Eine Trainingsstunde

5. August 2007

Ein dröhnender Knall hallte durch den Gravitationsraum, direkt gefolgt von einem Kampfschrei. Zwei golden glühende Personen standen sich in einem Augenblick gegenüber und bekämpften sich im nächsten. Falls ein normaler Mensch sich diesen Kampf anschaute, würde er außer einem Funken hier und dort, wenn die zwei Kräfte aufeinander trafen, nichts sehen können. Er würde auch nicht sehen, wie eine der Personen auf den Boden zuschoss und hart auftraf, oder die andere Person der ersten folgte und ihre Faust dort begrub, wo das Gesicht der ersten vor dem Bruchteil einer Sekunde noch gewesen war.

Jenny atmete schon schwer, als sie wieder auf ihren Füßen stand und etwas Blut von der Ecke ihres Mundes abwischte. Aber sie hatte keine Zeit, um zu Atem zu kommen, da Vegetas nächster Angriff sofort folgte. Sie wich zurück, schaffte es gerade der Faust auszuweichen, und fand sehr zu ihrer Überraschung und Bestürzung die Wand direkt hinter ihrem Rücken.

Wieder sah sie die Faust auf ihr Gesicht zufliegen und sie duckte sich, aber sie bemerkte nicht das Knie, das sich genau in dem Moment in ihrem Unterleib begrub. Keuchend fiel sie auf ihre Knie und bemerkte, wie die Energie des Super Saiyajins sie verließ. „Verdammt", murmelte sie, als sie versuchte, wieder auf ihre Beine zu kommen, wobei sie eine Hand beschützend über ihren schmerzenden Bauch hielt. Ihre Knie zitterten, aber sie schaffte es trotzdem zu stehen und ging in eine Kampfhaltung, die von ihrem Gegner gespiegelt wurde.

„Gibst du auf?", fragte Vegeta, der noch immer ein Super Saiyajin war.

Jenny schnaubte, obwohl sie wusste, dass sie jetzt keine Chance mehr hatte. Sie war vollkommen erschlagen, ihre Muskeln schmerzten und ihr Atem kam schon in kurzen Stößen. Und trotzdem konnte sie nicht aufgeben. „Ich dachte, du kennst mich besser, Vegeta."

„In Ordnung, aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt."

Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, schoss Vegeta nach vorne und begrub seine Faust in ihren bereits verletzten Bauch. Jenny rang nach Luft, krümmte sich, und fand sich mit dem Gesicht nach unten sofort auf dem Boden wieder, nachdem Vegeta seine beiden Fäuste in ihren Rücken gerammt hatte. Ein Stöhnen entkam ihren Lippen, als sie versuchte, sich wieder hoch zu drücken, aber vergeblich. Sie spürte, wie die Energie des Saiyajins ihr durch die Finger glitt und wusste, dass sie jetzt einfach nur noch ihr normales menschliches Selbst war. „Verdammt", murmelte Jenny bloß wieder.

„Du hast verloren", stellte Vegeta fest, als er sich neben sie hinkniete. Er drehte sie um, damit sie auf ihrem Rücken lag und betrachtete sie behutsam, als er sich fragte, ob er sie vielleicht zu hart behandelt hatte. „Warte hier. Ich bin gleich zurück."

Jenny knurrte fast, als sie ihn durch halb geschlossene Augen weggehen sah. Als ob sie irgendwo hingehen könnte! Sie schloss ihre Augen ganz und versuchte tief durchzuatmen, zuckte jedoch zusammen, als sich ihre Brust und ihr Bauch schmerzhaft zusammenzogen. Ihre Verletzungen schienen schlimmer zu sein, als sie gedacht hatte. In dem Versuch sich so sehr zu entspannen wie möglich, war Jenny gerade dabei in die Bewusstlosigkeit zu gleiten, als ihr Kopf angehoben und etwas hartes und fad schmeckendes in ihren Mund gesteckt wurde.

„Kau", befahl Vegetas Stimme und Jenny tat das mit ihrer letzten Kraft, in der Hoffnung, dass sie der Erschöpfung danach nachgeben könnte. Doch sobald sie geschluckt hatte, verbreitete sich neue Energie durch ihren Körper und sie setzte sich auf, vollständig geheilt und vollständig wach. „Fühlst du dich besser?"

Jenny lächelte Vegeta an, der sie mit etwas auf seinem Gesicht, das Besorgnis ähnelte, anschaute. Ein Ausdruck, den keiner von ihnen wirklich gewohnt war. „Keine Angst. Ich fühle mich großartig. Habe ich schon mal erwähnt, wie sehr ich diese Senzu Bohnen liebe?"

„Ein oder zweimal", erwiderte Vegeta trocken. Er stand auf und streckte seine Hand aus, die sie ergriff, damit er sie auf die Füße ziehen konnte. Er ging zu dem Kontrollpult hinüber um das Warnlicht abzuschalten, das allen draußen zeigte, dass jemand im Gravitationsraum trainierte. Innerlich war er erleichtert, dass sie die Senzus hatten und dass das Gör schon wieder darüber scherzen konnte. Seiner Meinung nach war das eine viel zu knappe Sache gewesen. Ihr Ki war unglaublich niedrig gewesen, als er mit der magischen Bohne zurückgekommen war, viel zu niedrig für seinen Geschmack. Vielleicht hätte er seine Kraft wirklich an ihrem ersten Trainingstag nach ihrer langen Pause zurückhalten sollen.

Plötzlich fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. „Es ist nicht deine Schuld", sagte Jenny zu ihm, als sie um ihn herumging bis sie ihm gegenüber stand. „Ich hätte aufgeben können, als ich die Möglichkeit hatte. Ich nehme an… ich habe meine eigenen Fähigkeiten einfach überschätzt. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich während der letzten Monate so viel von meiner Kraft und meiner Ausdauer verloren hatte…" Sie schmunzelte. „Faith und Michael haben mich wirklich sehr geschlaucht."

„Du glaubst also, es ist die Schuld von deinen Gören, dass du nachgelassen hast?", fragte Vegeta sie mit einer gehobenen Augenbraue.

„Nun, ja, irgendwie… Wenn sie nicht gewesen wären, hätte Trunks mir nicht verboten, während der letzten paar Monate zu trainieren. Und wenn ich trainiert hätte, dann glaube ich, hätte ich heute eine gute Chance gehabt, dich zu schlagen, Mr. Briefs."

Vegeta verschränkte seiner Arme über seiner Brust und grunzte. „Mein Sohn ist wirklich erbärmlich. Wahre Saiyajinfrauen trainieren und kämpfen sogar, während sie schwanger sind. Einige Kinder werden sogar auf dem Schlachtfeld geboren."

„Das sagst du jetzt", grinste Jenny. „Aber eigentlich weiß ich hundertprozentig, dass du es warst, Vegeta, der meinem Partner diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, dass ich nicht trainieren sollte, solange ich schwanger bin. Gib es zu, Grandpa, du warst besorgt, dass deinen Enkeln etwas zustoßen könnte, wenn ich kämpfe."

Wieder grunzend wandte Vegeta seinen Blick ab. „Wer immer dir das erzählt hat, hat—"

„Die Wahrheit gesagt", beendete Jenny seinen Satz, obwohl sie wusste, dass er wahrscheinlich so etwas sagen wollte wie, dass es nicht wahr war. Ihr Grinsen wurde sogar noch breiter. Sie lehnte sich nach vorne und flüsterte verschwörerisch: „Aber keine Angst, Vegeta, ich werde es niemandem verraten. Dein Geheimnis ist bei mir sicher."

Sie drehte sich auf ihrem Absatz um und ging zu der Tür vom Gravitationsraum, aber schaute noch einmal zurück, bevor sie ging. „Oh, und Vegeta? Morgen werde ich dich ganz bestimmt schlagen!"

„Träum weiter", war Vegetas einzige Antwort und er schaute ihr mit einem stolzen Grinsen auf seinem Gesicht nach wie sie ging. Das Mädchen war wirklich viel mehr ein Saiyajin als sein Sohn und Kakarottos Söhne zusammen. Er zweifelte nicht daran, dass sie in bloß ein paar Wochen ihre alte Kraft und ihr Geschick wieder erlangt hatte. Wenn es überhaupt so lange dauerte.

Und dann freute er sich schon wieder auf einen richtigen Kampf mit ihr, sogar mehr als auf einen Kampf mit ihrem Vater, obwohl er das nie zugeben würde.

Genauso wie er niemals zugeben würde, dass er, in der Tat, seinem Sohn gesagt hatte, dass er seine Partnerin vom Gravitationsraum und überhaupt irgendwelchen Kämpfen fern halten sollte, während sie seine zwei Enkel austrug.

Mit einem Kopfschütteln verließ Vegeta ebenfalls den Gravitationsraum. Die letztens fünfundzwanzig Jahre auf der Erde hatten ihn wirklich verändert. Aber wenn er jetzt darauf zurückschaute, würde er es gar nicht anders haben wollen.