VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Nach einiger Abstinenz endlich ein Update. Sorry für die lange Wartezeit, aber ich stecke im Moment total in der Schaffenskrise. Seit nun rund sieben Wochen habe ich so gut wie gar nichts geschrieben. Dieses Kapitel ist noch das Ergebnis aus 'besseren' Zeiten. Leider. Zu eurer Beruhigung. Ich habe NICHT vor, meine Geschichte unbeendet zu verlassen. Ehrenwort. Es wird aber ein wenig dauern, bis weitere Kapitel gepostet werden. Ich gebe zu, dass ich deswegen ein echt schlechtes Gewissen habe, aber ich kann es nicht ändern. Entschuldigungen? Nun, abgesehen von meinem angegriffenen Gesundheitszustand... äh, nun, ich finde nur eine: schlichtweg Faulheit.
Drückt die Daumen, damit ich dieses tiefe Tal schnell durchschreite. Jetzt viel Spaß beim lesen, wünscht euch
Marius
ooOOoo
Kapitel 18
Den Samstagabend nutzte Harry um Sirius und Remus von seinem Treffen mit den Flamels zu berichten.
"Du warst auf einer Insel der Bahamas?" ächzte Siri.
"Yup!"
"Und du bist nicht auf die Idee gekommen, mich eventuell einzuladen?"
"Nö!"
"Egoist!"
"Hey, das war kein Betriebsausflug."
"Trotzdem. Harry überlege doch einmal, die Bahamas. Sonne, Palmen, kristallweiße Strände und Mädchen in knappen Bikinis!" seufzte Sirius verträumt.
"Du bist ein verheirateter Mann, Siri. Lass Serena lieber nicht hören, dass du an halbnackte Mädchen denkst." grinste Harry.
"Ssshh! Nicht so laut!" flüsterte sein Pate heiser.
"Welche halbnackte Mädchen in Bikinis, Schatz?" war eine drohende Stimme hinter Sirius zu vernehmen.
"Holy Shit." wurde Sirius blass.
"Wir sehen uns, Onkel Siri. Bis später!" machte Harry hastig Schluss und kringelte sich dann vor Lachen. Er machte sich keine Sorgen, da er wusste, dass sich Sirius aus beinahe jeder Lage herausreden konnte. Leise kichernd lümmelte er auf seinem Bett und dachte an das vorangegangene Gespräch mit seinem Paten. Wie er insgeheim gehofft hatte, war Sirius mehr als einverstanden gewesen, die Flamels mit einzubeziehen. Harrys Entscheidung, Albus Dumbledore noch nicht einzuweihen, hatte er ebenfalls bestätigt. Was aber nicht so sehr verwunderte, denn Sirius warf es Albus noch immer vor, seinen Patensohn bei den Dursleys unterzubringen.
Sirius Black war sehr verblüfft gewesen, als Harry ihm die Karte zeigte. Sie wäre besonders hilfreich, Professor Quirrell zu überwachen.
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In den nächsten knapp zwei Wochen kam Harry nur selten zum schlafen. Tagsüber war es kein großes Problem, den Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu überwachen. Abends, oder nachts hingegen, war es nicht mehr so einfach. Doch hier half die Karte ungemein. Harry verlor ihn nur einmal aus den Augen, als Quirrell am Ende der zweiten Woche, in Richtung des verbotenen Waldes verschwand. Aber Harry wusste, wohin dieser wollte und war einen langen Augenblick sehr unsicher. Sollte er es zulassen, dass ein Einhorn sein Leben lassen musste?
Nein, entschied er dann.
Harry war diese Woche bei den Slytherins und so war er alleine in seinem Zimmer. Augenblicklich verschwand er in den Schatten, um die kleine Einhornherde die es im Wald gab, zu suchen. Er kam viel schneller voran als Voldemort und die Schatten halfen ihm dabei, die Herde auszumachen. Sie grasten auf einer kleinen Lichtung, die vom Sternenlicht erhellt wurde. Auf den Baumspitzen lag Schnee wie ein Hauch Zuckerguss und reflektierte das Sternen und Mondlicht. Das schneeweiße Fell der Einhörner schien in diesem Licht besonders kräftig zu leuchten und ließen sie fast ätherisch wirken. Es war eine bezaubernde Szene die sich vor Harry ausbreitete. Für ein paar Sekunden gönnte er sich den Anblick in aller Ruhe, bevor er langsam aus den Schatten hervor trat und am Rand der Lichtung wartete. Er wollte die scheuen Tiere nicht verschrecken und so wartete er geduldig, bis ihn eines wahrnehmen würde. Was nicht lange dauerte. Der dominierende Hengst der Herde war wachsam und hob alarmiert den Kopf und starrte in Harrys Richtung. Der Junge erwiderte den Blick des Hengstes und konnte eine federleichte Berührung am Rande seines Geistes feststellen.
Gefahr droht. Etwas Böses ist nach dem Blut deiner Herde und wird keine Gnade kennen. Flüchtet. Flüchtet! schickte er dem Hengst, mit seiner Magie verstärkt, mental zu.
Der Hengst gab ein leises, warnendes Schnauben von sich und alle Einhörner hoben die Köpfe. Die erwachsenen Tiere bildeten sofort einen lebenden Wall um die beiden Fohlen der Herde, während der Hengst vorsichtig vortrat und sich dem Jungen näherte. Gut einen Meter vor Harry blieb er stehen und musterte das Menschenkind, das ihn gewarnt hatte. Dann schob er sich nach vorne, bis sein Horn den Jungen sachte auf der Brust berührte. Harry zuckte mit keinem Muskel und gab den Blick des Hengstes ruhig zurück. Dieser schnaubte ein weiteres Mal und zog das Horn zurück und stupste Harry diesmal sanft mit seinem Maul an. Es war samtweich und warm in der kühlen Nachtluft. Ein weiterer Stupser und Harry erkannte was der Hengst wollte.
"Du willst, dass ich aufsteige? Wirklich? Woah!" hauchte er ehrfürchtig. Der Hengst schnaubte wieder und diesmal klang es fast belustigt.
Harry griff nach der Mähne des Hengstes und schwang sich geschmeidig hoch und saß auf. Kaum saß er auf dem Rücken, als der Hengst auch schon zu laufen anfing. Die Herde folgte unverzüglich dem Leithengst, der ein forsches Tempo vorlegte. Der wilde Ritt ging durch den nächtlichen Wald und Harry konnte beim besten Willen nicht sagen, welche Richtung der Hengst einschlug. Tief hängende Äste strichen über ihm hinweg und er legte sich so flach wie nur möglich auf dem breiten Rücken nieder und hielt sich an der Mähne fest.
Habe keine Furcht. Ich werde euch durch die Schatten führen! sendete Harry dem Hengst zu. Dieser wieherte kurz und schickte ein Gefühl des Einverständnisses zurück. Also griff Harry mit seinen Schattenmächten und seiner Magie aus. Der Tritt des Einhornhengstes schien zu stocken und die Umgebung merkwürdig zu rucken. Zwei weitere Male wankte das Bild und Harry blickte über seine Schulter zurück. Die Herde hatte aufgeschlossen und schien vollständig. Auch die zwei Fohlen, kaum älter als ein halbes Jahr, waren dabei.
Der Leithengst verlangsamte seinen Galopp und verfiel in einen ruhigen Kanter und dann in den Trab, bis er auf einer weiteren Lichtung unvermittelt stehen blieb. Harrys Augen weiteten sich als er das milde Sonnenlicht sah, das die liebliche Lichtung durchflutete.
"Ähh! Nanu!" ächzte der Junge überrascht. Der Ritt hatte doch höchstens nur eine Viertelstunde gedauert und es konnte unmöglich schon der nächste Morgen sein. Wo zur Hölle war er hier nur gelandet? "Weißt du wo wir hier sind?" fragte er den Hengst laut.
Einer der heiligen Orte, Jüngling! hörte Harry deutlich eine Stimme in seinen Geist. Sie klang voll und sehr männlich.
"W... Warst du das?" stotterte er überrascht und hörte die Stimme lachen. "Wie ist das nur möglich?"
Magie! kam es sehr trocken.
"Was frage ich auch." murmelte Harry und schwang ein Bein hinüber und rutschte vom Rücken des Einhorns herab.
Hier an diesem Ort, gelten andere Gesetze der Magie. Ältere, mächtigere! Deshalb ist es mir möglich, mit dir zu reden, junger Magier. erklärte der Hengst.
"Oh! Verstehe. Äh... hast du einen Namen?" fragte Harry neugierig.
Nein! Einhörner benötigen keinen Namen, wir haben eine andere Art und Weise uns zu identifizieren. erwiderte der Hengst und schickte Harry gleichzeitig ein Bild zu. Er erkannte eindeutig den Leithengst und Harry wusste jetzt, was dieser mit seiner Bemerkung gemeint hatte. Das Gefühl der Identität war mehr als eindeutig. Es war aber auch nicht in Worte zu fassen.
"Faszinierend. Es ist auf jeden Fall unverwechselbarer, als ein einfacher Name." lächelte der Junge.
So ist es! Nun verrate mir bitte, vor wem du uns warnen wolltest! bat der Hengst.
"Ich weiß nicht, wieviel ihr von der Welt der Zauberer wisst?" fragte Harry vorsichtig.
Wir wissen einiges. Die Zentauren halten Kontakt mit uns und so erfahren wir ab und zu Neuigkeiten aus dem Reich der Menschen.
"Dann habt ihr von Voldemort gehört?"
Das böse Wesen, mit der zerstörten Seele? Wir haben seine Anwesenheit im Schloss des weißhaarigen Zauberers gespürt! bestätigte der Hengst voller Abscheu.
"Ja, er ist wahrlich böse und er ist nicht tot, wie alle hoffen, sondern existiert als Körperloser Geist. Er trachtet danach, seinen Körper wieder herzustellen, aber bis dahin ist er darauf angewiesen, mit dunklen Ritualen am Leben zu bleiben. Und er kennt keine Skrupel, um dieses Ziel zu erreichen. Er wollte euer Blut trinken." verriet ihm Harry.
Die Reaktion überraschte den Jungen. Alle Einhörner fingen an, durch das Horn einen Laut abzugeben. Harry hatte solch einen Ton noch niemals vorher gehört und er hatte auch nicht gewusst, dass Einhörner dazu in der Lage waren. Jedes Tier hatte eine verschiedene Tonart, meist nur ein feiner Unterschied, aber doch bemerkbar. Der Leithengst gab einen tiefen, schwingenden Laut von sich, der ein wenig an ein Tenorsaxophon erinnerte, während die Fohlen eher nach Flöten klangen. Der Klang war atemberaubend, verstörend und triefte geradezu vor Magie und Macht. Wenn Harry ein Feind der Herde gewesen wäre, hätte er tiefe Furcht empfunden. Es war eine deutliche Warnung an jeden, der es auch nur wagen würde, einen aus der Herde anzugreifen. Langsam erstarb der Klang, bis nur noch schwache Echos davon aus dem Wald widerhallten.
"Ich... ich wusste nicht, dass Einhörner das können?" flüsterte Harry ehrfürchtig.
Es ist nur an solchen heiligen Orten zu vernehmen! erklärte der Hengst ernst und musterte den Jungen intensiv.
"Was?" hüstelte Harry und verschob sich unter dem Blick verlegen.
Wir haben auch von dir gehört, Streiter des Lichtes! sagte der Hengst ruhig und sofort richteten alle Einhörner ihre Aufmerksamkeit auf den Menschenjungen, dessen Verlegenheit sich augenblicklich vervielfachte. Eines der Fohlen stakste neugierig nach vorne und beschnupperte Harry, der sich nicht bewegte.
"Ich wurde bereits schon einmal so bezeichnet? Was hat das zu bedeuten?" fragte Harry verstört.
Du weißt es nicht, Streiter? wunderte sich der Hengst und Harry schüttelte den Kopf. Dann ist auch nicht an mir, es dir zu erklären. Es werden andere kommen, die dich unterweisen werden.
"Na Klasse! Jetzt sind sogar schon die Einhörner so ausweichend wie Zentauren!" stöhnte Harry und erntete ein tiefes Lachen. "Das ist nicht witzig!" murrte der Junge.
Habe Geduld und verhalte dich nicht wie eines meiner Füllen! klang der Hengst amüsiert. Das Fohlen zuckte leicht zusammen und schob sich etwas von Harry fort, und schaffte es tatsächlich ein Schmollen zu zeigen.
"Sie sind wirklich niedlich!" schmunzelte Harry.
Ja, und sie wissen es nur zu gut. seufzte der Hengst und klang wie so viele Väter vor ihm, was Harry ein leises Lachen entlockte.
"Ich werde also nichts erfahren?" fragte er dann den Hengst.
Es tut mir Leid, Streiter. Doch einen Rat werde ich dir zukommen lassen. erwiderte das Einhorn und hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit des Jungen. Suche solch heiligen Boden, wie diesen auf dem wir gerade stehen. An solch einen Ort, wirst du erleuchtet werden.
Harry holte tief Atem und nickte dann dem Einhornhengst dankbar zu. Er wusste, dass er nichts Weiteres von ihm erfahren würde. Aber er war dankbar für jeden kleinen Brocken an Information. Sein Blick strich über die Lichtung und nahm jede Einzelheit auf. Es war in der Tat ein Heiligtum und er konnte die Macht des Ortes in seinen Inneren fühlen.
"Danke!" sagte er weich.
Dank ist unnötig. Eher gebiert dir unser Dank! versicherte ihm der stolze Einhornhengst.
"Ich tat, was ich tun musste. Seid ihr hier sicher?" wandte er sich an die magische Kreatur.
Nichts Böses und Dunkles kann diesen Ort betreten. Wir werden hier verweilen, bis die Gefahr gebannt ist. Nun gehe, Streiter. befahl der Hengst.
"Lebt wohl." winkte Harry der Einhornherde zu und schritt auf dem Waldrand zu, wo er noch einen letzen Blick zurück warf, bevor er in mit den Schatten verschmolz.
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Am nächsten Morgen saß Harry am Tisch der Slytherins und wartete darauf, dass Quirrell die große Halle betrat. Er musste nicht lange warten. Der junge Professor für Verteidigung, wirkte abgespannt und sehr blass.
"Was ist denn mit dem los? Er sieht aus, als hätte er die Nacht durchgezecht." fiel es auch Blaise auf.
Auch dem Kollegium schien Quirrells gehetzter Zustand aufzufallen. Harry konnte sehen, wie Dumbledore dem Professor eine Frage stellte und wie dieser abwinkte. Snape hingegen musterte seinen Kollegen mit Misstrauen und rümpfte die Nase, als sich dieser neben ihm niederließ. Der Blick des Trankmeisters irrte zu dem Tisch seines Hauses und er gab Harry mit seinen Augen unauffällig ein Zeichen.
Nach dem Frühstück schloss sich Ron Harry an und dieser verschleppte das Tempo ein wenig. Er wartete darauf, dass ihn Severus Snape auf dem Gang vor der großen Halle einholte, aber das konnte er dem Rotschopf kaum auf die Nase binden. Harry musste nicht lange auf Snape warten.
"Guten Morgen, Professor!" nickte er dem Trankmeister höflich zu.
"Guten Morgen, Potter!" schnarrte der Hauslehrer der Slytherins wie gewohnt. Es hörte sich im ersten Moment wie immer an, doch wenn man genauer hinhörte, konnte man einen feinen Unterschied bemerken. Snapes kalter Blick glitt an dem Jungen auf und ab und ignorierte Ron völlig. "Ihre Kleidung sitzt nicht korrekt, Potter. Arrest. Heute Abend. 20 Uhr!" zischte Snape, bevor er sich, mit einem dramatischen Schlenker seiner Roben, herum drehte und davon glitt, ehe Harry irgendeinen Einwand vorbringen konnte.
"Ich glaube es einfach nicht. Die alte Fledermaus hat dich echt auf dem Kieker!" ächzte Ron mit großen Augen.
"Ich werde es überleben!" zuckte Harry lässig mit den Schultern.
"Trotzdem! Er kann dir doch nicht einfach einen Arrest aufbrummen, nur weil ihm deine Kleidung nicht gefällt. Du solltest es vielleicht Professor McGonegall melden." war Ron empört.
"Ich habe alles im Griff, Ron. Vertrau mir!" winkte Harry ab.
"Da bin ich mir nicht so sicher!" murmelte der Rotschopf skeptisch aber unterließ weitere Bemerkungen.
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Nach Harrys bescheidener Meinung, vergingen die Stunden des Tages nicht schnell genug. Immer wieder murmelte er den Zauber für die Zeitangabe und seufzte jedes Mal, wenn er die Zeit ablas. Endlich war es Zeit für das Abendessen und kurz danach war er auf dem Weg zu Professor Snape. Fünf Sekunden vor 20 Uhr klopfte er an die Tür von Snapes Büro und trat nach dessen schroffer Aufforderung ein.
"Wenigstens sind sie pünktlich, Potter." war Snapes Gesicht ausdruckslos. "Schließen sie die Tür." forderte er. Harry tat, wie ihm befohlen und sah dann abwartend zu Snape.
Der Trankmeister zückte seinen Stab und murmelte ein paar Beschwörungen in seinen Bart. Harry erkannte an den Stabbewegungen, dass es Schweige und Abschirmzauber waren und war nicht sehr überrascht. Sicherheitshalber fügte er noch ein paar hinzu, nachdem der Professor seine beendet hatte und erntete dafür einen interessierten Blick des Mannes.
"Ich sehe, sie wissen inzwischen, dass der Arrest nur ein Vorwand war?"
"Es war nicht schwer, Sir!" lächelte Harry. "Ihre Kleidung sitzt nicht korrekt?" wiederholte er ironisch.
"In der Tat. Die linke Seite ihrer Robe hing einen Zoll tiefer!" erklärte Snape und diesmal war sich Harry sicher, dass er in den Mitternachtsschwarzen Augen, ein amüsiertes Funkeln entdeckte. "Bitte setzen sie sich, Mr. Potter!" machte Snape eine einladende Geste. "Tee?"
"Äh, gerne Sir. Danke!" staunte Harry über den veränderten Ton. Snape klang auf einmal direkt freundlich, wenn das überhaupt möglich war.
Es vergingen ein paar Minuten in aller Stille und nur das gelegentliche Klirren der Teelöffel und das Knacken im Kamin war zu hören.
"Ich habe mir ihr Angebot durch den Kopf gehen lassen." brach Snape das Schweigen.
"Und?"
"Es ist nicht so einfach, Mr. Potter. Mein Verbleiben hier in Hogwarts... hängt von meinen Nutzen ab." runzelte Severus die Stirn, als er dieses, für ihn sicher nicht leichte, Eingeständnis machte.
"Ich weiß von ihrer Tätigkeit als Spion, Sir." erklärte Harry weich. Severus' Gesicht zeigte für eine Sekunde Überraschung, bevor es wieder eine ausdruckslose Maske wurde.
"Es blieb bei unserem letzten Gespräch unerwähnt, aber woher wussten sie, dass ich das dunkle Zeichen trage?" fasste ihn der Trankmeister scharf ins Auge.
"Ich kann ihnen diese Frage nicht beantworten. In diesem Punkt müssen sie mir einfach vertrauen, Sir." gab Harry den Blick offen zurück. Snape atmete tief ein und war stark versucht, seine Legimentikkünste bei dem Jungen einzusetzen. Potter verlangte viel, denn Severus Snape vertraute keinem. "Sie wissen, dass Legimentik nicht klappen würde!" erinnerte ihn Harry.
"War es so deutlich zu sehen?" schnaubte Severus.
"Diesmal schon."
"Also gut. Mir bleibt keine Wahl, auch wenn es mir nicht gefällt." murmelte Snape säuerlich.
"Hmm, bitte verzeihen sie meine persönliche Neugierde, Sir. Doch würden sie Lehrer in Hogwarts bleiben, wenn sie das dunkle Mal losgeworden sind?" fragte Harry vorsichtig.
"Gute Frage... und ich kann sie ihnen beim besten Willen im Moment nicht beantworten. Albus gab mir damals eine Chance und ich würde ihn ungern hängen lassen." gestand Snape aufrichtig und überraschte sich selbst damit.
"Sie sind ein exzellenter Tranksmeister, Sir. Leider...!" verstummte Harry errötend. Beinahe hätte er sich verplappert.
"Leider...? Nur weiter, Potter. Sie wollten etwas anmerken?" forderte ihn Snape auf. Der Professor hatte spöttisch eine Augenbraue angehoben.
"Nun, wenn sie mich schon auffordern...? Sie sind ein exzellenter Tranksmeister. Wohl einer der fünf Besten weltweit. Leider... leider sind sie ein lausiger Lehrer." steckte Harry nicht zurück.
"Ach... ist das so?" wurde Severus' Stimme glatter und kühler.
"Yup! Wenn sie ihren Unterricht nur etwas... moderater gestalten würden, dann wäre ich mir ziemlich sicher, dass viele der Schüler, ihre, mit Sicherheit vorhandene Liebe zu Tränken, nicht ersterben lassen würden. Aber so nehmen sie einem die Freude an dieser schönen Kunst!" erklärte Harry. Er selbst hatte seine Zuneigung zu Tränken mit Sirius zusammen entdeckt. Es hatte etwas durchaus Beruhigendes und Entspannendes, einen komplizierten Trank zu brauen und die Erregung zu erfahren, wenn er gelang. Oder die Aufregung, wenn man Neuland beschritt und etwas völlig Neues entwickelte.
"Moderat?" echote Severus und klang als würde er an dem Wort erbrechen.
"Na ja!" zuckte Harry die Schultern.
"Ich denke nicht, Mr. Potter, dass ich mit ihnen, meinen Unterrichtsstil zu diskutieren habe. Es obliegt allein mir. Und zu ihrer Bemerkung über erstorbene Liebe zu Tränken...! Sie war überflüssig. Wenn einer der Schüler Tränkebrauen wirklich liebt, dann passt er in meinem Unterricht auf. Nicht so wie all die anderen Dummköpfe!" flüsterte Snape und seine Wangen waren blass vor Zorn.
"Das sehe ich anders, Sir. Man kann auch Liebe abtöten, sie vor allen anderen sollten das wissen." erwiderte Harry hitzig und dachte dabei an seine Mutter.
"Wie können sie es nur wagen, Potter?" sprang Severus aus seinem Stuhl auf und beugte sich über dem Schreibtisch in Richtung des Jungen.
"Verzeihen sie Sir, das war unangemessen!" wurde Harrys Gesicht heiß vor Verlegenheit. Doch er wich dem brennenden Blick des Trankmeisters nicht aus. Snape beugte sich noch weiter nach vorne, bis er nur noch wenige Zentimeter von Harrys Gesicht entfernt war.
"Das war es in der Tat, Potter. Ich werde diese Unverschämtheit ihrer Hitzköpfigkeit zuschreiben. Doch unterlassen sie in Zukunft solche Entgleisungen!" flüsterte er. Langsam zog er sich wieder zurück und setzte sich und Harry atmete insgeheim auf und haderte mit sich und seinem lockeren Mundwerk.
"Nun, wenn sie von meiner zweiten... Tätigkeit wissen, dann muss ich ihnen meine Beweggründe wohl nicht weiter ausführen. Ob ich auch weiterhin in Hogwarts lehren werde... lassen sie sich überraschen, Mr. Potter!" sagte Snape und seinem Ton war nicht mehr anzuhören, dass er soeben noch sehr zornig gewesen war.
"Ich vermute, sie haben nicht vor, den Schulleiter zu informieren?" fragte Harry vorsichtig.
"Er wird es früh genug erfahren." lächelte Snape dünn.
"Hmmm! Warum jetzt, Sir? Warum heute? Was ist vorgefallen?"
"Warum sollte etwas vorgefallen sein?" fragte Snape spöttisch.
"Nennen sie es Intuition!" erwiderte Harry ruhig.
Severus schenkte ihm einen langen Blick und nickte dann anerkennend.
"Sie haben wirklich etwas von einem Slytherin in sich, Potter. Ja, es ist etwas vorgefallen. Das Mal brannte. Heute, in der großen Halle. Ich weiß, dass der Dunkle Lord, in dieser Halloweennacht vor 10 Jahren, nicht endgültig besiegt wurde. Und wenn er inzwischen wieder so weit bei Kräften ist, dass ich es spüren kann...? Dann ist es an der Zeit, diese Verbindung zu kappen." schob Severus grimmig das Kinn vor.
Harry wusste warum Snapes dunkles Zeichen gebrannt hatte. Es war Voldemorts Wut und Hass, den der Trankmeister durch das Mal fühlte. Doch diese Tatsache stellte Harry vor ein Problem.
"Wir werden für die Beseitigung des Zeichens einen abgeschirmten Ritualraum benötigen."
"Ist das nötig?" wunderte sich Snape und wurde sofort misstrauisch.
"Leider Sir. Was ich ihnen jetzt sage, muss bitte unter uns bleiben!" bat Harry leise.
"Einverstanden!" zögerte Severus nur kurz.
"Danke. Vold... der Dunkel Lord wird es sicher spüren, wenn das Mal entfernt wird. Ich bin mir nicht sicher ob er bestimmen kann, wer die Person ist, die es betrifft. Aber ich möchte kein Risiko eingehen." erklärte Harry.
"Und warum ist das von Belang?"
"Der dunkle Lord befindet sich in der Nähe zu Hogwarts und er wird sie töten, wenn er erkennt, dass sie es waren." verriet ihm Harry besorgt.
"Also doch!" wisperte Snape und wurde auf einmal blass.
Harry konnte sich schon denken, woher des Trankmeisters plötzliche Blässe rührte: Der Stein der Weisen. Professor Snape war einer der Lehrer, die den Stein vor Voldemort schützten.
"Woher wollen sie wissen, dass der Dunkle Lord sich in der Nähe befindet?" wollte Snape sicher gehen.
Statt einer Antwort, schob Harry sein Haar beiseite und zeigte seine Narbe. Snape kniff leicht die Augen zusammen und musterte die berühmte blitzförmige Fluchnarbe eher voller Abscheu.
"Einer der Gründe warum ich die Okklumentik beherrsche. Doch ab und zu, spüre ich die Verbindung trotzdem." sagte Harry leise.
"Sie sollten diese Tatsache, besser keinen weiter verraten, Mr. Potter. Die Leute ändern sehr schnell ihre Meinung und ehe sie sich versehen, wird man sie als Dunkel bezeichnen!" ermahnte ihn der Trankprofessor düster.
"Ich kenne den Dünkel der Zaubererwelt nur zu gut, Sir. Aber aufrichtigen Dank für ihren Rat." lächelte Harry schwach.
"Sie sind ein Angehöriger meines Hauses und es ist nur meine Pflicht sie... zu leiten!" erwiderte Severus geschmeidig. "Merlin! Ich hätte nie vermutet, dass ich dies einmal zu einem Potter sagen werde!" schüttelte er amüsiert den Kopf.
"Die Zeiten ändern sich, Sir!" schmunzelte Harry.
"Tun sie das?" spottete Severus.
"Oh ja. Die Leute wissen es nur noch nicht." erwiderte der Junge bestimmt und klang dabei so überzeugt, dass Severus sich insgeheim fragte, was der junge Potter vorhatte.
Was Severus Snape nicht wissen konnte, war die Tatsache, dass Harry Potter nicht nur plante die Rückkehr Voldemorts zu vereiteln. Nein, der Junge-der-lebt plante Größeres. Deshalb bejahte er Sirius' Plan, Minister für Zauberei zu werden, aus vollem Herzen. Was Harry beabsichtige, war eine kleinere Revolution, die in unauffälligen Schritten stattfinden sollte. Er wusste nur zu gut, dass Veränderungen nötig waren. Die britische Zauberergemeinschaft stagnierte seit gut 250 Jahren und es sah nicht so aus, als würde sich etwas daran ändern.
Noch war alles Zukunftsmusik und es würde wohl einige Jahrzehnte dauern. Aber es musste angegangen werden.
"Kommen wir auf ihren Vorschlag zurück, einen Ritualraum zu benutzen. Leider bietet Hogwarts so etwas nicht. Ich werde erst einen einrichten müssen und das wird einige Zeit kosten!" erklärte Snape nachdenklich.
"Wann immer sie so weit sind, Sir." erwiderte Harry.
"Zehn Tage Minimum. Ja, mindestens. Hmm, Blutrunen? Sicher!" murmelte der Professor fast unhörbar. Er ging schon in Gedanken durch, was er hierfür benötigen würde. Einen Ritualraum einzurichten, war anstrengende und langwierige Arbeit und es gab nicht viele Zauberer, die das Wissen und auch die Macht hatten, es zu tun. Doch Severus Snape gehörte zu der kleinen Minderheit, die es vollbringen konnten.
"Die Woche vor den Weihnachtsferien!" gab Severus bekannt.
"Sehr wohl. Sir. Ich werde bereit sein!" versicherte ihm Harry.
"Gut! Sie können gehen, Mr. Potter. Gute Nacht!" verabschiedete ihn der Trankmeister brüsk.
"Gute Nacht, Sir!" nickte ihm Harry zu und verließ Snapes Büro.
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Wenige Tage später, erhielt Harry den erwarteten Brief von Onkel Nicki. Der Text des Briefes war völlig unverfänglich und gab keinen einzigen Hinweis auf die eigentliche Intention preis. Am selben Abend, unternahm der Junge eine weitere Reise nach Hogsmeade und suchte die drei Besenstiele auf. Die Flamels hatten dasselbe Zimmer wie das letzte Mal belegt und erwarteten ihn bereits. Nach einer herzlichen Begrüßung, führte Nicholas den Jungen zu einem kleinen Tisch. Darauf stand eine unauffällige Schatulle, die er jetzt öffnete.
"Donnerwetter. Er sieht total echt aus. Zumindest, soweit ich mich erinnern kann!" hauchte Harry bewundernd.
"Danke, mein Junge. Ich muss zugeben, dass er mir wirklich gut gelungen ist." lächelte Nicholas stolz.
"Darf ich?" sah Harry fragend zu dem alten Alchemisten.
"Nur zu!"
Vorsichtig nahm Harry den blutroten Stein heraus und wog ihn abschätzend in der Hand. Er hatte sogar das richtige Gewicht. Der Stein der Weisen war viel schwerer als er aussah, beinahe das Gewicht von Gold. Das Licht brach sich in den Facetten des Kristalls und brachte ihn zum leuchten. Vorsichtig tastete Harry mit seinen magischen Sinnen nach dem Artefakt und blinzelte erstaunt. Er konnte die Magie wahrnehmen, die den Stein erfüllte. Als er Nicholas danach fragte, verbreiterte sich dessen Lächeln.
"Er wäre doch nicht echt, wenn er keine Magie hätte. Einleuchtend?" zwinkerte er Harry zu.
"Spann ihn nicht länger auf die Folter, Liebling." schmunzelte Perenelle.
"Schon gut!" lachte Nicholas. "Selbst die Magie, die du fühlst, ist gefälscht. Im Inneren befindet sich ein Runenstein, der die Magie gespeichert hat. Im Grunde wie eine dieser Muggelbatterien, nur mit dem Unterschied, dass keiner die Magie abrufen kann. Wenn Voldemort es tatsächlich so weit schaffen sollte, dass er den Stein in den Händen hält, wird er nicht bemerken, dass dies nur eine Fälschung ist. Ich glaube, nicht einmal du hättest den Unterschied gemerkt, stimmts?"
"Muss ich zugeben. Wobei ich natürlich nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten hatte. Danke Onkel Nicki und Tante Peri. Das habt ihr erstklassig hinbekommen und meine Erwartungen sogar übertroffen!" lobte Harry überschwänglich.
"War uns ein ausgesprochenes Vergnügen!" lächelte Perenelle.
"Oh ja, in der Tat. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal meine eigene Entdeckung fälschen würde!" gluckste Nicholas.
"Ich sehe schon, ihr hattet wirklich Spaß dabei!" kicherte der Junge.
"Und wie. Ich liebe solche Herausforderungen. Aber jetzt wieder zum Ernst der Sache. Wann wirst du den Stein austauschen?" wurde Nicholas wieder sachlich.
"Noch heute Nacht. Voldemort wird nicht länger warten, befürchte ich. Und das aus gutem Grunde!" seufzte Harry und erzählte sein kleines Abenteuer mit der Einhornherde. Die Flamels staunten nicht schlecht.
"Bemerkenswert!" murmelte der uralte Alchemist und tippte sich nachdenklich an die Wange. "Ich habe, nach unserem letzten Treffen, ein wenig in meiner Privatbibliothek über Schattenmagie geforscht. Leider habe ich nicht viel Substantielles gefunden!" gab er bedauernd zu.
"Ich habe es auch nicht erwartet. Dafür war ich etwas erfolgreicher." nickte Harry und berichtete von Ke'ptahs Buch und seiner Entdeckung über die Dementoren.
"Donnerwetter. Dies war immer ein ungelöstes Rätsel. Du denkst, dass du in der Lage bist, Kontrolle über sie auszuüben?" fragte Nicholas gespannt.
"Ich weiß es nicht. Außerdem möchte ich keine Kontrolle über sie, sondern wenn es möglich sein sollte, ihre Vernichtung. Ich finde ihre pure Existenz abscheulich und widerwärtig. Sie sind ein Gräuel und selbst ihr Erschaffer erkannte, dass sie zerstört werden sollten." erwiderte Harry grimmig.
"Warum hat er es dann nicht gemacht?" wunderte sich Perenelle.
"Weil er wahrscheinlich seinem Herrn gehorchte. Ich kann mir kaum vorstellen, wie das Leben in der Pharaonenzeit gewesen sein muss!" vermutete ihr Seelengefährte.
"Das ist richtig. Trotz seiner Macht, war Ke'ptah ein gehorsamer Diener seines Königs. Er konnte gar nicht anders." stimmte Harry zu.
"Eigentlich verwunderlich. Man möchte annehmen, dass solch ein mächtiger Magier die Kontrolle an sich gerissen hätte. Denkt ihr nicht auch?" warf Perenelle ein.
"Ein guter Punkt!" gab Nicholas zu.
"Nicht, wenn man genauer hinsieht. Die Pharaonen waren vermutlich mehr, als nur die Könige über Ägypten. Zumindest erscheint es einem so. Sie waren auch die Verbindung zu den Göttern und wurden deswegen auch von dem gemeinen Volk dafür verehrt." hielt Harry dagegen.
"Stand das in dem Buch?" fragte Nicholas und Harry nickte. "Hmm, die Gefilde der Götter. Ein unbequemes Thema für moderne Zauberer und Hexen. Selbst in meiner Jugend, wurde ihre Existenz oft verneint, doch im Grunde wissen wir, dass es sie gibt." murmelte er nachdenklich.
"In der Hogwartsbibliothek gibt es so gut wie keine Bücher über dieses Thema. Warum ist das so?" wunderte sich der Junge.
"Verdrängung, mein Junge. Zauberer halten sich für überlegen und da passen keine Götter in dieses Weltbild!" schnaubte Nicholas.
"Meine Güte. Und woher haben wir unsere Magie?" schüttelte Harry den Kopf.
"Von den Göttern. Zumindest erzählen dies, die uralten Legenden und die Mythen. Und nach meiner, nicht unerheblichen Erfahrung, bin ich geneigt, dem zuzustimmen. Die Menschen, in all ihrer Arroganz, vermuten, dass sie es waren, die die Götter mit ihren Glauben an sie, erschaffen haben. Was für eine Anmaßung. Die Wesen der Überwelt haben lange vor uns existiert und werden noch existieren, wenn es uns schon lange nicht mehr gibt. Sie benötigen uns nicht, eher ist es umgekehrt." erzählte Perenelle ruhig.
"Sehr wahr, meine Liebe." lächelte ihr Nicholas bewundernd zu.
Harry hingegen, fühlte, wie sich seine Nackenhärchen aufrichteten.
"Ich... ich glaube, ich habe Gaia gesehen!" platzte er heraus.
"Wirklich?" staunte Perenelle.
"Wo?" fragte gleichzeitig Nicholas.
"Bei Sirius' Hochzeit!" gestand Harry und erzählte seine Beobachtung.
"Geia!" hauchte Perenelle ehrfürchtig.
"Da war doch noch etwas, vermute ich?" leitete Nicholas seine Intuition.
"Ähh... eventuell. Ich bin mir nicht ganz sicher!" stammelte Harry und seufzte dann. Zögernd erzählte er von der Stimme die er gehört hatte, als er seinen Stab bekam und wie ihn auch der Leithengst der Einhornherde genannt hatte.
"Ja, das macht Sinn!" nickte der alte Alchemist grüblerisch.
"Bitte nicht!" stöhnte Harry.
"Ich befürchte, du wirst nicht darum herumkommen. Die Götter haben dich erwählt, mein Junge. Ob es dir gefällt oder nicht!" lächelte Perenelle mitfühlend.
"Kann ich nicht einmal normal sein?" warf Harry ergeben die Hände hoch.
"Mit dir im Zusammenhang? Ich befürchte... eher nicht!" grinste Nicholas.
"Danke!" fauchte der Junge.
"Bitte!" hielt Nicholas trocken dagegen.
"Jungen!" mahnte Perenelle amüsiert und richtete ihren Blick auf Harry. "Du wirst mit dieser Tatsache leben müssen, Harry. Meine Vermutung ist, dass nicht ohne Grund ein Schattenmagier, für das erste Mal seit 3000 Jahren wieder über die Erde wandelt. Und der primäre Grund ist sicher nicht Voldemort."
"Das meinst du doch sicher nicht im Ernst?" rief Harry erschüttert und auch Nicholas wirkte ein wenig skeptisch. Doch er wusste auch, dass seine Seelengefährtin in diesem Thema wesentlich bewanderter war, als er selbst.
"Überlege doch, mein Kind. Benötigst du all diese Macht, um deinen Feind nieder zu ringen?" fragte Perenelle ernst.
Harry wollte erst vehement bejahen und hielt dann inne. Ein paar Mal öffnete er den Mund um etwas zu sagen, bevor er langsam ausatmete und seine Schultern hängen ließ.
"Nein!" erkannte er.
"Wie ich es mir dachte. Auch ohne deine Fähigkeiten über die Schatten zu herrschen, bist du mehr als fähig. Denke an die Prophezeiung, Harry. Er hat dich als Gleichgestellten markiert und das war lange vor deinem Erwachen zum Schattenmagier. Dumbledores These, dass es die Liebe deiner Mutter war, die des Dunklen Lords Niedergang ermöglichte... ist vermutlich nicht die einzige Erklärung." ließ die Hexe den Jungen nicht aus den Augen. Sie sah wie sich seine Augen weiteten und kurz Trauer aufflammten als sie seine Mutter erwähnte. Dann der Zweifel.
"Aber warum habe ich dann diese Macht?" flüsterte Harry.
"Vermutlich um etwas Großes zu vollbringen. Überlege bitte doch einmal das Ganze: Wenn all deine Pläne greifen, wird Voldemort die Zaubererwelt, in ein paar Jahren nicht viel länger bedrohen. Und was dann? Ich befürchte, mein Lieber, du wirst dich nicht lange auf die faule Haut legen können. Anscheinend haben die Götter dich für weitere Aufgaben erwählt." legte sie ihre Hand auf seine Schulter und drückte sanft.
"Ich habe es mir schon gedacht!" murmelte Harry und seufzte tief. "Und hatte gehofft, dass ich mich irre!"
"Es wird dich beschäftigt halten und glaube mir, das ist manchmal gar nicht mal so verkehrt. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich wortwörtlich Däumchen drehte. Furchtbar!" schauderte Nicholas gespielt. Harry lächelte etwas und mehr hatte Nicholas nicht erreichen wollen.
"Habe Vertrauen, mein Kind. Bisher hat der Wille der Götter dich doch gut geleitet, oder nicht?" lächelte Perenelle.
"Wenn das Ritual wirklich von... göttlichen Wesen unterstützt wurde? Dann ja. Ich kann es nicht abstreiten, dass die letzten Jahre, wohl die besten meines Lebens gewesen sind." musste Harry widerwillig zugeben.
"Hmm, eine Frage hätte ich an dich Harry. Du musst sie nicht beantworten, wenn du nicht willst." sagte Nicholas weich.
"Nur zu!"
"Als du das Ritual ausführtest... warst du versucht noch weiter zurück zu gehen? Vor Halloween 1981?" fragte der alte Zauberer behutsam.
"Ja! Aber ich wusste es war nicht möglich. Leider, wie ich zugeben muss. Doch mein Selbst im Säuglingsalter wäre nicht in der Lage gewesen, all mein Wissen und auch meine Persönlichkeit aufzunehmen. Es hätte wortwörtlich mein Gehirn zerstört. Die Synapsen wären unter der Last der Erinnerungen kollabiert und zurückgeblieben wäre nur eine leere Hülle. Glaube mir Onkel Nicki, ich habe es erwägt." gestand Harry bedrückt. "Sechs Jahre war das Minimum das ich errechnete und neun Jahre war das erhoffte Ziel. Dass es dann doch mein sechsjähriges Selbst war, überraschte mich völlig und ich kann dir verraten, dass die Kopfschmerzen wirklich übel waren. So oder so, es war allemal ein Risiko."
"Einleuchtend. Danke für die ehrliche Antwort, mein Junge!"
"Ich denke, es wäre auch aus einem anderen Grund nicht machbar gewesen Harry." warf Perenelle ein.
"Ja? Und der wäre?" fragte Harry neugierig.
"Manche Ereignisse sind Marksteine in der Zeit und ich glaube, dass der Mord an deinen Eltern und der versuchte Mord an dir, einer dieser Marksteine ist. Voldemort musste an diesen Schicksalshaften Abend fallen und das war nur so möglich!" erklärte Perenelle ruhig ihre Sicht der Dinge.
"Das ist... schwer zu glauben!" schluckte Harry und gleichzeitig fühlte er, dass sie mit dieser Behauptung Recht hatte. Irgendwie erleichterte es ihn. Er hätte es also so oder so nicht verhindern können.
"Du erstaunst mich heute Abend wirklich, mein Schatz! Habe ich dir schon gesagt, dass mich nicht nur dein Körper, sondern auch dein Verstand anzieht?" schmeichelte Nicholas und küsste bewundernd ihre Fingerspitzen.
"Heute noch nicht, Liebster!" errötete Perenelle liebreizend.
"Ihr seid so schlimm wie Sirius und Serena!" schüttelte Harry den Kopf.
"Ich nehme das als ein Kompliment!" schmunzelte Nicholas und küsste seine Frau mit aller Hingabe.
Harry fragte sich insgeheim, ob er jemals, ebenfalls solch eine Liebe erfahren würde. Die gemeinsame Zeit mit Luna war viel zu kurz gewesen um es abzuschätzen aber es war vorstellbar. Er beneidete das legendäre Paar aufrichtig um das was sie zusammen hatten.
"Äh... ich gehe dann mal. Es wird wahrscheinlich bis in die Morgenstunden dauern!" hüstelte er dezent und ergriff den gefälschten Stein.
"Oh, entschuldige bitte. Ich habe mich hinreißen lassen." holte Nicholas tief Luft und die zwei lösten sich von einander.
"Bin gleich weg und dann könnt ihr weitermachen!" kicherte Harry und verschmolz bereits mit den Schatten.
"Ich höre und gehorche!" konnte er Onkel Nicki noch sagen hören.
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Hogwarts war ruhig und dunkel. Es war inzwischen weit nach Mitternacht und selbst Finch und die Lehrer lagen in ihren Betten. Nur die Gespenster waren noch unterwegs aber sie fürchtete Harry nicht. Inzwischen hatte er den dritten Stock erreicht und den Korridor in dem Fluffy Wache hielt. Der Zerberus war halbwach und hob wachsam einen seiner Köpfe. Doch bevor er Harry auch nur irgendwie registrieren konnte, war dieser an ihm vorbei. Seine Reise führte ihn schnurstracks in die letzte Kammer wo der Stein verborgen war. All die Fallen die die Lehrer aufgestellt hatten, waren nutzlos und kein Hindernis für den jungen Schattenmagier. Wie erwartet fand er den Spiegel Erisid nicht in der Kammer. Noch stand dieser in dem leeren Klassenzimmer, wo ihn Harry damals in den Weihnachtsferien gefunden hatte. Jetzt war also die Frage, wo Albus Dumbledore den Stein der Weisen verborgen hatte?
Harry verblieb noch in den Schatten und tastete den Raum gründlich ab. Es war soviel Magie vorhanden, dass es einen leicht verwirren konnte und so nahm er sich die Zeit die er benötigte. Keineswegs hatte er vor, den Schulvorsteher von seinem Besuch hier, in Kenntnis zu setzen.
Gut eine Viertelstunde später, hatte Harry das Versteck des Steines immer noch nicht ausmachen können und erste Zweifel stiegen in ihm hoch. War der Stein eventuell gar nicht in dieser Kammer? War dies alles nur eine Falle?
TBC...
A/N: Das war es für heute. Hmm, warum verhält sich Harry auf einmal so zivil gegenüber Snape? Nun, ich gebe zu, dass ich ein wenig von einigen Geschichten beeinflusst wurde, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ja, Snape ist ein 'snarky Bastard' aber irgendwie ist er auch eine tragisch-sympathische Figur. Wobei ich ihn trotzdem dafür würgen könnte, so wie er Harry in den ersten Jahren behandelt hat. Diese fetthaarige Fledermaus. Jawohl ja. In diesem Sinne...
Marius
