My past is your past (Chap 8)
„Wo… Wo sind wir?", fragte Harry und drehte sich einmal um die eigene Achse während Dora und Jamie sich leicht schwankend aneinander festhielten. Das hätte er besser gelassen, denn sofort griff er sich an den Kopf und stöhnte gequält. „Beweg dich ein paar Minuten nicht so schnell, dann verschwindet das von ganz allein", riet Jamie und klopfte ihm aufmunternd auf den Rücken. „Um auf deine Frage zurückzukommen, wir sind in meinen Erinnerungen. Du wirst gleich Situationen aus meiner Vergangenheit sehen, ich dachte das wäre eine gute Möglichkeit für dich mich besser kennen zu lernen." „Diesen Spruch ke…" „Hat sie erfunden", fuhr Sirius dazwischen und seine Brust schwoll voller Stolz an. „Wow", murmelte Harry bedächtig, „Jetzt fühle ich mich aber richtig mickrig!" „Geht uns allen so wenn Jamie in der Nähe ist", stimmte Dora zu woraufhin ihre Cousine rot anlief und verlegen an ihren Haaren herumnestelte. „Ach hört doch auf!" „Jamie hat genauso viele Fehler wie jeder Andere auch!" Ein mörderischer Blick traf Sirius. „Solltest du mich nicht perfekt finden? Verdammt noch mal, ich bin deine Tochter, vergöttere mich gefälligst!"
„Ganz genau, du bist meine Tochter und ich dulde kein Gefluche in diesem Haus!" „Aber…" „Lass es mich anders ausdrücken, kein Gefluche von dir! Und für deine Widerworte gibt es jetzt Hausarrest!" Abwartend verschränkte die Rothaarige ihre Arme vor der Brust und ihre Augen funkelten spöttisch. „Eine Woche!" „Einen Tag!" „Was gibt dir das Gefühl hier verhandeln zu dürfen?" „Ein Vormittag!" „Was? Hey…" „Eine Stunde!" „Was, hey Moment!" „Okay, wir machen einen Deal, ich darf eine Woche lang zehn Stunden am Tag nicht raus, aber ich kann die Zeiten selbst wählen!" Verdutzt blickte Sirius seine Tochter an, das war doch viel zu einfach gewesen! „Okay…" Das Zögern in seiner Stimme war deutlich zu hören, offenbar suchte er immer noch nach dem Haken. „Gut, dann darf ich jetzt leider nicht mehr raus wenn ich schlafe. So ein Pech aber auch!" Sirius Schultern fielen für einen Moment herab, er öffnete den Mund als wolle er widersprechen und schloss dann erschöpft die Augen. „Ich werd zu alt für so was!"
Jamie reagierte nicht, was Sirius sofort zu einem neuen Trotzanfall bewegte. „Hey, ich bin dein Vater, verteidige mich gefälligst!" Die Rothaarige lächelte nur. „Mein Daddy hat immer gesagt, dass man nicht lügen darf!" „Das war jetzt fies!" „Leute?" „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm würde ich sagen!" „Leute!" „Das ist jawohl die Ironie schlechthin. Du und ein Apfel, dass ich nicht lache!" „Ja lach besser nicht, sonst haben wir das Ministerium schneller am Hals als du deine Haarkuren verstecken kannst!" „Lass meine Haare aus dem Spiel, ja? Die haben dir nichts getan! Außerdem, soll das etwa heißen, dass mein Lachen so scheußlich klingt, dass ich dafür ins Gefängnis kommen könnte?" „Das hatte ich zwar eigentlich nicht gemeint, aber wo dus schon ansprichst…" „Fass dir mal lieber an deine eigene Nase Töchterchen!" „Aber an deiner gibt es doch so viel mehr zu fassen!" „MEINE NASE IST NICHT GROß!" „Ach, das ist eine Nase? Gut, dass dus sagst, ich hatte mich schon gefragt ob du einen Schneemann in der Familie hattest! Mit dieser Kar…" „LEUTE!" „WAS DENN HARRY?", brüllten die beiden augenblicklich zurück und er zog erschrocken den Kopf ein. „Ich wollte euch nur sagen, dass da anscheinend eine Erinnerung angefangen hat." „Oh", meinte Jamie und blickte ihn vorwurfsvoll an, „Warum hast du denn nicht Bescheid gesagt?" Empört schnappte ihr Brieffreund nach Luft, entschied sich dann aber gegen einen Kommentar, wusste er doch, dass er sowieso keine Chance gegen die Logik der Rothaarigen hatte.
„Jetzt hör doch auf zu weinen! Komm schon Schatz, ich tu doch was ich kann. Hast du Hunger?", hilflos griff Sirius nach einer Banane und hielt sie dem offenbar erst ein paar Tage altem Baby vors Gesicht. „Moment, Babys essen keine Bananen, wie dumm von mir, sie können sie ja nicht mal selbst schälen! Soll ich das für dich machen, Schatz?" Sofort fing das Bündel auf seinem Arm wieder an zu wimmern und der Schwarzhaarige sah aus, als würde er es ihm am liebsten nachtun. „Schatz, Liebling, du weißt, dass die Muttermilch schon alle- hast du mich gerade böse angeguckt?- na gut, dann leer ist! Und du bist doch Daddys großes Mädchen, du kannst doch auch schon etwas anderes essen, oder?" In diesem Moment verstummte das Baby und sah ihrem Vater tief in die Augen, welcher jetzt mächtig entsetzt wirkte. „Du meine Güte, du kannst ja jetzt schon so verachtend gucken wie deine Mutter! Was? Jetzt lachst du?! Ich mag dich nicht mehr, nur dass dus weißt!" Stille. „Hey, ich habe das doch nicht so gemeint, du bist das Wichtigste für mich also hör auf die Luft anzuhalten! Ich meins ernst, hör sofort auf damit!" Von Wort zu Wort war Sirius Stimme hysterischer geworden und er beruhigte sich auch nicht als man das fröhliche Glucksen des Babys vernahm. „Sehr witzig, wirklich. Sehr witzig."
„Schon damals hatte ich dich im Griff, Dad!", lachte Jamie, woraufhin dieser interessiert seine Nägel betrachtete. „Ich könnte mal wieder eine Pediküre gebrauchen, oder?" „Erstens meinst du sicher eine Maniküre und zweitens wundere ich mich auf einmal gar nicht mehr so sehr, dass du so gut wie nie Frauen nach Hause bringst!" Protestierend öffnete der Schwarzhaarige den Mund, wurde aber von Harry unterbrochen. „Wie alt bist du da, ein paar Tage oder? Ich meine, Sirius hat doch einen Scherz gemacht oder? Du konntest ihn doch noch gar nicht böse angucken oder die Luft anhalten! Das ist doch Quatsch, Babys haben nicht so eine Kontrolle über ihren Körper!" Sirius zuckte nur mit den Schultern. „Was soll ich dazu sagen, Jamie war schon immer…" „Besonders?", schlug diese grinsend vor und zwinkerte ihrer Cousine zu. „Und diesmal sag ich: Seltsam! Ätsch!", kommentierte diese und die vier brachen in Gelächter aus.
Als Harry sich wieder einigermaßen beruhigt hatte atmete er tief durch. „Ihr macht das gerne, oder? Die Worte des Anderen gegen ihn verwenden?" Offenbar erwartete er aber keine Antwort und sprach sofort weiter. „Okay, du bist eine Hexe und meinetwegen sah es damals so aus, als würdest du die Luft anhalten. Aber dass du dich wirklich noch an die Situation erinnern kannst finde ich jetzt echt gruselig." „Wer hat gesagt, dass sie sich erinnern kann?", fuhr Sirius dazwischen und Harry runzelte die Stirn. „Aber wir sind doch hier in…" „Ich habe ihr meine Erinnerungen gezeigt als sie den Spruch entwickelt hatte, sie wollte mir nämlich partout nicht glauben, dass ich einem Säugling tatsächlich mal Bananen andrehen wollte!" „Das ist ja auch unfassbar!", murmelte die Rothaarige noch und dann befanden sie sich schon in der nächsten Erinnerung.
„Komm zu Daddy, Schatz! Komm! Na komm!" Auffordernd hielt Sirius einem kleinen rothaarigen Mädchen die Arme hin, das sich daraufhin wenig interessiert einen Daumen in den Mund steckte. „Na gut, einmal trag ich dich noch, aber ab morgen läufst du!", seufzte der Schwarzhaarige und nahm sie auf den Arm. In dem Moment hörte man ein lautes Krachen und Sirius runzelte verärgert die Stirn. „Was hat er denn jetzt schon wieder angestellt?" Vorsichtig setzte er seine Tochter wieder auf dem Boden ab und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Du bleibst schön hier, ja? Daddy ist gleich wieder da!" Er hielt inne. „Wem sage ich das überhaupt? Du würdest dich nicht mal bewegen, wenn eine Horde Hippogreife hinter dir her wären." „Iiii!", jauchzte die Kleine augenblicklich und Sirius lächelte sanft. „Du bist wirklich verboten süß und ich glaube, das weißt du ganz genau!" Dann drehte er sich um und ging in die Küche. Jamie sah ihm hinterher und ihr Gesicht zuckte leicht. Aber anstatt dass sie anfing zu weinen zog sie sich an einem kleinen Hocker hoch und machte zwei unbeholfene Schritte in Richtung Sessel. Dort hielt sie sich fest und griff nach einer herumliegenden Packung mit Keksen. Strahlend griff sie in die offene Tüte und umklammerte mit beiden Händen einen riesigen Keks. Als sie sich dann allerdings umdrehen wollte verlor sie das Gleichgewicht und landete unsanft auf dem Po. Das schien sie aber nicht weiter zu interessieren, denn sie fing selenruhig an an ihrem Keks zu lutschen.
Von der Küchentüre her ertönte ein lautes Schnauben. „Du kleines gerissenes Biest! Lässt dich die ganze Zeit herumtragen aber kannst schon meine Kekse klauen!" Mit ein paar schnellen Schritten war Sirius bei seiner Tochter angelangt und ließ sich vor ihr auf den Boden sinken. Mit großen Augen sah sie ihn an und hielt ihm dann den leicht feuchten Keks entgegen. „Da?" „Wie kommst du darauf, dass ich bestechlich wäre?", grummelte Sirius, nahm den Keks und hielt ihn in die Luft. „Na komm, ich habe gesehen, dass du schon stehen und ein, zwei Schritte machen kannst. Also los, hol dir den Keks!" Jamie machte große Kulleraugen und sah ihn mit zitternder Unterlippe an, aber das schien ihn nicht weiter zu interessieren. „Ich warte." Verzweifelt streckte die Kleine ihre Ärmchen in die Luft und versuchte an den Keks heranzukommen, was ihr aber nicht gelang. Sie fing an zu wimmern und im ersten Moment schien es, als wolle Sirius ihr den Keks sofort zurückgeben, aber dann besann er sich offenbar auf seine erzieherischen Mittel.
„Na los, einmal aufstehen, mehr verlange ich doch gar nicht. Ich habe doch eben gesehen, dass du es kannst!" Die Rothaarige blickte ihn böse an, versuchte dann aber sich aufzurichten. Da sie allerdings wie hypnotisiert den Keks anstarrte und jede Bewegung mit den Augen verfolgte verlor sie sofort das Gleichgewicht, fiel auf den Po und fing an zu heulen. Erschrocken und mit einem offensichtlich schlechten Gewissen versuchte Sirius sie zu beruhigen, was ihm aber erst gelang als sie ihren Keks wieder mit beiden Händen festhielt und glücksselig darauf herumlutschte. „Die Schlacht hast du vielleicht gewonnen, aber der Krieg ist noch nicht vorbei!", brummelte Sirius, kam ihrem Gesicht ganz nahe und schwupps war der halbe Keks verschwunden. Mit großen bewundernden Augen blickte Jamie ihren Vater an, ließ den Rest des Gebäcks fallen, streckte ihm die Arme entgegen und rief: „Dada!" Sirius begann sofort über das ganze Gesicht an zu strahlen. „Ja, ich bin dein Dada! Sag es noch mal: Wer ist dein Dada? Ich bin deine Dada", gurrte er und sah seine Tochter erwartungsvoll an. Die Rothaarige sah allerdings eher aus, als wolle sie sagen: „Wer ist hier bescheuert? Du bist hier bescheuert!" Sirius schien das entweder nicht zu bemerken, oder aber er wollte sich den Triumph nicht nehmen lassen und so schloss er seine Tochter in die Arme und sah nach oben. „Ich danke euch!"
„Sie war damals erst sieben Monate alt!", fügte Sirius erklärend hinzu und konnte dabei den Stolz nicht aus seiner Stimme verbannen. „HA!", machte Harry, „Mum sagt, dass ich schon mit sechs Monaten die ersten Schritte gegangen bin." „Wow, da kannst du jetzt aber echt mal stolz sein!", spottete Dora und Harry warf ihr einen giftigen Blick zu. „Was war eigentlich dein erstes Wort, Harry?", fragte Jamie interessiert und er fuhr sich durch die Haare. „Baby! Meine Mum sagt das war, als ich mit meinem besten Freund gespielt habe. Was irgendwie seltsam ist, weil er genauso alt ist wie ich, aber ich war damals auch erst etwas über ein Jahr alt, also kann man wohl nicht besonders viel Logik erwarten." „Aber J war echt voll.." „Dora? Könntest du mir einen Gefallen tun und wieder normal sprechen? Bitte, hier ist niemand den du beeindrucken musst. Ob das klappen würde ist eine andere Frage, aber bitte: Drück dich deinem Alter entsprechend aus!" „Ich wollte eigentlich nur sagen, dass du ein supersüßes Baby warst!" „Ja, total goldig oder?", fragte ihre Cousine strahlend und hätte sich im nächsten Moment am liebsten auf die Zunge gebissen. „Goldig? Hey Jamie, die fünfziger Jahre haben angerufen, sie wollen ihr Wort zurück!" „Ah geh weg!", murrte sie missmutig und Sirius lachte bellend. „Wieder unglaublich kreativ heute, was?" „Du blöder…" „Hund!" „Was?", verblüfft sahen Vater und Tochter Harry an, der auf einen Punkt hinter Sirius zeigte. „Hund! Großer, gefährlicher, hässlicher Riesenköter!"
