Während Wilson irgend was von Versicherung und nicht abgeschlossenen Türen murmelte, war House bereits auf dem Weg nach drauße

A/N: Ich hatte eigentlich vorgehabt, dass alles was bisher innerhalb der Serie passiert ist, als gegeben anzusehen ist. Ich nehme das hiermit etwas zurück. Mit Sicherheit gegeben ist nur alles bis zum Ende von Staffel vier. Sollten sich ab Herbst Änderungen ergeben, die man nicht umschiffen kann, dann ist das eben Pech. :P
SPOILER
Die beiden vorherigen Kapitel editiere ich aber noch mal. Irgendwie hätte ich ein schlechtes Gefühl dabei, Amber drin zu lassen.
Ich habe beschlossen, dass das ganze ungefähr ein Jahr nach 4.16 spielt. In der halbwegs sicheren Annahme, dass sich bis dahin die Wogen zwischen House und Wilson wieder geglättet haben. SPOILER-Ende

Während Wilson irgendwas von Versicherung und nicht abgeschlossenen Türen murmelte, war House bereits auf dem Weg nach draußen. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen Wilsons Auto und wartete auf seinen Freund. Dieser packte erst Houses und dann seinen eigenen Rucksack ins Auto. Danach stiegen beide ein.
Unterwegs erzählte Wilson, dass das Team am Nachmittag die Diagnose für ihren letzten Patienten gefunden hatte. House nickte dazu nur. Der junge Mann war nicht in unmittelbarer Lebensgefahr gewesen, und es war auch nicht besonders schwierig die Krankheit per Ausschlussverfahren festzustellen. Mal ganz davon abgesehen, dass Foreman inzwischen durchaus wusste, dass ein Team zu leiten auch etwas mit Verantwortung zu tun hatte, und deshalb viele Dinge um einiges überlegter anging. Trotzdem wäre es gelogen gewesen, hätte House behauptet, dass ihn Wilsons Nachricht nicht doch etwas beruhigte. Denn obwohl die drei „Neuen" Dank Foremans Anwesenheit nicht alleine waren, überließ er der Mannschaft doch ungern Fälle wenn er selbst nicht dabei war.
Nach etwa einer Viertelstunde erreichten sie das Krankenhaus. Da es inzwischen bereits nach zehn Uhr war, war kaum jemand auf den Straßen unterwegs gewesen. Daher hatten sie einiges weniger an Zeit gebraucht, als das normalerweise tagsüber der Fall gewesen wäre.
Nachdem sie ausgestiegen waren, verschloss Wilson noch das Auto, während House sich schon langsam auf den Weg zum Krankenhaus machte. Unterwegs warf er einen flüchtigen Blick zu seinem Motorrad. Soweit er das auf dem nicht gerade strahlend beleuchteten Parkplatz erkennen konnte, schien es unbeschädigt zu sein.
An der Tür zum Krankenhaus hatte Wilson ihn schließlich eingeholt, und sie betraten zusammen die Eingangshalle. Am liebsten wäre es House gewesen, wenn Wilson sich die Wunde noch mal angesehen, und sie dann genäht hätte. Denn während der Autofahrt waren beide zu dem Ergebnis gekommen, dass das wohl nötig sein würde. Aber in den Untersuchungsräumen der Ambulanz gab es zwar Verbandsmaterial in rauen Mengen, aber leider nicht alles Nötige um eine Wunde zu nähen. Also blieb ihnen nichts anderes übrig, als in die Notaufnahme zu gehen.
Auf dem Weg dorthin hoffte House innständig, dass Cameron Nachtdienst haben würde. Sie würde ihm wenigstens nicht unnötig auf die Nerven gehen.
Leider war Cameron auch nach mehreren Minuten Wartezeit nicht aufgetaucht. Schließlich gab House seinen Beobachtungsposten am Eingang der Notaufnahme auf, und ging zur Anmeldung. Wilson hatte sich auf einen der Stühle gesetzt.
Da glücklicherweise nur wenig los war, konnte sich die Schwester gleich House zuwenden: „Nanu. Was machen sie denn hier? Ist alles in Ordnung? Kann ich ihnen helfen?"
"Glauben sie wenn alles in Ordnung wäre, wäre ich um diese Uhrzeit noch hier? Was das helfen angeht. Geben sie Wilson alles was man braucht um ‚ne Wunde zu nähen."
Zuerst sah die Schwester House für einen Moment leicht verwirrt an. Bevor sie jedoch den Fehler machen, und eine weitere dumme Frage stellen konnte, sah sie seinen Verband. So nickte sie nur, stand auf, und kam kurze Zeit später mit einer Tüte zurück. House nahm sie ihr ab, und ging auf eine der Kabinen zu. Innerlich hatte er sich schon für eine längere Diskussion gewappnet. Genau wie in allen anderen Abteilungen auch, sah es das Personal der Notaufnahme nicht gern, wenn in ihrem Revier Ärzte arbeiteten, die hier eigentlich nicht hergehörten. Von daher war House froh, dass ihm die Schwester so ohne weiteres gab, was sie brauchten. Wahrscheinlich war es auch ihr zu spät, um mehr Energie aufzubringen, als unbedingt nötig war.
Wilson, der die Situation beobachtet hatte, folgte ihm in die Kabine.
Sobald der Vorhang geschlossen war, und sich House auf das Krankenbett gesetzt hatte, begann der Onkologe sich die Sachen zurechtzulegen die er benötigen würde, und fing danach an, vorsichtig den Verband von Houses Hand zu lösen um die Wunde versorgen zu können. Währenddessen konzentrierte sich House auf das was außerhalb der Kabine um ihn herum geschah. Zwar versperrte der Vorhang ihm die Sicht, aber Geräusche und Gespräche wurden dadurch kaum gedämpft.
So entging ihm auch ein halblautes Gespräch zweier Frauen nicht, dass in der Nähe seiner Kabine geführt wurde. House konnte den Stimmen keine Gesichter zuordnen. Aber das war im Moment auch nicht wichtig.
"Seit wann hat House denn ein Problem mit Dr. Cameron?"
"Gegenfrage: Mit wem hat House kein Problem. Aber wie kommst du da jetzt drauf?"
"Na ja. Normalerweise lässt er sich von ihr verarzten, wenn er mal hier in der Notaufnahme ist."
"Ich nehme an, wenn sie da wäre hätte er sich sicher auch von ihr verarzten lassen."
"Wie, wenn sie da wäre? Sie hat doch Dienst. Steht zumindest so am Plan."
Darauf folgte vermutlich ein Schulterzucken. Dann: „Vielleicht hast du dich verguckt?"
"Nein hab' ich nicht."
Eine dritte Stimme kam jetzt dazu.
"Nein hast du wirklich nicht. Sie hätte Dienst, ist aber nicht da. Ans Telefon geht sie auch nicht. Den ganzen Tag schon nicht."
"Wieso wolltest du sie denn anrufen."
Nach kurzer Pause: „Na ja, ich wollte fragen, ob ich meine Schicht morgen früh machen kann. Es ist ja niemand krank und..."
"Wieder mal jemanden kennengelernt?"
"Geht's dich was an."
"Schsch! Ihr unterhaltet die ganze Notaufnahme."
Schweigen. Nebenbei registrierte House wie Wilson den Faden abschnitt, fand das unsichtbare Gespräch aber weitaus interessanter. (Dank örtlicher Betäubung hatte er vom Nähen selbst nicht viel mitbekommen.)
"Aber komisch ist es schon. Ich meine, wenn sie krank wäre hätte sie doch bescheid gesagt."
"Vielleicht hat sie's vergessen. So was soll vorkommen. Gerade wenn es einem nicht gut geht."
"Dir ist klar dass wir hier von Dr. Cameron reden. Hast du irgendwann schon mal erlebt, dass ihr so was passiert wäre?"
Vermutlich noch ein Schulterzucken.
"Einmal ist immer das erste mal. Aber du hast schon recht. Es passt wirklich nicht zu ihr. Obwohl. Sie war in letzter Zeit irgendwie durch den Wind."
"Vielleicht braucht sie einfach mal Urlaub."
Er hörte das klacken von Absätzen, dass sich in Richtung Personalraum bewegte. Dann halblaut gerufen.
"Hat sie! Ab nächster Woche, und dieses Wochenende keinen Dienst."
House wusste, dass neben dem Personalraum der Dienstplan hing. Offenbar war eine der Frauen dort hingegangen. Die Schuhe liefen jetzt zurück zur Anmeldung.
Wieder war kurze Zeit nur das Brummen einer Neonröhre zu hören.
"Aber komisch ist es trotzdem. Ich meine, dass sie so neben sich steht."
"Na ja, wenn dir dein Ex ständig auf die Nerven geht."
"Also wenn mein Freund von heute auf Morgen mit mir Schluss machen würde, fände ich das auch nicht toll."
"Ach ich wusste nicht mal, dass sich die beiden getrennt haben. Wann ist das denn passiert?"
Inzwischen war Wilson mit zusammenpacken fertig, und somit musste auch House seinen Lauschposten aufgeben.
"Vor ungefähr vier Wochen, und dass sie sich getrennt haben, stimmt so nicht ganz. Sie hat einfach..."
war das Letzte was vom Gespräch der Tratschtanten noch zu hören war, bevor die Tür zu ging. Denn sobald die drei mitbekommen hatten, dass House und Wilson mithören konnten, hatten sie sich in den Personalraum zurückgezogen.
"Wusstest du davon?"
Die Frage war von beiden gleichzeitig gestellt worden, woraufhin beide grinsten.
"Ich hatte einige Gerüchte gehört, nichts genaues, und nichts aus zuverlässiger Quelle." House nickte daraufhin nur.
"Ich meine," fuhr Wilson fort, „irgendwie komisch ist es schon. Schließlich schien doch bisher bei den beiden alles in Ordnung zu sein. Haben sie dir irgendwas erzählt."
"Wieso sollten sie."
Wilson kommentierte das nicht weiter. Er hatte inzwischen das übriggebliebene Verbandszeug, und die anderen Utensilien auf die Anmeldetheke gelegt.
House hatte zu der ganzen Situation seine eigenen Vermutungen, beschloss aber, die fürs Erste für sich zu behalten. Schweigend folgte er Wilson zum Ausgang der Notaufnahme. Nicht ohne vorher mehrfach energisch die Notrufklingel zu betätigen. Während die Tür hinter ihnen zufiel, konnten sie noch einige Verwünschungen hören.
House ignorierte Wilsons genervten Blick. Auch wenn Princetons Bevölkerung offenbar beschlossen hatte, dass heute ein schlechter Zeitpunkt war, um sich die Köpfe einzuschlagen, oder besoffen Auto zu... Energisch verdrängte er den Gedanken an mögliche Gründe dafür, warum sehr plötzlich viele Menschen auf einmal in einer Notaufnahme auftauchen konnten. Glücklicherweise waren sie jetzt in der Lobby, so dass es leicht war sich durch Wilson ablenken zu lassen.
"Wo willst du denn noch hin, zum Parkplatz geht's hier lang."
House nickte. „Ich weiß, und wenn ich zum Parkplatz wollen würde, würde ich da auch lang gehen."
Wilson seufzte genervt: „House, was auch immer du jetzt noch vor hast, kann garantiert auch bis morgen warten."
House warf ihm einen übertrieben erstaunten Blick zu. Es lag ihm auf der Zunge zu fragen, warum Wilson so scharf darauf war, wieder in sein leeres Hotelzimmer zurückzukommen, verkniff sich das aber. Stattdessen fragte er: „Was hast du denn noch vor?"
Im Gegensatz zu dir, kann ich morgen nicht ausschlafen, von daher würde ich gern ins Bett gehen. Wenn ich dich also nach Hause bringen soll, kommst du jetzt mit. Ansonsten musst du entweder Taxi fahren, oder hier übernachten." House nickte, während er sich wieder in Bewegung setzte und weiter auf den Fahrstuhl zusteuerte.
House, ich meine es ernst.
"Ich auch."
"Du willst also hier übernachten?"
"Wer sagt denn, dass ich nicht einfach ein Taxi rufe."
"Wie wäre es mit der Tatsache, dass du sogar zu geizig bist, um den eigenes Mittag zu bezahlen? Aber willst du ernsthaft hier übernachten."
House konnte sich Wilsons skeptisches Gesicht gut vorstellen. Auch wenn er es nicht sehen konnte. Er drückte auf den Rufknopf des Fahrstuhls.
"Couch ist Couch. Und in meinem Büro riecht es nicht nach Bauschaum."
Das übliche Ding! Gab die Ankunft des Fahrstuhls bekannt. House trat in die Kabine.
„Bis Morgen! Und träum was schönes!"
Bevor sein Freund die Möglichkeit hatte zu antworten, oder was wahrscheinlicher war, unangenehme Fragen zu stellen, hatte House auf den Knopf gedrückt, der den Fahrstuhl zu seiner Etage schicken würde, und die Tür hatte sich geschlossen.
Der Diagnostiker wusste genau, dass sein Freund ihm die Erklärung mit dem Bauschaumgeruch nicht abnahm, dafür kannten sie sich zu lange. Natürlich hätte er ihm den wahren Grund für sein Hierbleiben nennen können. Aber das hätte zu fruchtlosen Diskussionen geführt, wie House aus Erfahrung wusste. Und dazu hatte er heute Nacht eindeutig keine Kraft mehr. Und um eine gute Ausrede zu erfinden, war sein Gehirn schon zu sehr mit seinem neuen Rätsel beschäftigt.
Denn auch ihm war aufgefallen, dass Cameron sich in letzter Zeit seltsam verhalten hatte, und das hatte nicht erst mit der Trennung von Chase angefangen.
Während er unter einer Wolldecke auf der Couch in seinem Büro lag, versuchte er sich eine Strategie zu überlegen, wie er von Foreman möglichst viel erfahren könnte, während dieser ihn morgen nach Hause brachte. Schließlich sollte sich seine Übernachtung im Krankenhaus wenigstens lohnen.