A/N: Nun, hier ist noch ein One-Shot… Habt ihr euch jemals gewundert, wie Jenny ihre Visionen bekam? Nun, hier ist die Antwort!


Visionen

1. Juni 767

Es war ein Tag wie jeder andere in der Hölle.

Langweilig, dachte er, als er abwesend den Übungskampf seiner Kameraden beobachtete. Das einzig Interessante, was in der letzten Zeit passiert war, war die Ankunft von diesem grünen Typen, Cell, gewesen. Er hatte das Leben, oder besser Unleben, ein bisschen interessanter gestaltet, zumindest für ein paar Tage, bevor selbst er und seine Prahlerei darüber, wie er den Son Goku, wer immer das auch sein mochte, getötet hatte, alt wurde. Irgendwie war er sowieso getötet worden, also konnte dieser Son Goku nicht so stark gewesen sein.

Aber dieses langweilige Unleben fand bald ein Ende, wie er herausfand, als einer von Emna Daious Mitarbeitern, ein Oger, plötzlich hinter ihm stand und zu ihm sagte, dass der Kaioushin ihn sehen wollte. Er war überrascht, um es milde auszudrücken, aber er ließ seine Kameraden weiterkämpfen und folgte dem blauen Oger und verließ zum ersten Mal seit vierzig Jahren die Hölle.

Er konnte das Schnauben nicht unterdrücken, als er das schicke Herrenhaus vom Kaioushin betrat und durch lange Flure zu einem gleichsam schicken Raum, offensichtlich einem Büro, geführt wurde. Der Oger ließ ihn hinein und er konnte den Kaioushin hinter seinem Schreibtisch sitzen sehen, der anscheinend schon auf ihn wartete.

„Willkommen Bardock", begrüßte der Kaioushin ihn, als der Oger sie alleine gelassen hatte.

„Was wollt Ihr?", knurrte Bardock, der seine Arme vor seiner Brust verschränkte und sich gerade hinstellte. Er mochte den Ausdruck auf dem Gesicht des Kaioushins nicht. Der Kaioushin plante etwas, etwas, das ihn betraf, und das mochte er sogar noch weniger. Als er den letzten Aufstand gegen Frieza angeführt hatte, hatte er sich geschworen, dass er niemals wieder der Handlanger für andere sein würde, nicht einmal in der Hölle.

„Deine Hilfe, Kooperation, einen Gefallen, wie immer du es nennen willst", sagte der Gott zu ihm, durch das unfreundliche Verhalten des Saiyajins nicht im Geringsten berührt. „Ich weiß, dass du vor deinem Tod mit Visionen gesegnet wurdest—"

„…verflucht trifft es eher", grummelte der Saiyajin, doch der Kaioushin fuhr unbeirrt fort.

„Visionen über die Zukunft. Ich weiß, dass du den Untergang von deinem Heimatplaneten gesehen hast und versucht hast, ihn aufzuhalten, so vergeblich es auch war."

„Und wieder frage ich: Was wollt Ihr?" Bardock wurde langsam ungeduldig und er fing schon wieder an, sich nach dem langweiligen Leben in der Hölle zu sehen. Warum redeten diese Leute in hohen Positionen immer so um den heißen Brei herum?

„Es wird ein Mädchen geben", begann der Kaioushin endlich seine Erklärung. „Ein Mädchen mit einem großen Schicksal. Sie ist dafür bestimmt, einen schweren Kampf zu bestreiten um ihren Heimatplaneten zu retten und könnte jede Hilfe brauchen, die sie bekommen könnte."

„Und was hat das mit mir und meinen Visionen zu tun?", fragte der Saiyajin, obwohl er schon eine leise Ahnung hat, in welche Richtung dieses Gespräch gehen könnte. Und wieder mochte er das gar nicht.

„Du und deine Gabe könntet ihr mehr helfen, als du es dir vorstellen kannst", sagte der Kaioushin zu ihm. „Deine Gabe mit ihr zu teilen, es ihr zu ermöglichen die Zukunft zu sehen, könnte ihr das Leben retten. Außerdem wird es einen Bund zwischen euch formen, wenn du ihr diese Fähigkeit des Vorhersehens verleihst, damit du ihr durch Träume helfen und, wenn nötig, trainieren kannst."

„Ihr Leben retten!", spie er. „Diese Visionen sind keine Gabe! Diese Visionen sind ein Fluch! Ihr habt Recht, ich habe meinen Planeten sterben gesehen und konnte dennoch nichts tun um es aufzuhalten! Ich habe nur gesehen, was passieren wird! Wie könnte ihr das helfen?"

Der Kaioushin betrachtete ihn ruhig, als er nicht auf den Ausbruch des Saiyajins reagierte. Weil tief im Inneren wusste der Gott, dass er Recht haben könnte. Diese Visionen könnten das Leben des Mädchens nicht retten, aber er hatte dennoch Hoffnung, dass sie zumindest die Last ihres Schicksals leichter zu ertragen ließen. Unwissenheit war schon der Untergang von vielen Kriegern gewesen, deshalb könnte es tatsächlich einen Unterschied machen, wenn auch einen kleinen, zu wissen, was die Zukunft für einen bereithielt.

„Wer ist dieses Mädchen überhaupt?", fragte Bardock schließlich, von dem Schweigen des Kaioushins ein wenig entnervt, und tatsächlich auch ein bisschen neugierig. „Sie muss eine große Kriegerin sein, wenn es ihr Schicksal ist, ihren Planeten zu beschützen."

„Sie ist keine Kriegerin, noch nicht. Um ganz ehrlich zu sein, sie ist noch nicht einmal geboren. Aber sie wird eine Kriegerin werden, eines Tages. Ihre ganze Familie besteht aus Kriegern. Ihr Vater, Son Goku, war bis vor kurzem der stärkste Krieger im Universum – nun hält ihr Bruder Son Gohan diesen Titel."

Son Goku. Bardock schaute den Kaioushin mit einem überraschten Blick an. Son Goku – das war der Name von dem Krieger, den Cell getötet hatte. Und dieses Mädchen war seine Tochter? Dieses Mädchen, das noch nicht einmal… „Was meint Ihr damit, sie ist noch nicht einmal geboren? Wie könnt Ihr schon das Schicksal eines ungeborenen Kindes wissen?"

„Glaubst du an Prophezeiungen?" konterte der Kaioushin. Als Bardock schwieg, fuhr er einfach fort: „In ein paar Tagen werde ich ein Ritual durchführen um dieses Mädchen von ihrer Mutter zu trennen und sie in eine andere Dimension zu schicken, wo sie von einer anderen Frau geboren wird und irgendwann ihre Heimat retten muss. Sie wird ihre einzige Hoffnung sein."

„Eine andere Dimension", murmelte Bardock gedankenvoll. Er schloss seine Augen, atmete einmal tief durch und öffnete sie wieder. „Falls ich zustimme, das zu tun, falls ich zustimme, sie mit diesem Fluch zu belasten, was ist dabei für mich drin?"

„Freiheit, Freiheit von der Hölle. Falls deine Mission erfüllt wird, falls das Mädchen ihren Feind besiegt und ihren Planeten rettet, wird dir die Chance gegeben in den Himmel zu gehen oder zum Planeten des Dai Kaiou, um mit anderen großen Kriegern zu trainieren – unter anderem deinem Sohn.

„Meinem Sohn? Aber Radditz ist in…" Plötzlich fiel Bardock ein, dass der Kaioushin gar nicht von seinem Ältesten sprach. Er sprach von… „Kakarotto… Er ist tot?"

„Er starb vor ein paar Tagen", informierte der Kaioushin ihn einfach. „Also, was sagst du? Wirst du diesem Mädchen helfen?"

Bardock schüttelte ungläubig seinen Kopf, als er versuchte zu verstehen, dass sein jüngster Sohn nicht nur tot war, sondern sich anscheinend auch einen Platz auf dem Planeten des Dai Kaiou verdient hatte. Er musste der einzige Saiyajin da oben sein. Irgendwie war das ziemlich amüsant. Aber trotzdem, obwohl Kakarotto dort war, war der Reiz für ihn nicht groß genug, um zu akzeptieren. „Meine Mannschaft, meine Partnerin und Radditz werden mit mir gehen, wenn meine Mission erfüllt ist, ansonsten werde ich darauf nicht eingehen."

Der Kaioushin dachte einen Moment lang nach, bevor er schließlich nickte und seine Hand ausstreckte. „In Ordnung, ich stimme zu. Du, deine Mannschaft, deine Partnerin und Radditz, ihr werdet die Hölle verlassen dürfen und entweder in den Himmel kommen oder zum Planeten des Dai Kaiou gehen, wenn deine Mission erfüllt ist. Aber sei dir bewusst, dass es Jahre dauern könnte."

„Ich habe schon vierzig Jahre in der Hölle verbracht, deshalb glaube ich, dass ich noch mal zwanzig ertragen kann, wenn es bedeutet, dass ich irgendwann diesen schrecklichen Ort für ewig verlassen kann. Ich stimme zu, ich werde diesem Mädchen helfen", entgegnete Bardock, als er die angebotene Hand nahm und sie schüttelte. „Doch ich habe noch eine Frage. Warum ich, wenn es doch bestimmt andere Krieger mit der gleichen Fähigkeit außerhalb der Hölle gibt?"

„Weil", antwortete der Kaioushin mit einem mysteriösen und irgendwie selbstgefälligen Schimmern in seinen Augen, „bei dir und dem Mädchen das gleiche Blut in den Adern fließt. Sie ist deine Enkelin."

„Meine… Enkelin?", stotterte Bardock, sprachlos. Doch im Inneren fühlte er die Wut wachsen. Er wurde ausgetrickst, sein eigenes Blut zu verfluchen!

„Ja, und du darfst ihr nie erzählen, dass ich es war, der dich darum gebeten hat, sie mit diesem Fluch zu belasten."

Es war in diesem Moment, dass Bardock anfing, den Kaioushin zu hassen.