Der verschollene Brief (Chap 1)
"Jamie! Jamie mach die verdammte Musik leiser!" Eine große Tür öffnete sich und ein Kopf mit dunkelrotem Haar schob sich hindurch. "WAS?" "Du sollst die Musik leiser machen!" "Tut mir Leid, Dad, aber ich kann dich nicht hören, es ist zu laut!" Ihr Vater verdrehte die Augen, lachte leise und machte dann eine kurze Bewegung mit seinem Zauberstab. "Silencio." "Daaad! Musst du denn immer so ein Spießer sein?" "Wen nennst du hier Spießer?", fragte er, machte ein paar schnelle Schritte auf seine Tochter zu und fing an sie durchzukitzeln. "Oh...Okay... Du bist kein... hihi... lass mich..." Für einen Moment ließ er sie los und sie atmete ein paar Mal tief durch um ihren Puls wieder zu beruhigen. "Was bin ich nicht?", verlangte er zu wissen und seine Augen glitzerten amüsiert. "Du bist kein Spießer, sondern der allertollste, witzigste, coolste und attraktivste Dad in ganz Amerika", leierte sie gelangweilt runter, offenbar kannte sie diese Rede schon auswendig. "Du bist Sirius Black, DER Sirius Black und alle Frauen stehen auf dich. Wenn du wolltest könntest du an jedem Finger und jedem Zeh drei Freundinnen haben, aber stattdessen genießt du lieber das Leben."
"Das Leben mit meiner wundervollen Tochter", fügte Sirius hinzu und lachte leise als er die für Jamie Black typische Reaktion sah. Mit einer gespielt arroganten Geste warf sie sich das dunkelrote Haar über die Schulter und seufzte theatralisch. "Ja, was würdest du nur ohne mich machen?" "Mhh", sagte Sirius und machte ein nachdenkliches Gesicht, "Wahrscheinlich würde ich mich den ganzen Tag amüsieren, jeden Abend ausgehen, mich betrinken und am nächsten Tag neben einer Frau aufwachen, deren Name ich nicht kenne und auch gar nicht wissen möchte!" Er hielt kurz inne. "Okay, warum wollte ich nochmal unbedingt Vater werden?" Jamie sah ihn gespielt beleidigt an. "Weil du dadurch das bezauberndste Wesen auf der Welt um dich hast und dich jeden Tag mit mir unterhalten darfst?" "Und Tag... für Tag... für Tag...", warf ihr Vater ein, was sie aber geflissentlich überhörte. Etwas lauter fügte er hinzu: "Na da bin ich ja froh, ich dachte schon, ich hätte irgendeine versteckte Vorliebe für vollge... äh für Windeln..." Weiter kam er nicht, denn auf einmal war seine Hose verschwunden und stattdessen trug er eine Windel. Er warf der Rothaarigen einen ungläubigen Blick zu, aber sie grinste nur und pustete über die Spitze ihres Zauberstabes. "Ich dachte, du magst ein frisches Lüftchen untenrum?!"
"Jamie!", zischte er gepresst, "Du machst das sofort wieder rückgängig!" Diese grinste aber nur überlegen. "Was denn? Auf einmal findest du das nicht mehr lustig? Das enttäuscht mich jetzt aber Dad, du hast mir schließlich den einen oder anderen Zauberspruch zusätzlich zum Unterricht beigebracht und mein Humor kommt sicherlich auch nicht von ungefähr. Du kannst schon froh sein, dass ich nicht noch ein wenig Schokocreme hinzugefügt habe." Sirius schloss für einen Moment die Augen. "Ich zähle jetzt bis drei, dann ist dieses... Ding weg, ansonsten könnte es passieren, dass ein gewisses Foto bei deinen Freunden die Runde macht." "Was für ein Foto?", fragte sie und zog die Augenbrauen misstrauisch zusammen. Der Blick ihres Vaters wurde teuflisch. "Sag bloß, du erinnerst dich nicht mehr? Du in diesem niedlichen Häschenpyjama mit Füßen dran? Nein? Dann muss ich dir wohl auf die Sprünge helfen. Er hatte eine Kapuze mit langen pinken Ohren dran und an der Rückseite war ein kleiner Puschelschwanz..."
"Schon gut!" Beschwichtigend hob Jamie die Arme. "Ganz ruhig, wir wollen ja nichts tun, was wir nachher bereuen, oder Dad?" Ihr Vater grinste selbstzufrieden und meinte dann auffordernd: "Ich könnte jetzt einen Kaffee gebrauchen!" "Und?", murrte sie, "Sehe ich aus wie ein Hauself oder was?" Sirius lachte bellend und brauchte ein paar Minuten um sich wieder zu beruhigen. "Naja, manchmal erinnert mich die Länge deiner Kleidung wirklich sehr an Geschirrtücher..." Die Augen der Rothaarigen blitzten für einen Moment auf und sie hob ihren Zauberstab. Bevor sie ihn allerdings schwingen konnte schlangen sich lange Finger um ihr Handgelenk. "Denk nicht mal dran!" Unschuldig klimperte sie mit den Wimpern woraufhin Sirius ihr einen leichten Klaps auf den Hinterkopf gab. "So brauchst du mir gar nicht erst zu kommen, dafür kenne ich dich zu gut. Du hättest jetzt einfach die Windel verschwinden lassen, aber rein zufällig vergessen mir meine Hose wieder anzuzaubern." Seine Tochter machte so große Augen, dass er Angst bekam, sie könnten jeden Moment aus den Höhlen fallen. "Aber Dad, da wäre ich ja niiiieeee drauf gekommen. Wie brillant du doch bist..." Sirius grinste nur, machte eine schlangenartige Bewegung mit seinem Zauberstab und war wieder korrekt angezogen.
"Da kannst du so viel schmeicheln wie du willst, die Negative kriegst du frühestens bei meinem Tod in die Finger." Mit einem Mal verschwand das so charakteristische Funkeln aus Jamies Augen und ihr Blick wurde stumpf. "Sag so etwas nicht, das kann schneller passieren als man denkt." "Entschuldige", murmelte ihr Vater und schloss sie in die Arme. "Du denkst jetzt an deine Mom, oder?" Die Rothaarige nickte nur. Nach einer Weile lösten sie sich wieder voneinander und Jamie wischte sich zitternd die Tränen aus den grauen Augen. "Dad..." Sie brach ab und setzte dann noch einmal neu an. "Dad, sagst du mir jetzt wie sie gestorben ist?" Sirius sah sie ernst an, wischte ihr zärtlich auch die letzte Träne von der Wange und ließ sich auf den Boden sinken. Auffordernd klopfte er auf seinen Schoß und Jamie kuschelte sich wie selbstverständlich an ihn. Abwesend kraulte er ihren Nacken und nach ein paar Minuten fing er langsam an zu sprechen, wobei er jedes Wort genau abzuwägen schien. "Sieh mal Süße, du weißt, dass ich nicht gerne darüber spreche. Sie ist kurz nach deiner Geburt gestorben und sie hat dich sehr geliebt. Deine Mutter hätte alles für dich getan und ich bin sicher, dass sie sehr stolz auf dich wäre."
Jamie seufzte leicht verärgert auf. "Wenigstens hast du nicht wieder die du-bist-noch-zu-jung Ausrede benutzt." Sie biss unruhig auf ihrer Unterlippe herum und warf ihrem Vater ein paar unsichere Blicke zu. "Was?", fragte er und seine Augen lachten amüsiert. "Naja...", druckste Jamie herum und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Hey, was ist los? Seit wann hast du Schwierigkeiten mit mir zu reden?", fragte Sirius und drückte ihr sanft einen Kuss auf die Wange. "Wir konnten uns doch schon immer alles sagen." "Ich möchte gerne ihr Grab besuchen", murmelte Jamie leise und war offenbar bemüht ihren Vater nicht anzusehen. "Nein!", fauchte er, bereute das aber sofort, als er sah wie seine Tochter zusammenzuckte und die Tränen zurückkamen. "Ich... Ich könnte doch alleine dorthin gehen... Du müsstest nicht einmal mitkommen!", schluchzte sie und ärgerte sich, dass sie die Tränen diesmal nicht zurückhalten konnte. "Nein und das ist mein letztes Wort!" Sirius Stimme war zwar etwas sanfter geworden, aber trotzdem ließ sein Tonfall keine Widerrede zu. "Jamie, ich möchte dir das jetzt nicht genauer erklären, ich kann dich nur bitten mir zu vertrauen. Und außerdem ist deine Mutter überall da, wo du auch bist, dazu musst du nicht an ihrem Grab stehen."
Er wirkte auf einmal so zufrieden, dass man sich sicher sein konnte, dass ihm diese Ausrede gerade erst eingefallen war. Jamie bemerkte dies glücklicherweise nicht und so gab sie das Thema auf. Etwas erschöpft stand sie auf und ging in ihr Zimmer um die Stereoanlage auszuschalten. Ihrem Vater war es immer wichtig gewesen, dass sie auch die Welt ihrer Mutter kennen lernte und so war der Haushalt der Blacks ein liebenswerter, kunterbunter Mischmasch aus Zauberer- und Muggelgegenständen. In dem Moment, als Jamie auf ihr Himmelbett zuging schwang der Baldachin automatisch auseinander und sie konnte sich bequem hinlegen. Nach ein paar Minuten hatte sie ihre Gedanken wieder einigermaßen im Griff und döste noch ein wenig vor sich hin. Irgendwann klopfte es leise an ihrem Fenster und Jamie erkannte, dass es sich dabei um ihre Eule Penny handelte. "Auf!", befahl sie laut und deutlich und fixierte dabei das Fenster. Fast lautlos schwang die Scheibe zur Seite, die Eule flog herein und ließ einen Brief auf den Boden fallen. Mürrisch stand Jamie auf, nahm sich vor dem Federvieh in Zukunft nur noch Eulenkekse zu geben, wenn es den Brief nicht irgendwo fallen ließ und hob ihn dann zähneknirschend auf. Mit einem Mal war ihr Kummer verschwunden und sie lief freudestrahlend in die Küche.
"Dad!", brüllte sie und er hielt sich schmerzerfüllt die Ohren zu. "Mensch Jamie, muss das sein? Nimm doch bitte Rücksicht auf deinen alten Vater!." Gespielt verständnisvoll nickte sie mit dem Kopf. "Ja, du hast Recht. Du wirst ja auch immerhin schon bald 37, da verträgt man eine gewisse Lautstärke natürlich nicht mehr. Was ist? Soll ich dir zum Geburtstag ein paar Volkslieder aufnehmen?" Er verdrehte die Augen. "Nein danke, es reicht völlig, wenn du mir Hosen kaufst, die kurz unter dem Bauchnabel aufhören." "Gut, da wir das jetzt geklärt hätten, rate von wem der Brief ist!", beendete die Rothaarige die Diskussion. "Hmm", machte er und stützte seinen Kopf auf der Hand auf. "Du hast dich im Kloster beworben und sie haben dich endlich angenommen? Nein? Na gut, vielleicht jemand, der dir einen Job als Stripperin anbietet?" "Daaaad!" Schmollend verschränkte Jamie die Arme vor der Brust. "Erstens endet mein Rock kurz über den Knien, also kann von zu kurzer Kleidung keine Rede sein und zweitens: Wie der Vater, so die Tochter!"
"Also ich habe nie kurze Röcke getragen!", murrte Sirius, wurde dabei allerdings ein wenig rot. "Dad?" "Na schön!", fauchte er und musterte angestrengt seine Fingernägel. "Einmal und auch nur weil ich betrunken eine Wette gegen Lily verloren hatte." Ungläubig sah Jamie ihren Vater an. "Mom hat dich dazu gezwungen?" "Ähm", machte Sirius und lenkte sie dann schnell ab. "Wer hat dir denn jetzt geschrieben?" "Harry!", strahlte sie und hüpfte aufgeregt auf und ab. Schnell faltete sie das Pergament auseinander und las den Brief laut vor:
"Liebe Jamie, danke für die Süßigkeiten. Deine Eule hat sie meinem Vater leider auf den Kopf fallen lassen, aber außer einer kleinen Beule ist ihm nichts passiert. Du musst es aber auch immer übertreiben, oder? Das waren ja mindestens vier Pfund! Dad hat zwar die Hälfte als Wiedergutmachung beschlagnahmt, aber trotzdem hatte ich heute Morgen Bauchschmerzen. Dad hat sich natürlich über mich lustig gemacht, aber dann wurde er plötzlich grün im Gesicht und hat sich eine Viertelstunde lang im Bad eingeschlossen. Rate mal wer dann gelacht hat? Naja, wie auch immer, ich glaube es ist besser, wenn wir in Zukunft nur noch unsere Eule nehmen. Ich habe sie in den letzten Wochen trainiert, ich glaube nicht, dass sie deinem Vater nochmal...du weißt schon, auf den Umhang machen wird.
Aber kommen wir zum Thema: Ich habe vor ein paar Tagen eine Eule von meinem Direktor gekriegt, du weißt schon, der, der mit eurem Direktor die ganzen Brieffreundschaften arrangiert hat. So gut hat die Idee von der "Völkerverständigung" zwar nicht geklappt, die meisten meiner Freunde kriegen schon schlechte Laune wenn sie eine Eule nur sehen, aber das scheint ihn nicht weiter zu kümmern. Er will einen Schüleraustausch organisieren. Im Klartext würde das für uns bedeuten, dass ich ein paar Monate bei dir wohne und zur Schule gehe und dass du danach mit zu mir kommst. Allerdings würdest du dann im Internat wohnen. Naja, jedenfalls sind hier alle ganz begeistert von der Vorstellung mich für eine Weile loszuwerden und wenn dein Vater einverstanden ist, dann würde ich in einer Woche kommen. Wenn du den Brief kriegst weißt du wahrscheinlich schon Bescheid, schließlich müsstest du von deiner Schule auch schon einen Brief gekriegt haben. Also, falls nicht noch etwas dazwischen kommt und du mir absagst sehen wir uns am Freitag. Alles Liebe, dein Harry"
"Dad, haben wir so einen Brief bekommen?" Sirius legte angestrengt die Stirn in Falten. "Ähm, nicht dass ich wüsste." Mit einem Mal verdunkelte sich sein Gesicht und auch Jamie schien eine Erleuchtung zu haben. "KREACHER!" Eine Sekunde später erschien der Hauself vor ihnen, verbeugte sich tief und versuchte Sirius Füße zu küssen. Angeekelt sprang er zurück, trat dabei aber leider seiner Tochter auf die Füße, die gequält aufjaulte und nun auf einem Fuß auf und abhüpfte. "Zieh keine Show ab Jamie!", knurrte er nur und sie hielt beleidigt inne. Sirius Stimme wurde mit einem Mal so zuckersüß, dass man beim bloßen Zuhören schon Zahnschmerzen bekam. "Kreacher, hast du zufällig noch einen Brief für mich?" Der Hauself nickte begeistert und zog einen dicken Stapel aus seiner mit pinken Blumen verzierten Schürze. "Mahnung, Mahnung, Rechnung, zweite Mahnung, letzte Mahnung sonst wird Ihr Haushalt gepfändet, Werbung, ah... meint der Meister den hier?" Seine Stimme triefte vor Demut und er hielt Sirius einen dicken Brief hin. Wütend schnappte er sich ihn, während Jamie sich um die anderen Briefe kümmerte. Er überflog das Pergament schnell und seine Hautfarbe wirkte mit einem Mal ziemlich ungesund.
"Dad was ist denn? Soll ich dir einen Kamillentee machen?" Er warf ihr einen bitterbösen Blick zu. "Willst du mich vergiften?" Dann wurde ihm offenbar etwas klar und er schlug sich an den Kopf. "Welches Datum hat der Brief von Harry?" Stirnrunzelnd sah Jamie nach und riss erschrocken die Augen auf. "Er hat geschrieben, dass er in einer Woche kommt wenn ich mich nicht melde. Und das wäre... oh mein Gott!" "Morgen", vollendete ihr Vater ihren Satz und sie nickte nur. "Verdammt, musst du denn immer so langsam sein?", fauchte sie ihre Eule an, die daraufhin beleidigt den Kopf einzog." Sirius schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. "Kreacher, du wirst mit Penny spielen und danach ihren Käfig saubermachen!" "Neeeeeeeiiiiiin" Den Schrei des Hauselfs hätte man sicherlich noch Straßen weiter gehört, aber glücklicherweise war das Haus durch viele verschiedene Zauber geschützt und so drang kein Laut nach draußen.
"Kreacher tut alles und Kreacher wird auch immer brav sein, aber bitte zwingt Kreacher nicht dazu!" Verschwörerisch lockte er Sirius mit einem Finger näher an sich heran, welcher dieser Aufforderung nur ungern nachkam. "Diese Eule ist vom Teufel besessen!", flüsterte der Hauself, "Sie versucht Kreacher das Hirn rauszupicken!" Daraufhin hustete Sirius etwas, das sich nach "Welches Gehirn?" anhörte und Kreacher trollte sich beleidigt. "Möchtest du jetzt doch einen Tee, Dad?", fragte Jamie liebenswürdig und ihr Vater nickte erschöpft. "Mit einem ordentlichen Schuss Feuerwhiskey, bitte!"
