Kreacher lässts krachen! (Chap 2)
"Kreacher! Ich hatte dir doch schon vor einer halben Stunde gesagt, dass du alle Treppen saubermachen sollst! Kann ja sein, dass ich Dreck in der Pupille hab, aber von hier siehts so aus, als hätte sich nichts verändert! Also beweg deinen dreckigen Hintern oder ich bügele dir deine Finger höchstpersönlich!" Sirius Laune war auf dem Nullpunkt angelangt, er hatte mit Stress noch nie sonderlich gut umgehen können und Kreachers Faulheit ließ das Fass endgültig überlaufen. "Ja Master", murmelte der Hauself und verbeugte sich so tief, dass seine Nase an den Boden stieß. Grummelt griff er sich Eimer und Lappen und machte sich über die erste Stufe her. "Master befiehlt, Kreacher tut es. Kreacher wird die Treppe mit ganz viel Seife einreiben und dann bricht der Master sich den Hals! Kreacher wird auf seinem Grab tanzen und dann ist Kreacher endlich wieder frei." Nachdem der Hauself seine Hasstirade beendet hatte wurde er sanft an der Schulter berührt. Erschrocken drehte er sich um und ging in Kampfstellung, woraufhin Jamie es nur mit Mühe schaffte ein Lachen zu unterdrücken. Zu komisch sah der kleine Kerl aus, wie er die langen Finger zu Fäusten geballt hatte und leicht in die Knie gegangen war um sich am besten zu verteidigen. Der Gesichtsausdruck erinnerte sie außerdem an einen kampfbereiten Terrier.
"Kreacher, Schatz, ich finde es so toll, dass du uns bei den Vorbereitungen hilfst. Ich meine, Harry wird in ein paar Stunden hier sein und ich möchte doch den besten Eindruck machen." Mit großen Augen war sie vor ihm auf die Knie gegangen und der Hauself hing förmlich an ihren Lippen. "Du bist mir eine so große Hilfe, ohne dich würden Dad und ich das alles gar nicht schaffen. Danke Kreacher, ich bin wirklich froh, dass ich dich habe!" Sie lächelte ihn noch einmal sanft an und drehte sich dann um, um Pennys Käfig das dritte Mal an diesem Tag sauberzumachen. Der Hauself sah ihr einen Moment hinterher, dann machte er sich mit Feuereifer an die Arbeit, wobei man ihn auch weiterhin vor sich hinmurmeln hörte, der Ton hatte sich allerdings grundlegend geändert. "Kreacher hilft Herrin. Herrin mag Kreacher. Kreacher putzt und macht Herrin eine Freude!" Das letzte Mal war der Hauself so fröhlich gewesen, als er es geschafft hatte die Schutzzauber zu verändern und Sirius drei Stunden im Schnee warten musste bis Jamie von der Schule nach Hause kam. Seitdem waren die Fronten im Hause Black noch verhärteter und nur die junge Rothaarige konnte verhindern, dass es zu Handgreiflichkeiten kam.
In diesem Moment war sie damit beschäftigt Sirius zum Arbeiten zu bewegen, wobei dieser lieber Kreacher überwachen wollte. Irgendwann platzte auch der sonst so geduldigen Jamie der Kragen. Mit einer schnellen Bewegung ihres Zauberstabes und ein paar kompliziert klingenden Worten fing ihr Vater an sich zu verwandeln. Er bemerkte dies aber erst, als es bereits zu spät war und seine Ohren immer größer und seine Nase länger wurde. Panisch versuchte er sie im Blick zu behalten und Jamie konnte das verräterische Lachen nicht mehr zurückhalten. Der Anblick eines schielenden Sirius Blacks war schon so amüsant genug, aber da ihm jetzt auch noch die Haare büschelweise ausfielen war das Gesamtbild einfach göttlich. "JAMIE!" Trotz seiner offensichtlichen Panik schaffte es ihr Vater seiner Stimme einen strengen Klang zu verleihen. "Mach das rückgängig, sonst kannst du was erleben!" Sie lächelte ihn nur süßlich an. "Und zwar? Vielleicht einen Dad, der wie ein kahlrasierter Pudel aussieht?"
Sirius war glücklicherweise zu abgelenkt um ihr zuzuhören, ansonsten wäre er spätestens jetzt ausgerastet. Der Schwarzhaarige überlegte einen Moment, dann strahlte sein entstelltes Gesicht wieder ein wenig und er spielte seinen letzten Trumpf aus. "Sonst kriegst du meine Kreditkarte nicht mehr!" "Meinst du diese?", fragte Jamie und genoss seinen verblüfften Gesichtsausdruck, als sie die Karte hochhielt. Entrüstet wollte Sirius in die hintere Tasche seiner Hose greifen um sein Portemonnaie zu kontrollieren, aber da war nichts. Entgeistert sah er an sich herunter und bemerkte, dass er die gleiche Schürze mit pinken Blumen drauf trug wie Kreacher, nur dass seine um einiges größer war. Wütend stemmte er die Hände in die Hüften. "Jamie Black! Wie kannst du es wagen?" Danach klappte sein Mund nur noch auf und zu, offenbar wusste er nicht was er sagen sollte. "Ach komm schon Dad, die Fisch-Nummer hatten wir doch schon, ich hätte wirklich mehr von dir erwartet", stichelte sie und lachte innerlich als ihr Vater daraufhin noch mehr nach Luft schnappte.
Suchend sah er sich um und entdeckte kurz darauf seine Kleidung ordentlich zusammengelegt auf einer Kommode. Darauf achtend, dass die Schürze keine wichtigen Details preisgab hastete er durch das Zimmer und griff sich seinen Zauberstab. Der Zauberspruch mit dem er am Tag davor die Windel gegen seine Hose getauscht hatte funktionierte nicht, offenbar hatte seine Tochter mit dieser Reaktion gerechnet und entsprechende Vorkehrungen getroffen. Aber Sirius wäre nicht Sirius Black gewesen, wenn er jetzt einfach so aufgegeben hätte. Fünf Minuten und zig Zaubersprüche später trug er zwar wieder seine alte Kleidung, aber seine äußere Erscheinung hatte sich nicht verändert. Als er schließlich bemerkte, dass er es ohne seine Tochter nicht schaffen würde zuckte er entnervt mit den Schultern und beschloss abzuwarten. Schließlich mussten sie bald Jamies Brieffreund abholen und sie würde ihn sicherlich nicht mit einem Hauself-Vater begrüßen wollen. So weit würde selbst sie nicht gehen. Oder?
Seine Meinung änderte sich aber recht schnell, als er in den Spiegel sah, der über der Kommode befestigt war. Schockiert glitten seine Hände über seinen Kopf, der außer ein paar Haarbüscheln völlig kahl war. Dann drehte er sich um. "Okay Jamie. Du hast gewonnen. Was willst du?" Seine Stimme klang matt und die Rothaarige wusste, dass sie gewonnen hatte. Sie lächelte zufrieden. "Du wirst aufhören Kreacher so zu behandeln, als wäre er weniger wert als du. Versetz dich doch mal in seine Lage! Er muss Menschen dienen, die er vielleicht gar nicht leiden kann, muss ihren Befehlen gehorchen." "Das liegt in seiner Natur, er ist nun mal ein Hauself", knurrte Sirius bissig und kratzte sich hinter den überlangen Ohren. "Ach ja? Und was genau macht ihn jetzt zu einem Hauself, der weniger wert ist als du?", fauchte sie zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Sirius schnaubte abfällig. "Na ein Hauself hat große Ohren, eine lange Nase, außerdem ist Kreacher arrogant..." Er hielt einen Moment inne und sah an sich herunter. "Haha. Wirklich witzig. Selten so gelacht, dann kannst dus jetzt ja wieder rückgängig machen!"
Jamie schüttelte den Kopf. "Nö, das was du gerade über Kreacher gesagt hast trifft auch auf dich zu." "Okay, okay", murrte Sirius, "Ich verspreche, dass ich ihn in Zukunft besser behandeln werde." Jamie seufzte entnervt auf. "Dad, ich weiß, dass du gerade die Finger hinter dem Rücken überkreuzt hast." Verdutzt sah er sie an. "So gut kennst du mich mittlerweile?" Seine Tochter nickte. "Ja und außerdem kann ich deinen Rücken im Spiegel sehen." Sirius musste lachen. "In Ordnung, ich werde wirklich versuchen ihn nicht als minderwertig anzusehen, auch wenn er sich mir gegenüber nicht gerade fair verhält." In diesem Moment mischte sich eine krächzende Stimme ein: "Master Sirius hat Kreachers früherer Herrin das Herz gebrochen. Herausgerissen hat er es ihr und ist darauf rumgesprungen!" Jamie sah ihn verwirrt an während Sirius ein paar schnelle Schritte auf den Hauselfen zumachte und ihn an seiner Schürze hochzog. "Meine Mutter hatte kein Herz und wag es ja nicht nochmal über sie zu reden ansonsten kriegst du den Befehl dich um kranke Muggelgeborene zu kümmern!"
Mit großen Augen sah Kreacher zu ihm herauf und sofort wirkte sein Gesichtsausdruck um einiges freundlicher. "Kreacher wird dem Master etwas zu essen kochen, Kreacher kann ausgezeichnete Nierenpastete machen!" Sirius würgte und ließ ihn fallen. "Ich hasse alles was mit Nieren zu tun hat, davon krieg ich Ausschlag!" "Oh", antwortete der Hauself und seine Augen blitzten, "Das hat Kreacher nicht gewusst, dann wird Kreacher eben eine Suppe machen!" Und so leise, dass ihn sonst eigentlich niemand hätte verstehen können fügte er hinzu: "Kreacher kann Nieren ganz klein zerhacken, dann merkt der Master das nicht!" Jamie hatte ihn allerdings ganz genau gehört und beschloss nun nicht nur, den Fluch von ihrem Vater zu nehmen, sondern auch Penny ganz zufällig in die Küche zu lassen, sie würde den Suppentopf schon umkippen. Ein paar schwierige Beschwörungen später fingen Sirius Nase und Ohren an zu schrumpfen und seine Haare wuchsen wieder. Erschöpft ließ er sich auf einem Stuhl nieder, während er mit dem Zauberstab die Fenster putzte und die Kissen im Wohnzimmer aufschüttelte.
"Mann ist das peinlich. Jetzt kann ich nicht mal mehr die Flüche meiner Tochter aufheben!" Jamie lachte, tippte das Geschirr in der Spüle an, das sich daraufhin selbstständig abwusch und tätschelte ihm aufmunternd die Wange. "Och Daddy, das war mal wieder eine kleine Abwandlung von mir, ich fand es wirklich deprimierend, dass du die Windel gestern so schnell wegzaubern konntest. Wenn du in der Lage wärst meine Zauber rückgängig zu machen hätten sie ja gar keinen Sinn mehr!" Sirius warf ihr einen bösen Blick zu. "Du solltest deine Tür heute Nacht lieber verriegeln, ansonsten kann es sein, dass ich mit einer Schüssel voll warmen Wasser ankomme." Sie starrte ihn an und schnappte hörbar nach Luft. "Du warst das? Weißt du eigentlich wie ich mich geschämt habe? Und der arme Kreacher musste das ganze Bett neu beziehen! Verdammt, ich hätte dich vorhin fotografieren sollen!" Er streckte ihr die Zunge raus. "Tja, zu spät!"
In dem Moment huschte ein Lächeln über Jamies Gesicht und Sirius wurde augenblicklich blass, wusste er doch, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. "Ich habe immerhin noch meine Erinnerungen, also mach das ja nicht noch einmal sonst könnte es sein, dass deine Arbeitskollegen bald etwas zu lachen haben!" Er wollte sofort etwas erwidern, aber da fiel sein Blick auf die Uhr und er wurde blass. "Verdammt, wir müssen noch einkaufen gehen, schnell zieh dir was Anständiges an und dann müssen wir los." Jamie seufzte ergeben auf. "Ich sehe wirklich nicht ein, warum wir uns die Lebensmittel nicht schicken lassen können wie normale Zaubererfamilien. Klar, Muggelkleidung muss man in Läden kaufen und mit Muggelgeld bezahlen, aber das mit dem Essen finde ich doch sehr umständlich." "Keine Widerrede!", befahl Sirius, nahm ihr die Kreditkarte weg und schubste sie in Richtung Treppe. "Zieh dich an, aber ich sag dir gleich: Keine Netzstrümpfe und der Bh gehört unter das Tshirt!" Jamie verdrehte die Augen. "Wie oft soll ich dir denn noch sagen, dass das mein Halloweenoutfit war? Immer wieder hältst du mir das vor, langsam wird es echt öde!"
Mit diesen Worten hüpfte sie die Treppenstufen hinauf und kam zehn Minuten später in einer Jeans und einem normal ausgeschnittenen Top wieder herunter. Sirius hob gespielt schockiert eine Augenbraue, woraufhin sie sich grinsend umdrehte und ihm ihren halbnackten Rücken präsentierte. Ihr Vater lachte nur. In dem Moment kam Kreacher ins Wohnzimmer, der über und über mit Suppe bekleckert war. Penny saß auf seinem Kopf und machte fröhlich gurrende Geräusche. Wütend versuchte der Hauself sie mit seinen Armen von seinem Kopf herunterzuschlagen, aber als das nicht klappte gab er auf. "Ist die Herrin immer noch hier? Herrin muss doch weg, sonst kommt Herrin zu spät!" Unwirsch wies Sirius ihn zurrecht. "Wir haben noch mehr als eine Stunde Zeit, wenn wir uns beeilen schaffen wir den Einkauf noch!" Kreacher blickte ihn scheinbar entsetzt an, aber Sirius sah das belustigte Funkeln in seinen Augen. "Herrin hat Kreacher gesagt, dass sie um 13 Uhr ihren Freund abholen muss und jetzt ist es 12.55 Uhr!" Sirius blitzte ihn wütend an. "Sag mal bist du jetzt schon zu blöd um die Uhr zu lesen? Es ist 11.55 Uhr!" "Dad!", ermahnte Jamie ihn und zog die Augenbrauen unwillig zusammen.
Kreacher lächelte falsch. "Oh nein, da hat Kreacher wohl beim Putzen die Uhr verstellt! Kreacher wird sich gleich selbst bestrafen gehen. Was wäre wohl angemessen? Oh ich weiß, Kreacher wird sich mit Schokofröschen zu Tode mästen, das wird Kreacher tun!" Und damit flüchtete er zurück in die Küche, Penny auf seinem Kopf war offenbar schon längst vergessen. "Ich bring ihn um!", knurrte Sirius, "Ich bring ihn um!" "Deine Schallplatte hat einen Sprung", erwiderte Jamie kühl und schob ihn in Richtung Haustür. "Komm schon Dad, soll ich fahren oder tust dus?" Er schüttelte nur den Kopf. "Du bist noch nicht 16." "Na und? Ich dürfte trotzdem, schließlich bist du ja dabei und..." "NEIN!" "Okay, okay." Abwehrend hob sie die Hände. "Dann fahr du halt!" Damit ging sie zu dem Wagen, setzte sich auf den Beifahrersitz und wartete bis ihr Vater den Schlüssel ins Schloss gesteckt hatte und den Motor anließ. Er drückte aufs Gas, aber aus irgendeinem Grund fuhr der Wagen nicht richtig. Nach zwei weiteren Versuchen stupste Jamie ihn grinsend an. "Dad, ich will mich ja wirklich nicht einmischen, aber es könnte helfen wenn du die Handbremse löst!"
