Draco erwachte aus einer Reihe wirrer Träume. Seine Vater, Voldemort, Alastor Moody, Potter... - Moment, wieso hatte er eigentlich von Potter geträumt? Mit einem leisen, schmerzerfüllten Stöhnen schlug er die Augen auf. Das hier war eindeutig nicht Malfoy Manor, stellte er fest, während er sich vorsichtig aufzurichten versuchte. Der quälende Schmerz in seiner Hüfte ließ ihn dieses Unterfangen jedoch einstellen. Er erinnerte sich noch daran, in den Trümmern seines Hauses gegen Dumbledores Leute gekämpft zu haben. Danach waren jedoch nur noch diffuse, dunkle Erinnerungsflecken übrig. Allem Anschein nach war er hier im Hauptquartier des Ordens, jedenfalls war das das Naheliegenste. Er erinnerte sich an die Stimme von Remus Lupin, der sich mit jemandem unterhalten hatte. Dieser jemand hatte sich dann wohl notdürftig um seine Wunden gekümmert. Draco zog die Decke, die ihn bedeckte ein Stück zur Seite und quietschte entsetzt auf. Er war nackt. Wer auch immer bei ihm gewesen war, hatte ihn komplett ausgezogen.

Draco seufzte leise. Das war ja glänzend gelaufen. Die Gegenseite hatte ihn gefangen genommen – bei Merlin, sein Vater würde ihn umbringen, wenn die es nicht erledigten! - und jeder Zentimeter seines Körpers war mit pochendem Schmerz erfüllt. Dass er keinen Zauberstab mehr besaß, war wohl unnötig zu erwähnen.

Ein Ploppen ertönte und ein Hauself streckte den Kopf zur Zimmertür herein. Das war das mit abstand hässlichste Geschöpf dieser Rasse, das Draco jemals untergekommen war. Es schlurfte herein, vor sich hinmurmelnd und hob schließlich den Blick.

„Nein... Kreacher kann es nicht glauben... ein Malfoy... die ehrwürdigen Blacks wären so stolz gewesen... ein Junge der weiß wo er hin gehört... ein Reinblüter..." Kreacher – wie er anscheinend hieß – murmelte weiter vor sich hin, während er auf den Schreibtisch in einer Ecke des Zimmers zusteuerte. Draco horchte auf. Er war also im Haus der Blacks. Interessant.

Draco wollte dem seltsamen Hauselfen gerade eine Frage stellen, als die Tür aufflog.

„Kreacher! Du bist immer zum falschen Zeitpunkt dort, wo du zum rechten Zeitpunkt nicht warst, du nichtsnutziges Geschöpf. Scher dich in deinen Verschlag zurück!"

Dem blonden Ex-Slytherin stockte der Atem. Sirius Black stand – in seiner herrischsten Pose – vor ihm im Türrahmen und deutete mit ausgestrecktem Arm zur Treppe. Kreacher berührte bei seiner Verbeugung mit der Nasenspitze beinahe den Boden. „Ja, Herr... Freund von Schlammblütern, Blutsverräter, Schande der Familie..." Seine Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden, doch Draco stellte trotz aller Qual fest, dass ihm wenigstens dieser Elf zweifellos sympathisch war.

Dieser Gedanke war jedoch sofort wie weggewischt, als Black sich ihm zuwandte.

„Wie geht's dir, Malfoy?", fragte der Hausherr grimmig.

„Mein Name ist Draco. Draco." Was bei Merlin redete er da?

Black hob eine Augenbraue und schien sich das gleiche zu fragen.

„Ich, äh...", stotterte Draco. „Mir geht's gut." Aber sicher.

Blacks rechte Augenbraue gesellte sich zu seiner linken. „Wunderbar." Er schwenkte seinen Zauberstab und eine Tür erschien in der Wand. „Da ist das Bad, dann kannst du dich ja jetzt waschen gehen."

Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich gegen den Schreibtisch. Abwartend sah Draco ihn an.

„Kann man etwas für dich tun, Malfoy?"

„Würdest du dich umdrehen, Black?"

Draco sah, dass es Black amüsierte, dass er ihn erkannt hatte. Was erwartete er denn bitte? Das Ministerium fahndete schon seit über vier Jahren ergebnislos nach ihm. Außerdem war er ein verurteilter Mörder.

„Nicht so schamhaft. Da ist nichts, was ich nicht ohnehin schon gesehen hätte", meinte Sirius lasziv.

Dracos immer noch kränkliches Gesicht wurde prompt rot.

Sirius' düstere Miene hellte sich für einen Moment auf, als er sich auf Dracos Kosten amüsieren konnte. Dann drehte sich der schwarzhaarige Mann zur Wand. Einige Sekunden war es still, dann hörte man ein unterdrücktes Keuchen und einen schmerzerfüllten Laut.

Draco versuchte sich aus den Lacken zu befreien, aber allein das stellte schon einen Kraftaufwand dar, dem er kaum standhalten konnte. Scheiße, es hatte ihn scheinbar wirklich übel erwischt. Er spürte wie ihm schwindelig wurde, kaum dass er auch nur versucht hatte, seine Beine aus dem Bett zu schwingen.

Ihm trat der Schweiß auf die Stirn und seine Hand umklammerte das Bettgestell, während er Zentimeter für Zentimeter seine Füße dem Boden entgegen schob. Scheiße, warum tat das aber auch so weh?

Bemüht möglichst leise zu sein richtete er sich auf, versuchte aufzustehen – und kippte augenblicklich nach vorn. Keine Sekunde später war Black neben ihm und fasste ihn an seinen, Merlin sei Dank, unverletzten Schultern.

„Fass mich nicht an, Black", fauchte er. Naja, jedenfalls wollte er es fauchen. Es klang eher wie ein müdes Krächzen, dem Black kaum Beachtung schenkte.

„Wir gehen jetzt duschen", erklärte Sirius kategorisch. Draco wurde wieder bewusst, dass er vollkommen nackt war und seine Wangen verfärbten sich schlagartig rot.

Black grinste breit, ging aber nicht darauf ein, stattdessen folgte ein erneuter Zauberstabschwenker und Draco trug wenigstens eine Boxershorts.
„Schluss jetzt mit lustig", kam es dann, schon wieder wesentlich ernster, von Black, der Draco ohne zu zögern hochhob.

Dieser protestierte schwach, aber Black kümmerte sich nicht darum. Es schien ihn total kalt zu lassen, dass er gerade einen – immer noch fast nackten – Draco Malfoy auf den Armen trug.

Dieser hingegen konnte das nicht gerade behaupten. Hätte ihm nicht alles höllisch wehgetan, dann hätte er diese muskulöse Brust noch mehr genießen können... Draco stöhnte lautlos auf. Was, bei Merlin, dachte er denn da? Erst träumte er von Potter und jetzt stellte er fest, dass dessen Pate eine muskulöse Brust hatte? Er musste auch noch einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf bekommen haben. Probeweise ließ Draco den Kopf fester als nötig gegen den Rand der Wanne knallen, in die Black ihn gelegt hatte.

„Was machst du da?", fragte Sirius misstrauisch.

„Nichts", beschwichtigte Draco. „Du kannst jetzt gehen, Black. Ich kann mich selbst waschen..."

Davon schien Black zwar nicht wirklich überzeugt, aber er zuckte mit den Schultern. „Ich bin nebenan. Ruf mich. Aber wenn es nicht unbedingt nötig ist, lass es lieber..."

Ein weiterer Zauberstabschlenker – das Spiel seiner Muskeln dabei... - und die Wanne füllte sich mit warmem Wasser. Draco ließ sich zurücksinken, sobald die Tür sich geschlossen hatte. Okay, Zeit für eine Analyse seiner Lage.

Die Wunden an seinem Oberkörper und in seinem Gesicht würden in einem Tag nicht einmal mehr zu sehen sein. Was auch immer ihn aber für ein Fluch an der Hüfte getroffen hatte, nun, das sah übler aus. Aber in ein paar Tagen würde auch das überstanden sein und er konnte nur hoffen, dass er dabei nicht viel Unterstützung von Black brauchte.

Leider saß er aber in dessen Haus fest und eine Flucht schien momentan utopisch. Vater würde ihn sicher nicht so schnell finden und Voldemort würde es ohnehin nicht interessieren, wo er abgeblieben war. Eigentlich tat ihm nur seine Mutter leid, die vor Sorge wahrscheinlich fast wahnsinnig wurde. Er musste also eine Möglichkeit finden sie zu erreichen.

Ansonsten hatte er ja noch nicht viel gesehen außer seinem Zimmer, Black und diesem verrückten Hauselfen. Wenn hier wirklich die Ordensmitglieder ein und aus gingen, dann wäre es ja erdenklich, dass er sogar an ein paar Informationen gelangen konnte, während er hier war. Er würde es zumindest probieren. Was auch immer sie mit ihm vorhatten... Denn das Black weiterhin so entspannt bleiben würde, bezweifelte er. Der Kerl schien auch irgendein Problem mit der Welt zu haben, jedenfalls sah er nicht gerade glücklich aus. Es musste also einen Grund haben, warum er sich mit ihm befasste.

Draco seufzte. Na gut, er würde es eben abwarten müssen. Etwas anderes blieb ihm ja nicht übrig. Der platinblonde Junge sank tiefer in das warme Badewasser und schloss die Augen. Er würde sich Gedanken darüber machen, wenn es ihm besser ging.