Dieses chap widme ich dem lieben yäne, auch wenn er das vielleicht gar nicht mehr erfahren sollte. Aber falls doch und er das mal ließt, wird er sicher verstehen warum! Dein vokabelkurs hat was bewirkt – mein grundwortschatz hat sich enorm erweitert! HOPP SCHWIIZ!
Kapitel 17
Nellie und Ginny saßen in der Bibliothek und warfen sich immer wieder genervte Blicke zu. Seit zwei Stunden saßen sie jetzt hier über ihren Büchern und waren kurz vor dem Platzen.
„ARGH, wenn ich nicht bald ne Pause machen kann, krieg ich Plack," brummte Nellie, schob die schweren Bücher weit von sich weg und begann mit ihrem Stuhl zu gageln. „Das ist nun wirklich überhaupt nicht lässig!"
Nellie, die sich gerade mit ihrer Feder am Nacken kratzte, verdrehte die Augen.
„Mum passt auf wie ein Schießhund," murrte Ginny. „Die merkt sofort, wenn wir aufhören."
„Shakespeare! Wer liest denn heutzutage noch so eine Grütze?" Nellie warf ihren Stift quer über den Tisch und gagelte noch ein bisschen verwegener.
„Oh, hör mir auf! Du solltest dir das hier mal reinziehen," meinte Ginny und hob eines der Bücher hoch, das vor ihr lag. „Herlinde Hogenbaum: Vom Anfang und Ende antiker Zauberei. Das ist schlimmer als ne Schlaftablette."
Die Mädchen waren sich einig, dass ihre Aufgaben tot langweilig waren. Um diese Meinung zu bestätigen gähnte Nellie herzhaft und kippte dabei vollends mit ihrem Stuhl nach hinten um. Mit einem dumpfen Knall lag sie rückwärts auf dem Boden.
Polly kam sofort angewuselt und leckte ihr das Gesicht ab.
„Danke, danke," maulte sie und schob das Frettchen zur Seite, während sie aufstand. „Jetzt bin ich wenigstens wieder wach."
Dass die beiden Teenager so genervt und gelangweilt waren, hatte einen einfachen Grund.
Nellie hatte am Morgen in ihrem Zimmer einen großen Stapel Schulbücher und einen sehr umfangreichen Brief von Emil Warthrow gefunden. Der erste Moment Herzklopfen hatte sich allerdings schnell in ein ärgerliches Fluchen verwandelt, als sie den Brief gelesen hatte. Es hatten nicht etwa freundliche Worte oder, und sie hätte niemals zugegeben sich über so etwas zu freuen, nette Grüße darin gestanden, sondern eine ganze Liste von Arbeitsaufträgen, die sie vor Beginn des Schuljahres noch erledigen sollte.
Der Tag hatte für Nellie also nicht besonders fröhlich begonnen.
Als sie beim Frühstück erschien musste sie zu ihrem Leidwesen auch noch feststellen, dass alle Hausbewohner über ihre Hausaufgaben bescheid zu wissen schienen, denn Mrs. Weasley verkündete streng, dass die Mädchen die restlichen Ferien von allen Haushaltspflichten befreit seien.
Ginny war sofort freudig aufgesprungen, fiel aber schnell wieder wie ein Stein auf ihren Stuhl zurück, als ihre Mutter erklärte, dass sie Nellie bei ihren Aufgaben Gesellschaft leisten sollte. Schließlich würden für sie bald die ZAG-Prüfungen anstehen, die im September nachgeholt werden sollten.
Ginny hatte gebrummt, hatte sich mit ihrem Protest aber zurückgehalten, weil sie selber wusste, wie wichtig diese Prüfungen waren.
So kam es also, dass die beiden Leidensgenossinnen sich in der Bibliothek wieder fanden, jede in ihre Bücher vertieft, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Während Nellie sich durch eine Interpretationshilfe englischer Literatur quälte, büffelte Ginny über Zutaten für Zaubertränke.
Nellie hatte immer wieder Gelegenheiten gefunden, die träge Arbeit ein wenig aufzulockern, indem sie Ginny einen Streichholz-Trick vorführte, den ihr Vater ihr mal gezeigt hatte. Oder sie knabberte zum Spaß die Augenfarben-Kekse von den Zwillingen und amüsierte ihre Freundin mit Sonnenblumen-Augen.
Polly gab ebenfalls ihr bestes, die Mädchen zu unterhalten. Nicht nur, dass sie inzwischen auf fast allen Blättern ihre Pfotenabdrücke in Tinte hinterlassen hatte, so hatte sie auch für eine wilde Verfolgungsjagd gesorgt, als sie Ginny ihre Feder gemopst hatte.
Kurz nachdem Nellie angedroht hatte, sich aus dem Fenster zu hangeln und zu flüchten, kam Mrs. Weasley mit zwei Briefumschlägen in der Hand herein.
„Und, seid ihr auch fleißig?", fragte sie streng und reichte einen Umschlag ihrer Tochter und Nellie den zweiten.
„Gibt es hier irgendwelche Indizien, die gegen uns sprechen?", antwortete Ginny und öffnete ihren Brief, der genau, wie der für Nellie, das Wappen Hogwarts trug. „Ach, das Übliche. Die Bücherliste und meine Prüfungstermine."
Obwohl ihre Stimme entspannt klingen sollte, sah man Ginny doch an, dass sie diese Neuigkeiten nervös machten.
„Ich wünschte, ich hätte das schon hinter mir."
„Wenn du dich ausreichend vorbereitest, wirst du es wunderbar schaffen, mein Schatz," trällerte Mrs. Weasley in bester Stimmung.
Nellies Brief enthielt nur ein kurzes Schreiben der stellvertretenden Schulleiterin, Minerva McGonagall. Sie teilte ihr den Beginn des Schuljahres mit (der 1. September), den Namen ihres Privatlehrers (‚ist nicht grad was neues') und dass sie auf Hogwarts eine eigene kleine Wohnung beziehen würde (‚Quul').
„Was, du wohnst nicht bei uns?", fragte Ginny sofort, als Nellie das erwähnte.
„Scheinbar nicht."
„Das ist sicher so am leichtesten," meinte Mrs. Weasley. „Schließlich darf von den Schülern niemand wissen, dass du keine Hexe bist."
Das war einleuchtend. Aber Nellie war trotzdem etwas enttäuscht, nicht bei ihren Freunden wohnen zu dürfen. Ginny hatte ihr schon so viel von dem Gemeinschaftsraum der Gryffindors erzählt, dass Nellie schon ganz fuchsig darauf war.
Aber, hmm, eine eigene Wohnung? Das hätte auch wieder seine Vorteile. Nellie war hin und her gerissen. Außerdem war es vielleicht besser so, wenn Harry sich weiterhin so von ihr absonderte.
„Wann gehen wir in die Winkelgasse, Mum?", hörte Nellie Ginny ihre Mutter fragen und wurde damit aus ihren Gedanken gerissen.
„Ich denke, morgen wäre ein guter Zeitpunkt," meinte Mrs. Weasley mit ernstem Gesicht. „Unter der Woche ist dort nicht so viel Betrieb. Außerdem können euch Beide Tonks und Remus begleiten."
„Wir dürfen alleine mit den beiden gehen?" Ginny war fassungslos.
„Na ja, mein Schatz, wenn Harry nicht dabei ist, mache ich mir nicht allzu viele Sorgen," antwortete ihre Mutter.
„Oh, na wunderbar, Mum, wir sind also nicht ganz so wertvoll wie Harry," motzte Ginny und wurde ganz rot im Gesicht. „Wenn uns was passieren sollte, wäre das wohl nur halb so tragisch."
„Ginny Weasley," jetzt war ihre Mutter wütend. „Sag so etwas nie wieder!"
Damit war sie aus der Bibliothek gestürmt ohne sich noch mal umzudrehen. Nellie hatte aber deutlich ein Glitzern in ihren Augen erkennen können.
Ginny blickte betreten zu Boden.
„Das war nicht sehr nett," meinte Nellie.
„Ja, ich weiß," knirschte Ginny. „Ich sollte mich wohl besser entschuldigen." Damit war sie ihrer Mutter auch schon am hinterherlaufen.
Nellie, die nicht die geringste Motivation verspürte, sich alleine Shakespeare zu widmen, blickte sich in der weiträumigen Bibliothek um. Alle verfügbaren Wände waren mit Regalen voller Bücher bestückt. An einer Seite war ein großzügiger Kamin in die Wand eingelassen, darum herum gruppierten sich einige gemütliche Sitzmöbel und auf der anderen Seite des Raumes stand ein großer Tisch, auf dem sich jetzt Muggel- und Zauberer-Schulbücher vermischten. Dort war in den letzten Stunden ein heilloses Durcheinander entstanden. Mittendrin lag Polly und leckte sich Tinte von den Pfoten.
Nellie lief an den Regalreihen entlang und fuhr dabei mit den Fingerspitzen über die Buchrücken. Sie war gerne hier, wenn sie nicht gerade dazu gezwungen wurde. Sie dachte an ihre ersten Tage in diesem Haus zurück, als sie hier eine Art Rückzugsort gefunden hatte.
Plötzlich fiel ihr das Buch wieder ein, dieses kleine braune Buch, das sie aus dem Keller befreit hatte. Das Buch, über das hier im Hauptquartier ständig geredet worden war, mit dem aber letztlich keiner etwas anfangen konnte. Das Buch, das Hermine so gerne noch mal in die Finger bekommen würde. Das Buch, dessen Inhalt anscheinend nur eine lesen konnte. Nellie. Und die hatte es noch nicht einmal richtig betrachtet!
Es hatte damals auf dem kleinen Teetisch am Kamin gelegen, doch sie hatte sich nicht weiter darum gekümmert.
In diesem Moment jedoch war der kleine Tisch leer. Nellie begann nochmals alle Regale abzuwandern und hielt dabei nach dem kleinen Buch Ausschau, konnte es jedoch nirgends finden.
Auch als Ginny zurückgekommen war (sie sah jetzt viel zufriedener aus) und ihr bei der Suche half, konnten sie es nicht wieder finden.
Auch in Godric's Hollow waren die Eulen aus Hogwarts angekommen und hatten die üblichen Briefe mit den Bücherlisten gebracht.
„Das ist doch mal ein gutes Zeichen," meinte Hermine und strahlte.
„Was soll daran ein gutes Zeichen sein?", fragte Ron, der bei dem Gedanken an die Schule die Nase rümpfte. „Das 7. Schuljahr ist das Schwerste!"
„Aber es wird ein neues Schuljahr geben," sagte Hermine mit einem grinsen. „Das heißt, dass Hogwarts wieder eröffnet wird. Das heißt, dass es einen neuen Schulleiter geben wird."
„Hogwarts ist nicht Hogwarts, ohne Dumbledore," meinte Harry. Er hatte seinen Brief nicht geöffnet.
„Nein, natürlich nicht," sagte Hermine, jetzt etwas geknickter. „Aber es ist doch gut, dass wir weiter unterrichtet werden, oder etwa nicht?"
„Oh, ja, schon. Viel Spaß dabei."
„Von wegen, viel Spaß," brummte Ron. „Wir gehen da, wenn überhaupt, alle zusammen hin."
„Ich kann euch nicht aufhalten," war Harrys Antwort. Dabei sah er zwischen seinen Freunden hin und her. „Aber ich bin froh, euch bei mir zu haben."
Hermine lächelte bei diesen Worten erleichtert und Ron schlug seinem Kumpel kameradschaftlich auf die Schulter.
Nachdem Harry, Ron und Hermine alles Mögliche ausprobiert hatten, den verdächtigen Türklopfer von der Tür zu entfernen oder ihn in irgendeiner Form zu zerstören, hatten sie es schließlich vorläufig aufgegeben. Er würde ihnen nicht davon laufen, hatte Ron argumentiert.
Außerdem gab es anderes, um das die Drei sich kümmern mussten.
Ron und Harry hatten ihre Apparierprüfung im Ministerium, die Ron den ganzen vorherigen Tag entsetzlich nervös machte. So nervös, dass Hermine ihm schließlich drohte, ihm eine Ganzkörper-Klammer und einen Gorgio zu verpassen, wenn er nicht still sitzen bliebe.
Tatsächlich hatte Ron den ganzen Tag geübt, unter Hermines strengem Blick. Er war im Garten hin und her appariert, was meistens auch ganz gut klappte. Wenn man mal den einen Ausrutscher außen vor ließ, als er die Muggel vom Nachbarhaus zu Tode erschreckt hatte, als er plötzlich in deren Badewanne aufgetaucht war. Es wäre alles nur halb so schlimm gewesen, wenn nicht gerade die Hausherrin eben in dieser gelegen hätte. Das Kommando vom Zaubereiministerium, das daraufhin einschreiten musste, hatte noch mal ein Auge zugedrückt, als sie von Rons anstehender Apparierprüfung gehört hatten. Tatsächlich hatten sie ihm noch alle möglichen und unmöglichen Tipps mit auf den Weg gegeben, die den Ärmsten so sehr verwirrten, dass Hermine ihre Drohung aussprechen musste.
Harry hatte sich wegen dem apparieren keine Sorgen gemacht, er war weiterhin damit beschäftigt, neue Flüche und Zauber zu lernen, an dem Spruch seines Vaters zu knobeln und sich den Kopf über die verbleibenden Horkruxe zu zerbrechen. Er hatte mittlerweile auch heimlich damit begonnen, die unverzeihlichen Flüche zu üben. Hermine wäre entsetzt, wenn sie davon wüsste, also sollte sie es besser nicht erfahren.
Die war immer noch der Familiengeschichte der Potters und Gryffindors auf der Spur und hatte sich bereit erklärt, auf alles, was auch nur im geringsten auf einen Horkrux schließen ließe, zu achten. Denn inzwischen waren sich die Drei mit dem Türklopfer nicht mehr ganz so sicher…
Am Morgen der Apparierprüfung wachte Harry auf und fand Ron kerzengerade in seinem Bett sitzend vor.
„Hast du überhaupt geschlafen?", fragte er seinen Freund, der nur vor sich hinstarrte, recht blass im Gesicht aussah und den Kopf schüttelte.
„Ach, komm schon, das ist doch nur eine Apparierprüfung! Außerdem kannst du es doch jetzt!"
„Du machst mir Spaß, Harry," brachte Ron schließlich doch hervor und dreht leicht den Kopf. „Du hast ja auch nicht Brüder, die dich dein Lebtag damit nerven, wenn du wieder nicht bestehst."
Harry konnte sich ein grinsen nicht verkneifen, wenn er an die Zwillinge dachte. Oh, ja, das wäre für die Beiden ein gefundenes Fressen!
Harry und Ron waren schnell mit frühstücken fertig, da Ron ohnehin keine Bissen runter brachte und Hermine auch lieber auf weitere Ratschläge verzichtete.
Die Prüfung lief für die Beiden sehr zufrieden stellend.
Harry hatte keine Probleme und war froh, diesen Besuch schnell wieder beenden zu können, bevor irgendjemand auf die Idee kommen könnte, ihn mit Fragen zu bombardieren oder ihn auf seine mögliche Loyalität für das Ministerium hinzuweisen.
Ron war im Endeffekt ebenfalls mit sich zufrieden, auch wenn er einen zweiten Versuch brauchte, nachdem er beim ersten vor lauter Tatendrang an der Decke gelandet war.
Die Beiden konnten sich also schon eine halbe Stunde später wieder auf den Rückweg machen.
Als Harry gerade aus dem Kamin stieg, kam ihm Hedwig entgegengeflattert. Sie hatte auf der Sessellehne auf ihn gewartet und an einem Eulenkeks geknabbert, den Hermine ihr gegeben hatte. Nun ließ sie sich auf Harrys Schulter nieder und genoss es, dass er ihr das Gefieder streichelte.
„Da bist du ja wieder, meine Schöne," sagte Harry leise und sie zwickte ihm liebevoll ins Ohr. „Hattest du eine sehr lange Reise?"
Wie zur Antwort streckte sie ihm ein Bein entgegen, an dem eine Nachricht befestigt war.
Ron und Hermine waren neben ihn getreten und blickten neugierig auf das Pergament.
„Das kommt aus Deutschland, von diesem Miersch," sagte Harry, während er die kleine Rolle betrachtete. „Ihr wisst schon, der bei dem die Tasse von Hufflepuff zuletzt war."
„Schon klar, man, aber was schreibt er?", Ron stieß Harry ungeduldig mit der Schulter an.
Harry öffnete die Nachricht und entrollte sie. Hedwig flatterte unterdessen durchs Fenster nach draußen, auf der Suche nach Pig.
Nellies erster Ausflug in die Winkelgasse war für sie wie eine Reise ins Disneyland. Nur war hier alle Magie tatsächlich echt. Schon allein die Mauer auf dem schäbigen Hinterhof dieses mehr als seltsamen Pubs war eine Reise wert („Meine Fresse!") und dann die ganzen Läden mit den verrücktesten Auslagen („Wer braucht denn Fledermausohren?"). Die vielen anderen Zauberer, machten sie dann aber doch etwas nervös. Tatsächlich zog sie immer mehr den Kopf zwischen die Schultern, wie um nicht als Muggel erkannt zu werden.
Tonks, die neben ihr Arm-in-Arm mit Remus Lupin schlenderte, schien das zu bemerken und flüsterte ihr zu:
„Solange du den Kopf schön hoch trägst und alle anschaust, als könntest du sie in hässliche Kröten verwandeln, erkennt dich keiner hier als Muggel."
Nellie hielt also den Kopf schön hoch und versuchte so zu schauen, als könnte sie alle in Kröten verwandeln. Ihr Blick brachte aber nur Ginny zum lachen.
Es war ein herrlicher Ausflug. Nicht nur, dass sie die langweiligen Schulbücher zurücklassen konnte, sie amüsierte sich auch so prächtig, wie schon lange nicht mehr.
Sie beobachtete eine ältere Hexe, die sich in einem Laden, aus dem es scheußlich stank, einen Eimer Drachenmist kaufte und ganz begeistert daran schnupperte. Der Gestank war meterweit zu riechen und jagte Nellie Tränen in die Augen!
An einer Straßenecke standen zwei kleine Jungen, die sich um einen Zauberstab stritten, den scheinbar ein Erwachsener verloren haben musste. Die Beiden zerrten von beiden Seiten verbissen an dem Stab, während dieser bunte Funken sprühte. Plötzlich gab es einen lauten Knall und statt den beiden Jungen zappelten zwei japsende Goldfische auf der Straße. Remus Lupin sprang sofort zu Hilfe und verwandelte die Jungen zurück, während eine aufgebrachte Frau ihren verdatterten Mann zum Schauplatz des Geschehens zerrte und ihm eine riesen Szene machte, während sie ihm den verlorenen Zauberstab wieder in die Hand drückte.
Am besten gefiel Nellie allerdings der Laden mit den magischen Süßigkeiten. Sie hatte sich etwas Muggelgeld gewechselt (sie hatte große Mühe gehabt, die Kobolde nicht anzustarren) und gab hier die Hälfte davon für zischende Zuckerwatte, blubbernden Kaugummis und Zitronendrops aus, die im Mund den Geschmack verändern konnten.
Doch auch das war nichts im Vergleich zum Laden der Weasley-Zwillinge, den die kleine Gruppe als letztes besuchte. Nellie stand mit offenem Mund in dem Laden und wusste nicht, wo sie zuerst hinschauen sollte. Ginny war sofort zu dem Käfig mit den Mini-Muffs gelaufen, sie wollte für ihren Arnold eine Gefährtin kaufen. Remus und Tonks standen vor dem Regal mit den Liebestränken und kicherten fröhlich.
„Wir haben da was, das dürfte dir gefallen," raunte Nellie plötzlich jemand ins Ohr. Sie fuhr erschrocken herum und sah George vor sich stehen. Oder war es Fred? Sie hatte den Trick immer noch nicht raus, wie man die Beiden unterscheiden konnte.
„Was ist es?", wollte sie sofort wissen.
„Komm mit." George, denn er war es tatsächlich, nahm sie an der Hand und führte sie zu dem Regal der Süßigkeiten mit Nebenwirkung.
„Diese Augenfarben-Kekse sind der Renner zur Zeit," erklärte er. „Deshalb haben wir beschlossen, das Sortiment noch ein wenig zu erweitern. Voilá, die Haarfarben-Bonbons und daneben die Pickel-Killer-Drops und Speck-Weg-Lutscher. Na, was sagst du?"
„Wow!" Nellie war ehrlich beeindruckt. „Und das wirkt auch alles?"
„Genauso, wie die Augenfarben-Kekse, natürlich nur vorübergehend, aber wenn du mal für einen Abend ein paar Kilo los werden willst, dann kann ich dir das hier nur empfehlen," antwortete George und machte eine übertrieben Geste zu dem Glas mit den Lutschern hin.
„Na na, mein Lieber, wie unhöflich von dir," ertönte die amüsierte Stimme von Fred neben Nellie. Er legte ihr einen Arm um die Schulter und sah sie grinsend an. „Diese Lady hat so was doch gar nicht nötig."
Nellie lachte und streckte George die Zunge raus.
Es war ein mehr als vergnüglicher Aufenthalt bei den Zwillingen und nicht nur Nellie kam mit mehreren Tüten beladen aus dem Laden heraus.
Als die fröhlich plappernde Gesellschaft wieder im Grimmauldplatz Nummer 12 ankam, wartete Mad-Eye Moody bereits auf sie. Er brummte wie immer vor sich hin.
„Miss Carols, wenn ich Sie bitte sprechen dürfte."
Nellie schaute verblüfft zu Ginny, Remus und Tonks, die aber nur mit den Schultern zuckten. Dann folgte sie Moody in die Bibliothek.
„Ich will gleich zur Sache kommen," brummte er. „Schlimm genug, überhaupt bei dem Wetter durch die Gegend reisen zu müssen, als hätte ich nichts besseres zu tun."
Nellie zog es vor, darauf nicht zu antworten. Draußen war es leicht neblig geworden, doch sonst schönstes Wetter. Sie wartete, bis Moody weiter sprach.
„Wie Sie wissen, wurde Ihre Familie heute vom Flugplatz abgeholt und in ihr neues Heim gebracht," fuhr er schließlich fort.
Nellie wurde jetzt unruhig. Ja, sie wusste davon, hatte aber den ganzen Tag über versucht, nicht daran zu denken. Nun sah sie die Gesichter von Lisa und Rosie vor sich und spürte Heimweh in sich aufsteigen.
„Na na, nur keine Sorge," sagte Moody und seine Stimme klang plötzlich viel freundlicher, als er Nellie ins Gesicht blickte. „Es geht ihnen prächtig. Sie haben von den Veränderungen gar nichts mitbekommen. Das Haus liegt nur ein paar Straßen vom Ligusterweg entfernt."
„Wann kann ich sie sehen?", fragte Nellie und blickte Moody an. Sie konzentrierte sich dabei auf sein normales Auge. Das andere flutschte ständig hin und her und machte sie nur nervös.
„Wir haben Ihrer Familie erzählt, dass sie bei einer Schulfreundin sind. Dass Sie das nächste Schuljahr an einem Internat verbringen werden, wissen sie noch nicht, dass sollten Sie ihnen besser selber erzählen."
„Wie meinen Sie das, selber erzählen? Ich verstehe das alles doch selber nicht, wie soll ich es dann meinen Eltern erklären?"
„Ich denke, dass Mister Lupin Sie begleiten wird, er findet bei solchen Sachen immer die richtigen Worte."
„Aber ich kann ihnen doch unmöglich sagen, dass ich auf eine Zaubererschule gehen werde!" Nellie konnte sich sehr gut vorstellen, wie ihr Vater auf so etwas reagieren würde. Er würde sie vielleicht nicht als Lügnerin bezeichnen, aber doch annehmen, dass sie einen Scherz mit ihm machte. Ihre Mutter wäre von der Vorstellung sicher fasziniert, würde es ihr aber bestimmt auch nicht abnehmen.
„Darüber können Sie mit Lupin sprechen, wenn es soweit ist. Wir haben einen Termin für Sonntag ausgemacht. Sie werden sich in einem Cafe im Muggel-London treffen."
Mit diesen Worten zog Moody sich seinen Reiseumhang enger um den Körper, setzte sich einen Hut auf und stapfte in Richtung der Tür.
„Kann ich denn nicht noch etwas Zeit mit meiner Familie alleine verbringen?", rief Nellie ihm hinterher. Es schmerzte sie, so von ihnen Abschied nehmen zu müssen.
„Wir werden sehen, was sich einrichten lässt," antwortete Moody, der sich an der Tür noch mal umgedreht hatte. „Aber denken Sie daran, dass Voldemort noch immer nach Ihnen suchen wird. Es ist nicht schwierig, Sie aufzuspüren, deshalb sollten Sie nicht alleine dorthin gehen. Denken Sie dabei auch an Ihre Eltern und Ihre Schwestern!"
Nellie sah auf ihre Füße. Es war jetzt einen Monat her, dass sie ihre Familie zuletzt gesehen hatte.
„Und wenn sie mit hierher kämen?", überlegte sie.
„Wollen Sie Ihre Eltern wirklich in so große Gefahr bringen?", fragte Moody, der wieder näher an das Mädchen herangetreten war. „Denken Sie daran, dass wir ihr Gedächtnis wieder verändern müssten. Und Voldemort hat Mittel und Wege, Menschen so zu foltern, dass er sogar ein verändertes Gedächtnis sprengen könnte. Ihre Familie ist auch so schon in größter Gefahr! Dieses Treffen muss kurz und unauffällig sein."
Nellie, der bei seinen Worten ein Schauer über den Rücken gelaufen war, nickte mit dem Kopf. Es musste wohl so sein.
Fünf Minuten später hatte sie sich in der Küche zu den anderen an den Tisch gesetzt und bekam von Mrs. Weasley eine heiße Schokolade vorgesetzt.
„Was wollte Moody denn von dir?", fragte Ginny sofort.
„Ich werde am Sonntag meine Eltern treffen," murmelte Nellie als Antwort und sah dann Remus an. „Sie sollen mich begleiten."
Der nickte. „Ich weis."
In diesem Moment kam Polly auf Nellies Schoß gesprungen. Sie hatte hellorangenes Fell.
„Oh, du Gwundernäsli! Hast du etwa in den Tüten aus dem Laden der Zwillinge gestöbert? Na, selber Schuld, aber steht dir gut, meine Süße!"
Alle um den Tisch herum lachten, als Polly begann sich fieberhaft das Fell zu lecken.
