Der Abschlussball – Teil II

2. Juli 2002

Diese Nacht war dabei zu einer der schlimmsten in seinem Leben zu werden.

Trunks lehnte an der Bar mit einem sehr finsteren Blick auf seinem Gesicht und nahm ab und zu einen Schluck von seinem Sekt. Es war schon zwei Uhr morgens und die meisten Eltern waren schon fort – genauso wie seine, Gotens und Jennys – und der Abschlussball war noch in vollem Gange. Schüler – nein, korrigierte Trunks sich, sie waren keine Schüler mehr – saßen oder standen an der Bar, bei ihren Tischen oder waren auf der Tanzfläche. Genauso wie Goten und Shana… und Jenny.

Sein Blick senkte sich gefährlich, als der Ausdruck auf seinem Gesicht finsterer und finsterer wurde, je länger er sie beobachtete. Seit sie in den Ballsaal getreten waren, hatten die Gäste angefangen, sie anzustarren und zu flüstern. Die anderen Abiturienten wussten, dass sie etwas mit dem, was vor zwei Wochen mit ihrer Schule geschehen war, zu tun hatte, und er hatte schon mehr als eine Geschichte gehört, die der Wahrheit gefährlich nahe kam. Dass sie sich über Nacht mit diesem Kleid fast in eine Prinzessin verwandelt hatte, hielt sie auch nicht wirklich davon ab.

Nichtsdestotrotz stand Jenny im Zentrum der Aufmerksamkeit und das war nur noch verstärkt worden, als die Tanzfläche für den ersten Tanz der Abiturienten freigegeben wurde. Trunks war widerwillig zurückgetreten, als zuerst Goten und dann Gohan sie um einen Tanz gebeten hatten – sie waren immerhin ihre Brüder – doch er konnte sich daran erinnern, dass er Goten angeknurrt hatte, als dieser ankam, was ihm nur einen sehr spitzen Ellenbogen in die Rippen eingebracht hatte. Er hatte danach niemanden mehr angeknurrt, obwohl sie alle tot wären, könnten Blicke töten.

Doch das konnte er ertragen, aber danach baten anderen Typen sie um einen Tanz und andere Mädchen nahmen sie für einen kurzen Tratsch beiseite. Alles Leute, mit denen sie während ihrer Schulzeit nicht viel Kontakt gehabt hatte. Jedoch war Jenny zu nett um abzulehnen und sie schien die Aufmerksamkeit, die sie ausnahmsweise mal erhielt, auch zu genießen, deshalb sagte er nichts und versuchte das brüllende grüne Monster in seiner Brust zu beruhigen, das nach ihrer vollen Aufmerksamkeit verlangte.

Ja, er war äußerst eifersüchtig, na und?

Also wollte er halt den Kopf von dem Typen abreißen, der jetzt mit ihr tanzte – ein Typ, in den sie verknallt gewesen war. Früher. Bevor sie ihn getroffen hatte. Aber trotzdem, er war ihr Freund, ihr Partner. Er sollte mit ihr da draußen sein, nicht dieser blöde ‚Ich-sehe-so-gut-aus-und-bin-so-verdammt-nett-und-weiß-es'-Typ.

Ja, er wusste, dass er sich praktisch selbst beschrieb, aber das war ihm egal. Im Gegensatz zu diesem Typen, konnte er böse sein, wenn er wollte. Dieser Typ, der seiner Partnerin für seinen Geschmack zu nahe kam und ihr etwas ins Ohr flüsterte, was sie zum Lachen brachte, war einfach zu gut.

„Wenn du weiter so dreinschaust, wirst du nur falten kriegen", holte Gotens Stimme ihn aus seinen Gedanken. Das Lied war vorbei und er und Shana hatten die Tanzfläche verlassen um etwas zu trinken zu holen.

Es gab eine kurze Pause zwischen den Songs und der DJ hob sein Mikrofon zu seinem Mund. „Und nun, ein langsames für all die Turteltauben da draußen." Die ersten paar Akkorde wurden gespielt und das Licht wurde schummriger, um eine romantische Stimmung anzudeuten.

Das reicht!, knurrte Trunks innerlich, als er beobachtete, wie ‚Ich-sehe-so-gut-aus-und-bin-so-verdammt-nett-und-weiß-es'-Typseine Arme um die Taille seiner Freundin wickeln wollte. Er drückte einem überraschten Goten sein halbvolles Glas Sekt in die Hand und schritt entschlossen an den tanzenden Paaren vorbei. Sein Ziel war genau vor ihm und er ergriff die Hand des Typen, gerade als sie seine Partnerin berühren wollte. „Jenny gehört mir", fletschte er drohend.

„O-okay", stotterte der Typ und eilte schnell davon. Er hatte offenbar Angst vor ihm, bemerkte Trunks mit einem zufriedenen Grinsen. Sein Vater wäre stolz auf ihn. Ja, er konnte böse sein. Er war viel besser als dieser Typ.

„Trunks", seufzte Jenny und er drehte sich um, um sie mit weiten, unschuldigen Augen anzuschauen, doch sie fiel darauf nicht rein. „Schau mich nicht so an. Warum musstest du ihn so wegjagen? Wir haben nur getanzt."

Nur getanzt? Trunks Augenbrauen schossen nach oben. Anstatt zu antworten, ergriff er ihre Hüften und zog sie an sich heran, sodass sie sich stützen musste, indem sie ihre Hände auf seine Schultern legte. Als er spürte, wie ihr Körper gegen seinen gepresst war, fing er an langsam zu dem Song zu schwingen. Das Monster in seiner Brust war erst einmal besänftigt. Jenny schaute ihn an; die Verwirrung war auf ihrem Gesicht offensichtlich. Er konnte das Grinsen nicht unterdrücken, das sich auf seinem Gesicht ausbreitete, als er sich überbeugte und ihr ins Ohr flüsterte: „Hab ich dir in letzter Zeit schon gesagt, wie wunderschön du eigentlich bist?"

Kichern erreichte seine Ohren. „Ich glaube, das hast du, Mr. Briefs."

„Nun, dann solltest du es mir vielleicht endlich glauben, weil andere es auch bemerkt haben." Instinktiv festigte sich der Griff an seiner Freundin und er zog sie noch näher heran, sodass er den Duft vernehmen konnte, der einfach ihrer war. „Und ich mag es nicht, wenn sie dich anschauen oder so berühren."

Jenny trat einen Schritt zurück und er konnte das nun neckische Grinsen auf ihrem Gesicht sehen. „Mr. Briefs, erzähl mir nicht, dass du eifersüchtig bist."

„Sehr richtig, das bin ich", erzählte Trunks ihr mit einem besitzergreifenden Schimmer in seinen Augen. „Du bist meins. Meine Freundin, meine Partnerin, meins." Er beugte seinen Kopf und fing ihre Lippen in einem kurzen, aber leidenschaftlichen Kuss. „Meins…"

Obwohl der Kuss ein kurzer war, bemerkte Trunks, dass Jenny ein wenig atemlos war, als sie sich trennten. „Deins", hauchte sie und traf auf seine blauen Augen.

Trunks grinste. „Und vergiss das nicht."

Ihre Lippen trafen sich wieder und sie vergaßen die Welt um sich herum.

Vielleicht war diese Nacht doch nicht so übel.