VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.

A/N: Wow. Ich bin echt begeistert über eure Reaktionen. Vielen Dank auch. Einige der Reviewer hatten Ideen, die in die richtige Richtung deuteten. Aber ihr werdet selbst sehen. Doch wie wird Voldemort reagieren, nachdem Harry seinen Plan erfolgreich durchkreuzt hat? Nicht gut, kann ich verraten. Es steht das obligatorische Quidditchspiel zwischen Gryffindor und Slytherin an und auch hier habe ich mich ein wenig aus dem ersten Buch bedient. Mit Abweichungen natürlich. Es sei nur soviel verraten...! Ne, doch nicht. Lest lieber selbst. Und bitte, seid weiterhin so fleißig mit euren Reviews. Ich brauche einfach den Stoff... Lechz. Euer Reviewjunkie...

Marius

ooOOoo

Kapitel 16

Lurg der Troll war wütend und irritiert. Es roch hier überall nach Mensch. Lurg mochte keine Menschen. Sie schmeckten schlecht und waren ziemlich nervig. Aber noch weniger mochte er Zauberer. Wo war er hier nur? Gerade noch war er in seinem Revier in den Bergen gewesen und jetzt war er wo anders.

Lurg war verwirrt und das machte ihn wütend.

Eine gefährliche Mischung für einen Bergtroll. Trolle waren einfache Geschöpfe mit einer sehr niedrigen Wutschwelle. Ein ausgewachsener Troll erreichte gut und gerne eine Höhe von über drei Meter und wog rund eine halbe Tonne. Eine halbe Tonne sehniges Muskelfleisch. Ihre Intelligenz lag etwas über dem Level eines Gorillas und sie hatten sogar ihre eigene Sprache. Trollisch war eine Mischung aus Knurr, Grunz und Zischlauten, aber sie genügte, um das Wichtigste auszudrücken. Trolle waren keine Tiere und deswegen waren sie um einiges gefährlicher. Und es war ihnen nur sehr schwer beizukommen. Es gab nicht viel, was einem Troll schaden konnte. Die meisten Zauber prallten von ihnen ab und ihre Haut war dick und zäh. Dazu ihre Kraft, die nur von der eines Riesen, Oger oder Drachen übertroffen wurde. Wegen ihrer Aggressivität lebten Trolle als Einzelgänger und nur zur Paarungszeit waren größere Ansammlungen von Trollen zu beobachten. Nach der Begattung des Weibchen trennten sich die Wege von Trollen sofort wieder. Die Natur hatte es so eingerichtet, denn sonst hätten sich die Trolle wohl schon lange gegenseitig ausgelöscht. Das soziale Verhalten erinnerte an die großen Bären wie der nordamerikanische Kodiak und der Vergleich war gar nicht mal so weit hergeholt. Nur trugen Kodiaks keine Keulen, die gut und gerne 120 Kilogramm wogen.

Lurg wollte zerstören, zermatschen, zermalmen und brüllte herausfordernd. Dann roch er ein junges Menschenweibchen und seine großen Nüstern sogen ihren Geruch tief ein. Eine Hexe. Er konnte die Magie in ihrem Schweiß riechen. Sicher war es die Hexe die ihn aus seinem Revier gezogen hatte. Entschlossen schob er seinen massigen Körper durch die für ihn schmalen Gänge und näherte sich unaufhaltsam der bösen Hexe.

Bis ihm auf einmal ein anderer, fremder Geruch in die Nase stieg. Es befand sich noch jemand in dem dunklen Gang.

Lurg schnüffelte und versuchte den Geruch zu schmecken. Was immer dieses Wesen war, es roch... gefährlich. Fremdartig und doch so vertraut. Lurg kniff seine kleinen Augen zusammen und versuchte etwas zu erkennen. Doch er sah nur Schatten die sich bewegten und wogten. Plötzlich erhob sich einer der Schattententakel und Lurg vernahm ein Wort, dessen Macht ihn in seinen Schritten innehalten ließ.

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"STOPP!" rief Harry und benutzte seine Schattenmacht. Zu seiner Überraschung blieb der Troll stehen und grunzte. Es klang irgendwie fragend. Vorsichtig tastete er nach dem Troll und konnte Verwirrung, gedämpfte heiße Wut und auch ein wenig Furcht erkennen.

Der Troll wollte nicht hier sein! Er wollte nach Hause! Hatten Trolle ein Zuhause? Für eine Sekunde schoss Harry ein Bild durch den Kopf das ihn beinahe laut lachen ließ. Es zeigte den Troll mit dem Gesicht von Onkel Vernon, gemütlich in einen Ohrensessel sitzend und die Samstagszeitung lesend. Die beiden hatten wirklich Ähnlichkeit.

Harry riss sich zusammen und lachte nicht. Eigentlich fühlte er Mitleid mit dem Troll. Vermutlich hatte ihn Voldemort einfach hierher verschleppt und dann losgelassen. Harry zögerte nicht und schickte dem Troll Gefühle von Sicherheit zu. Dann nahm er seinen Mut zusammen und näherte sich dem Geschöpf.

'Merlin! Der stinkt unheimlich. Boah!', würgte Harry und versuchte flach durch den Mund zu atmen.

Immer näher kam er dem Troll bis er direkt vor ihm stand. Der Troll grunzte etwas und kratzte sich ratlos unter der Achsel. Seine Keule hatte er längst abgesetzt aber er war wachsam. Behutsam legte Harry seine Hand auf den Unterarm des Trolls. Die Haut fühlte sich fest und fast hornig unter seiner Berührung an.

"Gehen wir!" lächelte Harry und nahm den Troll mit in die Schatten. Irgendwie wusste er auf einmal, dass der Troll sogar einen Namen hatte. Lurg hieß er und stammte aus den schottischen Bergen, gut 100 Kilometer von hier. Ein kleiner Sprung durch die Schatten.

"Uhhh?" grunzte Lurg verwirrt und fühlte sich gar nicht wohl bei ihrer Reise. Das Schattenwesen hatte ihn berührt und es hatte nicht wehgetan. Aber er traute ihm trotzdem nicht. Lurg traute keinem, nicht einmal den Trollgöttern. Aber er erkannte Macht an und dieses Schattenwesen war äußerst mächtig und deswegen wehrte er sich nicht gegen den Transport.

Die Reise dauerte zum Glück nicht lange. Das Gleiten durch die Schatten war nicht mit Apparation zu vergleichen. Es benötigte zwar mehr Zeit, dafür war es weniger irritierend und hinterließ kein Gefühl der Desorientierung. Eine angenehme Art und Weise sich fortzubewegen und Harry bevorzugte sie jederzeit vor der normalen Apparation, Flohreise oder der Reise mit einem Portschlüssel.

Lurg grunzte anerkennend als er das kleine steinige Tal erkannte. Sein Revier. Das Schattenwesen hatte ihn sogar bis vor seine Höhle gebracht. Der große Troll stieß ein triumphierendes Brüllen hervor das sich an den steilen Bergwänden brach und knallte begeistert die schwere Keule auf den felsigen Untergrund.

"Du scheinst dich zu freuen! Dann lebe wohl, Lurg der Troll!" lächelte Harry und verschwand wieder in den Schatten.

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Währenddessen war Albus Dumbledore mit Minerva McGonegall in die Kerker unterwegs um den Troll zu suchen. Schnell stellten sie fest, dass sich der Eindringling inzwischen aufwärts bewegt haben musste und eilten durch verschiedene Abkürzungen nach oben. Dort konnten sie das erste Anzeichen für den Troll feststellen.

"Es riecht hier... abscheulich!" bemerkte Professor McGonegall naserümpfend.

"Trolle haben einen wirklich charakteristischen Geruch, meine Liebe." lächelte Albus knapp.

"So kann man es auch bezeichnen. Sie stinken, Albus. Spreche es nur ruhig aus!" erwiderte Minerva.

Plötzlich hielt der Schulvorsteher inne und runzelte die Stirn.

"Was ist los, Albus?" fragte seine Stellvertreterin alarmiert.

"Der Troll! Er ist... fort?"

"Weg? Einfach so?" war die Professorin erstaunt.

"Hogwarts kann ihn nicht mehr ausmachen. Er ist definitiv fort. Merkwürdig! Wirklich merkwürdig, das ganze!" murmelte Albus nachdenklich. Er und Minerva gingen langsam weiter. Auch wenn der Troll offensichtlich fort war, so ließen sie nicht in ihrer Wachsamkeit nach. Deswegen machten die beiden vor Schreck einen kleinen Hüpfer als unmittelbar vor ihnen die Tür der Mädchentoilette aufging.

"Miss Granger!" drückte sich Minerva die flache Hand auf die Brust.

"P... Professor? Schulvorsteher?" stotterte Hermine erschrocken, da zwei Zauberstäbe auf sie gerichtet waren.

"Eindeutig kein Troll!" bemerkte Albus trocken und seine blauen Augen funkelten amüsiert.

"Was machen sie hier, Miss Granger? Sollten sie nicht im Ravenclawturm sein?" fragte Professor McGonegall scharf.

Hermine blinzelte verblüfft. Sie war nicht gewohnt von Lehrern so angeblafft zu werden.

"Es ist noch keine Ausgangssperre, Ma'am!" rümpfte sie die Nase.

"Das ist in der Tat zwar korrekt, Miss Granger. Doch es wurde allen Schülern befohlen auf ihr Quartier zurück zu kehren. Nicht ohne Grund, mein Kind. Ein Troll ist in das Schloss eingedrungen und er befand sich auf diesem Stockwerk!" griff Albus sanft ein.

"T... TROLL?" quiekte Hermine erschrocken.

"Sie wussten es nicht?" fiel es McGonegall auf.

"N... Nein, Ma'am. Ich... ich hielt mich den ganzen Nachmittag hier auf!" gestand Hermine schüchtern.

"Aber warum nur?" wunderte sich die Professorin.

"Ich hatte meine Gründe und möchte nicht darüber sprechen!" wurde Hermine rot.

"Ahh, bedrängen wir Miss Granger nicht weiter, Minerva." lächelte Albus wissend. "Husch, husch. Eilen sie zu in den Ravenclawturm, Miss Granger und melden sie sich bei ihren Präfekten. Und keine Sorge. Es werden keine Punkte abgezogen!" versicherte er ihr.

"Danke Sir. Ma'am!" nickte das Mädchen und flitzte los.

"Sie hat gar nicht realisiert in welcher Gefahr sie schwebte!" sah ihr McGonegall kopfschüttelnd nach.

"Das befürchte ich auch, meine Liebe. Seien wir froh, dass nichts weiter passiert ist!" strich sich Albus gedankenverloren über den langen Bart und sah sich unauffällig um. Warum nur hatte er das Gefühl beobachtet zu werden? Es irritierte ihn ohne Ende, sollte doch er derjenige sein der beobachtet.

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Harry war gerade noch rechtzeitig zurück gekommen um den ganzen Vorfall zu beobachten. Er hielt sich in den Schatten versteckt und war froh, dass Hermine in Ordnung war. Still verfolgte er, wie die anderen Professoren sich mit den Schulvorsteher trafen und der Alarm aufgehoben wurde. Wie damals auch, konnte er sehen, dass Snape leicht hinkte und Quirrell einige schmutzige Blicke zuwarf. Soweit lief alles nach Plan, dachte er zufrieden und ließ die Lehrer alleine.

"Wo warst du denn?" fragte ein sichtlich genervter Ron, als Harry unschuldig aus dem Bad in ihr Zimmer kam.

"Na, im Bad. Wo sonst?" erwiderte Harry arglos.

"Im Bad? Aber wir haben doch nachgesehen und du warst vorhin nicht dort!" stellte Dean misstrauisch fest.

"Wo soll ich sonst gewesen sein? Überlegt doch mal. Aus welchen Raum kam ich gerade?" spottete Harry.

"Aus dem Bad!" stellte Neville fest.

"Na Siehste!" grinste der schwarzhaarige Junge lässig. "Lust auf Schach?" fragte er Ron, dessen Augen aufleuchteten.

"Aber immer! Wie schnell willst du verlieren?" grinste er herausfordernd.

"Angeber!" brummelte Harry säuerlich. Auch wenn er technisch gesehen Mitte zwanzig war, so schaffte er es immer noch nicht, Ron zu schlagen. Der Rotschopf war ihm einfach überlegen. Nichtsdestotrotz spielte er immer wieder gegen ihn und gab die Hoffnung nicht auf, ihm eines Tages doch eine klare Niederlage zuzufügen. Es war gut für ihn, denn es lehrte ihm Demut.

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Der Vorfall mit den 'angeblichen' Troll war das Gesprächsthema in den nächsten Tagen. Professor Quirrell bekam etliche Blicke zugeworfen und stotterte noch mehr als sonst. Harry konnte Voldemorts Wut und Irritation durch die Verbindung deutlich spüren und hoffte, dass dieser nichts Unvorhergesehenes in die Wege leitete.

Die Aufregung legte sich schnell und bald waren alle wieder in dem alten Trott: Klassenarbeiten und Hausaufgaben. Es wäre sicher monoton gewesen, wenn nicht der November den nächsten Höhepunkt des Schuljahres geboten hätte.

Das erste Quidditchspiel stand an und es war der Klassiker Gryffindor gegen Slytherin.

Eigentlich war Harry, zu dem Zeitpunkt des Spiels, bei den Hufflepuffs, aber er würde immer im Herzen ein Gryffindor bleiben. Deswegen fieberte er mit Ron und den anderen mit.

"Das wird haarig. Wir haben leider keinen guten Sucher und die Schlangen sind seit Jahren mehr oder weniger konkurrenzlos. Wood wird es schwer haben eine offensive Strategie auf die Beine zu stellen. Wenigstens sind meine Brüder gut in Form!" meinte Ron fachmännisch.

Harry war bei dem Wort 'Sucher' zusammengezuckt und fühlte einen kleinen Stich. Es tat weh, wenn man nur zusehen musste. Vor allem, da er wusste wie gut er war.

"Marcus Flint hat seine Mannschaft geprügelt wie selten, habe ich gehört. Ich befürchte, es wird ein Massaker werden und ihr werdet fürchterlich über den Tisch gezogen!" merkte Draco an. Ron wollte erst vehement protestieren und setzte schon zu einer Tirade an, als er langsam die Luft wieder abließ und leicht in sich zusammen sank.

"Ich befürchte du hast Recht! Es wird eine Katastrophe werden!" stöhnte er verzweifelt auf und schlug die Hände vors Gesicht.

"Na, na, Ronald. Es ist ja nur Quidditch!" machte Hermine, trotz ihrer guten Absichten, einen Kardinalsfehler. Augenblicklich verstummten alle Gespräche um sie herum.

Ron zog die Hände weg und starrte sie entsetzt an.

"Böser Fehler!" murmelte Neville warnend.

"Auweia!" kam es erstickt von Harry.

"Nur Quidditch? NUR QUIDDITCH?" stachen Rons Sommersprossen auf seiner Nase hervor als er die Stimme erhob. Hermine zuckte zusammen.

"Rennt!" wich Draco zurück.

"Jetzt beruhige dich nur wieder, Ron. Es ist nur ein Spiel. Ich verstehe einfach deine Besessenheit dafür nicht? Wenn du nur ein bisschen dieser Begeisterung in den Lernstoff stecken würdest...!" stemmte Hermine ihre linke Faust in die Hüften und fuchtelte mit ihrer rechten vor Rons Nase herum.

Der junge Weasley wusste nicht wie ihm geschieht. Hermine wirkte auf einmal so bedrohlich wie seine Mutter.

"Was soll das Gebrülle? Miss Granger erklären sie sich!" unterbrach Professors McGonegalls strenge Stimme Hermines Tirade.

"Äh, wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit, Ma'am!" errötete das Ravenclawmädchen.

"Mr. Weasley?"

"Wie? Oh, es ging um Quidditch, Professor. Es gefällt ihr anscheinend nicht!" kam es giftig von Ron.

"Ist das so? Nun... nicht jeden kann dieser herrliche Sport gefallen, auch wenn es für mich äußerst schwer nachzuvollziehen ist." ließ die Professorin ihre Liebe für Quidditch deutlich raushängen. Was nur wenige wussten, war die Tatsache, dass Minerva McGonegall zu ihrer Zeit als Schülerin in Hogwarts eine schneidige Treiberin gewesen war. Im Trophäenraum der Schule gab es sogar einen Quidditchpokal mit ihren Namen darauf. Ein Aspekt auf den sie immer noch sehr stolz war.

"Bitte führen sie ihre Streitgespräche dort, wo sie nicht die halbe Schule hören kann. Bei Wiederholung, sehe ich mich gezwungen ihnen beiden Punkte abzuerkennen. Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt?" verkündete sie und ihr Ton wurde kühl.

"Ja. Ma'am!" nickten die beiden brav und artig.

"Das gilt auch für euch!" richtete sich ihr Blick auf Harry und seine Freunde.

"Sind schon so gut wie weg, Ma'am!" versicherte ihr Harry und machte dass er davon kam.

"Gut, dass die alte McGonegall die beiden gebremst hat. Das hätte böse ausgehen können!" murmelte Draco mit einem erleichterten Grinsen.

"Yoh, das war haarscharf!" meinte Neville.

"Hermine muss noch lernen, dass für Ron zwei Dinge unantastbar und heilig sind: Futtern und Quidditch!" erklärte Harry schmunzelnd und seine Freunde kicherten.

"Ja, genau in der Reihenfolge!" grinste Draco und das Lachen der drei Jungen erfüllte den Korridor.

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Zwei Tage später war das Eröffnungsspiel der diesjährigen Quidditchsaison. Das kleine Schulstadion war bis auf den letzten Platz gefüllt und nicht nur Schüler und der Lehrkörper waren anwesend, sondern auch einige Eltern und Besucher aus Hogsmeade, für die es eine willkommene Unterbrechung ihres doch recht eintönigen Dorflebens war.

Die beiden beteiligten Parteien schwangen bunte Banner und Spruchbänder in den Hausfarben. Es war ein farbenprächtiger Anblick. Harry saß zwischen Seamus und Ron im Bereich der Gryffindors und machte begeistert mit. Von hier aus hatte er einen guten Blick auch zur Lehrerloge und somit auf Snape und Quirrell. Genau gegenüber befanden sich die Slytherins, was schon seit Jahrhunderten so eingerichtet war. So waren die beiden Konkurrenzbewusstesten Häuser durch das ganze Spielfeld getrennt. Eine probate Vorsichtsmaßnahme.

Lee Jordan hatte seinen Platz als Kommentator eingenommen und wartete die Eröffnungsworte des Schulvorstehers ab, der sich wie immer kurz hielt.

"Willkommen zur diesjährigen Saison! Ich erwarte einen fairen Wettkampf und möge der Bessere gewinnen. Dann mal los!" lächelte er und setzte sich wieder und Applaus brandete auf, der sich sofort verstärkte als die beiden Teams mit Madame Hooch einflogen.

"Und hier kommen sie. Die Löwen von Gryffindor mit ihren Captain Olliiiiver Wooood!" brachte Lee gleich Stimmung rein. Einen Namen nach dem anderen rief er begeistert ins Stadion bis er dann zur Slytherinmannschaft kam. "Und hier die Slytherins!" machte er es kurz. McGonegall gab Lee einen schrägen Blick aber hielt sich noch zurück.

Madame Hoch gab die Bälle frei und pfiff auf ihrer silbernen Pfeife. Das Spiel hatte begonnen.

"Und Angelina Johnson von Gryffindor übernimmt sofort den Quaffel - was für eine glänzende Jägerin dieses Mädchen ist, und außerdem auffallend hübsch!"

"JORDAN!"

"Verzeihung, Professor."

McGonegalls räusperte sich missbilligend und Lee machte unbeeindruckt weiter.

"Und haut dort oben mächtig rein in den Ball, jetzt ein sauberer Pass zu Alicia Spinnet, eine gute Entdeckung von Oliver Wood, letztes Jahr noch auf der Reservebank - wieder zu Johnson und - nein, Slytherin hat jetzt den Quaffel, ihr Kapitän Marcus Flint holt sich ihn und haut damit ab - Flint fliegt dort oben rum wie ein Adler - gleich macht er ein To... - nein, eine glänzende Parade von Gryffindor-Torwart Wood stoppt ihn, und jetzt wieder die Gryffindors in Quaffelbesitz - das ist die Jägerin Katie Bell von Gryffindor dort oben, elegant ist sie unter Flint hindurchgetaucht und schnell jagt sie über das Feld und - AU - das muss wehgetan haben, ein Klatscher trifft sie im Nacken - der Quaffel jetzt wieder bei den Slytherins - das ist Adrian Pucey, der in Richtung Tore losfegt, doch ein zweiter Klatscher hält ihn auf - geschickt von Fred oder George Weasley, ich kann die beiden einfach nicht auseinander halten - gutes Spiel vom Treiber der Gryffindors jedenfalls, und Johnson wieder in Quaffelbesitz, hat jetzt freie Bahn, und weg ist sie - sie fliegt ja buchstäblich - weicht einem schnellen Klatscher aus - da sind schon die Tore - ja, mach ihn rein, Angelina - Torhüter Bletchley taucht ab, verfehlt den Quaffel - und TOR FÜR GRYFFINDOR!" brüllte Lee Jordan enthusiastisch. Man konnte nicht gerade behaupten, er wäre unparteiisch, dachte Harry schmunzelnd.

Die Gryffindors jubelten frenetisch, während die Slytherins stöhnten.

Harry genoss das Spiel und ging voll mit. Wann immer ein Tor für die Löwen fiel, jubelte er mit seinen Freunden und buhte wenn der Gegner eines erzielte. Die Slytherins gegenüber hielten es für ihre Mannschaft ganz genauso.

"Meine Güte, ist der blind?" murmelte Harry nach gut einer halben Stunde.

"Wie?" fragte Ron abwesend.

"Ken, der Sucher. Ich habe den Schnatz schon zweimal ausgemacht und der zieht völlig blind seine Kreise und behält nur Higgs im Auge." erklärte Harry.

"Uhh?" irrten Rons Augen zu Ken Hobbards, einen Gryffindor im fünften Jahr, der normalerweise nur Ersatzspieler war. Der Fünftklässler hatte einfach nicht die Klasse aber er war im Moment der einzige aussichtsreiche Kandidat für den Job. "Du hast Recht, Harry. Der ist blind wie ein Maulwurf. Sogar ich habe den Schnatz gesehen!" wurde Ron blass. Plötzlich ging Terence Higgs, der Sucher der Slytherins, in den Steilflug.

"Ein Bluff!" erkannte Harry gleich.

"Und Higgs geht in den Steilflug, hat er den Schnatz gesehen? Merlin, Hobbards du Trottel, flieg hinterher!" rief Lee entsetzt.

"REIßEN SIE SICH ZUSAMMEN, JORDAN!" schimpfte Professor McGonegall.

"Hobbards hat sich endlich an Higgs gehängt und schließt auf und... Uhhh, das hat böse ausgesehen." ging ein Aufschrei durch das Stadion. "Der Gryffindorsucher ist auf einen Bluff hereingefallen und hat eine ziemlich wüste Bruchhandlung hingelegt." schüttelte Lee mitfühlend den Kopf.

"Nachdem er ihn mehr oder weniger dazu aufgefordert hat!" schnaubte Ron. Das schien jetzt auch Lee realisiert zu haben, denn er wirkte auf einmal ziemlich kleinlaut und schrumpfte förmlich unter McGonegalls Blick.

Madame Hooch hatte das Spiel unterbrochen und Madame Pomfrey, die Schulkrankenschwester eilte auf das Spielfeld. Ken lag wimmernd dort und krümmte sich vor Schmerz.

"Das war es." stöhnte Ron verzweifelt. Leider behielt er Recht. Ken fiel aus und Katie Bell rutschte auf seine Position. Dadurch hatten die Gryffindors einen Jäger weniger und das machte sich schnell bemerkbar. Innerhalb einer weiteren halben Stunde lagen die Slytherins weit in Führung. Es wäre noch schlimmer ausgefallen, wenn Wood nicht so fantastisch gehalten hätte.

Harrys Aufmerksamkeit richtete sich ausschließlich auf Oliver Wood und seine akrobatischen Paraden und er wurde daher völlig überrascht, als ihn Ron plötzlich mit aller Kraft aus seinem Sitz riss. Keine Zehntelsekunde später knallte einer der Klatscher in Harrys Sitz und explodierte in einer Wolke aus Staub und Holzsplitter.

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Harry war für einige Sekunden völlig orientierungslos. Eben beobachtete er noch Oliver Wood und im nächsten Moment lag er quer über Rons Schoß. Er hatte gefühlt wie etwas brennendheiß an seinen Rücken vorbei strich und dann hatte er viele kleine Stiche verspürt. Er versuchte nach einer Schrecksekunde aus seiner verdrehten Position frei zu kommen und richtete sich mühselig auf.

Das erste was er wahrnahm war das Schreien und Stöhnen der Verletzten. Für einen Augenblick hatte er einen Flashback und ein eiskalter Schauder lief ihm über den Rücken.

"Shit! Nicht jetzt!" holte er zischend Luft. "Uhh, Ron? Du kannst mich wieder loslassen!" ächzte er und richtete seinen Blick auf den Rotschopf. Dessen Hände waren noch in seine Roben verkrallt und er schien nicht los lassen zu wollen. "Ron! Ron?" wiederholte Harry besorgt als Ron erst nicht reagierte.

"H... Harry! Ich... ich fühl mich so... komisch!" blubberte Ron und blutige Speichelbläschen waren auf seinen blassen Lippen zu sehen.

Harry durchzuckte Schrecken und er suchte den Grund für das Blut. Er musste nicht lange suchen. Ein ziemlich langes Stück Holz ragte seitlich aus Rons Brustkorb.

'Lieber Gott im Himmel. Bitte, bitte nicht. Bitte!', bettelte Harry. Er holte tief Luft und versuchte seine Panik zu unterdrücken. Jetzt die Nerven zu verlieren, könnte tödlich für seinen Freund sein. "Beweg dich nicht Ron. Bleib so wie du bist. Hey, Freund. Sieh mir in die Augen. Ja, so ist es gut. Bleib bei mir!" hielt er seine Stimme ruhig. Gleichzeitig vollführte er ein paar Diagnosezauber, die er beherrschte. Ein Relikt des Krieges.

"Bin... bin ich schwer verletzt?" flüsterte Ron. Sein Gesicht war mittlerweile totenblass und Schweiß stand auf seiner Stirn.

"Ja, bist du. Aber es wird schon wieder!" lächelte Harry verzerrt. Er riss seine Augen von Ron los und plötzlich schlug das Chaos, das ihn umgab, auf ihn ein. Ron war nicht der einzige den es erwischt hatte. Auch Seamus war blutüberströmt aber er stand zumindest auf eigenen Beinen. Neville hatte eine Schramme quer über das Gesicht und war sichtlich unter Schock. Ein gutes Dutzend der Gryffindors aller Alterstufen hatte es erwischt.

"Wo sind die verdammten Lehrer?" brüllte Harry los.

"Schon hier, Potter!" hörte er Snapes scharfe Stimme. Der Slytherinhauslehrer bellte ein paar Befehle und versuchte das Chaos zu lindern. Auch Dumbledore, McGonegall und Sprout trafen jetzt ein und Harry konnte Poppy ausmachen die mit wehenden Roben die Tribüne hoch eilte.

"Severus, du kümmerst dich um die Schüler auf dieser Seite. Minerva, du übernimmst die Ränge darüber. Pomona, du die auf der anderen Seite. Schwerverletzte werden sofort Poppy gemeldet!" nahm Albus die Sache in die Hand. Seine klaren Anweisungen brachten Ruhe und die Lehrer folgten unverzüglich.

Madame Pomfrey ließ ihre Augen über die Verletzten fliegen und schätzte die Verletzungen ab. Es waren hauptsächlich Schnittwunden, die zwar stark bluteten, aber keine Lebensbedrohung darstellten. Anders war die Sache bei dem jungen Weasley und auch Potter hatte einiges abbekommen.

"Hier trinken sie das Mr. Weasley!" hielt sie ein Fläschchen unter Rons Nase. Er zuckte erst zurück, aber trank dann brav. Sofort wurde er ruhiger und atmete gleichmäßiger. "Sehr schön. Und jetzt diesen Trank noch!"

Auch den schluckte Ron und die leichenartige Blässe wich einem zarten Rosa. Harry hatte die Färbung des Trankes erkannt und nickte beifällig. Es war ein Blutaufrischungstrank gewesen. Ron würde davon heute noch einige trinken müssen, auch wenn sie furchtbar schmeckten. Doch besser als tot.

"Du kannst jetzt aufhören ihn mit deiner Magie zu stützen, mein Junge." warnte ihn Albus weich.

"Nicht, bis er außer Gefahr ist!" presste Harry hervor.

"Seine Lunge ist durchbohrt und eine Arterie perforiert." winkte Poppy mit ihren Zauberstab über Ron. Ihre Stirn runzelte sich und sie zögerte für einen Moment. "Es ist wohl besser ihn ruhig zu stellen!" murmelte sie und ein weiterer Schlenker ihres Stabes schickte Ron ins Reich der Träume.

"Halten sie noch einen Moment durch, Mr. Potter. Sobald ich das Bruchstück entferne, wird er sehr stark innerlich bluten. Es wird gute 30 Sekunden dauern bevor ich die Wunde an der Arterie schließen kann. Schaffen sie das noch?" fragte die Schulkrankenschwester besorgt.

"Ich werde durchhalten!" schnaufte Harry.

"Vielleicht sollte ich übernehmen?" warf Albus ein.

"Zu spät, Albus. Ein Wechsel wäre für den jungen Mr. Weasley zu belastend. Achtung, Mr. Potter. Auf drei!" warnte sie ihn. "Ein, zwei und...!" mit einer flüssigen Bewegung zog sie den Pfahl aus Rons Brustkorb. Es war ein furchtbares Geräusch. Etwa 25 cm zog sie heraus und Harry konnte die Augen davon nicht losreißen. Ron zuckte und röchelte erbärmlich und Harry hielt mit seiner Magie die Arterie zusammen. Poppy murmelte unentwegt Heilungszauber und langsam versiegte der Blutfluss. Eine Minute später gab sie Harry ein Zeichen.

"Merlin!" seufzte er erschöpft und gab Ron frei. Das Blut rauschte ihm in den Ohren und Schwindel übermannte ihn. Langsam sackte er zusammen und es wurde ihm schwarz vor Augen.

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"Harry? Komm schon, Kleiner. Mach die Augen auf!"

Harry blinzelte und seufzte müde.

"Noch fünf Minuten, Siri!" nuschelte er.

"Jaa, er ist endlich wach!" konnte er Remus jubeln hören.

"Kein Wunder, wenn du so brüllst!" murrte der Junge und machte endgültig die Augen auf. Er lag auf dem Bauch und konnte aus den Augenwinkeln seinen Paten und Onkel Remus erkennen. Dann wurde es ihm bewusst, dass er im Krankenrevier von Hogwarts lag. "Was macht ihr denn hier? War was... Oh Scheiße. Ron!" ächzte er und drehte sich herum. "OH MANN!" holte er zischend Luft.

"Langsam Prongslet." stoppte ihn ein besorgter Sirius.

"Harry?" hörte er Rons Stimme.

"RON?"

"Hier drüben, Kumpel! Bin auch erst seit gut drei Stunden wach!"

"Bitte bleiben sie noch einen Moment liegen, Mr. Potter. Ich möchte sie erst nachprüfen!" verlangte Poppy resolut.

"Äh, warum tut mir die Rückseite so weh, Madame Pomfrey?" fragte Harry besorgt.

"An was erinnern sie sich noch?" wich sie erst einmal seiner Frage aus. Harry konzentrierte sich und plötzlich hatte er alle Bilder wieder vor Augen.

"Sie haben Ron behandelt und die Blutung stoppen können. Dann wurde mir schlecht und dann... Blackout. Komisch, das Ganze. Normalerweise hätte es mich nicht so erschöpfen sollen?" murmelte er.

"Sie sind auch nicht an magischer Verausgabung zusammengebrochen, mein Lieber. Sie wurden schlichtweg durch den Blutverlust ohnmächtig." bekam er zu hören.

"Welcher Blutverlust?" war Harry völlig ahnungslos.

"Du fragst welcher Blutverlust, Kleiner? Junge, dir hat es wortwörtlich die Rückseite und den Arsch aufgerissen!" kam es von Sirius.

"Häh?"

"Mr. Blacks Sprachwahl war zwar farbig, aber zutreffend. Ich mache mir jetzt noch Vorwürfe, dass ich ihre Verletzungen unterschätzt habe. Dabei hätte ich nur zu ihren Füßen blicken müssen. Sie standen förmlich in ihren Blut, Mr. Potter!" sagte Poppy betrübt.

"Habe ich gar nicht bemerkt!" wunderte sich Harry. "Arsch aufgerissen? Gott, Siri." kicherte er schwach. Auch von Rons Bett kam ein Glucksen. "Wie geht es dir Ron?" fragte Harry und versuchte in dessen Richtung zu sehen.

"Liegen bleiben!" schnappte Poppy.

"Geht schon wieder! Noch ein wenig Schwierigkeiten beim Luftholen!" gab ihm Ron Bescheid.

"Merlin sei Dank!" seufzte Harry erleichtert. "Und die anderen, Ma'am?" fragte er die Schulkrankenschwester.

"Sie und Mr. Weasley sind die einzigen die noch Bettruhe einhalten müssen. Die anderen sind bereits wieder im Unterricht!" sagte sie lächelnd.

"Unterricht? Heute ist doch Samstag!" fiel es Harry auf.

"Leider nicht, Welpe. Heute ist bereits Montag. Du hast zwei Tage verpennt!" grinste Remus.

"Zwei Tage? Das darf doch nicht wahr sein!" jammerte Harry.

"Sei froh, dass es nur zwei Tage waren, Kleiner. Deine Verletzungen sahen wirklich übel aus. Poppy brauchte drei Stunden um all die kleinen und großen Splitter aus dir rauszupulen!" sagte Sirius weich.

"Warum habe ich das nicht gemerkt?" konnte es Harry immer noch nicht fassen.

"Adrenalin! Du warst so auf Ron fixiert, dass du deine Schmerzen gar nicht wahrgenommen hast. Kann schon mal vorkommen!" erklärte Remus wissend.

"Korrekte Erklärung, Mr. Lupin. Fünf Punkte für Gryffindor!" hatte Poppy ein Lächeln in der Stimme.

"Ich bin zwar nicht mehr dabei, aber freue mich trotzdem!" schmunzelte Remus.

"Hey Moony. Du weißt doch. Einmal ein Gryffindor - immer ein Gryffindor!" lachte Sirius.

"So, Mr. Potter!" gab sie ihm einen sanften Klaps auf den Hintern. "Sie dürfen sich wieder auf den Rücken drehen. Aber machen sie langsam und sagen sie mir Bescheid wenn es ihnen schwindlig wird! Ich muss sie aber vorwarnen, dass es noch ein wenig schmerzen wird. Falls es zuviel wird, werde ich ihnen einen Schmerztrank verabreichen." gab sie ihn endlich frei und zog die Bettdecke wieder hoch.

"Danke Madame Pomfrey. Für alles!" bedankte sich Harry.

"Schon gut Harry." winkte sie mit einem warmen Lächeln ab.

Langsam drehte sich Harry um und setzte sich mit Hilfe von Sirius auf.

"Und?" fragte sein Pate.

"Geht!" lächelte Harry breit.

"Gott, Harry!" zog ihn Sirius in seine Arme und drückte ihn vorsichtig. "Du hast uns echt einen mordsmäßigen Schrecken eingejagt!" murmelte er mit dicker Stimme und drückte Harry einen Kuss aufs Haar.

"War keine Absicht, Padfoot. Wenn Ron nicht gewesen wäre...!" schluckte Harry, als er es realisierte.

"Ich weiß. Ich weiß." wisperte Sirius und wiegte den Jungen sanft.

"Jetzt ich!" verlangte Remus nach einer Minute und stieß seinen Freund zur Seite.

"Ich laufe dir schon nicht weg, Onkel Moony!" lachte Harry.

"Das will ich auch hoffen. Komm her, Zwerg!" umarmte ihn Remus.

Der Werwolf gab ihn nach einer Weile sehr widerwillig frei und wuschelte zum wiederholten Male über Harrys wilden Haarschopf.

"Wo ist denn Serena?" fragte der Junge neugierig.

"Oh! Sie ist kurz bevor du aufgewacht bist, mit Molly Weasley an die frische Luft gegangen. Sie müssten bald wieder auftauchen. Die beiden wollten ein Frauengespräch führen! Du weißt, wegen der Schwangerschaft. Da ist Molly echt die Expertin!" erklärte Sirius grinsend.

"Rons Mutter ist hier?"

"Yup!"

"Oh! Macht mal Platz!" verlangte Harry und schwang dann die Beine über die Bettkante.

"Wohin wollen sie, Mr. Potter?" fragte Madame Pomfrey sofort. Die Schulkrankenschwester hatte zwar etwas Abstand gehalten, um der Familie ein bisschen Privatsphäre zu ermöglichen, aber ihr entging nichts.

"Äh, zu Ron. Es ist ziemlich schwierig so zu plaudern!" gab ihr Harry einen unschuldigen Blick.

"Machen sie langsam!" gab sie ihre Einwilligung. "Und schonen sie Mr. Weasley! Verstanden?"

"Natürlich Ma'am!" salutierte Harry lässig und stand auf. Von Ron kam ein Kichern und Harry fühlte eine kühle Brise über seine Rückseite streichen. "Oh, nein. Das ist so ein Sch... äh, Kittel!" ächzte er.

"Gerade noch so, Mr. Potter!" hob Poppy eine Augenbraue, während die beiden Männer mit Ron zusammen lachten.

"Verzeihung, Ma'am! Äh, Siri, könntest du?" sah ihn Harry bittend an.

"Klaro!" feixte sein Pate und zückte seinen Stab. Ein eleganter Schlenker und er verklärte Harrys Kittel in ein blaues Nachthemd auf dessen Saum Schnatze gestickt waren.

"Hübsch hässlich!" verzog Harry das Gesicht.

"Also, es hat was!" meinte Remus grinsend.

"Ja, keine Hose!" schnaubte Harry.

"Das ist schon richtig so, Mr. Potter. Bis sie aus dem Krankenrevier entlassen werden, wäre ein Pyjama die verkehrte Wahl. Der Hosengummi würde zu sehr auf die noch zarte Haut drücken." sagte Poppy streng.

"Ja, Ma'am!" seufzte Harry ergeben.

"Sehr brav!" lobte Sirius und seine blauen Augen funkelten förmlich vor Unfug. Ehe Harry reagieren konnte, hatte er eine Kamera gezückt und ein Bild geschossen.

"Nein!" rief Harry verlegen.

"Doch!" grinste Sirius breit.

"Shit!"

"Mr. Potter?"

"Entschuldigung, Madame Pomfrey!"

"Akzeptiert! Ach, übrigens Mr. Black. Ein Abzug für mich, bitte! Die Schnatze sind wirklich hübsch!"

"Natürlich, Poppy!"

"Das ist nicht fair!"

"Zu spät Welpe. Ich habe es ihr bereits versprochen!"

"Mistkerl!" murmelte Harry dunkel.

"Wie bitte?"

"Nichts weiter."

Sirius gluckste und ignorierte den finsteren Blick seines Patensohnes gekonnt. Remus grinste nur und zwinkerte Harry zu.

Noch etwas wackelig auf den Beinen machte sich dieser auf den Weg zu Ron der ihn mit einem erwartungsvollen Grinsen entgegen sah.

"Hi Harry!"

"Hi Ron!" grinste Harry schief zurück. Vorsichtig ließ er sich auf Rons Bettkante nieder und scharrte verlegen mit den Füßen. "Und?"

"So weit in Ordnung!"

"Gut!"

"Bei dir?"

"Dito!"

"Super!"

"Yep!"

Nach diesem erschöpfenden Dialog, herrschte erst einmal ein verlegenes Schweigen zwischen den beiden Jungen. Bis es Harry nicht mehr aushielt und Ron überraschte und ihn umarmte.

"Danke Ron. Ich schulde dir was!" schniefte er.

"Blimey, Harry. Ich dir ebenfalls." schluckte Ron und erwiderte nach anfänglicher Befangenheit die Umarmung. Jungs umarmten sich normalerweise nicht untereinander. Zumindest nicht vor Zeugen.

"Nah! Ich schulde dir mehr. Wenn du mich nicht weg gerissen hättest, Kumpel... ich wäre jetzt Mus!" bestand Harry.

"Quatsch. Wenn DU nicht die Arterie zusammen gehalten hättest, dann wäre ich jetzt ne blutleere Leiche!" konterte Ron mit hochroten Ohren.

Sirius und Remus sahen den beiden mit kaum verhohlenen Vergnügen zu. Madame Pomfrey schüttelte nur lächelnd den Kopf. "Jungen!" murmelte sie amüsiert.

"HARRY!" rief in diesem Moment Serena euphorisch. Sie stand mit Molly Weasley und Albus Dumbledore in der Tür zum Schulhospital und eilte jetzt auf die Jungen zu. Harry und Ron zuckten zusammen und ließen jeweils den anderen wie eine heiße Kartoffel los. "Oh, mein kleiner Schatz." drückte Serena auch schon Harry an ihren Busen.

"Luft!" kam es nach einer halben Minute abgewürgt und sie gab ihn nur ungern wieder frei. Harrys Gesicht war gerötet, genau wie seine Ohren.

"Wie geht es dir?" nahm Serena sein Gesicht sanft in ihre Hände und schaute ihm in die Augen.

"Noch ein bisschen dusselig, aber ansonsten gut!" versicherte er ihr.

Serena lächelte und ihre Augen wurden feucht. Dann küsste sie zärtlich seine Stirn. Harrys Röte vertiefte sich und er hatte ein sehr warmes Gefühl in seiner Brust. So hatte ihn seit Ewigkeiten keiner mehr geküsst. Seine Mutter war die letzte gewesen.

"Mom, dies ist Harry!" unterbrach Rons Vorstellung seine Gedanken und er blickte auf.

"Sehr angenehm, Mrs. Weasley!" reichte er ihr artig die Hand.

"Freut mich ebenso, mein Lieber!" lächelte sie ihn warm an. "Ron hat viel von dir erzählt!" verriet sie ihm.

"Mo-om!" hüstelte Ron verlegen.

"Aber es stimmt doch, mein Junge." nahm Molly die Verlegenheit ihres Sohnes gar nicht wahr.

"Ist schon in Ordnung, Kumpel." lächelte Harry seinen Freund zu bevor er sich wieder an Molly wandte. "Ihr Sohn hat mir das Leben gerettet." erklärte er stolz.

"Und er mir. Hör ihm nicht zu, Mom!" stieß ihm Ron leicht in die Seite.

"Ich bin auf euch beide stolz." sagte Molly mit viel Gefühl in der Stimme.

"Wenn ihre Gesichter noch etwas mehr Farbe annehmen, befürchte ich eine Ohnmacht!" gluckste Albus.

"Könnte hinkommen!" grinste Sirius.

"Wie lange müssen wir noch hier bleiben, Sir?" fragte Harry den Schulvorsteher vorsichtig.

"So lange wie ich es sage!" war es Poppy nicht entgangen.

"Ihr seht, Kinder, ich habe nicht überall Befehlsgewalt!" hob Albus die Hände in Aufgabe.

"Mindestens noch bis morgen, dann sehen wir weiter. Mr. Weasley muss sich auf jeden Fall noch schonen und in Mr. Potters Fall wird es ebenfalls nicht schaden." verkündete Poppy streng.

"Du wirst tun was sie verlangt, Ronald Weasley." drohte Molly besorgt.

"Ja, Mom!" seufzte der Rotschopf wie ein leidendes Tier.

"Das gilt auch für dich, Harry James Potter!" stemmte Serena ihre Fäuste in die Hüften.

"Ja, Tante Sera!" kam es genauso leidend. Harry verabscheute Krankenhäuser mit aller Inbrunst aber mit Serena legte er sich lieber nicht an. Um sich von seinem Frust abzulenken, wandte er sich jetzt an den Schulvorsteher.

"Hat man herausgefunden was überhaupt passiert ist, Sir?" fragte er neugierig und das Funkeln in Albus Augen verlor an Leuchtkraft.

"Leider nein, mein Junge. Es ist rätselhaft. Ich habe noch nie gehört, dass ein Klatscher mit solch brachialer Wucht aufschlug. Ungewöhnlich!" sagte er ernst.

"Das war niemals nur ein Zufall, Albus. Das war ein Mordanschlag!" warf Remus ein.

"Ich befürchte du hast leider Recht, mein Junge. So sehr es auch ein schlechtes Licht auf die Sicherheit hier in der Schule wirft - der Einschlag war zu gezielt." versuchte Dumbledore den Vorfall erst gar nicht runter zu spielen. Wieder einmal war Harry beeindruckt. Der 'alte' Albus Dumbledore hätte Remus' Einwand verneint oder verniedlicht.

"Aber wer würde so etwas machen?" rief Molly entsetzt.

"Also, da fallen mir doch gleich ein paar Namen ein. Besonders die von ein paar Todessern, die damals durch die Maschen des Gesetzes geschlüpft sind!" knurrte Sirius.

"Du kannst nicht Severus meinen!" verwahrte sich Albus.

"Wer? Sniffelus? Oh, nein. Den meinte ich nicht, aber danke für den Hinweis!" grinste Sirius freudlos.

"Snape war es nicht!" bestätigte Harry.

"Professor Snape!" verbesserte ihn Albus automatisch.

"Sniffelus!" kicherte Ron leise.

"Wir sollten das in meinem Büro diskutieren!" schlug Albus ruhig vor.

"Das meine ich aber auch. Meine Patienten brauchen jetzt ihre Ruhe!" nickte Poppy und scheuchte die Erwachsenen aus dem Krankensaal. "Und ihr legt jetzt euch hin!" drehte sie sich den beiden Jungen zu. Harry protestierte nicht, da er sich tatsächlich müde fühlte.

"Pennen wir eine Runde. Wer weiß, wann wir wieder die Gelegenheit haben!" grinste er Ron an.

"In Binns Geschichtsstunde!" lachte dieser.

"Wahr!" fiel Harry mit ein.

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Gut zwei Stunden später wurde ihr Nickerchen von einigen Besuchern unterbrochen. Es war jetzt Unterrichtsschluss und so hatten ihre Freunde die Gelegenheit. Madame Pomfrey zog zwar erst die Augenbrauen hoch aber erlaubte es letztendlich. Schließlich waren ihre beiden Patienten nicht mehr ernsthaft krank. Die Zwillinge und auch Percy stürmten zu Ron und die Lautstärke stieg augenblicklich um ein vielfaches an. Harry hatte Besuch von Draco, Neville, Hermine und Susan. Nevilles Gesicht zierte noch eine schwache Spur des Schnittes aber sonst sah er aus wie immer. Nachdem Harry allen versichert hatte, dass es ihm gut ginge, legte sich langsam die Aufregung wieder und die Gespräche wandten sich dem Vorfall selbst zu.

"Ich habe es gar nicht mitbekommen!" gestand Neville.

"Ich auch nicht, Freund!" grinste Harry schief.

"Von unserer Seite aus war es schwer zu erkennen!" kniff Draco leicht die Augen zusammen.

"Von der Gegentribüne war es hingegen deutlich zu sehen. Ich habe just in dem Moment zu euch herübergesehen und konnte gerade noch erkennen wie dich Ron packte. Und dann... WUUUMM!" schilderte Susan ihren Eindruck.

"Ein Klatscher sollte niemals so explodieren." brummelte Draco.

"Ich habe noch nie von so einer Reaktion gehört. Sicher, es kommt vor, dass ein Klatscher mal außer Kontrolle gerät, aber dann stürzen sie meistens ab. Doch dies...!" hatte Fred die Bemerkung gehört.

"Yeah! Das Ding hat sogar auf den letzten Metern enorm beschleunigt. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann könnte man vermuten es hat dich gezielt angesteuert!" nickte sein Zwilling. Beide waren ernst wie selten und das erschreckte Harry.

"Das meint ihr sicher nicht ernst? Oder?" warf Percy irritiert ein. Für ihn war es einfach ein bedauernswerter Unfall. Aber auch nicht mehr.

Der Blick der Zwillinge richtete sich auf ihren älteren Bruder. Percy zuckte sichtlich unter ihrem Starren zusammen und schluckte hörbar.

"Schon gut, ich ziehe die Frage zurück!" hüstelte der Gryffindorpräfekt.

"Um einen Klatscher so zu manipulieren, bedarf es eines starken, dunklen Fluches. Kein Schüler dieser Schule hat dieses Wissen. Also bleiben nur die Lehrer oder anwesende Erwachsene!" sagte Harry ruhig.

"Dunkle Magie?" rief Hermine.

"Du verdächtigst sicher doch keine Lehrer?" rief gleichzeitig Percy empört.

"Für mich sind alle verdächtig, Percy Weasley. Es gibt genug Todesser die nach Voldemorts Fall den Auroren durch die Finger schlüpften. Und du weißt nie wo du einen von ihnen findest. Es gibt sie in den angesehensten Familien oder Positionen!" erwiderte Harry kühl.

"Tatsächlich!" hob Percy das Kinn.

"In der Tat. Ich muss nur an Barty Crouch Jr. denken. Sein Vater war Direktor des Departments und doch war sein Sohn ein Todesser. Einer derjenigen, die für den Angriff auf die Longbottems verantwortlich waren." gab ihm Harry einen Dämpfer.

"Ist das wahr?" fragte Neville blass.

"Leider, mein Freund. Es ist ein offenes Geheimnis. Crouch hat, als es herauskam, dafür gesorgt, dass sein eigener Sohn in Askaban landete. Auf seine Art und Weise war er genauso gnadenlos wie sein Todesserfilius!" erklärte ihm Harry leise.

Madame Pomfreys diskretes Hüsteln schreckte sie aus ihrer morbiden Stimmung auf.

"Lassen wir das Thema. Unterhalten wir uns lieber über etwas erfreulicheres!" verlangte Ron.

"Yeah! Reden wir darüber wie wir den Slytherins einen Streich spielen können!" grinste Fred und George nickte begeistert.

"Davon will ich nichts hören!" schimpfte Percy von oben herab. Fred grinste diabolisch.

"Kein Problem...!"

"...Bruderherz!" zog George seinen Zauberstab und plötzlich zierten riesige, flauschige Ohrmuffs Percys Kopf.

"Oh... Rosa. Nette Berührung!" lobte Fred seinen Zwilling und gab nun seinerseits einen Zauber dazu. Der Ohrmuff transformierte sich zu riesigen Hasenohren.

"Macht sie weg!" brüllte Percy und zog vergebens daran.

"Das war nicht nett!" meinte Hermine und verbarg ihr Kichern hinter der Hand.

"Nett nicht. Aber lustig!" grinste Draco breit.

"Kinder, Kinder!" griff Madame Pomfrey ein. Sie versuchte den Zwillingen einen strengen Blick zuzuwerfen, doch er missglückte ihr völlig, da ihre Lippen vor unterdrückter Heiterkeit nur so zuckten. "Halten sie still, Mr. Weasley!" forderte sie Percy auf.

"WAS?" brüllte dieser fragend zurück.

"Er kann sie nicht hören, Ma'am!" erinnerte sie Hermine daran.

"Herrje!" seufzte Poppy und erlöste Percy von seinen Hasenohren.

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Am nächsten Tag durfte Harry die Krankenstation verlassen. Ron musste hingegen, zu dessen Leidwesen, noch eine weitere Nacht dort verbringen. Seine Verletzung war doch recht arg gewesen und er sah Harry mit großen unglücklichen Augen hinterher. So gerne er auch mal die Schule bummelte, aber alleine im Krankenrevier zu liegen war verdammt langweilig.

Nach Schulschluss konnte sich Harry von den anderen lösen und ging zum Quidditchfeld. Der Schaden an der Tribüne war noch nicht beseitigt worden, da die Ermittlungen nach andauerten und so hatte er einen guten Blick darauf. Das Loch war enorm und er schluckte hart, als er erkannte, wie knapp er dem Tod von der Schippe gesprungen war.

Während die anderen noch alle rätselten wer hinter dem Anschlag steckte, so wusste Harry haargenau wer dafür verantwortlich war. Wie in der ersten Zeitlinie, hatte Quirrell die Gelegenheit des Spiels dazu benutzt, um Harry zu schaden. Nur, dass es diesmal nicht nur er alleine war, der darunter zu leiden hatte. Ron wäre beinahe gestorben.

"Verdammt! Ich war zu nachlässig!" fluchte Harry unterdrückt. Zorn übermannte ihn. Zorn auf Voldemort. Zorn auf sich selbst.

Ein scharfer Wind kam auf und und zerrte an seinen Roben. Das Gras um ihn herum wurde wellenförmig herunter gedrückt und die Tribüne vor ihm knackte verdächtig, als Harry seine Emotionen nicht sofort unter Kontrolle bekam. Nur mühselig beruhigte er sich und seine Magie und der Wind erstarb so plötzlich wie er aufgekommen war.

Schnell sah er sich um und war froh, dass diesen Ausbruch keiner bemerkt hatte. Er hatte auch so schon genug Schwierigkeiten.

'Ich brauche Rat!', schoss es Harry durch den Kopf. Konnte er Dumbledore vertrauen? Harry war sich dessen noch nicht sicher. Es war ihm nicht entgangen, dass Albus lange nicht so berechnend war, wie er ihn in Erinnerung hatte. Merkwürdig! Befand er sich überhaupt noch in seiner Dimension? Wenn er es genau betrachtete, so gab es doch einige feine Unterschiede. Der auffallendste war Albus, gleich gefolgt von Snape. Der Trankmeister war lange nicht so gehässig. Sicher, er hatte ihn beim ersten Unterricht heruntergemacht und doch... es gab Differenzen zwischen diesen Severus Snape und den anderen, alten Snape.

Harry schüttelte den Kopf um ihn frei zu bekommen. Er würde noch warten, bevor er Albus ins Vertrauen zog.

Langsam trat ein Lächeln auf seine Lippen, als ihm ein Mann einfiel, der genug Erfahrung hatte. Jemand, den er bisher nicht kontaktiert hatte.

TBC...

A/N: So, das war es wieder einmal für heute. Und ärgert euch bitte nicht über den kleinen Cliffie. Ist wirklich nur ein ganz Kleiner. Wie wird Harry auf den Mordanschlag reagieren? Hat er eine Antwort darauf, oder ergreift er eine andere Möglichkeit? Tja, das werdet ihr wohl abwarten müssen. Bis danne,

Marius