Dieses chap widme ich zum einen tct, der sich doch so gewünscht hat, dass ich die Grabsteine etwas näher beschreibe,

zum anderen widme ich es aber auch meinem lieben beta kiwi, ohne dich würden die Fünf immer noch im Kaminzimmer sitzen…. Und natürlich meinem feechen - kuss an euch beide!

Kapitel 16:

Harry wachte am nächsten Morgen sehr früh auf. Er hatte die Nacht über fast kein Auge zutun können. Immer wieder von neuem waren ihm die vielen neuen Informationen durch den Kopf gegangen, die er am vorangegangenen Abend erfahren hatte, und die ihm keine Ruhe gönnen wollten.

Er war also ein Nachfahre Gryffindors. Gut, damit konnte oder besser musste er leben. Doch dass sein Vater heimlich an einem Zauber gearbeitet haben sollte, um Voldemort damit zu erledigen, daran hatte er noch zu knabbern. Warum hatte er dafür eine Geheimschrift der Muggel benutzt? Nein, sein Vater hatte nichts gegen Muggel! Nur warum hatte er keinem seiner Freunde, denen er blind vertraute, davon erzählt.

Er wusste, würde er das nur rausbekommen, wäre er der Lösung dieses Problems schon ein ganzes Stück näher gekommen.

Als wären das nicht schon genügend Probleme, mit denen er sich rumschlagen musste, kämpften in ihm auch noch seine Gefühle ein ungleiches Duell, bei dem er sich selber nur als Zuschauer vorkam. Es war, als würde auf seiner einen Schuler ein Engelchen und auf der anderen ein Teufelchen sitzen.

Die Teufelchen-Seite argumentierte: Du musst die Beiden einweihen! Ginny ist Deine Freundin und Nellie ist wie eine Schwester für Dich. Sie wollen Dir doch nur helfen und Du kannst jede Hilfe gebrauchen, die Du bekommen kannst. Außerdem wäre Ginny dann in Deiner Nähe.

Dann gab es aber auch noch die andere, die Engelchen-Seite, die ihn sehr an Hermines vernünftige Stimme erinnerte. Diese war der Ansicht: Harry tue es nicht! Ja, Ginny und Nellie liegen Dir sehr am Herzen, aber gerade weil das so ist, musst Du die Beiden weg schicken. Denn eines ist sicher, wenn ihnen was passiert, dann wird das auch Dein Ende bedeuten. Also gerade, weil Du die Beiden so gerne hast, schicke sie wieder zurück!

Harry dachte darüber lange nach und versuchte immer wieder einen Weg zu finden, doch der ersten Stimme nachzugeben. Die Vernunft siegte schließlich aber doch. Das Argument, die Beiden aus der Schusslinie zu bringen, blieb einfach überzeugender.

Er war sich im klaren darüber, dass seine nun endgültig gefasste Meinung nicht gerade auf Gegenliebe stoßen würde, aber da musste er nun durch. Später irgendwann würden sie das sicher verstehen … hoffentlich.

Harry schüttelte verwirrt den Kopf. Die ganze Nacht zerbrach er sich jetzt schon den Kopf. Die Narbe auf seiner Stirn pochte wieder einmal unangenehm und er beschloss, wenn er schon nicht mehr schlafen konnte, ein wenig nach draußen zu gehen.

Die Sonne schickte ihre ersten zaghaften Strahlen durch die dicht belaubten Kronen der Obstbäume, als Harry bei den beiden Grabsteinen seiner Eltern ankam. Es war angenehm frisch im Garten und Harrys Kopfschmerzen ließen fast augenblicklich nach.

Er setzte sich auf den Rasen vor den Gräbern und betrachtete die Inschriften darauf sehr genau. Auf Lily Potters Grabmahl standen neben ihren Lebensdaten in geschwungenen Linien die Worte: Gott muss seinen Lieblingsengel sehr vermisst haben, dass er Dich so früh wieder von uns nahm. Daneben war ein kniender Engel eingraviert, der eine Lilie in der Hand hielt.

Neben James Potters Lebensdaten stand: Ein wahrer Freund setzt dem Leben die Krone auf. Unter diesen Worten war ein stolzer Hirsch abgebildet, der seinen Kopf der Sonne entgegenstreckte.

Harry musste bei den Worten auf dem Grab seines Vaters lächeln. Sicher hatte Sirius diese Worte ausgewählt. Mit einem schmerzhaften Schlucken kämpfte er den Kloß hinunter, der sich bei dem Gedanken in seinem Hals eingefunden hatte.

Harry stellte sich seine Eltern vor, wie sie gemeinsam mit ihm durch den Garten liefen. Er war ihnen hier so nah, wie schon so lange nicht mehr. Hier hatte er das Gefühl, sie bei sich zu spüren.

Er legte seine leicht zitternden Hände auf die kühlen Steine.

„Ich würde euch so gerne wiedersehen," murmelte er und kämpfte gegen die Tränen. „Doch noch ist es nicht soweit. Ich werde euch nicht enttäuschen."

Mit den Fingern seiner rechten Hand fuhr er die feinen Linien der Geheimschrift auf James Potters Grabstein entlang. Dann stand er auf und lief in Gedanken versunken weiter durch den Garten.

Hinter dem Haus, zwischen verwilderten Rosenbeeten sah er eine Gestalt, die sich langsam bewegte.

Harry zog sofort seinen Zauberstab aus der Tasche und schlich sich näher heran. Die Gestalt wurde von einem hohen Rosenbusch verdeckt, der in voller Blüte stand und einen betörenden Duft verbreitete. Harry kam hinter dem Busch zu stehen und spähte zwischen den Zweigen hindurch. Sofort entspannte er sich und steckte den Zauberstab wieder weg.

„Guten Morgen," rief er statt dessen und trat hinter dem Rosenbusch hervor.

Nellie schreckte so sehr zusammen, dass sie eine halbe Pirouette in der Luft vollführte, dabei über ihre eigenen Füße stolperte und auf dem Boden landete.

„Verflixt, Harry," sagte sie, als sie sich wieder aufrappelte. „Guten Morgen."

Einen Moment lang hatte sie lächeln wollen, doch dann wurde ihr Blick wieder düster.

„Was machst du hier?", fragte Harry neugierig und trat näher heran.

„Nichts besonderes, nur ein wenig Morgensport," antwortete Nellie kurz angebunden und begann wieder mit ihren Übungen, als wäre Harry nicht anwesend.

Sie stand mit leicht angewinkelten Knien da, hob die Arme langsam in runden Bewegungen über den Kopf, drehte den Körper sehr langsam nach rechts und schob die Hände dabei in einer abwehrenden Geste nach vorne. So ging es noch eine Weile weiter und Harry sah ihr aufmerksam dabei zu,

„Was für eine Art Sport soll das sein?", versuchte er es noch mal.

„Nennt sich Tai Chi, wenn du es ganz genau wissen willst," antwortete Nellie schnippisch.

„Ach komm schon, Nellie, du bist doch nicht immer noch sauer auf mich, oder?" Harry versuchte, Nellie anzusehen, doch sie drehte sich immer wieder mit diesen langsamen fließenden Bewegungen von ihm weg. „Können wir denn nicht befreundet sein, ohne dass du über alles genauestens bescheid weißt?"

Nellie hielt in ihren Bewegungen inne, sah Harry an und holte tief Luft.

„Weißt du, nach allem, was du mir erzählt hast, glaube ich, dass du Freunde brauchst, die dir beistehen, dringender brauchst, als du zugeben möchtest," sagte sie. „Auch wenn du mir und Ginny nichts von deinen Geheimnissen erzählen willst, werden wir doch trotzdem an deiner Seite sein, wenn es nötig würde. Wir würden uns in die gleiche Gefahr begeben, in die du auch Hermine und Ron führst. Und, ob du das willst oder nicht, es wird keinen großen Unterschied machen, ob du uns einweihst oder nicht. Wir werden auch so kein Hutzibutzi-Leben führen können, was du scheinbar so gerne hättest. Einfach, weil wir Dich gern haben."

Nach diesen Worten lief sie an Harry vorbei und den Weg entlang, der wieder zur Vordertür führte. Harry ging ihr hinterher.

„Wenn es keinen Unterschied macht, warum regst du dich dann so auf?"

„Weil du so verdammt stur bist! Oder vielleicht auch zu großmütig, oder nennen wir es von mir aus auch heldenhaft," schnappte Nellie, die stehen geblieben war und Harry wieder anfunkelte. „Du willst Menschen beschützen, die du nicht schützen kannst! Das solltest du vielleicht mal einsehen!"

Damit hatte sie sich schon wieder umgedreht und lief schnellen Schrittes zur Haustür, stieß sie auf, prallte aber in vollem Lauf gegen die Schutzmauer. Mit wütendem Blick drehte sie sich zu Harry um, der hinter ihr die Stufen herauf gekommen war.

„Brauchst du etwa meine Hilfe?", fragte er frech grinsend. Doch bevor Nellie etwas sagen konnte, hatte er sie schon an der Hand genommen und durch die Tür gezogen.

„Harry, willst du es dir nicht wirklich noch mal überlegen?"

„Nein," war alles, was Harry dazu noch zu sagen hatte. Dann wurde sein Blick wieder etwas weicher. „Aber wenn ich eure Hilfe brauche, werde ich mich bei euch melden."

„Versuch gar nicht erst mich mit solchen Sprüchen hinzuhalten," giftete Nellie und lief die Treppe zum Gästezimmer hinauf.

Harry konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und dachte: ‚Also, wenn Nellie wütend ist, sieht sie richtig niedlich aus.'

Im Zimmer ließ Nellie sich auf ihr Bett sinken, zog die Knie an und schlang die Arme um die Beine. Sie erkannte sich selbst kaum wieder. Nie war sie vorher so bissig und miesepetrig gewesen, wie in diesen letzten Tagen. Nellie war sich sicher, dass ihre Eltern entsetzt wären, wenn sie ihre fröhliche aufgeweckte Tochter hier so sehen könnten. Aus diesem Grunde war sie auch schon so früh in den Garten hinunter gegangen. Sie hatte sich bei Tai Chi immer gut entspannen können, doch irgendwie hatte das diesmal nicht klappen wollen.

Ginny im anderen Bett drehte sich murmelnd um und blinzelte in die Morgensonne, die durch das Fenster fiel.

„Hey, bist du schon wach?", nuschelte sie.

„Schon lange," antwortete Nellie und versuchte ein Lächeln. „Was hältst du davon, wenn wir direkt nach dem Frühstück aufbrechen?"

Ginny richtete sich auf und rieb sich verschlafen über die Augen.

„So bald schon? Ich dachte, wir versuchen noch mal, diesen Sturbock weich zu klopfen."

„Hab ich grad schon versucht."

„Er ist schon wach?" Ginny war schon halb aus dem Bett gesprungen. „Ich werde mit ihm reden. Sofort. Er muss einfach auf mich hören!"

„Gib dir keine Mühe," meinte Nellie amüsiert. „Gerade dich wird er nicht einweihen wollen, dafür liebt er dich zu sehr."

Ginny schnaubte. Ließ sich dann wieder aufs Bett fallen und angelte mit einem Fuß nach ihren Pantoffeln. Nellie konnte ein kleines verlegenes Grinsen auf dem Gesicht ihrer Freundin erkennen.

„Männer!"

Zwei Stunden später standen alle Bewohner von Godric's Hollow mit betretenen Gesichtern im Flur.

Ginny und Nellie hatten ihre Koffer und Taschen neben der Haustür aufgebaut, Polly saß auf Nellies Schulter und Ginny hatte feuchte Augen, als Harry sie in den Arm nahm.

„Wir werden uns ja wieder sehen," tröstete er sie.

„Ach, hör auf, das kann man bei dir doch nie wissen," fuhr Ginny ihn an und löste sich von ihm.

Hermine und Ron standen etwas abseits und beobachteten die Szene.

Nellie winkte ihnen träge zu, nickte kurz in Harrys Richtung und zog dann ihren Koffer nach draußen. Auf halbem Weg ließ sie den Koffer noch mal los und drehte sich wieder um.

„Den wirst du wohl eher nicht reparieren müssen, Harry," sagte sie und nahm den Türklopfer in die Hand, der beim betätigen wieder keinen Laut von sich gab. „Gäste scheinst du ja nicht gerade gerne zu haben."

Harry sah ehrlich bedrückt aus und ließ den Kopf hängen.

In Hermine dagegen schien wieder Leben zurückgekehrt zu sein. Sie hatte den Türklopfer beobachtet, dann gestutzt und trat jetzt näher an die Haustür heran, neben der immer noch Nellie stand, die jetzt Ginny mit ihrem Koffer half.

Hermine streckte eine Hand aus, um den Löwenkopf zu berühren, schrie dann plötzlich panisch auf und zog ihre Hand abrupt zurück. Sie war blutüberströmt und zeigte deutlich die tiefen Abdrücke einer ganzen Reihe spitzer kleiner Löwenzähne.

Ron und Harry kamen sofort angerannt, Nellie und Ginny blickten Hermine starr vor Schreck an und Polly war erschrocken in den Garten geflohen.

„Der…der…hat mich gebissen!", stammelte Hermine und nickte mit dem Kopf zu dem Türklopfer hin, der starr, unbeweglich und unschuldig an der Tür hing. Ron hatte ihr ein Taschentuch um die Hand gebunden.

„Oh, wie war noch mal dieser Spruch, den Mum immer benutzt hat, wenn wir uns geschnitten haben?", murmelte er vor sich hin.

„Ich kann das schon selber wieder heilen," meinte Hermine, der Tränen über das Gesicht liefen. Sie zog mit ihrer unverletzten Hand zitternd ihren Zauberstab und hielt ihn an die Wunden. Man sah nur, wie sie ihre Lippen bewegte, dann verheilten die Bissspuren von ganz alleine. Ron war beeindruckt, wie gut sie in der lautlosen Magie war.

Alle starrten jetzt den Türklopfer an.

Nellie, die sich von dem Schreck wieder erholt hatte, streckte die Hand aus und nahm den schweren Ring, den der Löwe im Maul trug. Nichts geschah.

Harry streckte daraufhin langsam eine Hand aus. Hermine schnappte hörbar nach Luft. Als Harrys Finger nur Zentimeter von dem Löwen entfernt waren, begann der zu knurren und die Zähne zu fletschen.

„Was bedeutet das denn?", fragte Ron, der immer noch Hermines Hand hielt.

Ginny starrte den Löwenkopf an. Nellie schüttelte den Kopf. Für sie war es nicht mehr so ungewöhnlich, dass sich plötzlich scheinbar feste Gegenstände bewegten, aber das war doch irgendwie seltsam.

„Er scheint nur Zauberer anzugreifen," meinte Ginny, die sich aus ihrer Starre löste und Harrys Versuch wiederholte. Auch bei ihr fletschte der Löwe aus Messing die Zähne. „Gegen Nellie hat er nichts. Sie hat ihn schon mehrmals berührt."

„Das ist echt verrückt," sagte Harry kopfschüttelnd. „Aber, sag mal, Hermine, was hattest du da eben eigentlich vor?" Harry sah Hermine fragend an.

„Es kam mir komisch vor, dass er gar kein Geräusch von sich gibt," antwortete sie ihm. „Ich wollte mir das mal genauer ansehen."

„Das Biest ist doch echt gemeingefährlich," regte Ron sich jetzt auf.

Hermine und Harry tauschten einen vielsagenden Blick.

Eine Stunden nachdem Ginny und Nellie unter höchstem Protest das Haus verlassen hatten (Polly hatte sich schließlich auch überreden lassen, ihren Zufluchtsort auf dem hohen Birnbaum neben Pig aufzugeben), standen Harry, Ron und Hermine wieder vor dem Türklopfer an der Haustür. Alle Drei blickten den Löwenkopf an, als könnten sie ihn so dazu bringen, sein Geheimnis freiwillig preiszugeben.

„Du glaubst, das könnte einer sein?", fragte Ron und starrte den Löwen an, als wollte er ihn hypnotisieren.

„Gut möglich," antwortete ihm Hermine, den Blick immer noch auf die Tür fixiert. „Der Löwe ist das Symbol Gryffindors, das wissen alle. Außerdem ist dieser Türklopfer scheinbar mit irgendwelchen Schutzzaubern belegt, und allein das, macht ihn in meinen Augen schon verdächtig."

„Ja, in meinen allerdings auch," murmelte Harry und man konnte ihm ansehen, dass er fieberhaft nachdachte.

„Wenn es allerdings keiner wäre, warum sollte ihn dann jemand mit einem Schutzzauber belegen?", fragte sich Ron.

„Eben," war Hermines Antwort. „ Warum sollte das jemand tun? Derjenige will wohl verhindern, dass ihm jemand zu nah kommt. Deshalb gibt er wahrscheinlich auch keinen Laut von sich, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen."

Harry hatte während Hermine sprach seinen Zauberstab aus der Tasche gezogen und richtete ihn nun auf den Messingklopfer.

Diffindo," rief er. Funken traten aus der Spitze des Zauberstabes und flogen auf dem Löwenkopf zu. Der öffnete sein Maul weit, brüllte, dass sich alle Nackenhaare sträubten und verschluckte den Zauber einfach. Sonst tat sich nichts.

„Gut, damit wissen wir auch, dass es nicht grad einfach wird, das Teil von der Tür weg zu bekommen," meinte Ron und zog die Augenbrauen hoch.

Reducto," probierte es Harry weiter. Doch auch dieses Mal brüllte der Löwe nur und schluckte den Zauber, als wäre er Luft. „Verdammt!"

„Vielleicht können wir ihn mit irgendwas von der Tür runterhauen," überlegte Ron und sah sich um.

Er lief zum Kamin, nahm den schweren Feuerhaken und trat damit wieder vor den bissigen Türklopfer, der sich erneut ruhig verhielt.

„Geht lieber mal ein Stück zurück," warnte Ron seine Freunde.

Harry und Hermine traten einen Schritt nach hinten und sahen Ron skeptisch zu.

Der holte mit dem Feuerhaken weit aus und schlug damit so fest er konnte seitlich auf den Türklopfer ein. Er erzielte damit keinen nennenswerten Erfolg, bis auf einen tiefen Kratzer im Türholz.

„War ´nen Versuch wert," verteidigte er sich.

„Vielleicht können wir die Tür aushängen und das ganze Teil einfach ins Feuer werfen?", überlegte Harry und richtete seinen Zauberstab jetzt auf die Scharniere der Tür. Doch mit keinem einzigen Zauberspruch schaffte er es, die Tür aus ihrer Verankerung zu heben.

Auch als er und Ron sich nach Leibeskräften bemühten, die Tür selber auszuhebeln, blieben sie erfolglos.

„Also, wenn das echt ein Horkrux sein soll, dann hat sich jemand aber einen verflixt fiesen Trick ausgedacht," brummte Ron keuchend.

„Nellie war von uns die einzige, die den Klopfer anfassen konnte," grübelte Hermine und sah Harry dann von der Seite an. „Wenn sie vielleicht…."

„Lass gut sein, Hermine," unterbrach Harry sie, der ahnte, was sie vorschlagen wollte. „Es muss einen anderen Weg geben. Es gibt immer einen Weg, an einen Horkrux heranzukommen und ich denke nicht, dass es Voldemorts Plan war, dass seine Seelensplitter von einem Muggel zerstört werden können."

„Woher willst du das wissen, Harry? Er kann alles Mögliche geplant haben, wir haben nicht die geringste Ahnung, was er sich alles ausdenken könnte." Hermine sah verzweifelt aus.

„Wir werden noch ein paar andere Sachen ausprobieren, bevor wir irgendjemanden um Hilfe bitten," schloss Harry die Diskussion ab.

Hermine nickte.

Nellie, Ginny und Polly reisten mit einem Portschlüssel zurück zum Hauptquartier. Dort war man mehr als nur ein wenig überrascht, die Drei so schnell schon wieder vor der Tür zu finden. Mrs. Weasley, die gerade dabei war, das Mittagessen zu kochen, öffnete ihnen und befürchtete sofort das schlimmste.

Nachdem sie die beiden Mädchen schnell, aber so leise wie möglich, in die Küche geschoben hatte, konnte sie nicht mehr an sich halten.

„Ist etwas passiert? Warum seid ihr zurück? Es ist doch nichts passiert?"

„Nein, Mum, reg dich ab, alles in Ordnung," murrte Ginny und setzte sich an den Küchentisch neben Remus Lupin.

„Harry wollte uns nicht bei sich haben," erklärte Nellie, als sich mindestens zwei Münder zu weiteren Fragen öffneten.

„Was meinst du damit?", fragte Lupin.

„Ach, was weiß ich." Nellie hob Polly von ihrer Schulter, setzte sich ebenfalls an den langen Holztisch und zog sich eine Schüssel mit Gemüse heran. „Aber keine Sorge, es geht denen bestens."

Lupin und Mrs. Weasley tauschten verwirrte Blicke.

„Wieso wollten sie euch nicht bei sich haben?", fragte Lupin und nahm sich jetzt auch etwas zu essen.

„Das sollten Sie die Drei wohl besser selber mal fragen," meinte Ginny wütend und stocherte in ihrem Kartoffelpüree.

„Aber sie sind noch in diesem Haus, oder nicht?" Mrs. Weasley setzte sich auch dazu, nachdem sie eine große Platte Schnitzel auf den Tisch gestellt hatte.

„Ja, das sind sie," antwortete Nellie kurz angebunden.

Es war mehr als offensichtlich, dass die beiden Mädchen keine Lust hatten, über ihre Erlebnisse in Godric's Hollow zu sprechen. Sie hatten die Blicke stur auf ihre Teller gerichtet und stopften sich lustlos Essen in die Münder.

Mr. Weasley, der die Unterhaltung bisher stumm verfolgt hatte, räusperte sich nun und richtete das Wort an die schlecht gelaunten Teenager.

„Habt ihr unsere Nachrichten ausgerichtet?"

„Ja, haben wir, Dad," brummte Ginny ohne aufzublicken. Dann stutzte sie und sah ihren Vater doch an. „Was will Harry eigentlich auf dieser Verhandlung von Dung?"

Arthur Weasley sah seine Tochter mit leicht gerunzelter Stirn an.

„Hm, ich dachte eigentlich, dass ihr mir das vielleicht erklären könntet," meinte er und sah auch Nellie an. „Ich weiß nur, dass Hermine mich angesprochen hat, ob sie mit ihm kurz sprechen könnten. Mehr wollte sie nicht sagen."

Molly Weasley sah ihren Mann ernst an.

„Was können die Kinder nur von diesem Mann wollen? Und, wie kannst du das nur unterstützen?"

„Ich unterstütze gar nichts, ich habe ihnen nur einen Termin weitergegeben. Und, Molly, sie sind wahrlich keine Kinder mehr," besänftigte er seine Frau. „Sie sind volljährig."

„Was man auch von mir behaupten kann, aber mir sagt hier keiner was!", empörte sich Nellie, ließ ihr Besteck auf den Teller fallen, dass die Erbsen sich fröhlich verabschiedeten und sah sich wütend um. Polly nutzte die Gunst der Stunde sofort und sprang den Erbsen flink hinterher. Wenn ihr Frauchen sie nicht mehr haben wollte, schien wohl Selbstbedienung für hungrige Frettchen zu herrschen.

Aber keiner achtete auf Polly.

Alle Augen waren entsetzt auf Nellie gerichtet.

„Ist doch wahr," meinte sie mit funkelndem Blick. „Immer diese Halbwahrheiten!"

„Liebes, beruhige dich!" Mrs. Weasley hatte Nellie eine Hand auf den Arm gelegt. Die brummte nur weiter vor sich hin.

„Und weiß Harry, dass wir ihn beschatten?", fragte Mr. Weasley nach einer Weile.

„Sicher," antwortete Ginny. „Und er war gar nicht erfreut."

„Denk ich mir," sagte Lupin. „Aber er hätte sich auch denken können, dass wir ihn leicht finden würden. Trotzdem tut er mir leid."

„Leid? Lupin! Harry ist fast noch ein Kind und weiß gar nicht, auf was er sich da einlässt," empörte sich Mrs. Weasley.

„Ach, Molly," stöhnte Lupin. „Deine Muttergefühle in allen Ehren, aber Harry ist schon lange nicht mehr so unschuldig, wie wir vielleicht annehmen. Er weiß ziemlich genau, was er will."