit leben konnte. Harry hatte nicht gelogen, als er Snape davon erzählt hatte, dass sich sein Vater bei ihm entschuldigen wollte. Er hatte die dementsprechenden Briefe in seinem Familiengewölbe gefunden.
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Selbst Sirius wurde manchmal verlegen, wenn ihn Harry auf die Streiche ansprach, die sie Severus damals gespielt hatten. Nicht alle waren wirklich witzig gewesen, sondern hatten darauf abgezielt ihr Opfer zu demütigen. Serena war wirklich sauer geworden, als sie eines dieser Gespräche verfolgt hatte und es hatte Sirius einiges an Charme und Überredungskunst abverlangt, um sie von ihren Vorhaben abzubringen, dass er sich bei Snape entschuldigen solle.
"Waren wir wirklich so kindisch?" hatte sich Sirius laut gefragt als Serena wütend aus dem Zimmer stürmte.
"Ich befürchte, leider ja, Padfoot!" seufzte Remus trübe.
"Merlin! Was haben wir uns nur dabei gedacht?" kratzte sich Siri verlegen am Hinterkopf.
"Gar nichts. Das war ja das Problem. Und mein Dad war nicht viel besser!" schüttelte Harry mitleidig den Kopf.
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Harry schnaubte abfällig als er daran dachte und sah dann auf. Er war alleine im Gemeinschaftsraum und hatte keine Ahnung wo eigentlich sein Zimmer war.
"Shit! Warum immer ich?" murmelte er müde. Hmm, könnte klappen, kam ihm eine Idee. Er glaubte sich daran zu erinnern, dass Dobby einmal einen bestimmten Namen erwähnt hatte und hoffte, dass ihn seine Erinnerungen nicht getäuscht hatten.
"Tiffy?" hob er leicht die Stimme und mit einem Plopp erschien eine Hauselfe neben ihm. Es hatte also geklappt.
"Ihr habt Tiffy gerufen, kleiner Meister?" fragte die Hauselfe verwundert. Hogwarts Hauselfen wurden so gut wie niemals von den Schülern verlangt und so war die kleine Hauselfe natürlich sehr neugierig.
"Ja, äh, ich weiß leider nicht wo sich mein Zimmer befindet. Ihr habt doch meine Truhe aus dem Ravenclawturm hierher geliefert, oder?" lächelte Harry entschuldigend.
"Oh, ihr seid Harry Potter!" keuchte die Hauselfe ehrfürchtig und verneigte sich tief.
'Herrje, warum müssen die Hauselfen immer so reagieren?' wunderte sich Harry verlegen. "Äh, ja. Freut mich deine Bekanntschaft zu machen Tiffy!" lächelte er.
Die Hauselfe strahlte vor Glück und verneigte sich gleich noch einmal.
"Tiffy wird dem jungen Meister sein Zimmer zeigen. Folgt bitte!" versicherte ihm Tiffy lebhaft.
Harrys Zimmer war nicht sehr groß aber er hatte es für sich. Ein Bett, an dessen Fußende seine Truhe stand, ein Schreibtisch und ein paar Regale. Es hatte keine Fenster und wirkte auf dem ersten Blick recht düster aber dafür hatte es ein eigenes Badezimmer.
"Danke Tiffy." bedankte er sich bei der Elfe die mit einem breiten Lächeln und unter mehrmaligen Verbeugungen verschwand.
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Der nächste Morgen brach an und Harry öffnete die Augen. Zuerst war er ein wenig desorientiert, bis ihm wieder einfiel wo er sich befand. Er hatte überraschend gut geschlafen und streckte sich nun behaglich.
Ein wenig später, nach seiner Morgentoilette und einer langen heißen Dusche, fand er sich im Aufenthaltsraum der Slytherins ein. Die leisen Gespräche, die die anderen führten, verstummten für einen Augenblick als er eintrat, bevor sie mit wesentlich mehr Erregung fortgeführt wurden.
"Guten Morgen!" grüßte er höflich.
"Guten Morgen!" erwiderte eines der Mädchen seinen Gruß und Harry sah überrascht zu ihr. Es war Daphne Greengrass, die sich mit Blaise Zabini unterhalten hatte. Das blonde, schöne Mädchen lächelte ihn freundlich an und Harrys Wangen färbten sich.
"H... Hallo, ich bin Harry!" reichte er ihr die Hand.
"Daphne Greengrass. Angenehm!" sagte sie warm. Verdammt. Sie war wirklich hübsch. Klare blaue Augen und seidiges Haar. Sie ähnelte Luna, die ja dieselben Attribute aufwies, nur auf den ersten Blick. Wo Lunas Schönheit eher ätherisch wirkte, war die ihre sehr bodenständig.
Harry hatte in der ersten Zeitlinie mit ihr nur sehr wenig Kontakt gehabt aber er erinnerte sich daran, dass ihre Familie ebenfalls vom dunklen Lord ausgelöscht wurde. Die Greengrass' hatten sich geweigert sich ihm anzuschließen und beharrten auf ihrer Neutralität. Es hatte ihnen nichts genutzt. Das Greengrassmassaker war auch der Auslöser gewesen, dass sich die anderen neutralen Familien wie die Zabinis dem Widerstand anschlossen.
"Wir kennen uns ja bereits!" grinste Blaise und nickte Harry zu.
"Du hast gestern Abend die Slytherins gehörig erschüttert, Harry Potter!" senkte Daphne die Stimme.
"Es lag nicht in meiner Absicht aber eventuell wurde es Zeit, dass sie mal ein wenig aufgerüttelt wurden." erwiderte Harry vorsichtig.
"Oh, aufgerüttelt ist gut!" murmelte Blaise spöttisch.
"Du hast keine einzige Unwahrheit verbreitet. Ich kann so etwas erkennen!" behauptete Daphne.
"Ist das so? Interessant! Emphatisch veranlagt?" fragte Harry gespannt.
"Ein wenig. Es läuft in der Familie. Aber ich bitte dich darum es für dich zu behalten!" lächelte sie.
"Und Blaise?" hob Harry eine Augenbraue.
"Oh, Blaise weiß davon. Wir sind seit unserem Vorschulalter enge Freunde!" legte das blonde Mädchen dem olivhäutigen Jungen eine Hand auf den Arm. Blaise lächelte charmant und zeigte seine Grübchen. Er war ein hübscher Junge und wusste dies auch zu nutzen. Dazu war er wirklich intelligent und seine Familie hatte viel Einfluss am Zaubergarmot. Ein nicht zu unterschätzender Feind oder Freund und Harry bevorzugte auf alle Fälle das letztere. Er schnaubte leise, als er seine Gedanken analysierte.
"Was ist?" fiel es Daphne auf.
"Mir ist nur soeben aufgefallen, dass wir bereits vor dem Frühstück Politik betreiben. Ist das nicht ekelhaft?" meinte er ironisch.
"Du bist in Slytherin, Harry. Hier wird 24 Stunden am Tag Politik gemacht!" kicherte Blaise.
Harry erwiderte das Kichern aber registrierte beinahe unterbewusst, dass ihn Blaise mit dem Vornamen angeredet hatte und versuchte die Folgen abzuschätzen.
'Merlin, ich hasse es, wenn ich so bin!', schüttelte er sich innerlich.
"Ich hörte, dass dein Vormund sich verstärkt der Politik widmet?" warf Daphne eine Angel aus.
"Du hast scharfe Ohren!" erwiderte Harry trocken und sie lachte vergnügt.
"Mein Vater bat mich zu fragen!" gab sie ohne Verlegenheit zu.
"Hmm, du kannst ihn ja mal unverbindlich fragen ob er Sirius unterstützen würde. Ich tue es natürlich!" hatte er eine Eingebung.
"Will Black wirklich kandidieren?" fragte Blaise neugierig.
"Vielleicht!" lächelte Harry süß.
"Er will also. Das wird Großmutter interessieren." grinste der Slytherin.
"Ich dachte sie wäre deine Urgroßmutter?" meinte Harry trocken.
"Natürlich. Aber ich bin nicht so närrisch es ihr ins Gesicht zu sagen. Frauen haben nun mal dieses Ding mit ihren Alter!" grinste der andere Junge böse.
"Benimm dich, Blaise!" stieß ihn Daphne in die Seite.
"Also, ich fand seine Bemerkung sehr weise!" kicherte Harry.
"Sie war unverschämt... aber witzig!" schmunzelte sie widerstrebend.
"Danke, danke!" verbeugte sich Blaise.
Harry konnte jetzt gut verstehen warum Draco mit diesem Jungen befreundet war.
Inzwischen hatten sich alle Slytherins im Gemeinschaftsraum versammelt und um die drei Kinder bildete sich eine Gruppe die aufmerksam lauschte.
"Wie steht Black zu den Muggelgeborenen?" fragte einer der älteren Teenager abwartend. Harry sah sich überrascht um und überlegte schnell. Sollte er antworten? Ja, entschied er augenblicklich.
"Lord Black hat zu dieser Frage eindeutig Position bezogen. Er unterstützt die Integration von Muggelgeborenen in unsere Gesellschaft vorbehaltlos, aber ist sich gleichzeitig auch der Gefahren bewusst. Er ist nicht so blauäugig um nicht zu erkennen, wie langsam aber sicher die Geheimhaltung aufgeweicht wird. Deswegen ist es sein Plan, die Muggelgeborenen schon zu einem früheren Zeitpunkt einzugliedern und sie auf den Eintritt in die magische Gemeinschaft vorzubereiten. Fast alle Muggelgeborenen die ich kenne, haben keinerlei Ahnung von den Sitten und Gebräuchen und ecken deswegen gehörig an. Es wäre mir nicht anders ergangen, wenn ich bei meinen Muggelverwandten geblieben wäre." gab Harry zu.
"Ich hörte davon. Sei froh, dass sich Black deiner angenommen hat!" murmelte Daphne.
"Aber die Schlammblüter gefährden uns!" warf Flint jetzt ein.
"Unterlasse bitte in meiner Anwesenheit diesen Ausdruck. Er ist rassistisch und zeugt nur von Dummheit!" zischte Harry.
"Du nennst mich dumm?" knurrte Flint wütend.
"Das habe ich nicht gesagt und du weißt es, doch du kannst dir den Schuh anziehen, wenn er dir passt. Aber du solltest dir mal eines überlegen Marcus Flint. Wo wäre die Zauberergemeinschaft heute ohne die Muggelgeborenen?" fragte Harry herausfordernd.
"Besser dran?" konterte Flint höhnisch.
"Am Aussterben trifft es wohl eher." behauptete Harry.
"Du spinnst!" schnaubte einer der Viertklässler und zustimmendes Gemurmel machte sich breit.
"Ach, tue ich das? Dann passt mal schön auf." war Harrys Stimme ruhig und Kühl und das Gemurmel erstarb langsam. "Vor dreihundert Jahren gab der Zaubergarmot von Großbritannien eine Studie in Auftrag und das Ergebnis war klar und deutlich gesagt, ernüchternd. Eigentlich war beabsichtigt gewesen den Zuwachs von Muggelgeborenen zu beschränken, aber als die Studie vorlag, musste man erkennen, dass man ohne sie viel übler dran wäre. Und weswegen? Hier die Fakten: Im elftem Jahrhundert gab es in England in etwa 5 Millionen Einwohner. Davon waren rund 28 000 Zauberer und Hexen. Also ein hoher prozentualer Anteil an der Bevölkerung. Zum Zeitpunkt der Studie, also rund 450 Jahre später, lebten in England etwa 10 Millionen Untertanen und nur noch 23 000 Zauberer und Hexen. Und es lag nicht an der Hexenjagd des Mittelalters oder an den vielen tödlichen Seuchen oder vergleichbares. Es waren die Zauberer und Hexen selber, die dafür verantwortlich waren. Es war ihre Arroganz und ihr Rassismus, die ihre Anzahl verringerte. Natürlich gab es gegen die Studie Proteste. Es könne nicht sein, sie sei sicher falsch und so weiter und so fort. Das typische eingleisige Denken der Blutpuristen halt. Seht euch doch an. Die meisten alten Familien prunken nicht gerade mit viel Nachwuchs und diese Lage verschlimmert sich mit jeder Generation. Dazu kommt noch die Tatsache, dass viele der alten Familien langsam aber sicher verschwinden. Sie gebären immer mehr Knallfrösche und es war noch bis in dieses Jahrhundert die schlechte Sitte solche Kinder zu töten. Verabscheuungswürdig wie nur selten etwas, meiner bescheidenen Meinung nach. Denn diese Kinder können durchaus in der zweiten oder dritten Generation selbst Nachkommen zeugen, die sehr mächtige Zauberer oder Hexen sind. Wie meine Mutter zum Beispiel. Es heißt zwar, dass sie Muggelgeborenen war, aber richtig ist, dass sie und meine Tante Nachkommen einer ganzen Reihe von Knallfröschen waren. Ob ihr es hören wollt oder nicht. Ihr seid eine aussterbende Art und ihr seid völlig selbst daran schuld. Nur frisches Blut kann dieses Desaster verhindern und genau deswegen wurden die Beschränkungen vor dreihundert Jahren aufgehoben und siehe da... die aktuelle Zahl der Zauberer und Hexen liegt momentan bei rund 30 000 und das trotz zweier dunkler Zauberer die unzählige ermordet haben." dozierte Harry und hielt die Slytherins gebannt.
"Du... du übertreibst!" klang Flint lange nicht mehr so selbstsicher.
"Keineswegs! Du kannst die Studie jederzeit einsehen. Sie wird nicht geheim gehalten aber gerne vergessen. Doch sie hat an ihrer Aktualität bis heute nichts verloren. Wenn du daran interessiert bist...? Die Robertsonstudie ist der genaue Name." erwiderte Harry gelassen.
"Aber warum hören wir von solchen Fakten nichts?" fragte ein Mädchen aus der sechsten Klasse irritiert.
"Weil Binns nun mal nur über seine Koboldskriege labert, so wie ich hörte. Deswegen!" seufzte Harry.
"Aber Salazar Slytherin hat doch die Trennung von Muggelgeborenen und der Zauberergemeinschaft verlangt?" wagte ein anderer den Einspruch.
"Ja, das ist wahr!" nickten viele heftig.
"Ist das wirklich so?" fragte hingegen Harry gedehnt und die Zustimmungsrufe erstarben langsam. "Es gibt keinerlei Beweis für diese These. Keine einzige Aufzeichnung aus der Zeit der Gründer bestätigt dieses Gerücht und mehr ist es auch nicht. Aber anscheinend machen sich die wenigsten die Arbeit genau zu recherchieren. Salazar Slytherin blieb bis zu seinem Tod hier in diesem Schloss und unterrichtete bis zum Schluss. Er hat niemals, wie so oft propagiert, Hogwarts im Zorn und Streit mit seinen Mitgründern verlassen. Jede andere Behauptung ist eine Lüge. Richtig ist, dass er den Muggeln eher feindselig gegenüberstand aber dies hatte persönliche Gründe. Falsch ist, dass er Muggelgeborene nicht als Schüler in Hogwarts zulassen wollte. Er war ein wirklich kluger Mann und wusste genau was es bedeuten würde ihnen den Zugang zu verwehren. Es ist wirklich eine Schande, dass er heute diesen schlechten Ruf genießt und es ist völlig unverdient. Und die Gründe dafür? Es war gut 60 Jahre nachdem William der Eroberer die Angelsachsen besiegte, dass die ersten Gerüchte entstanden. Es waren Familien wie die Malfoys, die übrigens aus der Normandie stammen, die dafür verantwortlich zeichnen." erklärte er mit klarer Stimme.
"Die Malfoys sind Franzosen?" ächzte Nott ungläubig.
"Wie deine Vorfahren Theodore. Sie hießen ursprünglich deNotte. Nicht sehr angelsächsisch, oder?" lächelte Harry süß.
"Und die Flints?" fragte Marcus Flint beinahe besorgt, während Nott noch mit sich kämpfte.
"Woher weißt du das alles?" fragte hingegen Daphne beeindruckt.
"Ich lese gerne und du würdest überrascht sein, was für interessante Fakten du in alten Geschichtsbüchern findest!" grinste Harry flüchtig.
"Die Flints. Komm sag schon, Potter!" verlangte Flint.
"Sind erst seit dem 14. Jahrhundert dabei. Der erste Flint war Muggelgeboren." beantwortete Harry seine Frage.
"Lügner!" flüsterte Flint erschüttert.
"Sieh dir den Stammbaum deiner Familie an, Marcus Flint und du wirst erkennen, dass ich nicht lüge. Was habt ihr nur alle mit eurer Geschichte? Leuchtet es euch nicht ein, dass jede noch so stolze Zaubererfamilie irgendwann einmal als Muggelgeborene anfingen? Glaubt ihr denn, der erste Zauberer ist vom Himmel gefallen? Wie und wo der erste Zauberer oder auch Hexe lebte, liegt im dunklen der Geschichte aber seine oder ihre Eltern waren mit Sicherheit ganz stinknormale Muggel. Deswegen ist dieser ganze Purblutschwachsinn auch nur dies: Schwachsinn." schimpfte Harry.
Betäubtes Schweigen machte sich im Slytheringemeinschaftsraum breit und alle sahen sich unsicher an. Solche Gedankengänge hatten sie noch nie vorher gewagt und es machte ihnen Angst.
"Das war starker Tobak. Und das alles noch vor dem Frühstück!" lockerte Blaise die Spannung. Und als wäre dies das Zeichen gewesen, fingen die Gespräche wieder an aufzuflammen. Bis einer der Präfekten ein Zeichen zum Aufbruch gab.
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Severus Snape war auf dem Weg in den Gemeinschaftraum gewesen als er Potter mit Greengrass und Zabini zusammen sah. Neugierig blieb er in dem verborgenen Gang stehen und beobachtete den Jungen und seine Slytherins. Er war immer noch unschlüssig ob er das Angebot Potters annehmen sollte. Dann fing die Diskussion an und Severus, der erst eingreifen wollte, war überrascht wie klar und deutlich der junge Potter seinen Standpunkt vertrat. Insgeheim musste er anerkennen, dass er wirklich gute Argumente gebrauchte und auch wenn er es sich nur ungern eingestand, stimmte er mit ihm in den meisten Punkten überein. Genau dieselben Überlegungen hatte er ebenfalls schon gewälzt und die Robertsonstudie war ihm durchaus ein Begriff. Und er freute sich als er Potter Salazar Slytherin leidenschaftlich verteidigen hörte. DAS hatte er nicht erwartet.
Severus lächelte amüsiert als Potter die Malfoys und die Notts als 'Zugereiste' entlarvte. Das würde Lucius mit Sicherheit sauer aufstoßen.
Als seine Slytherins zum Frühstück aufbrauchen, konnte Severus nicht entgehen, dass die Mehrheit Potter mit widerwilligen Respekt betrachteten. Er hatte wirklich Eindruck hinterlassen und das war kein geringes Ding in den Augen des Trankmeisters.
"Du beginnst mich zu interessieren, Harry Potter. Was verbirgst du wirklich hinter dieses großen, unschuldig und doch manchmal so alt wirkenden Augen?" murmelte Severus nachdenklich.
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Die Woche bei den Slytherins war wirklich spannend und faszinierend. Sie waren so anders als die anderen drei Häuser. Mehr verschlagen und verschlungen und Harry erkannte bald warum sie den Ruf der Hinterlistigkeit führten. Es war ihre Vorliebe für Politik und Intrigen.
So hart manchmal die Macht und Rangkämpfe innerhalb des Hauses erschienen, so geschlossen traten sie nach außen hin auf. Das beste Beispiel für diese Geschlossenheit war der gemeinsame Gang zum Frühstück. Keiner ging vorher oder alleine in den großen Saal.
'Wenn die anderen wüssten, dass dieser geschlossene Eindruck nur eine Fassade ist?', wunderte sich Harry die Woche über des Öfteren.
Und sie waren wirklich wissbegierig. Es dauerte nur bis zum Montagabend bis die ersten sich trauten, sich Harry zu nähern. Immer wieder beantwortete er geduldig Fragen zu ihrer eigenen Geschichte und war wirklich dankbar für sein ausgezeichnetes Gedächtnis. Es wurde leidenschaftlich diskutiert und es blieb nicht immer friedlich. Einige der älteren waren nicht zu überzeugen und hielten an ihren Standpunkt fest. Harry hatte nichts dagegen, doch das änderte sich als er ein paar Flüche abwehren musste. Erneut erwarb er sich den Respekt der Slytherins als er die Angriffe kompromisslos konterte. Diesmal war es seine Macht die beeindruckte. Ein Aspekt, der hier mehr als in den anderen Häusern zählte.
Und die ganze Zeit wurde er von Severus Snape beobachtet.
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"Du lebst ja noch!" grinste Ron als sich Harry am Donnerstag am Gryffindortisch zum Mittagessen niederließ.
"Yep! Auch wenn es sehr nervenaufreibend bei den Slytherins ist!" seufzte der grünäugige Junge.
"So schlimm?" fragte Neville mitfühlend.
"Schlimmer!" meinte Harry düster.
"Haben sie etwas versucht?" setzte sich Ron alarmiert auf. Er traute den Schlangen wieso alles Böse zu.
"Sie haben mich gelöchert und gelöchert. Ich fühle mich völlig leer!" stöhnte sein Freund.
"Gelöchert?" hob Neville eine Augenbraue.
"Und wie. Sie sind neugieriger als die Raben und kennen in ihrer Wissbegier keine Gnade!" winkte Harry ab.
Die beiden anderen Jungs sahen eher skeptisch aus. Das war es nicht, was sie erwartet hatten.
"Denkt an Hermine hoch zwei, dann habt es es in etwa!" versuchte es Harry.
"Oh! Ist das überhaupt möglich?" fing Neville an zu grinsen.
"Ich bin mir nicht sicher, aber es widerspricht sicher irgendeinem Naturgesetz!" stieß Ron ins gleiche Horn.
"Sehr witzig, Jungs. Lasst sie das mal besser nicht hören!" musste Harry selber grinsen.
"Was ist mit Snape?" senkte Ron die Stimme zu einem Flüstern.
"Was soll mit ihm sein?" flüsterte Harry zurück.
"Na ja! Ist er... äh hat er...? Na, du weißt schon!"
"Drück dich bitte etwas präziser aus, Ron!"
"Hat er dich in Ruhe gelassen?"
"Im großen und ganzen... ja, hat er!"
"Jungs, warum flüstern wir eigentlich?" fragte Neville.
"Ron hat damit angefangen!" meinte Harry.
"Gewisse Themen sollte man nur flüsternd erwähnen!" wurden Rons Ohren rot.
"Wenn wir von Sex geredet hätten, das wäre ja noch einsehbar!" grinste Harry dreckig. Rons Ohren wurden dunkler.
"Was weißt du von... Sex?" schluckte Neville mit großen Augen und auch seine Wangen röteten sich. Purblutzauberer wuchsen in der Regel sehr behütet auf und manchmal waren sie viktorianischer als echte Viktiorianer. Ja, Zauberer waren wirklich altmodisch.
"Also, das würde...!"
"...uns auch interessieren!" kam es von hinten und zwei Hände legten sich auf Harrys Schultern.
"Hi Fred! Hi George!" grüßte er lässig.
"Komm schon Harriekens! Verrat uns deine kleinen Geheimnisse, mit denen du unseren kleinen Bruder korrumpierst." grinste George und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.
"Yeah! Harry der Sexgott!" nickte Fred eifrig.
"Pssst. Fred! George! Seid doch leise! Wenn das McGonegall hört!" zischelte Ron besorgt.
"Harry der Sexgott?" ächzte hingegen Harry.
"Ja, hast du das nicht gewusst? Viele junge Mädchen...!"
"...nehmen dich mit in ihr Bett. Genauer gesagt, die Bücher über dich!" vollendete Fred mit einen Funkeln in den Augen.
"Brr, genau das wollte ich nicht hören." schauderte Harry. "Mädchen die nur am Jungen-der-lebt interessiert sind. Nein Danke!"
Die Zwillinge starrten ihn für einen Moment schweigend an und fingen dann an zu lächeln.
"Guter Mann!" klopfte ihm Fred anerkennend auf den Rücken.
"Eine andere Reaktion hätte uns echt enttäuscht!" meinte George.
"Mädchen sind wieso nur ätzend!" gab Ron wieder mal sein übliches Statement ab.
"Ich bin mir sicher, dass Mom deine Einschätzung zu würdigen weiß!" hob George spöttisch eine Augenbraue.
"Bestimmt, Bruder mein. Schließlich ist sie ja auch ein Mädchen. Irgendwie zumindest!" stimmte Fred mit ein.
"Mom ist doch kein Mädchen!" protestierte Ron.
"Ron, Ron, Ron!" schüttelten die Zwillinge mitleidig den Kopf.
"Was denn? Ich... oh Scheiße. Ich habe mal wieder Mist gelabert, nicht?" sank Ron leicht in sich zusammen.
"Yep!" bestätigten Harry und Neville trocken.
"Und wir lieben dich dafür, Ronniekins!" grinste Fred.
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Es wurde Sonntag und Harrys erste Woche bei den Slytherins neigte sich dem Ende zu. Bisher hatte Snape noch nicht auf Harrys Angebot geantwortet und der Junge fragte sich langsam warum. Es hatte ein wenig gedauert bis er bemerkte, dass ihn der Professor immer im Auge behielt. Er war darin sehr geschickt wie Harry anerkennen musste. Sicher einer der Gründe warum Snape als Spion so erfolgreich war.
Auch hatte er ihm in Trankunterricht anders behandelt. Er überschüttete den Jungen nicht mehr mit seiner Verachtung und ließ ihn soweit in Ruhe. Aber er hatte ihm keine Punkte zuerkannt als Harry seinen Trank perfekt vollendete.
"Annehmbar, Potter!" hatte er nur genickt und doch wusste Harry, dass dies ein sehr hohes Lob war. Ron und Neville hatten ein Keuchen unterdrücken müssen, als sie das vernahmen. Snape lobte NIEMALS einen anderen Schüler, abseits seiner Slytherins. Es war geradezu unerhört.
"Snape hat es sicher nur gesagt, weil du diese Woche einer der Schlangen bist!" war sich Ron sicher. Die Freunde waren nach dem Unterricht gemeinsam unterwegs und wollten ein wenig frische Luft am See schnappen.
"Sei nicht albern, Ronald. Professor Snape musste einfach das Ergebnis anerkennen!" verfiel Hermine wieder einmal in ihre alte Rolle. Sie hatte aufmerksam der Erzählung gelauscht.
"Beruhigt euch Leute! Er hat nur gesagt, dass es annehmbar ist." griff Harry sofort ein.
"Ja, schon. Aber ein annehmbar bei ihm, ist so gut wie ein Ohnegleichen bei McGonegall!" hielt Ron dagegen.
"Professor McGonegall!" korrigierte Hermine automatisch.
"Hab ich doch gesagt!"
"Hast du nicht, Ronald!"
"Blimey, nenn mich nicht immer Ronald. Ich heiße Ron!"
"Du solltest nicht so viel fluchen, RON!"
"Verdammt! Ich fluche nicht!"
"Da, du tust es schon wieder."
"Wie ein altes Ehepaar, meinst du nicht auch Harry?" flüsterte Neville ihm zu.
"Yup!" grinste der grünäugige Junge.
Einige Sachen ändern sich wohl niemals! Hermine und Ron waren für einander geschaffen aber sie mussten dies erst noch herausfinden. Auch wenn es auf dem ersten Blick abwegig erschien. Hermine war hochintelligent, ein Bücherwurm wie er nur selten ein zweites Mal gefunden wird und manchmal leider auch ein ziemlicher Besserwisser. Ron hingegen, war hitzköpfig und ungestüm und doch ein genialer Stratege und Planer. So unterschiedlich und doch ergänzten sich die beiden perfekt. Sie wussten es nur noch nicht. Jetzt waren sie noch Kinder, mit all ihren Schwächen und Unzulänglichkeiten aus denen sie noch herauswachsen mussten. Ron musste seine Eifersucht überwinden und Hermine ihre Unsicherheiten in Bezug auf Freundschaften.
Merlin, wie hatte er dies vermisst! Voller Zuneigung betrachtete Harry seine besten Freunde die in der ersten Zeitlinie für ihn gestorben waren.
"Du bist manchmal unmöglich Ronald Weasley!" rief in diesem Moment Hermine und ließ den Rotkopf stehen.
"Was hat sie jetzt nur wieder? Die nervt tierisch!" brummelte Ron sauer.
'Oje, das braucht noch jede Menge Arbeit!' seufzte Harry innerlich.
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Die nächsten Wochen verflogen wie im Nu. Harry genoss die Freiheiten, die ihm die Anwartschaft bot, in freien Zügen und lockerte langsam aber sicher die bisher starren Strukturen zwischen den Hogwartshäusern auf. Immer öfter wurde von der Lehrerschaft beobachtet, dass sich die Schüler vermischten. Noch bezog sich das nur auf die ersten Jahrgänge aber der Wandel war eingeleitet. Dumbledore betrachtete diese neue Entwicklung mit Wohlgefallen.
Harry Potter war auch das Thema bei einen der regelmäßigen Versammlungen des Lehrkörpers, bei denen die Entwicklungen der Jahrgänge besprochen wurden.
"Irgendetwas Außergewöhnliches?" fragte Albus milde, nachdem die Hauptpunkte abgehakt waren.
"Der junge Potter!" meldete sich McGonegall.
"Ja, Minerva?" nickte ihr Albus zu.
"Ich konnte nicht umhin zu bemerken, dass sich der Junge im Unterricht stark zurücknimmt. Er scheint sich oft zu langweilen und wirkt auf dem ersten Blick unkonzentriert. Doch wenn ich ihn eine Frage stelle, beantwortet er sie perfekt. Im Gegensatz zu Miss Granger, deren Antworten mehr oder weniger wortwörtlich den Büchern entnommen sind, gehen seine Antworten tiefer in die Materie als ich es je bei einem Schüler erlebt habe. Er hat ein Verständnis für die Mechanik hinter Bann und Zaubersprüchen das außergewöhnlich ist. Potter versteht es wirklich." erklärte sie ihren Kollegen.
Professor Flitwick nickte zustimmend aber hielt sich mit einen Kommentar weitgehends zurück. Er wollte nicht, dass seine Privatstunden bekannt werden, aber er stimmte mit Minerva voll überein. Der Junge war ein Juwel.
"Ich kann Minervas Beobachtungen nur bestätigen. Der junge Potter hat mich ein oder zweimal angesprochen und wir führten intensive Gespräche über arithmetische Berechnungen. Er legte mir eine Leistungskurve für Schutzschirme vor, die er selbst erstellt hatte und ich war verblüfft. Ich kann es auf jeden Fall kaum erwarten bis ich ihn in meine Finger bekomme!" verriet Professor Vektor, die Lehrerin für Arithmetik, mit leuchtenden Augen.
"Ich hoffe doch nur im bestem akademischen Sinne?" funkelten Albus' Augen wie verrückt.
"Wie? Merlin. Nicht doch, Albus." errötete die Professorin und winkte kichernd ab.
Severus Snape schnaubte spöttisch.
"Ja, Severus. Du wolltest ebenfalls etwas dazu sagen?" musterte ihn Albus über seine Halbmondbrille.
"Ganz gewiss nicht! Wenn ihr weiter Potter so über den grünen Klee lobt wird mir bestimmt noch übel!" behauptete der Trankmeister zynisch.
"Du klingst ja fast eifersüchtig Severus!" sagte McGonegall süßlich.
Was ihr einen funkelnden Blick von Snape einbrachte der aber an die Transfigurationsprofessorin völlig verschwendet war.
"Quintin?" fragte Albus den Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Der junge Professor zuckte zusammen und schien sich auf seinen Stuhl zu kauern.
Severus schnaubte erneut.
"Äh... i...ich kann n...nicht viel aus...sagen. In m...meinen Unterricht i...ist er u...unauf...fällig!" stotterte Quirrell.
"Merkwürdig!" murmelte Albus nachdenklich. Der Junge prunkte mit so viel Begabung und ausgerechnet in Verteidigung war er unauffällig? Das passte irgendwie nicht zusammen.
"Ich kann nur sagen, dass er in meinen Unterricht etwas über den Durchschnitt liegt. Wer mich aber überrascht hat, ist der junge Longbottem. Der Junge kennt wirklich seine Pflanzen und hat ein absolutes Händchen dafür. Ein Naturtalent in Herbology wie es sie nur selten gibt. Es ist wirklich bedauerlich, dass er nicht in meinen Haus ist!" meldete sich Professor Sprout zu Wort und schnalzte traurig mit der Zunge.
"Er ist schon im richtigen Haus, meine Liebe. Aber es freut mich zu hören, dass du endlich einen Gleichgesinnten gefunden hast!" lächelte Albus sanft.
"Potter steckt für meinen Geschmack viel zu oft die Köpfe mit den Weasleybengeln zusammen. Das hat sicher nichts Gutes zu bedeuten!" knurrte Finch dunkel.
"Harry ist ein guter Junge!" warf Hagrid sofort ein.
"Es gibt keine guten Jungen!" biss Finch zurück.
"Argus!" mahnte Albus.
"Ist doch wahr, Schulvorsteher!"
"Ich weiß nur, dass er ein Ass auf dem Besen ist. Besser noch als sein Vater!" sagte Madame Hooch.
"Unwesentlich und unwichtig!" tat es Snape ab.
"Quidditch ist nicht unwesentlich!" erwiderte die Fluglehrerin empört und ihre gelben Falkenaugen funkelten.
"Das habe ich auch nicht behauptet!" funkelte Severus zurück.
"Kinder, Kinder!" schüttelte Albus missbilligend das Haupt. Manchmal fragte er sich wer schlimmer war? Die Schüler oder ihre Lehrer?
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Von all dem bekam Harry natürlich nichts mit. Er wäre wahrscheinlich noch vorsichtiger in seinen Aktionen gewesen, wenn ihm bewusst geworden wäre, dass er jetzt schon die Aufmerksamkeit der Lehrer erregt hatte. So behielt er seinen Fahrplan ein und besuchte regelmäßig den Raum der Wünsche um zu trainieren. Nachts, wenn alle schliefen und das Schloss im dunklen lag, schlich er sich durch die Schatten in die Bibliothek um Nachforschungen anzustellen. In der ersten Zeitlinie hatte er nicht mehr die Möglichkeit gehabt die umfangreiche Hogwartsbibliothek zu nutzen. Der Hauptteil der seltenen Bücher war bei dem Fall der Schule mit zerstört worden und so war altes und seltenes Wissen unwiderruflich verloren gegangen.
Was Harry interessierte waren eventuelle Berichte über Schattenmagier. Selbst Nicholas hatte ihm in dieser Hinsicht nicht viel weiterhelfen können.
Es war in der Woche vor Halloween als er endlich fündig wurde. Im beschränkten Abschnitt fand er einen alten Folianten ohne Aufdruck. Es war ein relativ dünner Band und Harrys Finger waren schon ein paar Mal über den schmalen Rücken gestrichen bis er ihn endlich herauszog. Der Einband war aus schwarzem Leder und fühlte sich seltsam unter seiner Berührung an. Dies war eigentlich auch der Grund gewesen warum er das Buch gewählt hatte. Vorsichtig tastete er mit seinen Sinnen nach dem Buch. Eine Vorsichtsmaßnahme die er im Krieg übernommen hatte. Und auch hier waren viele Schutzbanne vorhanden. Die meisten dienten der Erhaltung aber eben nicht alle. Es gab auch ein paar unbekannte und vermutlich dunkle Flüche.
"Donnerwetter! Und das in Hogwarts!" murmelte der Junge erstaunt. "Hmm, das dauert hier zulange!" ordnete er das Buch wieder ein und wandte sich ab. Verblüfft blieb er stehen. 'Seltsam! Warum habe ich es wieder zurückgestellt?', wunderte er sich und drehte sich dem Regal wieder zu. Sofort erlahmte sein Interesse und er wandte sich achselzuckend erneut ab, nur um wiederum in seinen Schritt zu verhalten. Wollte er nicht ein Buch mitnehmen? Als sein Blick über die Buchrücken flog verspürte er einen plötzlichen Abscheu.
"Was soll das alles? Ist wieso nicht wichtig!" kam ihn der Gedanke.
'Stopp! Verflucht, ich werde beeinflusst!', wurde es ihm bewusst. Er atmete tief durch und erhöhte seine geistigen Schilder bis zum Maximum. Trotzdem verspürte er die Beeinflussung immer noch, doch sie war lange nicht mehr so ausgeprägt. Als er das Buch wieder in die Hand nahm, glaubte er ein dunkles Knurren zu hören. Es wurde lauter, bis er den Band aufschlug und verstummte dann schlagartig. Plötzlich war auch der Druck fort und er seufzte erleichtert. Wer immer das Buch verzaubert hatte, war verdammt geschickt und auch mächtig gewesen.
'Was ist an dir so wichtig, dass es verborgen werden muss?', fragte er sich und machte sich vorsichtig Licht. "Lumos!" flüsterte er und seine Finger fingen an zu leuchten und er konnte den Titel auf der ersten Seite entziffern:
DAS BUCH DER SCHATTEN von Ke'ptah dem Älteren
Die Schriftzeichen waren ägyptische Hieroglyphen und nur dem Studium bei Nicholas Flamel und mit Bill Weasley war es zu verdanken, dass Harry sie entziffern konnte. Wenn auch äußerst holprig. Der Namenskartusche des Autors sagte Harry rein gar nichts. Auch der Titel des Buches war ihm unbekannt und er vermutete einfach nur ein weiteres Buch über die dunklen Künste. Das änderte sich auch nicht, als er die nächste Seite aufschlagen wollte und es nicht konnte. Augenblicklich waren alle Seiten miteinander wie verbacken und bildeten einen einzelnen starren Block. Als wäre das Buch ein Lebewesen.
"Öffne dich!" versuchte es Harry erst in Parsel und als das nichts half, griff er mit seinen Schattensinnen nach dem Buch. Es zuckte zwischen seinen Finger und der starre Block erschlaffte. Ein leises Seufzen war zu vernehmen und dann Stille. Die erste Seite schlug sich selbstständig um und enthüllte einen kurzen Text.
Sei gegrüßt Schattenmeister und Bruder,
es ist das 6. Jahr der Regentschaft von Pharao Merentptah, der Sohn des großen Ramses. Mächtiger Herrscher über Ober und Unterägypten und dies ist mein Vermächtnis an dich o Bruder, entzifferte Harry mühselig.
Merlin, dies könnte ein Buch des letzten bekannten Schattenmagiers sein, fuhr es Harry durch den Kopf. Der große Ramses? Hmm, wenn er sich richtig erinnerte, dann lag dessen Regierungszeit über 3000 Jahre zurück. Hatte er endlich etwas gefunden, das ihm helfen würde? Ehrfürchtig strich Harry über die Seite und befühlte das Material. Es war sehr dünnes Papyri, dass sich trotz 3000 Jahren immer noch geschmeidig und fest zwischen seinen Fingern anfühlte. Ke'ptah musste unglaublich mächtig gewesen sein, um die Zauber nach all der Zeit noch aktiv wirken zu lassen. Was ihn verwunderte war die Buchform. Soweit er wusste, schrieben die alten Ägypter auf Schriftrollen und banden keine Bücher.
Entschlossen klappte er das Buch zu und schob es sich unter das Hemd. Das Rätsel konnte warten bis er in seinem Zimmer war. Lächelnd glitt er durch die Schatten zurück in die Slytherinkerker.
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Erst am Wochenende hatte Harry die Zeit sich in seinen Fund zu vertiefen. Am Samstagabend, als er sich auf sein Zimmer zurückzog, schlug er das Buch erneut auf und legte einen weiteren Band über ägyptische Hieroglyphen daneben. Es würde langwierig werden aber er freute sich auch darauf.
Als er das nächste Mal einen Blick auf die Uhr warf, war es bereits früh am Morgen.
"Shit!" seufzte er und dehnte seine verspannten Muskeln.
Ke'ptahs Geschichte hatte ihn in seinen Bann gezogen und sein Geist wurde von Bildern überschwemmt, die das Leben am Hofe der Pharaonen zeigten. Der alte Schattenmagier hatte fünf Pharaonen als Ratgeber und auch Hofzauberer gedient. Und nicht irgendwelche Könige. Oh, nein. Es waren solch bedeutende Namen wie Haremhab, Ramses der Erste, Sethos und Ramses II, der heute Ramses der Große genannt wurde.
Ke'ptah war hoch geachtet und auch gefürchtet, doch seine Treue galt dem Thron. Er war schon alt gewesen als Echnaton, der Ketzerkönig, regierte und das Reich in Chaos stürzte. Doch erst Haremhab, der letzte König der 18. Dynastie, rief ihn zu Hofe.
Das bemerkenswerteste aber war die Tatsache, dass es Ke'ptah war, der unter Ramses II. die Dementoren erschuf. Er nannte sie seelenlose Schatten, doch die Wirkung die er beschrieb, ließ nur eine Schlussfolgerung zu: Es waren eindeutig Dementoren. Heute noch so gefürchtet wie vor 3000 Jahren. Ke'ptah schuf sie für seinen König, um in dessen Feldzug gegen die Hethiter zu kämpfen. Davon wusste sicher heute keiner mehr und auch, dass es an den Dementoren lag, dass die stolzen Hethiter so schnell und erbarmungslos geschlagen wurden. Ramses triumphierte und Ke'ptah hatte anschließend das Problem, wohin mit den seelenlosen Schatten?
Er verbannte sie, weit fort vom Reich am Nil, auf eine einsame Insel, hoch oben im Norden. Dort wo es kalt und dunkel war und die See grau und stürmisch. Er verbannte sie nach Aszakabar und versiegelte sie dort.
Nur ein Schattenmagier war imstande sie zu befehlen und zu beherrschen, doch Ke'ptah erkannte auch, dass es ein Fehler gewesen war, diese Wesen zu schaffen. Leider verbot ihm sein Herr und König sie zu vernichten und Ke'ptah gehorchte.
Harry schwirrte der Kopf. Aszakabar war vermutlich der alte Name für Askaban und hatte er eine Möglichkeit gefunden, die Dementoren loszuwerden? Er musste das Buch genauer studieren, beschloss er hundemüde. Aber nicht mehr heute Nacht. Eine weitere unbeantwortete Frage, war die Tatsache, dass Mr. Ollivander behauptet hatte, den letzten Schattenmagier persönlich gekannt zu haben. Hatte sich der alte Stabmachermeister damals in Ägypten aufgehalten? Harrys letzte bewusste Gedankenbilder zeigten Ollivander und Ke'ptah zusammen unter Palmen sitzend und freundschaftlich plaudernd. Ein merkwürdiges Bild und doch wirkte es so richtig.
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Harry verschlief das Frühstück und wachte erst kurz vor dem Mittagessen auf. Müde schlug er die Augen auf und schwor sich augenblicklich, nie wieder eine Nacht durchzulesen. Als er am Mittagstisch auftauchte, bekam er einige neugierige Blicke zugeworfen.
"Wo warst du denn den ganzen Vormittag. Wir wollten uns doch am See treffen?" kam nach dem Essen Draco zu ihm.
"Wie? Oh, Scheiße. Habe ich total verpennt!" stöhnte der Junge auf und klopfte seine Stirn ein paar Mal auf den Tisch. "Sorry, Draco. Wirklich!" flehte er mit großen Augen.
"Ausnahmsweise. Also, was war?" gab der Blonde nach.
"Die Nacht durchgelesen und voll verschlafen!" gestand Harry kleinlaut.
"Du bist schlimmer wie die Granger!" schüttelte sein Freund den Kopf. "Komm mit. Wir gehen an die frische Luft!" schnappte er sich Harry und zog ihn aus der großen Halle.
Neville, Ron, Hermine und Susan warteten bereits auf sie und Harry entschuldigte sich gleich mehrmals. Hermines Missbilligung verflog als sie den Grund hörte. Eine Nacht mit Büchern entschuldigte bei ihr beinahe alles. Ron hingegen schauderte. Das war völlig jenseits seines Verständnisses. Wenn es sich wenigstens um Quidditch gehandelt hätte?
Der Gang um den See und die Scherze seiner Freunde vertrieben den dumpfen Druck in Harrys Kopf. Das blieb so bis Ron, ein für Harry, empfindliches Thema ansprach.
"Ich freue mich schon total auf Halloween!" sagte der Rotschopf begeistert.
"Ich habe gehört, die Dekoration der großen Halle ist jedes Jahr außergewöhnlich!" merkte Hermine an.
"Cedric sagte, sie würde jedes Jahr opulenter!" meinte Susan dazu.
"Cedric?" lächelte Neville und Susan errötete.
"Wer ist denn Cedric?" wollte Hermine wissen.
"Ein Junge aus meinem Haus!" verriet Susan verträumt. Sie schwärmte für den Gutaussehenden Teenager mit den warmen Augen. Eine hoffnungslose Schwärmerei. Susan war erst 11 und Cedric bereits 14 und dessen Träume drehten sich um Cho Chang, dem schönen Ravenclawmädchen.
"Was ist mit dir Harry? Vorfreude auf Halloween?" fragte Neville.
"Nicht sehr, Leute!" brummelte Harry.
"Aber warum?" fragte Ron bestürzt, doch Harry sah ihn nur traurig an.
"Oh! Wie pietätlos von uns. Entschuldige bitte, Harry!" sagte Hermine weich.
"Schon gut Hermine. Es ist kein Tag den ich feiere, doch das heißt deswegen noch lange nicht, dass ihr meinetwegen Trübsal blasen müsst. Genießt bitte den Feiertag und macht euch um mich keine Sorgen!" lächelte Harry schief.
"Wieso, was ist denn? Es ist doch nur Halloween!" wunderte sich Ron und diesmal war es Neville der ihm einen Klaps auf dem Hinterkopf verpasste.
"Ron, du hast die emotionale Tiefe eines Steines!" schimpfte Hermine los und der rothaarige Junge schrumpfte automatisch um ein paar Zentimeter.
"Geologen würden diese Behauptung anfechten!" murmelte Draco ironisch. Harry verbarg sein Grinsen hinter einer stoischen Maske. Der blonde Ravenclaw hatte wirklich eine spitze Zunge.
"Lass es gut sein Hermine. Ich verlange nicht, dass jedem die Bedeutung dieses Datums sofort bewusst wird!" griff er schlichtend ein. Hermine, die bereits Luft geholt hatte, um eine Standpauke abzulassen, nickte und entspannte sich wieder.
"W... was habe ich denn gesagt?" fragte Ron kleinlaut.
"Harrys Eltern wurden an Halloween ermordet!" erinnerte ihn Neville leise. Ron riss die Augen auf und schluckte schwer.
"Oh verdammt! Ich und mein großes Maul!" ächzte er.
"Ja, ein unschlagbares Paar!" lästerte Draco.
"Das genügt, Draco!" mahnte Harry.
"Tut mir Leid, Harry. Ich habe es wirklich vergessen!" stammelte Ron beschämt.
"Halb so schlimm, Freund!" lächelte Harry. "Ihr könntet aber die Augen aufhalten. Irgendwie habe ich so ein komisches Gefühl, dass an diesem Tag etwas geschehen könnte. Passt also auf!" sagte er ernst.
"Eine Vorahnung?" fragte Neville vorsichtig.
"Man könnte es so nennen!" erwiderte der schwarzhaarige Junge ominös.
Niemand mehr erwähnte den kommenden Halloweenball und nach einigen Minuten verkrampfter Gespräche entspannten sich alle wieder und die Laune besserte sich dramatisch. Den Rest des Tages verbrachte Harry und seine Freunde mit Spielen und leichten Gesprächen.
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Dann war Halloween da. Harry stand an diesem Tag mit einen Gefühl auf, das zwischen Abscheu und Erregung schwankte. Wenigstens würde dieses Mal nicht Hermine in Gefahr geraten. Der junge Gryffindor hatte bereits entschieden, dass er es diesmal den Lehrern überlassen würde.
Der Vormittag verlief ergebnislos. Im Zauberkunstunterricht bildete er mit Neville zusammen ein Paar und 'probte' den Schwebezauber. Professor Flitwick ging aufmerksam durch die Reihen und spornte die Schüler immer wieder an.
"Keine Lust, Mr. Potter?" fragte er den Jungen vergnügt.
"Aber sicher doch, Sir. Ich helfe nur im Moment Neville ein wenig aus!" hüstelte Harry verlegen.
"Sehr liebenwürdig. Nur weiter so!" lächelte Flitwick und blinzelte dem Jungen unauffällig zu. Professor Flitwick war ja der einzige der über Harrys Fähigkeiten ein wenig Bescheid wusste und es war ihm nur zu gut bewusst, dass der junge Potter im Unterricht nicht auffallen wollte. Seine Gedanken wurden in diesem Moment abgelenkt, als der junge Mr. Weasley unterdrückt fluchte. Filius verbarg sein Lächeln geschickt und missachtete großzügig den verbalen Ausbruch des Jungen. Er war nicht der einzige Schüler der so reagierte und er würde nicht der letzte sein. Der Schwebezauber war einer der ersten Hürden für einen jungen Zauberer und war am Anfang schwierig zu meistern. Es bedurfte einer erheblichen Menge an Konzentration und auch Willen um ihn zu bewältigen. Dies war einer der ersten Knackpunkte und auch ein wichtiger Indikator in der Ausbildung und der Zauberkunstprofessor wusste, dass danach die nächsten Zauber leichter fallen würden. Als Ron etwas kräftiger fluchte, erbarmte sich der Professor dann doch.
"Wutschen und schnipsen, denken sie daran, Mr. Weasley, wutschen und schnipsen. Und die Zauberworte richtig herzusagen ist auch sehr wichtig - denkt immer an Zauberer Baruffio, der r statt w gesagt hat und plötzlich auf dem Boden lag - mit einem Büffel auf der Brust." streute er eine kleine Anekdote dazwischen.
Rons Ohren brannten und er nickte brav, bevor er es weiter mit Wutschen und schnipsen probierte.
"Bleib cool Ron und atme tief durch und spreche den Zauber richtig!" griff Harry ein.
"Das bekomme ich nie hin!" stöhnte Ron verzweifelt.
"Klaro wirst du das. Und danach wirst du darüber lachen wie einfach es im Grunde ist!" lächelte Harry. Ron nickte zögernd und schloss kurz die Augen bevor er seinen Zauberstab entschlössen auf die verflixte Feder richtete.
"Wingardium Leviosa!" betonte er korrekt und zog auch das gar schön lang. Gleichzeitig vollführte sein Zauberstab die richtigen Bewegungen. Die Feder zitterte und erhob sich langsam in die Höhe. Erst ein paar Zentimeter und dann selbstsicherer gut einen Meter empor.
"Bravo, Mr. Weasley. Bravo! 10 Punkte für Gryffindor!" rief Flitwick begeistert.
"Wow! Absolut Wow. Sieh dir das an, Harry. Ich kann es!" rief Ron voller Stolz.
"Krass! Wie war das nochmals? Wutschen und schnipsen?" war Seamus beeindruckt und starrte voller Abscheu auf seine Feder, beziehungsweise was davon übrig war, denn sie war gerade eben in Flammen aufgegangen.
"Donnerwetter, Ron. Äh, kannst du es mir auch noch mal zeigen?" wandte sich Neville an Harry.
"Sicher!"
Filius Flitwick beobachtete mit einem feinen Lächeln wie der junge Harry seinen Mitschülern half. Es war überraschend, wie gekonnt und auch abgeklärt der gerade erst 11jährige manchmal handelte. Wenn er es nicht besser wüsste, so würde Filius fast annehmen, dass Harry nicht zum ersten Male unterrichtete. Aber der Gedanke war absurd, kicherte der kleine Zauberkunstprofessor lautlos in sich hinein.
Neville vollbrachte es immerhin, mit Harrys Hilfe, seine Feder ein paar Zentimeter anzuheben. Der pummelige Junge strahlte und war so stolz wie Ron, der seine Feder immer besser in den Griff bekam.
"Schade, dass Hermine nicht hier ist um das zu sehen!" sagte er gedankenverloren.
Neville warf Harry einen amüsierten Blick zu und die beiden Jungen fingen an zu kichern.
"Was?" zerbrach Rons Konzentration.
"Nichts, Ron. Absolut nichts!" versicherte ihm Neville treuherzig.
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"War das nicht cool?" schwärmte Ron als die Klasse aus dem Zimmer strömte.
"Ja, Ron. Es war so was von cool!" bestätigte Seamus mittlerweile zum dritten Mal und wirkte ziemlich genervt.
"So cool!" hauchte der Rotschopf andächtig und bemerkte nicht die Blicke der anderen.
"Wenn er noch einmal cool sagt...!" murmelte Dean sauer und seine Finger umschlossen seinen Zauberstab.
"Gönnt ihm den Triumph, Jungs. Er wird sich schon wieder einkriegen!" grinste hingegen Harry.
"Oh, da vorne ist Draco. Ich muss es ihm gleich erzählen!" entdeckte Ron den blonden Jungen und stürmte los.
"Das wird ein langer Tag werden. Vertraut mir!" murmelte Neville und verdrehte die Augen.
"Ach den Schwebezauber? Du als einziger? Respekt, Weasley!" konnte Harry Draco antworten hören als sie die beiden erreichten.
"Nicht wahr?" grinste Ron.
"Hi Draco. Wo ist denn Hermine?" grüßte Harry lässig. Dracos Gesicht verdunkelte sich und er deutete unbestimmt hinter sich.
"Die ist am Weinen. Corner hat sie nach dem Unterricht ziemlich blöde angelabert. Ich habe noch versucht sie zurückzuhalten aber sie hat sich in der Mädchentoilette eingesperrt!" erzählte er leise.
Harry hatte das Gefühl, dass seine Innereien zu Eis erstarrten. Das durfte doch nicht sein! Hermine war doch nicht mehr in Gryffindor und Ron hatte sie nicht beleidigt! Merlin, das konnte doch nicht wahr sein. Warum, zur Hölle nur, konnte nicht einmal was glatt laufen?
"Corner hat was?" rief Ron wütend.
"Harry? Ist alles in Ordnung. Du siehst aus, als würde es dir gleich übel werden!" fragte Draco besorgt.
"Yeah! Du bist so blass, Kumpel!" bemerkte es jetzt auch Ron.
"Nur ein leichtes Unwohlsein. Geht schon wieder!" versicherte Harry bevor er noch etwas in seinen Bart murmelte und dann die anderen stehen ließ.
"Was ist denn mit dem auf einmal los?" wunderte sich Ron und sah dem schwarzhaarigen Jungen verblüfft hinterher.
"Hast du den letzten Satz verstanden?" war Draco genauso ratlos und Neville zuckte unsicher mit den Schultern.
"Ich bin mir nicht ganz sicher aber es hörte sich an, als hätte er gesagt... Schicksal sei eine Hure?" sah Nev fragend zu den Jungs.
"Habe ich doch richtig verstanden!" meinte Draco irritiert.
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Harry war sauer. Nein, genauer gesagt, er war stinkesauer. Er befand sich mittlerweile im Raum der Wünsche und ließ gehörig Dampf ab.
"Gottverfluchte Scheiße! Warum nur? Warum kann nicht einmal alles ohne Probleme über die Bühne gehen?" fluchte er und feuerte bei jedem Wort einen stablosen Fluch auf die Übungsattrappe.
"AARRGGGGHHH!" brüllte er und der letzte Fluch war so stark, dass der Dummy explodierte. Keuchend stand der Junge dort und sah blicklos auf die zerstörte Attrappe. Nur langsam beruhigte er sich wieder und die Spannung verließ seinen Körper.
"Uhh! War ich das?" murmelte er überrascht und vor allem verlegen. Er hatte eigentlich nicht so die Beherrschung verlieren wollen! Gut, dass es keiner gesehen hatte, fuhr es ihm verlegen durch den Kopf. "Herrje!" wurde er rot und eine flüchtige Handbewegung setzte den Dummy wieder in den ursprünglichen Zustand zurück. Ein weiterer Gedanke, verwandelte den Übungsraum in ein gemütliches Wohnzimmer. Seufzend ließ sich Harry in einen der Sessel fallen und fing an zu überlegen.
Er würde erneut gegen den Troll kämpfen aber diesmal in einer anderen Art und Weise. Voldemort würde sich wundern. Ein schmales Lächeln zierte auf einmal Harrys Lippen.
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Ein wenig später schloss er sich seinen Freunden wieder an und wich allen Fragen mit dem Hinweis aus, dass er wütend gewesen war. Es war nicht einmal gelogen.
"Was machen wir jetzt mit Hermine?" fragte Neville besorgt.
"Wir lassen sie in Ruhe. Mädchen sind anders strukturiert als wir. Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede. Ginny bekommt auch immer wieder so nen Koller!" behauptete Ron.
"Bist du dir sicher, Weasley?" war Draco nicht überzeugt.
"Wer ist hier derjenige mit einer Schwester?" hob Ron herausfordernd das Kinn.
"Du! Aber das macht dich noch lange nicht zum Spezialisten!" erwiderte Draco genauso herausfordernd.
"Gebt Frieden Jungs! Wenn Hermine sich nicht bis nach dem Essen beruhigt hat, werden wir sie holen. Einverstanden?" sah Harry die Jungs fragend an.
"Wir könnten auch aber auch Susan zu ihr schicken?" warf Neville ein.
"Hey! An Susan habe ich gar nicht gedacht!" gab Harry zu und nickte dann. "Sehr gute Idee, Nev. So machen wir es!" lächelte er erleichtert.
Es dauerte ein Weilchen bis sie Susan gefunden hatten. Das blonde Hufflepuffmädchen wusste bereits von dem Vorfall und hatte sich Hermine genähert und war abgewiesen worden.
"Sorry Jungs. Ich war bei ihr und sie hat mich mehr oder weniger aus dem Mädchenklo rausgeschmissen. Seid vorsichtig! Sie hat eine echt üble Laune!" schauderte Susan.
"Hat... hat sie geweint?" fragte Ron vorsichtig.
Susan schnaubte.
"Sie hat eher Flammen gespuckt. Hermine ist nicht geknickt, sie ist sauer. Gebt ihr Zeit und sie wird sich wieder beruhigen. Vertraut mir!" fing sie an zu grinsen.
"Ich dachte, sie wurde übel beleidigt?" war Harry verwirrt.
"Oh, das wurde sie auch und ich bin mir sicher, dass Michael Corner es noch sehr bereuen wird." war sich Susan sicher.
"Erstaunlich!" murmelte Harry. Es war also doch anders als beim ersten Mal. Damals war Hermine völlig aufgelöst gewesen und jetzt war sie so wütend, wie er vorhin. Man sollte sich doch erst alle Fakten einholen, bevor man zu Abschlüssen springt, dachte er verlegen.
"Danke Susan. Da bin ich echt erleichtert. Mit einer wütenden Hermine kann ich eher leben als mit einer schluchzenden!" erklärte er.
"Ich werde dich bei passender Gelegenheit an diese Worte erinnern!" grinste Draco.
"Tue das!" grinste Harry zurück.
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Der Rest des Tages verlief ohne weitere Zwischenfälle, sah man von Michael Corners schuldbewussten Blicke ab, wann immer er einen aus der 'Gang' über dem Weg lief.
"Er wartet sicher darauf, dass einer von uns ihn verflucht!" kicherte Neville.
"Das überlassen wir lieber Hermine!" gluckste Ron.
Dann war es an der Zeit für das Festessen. Nachdem sich die Jungs in bessere Roben geschmissen hatten, trafen sie sich mit Susan und Draco im Treppenhaus, um zusammen nach unten zu gehen.
"Wow! Böse!" hauchte Ron andächtig als er die geschmückte große Halle erblickte. Überall waren Kürbisse mit schrecklichen Fratzen verteilt. Hunderte Fledermäuse schwirrten über ihren Köpfen und aus der Ferne war Wolfsgeheul zu vernehmen. Viele der Schüler trugen Kostüme oder hatten sich verkleidet. Mit einem Wort: Spooky!
Als alle Schüler endlich Platz genommen hatten, erhob sich Albus Dumbledore von seinem Stuhl. Der alte Schulvorsteher prunkte mit einer wirklich phantastischen Robe. Sie war noch schriller, als die, die er sonst trug. Und das sollte was heißen.
"Ahh, Willkommen Kinder. Willkommen zu unserem Halloweenbankett!" breitete er die Arme aus und lächelte. "Steckt rein!" funkelten seine Augen und plötzlich bogen sich die Tische förmlich unter den tollsten Speisen.
"Yeah!" rief Ron begeistert und langte zu.
Es war noch während des Essens, als Professor Quirrell mit verrutschtem Turban und angstverzerrtem Gesicht in die Halle gerannt kam. Aller Blicke richteten sich auf ihn, als er Professor Dumbledores Platz erreichte, gegen den Tisch rempelte und nach Luft schnappend hervorstieß:
"Troll - im Kerker - dachte, Sie sollten es wissen."
Dann sank er ohnmächtig auf den Boden.
Mit einem Mal herrschte heilloser Aufruhr. Etliche purpurrote Knallfrösche aus Professor Dumbledores Zauberstab waren nötig, um den Saal zur Ruhe zu bringen.
"Präfekten! Führt eure Häuser zurück in die Schlafsäle." befahl er.
Harry beobachtete derweil Quirrell und schnaubte spöttisch.
'Grottenschlechte Vorführung. Erbärmlich.', war sein lautloser Kommentar.
Inzwischen war Percy in seinem Element.
"Folgt mir! Bleibt zusammen, Erstklässler! Kein Grund zur Angst vor dem Troll, wenn ihr meinen Anweisungen folgt! Bleibt jetzt dicht hinter mir. Platz machen bitte für die Erstklässler. Pardon, ich bin Präfekt!" plusterte er sich wichtig auf. Er führte die Erstklässler unverzüglich in Richtung des Gryffindorturmes.
Harry ließ sich unauffällig zurückfallen und als keiner hinsah, verschmolz er mit den Schatten und eilte schnurstracks auf das Stockwerk wo er den Troll vermutete. Er musste nicht lange suchen. Als erstes nahm er einen beißenden Geruch wahr und dann sah er den massigen Umriss des Trolls, der fast den gesamten Korridor ausfüllte. Noch hatte der Troll die Mädchentoilette, und damit Hermine, nicht erreicht und Harry wollte es auch erst gar nicht so weit kommen lassen. Entschlossen schritt er in den Weg des Trolls und hob befehlend die Hand.
"STOPP!
TBC...
A/N: Ja, ich weiß, ich weiß. Böser Cliffie. Hehe. Was wird Harry wohl mit dem Troll machen? Schreibt mir eure Ideen, denn ich würde gerne wissen, wie viele in die Nähe der Lösung kommen. Wie hat euch die Idee mit dem alten Ägypten und das Buch der Schatten gefallen? Bis zum nächsten Mal,
Marius
