Ein herzliches Danke geht wie immer an meine wundervolle Beta Serpensortia :-)
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4.
"Ja, das hast du... Du hast 'Schlammblut' zu mir gesagt. Du hast gesagt, ich würde dich und deine Herkunft nicht respektieren. Aber du hast mir diesen Respekt auch versagt. Du warst eifersüchtig auf Harry und Ron, Lucius. Wir haben dermaßen gestritten, dass ich dachte, unsere Beziehung wäre zu Ende." Hermines Stimme klang mittlerweile sehr sorgenvoll, auch wenn sie sich vorgenommen hatte, keine Tränen mehr zu vergießen, kullerten nun in Erinnerung an diesen hässlichen Streit ein paar Tränen über ihr Gesicht und ehe sie es verhindern konnte, tropften sie auf Lucius nackte Brust.
Als er merkte, dass seine Brust plötzlich feucht wurde, fuhr er sacht über ihr nasses Gesicht und wischte die Tränen behutsam ab. Er holte tief Luft. Auch wenn er normalerweise nicht gerade sehr einfühlsam war, meistens eher egoistisch und selbstverliebt, wusste er dennoch, wie tief er sie mit seinen Anschuldigungen getroffen hatte. Und vor allen Dingen mit diesem Unwort, welches ihm da raus gerutscht war. Auch wenn er schon den ganzen Abend versuchte, dies wieder gut zu machen, hatte sie ein Recht darauf, eine Entschuldigung oder, weil ihm dies immer so schwer fiel, zumindest eine Erklärung; zu bekommen. Kurz fiel ihm der Spruch seines Vaters ein: 'Ein Malfoy entschuldigt sich nicht.' Doch dies waren andere Zeiten. Hermine war eine andere Frau, als es seine Mutter gewesen war. Er war ein anderer geworden.
Er holte tief Luft, zog seinen Arm fester um die geliebte Frau, so als hätte er Angst, dass sie jeden Moment aus dem Bett springen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden könnte, und erwiderte: "Ich weiß, ich kann manchmal ziemlich unausstehlich sein, Hermine. Ich bin kein einfacher Mann. Ich bin soviel älter als du, habe andere Erfahrungswerte, bin mit anderen Idealen und Ideen aufgewachsen. Seitdem ich dich kenne, bemühe ich mich, der Mann für dich zu sein, den du dir immer gewünschst hast. Ich möchte der Eine sein, Hermine. Der Eine, der dich glücklich macht. Der eine, mit dem du deine Zeit verbringen willst, mit dem du eventuell dein gesamtes Leben teilen willst. Doch manchmal kommt der alte Lucius Malfoy in mir durch. Ich bin besitzergreifend und eifersüchtig. Auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass du mit Potter oder Weasley irgendetwas anfangen könntest, bin ich eifersüchtig auf die Zeit, die du mit ihnen verbringst. Ich bin eifersüchtig auf diese ungezwungene, freundschaftliche Art mit der du sie behandelst. Ich hab das Gefühl, ich bin bei allem und jedem außen vor. Ich weiss, dass mich deine Freunde nicht als deinen Partner akzeptieren. Ich lege auch überhaupt keinen Wert auf ihre Anerkennung oder Akzeptanz, aber ich möchte trotzdem an deinem Leben teilhaben..." Hermine setzte an und wollte etwas sagen, aber er legte einen Finger auf ihren Mund.
"Bitte laß mich ausreden. Ich hab solange an dieser Rede geknobelt. Ich will es hinter mich bringen... Also... Ich weiß, dass du nicht immer glücklich mit mir bist. Ich weiß auch, dass ich sehr verschlossen bin, was mich und meine Gefühle dir gegenüber angeht. Ich kann manchmal nicht aus meiner Haut. Alte Gewohnheiten lassen sich schlecht ablegen. Wenn man gewohnt ist, dass der dunkle Lord bei jeder Gelegenheit in deinen Geist eindringt, dann lernt man, alles in sich zu verschließen, was einem wichtig ist. Auch wenn das schon lange her ist und kein Grund mehr für dieses Verhalten besteht. So bin ich nun mal. Aber du sollst wissen, Hermine... du bist mir wichtig... sehr wichtig... Ich hab für dich Malfoy Manor aufgegeben. Glaub ja nicht, dass mir das leicht fiel. Das soll kein Vorwurf sein. Mittlerweile will ich in die alten Gemäuer gar nicht mehr zurück, ich fühle mich hier viel wohler und weißt du warum? Weil du hier mit mir lebst... Auch wenn Draco das gar nicht verstehen kann. Ich hoffe er wird auf dem Landsitz glücklicher, als ich es war."
Lucius sprach mittlerweile eindringlich und ernst und hielt Hermine fest, wie selten zuvor. Er wollte, dass sie verstand, dass sie ihn verstand. Und er öffnete sich ihr gegenüber, wie er es auch noch niemals zuvor getan hatte. Auch bei Narcissa nicht.
„Hermine, ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen. Ich war rasend vor Wut. Du warst so uneinsichtig bei unserem Streit. Ich hatte das Gefühl an meine Grenzen zu stoßen. Ich wollte dich nicht verlieren, aber ich stieß dich in meiner grenzenlosen Ignoranz von mir weg. Ich wollte dir nur noch wehtun." Lucius war froh, dass es so dunkel in dem Schlafzimmer war und sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Trotzdem zog er sie noch näher an sich heran, wenn das überhaupt noch möglich war, und vergrub sein Gesicht in ihrem buschigen Haar, bevor er etwas leiser weiter sprach.
"Du weißt, ich habe dieses Schimpfwort niemals gebraucht, seit wir zusammen sind. Es tut mir leid... so unendlich leid.. Es war unverzeihlich, dass ich es ausgesprochen habe, auch wenn es innerhalb einer sehr hitzigen Auseinandersetzung geschah. Erst als ich es ausgesprochen hatte, wurde mir bewusst, was ich zu dir gesagt habe und ich war zu stolz oder zu eigensinnig, du kannst es nennen wie du willst, um es zurückzunehmen. Ich hätte es gleich tun müssen. Aber ich konnte nicht. Und dann hast du die Vase zerstört..."
"Es tut mir leid... wegen der Vase", nuschelte Hermine gegen seine Brust.
"Wozu gibt es entsprechende Zaubersprüche? Sie steht längst wieder an ihrem Platz im Wohnzimmer... Und wenn du willst, schicke ich sie mit der nächsten Eulenfrachtpost nach Malfoy Manor. Draco wird bestimmt einen Platz für dieses Familienerbstück finden."
"Ach was... ich hab mich schon an sie gewöhnt. Laß sie einfach, wo sie ist." Hermine war nicht kleinlich und in den seltensten Fällen nachtragend. Aber seine Rede berührte sie. Er fing jetzt endlich an, sich ihr zu öffnen. Sie ahnte, was es ihn für eine Überwindung kostete und er war wahrscheinlich dankbar für die Dunkelheit im Schlafzimmer. Hätte er sie auch noch ansehen müssen, hätte er diesen Monolog sicherlich nicht, oder nicht so, geführt.
Lucius fuhr fort mit seinem Seelenstriptease. "Als du weg warst, dachte ich, es wäre aus zwischen uns. Ich hätte es verstanden, wenn ich auch nur sehr schwer damit leben könnte. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie schlimm die paar Stunden für mich waren. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Dir hinterher rennen oder eher die Schlösser auswechseln? Nach einigem Überlegen entschloss ich mich dann aber, einige Vorbereitungen zu treffen, falls du es dir überlegen würdest und zurückkommst. Ich hatte gehofft, dass du zurück kommst, mein Liebling. Zurück zu mir", flüsterte er in ihre Haare und streichelte dabei zärtlich über ihren Rücken.
Hermine stand schon wieder kurz vor einem Tränenausbruch. Auch wenn er immer noch nicht die drei magischen Worte gesagt hatte... Sie mochte das was er zu sagen bereit war und wartete ab.
"Ich glaube, ich konnte nicht anders... Ich habe einige Zeit zum Überlegen gebraucht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht so gehen konnte. Nicht, ohne mit dir noch einmal zu sprechen. Womit ich allerdings nicht rechnete, war dieser Empfang, den du mir bereitet hast. Da würde ich mir doch im Nachhinein wünschen, dass wir uns noch öfters streiten könnten." Lächelnd und die aufsteigenden Tränen der Rührung unterdrückend, teilte sie ihm ihre etwas ungewöhnliche Idee mit und schob sich näher an die sie streichelnde Hand.
Er gluckste weich vor sich hin. "Ja, ich hab mir Mühe gegeben. Ich wollte dich auf jeden Fall zurück haben.. Ich wollte mich auf eine Art entschuldigen, die du nicht so schnell vergisst. Es ist mir ganz offensichtlich gelungen." Lucius drehte sich plötzlich etwas und lag nun genau gegenüber Hermine. Es war zu dunkel, um ihre Gesichtszüge klar zu erkennen. Nur schemenhaft konnte er das Weiß ihrer Augen sehen, aber was er ihr noch zu sagen hatte, wollte er ihr ins Gesicht sagen und nicht gegen irgendeines ihrer zweifellos reizenden Körperteile.
"Hermine, mein Herz, ich möchte mich für mein Verhalten entschuldigen. Ich habe mich unverzeihlich benommen. Ich werde dieses Wort niemals wieder sagen. Ich werde es quasi aus meinem Wortschatz streichen. Deine Herkunft ist mir völlig egal. Du bist die Frau, die ich will. Du bist die Einzige, mit der ich mein restliches Leben verbringen will. Hermine, ich liebe dich. So sehr, dass ich mich nach dir sehne, wenn du nur im anderen Zimmer bist... Ich hätte niemals gedacht, dass es mich noch einmal so erwischen würde. Aber die Zeit alleine und die Angst um unsere Beziehung haben mir gezeigt, dass ich nicht bereit bin, dich jemals wieder gehen zu lassen. Du gehörst zu mir. Ich bin nicht vollständig ohne dich.
Hermine würdest du es in Betracht ziehen, meine Frau zu werden?"
Atemlose Stille.
Hermine glaubte, sich verhört zu haben. War dieser Mann neben ihr wirklich der egoistische, exzentrische, verschwiegene, oftmals erschreckend unsensible und blasierte Lucius Malfoy? Der Mann, in den sie sich trotz aller Widerstände verliebt hatte? Der Mann, der bis dato nicht einmal die drei magischen Worte ausgesprochen hatte? Der Mann, der sie noch vor kurzem ein Schlammblut geschimpft hatte? Nun gut, dafür hatte er sich entschuldigt! Und er hatte gesagt das er sie liebt.
Trotzdem!
Dieser Mann machte ihr einen Heiratsantrag? Sie wusste in diesem Moment nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.
"Hermine, hast du gehört, was ich dich gefragt habe?" Lucius' Stimme klang leicht nervös. Innerlich wappnete er sich schon auf ihre Ablehnung.
"Lucius, du überrascht mich immer wieder, weißt du das? Erst diese Verführung, die Entschuldigung, dieser Antrag..." Hermine klang etwas atemlos.
"Heisst das 'Nein'!" Lucius hatte sich bemüht die Enttäuschung aus seiner Stimme herauszuhalten. Er wollte nicht enttäuscht sein. Sie hatte jedes Recht der Welt abzulehnen.
"Nein, ich würde es nicht nur in Betracht ziehen, dich zu heiraten, du sturer, arroganter Mann, du. Ich möchte dich heiraten, Lucius. Ich liebe dich und ich will dein sein... für immer." Hermines Gesicht kam näher und sie küsste diesen absolut überraschenden, anziehenden, geheimnisvollen, aufregenden, sinnlichen Mann sanft auf die Lippen.
Lucius, der sich schon auf einen Korb eingestellt hatte, war so überrascht, dass er vergaß zurückzuküssen.
Erst einige Sekunden später sickerte die Erkenntnis, dessen, was sie gesagt hatte, so langsam zu ihm durch.
"Du... du hast 'Ja' gesagt. Bist du dir sicher?" Etwas fassungslos fragte er lieber noch einmal nach. Hermine lachte leise gegen seinen Mund und es war das schönste Geräusch, was er in seinem Leben gehört hatte. "Ja, mein Liebling, ich bin mir sicher. Auch wenn es jetzt nichts mehr ausmacht, so bin ich froh, dass unsere Tochter nun doch den Namen Malfoy tragen wird."
TBC
