Through a fathers eyes (Chap 5)
„Dad! Nein! Wirst du wohl… Aus!" Es war ein Bild für die Götter. Jamie stand breitbeinig und mit in die Hüften gestemmten Armen vor ihrem Vater, der sich zwei Kartons an die Brust presste und dabei trotzig auf seine Tochter herabsah. „Aus! Brav… Braver Sirius, lass fallen, lass fallen", gurrte seine Tochter und verkniff sich dabei das Lachen. Sirius sah sie scheinbar schockiert an und zuckte dann mit den Schultern. „Ich soll hier was fallen lassen? Meinst du nicht, dass die anderen Leute das stören wird?" Für einen Moment konnte Jamie seiner Logik nicht folgen, was aber auch daran liegen konnte, dass Harry gerade einen großen Salatkopf in den Einkaufskorb lud und dafür zwei Packungen Eis wieder in die Tiefkühltruhe legte. „Was? Wieso sollten die etwas dagegen haben?", fragte sie abwesend während sich versuchte ihren Brieffreund mit Blicken zu töten. Dieser jedoch warf ihr nur eine Kusshand herüber und zog demonstrativ drei riesige Schokotafeln aus dem Einkaufswagen. Gerade als Jamie sich mit lautem Gebrüll auf ihn stürzen wollte um die Tafeln, wenn nötig mit ihrem Leben zu beschützen, nahm sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Für einen Moment war sie sich sicher, dass ihr ihre Sinne einen Streich spielten und schloss erschöpft die Augen. Als sie sie allerdings wieder öffnete bot sich ihr das gleiche Bild: Ihr Vater öffnete gerade umständlich seinen Gürtel und wollte offenbar seine Hose herunterlassen. „Dad? Was zum…?"
„Was denn?", fragte er unschuldig und öffnete den Reißverschluss sowie den darüber liegenden Knopf, „Ich tue nur was du von mir verlangt hast." Demonstrativ wackelte er mit dem Hintern und setzte ein treuherziges „Wuff" daran. „Schon gut" murmelte Jamie ergeben, „Schon gut, ich habe verstanden. Machen wir einen Deal: Du wirst nicht à la Hundemanier einfach auf den Boden machen und dafür rede ich nicht mehr mit dir als wärst du ein Hund." Als Sirius offenbar befriedigt nickte und seine Hose wieder schloss fügte seine Tochter fast unhörbar hinzu: „Jedenfalls für heute nicht." Dann griff sie schnell nach den beiden Kartons, die der Schwarzhaarige auf den Boden gestellt hatte um seiner Tochter eine Lektion zu erteilen und stellte sie zurück ins Regal. Prompt stieß er einen protestierenden Heulton aus und Jamie verdrehte genervt die Augen. „Da-ad! Müssen wir darüber denn jedes Mal wieder diskutieren? Du weißt genau, dass das selbst für unsere Verhältnisse zu ungesund ist und ich habe keine Lust dich nach deinem Zuckerschock wieder stundenlang durchs Haus zu jagen! Und wenn ich mich richtig erinnere, dachtest du letztes Mal, du könntest fliegen!
Trotzig schob Sirius die Unterlippe vor. „Na und? War es dein gebrochener Arm oder meiner? Na also." Als die Rothaarige nicht reagierte stampfte er ungeduldig mit dem Fuß auf. „Mann Jamie, ich bin hier der Erwachsene und ich kann selbst entscheiden was ich zum Frühstück esse!" Sie schüttelte nur den Kopf, winkte ihm ihr zu folgen und stellte sich so vor Harry, dass er den Einkaufswagen nicht weiter ausladen konnte. Während Sirius seine geliebten Pommes zurückholte versuchte er es noch einmal mit bewusst weinerlicher Stimme: „Och biiiitte, es sind doch nur Cornflakes!" Böse blitzte Jamie ihn an. „Das sind nicht nur Cornflakes. Eins kannst du mir glauben, es wäre gesünder einfach ein paar Löffel Zucker zu essen. Hast du wirklich geglaubt, dass es grünes und pinkes Getreide gibt?" „Woher willst du das denn wissen?", grummelte Sirius und verschränkte bockig die Arme vor der Brust, „Vielleicht wurden sie verzaubert?!" „In einem Muggelladen ist so etwas ja auch an der Tagesordnung", nickte Jamie zustimmend und verdrehte die Augen. Dann drehte sie sich zum Zeichen, dass die Diskussion beendet war, um und schob ihren Wagen zur Kasse. Sirius folgte ihr leise vor sich hinschimpfend, allerdings nicht ohne vorher mit spitzen Fingern die Paprika aus seinem Einkaufswagen zu entfernen.
An der Kasse angekommen entdeckte er sogleich Jamie und quetschte sich an einer älteren Frau vorbei um zu ihr zu gelangen. Diese fing augenblicklich an zu zetern, wie frech doch die heutige Jugend sei, was Sirius Laune allerdings nicht schmälerte. Im Gegenteil, froh über die Unterschätzung seines wirklichen Alters pfiff er vor sich hin, was der alten fast einen Herzinfarkt bescherte, so sehr regte sie sich auf.
Jamie nahm von alledem kaum etwas wahr, ihre Aufmerksamkeit lag einzig und allein auf ihrem Brieffreund. Sie war ihm so nahe gekommen, dass ihre Nasespitzen sich fast berührten und sah ihm nun von unten herauf aufmerksam an. „Ich mag deine Augen!" „Danke", er lachte, „Die habe ich von meiner Mum geerbt." Jamie warf Sirius einen bitterbösen Blick zu, welcher daraufhin entnervt mit den Augen rollte. „Jaja, ich weiß, du hättest lieber die Augen deiner Mutter und dafür meine Haare geerbt. Aber ich kann doch nichts dafür, dass es genau andersrum ist!" Jamie wackelte zustimmend mit dem Kopf, wandte sich dann aber erneut Harry zu. „Und du bist sicher, dass du nicht tauschen möchtest?" „Augen tauschen? Also manchmal bist du echt ein bisschen seltsam Jamie!", murmelte Harry und Sirius nickte ihm bekräftigend zu. Als sich seine Tochter daraufhin umdrehte und ihn drohend ansah, machte er sich gedanklich eine Notiz, nie wieder die Instinkte seines Babys zu unterschätzen und setzte ein seiner Meinung nach harmloses Gesicht auf. Jamie zog aber nur eine Augenbraue hoch, als wolle sie sagen „Das kannst du doch besser!" und wandte sich dann der Kassiererin zu, die sie freundlich grüßte. Nach weiteren 15 Minuten hatte sie endlich sämtliche Waren eingescannt und Harry und Jamie hatten sie in Plastiktüten verpackt. Sirius dagegen suchte während der ganzen Zeit seine Kreditkarte und als er schließlich schon seinen Schuh auszog, um daraus das Geld für Notfälle zu holen fiel besagte Karte aus seiner Brusttasche. Sowohl Jamie, als auch die Kassiererin und Harry hatten alle Mühe sich das Lachen zu verkneifen und trauten sich auch endlich wieder ihre Nasen loszulassen.
Und es wurde nicht besser: Als Sirius aufgefordert wurde seine Geheimnummer einzugeben machte er ein verzweifeltes Gesicht. „Sonst musste ich das doch auch nicht!" Die Kassiererin lächelte ihn freundlich an. „Dann haben sie wohl sonst nicht so viel Geld ausgegeben. Es tut mir Leid, aber ab einem bestimmten Betrag müssen sie ihre Geheimnummer eintippen." Sirius machte ein verzweifeltes Geräusch und verzog dann so angestrengt das Gesicht, dass Jamie sich beherrschen musste ihn nicht auf die nächste Toilette zu befördern. Mit einem breiten Grinsen zog sie das Gerät zu sich und tippte dann lässig die richtige Reihenfolge der Zahlen ein. Misstrauisch blitzte Sirius sie an. „Wieso…?" Jamie lächelte entwaffnend. „Wenn ich Klamotten kaufe überschreite ich besagte Grenze regelmäßig und so habe ich mir deine Geheimnummer… besorgt." „Darüber reden wir noch", zischte Sirius, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen. Kurz darauf schwankten die drei mit vielen Tüten beladen in Richtung Auto, dann stolperte Jamie und die Lebensmittel ergossen sich über den Boden. Sirius grinste sie nur selbstzufrieden an. „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort!" „Seit wann sind wir denn bitte gläubig?", murrte Jamie, rieb sich den Knöchel und öffnete eine Tüte Lakritz. Harry gluckste leise, schwor eine Kamera herauf und machte ein paar Schnappschüsse. „Das wird Dad sicher gefallen", lachte er und betrachtete Jamie, die von den verstreuten Lebensmitteln keine Notiz zu nehmen schien und sich stattdessen genüsslich Lakritz in den Mund stopfte.
Mit einer Bewegung hatte Sirius Harry die Kamera weggenommen und steckte sie in die Tasche seiner Jacke. Auf seinen fragenden Blick hin lächelte er leicht. „Wir wollen doch nicht, dass die Fotos verloren gehen. Das wäre ja eine Katastrophe!" Harry kannte seinen Gastvater nicht gut genug um es zu bemerken, Jamie kaute immer noch glücksselig auf einer Lakritzschnecke herum und so registrierte niemand Sirius Stimmungsumschwung. Energisch griff er nach seinen Tüten und scheuchte Harry vor sich her zum Auto. Schweigend luden sie die Tüten ein und erst nach weiteren zehn Minuten unterbrach Harry die Stille. „Ist es nicht unklug, dass Jamie die Kombination für deine Kreditkarte hat? Ich meine, sie könnte wer weiß wie viel Geld ausgeben und du hättest keine Chance das zu verhindern." Sirius lächelte. „Ich vertraue Jamie und sie ist sehr verantwortungsbewusst!" Auf Harrys ungläubigen Blick hin lachte er noch mehr. „Ja ich weiß, sie wirkt nicht so, aber das ist sie wirklich. Ich habe sie nie wirklich wie ein Kind behandelt, wir waren immer auf einer Stufe. Sie musste die Konsequenzen tragen wenn sie Mist gebaut hat aber sie hat eben auch ein Mitbestimmungsrecht."
Harry sah ihn zweifelnd an. „Meine Mum hat immer gesagt, dass es wichtig ist, dass Kinder Kinder bleiben, dass sie sich an Regeln halten, dass sie sich erst langsam an Verantwortung gewöhnen müssen." Sirius nickte bestimmt. „Da hat deine Mutter natürlich Recht und Jamie weiß ganz genau, an welche Regeln sie sich zu halten hat und dass ich da nicht mit ihr diskutiere. Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Natürlich durfte Jamie ein Kind sein und natürlich habe ich ihr immer geholfen, aber ich habe ihr nie Dinge einfach so verboten, ich habe sie ihr solange erklärt, bis sie mich verstanden hat. Das ging teilweise stundenlang so. Versuch mal gegen die Logik einer Dreijährigen anzukommen!" Sirius lachte und fuhr sich abwesend durch die Haare. „Jamie war schon immer… besonders und ich habe ihr auch schon von klein auf das Zaubern erlaubt. Es ist heutzutage einfach wichtig sich verteidigen zu können. Offiziell darf man in Amerika erst zaubern wenn man elf ist, aber auf unserem Haus liegen so viele Schutzzauber, dass davon niemand etwas mitbekommen hat." Mit einem Mal wirkte Sirius nachdenklich und er musterte Harry genau. „Was ist mit Voldemort?"
„Sie wissen…?" „Du!", widersprach Sirius. „Ich weiß? Ja natürlich weiß ich von Voldemort!" Verwirrt schüttelte sein Gastsohn den Kopf und Sirius lachte bellend. „Nein, ich meinte, dass du mich duzen sollst." „Oh… ja" Harry wurde rot. „Ich weiß nicht viel über ihn, meine Eltern sagen, dass er seit Jahren im Untergrund agiert und seine Gefolgsleute um sich scharrt. Er will an die Macht, hat aber wohl zu große Angst vor einem erneuten Rückschlag." Er wollte schon zu einer Erklärung ansetzen, aber Sirius hob abwehrend die Hand. „Ich weiß, was damals passiert ist. Glaub mir, das weiß ich nur zu gut", fügte er leise hinzu und mit einem Mal sah Harry Schmerz in seinen Augen, der sogleich verschwand als Jamie mit einem hübschen Mädchen an ihrer Seite auftauchte. Als die beiden allerdings näher kamen fand Harry das Mädchen gar nicht mehr so hübsch. Sie erinnerte ihn mehr an ein aufgezäumtes Zirkuspferd. Sie war offenbar ein paar Mal zu oft in einem Solarium gewesen und zusätzlich in einen Farbtopf gefallen. Die Augen hatte sie mit schwarzem Lidschatten und Strasssteinchen betont, die Lippen wären mit einem grellen Pink angemalt und ihre Frisur erinnerte ihn an ein totes Tier. Der Minirock, das bauchfreie T-shirt und die hohen Highheels verbesserten das Bild auch nicht gerade. „Okay Darling", zwitscherte sie affektiert und hauchte zwei Küsschen in die Luft, „Wir sehen uns." Ihr Blick fiel auf Sirius und Jamie wunderte es, dass sie nicht anfing zu sabbern. „Hallo Mr Black. Oder darf ich Sirius sagen?" „Hallo Amber", erwiderte er kühl, „Tschüss Amber!". Sie sah ihn erst verwirrt an und grinste dann dümmlich. „Ciao ciao!" „Bussi bussi!", rief Jamie ihr noch hinterher und winkte. Dann drehte sie sich zu Harry und Sirius um und das künstliche Lächeln fiel ihr aus dem Gesicht. „Jetzt brauch ich eine große Portion Eis, Pizza und ein paar halbnackte Männer!" Protestierend öffneten, sowohl Harry, als auch Sirius den Mund, aber Jamie unterbrach sie gleich wieder. „Na los, worauf wartet ihr? Auf zur Videothek!"
