Und auch hier nur ein Review… schnief

Rotkäppchen und Struwwelpeter (Chap 9)

Aus einem Reflex heraus drehten sich Jamie und Sirius erschrocken um, während Dora schon gesehen hatte, was Harry meinte und nun leise in sich hineinkicherte. „Ey!", kam die zu erwartende Reaktion auch sofort, „Wen nennst du hier hässlich?" Irritiert blickte Harry seinen Gastvater an und Jamie versuchte vergeblich ihr Lachen mit ihren Händen zu ersticken. Es war das erste Mal, dass Harry Sirius wirklich beleidigt erlebte und er konnte sich einfach keinen Reim darauf machen. Dann schien ihm ein Licht aufzugehen und er blickte den Schwarzhaarigen entschuldigend an. „Das ist euer Hund, oder?" „Meiner", kicherte Jamie und tätschelte ihrem schnaufenden Vater dann beruhigend den Arm. „Ganz ruhig Dad, schau doch mal, was Schnuffel für ein glänzendes Fell hat!" Tatsächlich sah Sirius bald nicht mehr ganz so wütend aus, wobei er Harry demonstrativ den Rücken zugekehrt hatte und fuhr sich selbstzufrieden durch die Haare. Dora formte allerdings mit den Lippen nur: „Glänzendes Fell?" und ihre Cousine zuckte hilflos mit den Schultern. „Etwas Besseres ist mir nicht eingefallen!" Glücklicherweise hatte Sirius das nicht gehört, denn er wurde gerade von Harry abgelenkt: „Was macht Jamie denn da?" „Sie lernt laufen."

Das Mädchen konnte nicht viel älter als in der letzten Erinnerung sein und rappelte sich gerade vom Boden hoch. Der große, schwarze Hund mir dem zotteligen(!) Fell wartete geduldig bis sie wieder auf den Füßen stand und sich in seinem Fell festkrallte. Dann machte er ein paar langsame Schritte und Jamie, durch seinen Halt gestützt, folgte ihm mit tapsigen Schritten und quietschte dabei immer wieder fröhlich auf. Dann hatte sie offenbar keine Lust mehr und ließ sich auf den Hintern fallen. Allerdings vergaß sie dabei den Hund loszulassen und riss ihm so ein wenig Fell aus. Dieser sprang daraufhin wie ein Verrückter jaulend um sie herum, woraufhin sie zufrieden krähte und in die Hände klatschte. Augenblicklich blieb der Hund stehen, blickte sie vernichtend an und drehte sich dann von ihr weg. Verblüfft sah sie ihn an und zog ihn dann kichernd am Schwanz, den er daraufhin einzog und sich hinsetzte. Sofort fing ihre Unterlippe an zu zittern und ein paar erstickte Schluchzer entwichen kläglich ihrer Kehle, doch der Hund rührte sich auch jetzt nicht. Kurzerhand krabbelte sie um ihn herum, bellte und wollte ihm über die Schnauze lecken, aber der Hund drehte den Kopf weg. Im Nachhinein war das wohl ganz gut gewesen, denn gesünder wäre Jamie vom Ablecken einer Hundeschnauze sicher nicht geworden. Der Hund drehte sich ein weiteres Mal von ihr weg und mit einem Mal presste Jamie die Lippen aufeinander, runzelte die Stirn und starrte angestrengt auf die Ohren des Hundes.

„Was macht sie denn jetzt?", flüsterte Harry und Sirius sah ihn komisch an. „Wieso flüsterst du, hast du Angst, dass sie dich hören könnte?" Der Schwarzhaarige wurde rot, verschränkte aber trotzig die Arme vor der Brust. „Das tut man eben in solchen Situationen. Aber was ist jetzt mit Jamie, macht sie gerade auf den Boden, oder was?" Diesmal war es die Rothaarige, die merklich gekränkt wirkte. „Das ist mein konzentriertes Gesicht, du Affenar…" „Jamie!" „Du ganz doofer Typ, du!" „Na jetzt hast dus ihm aber gegeben", lachte Dora noch und dann konzentrierten sie sich wieder auf die Erinnerung. Diesmal sah Jamie allerdings nicht so aus, als müsse sie dringend mal wohin.

Mit einem Mal fing der Körper der Rothaarigen an sich zu verändern. Immer mehr schrumpfte er zusammen, die Haut überzog sich mit schwarzem, strubbeligem Fell und aus ihrem Hinterteil wuchs ein kleiner Stummelschwanz. An der Stelle des großen Hundes stand jetzt Sirius und klopfte sich den Staub von den Klamotten. Dann drehte er sich um und hielt irritiert nach seiner Tochter Ausschau, aber von dem roten Haarschopf fehlte jede Spur. Langsam wurde seine Stimme panisch. „Jamie? Jamie, das ist nicht witzig, komm raus!" Das kleine Bündel auf dem Boden fiepte leise und wie in Zeitlupe glitt Sirius Blick nach unten. Langsam kniete er sich auf den Boden, nahm den Hundewelpen auf seine Hand, die er gerade so ausfüllte und hielt ihn vor sein Gesicht. „Jamie?" Das schwarze Fellknäuel bellte bestätigend und Sirius stöhnte geschockt auf. „Okay, Sirius. Denk nach, denk nach!", murmelte er immer wieder und streichelte abwesend den Kopf seiner Tochter, pardon, seines Hundes, seiner Hundetochter, wie auch immer. Nach einer Weile zwickte sie ihn beleidigt in den Finger, woraufhin er ihr wieder mehr Aufmerksamkeit widmete. Nachdenklich hielt er sie sich vors Gesicht und schüttelte langsam den Kopf. „Ich weiß nicht, ob ich jetzt verdammt stolz sein soll, oder ob es angebrachter wäre, panisch auf und ab zu hüpfen."

Harry starrte sprachlos auf die Szene und räusperte sich dann. „Wie alt war sie da? Acht Monate?" Sirius wackelte wage mit dem Kopf. „Kommt hin." „Sie war mit acht Monaten ein Animagus? Das ist doch jetzt nicht euer Ernst, oder? Die wenigsten Leute schaffen es Animagi zu werden und wenn, dann braucht es eine jahrelange Vorbereitung. Das schaffen doch keine Babys!" „Wen nennst du hier Baby?", fragte Jamie beleidigt und blitze ihn wütend an. In diesem Moment mischte sich auch Dora ein: „Vielleicht ist sie ja ein Metamorphmagus!" Sirius schüttelte leicht den Kopf. „Falls du darauf anspielst, dass du einer bist… Nein, das denke ich nicht. Sieh mal, ihr seid nur Cousinen dritten Grades, da wäre es schon sehr merkwürdig, wenn ihr die gleichen Fähigkeiten hättet. Außerdem kann sich ein Metamorphmagus doch nicht in Tiere verwandeln, oder?" Dora machte ein angestrengtes Gesicht. „Weiß ich nicht."

Sirius lächelte verträumt und sein Blick wurde abwesend. „Ich habe damals Stunden gebraucht und auf sie eingeredet, bis sie sich wieder zurückverwandelt hat. Zu einem Heiler konnte ich ja nicht, dann hätte das Ministerium davon Wind bekommen und ich hatte Angst, dass sie mir Jamie wegnehmen. Mittlerweile kenne ich ja einen Zauberspruch, der die Verwandlung rückgängig macht, aber damals… Ich denke, dass sie einfach wie… Schnuffel sein wollte und sich dann verwandelt hat. Jamie hatte schon immer besondere…" „Bedürfnisse?", kicherte Dora und fing sich daraufhin einen Seitenhieb von Jamie ein, „Fähigkeiten. Ich denke, es macht wenig Sinn, das zu hinterfragen und sie hat sich danach auch lange nicht mehr verwandelt." „Und wenn, dann hast… hat Schnuffel mich immer in seinem Maul durch die Gegend getragen, damit ich keinen Unsinn machen konnte", lachte seine Tochter und Sirius grinste leicht. „Die guten, alten Zeiten. Damals warst du noch zu kontrollieren."

Und Jamie, was möchtest du morgen machen?" Die Kleine gluckste leise und versuchte ihren Vater in die Nase zu kneifen, als dieser mit gerunzelter Stirn schnüffelte und dann die Nase rümpfte. „Och Schatz, nicht schon wieder!" Seufzend hob er seine Tochter hoch und hielt sich ihr Hinterteil vors Gesicht. „Na gut, dann gehen wir jetzt mal deine Windeln wechseln." Sie vorsichtig hin und her schaukelnd ging er zu der im Raum stehenden Wickelkommode und zog ihr die winzigen Jeans aus. „Wow", meinte er und grinste beeindruckt, „Das hat sich ja richtig gelohnt!" Gerade als er sie saubergemacht hatte und nach der neuen Windel griff, schrie er erschrocken auf und sah angeekelt an sich herunter. Als er allerdings die vor Freude strahlenden Augen seiner Tochter sah musste er doch schmunzeln und zog sich ohne einen weiteren Kommentar das Hemd aus. „Du kleines Frettchen", lachte er leise und befestigte die neue Windel. „Pinkelst du einfach deinen alten Vater an!" Glucksend klatschte die Kleine in die Hände und ließ sich ohne weitere Vorkommnisse ihre Jeans wieder anziehen. Als ihr Vater sie hochhob kuschelte sie sich in seine Arme und Sirius drückte ihr zärtlich einen Kuss auf das Köpfchen. „Ab morgen darf das aber nicht mehr passieren, dann hast du schließlich deinen ersten Geburtstag und bist schon ein großes Mädchen!" Die Rothaarige kicherte nur und drückte ihm einen feuchten Kuss auf den Hals.

„Du hast ihn angepinkelt?" Jamie grinste. „Tja, damals hatte ich noch den Niedlichkeitsfaktor auf meiner Seite, da fand Dad das sogar süß. Was denkst du, was los wäre, wenn ich das jetzt tun würde?" „Kannst du gerne tun, Schatz", meinte Sirius achselzuckend, „Wenn ich dann weiterhin deinen Hintern pudern darf", er kniff sie in eben diesen und sie quietschte empört auf, „Und wenn du dann weiterhin Häschenpyjamas mit Füßen trägst…" Jamie öffnete empört den Mund, schloss ihn dann aber unverrichteter Dinge wieder. Zum ersten Mal in ihrem Leben fehlten ihr wirklich die Worte.

Jamie? Jamie, sieh mich an!" Der glasige Blick seiner Tochter traf ihn und Sirius schüttelte sie verzweifelt. „Was hast du gegessen?" Langsam hob sie den Finger und zeigte auf einen Strauch. „Verdammt!", fluchte der Schwarzhaarige und zog die Dreijährige hoch. „Hör zu Schatz, das tut jetzt ein bisschen weh, aber danach geht es dir gleich besser, ja?" Damit umfasste er ihren Bauch und hielt sie waagerecht über den Boden. Auch als er sie leicht schüttelte passierte nichts weiter und so musste er ihr die Finger in den Hals stecken, damit sie sich endlich übergab. Dann tröstete er die leise schluchzende Rothaarige und wischte ihr mit seiner Jacke den Mund ab. Erst dann bemerkte er, dass seine Schuhe völlig eingesaut waren, was ihn aber ganz offensichtlich nicht interessierte. Stattdessen zog er seinen Zauberstab, ließ den Strauch in Flammen aufgehen und eilte dann zum Auto um seine Tochter ins Krankenhaus zu fahren.

„Du hast mir damals einen Heidenschreck eingejagt", lachte Sirius, aber man sah ihm deutlich an, dass ihm das Ganze immer noch sehr nahe ging.

Dad! Daddy!" Schluchzend stieß eine offenbar fünfjährige Jamie eine Tür auf und sprang zu ihrem Vater ins Bett. Müde griff Sirius nach seinem Zauberstab und ließ ein riesiges Glas voller Glühwürmchen erscheinen. „Was ist passiert?" „Ich hab geträumt… Und dann war da… Und…" Sanft zog Sirius sie an sich und wiegte sie behutsam hin und her. „Hast du wieder von dem bösen Mann und den vielen Blitzen geträumt?" Sie nickte und schluchzte leise. „Ich hab dir doch gesagt, dass das alles nur ein Traum war. Er kann dir nichts tun. Du weißt doch, dass ich auf dich aufpasse, nicht?" Sie nickte langsam und kuschelte sich dann noch näher an ihren Vater. „Erzählst du mir eine Geschichte?" Sirius lächelte leicht, legte sich dann wieder hin und fing an ihr gedankenverloren durch das rote Haar zu streichen.

Es war einmal ein Mädchen namens Rotkäppchen, das war bei allen beliebt und immer nett zu anderen Menschen und Tieren. Eines Tages traf Rotkäppchen im Wald einen netten Jungen, der sich Struwwelpeter nannte. Struwwelpeter und Rotkäppchen verstanden sich sofort gut und beschlossen gemeinsam gegen den bösen Zauberer Lieblos zu kämpfen. Der Zauberer Lieblos hatte in seinem ganzen Leben keine Liebe erfahren und wollte sie nun auch allen anderen Menschen nehmen. Und so gingen Struwwelpeter und Rotkäppchen los und bestanden viele Abenteuer. Eines Tages trafen sie auf den bösen Zauberer und er entführte Struwwelpeter und da musste Rotkäppchen ganz alleine gegen ihn antreten. Weißt du, Rotkäppchen war noch nie wirklich alleine gewesen und bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie immer Hilfe von ihren Freunden und ihrer Familie gehabt. Aber jetzt war Rotkäppchen ganz auf sich alleine gestellt und sie nahm all ihren Mut zusammen und stellte sich dem bösen Zauberer."

Und dann?", fragte Jamie begierig. „Was passierte dann? Rotkäppchen besiegte den bösen Zauberer Lieblos und sie lebte mit Struwwelpeter glücklich bis an ihr Lebensende, oder?" „Ich weiß nicht mehr", sagte Sirius leise, aber als er ihren enttäuschten Blick sah fügte er schnell hinzu: „So wird es wohl gewesen sein." „Hatte Rotkäppchen einen Hund?" Irritiert blickte Sirius sie an. „In jedem guten Märchen kommt ein Hund vor!", erklärte die Kleine, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Na dann wird sie wohl auch einen Hund gehabt haben." „Einen Dalmatiner?" Jamies Augen leuchteten. „Ich mag Dalmatiner!" „Jetzt wo dus sagst: Ich bin sicher, dass sie einen Dalmatiner hatte!" „Gut!", antwortete Jamie zufrieden und schlief dann in den Armen ihres Vaters ein. „Gute Nacht meine kleine Heldin", flüsterte Sirius noch und dann schloss auch er die Augen.