A/N: Hallo

Danke Euch beiden für die Reviews! Ich freu mich immer sehr darüber!

Excuse me for this

I just want a kiss

I just want to know what it feels like to touch

Something so pure

I'm unworthy

I can see you're above me

But I can be lovely given the chance

I see that you're torn

I've got some scars of my own

(can I have a kiss?/k. clarkson)

Es ist ein Negligé. Dunkelblau fliesst es an ihr herab. Schmale Träger, spitzenbesetzt. Jasper reisst seinen Blick los von diesem Stück weisser Haut zwischen Knie und Saum.

Sie steht immer noch am selben Ort, reglos, nur die Augen flackern nervös.

Langsam, fast umständlich, steht er auf und geht auf sie zu.

Sie hält den Atem an.

Dicht vor ihr bleibt er stehen und schaut sie einen langen Moment nur an. Dann hebt er seine Hand, legt sie langsam an ihre Wange. Alice schliesst die Augen. Sein Daumen streicht über ihren Wangenknochen, immer wieder...

Ihre Gesichtsmuskeln entspannen sich unter seiner Berührung und sie schlägt die Augen auf, irgendetwas schimmert darin, vielleicht Dankbarkeit für das Gefühl von Ruhe, das er ihr schenkt.

„Das Hemd steht dir gut" sagt sie im Plauderton, die Stimme etwas rau, mit ihrer linken Hand glättet sie den Hemdkragen.

„Danke" antwortet er. „Für die Kleider, für alles. Du bist viel zu gut zu mir."

„Sag das nicht" meint Alice leise. Sie greift nach seiner freien Hand und spielt mit seinen Fingern.

„Gut, ich sag's nicht..." Er nimmt ihre Hand, hebt sie an sein Gesicht und küsst die Innenseite ihres Handgelenks. „Aber es stimmt trotzdem."

„Bist du immer so stur?" fragt sie.

Er küsst ihr Handgelenk noch einmal und sie atmet zittrig aus. Sie kann fühlen, wie sich sein Mund an ihrer Haut zu einem Lächeln verzieht.

„Meistens..."

Sie hebt eine feine schwarze Braue. „Was – meistens?"

„Bin ich so stur..." Er lächelt.

„Oh – das... Verzeih, ich bin ein wenig..."

„Abgelenkt. Durcheinander." Seine Stimme ist liebevoll, kein Spott darin.

...

Abgelenkt. Durcheinander. Und wie! Was macht dieser Mann nur mit mir? Alles an ihm bezaubert mich, betört mich, verwirrt mich. Seine Stimme weich und dunkel – ein Gefühl wie Samt auf meiner Haut. Seine Lippen dort, wo früher einmal ein Puls war. Vielleicht. Ich kann mich nicht erinnern.

Sein Blick brennt auf meiner Haut. Er ist da, so nah und es ist fast zu viel, fast nicht zu ertragen. Dabei berührt er mich kaum, nur seine Hand an meiner Wange. Du bist viel zu gut zu mir, hat er gesagt.

Nein, nein. Er ist viel zu gut für mich. Fast zu gut. Und doch will ich nichts anderes.

Nur ihn, hier, bei mir – von jetzt an für immer. Keinen Moment ohne ihn. Und ich will mehr. Ich will alles von ihm. Ich will ihn ganz und gar und nur für mich. Ich will brennen unter seinem Blick, brennen unter seinen Händen, auch wenn es fast zu viel ist, wenn es mich schmelzen lässt, bis ich nicht mehr Alice bin – oder vielleicht eine andere Alice...

Seine Alice.

Mein Kopf ist voll. Voll von ihm und meine Gedanken rasen.

Und gleichzeitig ist da etwas Angst. Wenn das jetzt schon so viel ist, so intensiv, was ist dann, wenn er noch näher kommt, wenn er mir ganz nahe ist? Was passiert dann mit mir?

Ich fühle mich plötzlich schutzlos, nackt...

Wie konnte ich nur so dumm sein und dieses lächerliche Ding anziehen? Was denkt er jetzt von mir? Wenn ich frieren könnte, würde sich jetzt Gänsehaut ausbreiten, langsam, über meine blossen Arme, ich würde frösteln, ich will die Hände schützend vor meiner Brust verschränken, aber er hält sie immer noch fest...

Ich liebe ihn. Ich habe ihn immer geliebt. Seit dem Augenblick als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe – ein Mann, staubbedeckt, eine zerschlissene Uniform, blondes Haar, zerzaust im Sommerwind. Rote Augen, glitzernd, beängstigend – und doch war er das Schönste, was ich je gesehen hatte...

„Alice. Alice." Seine Stimme ganz nah an meinem Ohr, besänftigend, beruhigend...

„Alice, schshhht..." Seine Hände jetzt an meinen Schultern. Der Griff fest und sanft zugleich. Er beugt sich etwas vor, sein Blick hypnotisierend auf meinem Gesicht.

Ruhe erfasst mich, durchströmt mich warm. Alles ist gut...

„All die Gefühle, die in dir toben... Ruhig, Alice, es ist alles in Ordnung..."

„Ent... Entschuldige..." Ohne nachzudenken, schlinge ich meine Arme um ihn.

Mein Gesicht liegt an seiner Brust. Gut so. Das fühlt sich gut an, das fühlt sich richtig an. Meine Gedanken sind jetzt klar und langsam. Ich kann das neue Hemd riechen und darunter noch etwas anderes. Den Geruch seiner Haut, etwas süss, etwas herb... perfekt. Ich atme tief ein.

Seine Hände gleiten meine nackten Arme hinunter, finden meine Taille, verschränken sich darum, ziehen mich näher an ihn, bis nichts mehr zwischen uns passt...

Ich lasse meine Hände über seinen Rücken gleiten, unter dem dünnen Hemdstoff erahnen sie feste Muskeln, die Schulterblätter, meine Hände bleiben dort liegen, sie sind wie gemacht für seinen Rücken...

Er atmet tief ein, seine Hände erforschen meine Taille, der Schwung meiner Hüften, die Seide raschelt unter seinen Fingern. Sein Atem an meinem Haar, dann sein Mund...

„Alice..." Sein Name aus meinem Mund, etwas unsicher diesmal, etwas zögernd...

Habe ich den gleichen Effekt auf ihn wie er auf mich? Kann das wirklich sein?

Neugierig hebe ich mein Gesicht, ich will sein Gesicht sehen, den Ausdruck darauf...

Er sieht bewegt aus, entscheide ich. Etwas unsicher vielleicht. Gleichzeitig sind seine Augen warm.

Sein Atem streift über mein Gesicht, wie früher im Wald, süss...

Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, klammere mich fester an ihn, atme ein, wie eine Süchtige...

Er beugt sich etwas zu mir hinunter, sein Gesicht ganz nahe jetzt...

Irgendeine meiner inneren Stimmen jubiliert...

Und dann, langsam, zögernd, endlich – küsst er mich.