X. FREUNDE UND BEKANNTE

MEISTER SPLINTER

Bei näherer Betrachtung wird mir nun bewusst, dass meine Söhne damals, als ich ihnen erlaubte, mir im Kampf gegen die Foot zur Seite zu stehen... erstmals die Welt als Ganzes sahen. (zögernd) Indem ich dies tat, drängte ich sie wohl möglich unbewusst vorwärts. Denn tief in meinem Inneren wusste ich, dass sie sich, hatten sie erst einmal die Außenwelt gesehen, nicht mehr damit zufrieden geben würden, ihr ganzes Leben in der Kanalisation zu verbringen.

DONATELLO

Ich versuchte, mich auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren, aber das war schwer. Ich erinnere mich daran, wie ich auf den Dächern saß und darauf wartete, dass Sensei einen Kampf begann... Ich schaute hinauf zu den Sternen – na ja, was man mitten in New York so an Sternen sehen kann. Ich konnte mich darin verlieren. Auf einmal wurde mir klar, wie... riesig die Welt ist. Es gab soviel zu lernen, verstehst du?

RAPHAEL

Bevor wir raus auf die Straße gingen, versuchte Splinter, uns auf das vorzubereiten, was wir da sehen würden. Aber das war eine Menge Stoff, die er da abzudecken hatte. Ich meine, da gibt's Gangs, Prostituierte, Dealer, Polizei, Obdachlose, Menschen mit verschiedenen Hautfarben, mit verschiedenem Alter und Glauben. Das geht immer weiter und weiter. Er ließ ein paar Sachen aus – nicht mit Absicht, sondern einfach, weil es so viel war. Als wir da raus gingen, war das immer noch ein ziemlicher Schock.

MICHELANGELO

Wir waren darauf konzentriert, Foot in den Hintern zu treten, aber während wir das taten, trafen wir halt auch Leute, die Hilfe brauchten. Manchmal waren die Foot dran Schuld, manchmal nicht.

MEISTER SPLINTER

Meine Söhne begegneten Menschen in Not, was ein Dilemma darstellte. Sollten sie ihre Hilfe anbieten? Dies zu tun liefe entgegen ihrer Ausbildung als Ninja, welche von ihnen verlangte, dass sie stets unsichtbar blieben. Und doch fühlten wir, dass es nicht richtig war, Menschen in Schwierigkeiten allein zu lassen, wenn wir ihnen irgendwie helfen konnten. (Pause) Wir diskutierten diese Angelegenheit recht ausführlich.

DONATELLO

Wir hatten keine echte Lösung für dieses Problem. Jeder von uns sah die Angelegenheit anders: Mikey war dafür, allen zu helfen und Leo wollte eigentlich niemandem helfen. Der Rest von uns fiel irgendwo dazwischen.

LEONARDO

Ich war nicht der Ansicht, dass wir uns darauf einlassen sollten. Das klingt jetzt vielleicht gemein, aber ich dachte einfach, dass wir schon genug Probleme hatten, ohne uns auch noch um die von anderen zu kümmern. Außerdem dachte ich, dass es gefährlich wäre, Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen.

MICHELANGELO

In einer der ersten Nächte in Teams war ich mit Raph unterwegs. Wir erwischten ein paar Foot dabei, wie sie einen Lieferwagen klauen wollten. Nachdem wir sie fertiggemacht hatten... (schmunzelnd) ...fanden wir diese Frau, die bewusstlos vor dem Wagen lag. Das war ich. -Die Autorin Ich beschloss, dass wir dich da nicht einfach so liegen lassen konnten, also überzeugte ich Raph davon, dass wir dich mit ins Versteck nehmen mussten.

RAPHAEL

Ich war voll dagegen. Wir konnten doch nicht einfach Menschen zu uns nach unten mitnehmen. Aber er blieb stur. Ich denke mal, er hatte recht – wir konnten dich nicht einfach so da liegen lassen, ohnmächtig in einer Seitenstraße. Heutzutage würden wir einfach den Notruf wählen, aber das kam uns da gar nicht in den Sinn. Also sah es wirklich so aus, als müssten wir dich mit nachhause nehmen. Wir hoben dich auf und trugen dich runter in die Kanalisation. Und auf dem ganzen Weg zurück ins Versteck war alles, was ich denken konnte: „Das ist irrsinnig. Leo wird platzen."

MEISTER SPLINTER

Ich war sicherlich nicht darauf vorbereitet, dass meine Söhne eine bewusstlose Frau mit nachhause bringen. Jedoch entschied ich, dass die Geschichte hinter dieser Tat, wie auch immer sie lauten mochte, warten konnte. Unsere direkte Sorge hatte dir und deinen Verletzungen zu gelten.

MICHELANGELO

Sensei schickte uns sofort an die Arbeit. Er ließ uns sein Futon in den Hauptraum bringen, Tee kochen, so Zeug halt. Wir waren gerade fertig, als Leo und Don wiederkamen.

LEONARDO

Don und ich kamen zurück ins Versteck, und ich sah das so ziemlich Letzte, das ich erwartet hatte: Senseis Futon im Hauptraum, mit einer Frau darauf. Mein erster Gedanke war, das wir entdeckt worden waren, aber Mikey erzählte mir, dass er sie mitgebracht hatte.

RAPHAEL

(grinsend) Ich hatte recht – Leo ist ausgeflippt. „Ihr habt sie hergebracht? Seid ihr wahnsinnig?"

MICHELANGELO

Ich wusste, dass Leo sich aufregen würde, aber ich hatte nicht gedacht, dass er so abgeht.

RAPHAEL

Splinter unterbrach die Sache allerdings, ehe wirklich was passierte.

DONATELLO

Splinter machte kurzen Prozess. Er sagte: „Wenn einer von euch darüber zu streiten gedenkt, sollte er dies woanders tun. Wir haben eine Verletzte, um die wir uns kümmern müssen."

LEONARDO

Das brachte mich ziemlich schnell zum Schweigen. Wie gewöhnlich hatte er recht: Es war nicht die Zeit zum Streiten.

MEISTER SPLINTER

Deine Verletzungen waren recht geringfügig. Einige Kratzer und vielleicht eine leichte Gehirnerschütterung.

MICHELANGELO

Nachdem Splinter Leo so zusammengefaltet hatte, saß er nur in der Ecke und starrte diese Frau an.

LEONARDO

Ich versuchte, mir über meine Gefühle klar zu werden, so wie Sensei es uns beigebracht hatte. Es gab da einiges, worüber ich mir klar werden musste. Ich fühlte, dass Michelangelo uns in Gefahr gebracht hatte, und ich war aufgebracht darüber, dass ich nicht gefragt worden war. Ich nehme an, das war mein Hochmut, der sich da zeigte. Du weißt schon: „Ich bin der Anführer, du solltest das mit mir absprechen", so was halt. Aber da war noch etwas anderes, und es dauerte eine Weile, bis es mir auffiel. (zögernd) Ich fühlte mich, als wäre unser Zuhause irgendwie... beschmutzt worden. Es war immer ein Ort nur für uns gewesen, und jetzt war da dieser Mensch. (zögernd) Ich fand heraus, dass ich menschenfeindliche Vorurteile aufgebaut hatte. Ich hatte es nicht einmal bemerkt. (zögernd) Es kostete mich einige Mühe, bis ich sie überwunden hatte.

MEISTER SPLINTER

Nach einiger Zeit begannst du, dass Bewusstsein wiederzuerlangen, und ich versuchte, dich auf das vorzubereiten, was du sehen würdest.

MICHELANGELO

Wir scharten uns um dich, aber Splinter winkte uns zurück. Wir mussten uns das von Weitem ansehen.

DONATELLO

Es versuchte, die Szenerie für dich vorzubereiten, und er war großartig dabei. Ich meine, es gab eine Menge, auf das er dich gefasst machen musste, und er fasste es in ein paar Sätzen zusammen. Es war sowas wie: „Versuchen Sie noch nicht, Ihre Augen zu öffnen. Sie haben während eines versuchten Überfalls einen Schlag auf den Kopf bekommen. Wir haben Sie an einen sicheren Ort gebracht, an dem Sie sich erholen können. Meine Söhne und ich leben hier unten, weil wir nicht aussehen wie die meisten Menschen. Sie könnten unsere Gestalt vielleicht als beunruhigend empfinden, aber bitte geraten Sie nicht in Panik. Wir wollen Ihnen keinerlei Schaden zufügen."

MICHELANGELO

Du machst also die Augen auf, du siehst Splinter, und du flippst aus. (schmunzelnd) Später hast du uns erzählt, dass es weniger an seinem Aussehen lag als daran, dass du irgendwie Angst vor Ratten hattest. Das ist die Untertreibung des Jahres. -Die Autorin Und du bist aufgewacht und hast Splinter gesehen. Wie wahrscheinlich ist sowas?

LEONARDO

Wir konnten dich ziemlich schnell beruhigen. (grinsend) Scheint, als würden Schildkröten dich nicht so erschrecken wie Ratten.

RAPHAEL

Mikey war der Einzige, der dich erkannte. Und nicht aus dem Fernsehen, wir hatten damals keinen Fernseher. Er kannte dich von diesen Plakaten, auf denen ein Foto von dir zu sehen war.

MICHELANGELO

Ich sagte plötzlich: „Hey, bist du nicht diese Frau von den Kanal 6 Plakaten?" Ich kannte dein Gesicht, aber ich glaube, ich hatte nie eins der Plakate gelesen, also wusste ich nicht, dass du bei den Nachrichten bist.

DONATELLO

Wir verbrachten den Abend damit, Geschichten auszutauschen. Eigentlich hat es richtig Spaß gemacht, jemand Neues zum Reden zu haben. Wir haben dich vermutlich zu Tode gelangweilt. Als wir endlich ins Bett gekrochen sind, war es schon sehr spät.

LEONARDO

Am Ende des Abends fühlte ich mich nicht länger von dir bedroht. (lächelnd) Du warst nett. Und es machte Spaß, mit dir zusammen zu sein. Und das war... erleuchtend.

MICHELANGELO

Am nächsten Morgen machte ich dir ein kleines Frühstück, und dann brachten wir dich zurück an die Oberfläche. Es machte sogar Spaß. Dir vielleicht nicht so sehr, weil du ja diese Beule am Kopf hattest und eine Riesenratte treffen musstest, aber für uns war's klasse.

MEISTER SPLINTER

Ich nahm an, dass wir Sie nach Ihrer Rückkehr an die Oberfläche nicht wiedersehen würden. Stattdessen wurden Sie zu einer höchst willkommenen Freundin und Verbündeten.

LEONARDO

Als wir dich zur Leiter brachten, die auf die Straße zurückführte, meinte Mikey: „Meld dich mal!" Wir haben alle darüber gelacht. Wir hätten nicht gedacht, dass du es tatsächlich tust. Aber das hast du.

DONATELLO

Als Resultat deines kleinen Besuches gab es zwei große Veränderungen. Erstens ließ mich Leonardo für jeden von uns Funkgeräte bauen, damit wir auf Patrouille in Kontakt bleiben konnten. Und zweitens beschlossen wir, dass wir den Notruf wählen würden, wenn wir noch einmal verletzte Unbeteiligte sähen, und den Sanitätern den Rest überlassen.

MICHELANGELO

(schmunzelnd) Man trifft interessante Leute in den Gassen von New York.

LEONARDO

Wir waren nicht die Einzigen, die sich gegen die Foot zur Wehr setzten, wie sich herausstellte.

CASEY JONES

Mein richtiger Name ist Kevin Collinsworth, aber wenn mich jemand am Telefon so nennt, lege ich auf. Es ist entweder einer vom Inkasso oder meine Ma. Meine Freunde nannten mich in der Schule KC, und das blieb irgendwie hängen, als ich anfing, Baseball zu spielen. Weißt schon, Casey am Abschlag und so. (schmunzelnd) Nur fürs Protokoll, ich hasse diesen Song von den Grateful Dead. Was auch immer – nach der Schule spielte ich ein paar Jahre in der Unterliga, dann ging mein Knie kaputt. Ich hatte keine Ahnung, was ich danach machen sollte. Am Ende hab ich beschlossen, in meiner alten Gegend einen Sportladen aufzumachen. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich damit voll auf die Nase fallen würde, aber letztlich ging's ganz gut. Gut genug um nicht zu verhungern zumindest.

FOOT 4

Der Schutz war vermutlich der Teil in der Organisation des Footclan, der am glattesten lief. Eine Gruppe ging hin und erklärte dem Ladenbesitzer die Sache – so im Sinne von: Bezahl jeden Monat diese und jene Summe, und dein Laden ist sicher. Sie erzählten ihm auch, worauf er im nächsten Monat zu achten hatte. Eine zweite Gruppe – das war die, zu der ich gehörte – ging dann rum, um das Geld einzusammeln. Das war der einfachste Job der Welt. Wir haben nie etwas gesagt, gingen nur mit so einer Art Erkennungszeichen rein. Wir hatten alle Baseballkappen von den Colorado Rockies oder so auf, was dann das Zeichen dafür war, dass wir die waren, denen man das Geld geben musste. Wenn sie's nicht kapiert haben, fragen wir nur: „Hast du was da?" Wenn sie uns dann das Geld nicht gegeben haben, sind wir einfach wieder gegangen. Und dann ist die dritte Gruppe vorbeigekommen – die Muskelmänner.

CASEY

Ich war nicht blöd. Ich wusste, was Schutzerpressung war. Ich erklärte denen, dass ich kaum genug machte, um den Laden offen zu halten, und dass ich nicht vorhatte, ihnen das bisschen auch noch zu abzugeben. Ungefähr 'ne Woche später schickten die Foot mir ein paar Typen vorbei, die versuchten, mich dazu zu zwingen, das Geld rauszurücken, aber das klappte nicht so gut. (grinsend) Sie mussten einen von den Jungs wegtragen.

FOOT 4

Wenn die Muskelmänner den Job aus irgendeinem Grund nicht erledigen konnten, haben die Foot ein paar erfahrene Ninjas rausgeschickt, um die Sache zuende zu bringen.

CASEY

Ich war ziemlich stolz darauf, sie alleine verjagt zu haben, aber vielleicht eine, eineinhalb Wochen später fackelte der Laden ab. Die Foot haben ihn niedergebrannt. Ich wusste das – zur Hölle, alle wussten das. Der Versicherungstyp ging später durch die Asche und sagte: „Haben Sie eine Zahlung vergessen?" Ich sagte: „An wen?" und er sagte: „An den Footclan." Ich meine, die wussten das! Als wäre das irgendwas, das man einfach macht!

FOOT 4

Die verschiedenen Gruppen ließen es glatt laufen. Es sorgte dafür, dass die eine Gruppe nicht mit der anderen in Verbindung gebracht wurde. Es lief so glatt wie alles bei den Foot damals.

CASEY

Die hatten sich mit dem Falschen angelegt. Ich bekomme keine Angst. Ich bekomme meine Rache. Ich fing tagsüber einen Job an – keinen großartigen, aber er hielt mich über Wasser. Ich nahm ein paar Sachen, die ich aus dem Feuer retten konnte: Baseballschläger, Golfschläger, eine Hockeymaske. Nachts konnte ich meistens nicht schlafen. Wenn das passierte, ging ich raus und verdrosch Foot. Die waren nicht schwer zu finden, zumindest da noch nicht. Sobald ich welche sah, schlug ich einfach auf sie ein, bis sie bewusstlos waren. Dann hab ich mir mehr gesucht. Das ging so lange, bis ich mich besser fühlte, dann bin ich nachhause gegangen und hab geschlafen. Manchmal brauchte ich nur einen, um mich zu beruhigen, manchmal ein paar mehr.

DONATELLO

Raph und ich bildeten in dieser Woche ein Team. Wir hatten uns auf die Dächer zurückgezogen, um uns eine Gasse auszusuchen, in der wir zuschlagen konnten. Ich glaube, bei ein paar haben wir einfach gepasst, aber in die nächste liefen gerade drei Foot-Typen rein.

RAPHAEL

Wir hatten kein Problem damit, zu beobachten oder zu warten, aber als wir die Foot rennen sahen – wir wären Idioten gewesen, hätten wir die Gelegenheit nicht genutzt. Wir dachten nur, hey, Jackpot! Wir sprangen hinunter in die Gasse und machten sie in nicht mal zehn Sekunden fertig. Gerade als wir den letzten Typen fertig gemacht haben, kommt dieser andere Kerl um die Ecke.

CASEY

In der Nacht hatte ich schon zwei fertiggemacht und ich suchte noch mehr. An der Straßenecke sah ich drei von denen, wie sie dabei waren, einen Wagen aufzubrechen. Ich hab sie angebrüllt, was ziemlich dämlich war – sie sind natürlich weggerannt. Ja, schon klar, echte Kämpfer. Ich sah, wie sich sich in diese Gasse verkrochen und bin hinterher. Als ich ankam, lagen schon alle auf dem Boden und stöhnten, und diese beiden... Dinger standen daneben.

DONATELLO

Da kam also dieser Typ mit der Hockeymaske um die Ecke. Er glotzte uns an und sagte: „Was zur Hölle?" Raph stand einfach nur da und drehte grinsend seine Sai in den Händen. Wir nahmen an, dass er zu den Foot gehört, weißt du – vielleicht einer von ihren Anführern. Schließlich sagte ich: „Wir nehmen die Foot auseinander und es sieht aus, als wärst du der Nächste." Bevor ich überhaupt meinen Bo wieder in Position bringen konnte, sagte er: „Hör mal zu, Freak, ich bin kein Foot. Ich hab die Typen da gejagt."

CASEY

Er starrte mich einen Moment an und sagte dann: „Dann sieht es wohl aus, als wären wir Verbündete." Dann packte er seinen Stock auf seinen Rücken und stellte sich vor. Ich hab irgendwie Panik gekriegt – ich dachte, der wollte Hände schütteln und ich hatte ganz sicher nicht vor, ihn anzufassen. Aber er hat die Hand nicht ausgestreckt, also ging das in Ordnung.

DONATELLO

Ich wusste nicht genau, worum es ihm bei der Sache ging, aber ich beschloss, dass es keine Rolle spielt – schließlich wussten wir ja auch nicht genau, was wir taten. Bis dahin hatten wir einfach nur Foot zusammengeschlagen, wenn wir sie sahen - was genau das war, was er auch tat. Ich nahm einfach an, dass es nicht schaden konnte, wenn noch jemand Foot aus dem Weg räumt. Also riet ich ihm, weiterzumachen, dabei aber vorsichtig zu sein.

RAPHAEL

Wir warnten ihn, dass es vier von unserer Sorte gab. Dass wir keinem bestimmten Muster folgten, dass er aber dann und wann in einen von uns reinrennen würde.

CASEY

Nach dem Abend hab ich sie ziemlich oft gesehen. Meistens hab ich nur zu Gesicht bekommen, was sie liegen lassen haben, ein paar Typen vom Footclan, zusammengekrümmt auf dem Boden liegend oder einfach nur stöhnend. Nicht mal wert, sie zu schlagen. Manchmal waren es auch Foot, die um ihr Leben rannten. Hatte nicht einmal die Zeit, die zu klatschen. Ich sah nur, wie sie vorbeirannten, und hinter ihnen waren die Turtles. Sie riefen „Hi, Casey" und wusch – weg waren sie.

LEONARDO

Wir haben uns damals noch nicht zu einem Team zusammengeschlossen. Wir haben unser Ding durchgezogen, er seins. Und dabei haben sich unsere Wege hin und wieder gekreuzt.

CASEY

Ich hab ewig gebraucht, um die Vier auseinanderhalten zu können. Die sahen für mich alle gleich aus, und außerdem hab ich sie nur im Dunkeln gesehen. Nach einer Weile haben sie sich bei Begegnungen gesagt, welcher von ihnen sie sind. „Hi Casey, ich bin Raphael." (Pause.) Ich kannte ihre Geschichte damals nicht und sie interessierte mich auch nicht. Sie haben Foot plattgemacht, mehr war nicht wichtig.

DONATELLO

Wir begegneten einigen anderen Leuten, die mit dem Footclan nichts zu tun hatten. Eine Menge Obdachlose, die Geld oder was zu trinken wollten. Da konnten wir leider nicht helfen.

MICHELANGELO

Manchmal, wenn vom Abendessen was übrig war, habe ich etwas davon mitgenommen oder ein Sandwich gemacht, ums jemandem zu geben, der's braucht. Manchmal waren sie echt dankbar, manchmal haben sie nur gemeint: „Haste kein Geld?" (die Schultern zuckend) Wenn sie das gesagt haben, hab ich einfach das Sandwich wieder weggepackt und bin weiter.

RAPHAEL

Donny ist eines nachts einer Prostituierten begegnet, die ziemlich übel zusammengeschlagen wurde. Donny verjagte den Typen und musste ihr zurück zu ihrer Wohnung helfen. Als wir das rausgefunden haben, haben wir ihm die Hölle heiß gemacht. „Na, hast du eine Belohnung gekriegt?" (schmunzelnd) Tatsächlich haben wir alle eine Belohnung gekriegt.

DONATELLO

Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass sie eine Prostituierte ist. Ich sah nur, wie sie verprügelt wurde, und kam ihr zu Hilfe.

SARAH

Ich geh schon seit ein paar Jahren anschaffen. Als Erstes lernst du hier, dass du allein bist. Keiner hilft dir raus, wenn du Ärger hast. In der Nacht hat so'n Typ in 'ner Gasse auf mich eingedroschen. Ich hab versucht zu schreien und wegzurennen, aber ich bin nicht von der Stelle gekommen. Hab mir irgendwie den Knöchel verdreht. Alles, was man machen kann, wenn sowas passiert, ist zu hoffen, dass man nicht umgebracht wird. Aber dann ist dieser Freak um die Ecke gekommen und hat meinen Hintern gerettet. (lächelnd) Der war echt nett – hässlich, aber nett. Weil ich nicht so gut laufen konnte, hat er mir angeboten, mir nachhause zu helfen.

DONATELLO

Sie musste sich beim Gehen etwas auf mich stützen, aber das war schon in Ordnung. Es war schon sehr spät, die Straßen waren leer, und sie wohnte in der Nähe. Auf dem Weg erzählte ich ihr, dass wir versuchten, die Foot zu unterwandern, was sie ebenfalls guthieß.

SARAH

Diese Foot-Typen? Die kann so überhaupt gar keiner leiden. Die sind zwar nicht so richtig in unser Gebiet eingedrungen, aber, na ja, die waren halt schlecht fürs Geschäft, weißt du? (lachend) Ich hab ihm dann halt gesagt, wenn ich dir helfen kann, lass es mich wissen. Wir kamen dann bei mir an, und ich wusste schon, worauf das rausläuft. Er würde reinkommen wollen. (den Kopf schüttelnd) Wollte er aber nicht. Er sagte: „Nun, pass auf dich auf, Sarah." Dann kletterte er seitlich an der Wand rauf und war weg. (lächelnd) Genau wie in den Comics. Man kommt nicht mal dazu, sich zu bedanken.

DONATELLO

Raph hat Sarah später auch einmal geholfen. Und es gab andere, die in Schwierigkeiten geraten waren, für die wir Angreifer in die Flucht schlagen mussten.

MICHELANGELO

Ich lief diesen beiden Typen über den Weg, die sich in einer Gasse schlugen. Normalerweise kümmere ich mich nicht um sowas und lasse sie das unter sich ausmachen. Aber der eine hat den anderen einfach nur vermöbelt. Also zog ich dem Stärkeren einmal meine 'Chucks über den Kopf und schubste ihn ein bisschen herum, bis er sich verzog. Der andere Typ, auf dem Boden, sah ziemlich übel aus, also blieb ich bei ihm, bis ich wusste, dass er okay ist. Ich hab das immer gemacht – mit den Leuten reden. Hat Leo verrückt gemacht. Jedenfalls fragte ich ihn, warum sie sich geprügelt hatten, und er erzählte mir dass er als Begleiter arbeitete und der Kerl nicht hatte bezahlen wollen. Ich musste ihn fragen, was ein Begleiter ist. (grinsend) Ich hab versucht, nicht zu starren, aber weißt du, wir waren noch grün, auf mehr als eine Art. Ich kam nachhause und meinte nur: „Jungs, ratet mal, was ich heute rausgefunden hab?!"

DONATELLO

Wir haben nicht großartig darüber nachgedacht. Klar, wir hatten diese Frau auf unserer Seite, aber wir dachten nicht, dass das eine so große Sache wäre. Aber offensichtlich kennen einige von ihnen andere, die wieder andere kennen, und so weiter.

RAPHAEL

Ist ja nicht so, als gäb's eine Prostituiertengewerkschaft oder sowas, aber sie begegnen sich, und sie reden.

SARAH

Don hatte mir erzählt, das er und die anderen die Foot fertig machen wollten. Also erzählte ich das anderen die ich kannte, ich erzählte ihnen: „Hört mal, da sind diese echt schräg aussehenden Schildkrötentypen. Die sehen komisch aus, aber die haben mir geholfen. Die wollen die Foot fertig machen, wenn ihr also Dreck über die Foot ausgrabt – überhaupt irgend 'ne Info – lasst's mich wissen." Ein paar andere Mädels sagten, dass die Turtles ihnen auch geholfen hatten, also sprach sich die Sache rum.

LEONARDO

Ohne ihre Hilfe hätten wir wahrscheinlich die "Angriff und Flucht"-Phase nie hinter uns gelassen. Letztendlich waren diese Frauen – na ja, Frauen und ein paar Typen – unerlässlich beim Ausschalten der Foot instrumental in taking out the Foot.

MASTER SPLINTER

Ihre Hilfe zeigte uns, dass gute Taten tatsächlich auf einen zurückfallen.

RAPHAEL

Es gab da alle möglichen Verbrechen. Fürs Geld spielten die Foot im Grunde dieses Schutzspiel. Aber wenn das Geld knapp wurden, ließen sie auch mal ein paar unerfahrenere Soldaten einen Laden überfallen. Manche taten das offensichtlich auch ohne Anweisung – einfach für mehr Geld.

MARCUS

Als ich beim Big T Markt anfing, war das Erste, das sie mir beibrachten, was ich tun muss, wenn wir ausgeraubt werden. Nicht falls wird ausgeraubt werden – wenn. Ein paar Monate später passierte es dann. Ein Kerl mit einen Pistole und einer Maske, genau wie im Fernsehen. Ich war ziemlich nervös, sagte, dass ich den Safe nicht öffnen kann, und der Typ meinte nur: „Ja, ja, das weiß ich." Offensichtlich hatten sie das zur Wissenschaft gemacht. Ich ging herum, um an die anderen Kasse heranzukommen und sie zu leeren, als ich dieses... na ja, es war ein leises Geräusch. Wie „uff". Und dann fiel etwas. Ich drehe mich also um – langsam, weil ich keine Lust habe, erschossen zu werden – und der Typ ist weg. Na ja, nicht weg, aber auf dem Boden – ich konnte ihn von da wo ich stand nicht sehen. Und da steht dieser Schildkrötentyp und schwingt seine Nunchakus herum. (schmunzelnd, den Kopf schüttelnd) Ich hatte meinen Freunden immer erzählt: „Ich bin in New York. Ich habe alles gesehen. Ihr könnt mich nicht mehr überraschen." Okay, eine einsfünfzig große Schildkröte mit Nunchakus die einen Raubüberfall verhindert – doch, das hat mich überrascht.

MICHELANGELO

Dass ich Marcus geholfen habe war der pure Zufall. Wir hatten uns einen Moment getrennt, um ein paar Foot hinterher zu jagen. Ich sah den Kerl, der den Laden überfiel, aus dem Augenwinkel, also bin ich reingegangen und hab die Sache beendet. Stellte sich zwar raus, dass das nicht der Typ war, dem ich hinterhergelaufen bin, aber was soll's?

MARCUS

Der Schildkrötentyp sagte mir, dass ich die Polizei rufen soll, also habe ich das gemacht. Es hat ewig gedauert, bis die auftauchten. Michelangelo sagte: „Ich lasse dich mit dem Typen nicht allein bis die Polizei hier ist." Also kamen wir ins Gespräch.

MICHELANGELO

Marcus war cool. Er sagte mir, ich könne mir was zu trinken nehmen, wenn will, aber ich hab's gelassen. Wir haben uns über die Foot unterhalten, und darüber, was wir vorhatten. Er war interessiert, und mir macht es immer Spaß mich mal mit jemand Neuem zu unterhalten.

LEONARDO

Ich suchte überall nach Michelangelo und fand ihn letztlich im Big T Markt. Bei einem Gespräch mit dem Kassierer! Ich rannte hinein und fragte ihn, was er da tut. Er erklärte die Situation – es ergab Sinn, aber ich fühlte mich nicht wohl dabei, dass er das tat.

MICHELANGELO

Ich kann nichts dafür – ich rede gerne mit Leuten.

MARCUS

Leonardo war viel stiller – er sah echt nervös aus. Aber Michelangelo und ich redeten weiter. Als ich die Polizei um die Ecke kommen sah, meinte er nur: „Gut, man sieht sich!", und beide verschwanden durch den Hinterausgang. Ich musste denen erzählen, dass dieser Kerl hereingekommen war, der den Überfall verhindert hat. Sie baten mich um eine Beschreibung, und ich sagte: „Na ja... er war irgendwie... grün." (schmunzelnd) Ich dachte, sie würden mich für verrückt halten. Aber einer von ihnen sagte: „Ungefähr ein Meter fünfzig, Schildkröte, mit einem japanischen Schwert?" Und ich sagte: „Äh. Nein. Nunchakus." Er nickte nur. „Das haben wir in letzter Zeit öfter."

LEONARDO

Marcus wurde ein guter Freund, und Big T wurde ein weiterer Supermarkt, in dem wir willkommen waren.

MARCUS

Michelangelo und die anderen… Sie sind die höflichsten Typen, die ich je in meinem Leben getroffen habe. Als ich Mr. Kyu – ihm gehört der Laden – als ich ihm von diesem Überfall erzählte, sagte er mir: Wenn Michelangelo oder einen von den anderen etwas aus dem Laden wollen, gehört es ihnen. Auch wenn es Lebensmittel für hundert Dollar sind - spielt keine Rolle, das geht so in Ordnung. Aber wenn sie kommen, nehmen sie so gut wie nie etwas, und wenn sie etwas nehmen, bestehen sie darauf, dafür auch zu bezahlen.

DONATELLO

Es gibt eine Menge Versuchungen in den Straßen von New York. Na ja, die gibt es in jeder Stadt, glaube ich. Wir hätten Splinter jederzeit verlassen können. Weglaufen und uns den Foot anschließen. Anfangen, selbst Läden auszurauben. Drogen handeln. Aber ich glaube, Splinter hat uns trainiert... (hält inne) Nein, ich glaube, das war nicht das Training. Er hat uns einfach nur gesagt, woran er glaubt, uns geliebt, und vertraute genug darauf, dass wir nichts anstellen. Und das haben wir nicht.

MICHELANGELO

Wir haben mal eine Drogendeal auseinandergenommen, und als die Typen wegrannten, blieb eine Menge Crack liegen. (Nach langem Zögern) Ich war neugierig. Ich nahm ein bisschen davon mit. Ich wollte es ausprobieren, wenn keiner da ist. Aber dann erinnerte ich mich daran, dass Sensei gesagt hatte, dass er sich nicht sicher sei, wie unser Körper auf bestimmtes Essen reagiert, und wir deshalb sehr vorsichtig sein müssten. Ich dachte, Mann, keine Chance zu wissen, wie ich auf dieses Zeug reagieren werde. Außerdem hatte ich gesehen, wie fertig das andere gemacht hat. Ich meine, nicht jeder der das Zeug mal probiert endet zwangsläufig so, aber wenn sie's tun, ist das echt gruselig. Ich wollte so nicht enden. Also habe ich es nicht getan. Ich hab's ins Abwasser geschmissen. (lächelnd) Vermutlich die richtige Entscheidung.

We broke up a drug deal once, and when the guys ran off, they left a bunch of crack. (long pause) I was curious. I took some with me. I was gonna try it when no one was around. But then I remembered Sensei saying how we weren't sure how food would react with our chemistry, so we had to be extra-careful. I thought, geez, no telling how this stuff's gonna react. Plus, I'd seen too many people strung out on the stuff. Not that everyone who tries it ends up like that or nothing, but when they do get like that, it's real scary. I didn't want to end up like that. So I didn't do it. Tossed it in the sluice. (smiling) Probably the right decision.

MASTER SPLINTER

Meine Söhne sie selbst sein zu lassen erwies sich als das Schwierigste für mich. Ich musste... darauf vertrauen, dass sie einen Situation sehen, die Möglichkeiten in Betracht ziehen und dann die richtige Entscheidung treffen konnten. Ihre Entscheidungen waren nicht immer die, die auch meine gewesen wären, aber ich hatte nie Grund, an ihnen zu zweifeln. Darauf bin ich außerordentlich stolz.