V. DONATELLO
RAPHAEL
Es gibt nur ein Wort für Donatello - „Genie".
MICHELANGELO
Ich würde ja „klug" sagen, aber wenn ich drüber nachdenke würde das denn Rest von uns so dumm aussehen lassen. Wie wär's mit „brilliant"? Ja, das könnte funktionieren...
LEONARDO
Es ist leicht zu sagen, dass er der Kluge ist, denn das ist er schließlich. Aber er ist soviel mehr als das. Er ist wirklich... fürsorglich und sensibel. (lachend) Er wird mich dafür hassen, dass ich das gesagt habe. Er glaubt, so etwas lässt ihn wie ein Weichei dastehen.
RAPHAEL
Gute Geschichte über Donatello. Einmal, vor ein paar Jahren, hatte Splinter eine böse Mutantengrippe. Normalerweise ist das in zwei, drei Tagen vorbei, aber Splinter lag da fast zwei Wochen lang. Als es am schlimmsten war, konnte Splinter nicht einmal die Kraft aufbringen, zu sprechen. Wir haben uns dabei abgewechselt, uns um ihn zu kümmern, aber Donny hat die meiste Zeit bei ihm verbracht. Einfach so. Hat einfach immer kühle Tücher auf seine Stirn und seine Handgelenke gelegt, sichergestellt, dass er etwas Flüssigkeit zu sich nahm. Eines Nachts war Donny stundenlang bei ihm. Leo übernahm dann für ihn, und Don machte sich auf in Richtung Bett. Ich ging an seinem Zimmer vorbei, und Donny saß da auf seinem Bett, die Arme um die Knie geschlungen, Kopf gesenkt. Ich nur: „Hey, bist du okay?" Und er schaut hoch, und ich konnte sehen... na ja, dass er geweint hatte. Ich: „Jesus, Don, was ist denn los?" Und er sagte nur: „Splinter darf nicht sterben. Er darf einfach nicht." (zögernd) Das ist bei mir hängengeblieben. Zum Teil, weil ich nie wirklich darüber nachgedacht hatte, dass Splinter eines Tages sterben und uns zurücklassen würde. Ich meine, ich glaube ich wusste, dass das jedem irgendwann mal passiert, aber so wirklich klargeworden ist mir das bis dahin nie. Aber der eigentliche Grund, warum ich mich daran erinnere – es war eine Seite an Donny, die ich vorher nie richtig bemerkt hatte. Alle von uns... na ja, wir sind ziemlich harte Jungs – ich bin da nur der Schlimmste. Aber Donatello hat auch diese ruhige Seite. Und er hat sich nicht dafür geschämt, dass ich ihn so gesehen habe. Er kümmerte sich nicht darum, dass ich sah, dass er sich sorgte. Und das ist... Ich weiß nicht. Schon irgendwie cool. Ich meine, klar, ich liebe Sensei und meine Brüder und das alles, aber ich will nicht, dass uns irgendwer knuddeln sieht oder sowas. Donatello ist da eher so: „Ich hab dich lieb, und es ist mir egal, wer es weiß".
DONATELLO
(seufzend) Ja, ich bin der kluge Typ der bei traurigen Filmen weint. Können wir weitermachen?
MEISTER SPLINTER
Angesichts unserer Lebensumstände konnten wir selbstverständlich nicht auf die Annehmlichkeiten zurückgreifen, die den meisten Leuten zur Verfügung standen. Donatello konnte viele dieser Hindernisse umgehen und annehmbaren Ersatz schaffen. Bald war es so, als lebten wir, wie es jeder andere auch tat.
LEONARDO
Splinter erwähnte... Annehmlichkeiten, die die Menschen hatten. Und einer von uns sagte dann, na ja, es wäre nett, wenn wir das auch hätten. Und irgendwann zwischen einer Stunde und drei Wochen später hatten wir es dann. Oder etwas Vergleichbares.
DONATELLO
Ich mochte die Herausforderung. Du weißt schon: Kann ich das mit dem, was auf den Müllkippen und in der Kanalisation zur Verfügung steht, eigentlich bauen? (lächelnd) Du wärst überrascht, wie oft die Antwort „Ja" war.
MICHELANGELO
Wir sagten sowas wie: „Wow! Ein Kühlschrank!" Und zwei Tage später dann: „Hey, wie wär's mit einem Eisfach?" Nie zufrieden. (lachend) Wir haben ihn wahrscheinlich in den Wahnsinn getrieben.
DONATELLO
Es war hilfreich, dass ich nicht wusste, wie die „echten" Sachen aussehen. Ich hatte keine Ahnung, wie ein Müllschlucker aussieht. Also hab ich einfach etwas gebaut, dass Lebensmittel zerhackt und hab's unter unserem Spülbecken montiert, mit einem kleinen Schalter daran. Das Ding sieht nicht einmal im Ansatz aus wie das, was du im Baumarkt kriegst. Hätte ich gewusst, dass die so aussehen, hätte ich versucht, etwas zu bauen, das eben so aussieht - und das wahrscheinlich nicht einmal halb so gut funktioniert hätte. Schau dir mal unsere alte Dusche an – die meisten Menschen hätten nicht die geringste Ahnung, was das sein soll. Aber für uns war das halt unsere Dusche, nicht? (lächelnd) Und Splinter hat nie durchscheinen lassen, wie dämlich sie aussah.
RAPHAEL
Gelegentlich rief Donatello uns zusammen um uns zu zeigen, was er gemacht hatte. Es war, als wär jeden Monat Weihnachten. Es sah so aus, als könnte er alles bauen.
DONATELLO
Ich hatte nicht immer Erfolg. Einer meiner größten Fehlschläge waren diese Luftfilter. Ich wollte den Kanalgestank loswerden. Ziemlich witzig, wenn man darüber nachdenkt – wir waren so daran gewöhnt, dass wir es kaum bemerkt haben. Vielleicht glaubten wir, jemanden einladen zu können, wenn wir den Geruch loswürden. Auf jeden Fall hab ich diese kleinen Dinger gebastelt, die dafür sorgen sollten, dass es nicht so übel riecht. Die ersten machten den Geruch nur schlimmer. Die zweiten machten überhaupt nichts. Mein dritter Versuch dämpfte den Geruch ein bisschen, fraß dabei aber soviel Strom, dass es sich nicht lohnte. Also gab ich auf. (zuckt die Schultern) Ich fühl mich irgendwie schlecht dabei, das aufgegeben zu haben. Sharper Image verkauft gerade etwas sehr ähnliches für 150 Dollar pro Stück.
MICHELANGELO
Ich erinnere mich daran, dass ich mir mal Sorgen darüber gemacht habe, dass er seine ganze Zeit mit Basteln verbracht hat. Ich meinte, er solle... sozialer sein. Mehr Zeit mit uns verbringen. Aber es ist ja nicht so, als würde er davor zurückschrecken, mit anderen umzugehen. Er fühlt sich halt nur wohl dabei, allein zu arbeiten. Und über die Resultate lässt sich nicht streiten, oder?
DONATELLO
Ich bin beim Bo hängengeblieben. (schmunzelnd) Weil ich als letzter wählen konnte. Ich erinnere mich daran, dass ich gedacht habe: „Hey, alle anderen haben diese coolen Waffen – zwei davon, um genau zu sein – und ich hab nur diesen blöden Stock." Aber inzwischen hab ich ihn ziemlich lieb gewonnen. Ich bin eigentlich froh daran „hängengeblieben" zu sein. Ich dachte zuerst, ich würde das Ding in ein paar Monaten beherrschen. Schließlich ist es ja nur ein Stock, nicht? Nein. Ich lerne immer noch was Neues dazu.
LEONARDO
Grundsätzlich stellt Donatello die Defensive. Er kann mit dem Bo auch in die Offensive gehen, aber eigentlich ist es eine bessere Defensivwaffe.
RAPHAEL
Don ist kein Weichei oder so. Aber wenn einer von uns sich aussuchen würde, nicht zu kämpfen, wär's vermutlich Don. Er würde wohl lieber ein Buch lesen.
DONATELLO
Splinter hatte eine anständige Menge Bücher, wenn man seinen Flüchtlingsstatus und das alles in Betracht zieht. Aber es dauerte nicht lange, ehe ich sie alle gelesen hatte. Verdammt, es dauerte nicht besonders lange, ehe ich sie auswendig konnte.
MEISTER SPLINTER
April, ich erinnere mich daran, dass du angeboten hattest, Donatello ein Buch aus der Bibliothek mitzubringen. Ich bezweifle nicht, dass du nicht wusstest, worauf du dich damit einlässt.
DONATELLO
Ich war schockiert. Man konnte gehen und sich Bücher holen, einfach so, umsonst! Du hast dann bald wöchentlich Botengänge für mich gemacht. Nach einer Weile wurde mir das dann aber unangenehm. Du solltest nicht für mich die Regale der öffentlichen Bibliothek studieren müssen. Und das war der Moment, in dem ich beschloss, mir meinen eigenen Bibliotheksausweis zu besorgen. (lächelnd) Unser erster Schritt in die richtige Welt.
MEISTER SPLINTER
Ich machte mir große Sorgen, als Donatello bekannt gab, dass er selbst in die Bibliothek gehen wollte. Aber meine Sorge stelle sich als unbegründet heraus.
DONATELLO
Ich hatte solche Angst, als du mich das erste Mal mit in die Bibliothek genommen hast. Splinter hatte mich wieder und wieder üben lassen, wie man höflich ist, und ich glaube, das hat sich bezahlt gemacht, denn alle waren sehr nett zu mir. Nach ein paar Wochen begannen sie, mich dienstags zu erwarten. Sie empfahlen mir einige großartige Bücher, die ich ohne ihre Ratschläge vermutlich nie gelesen hätte.
MICHELANGELO
Als Donny anfing, in die Bibliothek zu gehen, und zurückkam, ohne in Schwierigkeiten geraten zu sein, kam die Idee: „Hey, vielleicht können wir ja auch rausgehen."
MEISTER SPLINTER
In Bezug auf die Isolation von der Außenwelt bin ich vielleicht zu Unrecht lieber auf der sicheren Seite geblieben. Es ermutigt mich sehr zu sehen, wie wenig Probleme bisher mit anderen Leuten aufgetreten sind.
LEONARDO
Nachdem wir uns mit dem Footclan angelegt hatten, machte ich mir Sorgen darüber, ob Donatello sich mit seinen wöchentlichen Ausflügen an die Oberfläche nicht vielleicht selbst in Gefahr brachte. Aber Donatello meinte nur: „Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich in der Bibliothek in Bebop oder Rocksteady renne, oder?" (lachend) Er hatte da nicht ganz Unrecht.
DONATELLO
Ich bin in der Bibliothek inzwischen mit allen per Du. Ich habe schon einmal darüber nachgedacht, dort ein Praktikum zu machen, aber ich bin nicht sicher, ob das weise wäre. (schmunzelnd) Die Kunden würden vermutlich ausflippen.
