XI. DER FOOTCLAN (Teil 2)

LEONARDO

Es dauerte einige Monate, aber es schien endlich, als hätten die Foot so langsam herausgefunden, wie wir vorgehen. Sie hörten auf, sich in Gruppen mit weniger als vier Leuten zu zeigen, sie tendierten dazu, sich nicht mehr in Gassen aufzuhalten, selbst, wenn sie sich dadurch offen zeigten.

DONATELLO

Wir beschlossen, dass wir etwas tun mussten, um diesen Krieg auf die nächste Ebene zu bringen. Wir führten einige Diskussionen darüber, und Splinter brachte die Idee ein, sie genau wissen zu lassen, mit wem sie es zu tun hatten.

MEISTER SPLINTER

Ich war mir recht sicher das dieser Shredder in Wirklichkeit Oruku Saki war. Ich kam zu dem Schluss, dass es ihn eventuell nervös machen würde, wenn ich ihn wissen ließe, dass ich hinter den Attacken auf seinen Clan stand.

RAPHAEL

Ich hatte eine Detektivgeschichte aus der Bücherei gelesen. Der Böse hinterließ Visitenkarten bei jedem seiner Opfer. Ich dachte, hey, wenn der Böse das machen kann, können wir Guten das auch.

MEISTER SPLINTER

Auf ihren Vorschlag hin malte ich das Kanjizeichen für "Karma" auf einige kleine Stücke Pappe, zusammen mit dem Bild einer dreiblättrigen Blüte - mein Siegel. Ich gab jedem meiner Söhne ein paar davon, um sie an die Foot weiterzugeben.

MICHELANGELO

Das hatte irgendwie was – schlag die bösen Jungs nieder, hinterlass deine Visitenkarte und verzieh dich. Ich dachte, wir würden das ein paar Monate länger machen, bevor sie's kapieren. Ich meine, sie haben lang genug gebraucht, um die Gassen zu meiden.

RAPHAEL

Ich dachte, wir wären subtil, aber der Shredder hat offensichtlich gleich verstanden. Innerhalb von, sagen wir, fünf Tagen, hatten die Foot vollständig ihre Taktik geändert.

FOOT 2

Wir wurden eines Nachts von diesen Turtles überfallen – ich hab sie nicht mal kommen sehen, hatte nicht die Zeit, mich zu wehren. Als ich wieder zu mir kam, hatten sie mir ein Stück Papier in die Hand gedrückt. (schulterzuckend) Ein Bild von einer Blume und irgendwas auf Japanisch oder so. Ich brachte es dem Boss und der brachte es dem Shredder. Shredder nahm es, schaute es sich an, und wurde stocksteif. Er bewegte sich nicht, fast eine Minute. Ich dachte mir, was denn? Es ist doch nur ein Stück Papier. Aber dann zerknüllte er es langsam und ich sehe den Ausdruck in seinen Augen. (schaudernd) Ich dachte, ich hätte ihn schon wütend gesehen. Offensichtlich war das nur eine Aufwärmübung.

FOOT 4

In dem Moment an hatte sich irgendwas in seinem Hirn gelöst. Wenn ich im Rückblick einen Moment wählen müssten, an dem die Foot angefangen haben, auseinander zu fallen, wäre es dieser. Er verlor jegliches Interesse an der täglichen Routine der Foot und wurde völlig besessen davon, die Turtles zu erwischen.

FOOT 1

Plötzlich wurden viele von uns von ihren täglichen Pflichten abgezogen. Uns wurden gesagt, dass wir helfen sollten, einen Plan zu machen, mit dem wir diese Freaks vernichten konnten. Und der Shredder wollte sie nicht einfach nur zusammenschlagen. Eigentlich wollte er sie nicht einmal einfach nur tot. Er wollte, dass wir sie zusammenschlagen und sie dann zu ihm bringen. Danach wollte er sie demütigen, foltern, alles – und sie dann töten. (zögernd) Ich fand's erschreckend. Obwohl ein paar von uns gegen diese Freaks gekämpft hatte, und wir uns alle mit ihnen anlegen wollten, taten sie mir irgendwie leid. Es war schon schlimm gewesen, dem Shredder ab und zu auf die Nerven zu gehen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es sein musste, direkt in seiner Schusslinie zu stehen.

LEONARDO

Die Foot hatten die richtige Idee, aber die Ausführung war die falsche. Selbst nach all unseren Kämpfen unterschätzten sie unsere Kraft.

ROCKY

Ich will nicht mit meinem richtigen Namen rausrücken – ich hab meiner Mama so schon genug Schande gemacht... Ich hab die Turtles zuerst getroffen, als ich zu den Muskelmännern gehört hab. So haben die uns genannt – wir sind rumgegangen und haben auf Ziele geprügelt, die der Shredder uns gesagt hat. Leute die nicht bezahlt haben, Leute, die im Weg rumstanden, so was alles. Ich musste das eigentlich nicht viel machen, vielleicht einmal die Woche. Aber an einem Tag sagten die uns, das wir eine neue Aufgabe haben. Wir sollten in ein Lagerhaus gehen, im Dunkeln rumsitzen, auf ein paar Typen einschlagen, wenn sie reinkommen und sie zum Shredder zurückbringen. Juntaro – das war der Typ, der uns unsere Aufgaben gegeben hat – er sagte, wir wüssten schon wer, wenn wir die sehen.

FOOT 3

Ich fragte Juntaro, wer das Ziel sei, aber er sagte es nicht. Er wurde ganz wortkarg und sagte: „Ihr werdet es wissen." Und ja, wir wussten es.

MICHELANGELO

Wir teilten uns in zwei Teams auf, wie wir es damals immer gemacht hatte. Ich und Leo, Donny und Raph. Wir waren nicht weit voneinander weg – vielleicht drei Blocks. Das hat uns vielleicht den Hintern gerettet.

DONATELLO

Wir liefen in eine große Gruppe Foot, und zwei von ihnen hatten eine Kiste. Bevor wir irgendetwas tun konnten, rief einer von ihnen: „Lauft! Wir decken euch!" Zwei von ihnen rannten mit der Kiste weg, der Rest machte sich kampfbereit.

RAPHAEL

Der älteste Trick, den's gibt, und wir sind drauf reingefallen wie die Deppen, die wir sind. Wir glaubten, da ist etwas Wichtiges in der Kiste, und wir müssen es zurückbekommen. Also kümmerten wir uns um die Kerle in der Gasse und liefen den anderen nach. Es stellte sich raus, das Leo und Mikey ein paar Blocks weiter genau dasselbe passierte.

LEONARDO

Ich habe versagt. Darauf läuft es hinaus. Sie hatten uns eine Falle gestellt und ich bin genau hineingelaufen. (Pause) Toller Anführer bin ich. (Pause) Mein einziger Trost ist, dass Raphael und Donatello dasselbe getan haben. Wäre ich nicht in die Falle gegangen, Don und Raph aber schon, wären sie allein in diesem Gebäude gewesen.

RAPHAEL

Wir jagten sie die Straße hinunter in ein leeres Gebäude und trafen dort Leo und Mikey, die aus der anderen Richtung kamen. Wir hatten keine Zeit für Erklärungen, also liefen wir einfach zusammen hinein und den Gang hinunter in einen Teil, der wie eine Lagerhalle aussah.

LEONARDO

Wir hielten an, um etwas Überblick zu gewinnen, und plötzlich merken wir, dass alles dunkel und still ist. Michelangelo sagte: „Jungs, ich glaube, die haben uns reingelegt." (Pause) Er hatte es vor mir bemerkt.

DONATELLO

Das Licht ging an und mit einem Mal sahen wir, dass wir eingekreist sind. Etwa fünfzig Typen mit Ketten, Baseballschlägern und so weiter.

RAPHAEL

Es gab ein, zwei Sekunden, in denen wir das alles erst einmal sacken ließen. Dann fingen die Foot an zu lachen. (schmunzelnd) Fehler. Das hat mich wütend gemacht.

FOOT 3

Rein kam sie, das Licht ging an, und wir fingen an zu lachen. Wir hatten Gerüchte gehört über diese Typen in Schildkrötenkostümen, die versuchen, uns hochgehen zu lassen, aber die sahen wirklich armselig aus.

ROCKY

Die sahen doof aus. Wie vier Kinder an Halloween oder so was. Ich dachte, au Mann, warum haben die so viele von uns hierher geschickt? Ein paar von uns reichen doch, um die fertig zu machen. Ich stellte mich hin und zeigte auf sie. „Betet schon mal, Freaks!" Dann hab ich meinen Schläger genommen und ihn nach ihnen geschwungen.

LEONARDO

Wir hatten kaum Zeit, uns eine Strategie einfallen zu lassen. Wir standen einfach Rücken an Rücken, ohne viel Raum zwischen uns, und fingen an, sie einen nach dem anderen auszuschalten. Ich versuchte, die gesamte Situation im Auge zu behalten, eine Hilfe zu sein, uns als Einheit zusammenzuhalten. Aber dafür gab es auch nicht viel Zeit. Wir hatten alle Hände voll zu tun.

RAPHAEL

Wenn man sich Kung-Fu Filme ansieht, sieht man immer, wie die bösen Jungs den Guten einer nach dem anderen angreifen. Im richtigen Leben ist das nicht so. Die rotten sich alle um dich herum zusammen, Waffen schwingend. Und eigentlich hat das auch seine Vorteile. Wenn sie nicht richtig gut sind, und das sind sie selten, dann schlagen sie sich ziemlich oft versehentlich aufeinander ein. Und wenn du welche K.o. schlägst, bilden die so eine Art menschlichen Schild zwischen dir und den anderen. Auf der anderen Seite heißt das natürlich auch, dass du gegen mehrere Leute auf einmal kämpfen musst, und das ist nicht leicht.

MICHELANGELO

Sensei und Leo hatten über diesen „selbstlosen Zustand" geredet, wo du so intensiv kämpfst, dass du dich irgendwie darin verlierst. Leo sagte, dass er ihn ein paar Mal erreicht hat, aber der Rest von uns hatte das nie. Wir dachten, es ginge einfach nur darum, dass alles ganz glatt läuft oder so. (den Kopf schüttelnd) Ist es aber nicht. Ist eine ganz andere Sache. In dieser Nacht, als wir in dieser Falle saßen, das war die erste Nacht, in der ich dort war. Wie es aussieht, waren wir das alle. Und im Nachhinein war's ziemlich gruselig. Ich meine, da kommen dreizehn Typen auf mich zu. Man könnte meinen, mein Hirn müsste total überlaufen oder so. Aber nein, in Wirklichkeit fühlte es sich an, als wäre alles viel langsamer geworden. Ich konnte die Situation überblicken, mir mein nächstes Ziel aussuchen, mich für das nächste Maneuver entscheiden und es anwenden – alles im Bruchteil einer Sekunde. Und während ich einen Zug machte, konnte ich über den nächsten planen.

DONATELLO

Ich hatte meinen Brüdern gegenüber einen Vorteil – meine Waffe hatte die größte Reichweite. Ich schwang sie viel herum, was uns ein wenig Luft verschaffte. (schmunzelnd) Außerdem hätte ich fast Michelangelo bewusstlos geschlagen, wenn ich mich richtig erinnere.

MICHELANGELO

An einem Punkt wusste ich, dass ich mich ducken musste. Ich wusste ehrlich nicht wieso – ich habe nichts gesehen oder gehört, dass es wie eine gute Idee erscheinen ließ. Glücklicherweise habe ich es nicht in Frage gestellt. Ich ging in die Hocke, gerade als Donnys Bo über meinen Kopf sauste. Dann war ich wieder oben und habe weitergekämpft. Ich hab daran nicht einmal einen weiteren Gedanken verschwendet, bis es vorbei war.

DONATELLO

Wir alle. Wir alle hatten diesen „selbstlosen Zustand" erreicht, den Sensei beschrieben hatte, in dem du auf der Stelle siehst, was du tun musst, auch wenn du es noch nie zuvor getan hast. Ich wünschte, wir hätten diesen Kampf auf Video. Und das nicht nur, weil es lustig wäre, sich das anzusehen. (lachend) Aber ich würde gerne mal sehen, was wir eigentlich gemacht haben. Ich habe ein paar Techniken angewendet, die ich weder vorher angewendet hatte noch danach. Das hat jeder von uns. Es wäre echt großartig, sie analysieren und unserem Training hinzufügen zu können.

LEONARDO

Die wenigen Male, die ich im selbstlosen Zustand war, war ich darüber erstaunt, wie viel besser ich kämpfte. Aber als wir alle vier ihn erreichten... (kopfschüttelnd) Hätten wir ihn nicht erreicht, hätten sie uns vermutlich erledigt. Doch so, wie es war, fühlten wir uns, als hätten wir den ganzen Footclan erledigen können, nicht nur die fünfzig, die wir geschafft haben.

RAPHAEL

Auf einmal drehten sich alle Foot, die wir nicht zu Boden geschlagen hatten, um und rannten weg. Ich wollte ihnen hinterher, aber Leo rief, ich solle anhalten. Ich drehte mich um, um ihn anzusehen, und zum ersten Mal merkte ich, was passiert war. Da stehen meine drei Brüder, die Waffen im Anschlag, keuchend, vorbereitet auf mehr... und etwa vierzig Typen liegen entweder bewusstlos oder fast bewegungsunfähig auf dem Boden. (zögernd) Es war das erste Mal, das mir klar wurde... wie mächtig wir vier eigentlich waren. Ich meine, vorher hatten wir ein paar Typen überfallen und niedergeschlagen. Große Sache. Dieses Mal hatten sie uns überfallen, fünfzig gegen vier. Und wir haben ihnen immer noch die Hintern versohlt.

DONATELLO

Mikey hielt seine Nunchucks hoch und gab diesen irrsinnigen Schrei von sich. So eine Art urgewaltigen Siegesschrei.

MICHELANGELO

Keine Ahnung, wo der herkam. Es fühlte sich aber gut an.

RAPHAEL

Mikey gab diesen Siegesschrei von sich, und wir alle machten mit. Dann warf Leo Senseis Karte auf den Boden, neben den Haufen Körper, und sagte: „Zerstreuen", also liefen wir alle zurück ins Versteck.

ROCKY

Ich erinnre mich an rein gar nichts. Ich hab nach dem ersten Freak gehauen und dann wurd's dunkel. Wachte etwa zwei Stunden später auf, wie's aussah war ich da einer der ersten. Diese Freaks hatten uns total alle gemacht. Ein paar von den anderen Jungs haben geblutet, aber die meisten sind einfach nur umgehauen worden, wie ich.

FOOT 3

Mein letzter Tag bei den Foot. Als wir wieder zu uns kamen, hinkten die meisten meiner Kumpels zurück zum Hauptquartier. Ich nicht. Ich meine, was für eine Gang war das? Da war dieser klingenschwingende Irre der uns zwang, gegen diese abgedrehten Ninja Turtles zu kämpfen. Wenn so etwas passiert, fängt man an, darüber nachzudenken, dass ein Job bei McDonald's vielleicht doch nicht so schlecht ist, wissen Sie?

ROCKY

Wir sind alle zurück ins Hauptquartier. Wir hatten Probleme, genug Leute zu finden, die noch fahren konnten – den meisten war irgendwie schummrig. Der Shredder wartete auf uns. Als er uns reinhumpeln sah, ich glaub da wusste er schon, dass die Turtles nicht kommen würden. (schaudernd) Er drehte durch. Fing an, auf uns einzuschlagen. Als hätten wir davon an dem Abend nicht schon genug gehabt. Schon mal eine verpasst bekommen von einem Typen mit Klingen an den Händen? Nicht lustig.

MEISTER SPLINTER

Als meine Söhne zurückkehrten, konnte ich sehen, dass ihnen an diesem Abend etwas zugestoßen war. Sie alle hatten Verletzungen, viele davon schwer. Jedoch schienen sie dies nicht zu bemerken. Ich bemerkte einen Glanz in ihren Augen, einer der nur zu sehen ist wenn eine große Schlacht geschlagen und gewonnen wurde. Ich kannte den größten Teil der Geschichte, ehe sie begannen, sie zu erzählen.

DONATELLO

Kaum waren wir zuhause, fingen wir an, rasselten wir Splinter die Geschichte herunter, aber er sagte nur: „Beruhigt euch, meine Söhne. Lasst mich zuerst eure Wunden versorgen." Wir meinten nur so etwas wie: „Wie, was für Verletzungen, uns geht's gut, mach dir keine Sorgen um uns." Aber dann schauten wir endlich an uns herunter. Letztlich ging's uns wohl doch nicht so gut.

LEONARDO

Wir waren sogar in einem ziemlich schlechten Zustand. Es muss ein riesiger Adrenalinschub gewesen sein, der uns nachhause gebracht hat, denn auf einmal merkte ich, dass ich Schmerzen hatte. Nicht nur an einer Stelle – überall.

DONATELLO

Ich hatte an der Schulter einen üblen Treffer kassiert, knapp über der Stelle, wo sie in den Panzer übergeht – ich hatte da eine Weile eine hässliche Prellung. Meine Hände waren auch ziemlich zerschunden. Meine Beine waren ein oder zweimal von Ketten getroffen worden, also hatte ich da auch einige blaue Flecke und habe etwas geblutet. Aber ich bin noch bei Weitem am besten davongekommen. Die anderen konnten gut eine Woche nicht richtig laufen.

RAPHAEL

Ich merke, das Michelangelos Arm blutet und will gerade was sagen, da merke ich, dass mich alle komisch ansehen. Meinen Kopf. Du weißt schon, dieser Du-hast-da-was-zwischen-den-Zähnen-Blick. Ich fasse mir an die Schläfe, und alles ist klebrig. Offensichtlich war einer von den Typen mit den Messern näher an mich herangekommen, als ich gedacht hatte. Er hat mich an der rechten Kopfseite geschnitten, direkt hinter der Wange, und das hat ziemlich übel geblutet. Ich hatte es nicht mal gemerkt. Ich hab immer noch die Narbe, wenn man genau hinsieht.

MICHELANGELO

Das war echt schräg, weißt du? Wir hatten diesen Kampf, rannten nachhause und dachten, wir hätten denen echt in den Hintern getreten. Na ja, hatten wir auch, aber keiner von uns hatte gemerkt, dass wir auch verletzt waren. Sensei gingen die Verbände aus – Donny musste an die Oberfläche laufen und mehr besorgen.

RAPHAEL

Wir waren komplett aus dem Rennen. Donny ging's nach einer Nacht Schlaf schon wieder ganz gut, aber der Rest von uns brauchte viel länger. Splinter sagte das Sparring, den Unterricht, alles, für Tage ab. Wir lagen einfach nur im Bett, lasen viel, hörten Radio. (grinsend) Und natürlich redeten wir darüber, wie übel wir denen die Hintern versohlt hatten.

MEISTER SPLINTER

Während sich meine Söhne erholten, verbrachte ich viel Zeit damit, über unseren nächsten Zug zu meditieren. Ich war mir sicher, dass wir nun das Ziel waren und unser derzeitiger Angriffsplan daher nicht mehr angemessen.

MICHELANGELO

Splinter ließ uns eine Weile darüber reden, wie toll wir doch waren – tagelang sogar. Aber dann stopfte er uns mit einem einzelnen Satz das Maul. „Ja, ihr habt den Kampf sehr deutlich für euch entschieden. Es war äußerst günstig, dass sie keine Schusswaffen hatten." Plötzlich hielten wir alle inne und dachten nach. Ja, wie schwer wäre es gewesen mit vier Foot mit Gewehren auf der Tribüne? Vier gut abgepasste, gut gezielte Schüsse – das war's Leute.

LEONARDO

Ja, wir haben gewonnen – sie haben nicht bekommen, was sie wollten. Aber hätte auch nur einer von ihnen daran gedacht, dass sie diesen Kampf mit normalen Waffen nicht gewinnen können, wenn nur einer von daran gedacht hätte, eine Pistole mitzubringen, wäre einer von uns mit Sicherheit tot. Oder wir alle. (Pause) Dieser Gedanke und der Gedanken, dass ich es war, der uns in diese Falle geführt hatte, ließen mich für die nächste Woche sehr in mich zurückgezogen werden. Wenn man mich ansah, hätte man denken können, wir hätten verloren.

MEISTER SPLINTER

Leonardo hatte der Kampf sehr mitgenommen. Er glaubte, als Anführer versagt zu haben. Ich musste ihm zeigen, dass er sie zwar in eine Falle geführt hatte, ja, aber wir dafür nun umso mehr Informationen hatten, mit denen wir solche Fallen in Zukunft meiden konnten. Zudem hatte Leonardo nie aufgegeben. Er mochte sie in eine Falle geführt haben, doch er hatte sie auch wieder herausgeführt.

DONATELLO

Wir waren uns alle einig, dass wir die Strategie ändern mussten. Vorher hatten wir uns auf die Foot gestürzt, als wären sie die Ziele. Nun war klar, dass wir die waren, auf die man zielte.

LEONARDO

Sensei stellte eine Sache klar: Welche Taktik wir auch wählten, sie müsste die Verkörperung des Ninjutsu sein – der Kunst der Unsichtbarkeit. Wir wussten, dass sie uns töten würden, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance hatten, also waren wir entschlossen, ihnen keine weitere einzuräumen.

RAPHAEL

Wir alle waren uns einig, dass wir sie dort treffen mussten, wo sie lebten. Aber wir wussten nicht wirklich, wo das war.

MICHELANGELO

Unser größtes Problem war, dass wir rein gar nichts über die Foot wussten. (schulterzuckend) Mussten wir bis dahin ja auch nicht. Wir haben ihnen einfach eins auf die Nuss gegeben, wenn wir sie trafen. Aber wenn wir die Sache clever angehen wollten, mussten wir auf ihrem Gebiet arbeiten. Und verdammt, wir wussten nicht einmal, wo das war.

DONATELLO

Wir sagten dauernd Dinge wie: „Wenn wir wüssten, wo sie ihre Lieferwagen parken, könnten wir dies tun" oder „Wenn wir wüssten, wo sie sich treffen, könnten wir das tun". Irgendwann traf es uns – wir konnten ein paar Gefallen einfordern.

MARCUS

Mikey kam eines Abends vorbei. Das war cool, aber ich war überrascht. Ich dachte echt nicht, dass ich ihn noch mal sehen würde. Er wollte etwas über die Foot wissen – alles, was ich ihm erzählen konnte. Das war nicht viel, wie sich herausstellte, aber mehr, als er vorher gehabt hatte.

SARAH

Ich hab die Turtlejungs 'nen guten Monat oder so nicht gesehen gehabt, aber dann tauchte Don auf. Er wollte mit mir reden, aber er hatte Angst, dass ihn wer sieht, also gehen wir zu mir – nicht das Zimmer, nur der Flur. Wir quatschten ein bisschen. Er wollte alles über die Foot wissen – wo sie sind, wo sie sich treffen, irgendwas.

DONATELLO

Als ich fragte, sagte Sarah, dass sie Informationen hätte, dass sie aber noch mehr beschaffen könnte. Also verabredeten wir uns eine Woche später noch einmal.

SARAH

In dieser Woche fand ich soviel über die Foot raus, wie ich konnte. Ich fragte alle, die ich kannte nach denen – aus was für Häuser man sie rauskommen sieht, so was alles. Als ich Don dann 'ne Woche später noch mal traf, brachte er 'ne Karte mit, und wir markierten alle Häuser und Orte, von denen ich gehört hatte. Don war richtig froh. Er sagte: „Die Foot sind erledigt", und ich sagte ihm, dass ich das echt hoffe. Ich dachte eigentlich nicht, dass die Jungs das allein machen können, aber na ja, man gibt die Hoffnung halt nicht auf.

DONATELLO

Als wir glaubten, die Informationen zu haben, die wir brauchten, mussten wir noch entscheiden, was zu tun war.

MICHELANGELO

Es gab vier Gebäude, in denen offensichtlich ein Haufen Foot aktiv waren. Eines davon war leer, als wir es uns ansahen – und natürlich war es das einzige in der Nähe.

LEONARDO

Es schien ein zentrales Hauptquartier zu geben und zwei kleinere Gebäude – wir nannten sie Satelliten. Dort trafen sie sich, bewahrten ihre Waffen auf, solche Sachen.

RAPHAEL

Keiner dieser drei Punkte lag irgendwo in der Nähe des Verstecks und wir waren echt nicht scharf darauf, quer durch New York zu rennen, nur um da reinzukommen. Wir brauchten ein Auto.

MEISTER SPLINTER

Ich beharrte darauf, dass keiner unserer Freunde in diesen Kampf mit hineingezogen werden sollte. Daher dachte ich nicht im Traum daran, eines ihrer Fahrzeuge auszuleihen. Wenn man ihre Nummernschilder zurückverfolgte, brächte es sie in ernste Gefahr.

LEONARDO

Michelangelo hatte eine großartige Idee. Er sagte: „Hey, was ist mit diesem Hockeytypen?" Schließlich bekämpfte er die Foot schon – er wäre sicher bereit, uns zu helfen. Das Problem war, dass wir nicht wussten, wie wir Kontakt mit ihm aufnehmen sollten. Wir verbrachten sechs Nächte auf den Dächern, nur um ihn zu finden.

CASEY

Eines Nachts war ich auf der Jagd, wie in den meisten Nächten, und ich höre, wie jemand meinen Namen ruft. Es war einer von den Turtles – Leonardo. Er ließ mich ihm aufs Dach folgen. Ich hatte sie eine Weile nicht gesehen und er erzählte mir, dass sie nun verfolgt würden, sich also ruhig verhalten mussten. Aber er sagte auch, dass sie versuchen würden, einen großen Zug zu machen, und fragte, ob ich ihnen helfen würde. Machst du Witze? Die Foot endgültig platt machen? Natürlich bin ich dabei!

MICHELANGELO

Leo nahm Casey mit ins Versteck, was seltsam war. Wir hatten nie jemanden einfach so zu uns eingeladen. Natürlich dachte ich, dass es klasse war. Ein Gast beim Abendessen!

CASEY

Mann, die Umstände waren echt seltsam. Sie versuchten mir, von ihrem Masterplan zu erzählen, und da war ich und hing einfach nur mit ihnen in ihrer Bude in der Kanalisation rum. Letzten Endes kamen wir dann doch auf den Punkt, und sie erzählten mir, was sie von mir wollten.

MEISTER SPLINTER

Wir mussten gegenüber Casey betonen, dass dies keine Operation sein würde, die sich auf eine Nacht beschränkte. Es würde notwendig werden, einige Nächte lang Informationen zu sammeln, ehe wir zuschlagen konnten.

CASEY

Mein Gedanke war: Zur Hölle, ihr wisst wo sie sind – geht mit gezogenen Waffen rein, klar? Aber sie sahen das anders.

LEONARDO

Wir erklärten ihm, dass wir wahrscheinlich an jedem Punkt nur eine Chance haben würden und wir sicherstellen wollten, dass wir sie jedes Mal hart treffen. Sinnlos, wenn da nur zwei Typen waren. Wir wollten jedes Mal signifikanten Schaden anrichten.

CASEY

Ich stimmte ihnen letztlich doch zu, es auf ihre Art zu machen. Sie schienen viel mehr über die Sache nachgedacht zu haben als ich, also dachte ich mir, klar, ich mache mit.

RAPHAEL

(schmunzelnd, einen Finger in die Luft haltend) Operation Amputation, Phase Eins – das Satellitenhauptquartier West.

MICHELANGELO

(grinsend) Kurven mit Casey. So nannte ich es. Casey kam vorbei und nahm uns in seinem Truck mit. Wir sind vorher nie in einem Auto gewesen! Die Stadt bei Nacht vorbeisausen zu sehen war so cool. Ich hab das seitdem natürlich noch öfter gemacht, aber ich erinnere mich daran, wie cool es sich das erste Mal angefühlt hat.

DONATELLO

Er setzte uns etwa zwei oder drei Blocks vom eigentlichen Gebäude entfernt ab, dann näherten wir uns von mehreren Seiten.

CASEY

Ein Wort für diese Nächte: Lang-wei-lig. Ich saß in meinem Truck und nickte ein, Nacht um Nacht. Ich dachte immer daran, dass da all diese Foot herumliefen, und hier war ich und machte Nickerchen. Nacht um Nacht. (schulterzuckend) Aber ich hatte angeboten zu helfen und mein Wort gegeben, also schluckte ich's runter. Ich habe mir dann Bücher zum Lesen mitgenommen.

LEONARDO

Wir waren beim ersten Gebäude übervorsichtig. Wir wussten, dass es nicht das zentrale Hauptquartier war, es war eher eine Außenbasis und ein Lagerhaus für gestohlene Waren. Aber wir waren sicher, dass wir nur einen Versuch haben würden, also verbrachten wir die erste Nacht auf dem Dach und beobachteten nur, wie die Foot kamen und gingen. In der nächsten Nacht brachen Donatello und ich durch das Dach ein, während Michelangelo und Raphael darauf blieben.

RAPHAEL

Das war ziemlich... anspannend. Ich meine, wir hatten uns vorher schon in Teams aufgeteilt, aber dabei waren wir immer weg und haben unser eigenes Ding durchgezogen. Mikey und ich saßen auf dem Dach fest und konnten nur zusehen und abwarten.

MICHELANGELO

Wir waren wirklich nervös. Jedes Mal, wenn wir ein Geräusch gehört haben, dachten wir: „Oh nein, sie wurden erwischt" und fragten uns, ob wir hineinstürmen sollten.

DONATELLO

Wir beobachteten einige Tage – wir suchten nach einer guten Lücke. Wir wollten nicht völlig in der Unterzahl sein, aber wir wollten unseren Zug auch nicht machen, wenn keiner da war – das hätte einfach nicht denselben Effekt gehabt. Wir hatten entschieden, dass dreißig Foot für uns in Ordnung waren – genug um sie zu schlagen, aber nicht genug, um die Chance zu bekommen, ein Gewehr zu holen oder Verstärkung zu holen.

LEONARDO

Die Foot hatten erwähnt, dass sie Anfang der Woche eine Lieferung erhalten würden. Ich war der Ansicht, dass das der beste Zeitpunkt sein könnte, unseren Zug zu machen – kurz nachdem sie alles geliefert hatten.

CASEY

Irgendwann sagten sie, dass sie am nächsten Tag zuschlagen würden, und ich dachte: „Endlich – meine Chance, ein paar Typen zu vermöbeln!" Aber dann sagten sie mir, dass sie wollten, dass ich wieder im Truck warte! Ich meinte nur: „Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen!"

LEONARDO

Casey war schwer davon zu überzeugen. Ich sagte ihm, schau mal, wir sind meilenweit von Zuhause entfernt, und wenn du aufgehalten wirst oder bewusstlos geschlagen, sind wir von Foot umzingelt ohne eine Chance, nachhause zu kommen. Es ist nicht so, als könnten wir ein Taxi rufen.

CASEY

Letzten Endes sagte ich, dass ich's mache, aber ich meinte es eigentlich nicht so. Ich glaubte, diese Typen seien ihnen überlegen, und dass sie meine Hilfe brauchen würden, wenn sie einmal drin waren.

LEONARDO

Donatello hatte den großartigen Einfall, dass wir einen klaren Vorteil hätten, wenn wir den Strom abschalten.

RAPHAEL

Wir sehen im Dunkeln ziemlich gut – ich weiß nicht, ob das so eine genetische Sache ist oder einfach nur eine Nebenwirkung davon, dass wir so lange in der Kanalisation gelebt haben.

DONATELLO

Dann kam die große Nacht. Wir trafen uns auf dem Dach, schüttelten uns die Hände und gingen an die Arbeit. Sie ließen sich hinunter auf den Boden, während ich den Strom abschaltete. In dem Moment, in dem ich das tat, liefen sie ins Gebäude, mit mir gleich hinter ihnen.

MICHELANGELO

Raph und ich kümmerten uns um den Vorderausgang, Leo um den Hinterausgang. Das war mutig – soweit er wusste, würden alle hinten raus laufen –, aber er bestand darauf. Donny sollte sich ihm ein paar Sekunden später anschließen, also dachte ich, das geht schon OK.

DONATELLO

Ein großer Fehler in meinem Plan – draußen in der Gasse stand eine Straßenlaterne, und die beleuchtete einen Teil des Lagerhauses durch die vernagelten Fenster. Also war es nicht ganz so dunkel, wie ich gehofft hatte. Tatsächlich machte es im Endeffekt keinen Unterschied. Wir hatten die meisten von ihnen eh schon ausgeschaltet ehe, wir an diesen Punkt kamen.

MICHELANGELO

Ich glaube, keiner von uns hat diesen „selbstlosen Zustand" erreicht, aber ich glaube, das musste auch keiner von uns. Der ganze Kampf dauerte etwa drei Minuten. Keiner entkam. Wir haben sie alle umgehauen.

LEONARDO

Als wir fertig waren, war ich bereit, die Anweisung zum Zerstreuen zu geben, aber Michelangelo und Raphael hatten sich ihr eigenes kleines Ende zusammengebraut.

RAPHAEL

Als ich und Mikey in der Zeit davor auf dem Dach festgesessen hatten, um nichts zu beobachten, haben wir uns etwas unterhalten. Wir beschlossen, dass Mikey diesmal die Visitenkarte hinterlassen würde, weil er gut zeichnen kann.

MICHELANGELO

Raph gab mir eine Sprühdose und ich sprühte das Kanjizeichen für „Karma" auf den Fußboden, richtig groß, zusammen mit Splinters Siegel. Das war ziemlich schwierig – ich hatte vorher nie mit Sprühfarbe geübt und das Licht war nicht besonders gut, aber ich denke, es sah cool aus. Dann warf ich die Sprühdose in die Ecke und wir liefen nach draußen. Ich hab aber alle Türen auf gelassen.

CASEY

Ich wollte zehn Minuten abwarten, ehe ich ihnen folge. Ich hoffte, keiner von ihnen wäre tot oder so was. Ich war nicht mal bei sechs angekommen, als sie wieder beim Truck ankamen, jubelnd und johlend. „Was ist? Kalte Füße gekriegt?"

RAPHAEL

Ich meinte: „Kalte Füße? Die sind kaltgestellt!", und dann gab Mikey seinen Siegesschrei von sich und wir alle machten mit.

CASEY

(schmunzelnd) Ich werd ehrlich sein: Ich wollte auch wen in den Hinter treten. Aber mir wurde klar, japp, die wussten was sie tun. Und sie brauchten meine Hilfe auf dem Gebiet nicht. Sie brauchten wen, der sie fährt. (schulterzuckend) Ich dachte mir: Wenn es das ist, was ich tun muss, um zu helfen, die Foot zu vernichten, dann fahre ich, klar.

LEONARDO

Auf dem Rückweg ließen wir Casey die Polizei rufen. Sie fuhren dorthin, fanden die ganzen bewusstlosen Typen mit der ganzen Hehlerware und warfen sie alle ins Gefängnis.

RAPHAEL

Wir kamen in die Zeitung und so was alles. Na gut, sie haben uns nicht erwähnt, aber da war ein Foto vom Lagerhaus, zusammen mit Mikeys Zeichnung. Die Zeitung schrieb, dass ein „anonymer Hinweis" dazu geführt habe, was wohl irgendwie richtig ist.

MICHELANGELO

Ich bin sicher, der Shredder hat die Krise gekriegt, als er das gesehen hat.

MEISTER SPLINTER

Ich war äußerst zufrieden mit dem ersten Sieg meiner Söhne. Es trug sicherlich dazu bei, dass Leonardo seine Zuversicht als Anführer wiedergewann.