XIII. DER SHREDDER

MICHELANGELO

Wir hatten uns die Pläne für das zentrale Hauptquartier mehrfach angesehen. Es war eine alte Fabrik oder ein Schlachthaus oder so was. Das Erdgeschoss war riesig – es nahm ungefähr ein Viertel des Blocks in Anspruch. Es war nicht stark gegliedert. Ein paar Wände, aber hauptsächlich dieser riesige Raum. Die nächsten vier Stockwerke hatten metallene Laufstege, von denen aus man auf das Erdgeschoss herunterschauen konnte und die zu Räumen an der Seite führten. Da lebten die Foot. Das Dachgeschoss war nur ein halbes – eigentlich nicht mal ein halbes. Der Aufzug führte zu so einer Art Lobby, von der aus man entweder raus aufs Dach gehen konnte oder in einen anderen kleinen Bereich, von dem sich herausstellte, dass der Shredder dort wohnte.

DONATELLO

Unser Angriffsplan war im Prinzip derselbe. Strom abschalten, an beiden Eingängen anfangen und von dort nach innen arbeiten. Natürlich mussten wir uns diesmal auch nach oben vorarbeiten.

MEISTER SPLINTER

Ich warnte meine Söhne, sich dem Shredder nicht eins zu eins zu stellen. Ich glaubte nicht, dass sie ihn im Duell besingen konnten. Tatsächlich glaubte ich sogar, dass nicht einmal ihre vereinte Kraft ausreichend sein mochte.

MICHELANGELO

Splinter bewaffnete sich mit ein paar alten Nunchakus – es waren Übungswaffen, ziemlich leicht. Ich fragte Splinter, ob er tauschen wolle. Ich meine, ich bin ziemlich gut mit den Dingern, aber Sensei ist der Experte. Er sagte aber nein. Er meinte, ich hätte mich schon an die schwereren gewöhnt, also würde er mit diesen hier auskommen. (schmunzelnd) Ist er auch.

CASEY

Ich fuhr einen Block weit weg und sah sie noch im Rückspiegel ihre Vorbereitungen treffen. Sogar ich merkte, dass sie ziemlich angespannt waren. Sie sagten mir, schon wieder, dass ich auf sie warten sollte. Ich versprach mir selbst, dass ich ihnen folgen würde, wenn ich eine halbe Stunde nichts von ihnen gesehen hätte.

DONATELLO

Das Gebäude bekam seinen Strom über eine Verbindung auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes, was günstig war. Ich musste nur die Verbindung zwischen den beiden Gebäuden kappen, statt auf das Dach des Hauptquartiers zu steigen.

RAPHAEL

Donatello hatte mit dem Strom abschalten nicht so viel Glück gehabt. Beim ersten Mal spielte es kaum eine Rolle, weil sowieso Licht von der Straße hineinschien. Und etwas früher in derselben Nacht hatte man ihn direkt danach überfallen. Ich fing an zu glauben, dass den Strom abzuschalten das nicht wert war. Aber dieses Mal, Mann, es hätte nicht perfekter sein können.

DONATELLO

Letztendlich konnte ich den Strom genau im richtigen Moment abschalten. Der Shredder hatte gerade eine Besprechung mit seinem Stellvertreter gehabt – Juntaro hieß er, glaube ich. Ich bin mir nicht sicher, ob er gespürt hatte, dass wir auf dem Weg sind oder ob er einfach nur zufällig beschlossen hatte, die Truppen zusammenzuziehen oder so was. Wie dem auch gewesen sein mag, er stieg in den Aufzug und war gerade eine halbe Etage weitergekommen, als ich den Strom abschaltete. Sie steckten im Aufzug fest und waren erst einmal weg vom Fenster.

LEONARDO

Michelangelo und ich gingen durch die Hintertür, während Donny, Raph und Sensei vorn hineingingen.

MICHELANGELO

Wir betraten das Gebäude und gingen ein Stück hinein, weg von der Tür. Es war so dunkel, dass wir die Typen, die auf uns zukamen, schlecht erkennen konnten. Aber das war gut – ich wusste: wenn ich Schwierigkeiten hatte, sie deutlich zu erkennen, hatten sie vermutlich Probleme damit, uns überhaupt zu sehen. Als sie auf uns zukamen, war schwer zu sagen, ob sie uns angreifen oder einfach nur weglaufen wollten. (schulterzuckend) Das spielte eigentlich auch keine Rolle.

RAPHAEL

Wir schlugen ein paar nieder, während wir auf Donny warteten, dann machten wir uns auf den Weg nach innen, schlugen auf dem Weg Foot nieder. Sensei wies uns an, uns von der Raummitte fernzuhalten. Er fürchtete, jemand in einem der oberen Stockwerke könnte eine Schusswaffe auf uns richten. Ich machte mir darum keine Sorgen – ich meine, es war stockdunkel da drin. Die meisten der Typen, denen wir begegneten, kamen nicht einmal dazu, ihre Waffen zu ziehen, ehe wir sie zu Boden geschickt haben. Selbst wenn einer ein Gewehr gehabt hätte, hätten sie auf gut Glück ins Leere geschossen.

DONATELLO

Wir blieben dicht an der Wand, schlugen einfach einen Foot nach dem anderen nieder. Ich glitt wieder in diesen „selbstlosen Zustand" – nicht viel denken, nur reagieren. Zweimal registrierte ich eine Präsenz an meiner Seite, griff aber nicht an. Ich sah ihn nicht, aber ich wusste, dass Splinter mit mir gleichauf gezogen war.

MICHELANGELO

Ich wünschte, ich hätte das einfach nur abwarten uns Splinter zusehen können. Ein guter Nunchakukampf ist echt das Zusehen wert, und Sensei ließ es... na ja, bei ihm sieht es fast wie Tanzen aus. Er wirkt so würdevoll mit den Dingern, selbst wenn er sie Leuten aufs Maul haut.

LEONARDO

Der Plan bestand darin, zu den beiden Treppenhäusern zu kommen – beide Gruppen sollten je das zu ihrer rechten nehmen. Dann würden wir die Treppen hinaufgehen, rechts herum gehen, eine halbe Wendung zur gegenüberliegenden Treppe machen, und diese wieder hinaufgehen. Wir hatten beschlossen, dass es keine Rolle spielte, ob beide Gruppen gleichzeitig zu den Treppen kamen. Aber letztendlich war das wohl mehr oder weniger der Fall.

MEISTER SPLINTER

Wir hatten in dieser Nacht vielleicht zwei Ziele – der Shredder war davon das wichtigste, doch gleichzeitig wollte ich dem Footclan soviel Schaden wie möglich zufügen. Je mehr Foot unschädlich gemacht wurden, desto mehr würde sie das hoffentlich davon überzeugen, ihrer Anstellung den Rücken zu kehren. Ich hoffte darauf, Zweifel in ihnen zu sähen. Wenn sie wussten, dass jemand es auf sie abgesehen hatte, dass einfach nur ein Foot zu sein keine Garantie für ihre Sicherheit war, würde sie das vielleicht davon überzeugen, zu gehen.

MICHELANGELO

Es ist echt komisch, wie viele Foot wir umgehauen haben, einen nach dem andere. Ich erinnere mich an einiges aus dieser Nacht, also bedeutet das wohl, dass ich mich eigentlich nicht in diesem „selbstlosen Zustand" befunden habe. Aber offenbar musste ich das nicht. Leo und ich waren meistens nebeneinander und bewegten uns etwa gleich schnell. Wir erreichten die Treppe gleichzeitig. Leo ging nach oben, und ich drehte mich um, deckte seinen Rücken und stieg rückwärts die Treppe hoch. Als wir oben ankamen, drehten wir uns nach rechts um und machten weiter.

LEONARDO

In allen Etagen außer dem Erdgeschoss war zu wenig Platz, als das zwei hätten nebeneinander kämpfen können. Also übernahm ich die Führung für Michelangelo und Splinter die für die anderen, und wir gingen einfach weiter vorwärts.

DONATELLO

Als wir im zweiten Stock ankamen, war ich mit dem Kämpfen so gut wie fertig. Ein paar Nachzügler kamen von hinten, aber im Grunde war es Splinters Sache. (Pause) Wenn ich darüber nachdenke, kämpfte er zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr gegen allzu viele Foot.

LEONARDO

Ich denke, die meisten Foot waren im Erdgeschoss. Es wurden weniger, als wir die Treppe hinaufgingen.

RAPHAEL

Donny denkt, die Foot waren alle im Erdgeschoss und warteten dort auf den Shredder. Er steckte schließlich im Aufzug fest. Aber ich glaube, ein paar haben sich einfach nur in ihren Zimmern versteckt.

DONATELLO

Unsere beiden Gruppen trafen sich im vierten Stock, und wir wollten gerade die Treppe zum Dachgeschoss hinauf. Endlich, zum ersten Mal, standen wir einem organisierten Angriff gegenüber – ein paar Foot kamen von unten die Treppe hinauf, mit gezogenen Waffen.

MICHELANGELO

Splinter und ich waren hinten, also hielten wir sie auf, während die anderen weitergingen. Nachdem wir zwei Typen ausgeschaltet hatten, stand ich mehr oder weniger im Treppenhaus, also ging ich auch die Treppe hoch. (kopfschüttelnd, seufzend) Fehler. So blieb Splinter dort unten alleine zurück, während wir vier nach oben gingen. Genau das Gegenteil von dem, was hätte passieren sollen. Ich hätte da unten bleiben sollen und Splinter sich an mir vorbeischieben lassen.

MEISTER SPLINTER

Ich befand mich in keiner unmittelbaren Gefahr, als ich den Angriff von hinten aufhielt. Jedoch konnte ich mich nicht umdrehen und die Treppe hinaufgehen, ohne meine Deckung zu verlieren. Ich musste sicherstellen, dass uns niemand folgen würde. Gerade, als die Gruppe sich lichtete, drängte ein älterer Foot zum Angriff. Er war recht geschickt, und ich befand mich auf dieser Treppe in einer recht unangenehmen Position. Das streckte den Zweikampf etwas mehr als ich gewünscht hätte.

RAPHAEL

Wir erreichten das Dachgeschoss und da war diese Art Lobby, in die der Aufzug führte. Da waren ein paar Samurairüstungen mit Speeren aufgestellt. Und da waren zwei Türen. Die eine war abgeschlossen, also versuchten wir es mit der anderen. Es war eine Glastür, die hinaus auf das Dach führte. Da waren wir also, versuchten, die Stellung zu halten. Und herauszufinden, wo zur Hölle der Shredder geblieben war.

LEONARDO

Ich dachte, dass der Shredder vielleicht nicht da war, aber in der Sekunde, in der ich daran dachte, glitt langsam die Aufzugtür auf. Das Flutlicht auf dem gegenüberliegenden Gebäude, war ziemlich hell, und wir konnten Shredder und seinen Stellvertreter Juntaro herauskommen sehen. Da hab ich's dann begriffen – er hatte die ganze Zeit im Aufzug festgesessen.

DONATELLO

Wir gingen in Angriffsposition, und der Shredder starrte uns nur durch die Fenster hindurch an. Irgendwann drehte er sich zu Juntaro um, sagte etwas zu ihm, und Juntaro nickte und lief die Treppe hinunter.

MEISTER SPLINTER

Letztlich brachte ich einen soliden Treffer an, und als der ältere Foot umfiel, riss er einige andere Foot mit sich die Treppe hinunter. Ich nahm an, dass mir das ausreichend Zeit geben würde, die Treppe hinaufzulaufen und mich meinen Söhnen anzuschließen. Doch ich war kaum mehr als eine Stufe weiter oben, als ich Juntaro die Treppe hinunterlaufen sah. Ich musste nun mit ihm kämpfen, um das Dach zu erreichen.

LEONARDO

Ich nahm Kampfhaltung an, aber ich war mir nicht sicher, ob ich das Richtige tat. Sensei hatte uns davor gewarnt, uns dem Shredder alleine zu stellen, doch es sah nicht so aus, als hätten wir in dieser Sache eine Wahl zu treffen.

RAPHAEL

Ich glaube nicht, dass der Schrottkopf uns zugehört hätte, wenn wir gesagt hätte: „Hör mal, kannst du nicht warten, bis Sensei hier ist?"

DONATELLO

Der Shredder schaute uns noch eine Weile an, dann nahm er einen der Speere von den Rüstungen in der Lobby. Er öffnete eher beiläufig die Tür, kam heraus und stellte sich einfach vor uns hin.

RAPHAEL

Der Shredder schien überhaupt nicht besorgt zu sein. Ich merkte, dass mein Oberarm zitterte, und mir wurde klar, dass ich meine Mitte nicht finden konnte – ich ließ meine Ängste mein Handeln bestimmen, wie Splinter sagen würde. Ich versuchte, meine Mitte zu finden, wie Sensei es und beigebracht hat, aber das ist echt schwer, wenn du einem Gegner schon in bereit zum Angriff bist und dein Gegner dir direkt gegenüberstehst.

DONATELLO

Irgendwann sagte er: „Ihr Missgeburten habt mich lange genug gestört. Wer ist der Erste?", und Raphael sagte: „Das bin dann wohl ich."

RAPHAEL

Ich meldete mich freiwillig. Was zeigte, dass ich nicht dachte. Erstens war ich geistig nicht vorbereitet. Ich nehme an, ich hatte einfach beschlossen, dass etwas zu tun besser war, als einfach herumzustehen. Und das Schlimmste war, wie Leo später erklärte, dass ich im Grunde Shredders Bedingung zugestimmt hatte, dass wir einzeln gegen ihn antreten würden. Blöd, blöd, blöd.

DONATELLO

Raph stellte sich in der ersten Runde nicht so gut an. Nach etwa fünfzehn Sekunden bekam er einen Schlag mit der Seite von Shredders Speer. Er fiel, aber Leo sprang für ihn in die Bresche, ehe der Shredder nachziehen konnte.

RAPHAEL

Das tat echt weh. Und das Schlimmste war, dass ich es hätte kommen sehen müssen. Ich finde es nicht schlimm, gegen einen überlegenen Gegner zu verlieren, denke ich, aber nicht mit so einem billigen Trick.

LEONARDO

Ich konnte nicht sicher sein, dass der Shredder Raphael nicht gleich umbringen würde, also sprang ich sofort dazwischen, als er getroffen wurde, um ihm ein anderes Ziel zu geben, und Raphael hoffentlich die Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

DONATELLO

Leo stellte sich von uns allen am besten an. Er ließ den Shredder einige Minuten lang intensiv kämpfen. Irgendwann fand Shredder allerdings doch eine Lücke und trat Leo vor den Brustpanzer. Hat ihn umgeworfen. Ich beschloss, das Leos Plan der beste war – gebt ihm keine Chance, eine Attacke anzubringen, die sich als Todesstoß erweisen könnte -, also war ich da, als er zu Boden ging. Ich versuchte, in der Defensive zu bleiben, irgendwie ein Unentschieden zu erzwingen, aber dann entdeckte ich eine Lücke und stürzte mich instinktiv darauf. Da merkte ich, dass der Shredder mich vorführte. Er wusste, dass ich mich von seiner vorgetäuschten „Lücke" verarschen lassen würde – und da ging ich zu Boden, Gesicht voran. Es tat weh, aber ich war klar genug, um rechtzeitig zur Seite zu rollen, als Michelangelo nach vorne kam.

MICHELANGELO

Ich sah allen so genau beim Kämpfen zu, wie ich konnte. Ich war mir sicher, keinen Schwachpunkt in Shredders Kampftechnik entdeckt zu haben. Als Donatello stürzte, brachten mich meine Instinkte nach vorne, aber ich hatte immer noch keine Schwäche entdeckt. Ich hatte immer noch die Hoffnung, dass ich eine finden würde, während ich mit ihm kämpfte. Aber er wehrte alles ab, was ich ihm zu bieten hatte – obwohl ich meine Nunchucks ziemlich weit auseinander hielt – und meine Hoffnungen schwanden schnell. Irgendwann verzweifelte ich, was immer gefährlich ist. Ich nahm die Nunchucks zu weit auseinander, was mich vorne weit offen stehen ließ. Er sah das, verpasste mir eins vor den Brustpanzer, und ich fiel voll auf den Hintern.

RAPHAEL

Ich sah Michelangelo zu Boden gehen, also nahm ich an, dass ich wieder dran bin, aber Leo war vorne, ehe ich reagieren konnte.

LEONARDO

Raphael hatte von uns vieren den schwersten Schlag einstecken müssen, und ich wusste nicht, ob er wirklich schon in der Form war, sich einer weiteren Runde zu stellen. Also ging ich nach vorn. Wir kämpften wieder einige Minuten, und wieder konnte ich keine Lücke finden. Der Kerl war echt ein Meister. Letztlich brachte ich es fertig, ihm ganz knapp einen Schlag mit meinem Katana zu verpassen, der ihn ganz knapp an der Schulter traf. Der Schnitt war nicht tief, aber er blutete. Er sagte zuerst gar nichts. Er kämpfte einfach weiter, bis er mich wieder niedergeschlagen hatte. Als ich mich wegrollte, gab er eine Art Knurren von sich und sagte: „Eure Fähigkeiten sind wirklich bewundernswert. Eine Schande, dass sie nicht ausreichen werden, um euch zu retten."

RAPHAEL

Ich nahm an, dass nun wirklich ich an der Reihe war. Ich sprang auf und stellte mich ihm. Leos Treffer gab mir Hoffnung. Er war nicht unverwundbar. Ich hoffte irgendwie, dass seine blutende Schulter ihn langsamer machen würde. Tat sie nicht. Zumindest war ich dieses Mal konzentrierter, und eine Weile konnte ich es bei einem Unentschieden halten. Aber am Ende schlug er mit der Mitte seines Speers gegen meine Schulter, und ich landete auf dem Rücken. Eine Sekunde verschwamm alles vor meinen Augen. Und ehe jemand nach dazu kommen konnte, trat er nach vorn und stellte sich direkt über mich, einen Fuß an jeder Seite.

DONATELLO

Ich wusste, dass er den Speer direkt durch ihn hindurchbohren würde.

RAPHAEL

Er hatte mich festgesetzt. Ich versuchte verzweifelt, einen Weg raus zu finden, aber ich war immer noch ziemlich benebelt und mir fiel einfach nicht ein. Dann hörte ich Splinters Stimme.

MEISTER SPLINTER

Ich erreichte das Dach, gerade als Raphael getroffen wurde und zu Boden ging. Als Saki den Speer neu umfasste, um seinen finalen Schlag anzubringen, gab ich meine Anwesenheit bekannt.

DONATELLO

Ich sah Sensei nicht kommen – zeigte, wie intensiv wir mit der Aufgabe vor uns beschäftigt waren. Sensei sagte einfach nur: „Lass ihn los." Er hat keine besonders Laute Stimme, aber er kann sie tragen lassen, wenn er muss. Wir alle wirbelten herum.

RAPHAEL

Ich konnte Splinter von meiner Position aus nicht sehen, aber ich sah, dass der Shredder abgelenkt war. Wäre ich ein besserer Ninja gewesen, hätte ich ihn zu Boden geworfen. So wie's war, bin ich einfach nur entkommen – duckte mich, rollte rum und sprang ein paar Meter weiter wieder auf.

LEONARDO

Sensei sagte einmal, dass der Kampf nicht beginnt, wenn die Waffen sich treffen, sondern wenn die Blicke sich treffen. In dieser Nacht sah ich das zum ersten Mal. Sensei war in der Nähe der Tür zum Treppenhaus, die Arme an der Seite. Der Shredder stand immer noch breitbeinig da, den Speer auf Raphael gerichtet – oder die Stelle, an der Raphael gewesen war. Sie standen einfach nur da, ungefähr eine Minute lang. Sie sprachen nicht, bewegten sich nicht.

RAPHAEL

Ich fragte mich, ob ich irgendwas verpasse. Dass Splinter ihn ablenkt oder so was, damit einer von uns etwas tun kann. Aber dann wurde mir klar, dass der Kampf bereits begonnen hatte. Und das würde ihr Kampf sein.

MICHELANGELO

Sensei war derjenige, der endlich sprach. Er sagte: „Du kannst die Maske abnehmen, Oroku Saki. Wir wissen, wer du bist." Und dann, ganz langsam, nahm der Shredder Maske und Helm ab.

LEONARDO

Der Shredder sagte dann: „Es scheint, als sei ich euch gegenüber im Nachteil. Ihr mögt mich kennen, aber wer seid ihr... Missgeburten, und warum attackiert ihr meine Domäne?" Er hatte dabei dieses... höhnische Lächeln im Gesicht. Sensei sagte: „Dies sind meine Söhne", wobei wir uns alle irgendwie verbeugten. „Sie kennen mich unter dem Namen Meister Splinter, doch vor langer Zeit, in einem früheren Leben, kannte man mich als Hamato Yoshi."

DONATELLO

Ich konnte sehen, wie der Shredder dabei etwas zusammenzuckte. Ich dachte, er wüsste es, oder hätte es zumindest angenommen. Aber offensichtlich hatte er nie wirklich daran geglaubt, dass Yoshi hinter all diesen Angriffen stand. Und er hatte sicherlich nicht geahnt, dass Yoshi diese Ratte war.

MEISTER SPLINTER

In seinen Augen standen Panik, Furcht, Verwirrung. Doch nur einen Moment lang. Danach waren sie teilnahmslos und kalt. Doch ich hatte die Lücke gesehen. Ich wusste, dass es nicht unmöglich sein würde, zu gewinnen. Aber Saki sagte einfach nur: „Ihr habt mir in den letzten Monaten große Unannehmlichkeiten bereitet. Lasst uns dies ein für alle Male entscheiden." Saki war nie jemand gewesen, der Worte verschwendete, wenn es nicht notwendig war.

LEONARDO

(zögernd) Ich habe das nie jemandem erzählt. (zögernd) Sensei kam zu mir und bat mich um eines meiner Katana. Als ich es ihm gab, sagte er: „Sollte mir etwas zustoßen, lasst euch von Casey zu Mitako bringen." Ehe ich reagieren konnte, war er weggegangen und hatte sich in Position gebracht. (zögernd) Dieser Moment hat mich nie losgelassen. Nicht eine Sekunde. Ich glaube, ich hatte niemals ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dass Sensei sterben könnte, und dass wir, wenn es je geschah, allein sein würden. Seitdem fühlte ich immer, dass es großes Glück war, Sensei bei uns zu haben.

RAPHAEL

Ich war ziemlich überrascht von der Waffe, die er gewählt hatte. Ich meine, Splinter ist mit allem gut. Er könnte mit einer Banane kämpfen, wenn nichts anderes da ist. Aber er ist ein echtes Monster mit Nunchakus, also nahm ich an, er würde die benutzen. Vielleicht gehört das mit zu diesem Bushido Kodex oder so - dass man sich mit Schwertern und Speeren duellieren muss, nicht mit Nunchakus. (kopfschüttelnd) Es gab in dieser Nacht eine Menge Zeug, das... seltsam war.

MICHELANGELO

Sensei hielt sein Katana auf Augenhöhe, abwartend, und der Shredder nahm seinen Speer in Position. Und dann, schon wieder, standen sie still. Starrten einander nur an. Splinter las immer dieses Buch, dass er so liebte - Musashi heißt es. An einer Stelle duellieren sich da zwei Typen im Schnee, und sie stehen so still, dass der Schnee auf ihren Klingen liegenbleibt. Na ja, es hat nicht geschneit, aber wenn's das getan hätte, wäre das da oben auf dem Dach auch passiert.

DONATELLO

Shredder bewegte sich zuerst, und danach konnte man kaum noch folgen.

MEISTER SPLINTER

Wir waren einander ebenbürtig. Ich mag durch meine Mutation etwas kleiner und schwächer gewesen sein, doch meine Söhne zu trainieren hatte meine Fertigkeiten noch weiter verfeinert. Wir kämpften einige Minuten ohne Ergebnis. Jeder Angriff wurde pariert, was zu einem Gegenangriff führte, der wiederum pariert wurde.

RAPHAEL

Als ich Sensei und dem Shredder zusah, wurde mir klar, wie weit unterlegen wir waren.

LEONARDO

Als ich sah, wie das Duell Form annahm, Schlag - Konter - Gegenschlag, verlor ich mich völlig darin. Seit ich begonnen hatte, bei Splinter zu lernen, wollte ich ein Schwertmeister werden. In meinen Kämpfen mit den Foot hatte ich mir selbst vorgetäuscht, dass ich vielleicht einer war. Doch als ich dieses Duell sah, wurde mir klar, dass ich noch einen langen Weg vor mir hatte.

RAPHAEL

Ich erinnere mich daran, dass ich dachte: „Gegen den wollte ich kämpfen? Was hab ich mir dabei gedacht?"

MICHELANGELO

Splinter konnte endlich einen Angriff gegen Shredder anbringen. Und er war brilliant.

MEISTER SPLINTER

Einige Schläge und Blöcke hatten uns dicht aneinander herankommen lassen, unsere Waffen zwischen uns. Ich bemerkte, dass seine Füße recht eng zusammen standen, also schwang ich meinen Schwanz herum und schlang ihn um seine Unterschenkel. Es reichte nicht aus, um ihn festzuhalten, doch es war genug, um ihn durch einen Stoß mit der flachen Seite des Katana zu Fall zu bringen. Ich ließ sofort wieder los und ging zum Angriff über.

DONATELLO

Im Grunde hat Splinter ihn stolpern lassen. Mit seinem Schwanz. Das war, wow! Keiner von uns hatte das erwartet, aber Shredder am wenigsten. Er fiel rückwärts über den Rand des Daches und konnte sich ganz knapp mit seinem Speer an Senseis Katana festhaken.

MEISTER SPLINTER

Es war ein Patt. Ich versuchte, ihn mit dem Katana nach oben zu ziehen, um ihn wieder auf das Dach zu bringen. Doch wenn ich zog, rutschte sein Speer nur weiter das Schwert hinunter. Ich konnte nicht garantieren, dass er nicht abrutschen würde, ehe ich ihn auf das Dach gezogen hatte. (zögernd) Vielleicht war er sich dessen bewusst. Wie dem auch gewesen sein mag, er entschied sich, einen letzten Zug zu machen. Er war stark genug, den Speer mit einer Hand zu halten. Er griff an seine Seite, zog ein Messer und warf es. (zögernd) Ich konnte nicht rasch genug eine Möglichkeit finden, dem Messer auszuweichen, ohne das Katana loszulassen. Also ließ ich es los.

LEONARDO

Wir sahen nur, wie Sensei drüben am Rand des Dachs mit dem Katana zu kämpfen hatte, aber dann ließ er das Katana plötzlich fallen, bewegte sich zur Seite und fing dieses Messer, das der Shredder geworfen hatte. Als er das tat, fiel der Shredder in die Gasse darunter.

DONATELLO

Wir sahen, wie Splinter das Katana fallen ließ und wir alle liefen sofort nach vorn. Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber ich war mir sicher, dass er auf den Füßen landen und wegrennen würde.

MICHELANGELO

Ich war zuerst dort, also sah ich ihn aufschlagen. (zögert und schaudert) Ich hatte das nicht erwartet.

RAPHAEL

In der Gasse stand ein Müllcontainer, und er hatte diese Schutzbleche an den Seiten, an denen der Müllwagen ihn anheben konnte, weißt du. Na ja, Shredders Kopf schlug genau auf die Kante von einem davon. Er war vermutlich tot, ehe er auf dem Boden aufkam.

DONATELLO

Als wir sahen, was geschehen war, schwangen wir uns sofort auf die Feuertreppe und rannten nach unten.

MEISTER SPLINTER

Als wir Saki erreichten, wurde offensichtlich, dass man nichts mehr für ihn tun konnte. Er war schon tot.

MICHELANGELO

Ich hatte vorher nie jemanden sterben sehen. Wir sind auf Leute getroffen, die schon tot waren, und wir hatten Leute gesehen, die ziemlich übel zugerichtet waren. Verdammt, manchmal hatten wir sie so zugerichtet. Aber der Shredder war der erste, der starb, während ich zusah. (kopfschüttelnd) Ich mochte das nicht. Gar nicht. Ich hatte echt Probleme zu schlafen, die Woche darauf oder so.

RAPHAEL

Ich schaute immer wieder rüber zu Shredders Leiche. Sein Kopf war aufgeplatzt, da war Blut und so in der ganzen Gasse verteilt. (zögernd) Ich fand das sehr aufregend, um ehrlich zu sein. Meine Blutgier kam da wohl zum Vorschein. Hatte sie aber im Griff.

DONATELLO

Wir standen einfach alle da und starrten, als Sensei sich hinkniete, um zu schauen, ob er noch irgendetwas tun konnte. Konnte er natürlich nicht. (zögernd) Ich weiß nicht. Das war nicht das Ende, auf das ich vorbereitet war. Rückblickend bin ich mir nicht mehr sicher, was ich glaubte, was in dieser Nacht geschehen würde. Vielleicht würden Splinter und wir einfach ihn einfach nur übel zusammenschlagen, und er käme zur Vernunft. Oder wir ließen ihn verhaften. Ich hatte nicht erwartet, dass er sterben würde. Ich glaube nicht, dass irgendwer von uns das hat.

LEONARDO

Irgendwann sah ich auf, und um uns herum standen ein paar Foot. Einige waren vom Gebäude hergehumpelt, einige kamen woanders her. Ich hob das Katana auf und ging in Position, aber ich sah aus dem Augenwinkel, wie Splinter abwinkte. Er wollte keinen Kampf mehr.

MICHELANGELO

Sensei nahm den Blick dann von Shredder und sah auf, Tränen liefen sein Gesicht hinab. Doch als er sprach, klang er immer noch ruhig, wie er immer klingt. Er drehte sich zu den Foot um und sagte: „Die Foot gibt es nicht mehr. Sie sind Geschichte."

RAPHAEL

Ich dachte mir, komm schon, so leicht geben die Kerle nicht auf. Aber sie sahen Splinter an, sahen Shredder an - was von ihm übrig war - und gingen einfach weg.

DONATELLO

Ein paar Typen sagten was - als wollten sie noch kämpfen -, aber die anderen führten sie einfach weg.

MEISTER SPLINTER

Ich glaube, ich stand unter Schock. (zögernd) Ich hatte nie die Absicht, Oruku Saki zu töten. Doch ich glaube nicht mehr, dass ich ihn getötet habe. Seine eigenen Taten, seine eigenen Entscheidungen, haben direkt zu seinem Tod geführt. (zögernd) Jedoch brauchte ich viel Zeit und viel Meditation, um mir das, was geschehen war, zu verzeihen.

RAPHAEL

Nachdem die Foot verschwunden waren, standen wir da. Sensei sagte nur: „Der Kampf ist vorbei, meine Söhne. Der Krieg ist vorbei. Lasst uns Heim gehen." Wir gingen zurück zu Caseys Truck. Keiner von uns sagte etwas.

MICHELANGELO

Ich habe auf den Siegesschrei verzichtet. Es... schien unangemessen. Ich hab's seitdem ganz sein lassen, genaugenommen.

CASEY

Ich wusste, dass sie diesmal meine Hilfe brauchen würden. Ich saß im Truck, kaute auf etwas herum, während ich darauf wartete, dass die Foot vorbeigerannt kommen. Irgendwann kamen dann auch ein paar Foot vorbei, aber die gingen. Langsam. Sie hatten alle die Masken abgenommen, manche hatten die Uniformen ausgezogen. Ich dachte nur, was zur Hölle? Ich fühlte mich nicht wohl dabei, sie anzugreifen - es sah so aus, als verließen sie die Foot, etwas, das meine volle Zustimmung findet, also ließ ich sie gehen. Ich wartete noch etwas länger und ungefähr als ich glaubte, mal nachsehen zu müssen, was da vorgeht, tauchen die Turtles und Splinter auf. Ihrem Blick nach zu urteilen hätte man meinen können, sie hätten verloren, aber keiner von ihen sah verletzt oder so aus. Ich sagte: „Was ist los?", und Splinter sagte: „Nichts. Es ist vorbei. Der Footclan ist nicht mehr." (schulterzuckend) Ich ging davon aus, dass mehr dahinter steckte, aber es sah nicht so aus, als wäre er in der Stimmung gewesen, zu reden. Also ließ ich sie einfach nur einsteigen und fuhr sie nachhause.

DONATELLO

Wir waren gerade einen Block weit gefahren, als ich mich zu Sensei umdrehte und sagte: „Also, was passiert jetzt?" Und er sagte: „Nichts, mein Sohn. Nur der Rest unserer Leben." Ich sah die Stadt an mir vorüberziehen und dachte auf dem restlichen Heimweg darüber nach.