Kapitel 39:
Emil biss die Zähne zusammen. Er musste hier, bei diesen Leuten, absolut kalt sein. Wenn er irgendeine geringe Chance haben wollte, Nellie zu helfen, durfte er sich jetzt keine Fehler erlauben. Also gab er keinen Laut von sich, als der Todesser Nellie schockte und fing sie einfach nur auf. Als der andere das Mädchen dann aber packen und ins Haus zerren wollte, schlug Emil dessen Hand grob beiseite und trug Nellie selber hinein.
„Du hast hier nichts verloren," ranzte der Emil wütend an.
„Ich hab sie hergebracht, also hab ich hier mehr verloren, wie du," schnauzte Emil zurück und brachte Nellie ein Stockwerk höher in einen kleinen Raum, den er von seinem letzten Besuch kannte.
Der Todesser folgte ihm, immer noch vor sich hin brummend. Er schien darüber nachzudenken, ob er direkt die anderen informieren sollte, oder ob er die unangenehme Aufgabe diesem dahergelaufenen Blödmann überlassen sollte. Schließlich ging es nicht nur darum, dass das Mädchen endlich da war, sondern auch noch darum, dass dieser Warthrow sich weiter einmischte. Aber Emil nahm ihm die Entscheidung ab. Nachdem er Nellie auf dem fleckigen Bett abgelegt hatte, schupste er den Todesser zur Tür raus. Nellies Rucksack ließ er bei ihr liegen. Wer weiß, was sie da drin haben könnte, um sich im Notfall selbst zu helfen?
„Pass auf, dass keiner hier rein kommt," fuhr er den Todesser an. „Und rühr das Mädchen nicht an, wenn dir deine Haut lieb ist."
Der Todesser wollte etwas derbes erwidern. Denn seit wann nahm er Befehle von so jemandem an? Doch dann war Emil mit entschlossenem Blick und den Worten: „Ich werde dem Lord sagen, dass sie da ist," schon den Gang entlang verschwunden. Das konnte dem Todesser nur recht sein.
Emil kannte dieses Haus inzwischen ganz gut. Er war zwei oder drei Mal hier gewesen, immer hatte man ihn so lange hier festgehalten, bis er die Antworten geliefert hatte, die die Todesser hören wollten. Er hatte Voldemort selber noch nicht gegenüber gestanden, dafür aber diesem schmierigen Snape oder dem Kerl mit den langen blonden Haaren, der ihm damals den Auftrag überbracht hatte. Emil konnte Beide nicht leiden. Doch auch wenn er diesen Malfoy vom ersten Moment an verachtet hatte, so könnte er diesem Snape bei jedem Treffen von neuem den Hals umdrehen. Vielleicht empfand er für Letzteren so viel Hass, weil der im Grunde genommen dasselbe getan hatte, was Emil gerade tat. Er hatte die Menschen, die ihm vertrauten, verraten.
Als Emil diesmal im großen Kaminzimmer ankam, war nur Snape da, der in einem Sessel saß und ein dickes, schweres Buch auf den Knien liegen hatte. Als Snape den jüngeren Mann bemerkte, stand er auf und reckte arrogant die Nase nach oben.
„So, Warthrow, endlich erledigt, was dein Auftrag war?", schnarrte er. „Wurde aber auch Zeit."
Emil musste sich zusammenreißen, um dieser überdimensionalen Fledermaus nicht seine Faust in den Magen zu rammen. Er erwiderte nichts, sondern sah sich nur um, doch außer den beiden Männern war niemand sonst anwesend.
„Was willst du noch hier?", fragte Snape jetzt und sah Emil abschätzend an. „Ich würde dir nicht empfehlen, hier zu bleiben, bis der Dunkle Lord erscheint."
„Wird er denn her kommen?", fragte Emil zurück. Ein wenig hoffte er es.
„Er hat sich angekündigt, ja," antwortete Snape und seine Augen blickten kalt. „Doch ist er mit deiner Arbeit weniger als wenig zufrieden."
Emil zuckte nicht einmal mit der Wimper.
„Was stört mich das?", meinte er nur. „Das Mädchen ist hier, oder nicht?"
„Nun, das ist wohl wahr," schnarrte der ehemalige Zaubertrank-Lehrer weiter, „aber es ist reichlich viel Zeit vergangen. Du hättest sie vor Monaten schon her bringen sollen."
„Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten," brummte Emil und setzte sich auf einen Stuhl, der an einem langen Tisch stand.
„Oh, das werde ich," erwiderte Snape süffisant grinsend.
Emil hatte keine Gelegenheit mehr, etwas darauf zu antworten, als vor der Tür schon Stimmen und Schritte lauter wurden. Mit einem Schwung kamen gleich vier Männer in das Kaminzimmer. Emil stand sofort auf, als er Voldemort erkannte. Das heißt, diese Gestalt mit den roten Augen und den Nasen-Schlitzen, die an eine Schlange erinnerten, konnte nur Er sein. Es war in Emils Position besser, sich den allgemeinen Gepflogenheiten und Ehrerbietungen anzupassen, wollte er irgendetwas erreichen. Und erreichen wollte er etwas.
Neben Voldemort kamen Malfoy, dieser Duckmäuserich von Wurmschwanz und ein Todesser, den Emil noch nicht kannte, herein.
Die vier Männer schienen über etwas zu diskutieren, als Voldemort Emil erblickte und sich seine roten Augen verengten.
„Wen haben wir denn hier?", sagte er und trat auf Emil zu, dem dabei immer kälter wurde, obwohl in dem großen Kamin ein warmes Feuer flackerte. „Du dachtest wohl, dass du dich meinem Willen entziehen könntest?"
Emil schien es angebracht, darauf besser nicht zu antworten.
„Dachtest, dass du ein Spielchen mit mir spielen könntest," fuhr Voldemort fort. „Durch dich habe ich wertvolle Zeit und unnötig Männer verloren."
Voldemort hatte seinen Zauberstab so schnell in der Hand, dass Emil erschrocken zusammen fuhr. Und schon im nächsten Moment lag er, sich unter Schmerzen windend, auf dem Boden. Die Männer um ihn herum lachten höhnisch, vielleicht froh darüber, dass sie nicht an seiner Stelle waren.
„Mit Lord Voldemort spielt man keine Spiele," sagte Voldemort mit bedrohlich leiser Stimme, während er Emil weiter unter dem Crucius leiden ließ. „Man verschwendet nicht Lord Voldemorts Zeit."
Als er schließlich von Emil abließ und mit den anderen Männern in eine andere Ecke des Kaminzimmers trat, brauchte Emil eine Weile, bis er sich soweit erholt hatte, dass er aufstehen konnte. Er hatte verloren, das wurde ihm jetzt bewusst, er hatte nicht die geringste Chance, irgendetwas zu ändern. Doch gleichzeitig arbeitete sein Gehirn auf Hochtouren, wie er diesem Pack doch noch einen Denkzettel verpassen könnte, bevor er letztendlich doch noch sterben sollte. Und dann fiel ihm etwas ein. Er drehte sich so, dass er Voldemort und seine Lakaien sehen konnte.
„Und was wäre, wenn es noch andere gäbe, die Eure Zeit vergeudeten, mein Lord?" Diese Anrede war Emil mehr als schwer gefallen, doch bildete sich in seinem Kopf ein Plan, der es nötig machte, dass er so sprach.
Voldemort und die anderen sahen zu ihm hinüber. Malfoy hatte ein höhnisches Grinsen auf den Lippen, Snape sah wütend aus und Voldemort selber kalt berechnend wie immer.
„Was willst du noch sagen, bevor ich dich endgültig erledige, du Wurm?", fuhr er Emil an. „Du nervst mich langsam."
Emil wählte seine Worte jetzt sehr bedacht.
„Ich denke nicht, dass die Informationen, die ich noch habe, Eure Nerven besonders belasten werden," sagte er. „Doch habe ich einen Gegenstand in meinem Besitz, der eindeutig aus Euren Kreisen stammt und dessen Inhalt für Euch von größter Wichtigkeit sein dürfte."
Emil beobachtete sehr genau die Reaktion der Männer. „Ein Gegenstand, der Euch beweisen könnte, dass Eure Speichellecker nicht alle so treu ergeben sind, wie sie es zu sein vorgeben."
Voldemorts Augen waren immer noch genauso kalt auf Emil gerichtet wie zu Beginn. Er schien abzuwägen, wie viel von dem, was Emil sagte, er ernst nehmen konnte. Snape machte weiterhin ein wütendes Gesicht, auch wenn man meinen konnte, dass etwas Argwohn in seinem Blick lag. Wurmschwanz wand sich unbehaglich hinter Voldemort und Malfoy war blass geworden.
„Was bildet der sich eigentlich ein?", rief Malfoy schließlich. „Eine solche Anklage aus dem Mund eines Muggelfreundes, eine Frechheit!"
Voldemort musterte ihn kalt, was Malfoy nur noch mehr aufbrachte.
„Ihr könnt mich nicht im Ernst verdächtigen, mein Lord!" Seine Stimme wurde flehender. „Meinen eigenen Sohn habe ich in Eurem Dienst geopfert, meinen Sohn!"
Malfoy sank jetzt auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen.
„Steh auf!", fuhr Voldemort ihn an. „Getroffene Hunde bellen, sag ich dazu nur."
Dann wandte er sich wieder an Emil, während Snape Malfoy resolut am Arm packte und auf die Füße zog. Wurmschwanz stand daneben und biss sich auf seinen Fingernägeln herum.
„Ich glaube dir kein Wort," sagte Voldemort zu Emil, doch in seiner Stimme konnte man die Bereitschaft zum verhandeln hören. Emil versuchte, sich seine Erleichterung nicht anmerken zu lassen.
„In dem Falle kann ich dieses Buch dann wohl behalten," meinte Emil und zog aus seiner Jackentasche das kleine braune Notizbuch heraus, dass damals Harry und Nellie so mysteriös gerettet hatte. Aus der Ecke, in der die Todesser standen, kam ein leises Japsen. „Vielleicht gibt es aber noch andere, die ein Interesse daran haben könnten."
Emil wusste alles über das braune Notizbuch, das so plötzlich beim Orden aufgetaucht war. Er hatte es sehr genau studiert und ebenso das, was darin stand. Wofür war er jahrelang Lehrer einer Muggelschule gewesen? Wenn nicht, um inzwischen sämtliche Geheimschriften, mit denen die Muggelkinder versuchten, sich heimlich Briefe zu schreiben, auswendig zu kennen. Er hatte die Bedeutung des Zauberspruchs Annulare Magia sehr genau erkannt und er hatte sich nächtelang den Kopf darüber zerbrochen, warum die Todesser ein Buch mit so brisantem Inhalt in die Hände des Feindes gelangen lassen konnten. Er war zu dem Schluss gekommen, dass es entweder ein großer Fehler gewesen sein musste, oder dass es auch hier einen Verräter gab. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Voldemort etwas von diesem Buch wissen konnte, denn sonst hätte er es mit Sicherheit entweder vernichtet oder gehütet wie seinen Augapfel.
Auch wenn Emil von den Horkruxen nichts wusste, so konnte er sich dennoch denken, dass Voldemort vor einem neuen Todesfluch, wie er in diesem Buch beschrieben wurde, so viel Respekt haben müsste, dass er ihn nicht gerne in den Händen des Phönixordens sehen würde.
Voldemort beobachtete Emil und das Buch in seiner Hand mit festem Blick. Ihm war die Reaktion seiner Todesser ebenfalls nicht entgangen, auch wenn er nicht sagen konnte, von wem das verdächtige Japsen gekommen war. Bevor er sich aber darüber einig wurde, ob dieses unscheinbare Buch wirklich eine Bedrohung für ihn darstellen konnte, hatte Emil schon weiter gesprochen.
„Ein neuer Todesfluch, der Euch unvorbereitet treffen kann, das sollte Euch doch interessieren."
Keine Sekunde zu früh, warf Emil sich zur Seite und entging damit nur knapp einem grünen Lichtblitz, der in Sekundenschnelle aus Voldemorts Zauberstab geschossen kam. Damit hatte Emil gerechnet. Wenn er tot wäre, könnte Voldemort sich in aller Ruhe mit dem Buch beschäftigen.
„Ich halte das für keine gute Idee," rief Emil, der sich unter den Tisch gerollt hatte. Im nächsten Moment stand er auf und hielt seinen eigenen Zauberstab in der einen Hand, das Buch in der anderen. Keine Sekunde später war das kleine Buch, das er so gehalten hatte, dass alle es gut sehen konnten, verschwunden. „Denn nur ich weiß, wo es sich befindet. Und versucht nicht, dieses Wissen mit Magie aus mir herauszuholen, denn dann würde sich das Buch selber zerstören."
Den letzten Teil hatte Emil spontan ausgesprochen. Er hatte gar nicht die Zeit gehabt, einen solchen Zauber auf das Buch zu sprechen, auch wenn er dazu in der Lage gewesen wäre, doch war ihm in letzter Sekunde noch eingefallen, dass Voldemort als begnadete Legilimentor bekannt war.
Voldemort raste vor unterdrückter Wut. Die Todesser in der anderen Ecke rührten sich nicht, sie warteten auf ein Zeichen, ob sie eingreifen sollten, oder nicht.
„Du Wurm," schrie Voldemort. „Ich hätte dich zermalmen sollen, als du dich das erste Mal meinen Befehlen widersetzt hast!"
Emil blieb ruhig stehen. Wenn Voldemort ihn tötete, wäre das Buch trotzdem in Sicherheit. Doch glaubte er nicht daran, dass der Schwarzmagier ihn umbringen würden, denn er konnte die Gier in dessen Augen deutlich erkennen. Der Dunkle Lord wollte dieses Buch und er wollte herausfinden, wer dahinter steckte. Das hätte Emil allerdings auch zu gerne gewusst.
„Meine einzige Bedingung ist, wenn Ihr dieses Buch bekommen wollt," fuhr Emil fort, „dass dem Mädchen nichts passiert."
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Wie Nellie und Kingsley schließlich entkommen waren, konnte Nellie später nicht mehr ganz genau erklären. Es hatte irgendwann doch noch einen Alarm gegeben und schneller, als die beiden Flüchtenden es erwartet hatten, war das Geräusch rennender Schritte hinter ihnen lauter geworden. Es war ihnen nichts anderes übrig geblieben, als sich den Verfolgern zu stellen. Kingsley hatte mit seinem Zauberstab getan, was er konnte. Er war erschöpft und von der langen Gefangenschaft geschwächt, aber dennoch in der Lage, einige Angreifer auszuschalten. Nellie hatte ihr komplettes Repertoire an Zaubertränken verbraucht und damit nicht nur ihre Angreifer zum Staunen gebracht, als plötzlich einige Todesser kopfüber in der Luft baumelten oder sich lähmender Rauch im Gang breit machte. Sie hatte Kingsley, der sie nur immer wieder kopfschüttelnd anstarrte, schnell hinter sich her gezogen, bevor der Rauch auch sie erreichen konnte.
Kurz bevor sie an einer kleinen Tür ankamen, die endlich nach draußen führen sollte, wurden sie noch ein letztes Mal angegriffen. Sie standen in einem sehr engen, düsteren Gang und konnten ihre Angreifer kaum erkennen. Nellie bekam einige Verletzungen ab, bevor Kingsley mit seinem Zauberstab die Tür, die ebenfalls mit einem Zauber belegt war, der jeden, der sie berührte, schmerzhaft zurückzucken ließ, öffnen konnte. Nellie hatte, nachdem sie keine Ampullen mehr übrig und ihre beiden Dolche verloren hatte, ihren Revolver gezogen und blindlings auf den letzten Verfolger geschossen, der im Halbdunkel auf sie zu gerannt kam. Der Schuss musste den Mann am Bein getroffen haben und sie konnte ihn vor Schmerz aufschreien hören. Bevor Kingsley sie durch die inzwischen offene Tür ins Freie zerren konnte, hatte Nellie einen Moment lang gestutzt. Diese Stimme kannte sie.
„Warte," konnte sie Emil noch stöhnen hören, als Kingsley die Tür schon von Außen magisch verbarrikadierte und sie weiter auf die Stadt zu zog, die sich vor ihnen ausbreitete.
Nellie war geschockt. Nicht nur, dass sie auf einen Menschen, nicht nur auf eine Wunschprojektion in einem magischen Raum, geschossen hatte, hatte sie auch noch einen Menschen vielleicht lebensgefährlich verletzt, den sie einmal geliebt hatte. Und konnte sie eigentlich sagen, dass sie Emil nicht mehr liebte? Hatte sie nicht gesehen, wie sehr ihn diese Entführung belastet hatte? Doch Nellie verdrängte diese Gedanken. Er hatte sie belogen, wahrscheinlich hatte er die ganze Zeit über nur diesen einen Plan verfolgt, nämlich sie Voldemort auszuliefern. Er hatte sie verkauft und war es nicht wert, ihm auch nur eine einzige Träne hinterher zu weinen. Dabei fuhr sie sich mit einem Ärmel übers Gesicht.
Als Nellie und Kingsley schließlich außerhalb der Anti-Appariergrenze dieses Todesser-Hauses angekommen waren, verlor Kingsley keine weitere Sekunde, Nellies Arm fest zu ergreifen und mit ihr zu disapparieren. Er war am Ende seiner Kräfte und brach vor der Tür zum Grimmauldplatz Nummer 12 zusammen, so dass Nellie klopfen musste. Zum Glück war Molly Weasley da, um die Beiden einzulassen und stieß bei ihrem Anblick einen Schrei der Erleichterung aus.
„Oh, wie gut, dass ihr da seid," rief sie und man konnte sehen, dass ihr vor Freude die Tränen kamen. Als sie Kingsley sah, der im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Zahnfleisch ging, packte sie ihn resolut unter den Armen und zog ihn mit sich ins Haus. Nellie stolperte hinterher. „Kommt mit, ich mach euch erst mal was Heißes zum Trinken, ihr seid ja völlig durchgefroren."
Nellie hatte gar nicht bemerkt, dass es draußen zu schneien begonnen hatte und sich ihre Hände schon blau färbten. In der Küche half Nellie Kingsley, sich an den langen Tisch zu setzen und zusammen sahen sie Molly dabei zu, wie sie ihnen riesige Becher heißen Tee vorsetzte, daneben einen Teller Kekse stellte und sich dann am Kamin zu schaffen machte.
Keine zwei Minuten später standen auch schon Moody und Remus in der Küche und ohne ein Hallo oder Schön euch wieder zu sehen, bombardierten sie die Neuankömmlinge sofort mit Fragen. Kingsley, der sich schnell wieder erholt hatte, beantwortete die meisten davon und sah dabei Nellie immer wieder anerkennend an. Als auch das Muggel-Mädchen ihren Teil zu dem Bericht beigetragen hatte, saßen Moody und Remus sprachlos da und starrten sie ebenfalls an. Molly nutzte die Gunst der Stunde, dass alle so ruhig da saßen und heilte mit flinken Zauberstab-Schwüngen die Verletzungen von Nellie und Kingsley. Letzterer reagierte darauf nur mit einem genervten Händefuchteln, als Molly ihm mit ihrem Zauberstab vor dem Gesicht herumwedelte. Nellie wartete so gespannt darauf, wie die erfahrenen Ordensmitglieder auf ihre Flucht von den Todessern reagieren würden, dass sie davon gar nichts mitbekam.
„Unglaublich, Nellie, was du da heute geleistet hast," sagte Remus schließlich und lächelte sie an. Er sah wieder sehr krank aus, fiel Nellie auf und einmal mehr erinnerte sie sich an das Wort „Werwolf". Immer noch hatte ihr diesbezüglich niemand eine Antwort gegeben. Aber sie musste zugeben, dass sie in letzter Zeit auch nicht mehr danach gefragt hatte.
„Allerdings," brummte Moody, „und ich würde sagen, du hattest mehr als nur ein bisschen Glück."
Nellie sah ihn stirnrunzelnd an. Remus klopfte dem Ex-Auror grinsend auf den Arm.
„Nun komm schon, Moody," meinte er, „zoll unserer kleinen Muggel-Freundin ruhig den Respekt, den sie sich verdient hat."
Moody zwinkerte Nellie zu, dann stand er auf.
„Trotzdem bleibe ich dabei, dass du dich nicht mehr so weit vom Schloss entfernen solltest," knurrte er und gab dann ihr und Remus ein Zeichen, mit zum Kamin zu kommen. „Wir sollten zurück zur Schule, alles Weitere können wir dort besprechen."
Nellie stand auf, um sich von Molly und Kingsley zu verabschieden.
„Da fällt mir ein," fuhr Moody plötzlich fort. „Es fehlt uns ja jetzt wieder mal ein Lehrer." Dabei sah er Nellie aufmerksam an. „Traust du dir zu, den Unterricht in Muggelkunde vorerst alleine fortzuführen?"
Nellie blieb wie erstarrt stehen. Als die Worte vollends bei ihr angekommen waren, sah sie zwischen den Versammelten in der großen Küche hin und her. Molly sah genauso erschrocken aus wie sie selber, Remus grinste fröhlich und Kingsley reckte gut gelaunt den Daumen in die Höhe. Nellie musste ebenfalls grinsen.
„Beim heiligen Hyprogreif, klar tu ich das," sagte sie und ballte dabei spielerisch die Faust. „Dieser wildgewordenen knarxäugiger Bande werde ich schon Beine machen."
Daraufhin mussten alle lachen und so stieg Nellie gemeinsam mit Remus in den Kamin, um nach Hogwarts zurück zu kehren. Dort, so nahm sie sich vor, wollte sie als erstes Harry suchen. Er musste gerade beim Frühstück sitzen und sicher würde er sie schon suchen.
