VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Danke Leute für die vielen Reviews. Und hier wie versprochen ein neues Kapitel für euch. Ich kann nur hoffen, dass es euch gefällt und wünsche mir zu Weihnachten natürlich viele, viele Reviews. Hehe. Die meisten hatten natürlich das richtige Gespür und haben erraten wen Harry aufsucht. Doch seht selbst...
Marius
ooOOoo
Kapitel 17
Die Nacht brach langsam über Hogwarts herein und Harry zog sich wie all die anderen Schüler in ihre Aufenthaltsräume zurück. Diese Woche war er Mitglied des Ravenclawturms und er kam gerade von einer der Privatstunden, die er mit Professor Flitwick regelmäßig abhielt. Wie im Gryffindorturm auch, hatten die Jungen eines Jahrganges einen gemeinsamen Schlafraum und Harry musste warten bis alle im Bett lagen. Zu seiner Erleichterung war es unter der Woche und so musste er nicht lange auf die anderen warten. Nach und nach kehrte Ruhe ein und Harry half, ungeduldig, ein wenig nach. Ein leichter Schlafzauber sorgte dafür, dass es nur zwei Minuten dauerte.
Schnell stand er auf und zerrte die Roben zu Recht, die er unter der Bettdecke getragen hatte. Es waren nicht die üblichen Schulroben, sondern etwas Leichtes, Luftigeres. Denn sein Ziel lag an einem Ort, wo es um einiges wärmer war. Schnell noch ein wenig Geld eingepackt und seinen Stab und er war bereit. Ohne weiteres Zögern verschwand er in den Schatten.
Nur um in der Winkelgasse wieder aufzutauchen. Schnell verwandelte er sein Erscheinungsbild und betrat Gringotts, das immer und jederzeit geöffnet hatte. Um diese Zeit war nicht so viel los und er musste nicht warten um einen freien Schalter zu finden.
"Guten Abend. Ich würde gerne mein Gewölbe aufsuchen!" begrüßte er höflich den Kobold.
"Haben sie einen Schlüssel?" brummte der Kobold gelangweilt.
"Natürlich!" lächelte Harry und schob den kleinen goldenen Schlüssel über den Tresen.
Der Kobold prüfte die Echtheit und blinzelte, bevor er einen scharfen Blick auf den Zauberer vor ihm warf. Harry lächelte freundlich und neigte leicht das Haupt und der Kobold erwiderte die höfliche Geste respektvoll.
"Einer meiner Kollegen wird sie begleiten, Mr. Potter!"
"Vielen Dank. Möge das Gold immer reichlich in euer Verlies strömen!"
"Und in Eures!"
Die Fahrt in die Tiefe war so aufregend wie immer. Der Kobold der Harry begleitete, war für jemand, der solch eine Position begleitete, ziemlich jung und er schien die Fahrt mindestens genauso zu genießen wie der junge Zauberer.
Harry war nicht ohne Grund heute nach Gringotts gekommen. Er benötigte etwas das er einem alten Freund als Gastgeschenk überreichen wollte. Er wusste, dass sich dieser lange nach diesem Exemplar umgesehen hatte. Schnell war das alte Buch geschrumpft und eingepackt.
Höflich bedankte er sich bei den Kobolden und verließ unerkannt die Bank und verschmolz in einer der Seitengassen wieder einmal in die Schatten.
Außerhalb von Hogsmeade trat er wieder hervor und verschwand diesmal mit einem fast unhörbaren Plopp, als er apparierte. Harry bevorzugte sonst die Reise durch die Schatten, aber leider lag sein Ziel weit entfernt und er hatte einfach nicht die Zeit. Also apparierte er und hoffte, dass es keiner vom Ministerium bemerkte. Um dieses zu vermeiden hatte er deswegen Hogsmeade erwählt, da sich hier doch ein stark frequentierter Apparationspunkt befand. Es war zwar ein wenig umständlich doch er wollte kein Risiko eingehen.
Harry war wirklich mächtig und deswegen konnte er die gesamte Reise mit zwei Sprüngen vollbringen. Zwei Sprünge, die ihn von Schottland nach den Bahamas brachten. Hier war es kurz nach der Mittagszeit und die Sonne stand hoch am Himmel. Harry war neben einer Felsennadel materialisiert die sich aus dem üppigen Grün erhob. Palmen waren überall und von seinem Standort aus, hatte er einen herrlichen Blick über eine kleine Bucht mit einem weißen Korallenstrand. Es war ein paradiesischer Ort und nirgendwo Touristen, die diese Idylle störten.
Der Strand wirkte wie ausgestorben und so unberührt, als wäre hier noch nie eine Menschenseele gewesen. Ein Eindruck der täuschte.
Selbstsicher trat Harry unter den Palmen hervor und ins Freie. Vom Meer kam eine milde Brise die die Hitze der Tropen erträglich machte. Schnell zog er seine Schuhe und Socken aus und krempelte seine leichten Hosen nach oben.
"Oh Yeah!" stöhnte er wohlig als die Ausläufer der Wellen seine nackten Füße umspielten. Der feine Sand glitzerte in der Sonne und das Gefühl barfuss darüber zu laufen war unbezahlbar. Als er die Mitte des Strandes erreicht hatte, blieb er stehen und erschuf einen Liegestuhl und einen großen Sonnenschirm. Das seltsame war nur, dass der Stuhl nicht dem Meer zugewandt war, sondern den tiefgrünen Wald dahinter. Zufrieden ließ er sich nieder und richtete seinen Blick auf die Palmen, die sich im Wind wiegten. Eine perfekte Illusion, wie Harry wusste.
Hier in etwa musste sich die Residenz von Nicholas Flamel befinden. Verborgen unter dem Fideliuszauber, der sich sogar einem Schattenmagier entzog. Normalerweise hätte er nicht einmal das gewusst, wenn es nicht für die Tatsache wäre, dass er bereits einmal hier gewesen war.
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"Unerhört!" murrte Nicholas Flamel ungehalten.
"Was denn, mein Schatz?" kam eine melodische Stimme aus einen der Räumlichkeiten hinter ihm.
"Der Junge!"
"Was redest du da? Was für ein Junge?"
"Sieh selbst, meine Schöne!" forderte er seine Ehefrau auf.
Perenelle zögerte nicht und trat zu ihrem Ehemann auf die Veranda ihres Hauses. Die beiden wirkten auf dem ersten Blick absolut unauffällig.
Beide schienen in ihren frühen Vierzigern zu sein und erst auf den zweiten Blick hin, konnte man etwas erahnen. Eine Haltung und Gnade, die man sonst Königen und Königinnen zusprach. Eine Aura von Weisheit und Wissen, die nur mit dem Alter und Erfahrung kam.
Kein Wunder, denn die beiden waren über 650 Jahre alt und gut 625 Jahre verheiratet. Selbst unter den Hexen und Zauberern waren sie eine Legende und die meisten der heutigen Mitglieder der Zauberergemeinschaft verwiesen ihre Existenz, in der Tat, dem Reich der Legenden zu.
"Aha! Erstaunlich. Wie kommt ein Kind hier auf unseren Privatstrand?" zog Perenelle eine elegant geschwungene Augenbraue hoch.
"Im Grunde nicht möglich. Die Abwehrbanne sollten jeden fernhalten." runzelte Nicholas nachdenklich die Stirn.
"Außer seine Macht wäre ausreichend!" überlegte seine Ehefrau.
Diesmal war es Nicholas der eine Augenbraue nach oben zog. Er wollte nicht unbescheiden sein, aber er zählte sich zu den mächtigsten Zauberern und hatte höchstpersönlich die Bannzauber gewoben. Um sie zu durchbrechen, bedurfte es ein deutliches Plus an magischer Macht.
"Ich möchte nicht prahlen, meine Liebste, doch nicht einmal Albus würde es schaffen." behauptete er deshalb selbstsicher.
"Ich weiß!" lächelte seine Seelenpartnerin. "Und doch ist es diesem Kind gelungen und er hat es sich sehr gemütlich auf deinen Lieblingsplatz gemacht!" klang sie vergnügt.
"Frechheit!" brummelte Nicholas und musste selber über die Unverfrorenheit des Jungen schmunzeln. "Hmm, merkwürdig!" fiel ihm etwas auf.
"Ja, ich sehe es auch. Warum sieht er zu uns?" war Perenelle alarmiert.
"Er WEIß, dass wir hier sind!" flammten Nicholas' blaue Augen auf.
"Unmöglich. Nicht einmal Albus kennt die präzise Position dieses Ortes!" sagte seine Frau gelassen. "Bitte reiche mir den Feldstecher, Liebster!" bat sie weich.
Nicholas zögerte nicht und gab ihr den starken Feldstecher, der auf einen kleinen Tisch stand. Die beiden benutzten dieses nützliche Instrument regelmäßig um die Wildtiere oder die Wale vor der Insel zu beobachten. Jetzt richtete sie ihn auf den Jungen, der rund 50 Meter entfernt saß, um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nachdem sie das Okular scharf gestellt hatte, fielen ihr als erstes die durchdringenden, smaragdgrünen Augen des Jungen auf. Dann die wilde, ungebändigte Haarpracht.
"Was ist?" fragte Nicholas leicht besorgt, als er über das Seelenband, das beide verband, ihre Erregung fühlte.
"Mir ist, als müsste ich ihn kennen!" wisperte sie ehrfürchtig. Ihr Seelenpartner tat ihre Eingebung nicht als Hirngespinst ab. Zu gut kannte er ihre Intuition und ihre Verbindung zur Überwelt. "Hier, siehe selbst!" reichte sie ihm das Glas.
"Jaa!" dehnte Nicholas das Wort als er den Jungen aus der Nähe sah. Irgendetwas an ihm war sehr vertraut und er konnte es nur bestätigen. Auch ihm war es als müsste er den Jungen sehr gut kennen. "Hast du diese Augen gesehen? Unglaubliches Grün. Sehr auffallend und sehr schön!" murmelte er. "Und seine Aura ist... ungewöhnlich. Bestimmt nicht seine wirkliche. Der Junge verbirgt seine wahre Macht geschickt. Donnerwetter!" machte er weiter. "Oh, er tut etwas... ahh, er schreibt ein paar Zeilen auf einen Bogen Papier." berichtete er.
"Was schreibt er?" wollte Perenelle neugierig wissen.
"Gleich. Er hält es hoch, damit ich es lesen kann!" sagte Nicholas und setzte dann verblüfft das Fernglas ab.
"Nicholas?"
"Ich... ich bin perplex, meine Liebste." gab er zu und reichte ihr das Glas.
Schnell nahm sie es und las selbst was der Junge geschrieben hatte.
"Liebe Tante Peri und Onkel Nicki?" blinzelte sie überrascht und las es gleich noch einmal. Es änderte sich nicht. "Er schreibt weiter." gab sie weiter und las dann laut vor, was der unbekannte Besucher schnell hingekritzelt hatte. "Ich bedeute euch nichts Böses und habe als Zeichen meiner Freundschaft und Liebe ein kleines Präsent für Onkel Nicki mitgebracht!" entzifferte sie.
"Oh?"
"Er hält jetzt etwas anderes hoch. Du lieber Merlin... ich denke, du solltest dir das ansehen, Nicki!"
Schnell war das Fernglas weitergereicht und Nicholas Flamel richtete es auf den Jungen und den Gegenstand den er deutlich sichtbar hochhielt. Plötzlich fingen seine Hände an zu beben und die Knöchel seiner Hand wurden weiß als er den Griff um das Fernglas verstärkte.
"Ich... ich denke, wir sollten ihn hereinbitten!" hustete er schwach und seine Frau schmunzelte amüsiert.
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Harry hielt noch immer das Buch hoch, das er mitgebracht hatte, als auf einmal wie aus dem Nichts zwei Gestalten vor ihm erschienen. Er erkannte sie sofort wieder und lächelte freudig. Höflich sprang er auf und wartete bis sie ihn erreicht hatten.
"Guten Tag, junger Mann. Wir wären dir sehr verbunden, wenn du uns die Freundlichkeit erweist und uns deinen Namen nennst. Du scheinst dies uns zumindest voraus zu haben!" begrüßte ihn Nicholas launig.
"Meine Verzeihung, Lord und Lady Flamel." verbeugte sich Harry galant. "Mein Name ist Harry James Potter!" richtete er sich wieder auf.
"Ahh, gut, dieser Name ist nicht unbekannt!" lächelte Perenelle freundlich und Harry gefiel es ungemein, dass ihr Blick nicht zu seiner Stirn irrte. "Doch mir persönlich hat deine schriftliche Anrede wesentlich mehr zugesagt als dieses förmliche Lady Flamel!" vibrierte ihre reiche Stimme vor unterdrücktem Vergnügen.
"Es war ein wenig... forsch. Doch ich versichere, dass diese vertrauliche Anrede nicht von ungefähr kommt!" hüstelte Harry verlegen.
"Ich gestehe gerne, dass du uns wirklich neugierig machst. Das geschieht nicht oft, wie ich dir versichern kann." meinte Nicholas ruhig. Sein Blick war ebenfalls nicht zu Harrys Stirn geirrt, sondern lag mehr oder weniger ausschließlich auf dem Buch das der Junge in der Hand hielt.
Harry wusste wie sehr es Nicki in den Fingern juckte es zu berühren und zu öffnen, doch es war ihm zumindest rein äußerlich fast nicht anzumerken. Der alte Alchemist war noch Bibliophiler als Hermine und das sagte wohl alles aus.
"Hier, ein kleines Zeichen meiner Zuneigung." reichte er es Nicholas.
"Meine Güte! Morgana LaFeys persönliches Tranksjournal! Wie lange habe ich danach gesucht." flüsterte Nicholas ehrfürchtig und seine Hände zitterten als er es entgegen nahm.
"550 Jahre, wenn ich mich richtig erinnere!" lächelte Harry.
"Das ist wahr!" staunte der Alchemist.
"Ich denke, wir sollten aus der prallen Sonne gehen und es uns auf der kühlen Veranda gemütlich machen!" schlug seine Frau freundlich vor.
"Natürlich, meine Liebe. Hier, bitte lies das mein Junge und merke es dir gut!" reichte Nicholas Harry einen Zettel.
'Das Haus von Nicholas und Perenelle Flamel befindet sich in der Mitte des Smaragdstrandes.' las er und als er aufsah konnte er das schöne, zweistöckige Haus der beiden deutlich sehen.
"Willkommen in der Flamelresidenz!" machte Perenelle eine einladende Geste.
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Es war alles so wie es Harry in Erinnerung hatte. Einen schönen langen Sommer hatte er hier in der Gesellschaft der Flamels verbracht und die beiden hatten ihn in der kurzen Zeit enorm viel beigebracht. Es war eine ruhige, friedvolle Phase gewesen, bevor ihn der Krieg in Großbritannien wieder einholte. Hermine hatte diese Zeit immer scherzhaft als Fronturlaub bezeichnet und hatte keine Ahnung wie Recht sie damit hatte.
Harry unterdrückte das Gefühl von Melancholie und folgte den beiden auf die Veranda, wo sie alle Platz nahmen. Mit einem Plopp erschien eine kleine Hauselfe und servierte kurz darauf kalte Getränke.
"Danke Malte!" lächelte Perenelle und die Hauselfe strahlte, bevor sie wieder mit einem weichen Plopp entschwand. Dann richtete sich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Ehepaares auf den Jungen. Er stellte ein Rätsel dar, dessen Lösung beide ungemein bewegte.
"Du scheinst Dinge über uns zu wissen, die nur sehr wenige wissen. Präziser gesagt, keiner! Und doch bist du uns beiden vertraut." sagte Perenelle weich.
"Ich komme euch vertraut vor?" war Harry verblüfft und erntete ein zweifaches Kopfnicken.
"Oh ja! Ich kann es jetzt sogar stärker fühlen als vorhin noch." murmelte sie und beugte sich leicht nach vorne. Sie bewegte ihre Hände in dem Freiraum zwischen ihr und Harry und ihr Mann schien sehr konzentriert dabei zuzusehen. Harry wollte erst zurückweichen, doch erkannte rechtzeitig, dass es kein normaler Zauber war, den Lady Flamel webte, sondern etwas anderes.
"Seelenmagie!" hauchte Harry ehrfürchtig.
"In der Tat! Das erkennen nicht viele!" lobte sie warm und stoppte die Bewegungen. "Ich lag richtig. Es gibt Verbindungen zwischen uns dreien. Gewoben aus einem familiären Netz von Zuneigung, Liebe und Respekt! Doch um so ein enges Netz von Verbindungen zu weben, bedarf es Zeit. Zeit die wir nicht hatten! Bemerkenswert!" murmelte sie fasziniert.
"Wir hatten die Zeit, versichere ich euch. Wenn auch nur für knapp drei Jahre. Ich möchte euch alles erklären und ich verlange keine Eide um mein Geheimnis zu schützen, denn ich weiß nur zu gut wie vertrauenswürdig ihr seid." gestand Harry.
"Würdest du mir soweit vertrauen um deine Erinnerungen mit uns zu teilen?" fragte Perenelle sanft.
Perenelles Bitte war sehr gewagt. Das teilen von Erinnerungen war wesentlich intimer und inniger als Legilementik. Harry würde dazu seine geistigen Schilde vollkommen absenken müssen. Was Perenelle nicht wusste, war die Tatsache, dass sie es war, die Harry damals in der Kunst der Okklumentik fertig ausgebildet hatte.
"Ich vertraue euch mit meinem Leben, Tante Peri und Onkel Nicki." sah er ihr direkt in die Augen.
"Danke! Bitte entspanne dich Harry und halte den Blickkontakt solange aufrecht wie es dir möglich ist!" wurde ihre Stimme noch weicher, fast zwingend. Harry senkte voller Vertrauen seine Schilde und begab sich in ihre Hand. Er war jetzt vollkommen entspannt und schloss die Augen.
"Ja, so ist es gut. Du wirst keinen Schmerz fühlen. Kannst du unsere Anwesenheit wahrnehmen?" fragte sie leise und der Junge nickte nur. Die Präsenz der beiden war wie eine wärmende Glut am Rande seines Bewusstseins. Dann stiegen die Erinnerungen aus den Tiefen seines Geistes an die Oberfläche und rasten schier an seinem inneren Auge vorbei. Harry wehrte sich nicht und erlaubte ihnen alles zu sehen.
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Tränen strömten ihm über die Wangen als er die Augen wieder öffnete. Die letzten Bilder hatten nochmals den Tod der Flamels gezeigt und wie sehr ihn dieser Schmerz zerrissen hatte. Mit Perenelle und Nicholas war seine letzte Familie ausgelöscht worden.
"Mein armer, lieber Junge! Mein armer Liebling!" weinte Perenelle offen und strich ihm zärtlich über die tränennassen Wangen, bevor sie ihn in ihre Arme zog.
"Dies wird nicht wieder geschehen, Harry. Ich verspreche dir das!" wischte sich Nicholas über die Augen und umarmte die beiden.
Ob es an dem Teilen seiner Erinnerungen lag oder an der Nähe zu zwei geliebten Menschen, die für ihn einst verloren waren, war schwer zu bestimmen. Auf jeden Fall fiel Harry vollkommen aus und er weinte hemmungslos. All der Schmerz, den er glaubte schon verarbeitet zu haben, brach sich seine Bahn und er konnte es nicht stoppen, selbst wenn sein Leben davon abhinge.
Harry vermochte nicht sagen wie lange er schon so weinte, als ihm jemand unter viel Mühen etwas verabreichte. Das schwere Schluchzen, das seinen kleinen Körper schüttelte, ließ langsam nach und er fiel, geborgen in Tante Peris schützender Umarmung, erschöpft in tiefen Schlaf.
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Perenelle ließ den kleinen Jungen in ihren Armen nicht eine Sekunde los und Nicholas versuchte erst gar nicht sie dazu zu bewegen das Kind in ein Bett zu legen. Sanft wiegte sie ihn und strich immer wieder über das schweißverklebte wilde Haar. Sie summte ein uraltes Wiegenlied und keine bösen Träume quälten den Jungen in seinem Schlummer.
"Wir müssen ihn langsam aufwecken, Liebste!" sagte Nicholas weich.
"Nein! Lass ihn ruhen!" flammten ihre schönen Augen auf. "Bitte, Nicki!" wurde ihre Stimme flehend.
"Eine Stunde noch!" gab er sofort nach. Er war selbst widerwillig den Jungen zu wecken. Harry benötigte jetzt Ruhe, denn der emotionale Zusammenbruch hatte dem Jungen viel Kraft gekostet und für kurze Zeit hatte Nicholas sogar schlimmeres befürchtet. Voller Zuneigung und einem wehmütigen Stich behielt er die beiden im Auge. Sie sahen so natürlich zusammen aus und nicht zum ersten Male in seinem langen Leben fragte sich Nicholas Flamel ob der Preis für Unsterblichkeit nicht zu hoch gewesen war. Den Preis den beide dafür zahlten.
Nicholas und Perenelle hatten niemals Kinder gehabt und es würde ihnen auch stets verwehrt bleiben. Das Elixier des Lebens hatte nur sehr wenige Nachteile aber einer war die Unfruchtbarkeit. Seine Erkenntnis war die, dass es die Natur oder auch die Götter so eingerichtet hatten.
Er dachte nur flüchtig daran, denn seine Gedanken drehten sich hauptsächlich um das was sie eben erfahren hatten. Es waren erschütternde Neuigkeiten gewesen.
"Es ist erstaunlich wie stark er ist!" flüsterte er tief bewegt.
"Und doch ist er nur ein Kind. Kein Kind sollte so eine Last tragen müssen!" stimmte Peri zu und Nicki konnte ihre Trauer spüren. "Es ist schade, dass er uns nicht schon eher aufgesucht hat!" murmelte sie.
"Du weißt warum, Liebste." seufzte Nicholas.
"Ja, ich weiß. Um uns zu schützen. Dummer, lieber Junge!" schüttelte sie liebevoll den Kopf und küsste zärtlich Harrys Nasenspitze. Harry seufzte im Schlaf und kuschelte sich noch näher an Perenelle. "Er war mit sechs Jahren sicherlich noch anbetungswürdiger als jetzt. Und er ist mit 11 Jahren noch unglaublich niedlich!" lächelte sie schwach.
"Ich kann es nicht verneinen!" schmunzelte ihr Seelenpartner. "Obwohl er sicher protestieren wird, wenn du ihn als niedlich bezeichnest." sagte er weise.
"Ob er es weiß?" murmelte sie nachdenklich. Nicholas hob fragend eine Augenbraue und sie sah kurz zu ihm. "Ob er weiß wie sehr er die Leben derjenigen berührt, die er auf seinem Weg trifft?" präzisierte sie.
"Ich glaube nicht. Es ist vielleicht besser so. Möglicherweise würde er sich abkapseln und das könnte fatal sein." meinte Nicholas.
"Ja, das ist vermutlich das was er tun würde." nickte Perenelle.
"Wir werden jedenfalls alles in unserer Macht stehende tun, um ihm zu helfen!" verkündete Nicholas entschlossen.
"So wie wir es bereits einmal taten!" war seine Frau ebenso einverstanden.
"Hmm, ich denke es gibt zwischen beiden Zeitlinien ein paar signifikante Unterschiede. Ist dir das ebenfalls aufgefallen?" brummte Nicholas.
"Natürlich. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er sich noch in der ursprünglichen Zeitabmessung befindet. Sein Bild von deinem Schüler Albus zeigt einen deutlichen Unterschied auf. Den ursprünglichen Albus hätte ich gerne für ein paar Minuten in meinen Händen!" ihre Augen zeigten für einen Augenblick eine untypische Härte und Nicholas hob die Augenbrauen. "Das unschuldige Kind bei solchen Muggel zu lassen. Was hat er sich nur dabei gedacht?" beruhigte sie sich nur mühselig.
"Bitte verspreche mir, dass du Albus' Bart nicht in Flammen stellst, wenn wir ihn demnächst besuchen!" unterdrückte Nicholas ein Lächeln.
"Wir besuchen ihn?"
"Aber ja. Ich denke, es ist an der Zeit unsere Verbindungen nach Großbritannien wieder zu intensivieren. Denkst du nicht auch? Ein Heim in der Nähe zu Harry wäre wohl angebracht!" erklärte er.
"Ich wusste schon warum ich dich erwählt habe, mein Seelenpartner!" schnurrte sie geradezu und er gluckste. Er beugte sich vor und küsste sie zärtlich. Nicholas' Liebe zu Perenelle war über den Jahrhunderten nur gewachsen und sie war auch der Grund warum er das Leben immer noch so liebte und dessen nicht überdrüssig geworden war. Die gleichen Gefühle brachte sie ihm ebenfalls entgegen.
"Ich freue mich schon auf seine kleine Familie." lächelte sie erwartungsvoll.
"Dir ist doch klar, dass Harry versuchen wird uns in seine Familie mit zu integrieren?"
"Ja, dass ist das was er tun würde." nickte sie bestätigend.
"Es hört sich auf alle Fälle nach jeder Menge Spaß an!" lächelte Nicholas und die beiden tauschten einen langen Blick und waren sich einig.
"Er erwacht!" seufzte Perenelle und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Kind in ihren Armen.
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Harry fühlte eine Geborgenheit die er so schon lange nicht mehr erfahren hatte. Es war warm und kuschelig und zärtliche weiche Hände streichelten sein Haar und seinen Rücken. Er seufzte wohlig und wollte eigentlich nicht die Augen aufmachen. Sein Kopf lag an der Brust dieser Person und er konnte ihr Herz kraftvoll und beruhigend schlagen hören. Unmerklich schwamm er näher an die Oberfläche seines Bewusstseins und er konnte leise Stimmen reden hören. Dann fielen ihm wieder die letzten Minuten vor seinem Schlaf ein und er zuckte zusammen.
"Schhhhh. Ruhig, mein kleiner Schatz. Es ist vorbei und du bist sicher!" tröstete ihn Tante Peris warme Stimme sofort. Harry murmelte etwas Unverständliches und machte langsam die Augen auf. Seine Lider waren verklebt und er blinzelte ein paar Mal ins weiche Licht.
"Du solltest dich ein wenig frisch machen. Hmm, das gilt auch für uns!" schlug Nicholas sanft vor.
"Eine gute Idee!" lobte Perenelle warm und auch Harry nickte zustimmend. "Dann komm mit mir. Ich zeige dir das Bad!" forderte sie ihn auf. Harry krabbelte von ihrem Schoss und sie erhob sich ebenfalls und nahm dann seine Hand. Zusammen gingen sie in das Haus und sie führte ihn wie versprochen ins Gästebad.
Zehn Minuten später trafen sie sich alle wieder auf der Terrasse. Harry fühlte sich munterer und erfrischt und auch ein wenig befangen. Die beiden Erwachsenen schienen sofort zu wissen was ihn beschäftigte.
"Kein einziges Wort einer Entschuldigung möchte ich hören, verstanden? Du hast keinen Grund dafür." warnte ihn Perenelle.
"Ja, Ma'am!" sprach Harry das erste Mal seit er aufgewacht war. Seine Stimme war rau und krächzend.
"Ich gebe dir Ma'am! Nenne mich bitte Tante Peri. Es gefällt mir sehr!" lachte sie melodisch.
"Danke!" erwiderte Harry zaghaft das Lächeln.
"Du wirst leider bald aufbrechen müssen! In gut einer Stunde wird Hogwarts erwachen und ich bin mir sicher, dass du deine Abwesenheit geheim halten möchtest. Doch wir werden uns diese Woche noch sehen." sagte Nicholas.
"Wir kommen nach England. Genauer gesagt, werden wir am Freitag bei Madame Rosmerta unter dem Namen Bakersville ein Zimmer nehmen und dich um 22 Uhr erwarten!" ergänzte Perenelle.
"Ihr kommt?" staunte Harry.
"Wie könnten wir nicht?" erwiderte Perenelle.
"Ich... ich weiß nicht was ich sagen soll!" stammelte der Junge überwältigt.
"Dann lasse es lieber." stellte Nicholas klar. "Hier, nimm dies. Es ist ein Portschlüssel der dich direkt bis an Hogwarts Grenzen befördert. Du bist im Moment zu erschöpft um zu apparieren." reichte er dem Jungen einen schön gemaserten Rosenquarz. "Die Aktivierungsformel ist Morgana."
"Danke. Das ist wirklich hilfreich!"
"Dann bis Freitag, mein Kleiner. Bitte pass auf dich auf und halte dich mit Aktionen gegen Quirrell zurück." umarmte ihn Perenelle zum Abschied.
Dann trat sie zurück und Nicholas hob grüßend die Hand. Harry nickte ihm lächelnd zu und flüsterte das Aktivierungswort.
"Morgana!" sofort spürte er den vertrauten Zug hinter seinem Nabel und die Welt um ihn verschwamm in einen Wirbel aus Farben und Licht.
Harry tauchte, wie von Nicholas versprochen, in der unmittelbaren Grenze zu Hogwarts auf. Es waren die frühen Morgenstunden und alles lag im tiefen Dunkeln, da auch bereits der Mond untergegangen war. So war es ein Leichtes durch die Schatten zurück in das Schlafzimmer der Raben zu gleiten. Sie schliefen noch friedlich und nachdem Harry sich ins Bett gekuschelt hatte, hob er den Schlafzauber auf. Trotz seiner Müdigkeit und auch geistigen Erschöpfung konnte der Junge nicht schlafen. So lag er den Rest der Nacht wach und erhob sich wie gerädert. Keiner hatte seine Abwesenheit bemerkt. Selbst der Schulvorsteher war ahnungslos. Die einzige, die es wusste, war Hogwarts selbst.
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Zwei Tage waren seitdem vergangen und es war Freitagnachmittag. Harry vermied so gut es ging, jeden Kontakt mit Professor Quirrell. Was aber nicht schwer war, da der junge Lehrer wieder den Schüchternen gab und sich weitgehends zurückzog.
Um sich abzulenken, unternahm Harry einen Besuch bei Hagrid. Das Wetter war sehr herbstlich und der böige Wind hielt bereits das Versprechen des kommenden Winters in sich. Der Wildhüter war hoch erfreut über Harrys Besuch und offerierte mit Begeisterung Tee und seinen berüchtigten Felsenkuchen. Letzteres lehnte Harry höflich aber entschieden ab.
Das Feuer in Hagrids Kamin prasselte lustig und sie hatten es sich, mit Fangs Kopf auf Hagrids Schoss, davor bequem gemacht. Die Unterhaltung drehte sich meist um belanglose Dinge und Hagrid fragte neugierig Harry nach seinen Eindrücken von Hogwarts.
"Es gefällt mir sehr. Ich habe inzwischen Freunde in allen vier Häusern gefunden und wundere mich manchmal, warum sich die anderen so hart damit tun. All diese Engstirnigkeit... und völlig unbegründet." sah Harry nachdenklich in die Flammen.
"Aye, ich habe viele kommen und gehen sehen in den letzten Jahrzehnten und kann deine Beobachtung nur bestätigen. Es wäre noch schlimmer wenn wir Dumbledore nicht hätten. Guter Mann, dieser Dumbledore. Guter Mann!" brummelte der riesige Hüter. "Deine Mutter war dir in dieser Beziehung ähnlich, Harry. Sie kannte ebenfalls keine Schranken und versuchte sich auch mit denjenigen anzufreunden, die die anderen sonst verachteten!" erzählte er dem Jungen stolz.
"Hast du jemand bestimmten im Auge?" fragte Harry lächelnd.
"Aye, Professor Snape zum Beispiel. Die beiden waren die Besten ihres Jahrgangs in Tränken und Lily wohl die einzige, die dem Professor das Wasser reichen konnte. Die beiden haben oft die Köpfe zusammengesteckt und einige Projekte durchgezogen." funkelten Hagrids schwarze Käferaugen im Licht des Kamins.
Harry blinzelte überrascht. Das war ihm neu. Sirius oder auch Remus hatten es nie erwähnt.
"Ich... ich dachte sie mochten sich nicht?"
"Papperlapapp! Wer hat dir denn den Unsinn erzählt? Gut, da waren dein Papa und die Jungs. Das ist wahr. Die und Professor Snape konnten sich von Anfang an nicht riechen. Dabei waren der Professor und Sirius Black einmal Kindheitsfreunde!"
"Sie waren WAS?" wurden Harrys Augen groß.
"Die meisten Purblutfamilien kennen sich, Harry. Es ist nichts ungewöhnliches, wenn die Kinder sich schon in frühen Jahren treffen. Ist ne verschworene Clique, diese alten, reichen Familien. Kennen sich alle gut. Mach nicht solche Augen, Laddie. Das war noch vor dem Aufstieg von Du-weißt-schon-wer. Wie denkst du, haben sich dein Papa und Sirius wohl getroffen? Es war nicht erst im Hogwartsexpress." erklärte Hagrid einem völlig verdutzten Harry.
"Aber ich dachte, die Blacks und die Potters standen auf verschiedenen Seiten. Wie konnten sich die beiden treffen?" fasste sich der Junge wieder.
"Auf neutralen Boden natürlich. Bei Familien wie den Zabinis oder den Bones'. Es wird schon seit Jahrhunderten so gehalten, Junge. Wenn nicht, dann hätten sich wohl die alten Familien schon lange gegenseitig ausgelöscht."
Harry starrte Hagrid mit großen Augen an. Er hatte zwar mit Narcissa Black einige Etikette und Geschichtsstunden gehabt, aber irgendwie war dieses Thema nie zur Sprache gekommen. Warum hatte Sirius dies nie erwähnt?
'Ich werde ihn danach fragen müssen!', nahm sich Harry vor.
"Ob mein Dad Professor Snape ebenfalls kannte?" murmelte er überlegend.
"Eher nicht. Der alte Snape war ein merkwürdiger Typ. Er verabscheute diejenigen, die auf der Seite des Lichtes standen und unterhielt ausschließlich Kontakte zu Familien wie den Blacks oder Malfoys. Vielleicht war er auch nur ein wenig beschämt, dass der Name seiner Familie nicht denselben Klang hatte wie der der Potters zum Beispiel." überraschte ihn Hagrid erneut mit einer ziemlich klaren Analyse.
"Du scheinst dich ja gut mit den alten Familien auszukennen?" fragte Harry den riesigen Wildhüter.
"Na ja!" brummte Hagrid errötend. "Ich lese gerne!" gestand er beinahe verschämt.
"Das ist kein Verbrechen!" lächelte Harry.
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Der Besuch bei Hagrid war ein guter Einfall gewesen, entschied Harry, als er auf dem Weg ins Schloss war. Gewiss, Hagrid konnte ums Leben nicht, ein Geheimnis bewahren, aber er hatte einen guten Blick auf Menschen. Harry musste sich ehrlich eingestehen, dass er diese Seite bei seinem alten Freund nicht vermutet hatte. Jeder hielt Hagrid für dumpf, dabei hatte er fast eine Slytherinseite in sich.
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Es war inzwischen kurz vor 22 Uhr und Harry hatte ein Problem. Sein Problem bestand darin, dass seine Kameraden nicht daran dachten ins Bett zu gehen. Es war schließlich Freitagabend und morgen war kein Unterricht. Harry saß wie auf Kohlen und durfte sich nichts anmerken lassen. Die Jungs spielten Snape explodiert und hatten jede Menge Spaß dabei, während sich Harry in einen der Sessel verzogen hatte und ein Buch las. Eine Minute vor 22 Uhr erhob er sich und legte das Buch auf den Sessel und ging ins Bad. Dort betrat er eine der Toiletten und verschmolz in die Schatten. Er brauchte nicht lange um in den drei Besenstielen das Zimmer der Flamels auszumachen.
"Onkel Nicki? Tante Peri?" hüstelte er dezent und die beiden Erwachsenen fuhren herum.
"Guten Abend, Harry!" lächelte Perenelle erfreut.
"Äh, ja guten Abend. Ist es möglich den Termin etwas zu verschieben?" fragte er sofort.
"Natürlich, mein Junge. Hast wohl Schwierigkeiten dich unbemerkt zu verziehen, hmm?" schmunzelte Nicholas.
"Volltreffer! Heute ist Freitag und die wollen heute einfach nicht ins Bett!" stöhnte Harry.
"Gut, dann bis Mitternacht. Oder wann immer es soweit ist!" grinste der Alchemist.
"Danke. Bis nachher!" war Harry erleichtert und ehe die beiden noch etwas sagen konnten, war er auch schon wieder verschwunden.
"Einfach erstaunlich!" murmelte Nicholas Flamel und starrte auf die schattige Ecke des Gastzimmers, wo eben noch der Junge gestanden hatte.
"Er wurde richtig ein Teil des Schattens. Faszinierend!" nickte seine Seelenpartnerin.
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Zweieinhalb Stunden später war es endlich soweit. Die Jungs des ersten Jahrgangs lagen alle in ihren Betten und schliefen. Harry hatte die Vorhänge um sein Bett geschlossen und sicherheitshalber noch einen Schutzbann auf seine Schlafstätte geworfen. Ohne, dass es die anderen bemerkten, kleidete er sich wieder an und war gleich darauf unterwegs.
Die Flamels hatten geduldig gewartet und sahen überrascht auf, als es an der Tür leise klopfte. Nicholas hob eine Augenbraue nachdem er die Tür geöffnet hatte und ließ Harry herein.
"Äh, ich wollte vorhin eigentlich nicht so einfach hereinplatzen. Sorry!" errötete der kleine Schattenmagier.
Perenelle lachte warum und umarmte den Jungen erst einmal. "Schön dass du endlich hier bist. Komm, setz dich zu uns!" legte sie ihm eine Hand auf den Rücken und schob ihn in Richtung der Sitzmöbel.
Die ersten Minuten plauderten sie über belanglose Sachen um die Atmosphäre etwas zu lockern, bis Harry tief seufzte.
"Nun gut. Kommen wir zum eigentlichen Grund unseres Treffens!" nickte ihm Nicholas ernst zu.
"Ihr wisst ja, was zur Zeit in Hogwarts geschützt wird?" fragte Harry und die beiden nickten. "Ich muss euch leider mitteilen, dass der Stein nicht sicher ist. Voldemort befindet sich im Schloss und ist hinter dem Stein her." verriet er ihnen.
Nicholas atmete scharf ein und Perenelles Hand verkrampfte sich um die Lehne ihres Sessels. Auch wenn sie es bereits wussten, so erschreckte sie es trotzdem.
"Weiß Albus davon?" fragte der Alchemist gefasst.
"Nein. Damals... Merlin, das klingt bizarr. Damals? Gut, ihr wisst ja wie ich es meine. Damals, habe ich vermutet, dass er mich prüfen wollte. Wie konnte er nicht bemerken, dass Quirrell von Voldemort besessen war? Jetzt weiß ich allerdings, dass es nicht ganz so einfach ist. Voldemort hat seine Anwesenheit geschickt verborgen. Quirrells Aura zeigt keinen Hinweis auf den dunklen Lord und selbst Hogwarts ist sich der Anwesenheit Voldemorts nicht bewusst. Sie spürt zwar, dass etwas nicht in Ordnung ist aber sie hat keinen Grund Quirrell zu misstrauen." erklärte Harry.
"Sie?" fragte Perenelle voller Neugierde.
"Ja, sie!" lächelte Harry. "Hogwarts hat ein Bewusstsein und es ist durchaus weiblich. Ich vermute mal, dass 1000 Jahre mächtigster Magie aller Art, seine Auswirkungen hat. Ob es von den Gründern so beabsichtigt war, bleibt dahin gestellt aber es ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Hast du nie etwas gemerkt Onkel Nicki?" wandte er sich an den berühmten Zauberer.
"Nein. Was aber nicht verwunderlich ist. Ich war nicht so oft in Hogwarts wie man annehmen sollte. Nur ab und an um ein paar Vorträge zu halten, aber das ist auch schon viele Jahrzehnte her. Wir, das heißt Perenelle und meine Wenigkeit, stammen nicht aus England, sondern sind auf dem Kontinent groß geworden. Holland, um präzise zu sein!" lächelte Nicholas.
"Yep! Ich weiß!" grinste der Junge verschmitzt. "Amsterdam. Ihr habt mich einmal mit dorthin genommen. Der magische Bezirk dort, ist wirklich zauberhaft!"
"Ja, ist er." lächelte Perenelle verträumt. Für einen kurzen Moment herrschte andächtiges Schweigen als jeder seinen Erinnerungen nachhing.
"Was können wir tun?" fragte Nicholas Flamel dann entschlossen.
"Euer Stein ist dort nicht länger sicher. Normalerweise hätte ich noch abgewartet, aber Voldemort ist viel aggressiver als ich ihn in Erinnerung habe. Ich denke nicht, dass er wie beim ersten Mal, bis zum Ende des Schuljahres warten wird. Also benötigen wir eine Lösung für dieses Problem." erklärte Harry grimmig.
"Wenn wir den Stein von Hogwarts entfernen, wird er misstrauisch werden." kniff Nicholas überlegend die Augen zusammen.
"Mit Sicherheit! Hmm, wäre es möglich den Stein zu fälschen?" hatte Harry eine Idee.
"Eine Fälschung?" spitzte Perenelle die Lippen und tauschte einen langen intensiven Blick mit ihren Seelenpartner.
"Es... wäre möglich... ja, durchaus. Die Farbe wäre entscheidend." murmelte der Alchemist und ging im Geiste jede Möglichkeit durch, nur um dann tief zu seufzen. "Wir haben nur ein Problem, Harry. Die Zeit. Die Herstellung eines Steines ist nicht nur äußerst kompliziert, sondern auch sehr Zeitaufwändig. Sieben Monate!" schüttelte er dann bedauernd den Kopf.
"Selbst bei einer Fälschung?"
"Leider ja. Es bestehen Abbildungen des Steines und Voldemort kennt sie mit Sicherheit. Die Färbung ist einzigartig und durch keine Magie zu ersetzen." erklärte Nicholas bedauernd.
"Shit!" sackte Harry leicht in sich zusammen, aber er wusste, dass Nicholas damit Recht hatte. Er selbst hatte den Stein ja einmal in den Händen gehalten und kannte seine unverwechselbare Farbe.
"Trotzdem ist dieser Vorschlag sehr vernünftig." warf Perenelle jetzt ein und hatte die Aufmerksamkeit der beiden. "Spielt es eine Rolle ob die Farbe übereinstimmt? Überlegt doch bitte einmal. Wir wollen Voldemort ködern und er wird nicht eher ruhen bis er den Stein in seinen Händen hält. Also geben wir ihm was er will. Ich denke, ich kann damit leben, wenn der dunkle Lord feststellen muss, dass er nur ein Faksimile in den Händen hält." lächelte sie raubtierhaft.
"Du hast Recht, meine Liebe. Mmmh, die Muggels haben inzwischen ein paar wirklich ausgezeichnete Lacke entwickelt. Vielleicht ist darunter eine Farbe, die an das Original herankommt?" zeigte Nicholas ein vergleichbares Lächeln.
"Muggellack? Oh Merlin! Welche Ironie!" fing Harry an zu kichern.
"Nicht wahr?" fiel Perenelle mit ein.
"Jetzt ist noch die Frage ob wir Albus einweihen?" sah Nicholas fragend zu dem jungen Schattenmagier.
"Noch nicht. Ich vertraue ihm mehr als das letzte Mal, aber eben noch nicht vollständig!" erwiderte Harry ruhig.
"In Ordnung. Ich kenne inzwischen die Motive für deine Zurückhaltung und stimme mit dir weitgehends überein. Obwohl ich anzumerken wage, dass Albus deinen Widerwillen nicht ganz verdient." sah ihm Nicholas in die Augen. Harry gab den Blick erst ungerührt zurück, bevor er sich leicht entspannte und leise seufzte.
"Albus Dumbledore hat mich gut 16 Jahre meines Lebens bewusst oder unbewusst manipuliert. Es ist nicht so einfach, dies zu vergessen." flüsterte er.
"Das verlange ich auch nicht. Doch du solltest bedenken, dass Albus nicht dieselbe Person ist, die du kanntest. Du selbst hast uns deine Überlegungen dazu mitgeteilt und sie sind gut durchdacht und wohl begründet. Perenelle und ich vermuten ebenfalls, dass du nicht nur in der Zeit zurück gereist bist, sondern dazu auch noch die Dimension gewechselt hast. Die Unterschiede mögen minimal sein, aber sie sind unübersehbar vorhanden. Seien es auch nur kleinste Abweichungen im Charakter von Menschen die du kanntest. Harry, ich habe nicht vor dich zu beeinflussen, aber ich möchte dir Rat geben, so wie du es von mir erwartest. Wenn du eine weitere Meinung dazu hören möchtest, dann empfehle ich dir Fawkes einfach zu fragen." sagte der uralte Alchemist weich.
Harry blinzelte überrascht und überdachte das gehörte. Nicholas hatte genau das geliefert was er wollte. Einen Rat und es lag an ihm ob er ihn befolgte oder nicht. Und schon der erste Rat war gut fundiert. Auf die Idee, Fawkes mit einzubeziehen wäre er wirklich nicht gekommen. Der uralte Phönix war nach Dumbledores Tod für einige Zeit verschwunden gewesen, bevor er sich Harry als Vertrauten angeschlossen hatte. Ein Umstand, der Harry bis heute noch erstaunte und berührte, denn er wusste nur zu gut, dass er lange nicht der Lichtzauberer wie Albus ist.
"Ich werde Fawkes fragen. Doch nicht sofort. Gebt mir bitte noch etwas Zeit!" verkündete er seine Entscheidung.
"Natürlich!" beruhigte ihn Nicholas sogleich.
"Danke. Ich werde den Stein unbemerkt austauschen, wenn du das Faksimile vollendet hast. Bis dahin... bis dahin werde ich Quirrell im Auge behalten und hoffen, dass er nichts versucht. Ist das in Ordnung?" sah er zu dem legendären Paar.
"Nicht unriskant, aber in Anbetracht der Sachlage wohl die einzige Lösung. Wir werden uns unverzüglich an die Herstellung des Steines machen und dir Bescheid geben, sobald er vollendet ist. Erwarte Post von uns." lächelte Perenelle. "Und staune nicht wenn du die Namen siehst. Wir werden uns sicherheitshalber unter einem weiteren Pseudonym verbergen. Die Van der Saars. Klingt hübsch, nicht?"
"Ihr scheint schon einige Überlegungen angestellt zu haben?" lächelte Harry.
"Ein wenig. Die Tarnidentität wird vermutlich nicht lange halten, aber warum sollten wir ein Risiko eingehen?" entgegnete Perenelle.
"Sehr vernünftig. Ich werde, für den Fall der Fälle, auch Sirius einweihen. Alleine schon aus Gründen des Überlebens. Er wäre sicher enttäuscht, wenn ich ihn deswegen belüge. Und keine Sorge, er ist sehr diskret und verschwiegen und beherrscht Okklumentik." überlegte Harry.
"Tue das. Es wäre nicht richtig, wenn du deine Lieben belügst. Ist soweit alles abgeklärt?" fragte Nicholas.
"Ich denke schon!" zuckte Harry die Schultern.
"Gut, dann lasst uns ein wenig über die helleren Seiten des Lebens plaudern. Erzähle uns bitte von deinen ersten Wochen in Hogwarts und ob du schon ein paar Freunde gefunden hast!" lächelte der alte Zauberer sanft.
"Gerne! Da ist erst einmal Draco Black, ehemals Malfoy. In der ersten Zeitlinie war er einer meiner heftigsten Feinde und nun ist er ein wirklich enger Freund geworden. Angefangen hat es mit Sirius' Entscheidung...!" fing Harry an zu erzählen.
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"Hey! Aufstehen, du Schlafmütze!" wurde Harry am nächsten Morgen eher unsanft geweckt.
"Uhhh?" blinzelte er verwirrt ins helle Licht und zog stöhnend das Kopfkissen über seinen Kopf. Die letzte Nacht war sehr lang gewesen. Bis in die Morgenstunden hatte er mit den Flamels geredet und die beiden hatten sehr geduldig und intensiv zugehört.
"Noch fünf Minuten!" nuschelte er.
"Na schön. Penn weiter!"
Doch das hörte Harry bereits nicht mehr. Als er das nächste Mal die Augen öffnete, war es still im Schlafraum. Langsam setzte er sich auf und spähte durch den Spalt der Vorhänge hindurch. Keiner zu sehen.
"Tempus!" murmelte er alarmiert und ächzte als er die Zeit ablas. Er hatte nicht nur das Frühstück, sondern gleich auch noch das Mittagessen verschlafen. Es war jetzt kurz nach 13 Uhr. "Blutige Hölle!" fluchte der grünäugige Junge und sprang aus dem Bett.
Eine Viertelstunde später war er noch mit leicht feuchtem Haar unterwegs zur Küche, um sich ein verspätetes Mittagessen zu holen. Ihm knurrte wirklich der Magen und er hatte keine große Lust sich etwas zu zaubern. Der Eingang war schnell erreicht und er kitzelte die Birne um die Bildertür zu öffnen. Die Küche war einfach riesig und es wuselten Dutzende von Hauselfen geschäftig hin und her, die schon in den Vorbereitungen für das Dinner steckten. Harry musste die Hauselfen nicht lange bitten. Nachdem sie sich von ihrer Überraschung erholt hatten wurde er förmlich mit Speisen eingedeckt und der Junge ließ es sich schmecken. Er bedankte sich danach herzlich bei ihnen und viel fehlte nicht und einige wären in Ohnmacht gefallen. Sie verhielten sich noch ehrfürchtiger als sonst, war Harry der Meinung als er sich bereits auf dem Weg ins Freie befand.
Seine Freunde nutzten das schöne Herbstwetter und hatten sich an ihrem Lieblingsplatz, eine Gruppe Felsen am See, versammelt.
"Da ist ja der Langschläfer! Ich dachte schon, du wolltest Winterschlaf halten!" neckte ihn Draco gutmütig.
"Ich war echt versucht!" scherzte Harry.
"Hast du schlecht geschlafen?" fragte hingegen Hermine besorgt.
"Äh, mehr oder weniger!" wich Harry aus.
"Ab und zu braucht man einfach ein wenig mehr Schlaf. Im Fuchsbau zu Hause habe ich einmal den ganzen Tag verpennt. Mom dachte schon ich sei krank, dabei war ich einfach faul!" erklärte Ron.
"Ehrlich ist er ja!" kicherte Neville.
"Wo sind denn die Zwillinge?" wandte sich Harry an Ron.
"Die sind in Hogsmeade. Die trinken sicher gerade Butterbier und stopfen sich Süßigkeiten in sich hinein!" erwiderte der Rotschopf voller Neid.
"Merlin! Du hast es unbedingt erwähnen müssen. Süßigkeiten, mmmh." seufzte Draco, der ein ziemliches Leckermäulchen war.
"Habt ihr Fred und George gefragt ob sie euch etwas mitbringen?" wollte Susan wissen.
"Äh, nein!" gab Ron zu.
"Selbst schuld. Wenn ihr nicht soweit denken könnt, dann...! Gut lassen wir das. Wir wissen ja alle, dass wir Mädchen, euch Jungs überlegen sind!" meinte Hermine schnippisch und gab Susan die Fünf.
"Ach nee! Wissen wir das? Wer's glaubt!" schnaubte Ron und die anderen Jungs, einschließlich Harry, nickten zustimmend.
"Susan und ich, haben die Zwillinge darum gebeten, uns etwas mitzubringen. Und ihr?" schob Hermine das Kinn vor.
"Das zeigt nur, dass ihr verfressener seid, aber nicht überlegen." hielt Harry trocken dagegen.
"Also, bitte. Verfressener? Pfuu. Du hast einfach keine Ahnung, mein lieber Harry." grinste die Ravenclaw maliziös.
"Lass es Hermine, die Jungs haben nur die Argumente der Besitzlosen!" stärkte ihr Susan den Rücken.
"Kann es sein, dass die Mädchen aufmüpfig werden?" murmelte Neville.
"Sieht so aus, Kumpel!" raunte Draco aus den Mundwinkeln zurück.
"Yeah!" brummelte Harry.
Bevor die Jungs weiter darauf eingehen konnten, ließ Hermine einen spitzen Schrei los und winkte aufgeregt. Wie ein Mann drehten sich die Jungen um und konnten die Zwillinge ausmachen. Nur wenige Augenblicke später hatten Fred und George die Gang erreicht.
"Habt ihr es?" fragte Susan erregt.
"Aber selbstverständlich. Wir Weasleys...!"
"... halten unser Wort!" beendete Fred mit einem lässigen Grinsen. Mit einer Verbeugung reichte er Susan einen kleinen Beutel und die Hufflepuff nahm ihn ein wenig irritiert entgegen.
"So wenig?" wagte sie zu fragen.
"Nicht doch, Mädchen." grinste George und zückte seinen Zauberstab. Ein lässiger Schlenker und der kleine Beutel wuchs und wuchs, bis Susan eine prall gefüllte Einkaufstüte in der Hand hielt. Gespannt warf sie einen Blick hinein und schnurrte geradezu.
"Danke Jungs!" strahlte sie und drückte George ein Küsschen auf die Wange.
"Äh, und ich?" fragte Fred. Hermine lachte und auch Fred wurde mit einem dicken Schmatz bedacht.
"Was hast du denn Schönes bekommen?" fragte Ron neugierig und wollte einen Blick in die Tüte werfen. Susan knurrte und drehte sich weg. "Och, komm schon Susan. Ihr habt bestimmt Zuckerkiele übrig." bettelte der Rotschopf. Vergessen war sein Stolz und sein unstillbarer Appetit kam zum Vorschein.
"Nichts da. Ihr hättet selbst daran denken können. Ich bin mir sicher, dass die Zwillinge euch ebenfalls etwas mitgebracht hätten. Hmm, vielleicht wenn ihr schön bettelt...!" fing Hermine an zu grinsen.
"Au weia. Die Mädels sind ganz schön hart." wunderte sich Fred.
"Ja, was habt ihr denn verbrochen?" grinste George.
"Nichts!" kam es unisono von den Jungs. Die zwei Mädchen kicherten und wechselten einen schnellen Blick.
"Na schön. Wir wollen mal nicht so sein!" gab Susan nach und griff tief in die Tüte und offerierte ein paar Zuckerkiele. Wie zu erwarten war, lehnte keiner der Jungen das Angebot ab und die Zwillinge lachten leise und holten ebenfalls etwas aus ihren Taschen.
"Hier. Damit ihr Looser...!"
"... nicht ganz ohne da steht!"
"Wahnsinn! Butterbier! Für uns?" riss Ron die Augen auf.
Die zwei Weasleybrüder hatten eine kleine Kiste Butterbier dabei und verteilten die Flaschen großzügig an alle. Das Lieblingsgetränk vieler Zauberer schmeckte hervorragend zu den Süßigkeiten.
"Yeah, so muss es sein. Am See sitzen und Butterbier schlürfen. Das nenne ich Leben!" stieß Ron dezent auf.
Harry hatte es sich neben den Zwillingen gemütlich gemacht und lehnte sich zu Fred leicht hinüber.
"Ich müsste mich euch Zwei mal reden. So unter uns!" murmelte er.
"Probleme?" flüsterte Fred zurück.
"Nee, nicht wirklich. Es geht um einen Streich." lächelte Harry geheimnisvoll.
"Da bist du bei uns genau richtig. Lass hören." erwiderte Fred das Lächeln.
"Später!" blinzelte der schwarzhaarige Junge.
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Es dämmerte schon als die Gruppe zurück in Schloss ging. Die Kiste Butterbier, die die Zwillinge spendiert hatten, war mittlerweile leer, wie auch ein Großteil der Süßigkeiten. Harry war es leicht übel und so wie es aussah war er nicht der einzige, der sich leicht überfressen hatte. Der einzige der von der Kalorienorgie unbeeinflusst schien, war Ron.
"Ich frage mich, was es heute leckeres zum Abendessen gibt?" rieb er sich erwartungsvoll die Hände.
"Ron, du kannst unmöglich menschlich sein. Wie kannst du jetzt schon wieder ans essen denken? Gott, ich glaube, mir wird schlecht!" würgte Hermine deren Teint leicht grünlich wirkte.
"Ich esse nie wieder Zuckerkiele!" ächzte Susan.
"Bitte erwähne dieses Wort nicht mehr." stöhnte Draco.
"Welches? Zuckerkiele?" hakte Susan nach.
"Merlin!" hielt sich Draco die Hand vor dem Mund.
Hermine wimmerte und rannte unvermittelt los und stürmte ins Schloss, gleich gefolgt von Susan.
"Was haben die denn?" wunderte sich Ron ahnungslos.
"Unser kleiner Bruder...!"
"... hat einen Magen wie aus Stahl. Wahrscheinlich hat ihn...!"
"... Mom einmal aus Versehen verflucht." schüttelte George den Kopf und hielt Harry am Ärmel zurück. "Du wolltest reden?" senkte er die Stimme.
"Yep. Ich möchte einen Streich spielen und gedenke euch dazu einzuladen." nickte Harry.
"So, so, einen Streich. Denkst du, du bist dazu in der Lage...!"
"... oder hast du dich als Firstie nicht ein wenig damit übernommen?" spöttelten die zwei Schelme.
"Übernommen? Ts, ts, Gred und Forge, jetzt bin ich aber enttäuscht." schnalzte Harry missbilligend mit der Zunge.
"Woher kennst du unsere Spitznamen?" riss George die Augen auf.
"Ich habe Mittel und Wege, mein Lieber." polierte Harry seine Fingernägel blasiert an seiner Robe. Leider konnte er diese Pose nur für einen kurzen Augenblick aufrechterhalten, bevor ihn sein Grinsen verriet.
"Gred, Bruder mein!"
"Ja, Forge?"
"Ich denke, unser kleiner ickle Harrikiens könnte ein Nachwuchsschelm sein!"
"Mal abwarten. Noch haben wir keinen Beweis für diese These gesehen!" meinte Fred mit einem frechen Grinsen.
"Ihr wollt Beweise?" fragte Harry herausfordernd.
"Sicher!"
"Und wenn ich euch verrate, dass ich das Journal der berühmt berüchtigten Plünderer mein Eigen nenne?"
"Nicht möglich!" rissen beide Jungs die Augen auf.
"Du... du scherzt nicht?" fragte Fred mit schwacher Stimme und Harry schüttelte den Kopf.
"Allmächtiger. Wie bist du in den Besitz gekommen?" fragte George ehrfürchtig.
"Moony und Padfoot haben es mir geschenkt!" verriet Harry.
"Du kennst sie?" stieg Freds Stimme um ein paar Oktaven vom Bariton zum beinahe reinen Sopran.
"Yup! Ihr wohl nicht?" fragte Harry mit weit aufgerissenen, unschuldig wirkenden Augen.
"Warte Fred. Der verarscht uns!" wurde George misstrauisch.
"Wehe!" kniff sein Bruder die Augen zusammen. "Das wäre Blasphemie... na ja, beinahe zumindest!"
"Ich verarsche euch nicht Jungs. Wirklich nicht. Wollt ihr wissen woher ich die Plünderer kenne?" senkte Harry die Stimme und die Zwillinge rückten näher. "Prongs, Padfoot, Moony und leider auch Wurmschwanz."
"Ja, das sind die Namen!" nickte Fred begeistert.
"Du hast den letzten Namen ziemlich zögerlich ausgesprochen!" fiel es George auf.
"Kein Wunder. Es wird euch klar werden, wenn ich euch die wirklichen Namen der Plünderer nenne. Prongs war James Potter, mein Vater. Padfoot ist Sirius Black und Moony ist Remus Lupin. Wurmschwanz, war der Verräter Peter Pettigrew." erklärte er leise. Die Zwillinge waren wie erstarrt und sahen Harry aus großen Augen an.
"Süßer Merlin. Du bist ein...!"
"... Erbe der Plünderer." beendete Fred ehrfürchtig. Er wechselte einen Blick mit seinem Zwillinge der unmerklich nickte. Dann griff er in seine Robe und holte ein altes, gefaltetes Pergament heraus, das Harry nur zu gut bekannt war. "Im Grunde gehört es rechtmäßig dir Harry. Wir haben dieses Kleinod vor einiger Zeit bei Filch im Büro äh... geborgt." gestand er mit einem ironischen Grinsen.
"Woah! Die Karte der Plünderer." pfiff Harry leise durch die Zähne.
"Du kennst sie?" war Fred baff.
"Mein Vater hat es in seinem Journal erwähnt und Sirius konnte sich nicht mehr daran erinnern, wo sie abgeblieben ist." meinte Harry.
"Hier, nimm sie in Verwahrung. Sie gehört dir!" hielt es ihm Fred hin. Man konnte deutlich erkennen, dass er sich nicht gerne davon trennte und deshalb zögerte Harry.
"Ich werde sie mir im Moment nur von euch leihen. Wenn Padfoot und Moony damit einverstanden sind, werde ich sie euch wieder zurückgeben. Ich denke, ihr seid die wahren Nachfolger der Plünderer. Danke Jungs!" war Harrys Stimme weich als er die Karte ergriff. Andächtig strich er über das alte Pergament und flüsterte das Passwort. "Ich schwöre ernst, ich bin ein Tunichtgut!" Sofort erschienen Buchstaben und Linien auf dem bis dahin leeren Pergament.
"Das beweißt es, Bruderherz." murmelte George.
"Yeah, er kennt das Passwort. Uhh, Harry? Wäre es möglich, die Herren Padfoot und Moony zu treffen?" fragte Fred mit leuchtenden Augen.
"Ich bin sicher, sie wären erfreut!" lächelte Harry. "Aber jetzt lasst uns die Köpfe zusammenstecken und etwas aushecken!"
"Wir...!"
"... sind ganz Ohr, Freund." grinsten die Zwillinge verschwörerisch.
TBC...
A/N: So, das war es für heute. Das nächste Update kommt bestimmt, auch wenn es ein wenig dauern kann. Leider hänge ich im Augenblick ein wenig durch und leide immer noch an äh, äh, äh...! Yep, genau daran. Es hat mir viel Spaß gemacht dieses Kapitel zu schreiben. Die Flamels sind interessante Persönlichkeiten und ich war immer der Meinung, dass Rowlings die beiden unterschätzt hat. Einfach sterben, nur weil Dumbledore es empfiehlt? Hah, selten so gelacht. Aber das ist natürlich meine persönliche Meinung. Ich wünsche euch allen ein Frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. In diesem Sinne, euer,
Marius
