A/N: Danke für die Reviews! Sorry, dass es etwas gedauert hat...
This silence sits easy
So peacefully
Like the skin upon your body
So take me far away now
And hold me close to your heart
And do me just this little favour
For I do
Yes I do love you
(little favour/kt tunstall)
Es ist still im Hotelzimmer. Friedlich still. Nur die Wanduhr drüben über dem Sofa tickt selbstzufrieden vor sich hin, aber es ist ein gutes Geräusch. Regelmässig wie ein leiser, ruhiger Herzschlag.
Es regnet nicht mehr. Sonst würde er es hören, dicke Tropfen, die gegen die Fensterscheiben und auf den Vorplatz klatschen.
Dafür hört Jasper ihren Atem, ruhig jetzt und regelmässig. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er denken, sie schläft. Aber sie kann nicht schlafen.
Wie auch er nicht. Nie.
Während den vielen blutigen Jahren bei Maria hat er es sich oft gewünscht schlafen zu können. Sich einfach hinlegen, die Augen schliessen, vergessen.
Auch später auf der Wanderschaft, erst mit Peter und Charlotte, dann alleine. Der Wunsch wurde fast schmerzhaft. Wenn die Gedanken nicht mehr aufhören wollten auf ihn einzuprasseln. Wenn er noch so schnell rennen konnte, davonlaufen aber nicht ging.
Schlafen. Vergessen.
Um nichts in der Welt würde er jetzt schlafen wollen. Jede Sekunde zu kostbar. Ihr Kopf liegt an seiner Brust, ihre Arme um ihn, seine Arme um sie, selbst die Beine irgendwie verschlungen und verknotet. Wo hört er auf, wo beginnt sie? Er könnte es nicht sagen in diesem Moment.
Wie lange kennt er sie jetzt? Keine vierundzwanzig Stunden. Es kommt ihm vor wie ein halbes Leben. Sein neues Leben. So vertraut irgendwie und doch ist alles neu. Intensiv.
Der Kuss! Es war nicht sein erster gewesen, bei weitem nicht, aber der Beste – obwohl noch zögernd, irgendwie vorsichtig, als würden sich beide noch etwas zurückhalten. Als wäre Leidenschaft noch nicht angebracht oder noch beängstigend.
Sie seufzt und kuschelt sich enger an ihn. Jetzt fühlt sie sich ruhig und geborgen und friedlich. Ihre Gefühle färben auch auf ihn ab. Oder seine auf sie. Als wären sie eine Person und nicht zwei in diesem Moment.
Easton ist eine geschäftige kleine Stadt. Selbst jetzt an einem grauen Mittwochmorgen – perfekt für uns! – summt in den Strassen und Gassen das Leben.
Um den quadratischen Hauptplatz drängen sich die Läden, die Main Road hinauf und hinab gibt es noch ein paar Geschäfte und das war's dann...
Hausfrauen, prall gefüllte Einkaufstaschen, quengelnde Kinder am Rockzipfel.
Ein paar Geschäftsmänner, grau in grau, schwarz in schwarz, gestikulierende Hände, die Zigaretten glühen noch.
Die Gemüsehändlerin in der Plastikschürze, ein roter Schal um den Kopf gewickelt, geschäftstüchtig wuselt sie hinter ihrem Stand hin und her.
Jaspers Arm liegt fest um meine Taille. Geschickt schiebt er mich an zwei älteren Frauen vorbei, die mitten in der Strasse stehen, die Köpfe vertraulich zusammengesteckt, und über Mary hab ich gehört, dass sie...
Eine hebt den Kopf, als wir vorbeigehen, ein neugieriger Blick aus blauen Augen trifft mich, flackert rasch über mich hinweg, weiter zu Jasper, die Pupillen werden etwas grösser, rasch wendet sie den Blick ab. Sie rückt etwas ab, näher zu ihrer Freundin, lässt uns mehr Platz.
Die instinktive Reaktion, wie immer.
Sie registriert die Unterschiede zwischen uns und ihr, die viel zu blasse Haut, die zu perfekten Gesichtszüge, Jaspers ernster Gesichtausdruck, die Augen verborgen hinter der Sonnenbrille, obwohl die Sonne nirgends zu sehen ist...
Faszination, aber ein Hauch von Gefahr, den sie sich nicht erklären kann...
Alles wie immer. Es soll sie von uns schützen, Überlebensinstinkt, natürliches Zurückweichen vor Gefahr.
Wir bummeln durch die Strassen und ich scheuche Jasper in Geschäfte hinein und wieder hinaus. Er nimmt alles gelassen und schenkt mir immer wieder ein Lächeln, das meinen Atem stocken lässt... ein kleiner Überrest Mensch in mir?
Ausserdem trägt er alle Einkaufstaschen. Einfach so, ohne zu fragen, ohne zu murren. Ein perfekter Gentleman. Mein perfekter Gentleman. Das kleine Wörtchen „mein" macht mich lächerlich glücklich. Ich hätte tanzen können oder laut singen vor Glück oder ihn liebsten geküsst, hier mitten auf der Strasse, ihn fest umschlingen und alles vergessen rund um uns herum... Aber eben. Die Tarnung aufrechterhalten.
Plötzlich bleibt Jasper stehen und ich gerate ins Taumeln. Beinahe. Vampire taumeln nicht. Er studiert das Schaufenster, vor dem er stehen geblieben ist. Ein paar Schaufensterpuppen stehen gelangweilt da und starren ins Nichts. Sie tragen... lächerliche Beinahe-Nichts, Satin, Seide, zarte Spitze...
Wenn ich könnte, würde ich rot anlaufen. Meine Wangen würden brennen.
Jasper räuspert sich. „Tragen Frauen heute so was?" fragt er und deutet auf das Schaufenster.
Ich nicke stumm. Er sieht irgendwie fasziniert aus. Dann schaut er mich an und sein Lächeln wärmt meine Haut. „Stimmt... Ich vergass... dieses Negligé von dir..."
Ich schubse ihn. „Erinnere mich nicht daran! Es ist mir immer noch peinlich..."
Plötzlich bin ich in seinen Armen, sein Atem streicht süss über mein Gesicht. Ich atme tief ein, schlinge meine Arme fester um seine schmalen Hüften. „Nein, Alice."
flüstert er an meinem Ohr, tief und verführerisch. „Es darf dir nicht peinlich sein. Schäm dich nie dafür, wie schön du bist."
„Du findest mich schön?" Meine Stimme wankt, zu viele Gefühle auf einmal. Er vergräbt eine Hand in meinem Haar. Sein Mund ist warm, der Kuss Antwort genug.
Bevor es ein wenig zu leidenschaftlich für die Öffentlichkeit wird, lässt er mich los.
„Lass uns reingehen..." Er packt meine Hand und zieht mich auf die Tür zu.
„Was?"
