4. Kapitel Veränderungen im Kollegium
Anm. der Autorin: Ich möchte mich – wieder mal – für die lieben Reviews bedanken!! Ihr seid toll! Und an all die stillen Oliver-Fans da draußen: Wo seid ihr? Ich will euch sehen!!
hihi Nun ja. So, gehen wir's an! Welcome back to Hogwarts! An dieser Stelle möchte ich einen disclaimerartigen Kommentar loswerden: ab jetzt überschneiden sich manche Stellen und Ausdrücke mit Harry Potter 5 von J.K. Rowling, und all das gehört ihr. Ich borgs mir nur schändlicherweise aus, weils sonst zu AU werden würde (was es ja – logischerweise – sowieso schon ziemlich ist )
Danke, JK. Und jetzt Leinen los für ein neues Jahr – und Veränderungen im Kollegium! )
Viel Spaß!Eure Calypso
P.S.: Hätte „Many Meetings" von Howard Shore (Herr der Ringe 1 Soundtrack) einen Text, wäre der perfekt und würde jetzt da unten stehen … so muss ein anderer herhalten …
Dies ist die Stunde, genau bedacht,
wo der Moment des Augenblicks in mir erwacht.
Lass mir die Stunde! Gib mir die Chance!
Vergangenes ist vorbei,
jetzt setz' ich Kräfte frei!
Dr. Jekyll & Mr. Hyde – Dies ist die Stunde
Noch nicht ganz zwei Jahre war es her, dass er die Schule verlassen hatte; und trotzdem hatte er vergessen, wie unbequem die Kutschen hinauf zum Schloss doch waren.
Wood seufzte und versuchte, sich in eine angenehmere Sitzposition zu bringen; was aufgrund des relativ begrenzten Platzangebots in der kleinen Kutsche schier unmöglich war – noch dazu dachten die Zwillinge und Lee Jordan, mit denen er die Fahrt verbrachte, nicht daran, sich etwas dünner zu machen.
Ist ja wieder mal typisch.
Kaum war er, in Begleitung seines Teams, aus dem Zug gestiegen, waren die Tuscheleien auch schon losgegangen. Bahnsteig auf, Bahnsteig ab hatten sich Köpfe nach ihm umgedreht und ihn neugierig gemustert; und er vermutete, dass die drei Jungs vom Bahnhof nicht ganz unschuldig daran waren. Bestimmt hatten sie allen erzählt, wen sie da in den Zug hatten steigen sehen.
Fred und George hatten ihn nur weiter zu den Kutschen bugsiert, wo Lee Jordan schon auf sie gewartet und Oliver herzlich begrüßt hatte. Anschließend waren sie zu viert in eine freie Kutsche gestiegen, die von Thestralen gezogen wurden (wie der junge Schotte wusste, sie jedoch nicht sehen konnte.)
Nun saßen sie hier, und er lauschte mit gedankenverlorenem Blick hinaus in die Nacht den hitzigen Diskussionen der anderen drei, bei der es hauptsächlich um neue Streiche gegen Filch und die Slytherins ging. Gleichzeitig war er erstaunt, wie kreativ und vor allem wirkungsvoll diese Streiche zu sein schienen und lächelte in sich hinein.
„Da sitzt er und grinst, der Irre", meinte Lee schließlich kopfschüttelnd mit einem Seitenblick auf den ehemaligen Hauskapitän. „Also ich würd mich ja nicht so freuen, wenn ich noch mal hierher zurückmüsste, obwohl ich eigentlich schon draußen bin. Zumindest nicht heutzutage." Er erschauderte, ein Anblick, der bei ihm so selten war wie ein Lächeln von Professor Snape.
„Genau deshalb bin ich aber hier, Lee", antwortete Oliver mit heiserer Stimme, nach wie vor aus dem Kutschenfenster starrend. „Um denen, die jetzt hier sind, die Angst vor dem ‚heutzutage' zu nehmen. Sie zu wappnen vor dem, der wie ein Schatten über unserer Welt liegt."
Diese Worte waren es, die die Zwillinge und Lee in Staunen versetzten, denn während seiner Schulzeit hatten sie selten Worte von solcher Nachdenklichkeit und Tiefgründigkeit von ihm gehört (zählte man die endlosen Taktiken, ersonnenen Spielzüge und aufbauenden Aufmunterungsreden vor den Matches nicht mit).
Als er keine Antwort bekam, wandte Wood den Blick von der in Dunkelheit getauchten Landschaft ab und richtete ihn auf seine Freunde.
„Was?"
„Nichts, nichts", antwortete Fred Weasley und die Situation hatte ihre Wirkung verloren; sein Zwilling fuhr unbekümmert fort, mit Lee zu diskutieren. Allerdings stahl sich ein beinahe schon stolzes Lächeln auf Freds Lippen, als auch Wood wieder in sich gekehrt aus dem Fenster sah.
Während in der einen Kutsche die Weasley-Zwillinge mit Lee diskutierten und Oliver in die Nacht hinaus starrte, lief in der Kutsche der Mädchen ein nicht minder aufgeregtes Gespräch. Noch immer konnten es die drei Jägerinnen, die in ihrem Haus gerne als das „Trio Infernale" bezeichnet wurden, kaum glauben, dass Oliver Wood tatsächlich nach Hogwarts zurückgekehrt war.
„Es ist seltsam, findet ihr nicht?", meinte Alicia und zwirbelte eine Haarsträhne zwischen ihren Fingern. „Er ist wieder hier, und doch wird er nicht wieder wirklich zu uns gehören. Versteht ihr, was ich meine?"
Angelina nickte bekümmert. „Das ist wahr. Trotz all der Macken wegen des Trainings und so war es doch eine tolle Zeit. Schade, dass seine Pflichten ihm jetzt die Hände binden."
„Aber so wie ich Oliver kenne, lässt der keine Gelegenheit aus, um dem Professorendasein zumindest ein bisschen zu entfliehen. Ich meine – würdest du freiwillig deine ganze Zeit im Lehrerzimmer mit Snape oder McGonagall verbringen?"
„Der arme Oliver", kicherte Angelina, und ihre Augen funkelten belustigt. „Wenn ich mir das nur vorstelle … er inmitten all der … hihi … Lehrer …"
Nun prustete auch Alicia los. Einzig und allein Katie Bell blieb still und starrte stumm aus dem Fenster.
„Hey Katie, was ist denn los?", kicherte Alicia, die ihr am nächsten saß.
„Er hat eine sehr schwere Aufgabe auferlegt bekommen, die keineswegs lustig ist", murmelte die Angesprochene mit wachem Blick. „Er muss die Schüler – uns – für den Kampf gegen Du-weißt-schon-wen ausbilden. Wenn Dumbledore zu solchen Verteidigungsmaßnahmen greift, muss die Lage schon sehr ernst sein." Sie seufzte betrübt und wandte sich ihren Freundinnen zu. „Ich habe einfach das Gefühl, dass die Sache am Ende nicht gut ausgehen wird …"
„Ach Katie!" Angelinas Lächeln verschwand aus ihren Mundwinkeln und sie fasste die Jägerin an der Hand. „Denk nicht so negativ. Wir haben doch nur Spaß gemacht! Olivers Aufgabe ist wirklich nicht einfach, und wir alle glauben an ihn und werden ihn unterstützen. Das weißt du doch, wir waren ein Team und werden immer Freunde sein. Daran kann auch seine neue Position nichts ändern. Und glaub mir, Katie: Am Ende wird alles gut werden. Ja?"
Katie nickte beklommen und starrte weiter aus dem Fenster.
Angelina und Alicia warfen sich besorgte Blicke zu. Sie beide wussten, dass Katies großer Bruder Tyler kurz vor Voldemorts Fall vor Jahren von Todessern verschleppt und getötet worden war; und auch wenn sie damals noch zu klein gewesen war, um es zu verstehen und ihn nur von Bildern her kannte, so hatte sich die Tatsache, dass es geschehen war, in ihre Seele eingebrannt.
Alicia – sich erst vergewissernd, dass Katie nicht mehr hinsah – formte mit den Lippen und mit den Händen verschiedene Gesten und Laute, in jener Zeichensprache, die sie und Angelina einst in einer langweiligen Geschichtestunde erfunden hatten.
Ich glaube, sie hat Angst um ihn.
Angelina entzifferte die Botschaft und nickte ernst. Genau dasselbe hatte auch sie gedacht. Vorsichtig deutete sie ihrer Freundin in derselben Zeichensprache zurück.
Ich weiß, dass sie noch immer stark etwas für ihn empfindet.
Alicia runzelte die Stirn und formte mit den Lippen das Wort Ehrlich?
Johnson nickte und Spinnets Miene wurde mitleidig. Dieses Jahr würde nicht einfach werden für Katie; die ihre Gefühle bestimmt niemals vergessen hatte.
Katie selbst starrte noch immer in die Dunkelheit, und ihr Herz war hin- und hergerissen zwischen Freude über Woods Rückkehr und dumpfer Unsicherheit über das Vergangene.
Es war verwunderlich, dass sie die Sehnsucht noch in ihr spürte, als wäre es erst gestern gewesen, dass er als ihr Kapitän so oft in ihrer Nähe gewesen war. Noch viel verwunderlicher war aber, dass sein Anblick im Zug einen wahren Emotionensturm in ihr ausgelöst hatte.
Er hatte gut ausgesehen – sehr gut, um die Wahrheit zu sagen. Erwachsener, reifer; seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte.
Ihre ganze schüchterne, unsichere Art ihm gegenüber war im Abteil plötzlich zurückgekehrt … darauf war sie nicht vorbereitet gewesen.
Er hatte keine Ahnung, was sie für ihn empfunden hatte – und immer noch empfand. Zumindest glaubte sie das.
Die Art, wie er sie angelächelt hatte jedoch …
Nein, schalt sie sich mit einem leisen Seufzen und stützte das Kinn auf die geballte Faust. Die Position, die er jetzt bekleidete, hatte ihn für sie noch unerreichbarer gemacht, als er ohnehin schon gewesen war …
Langsam erklommen die Kutschen den schlängelnden Weg von Hogsmeade hinauf zu Schloss, und in der Ferne konnte man die Lichter der Schule näher kommen sehen. Die Große Halle schien hell erleuchtet, und ein eigenartiges Gefühl breitete sich in Olivers Magengegend aus, als sie das Tor zum Schulgelände passierten und die Auffahrt zum Portal hinaufschaukelten. Er war wieder da.
Was wird mich erwarten?
Endlich hielt die Kutsche an und die vier Insassen stiegen ächzend aus. Ihr Gepäck würde von den Kutschen direkt zu den Schlafsälen gebracht werden.
„Eine neue Polsterung würde den Karren nicht schaden", meinte Fred, während er sich streckte und man einige Knochen knacken hörte.
Hinter ihnen kam bereits die nächste Kutsche den Hang herauf und hielt an der Stelle, wo kurz zuvor noch die andere gestanden hatte.
„Da kommen Heimatgefühle auf, was?", witzelte Lee und klopfte Wood grinsend auf die Schulter, der in seinem nachtschwarzen Reiseumhang wie erstarrt dastand und mit großen Augen auf das Schlossportal vor ihm blickte. Jetzt, da er das ganze Umfeld der Schule wieder vor sich hatte, fühlte er sich, als wäre er nie fortgewesen.
„Los, komm schon!", riefen ihm die Zwillinge, die sich schon auf den Stufen zum Portal hinauf befanden, unisono zu und verschwanden im nächsten Moment durch die mächtigen Torflügel.
Oliver, erwacht aus seiner Starre, glättete seinen Umhang, straffte seine Schultern und wollte gerade den ersten Schritt machen als –
RUMMS.
Schneller als er vielleicht Quidditch hätte sagen können fand er sich auf dem Boden wieder – mit einer in einer fremden Sprache vor sich hin schimpfenden Person quer über seinen Beinen.
„Was zum –?"
Die Person, gerade noch mehr oder weniger hilflos auf seinen langen Beinen zappelnd, hatte sich in Windeseile aufgerichtet; und Wood erkannte, dass es eine junge Frau war – gekleidet in einen weiten, schwarzen Umhang und zu alt, um eine Schülerin zu sein, wie er feststellte. Jedoch konnte sie auch nicht um vieles älter als er selbst sein.
Ihr Erscheinungsbild war nicht typisch wunderschön, aber doch hübsch und attraktiv. Langes, pechschwarzes Haar fiel ihr in vollen Locken weit über die Schultern; ihr Teint erschien im Zwielicht der Fackeln und des Mondes natürlich gebräunt, wie es für eine Engländerin eher unüblich war. Dazu kamen die schmale, eher scharf geschnittene Nase und ihre beinahe schon schwarz wirkenden dunklen Augen, in die ein besorgter Ausdruck trat, als sie ihn ansprach.
„Bitte verzeihen Sie mir", bat sie ziemlich geknickt und bot ihm eine Hand an, um ihm aufzuhelfen. „Ich habe sie nicht gesehen, tut mir Leid!"
Ihr Englisch – so gut sie die Wortwahl und die Aussprache auch beherrschen mochte – klang ein wenig hart, sie hatte es anscheinend nicht ganz geschafft, den Akzent daraus zu verbannen.
„Ist ja nichts passiert", antwortete Oliver mit einem Lächeln und klopfte den Staub von seinem Umhang. „Keine Sorge."
Die junge Frau erwiderte sein Lächeln und legte dann den Kopf in den Nacken, so dass sie zu den Zinnen des Schlosses aufsehen konnte.
„Was für ein Gebäude", staunte sie und drehte sich einmal im Kreis. Dann wandte sie sich erneut an ihn. „Es tut mir Leid, Sie noch einmal belästigen zu müssen, aber … kennen Sie sich hier vielleicht aus? Professor Dumbledore sagte, ich solle mich mit ihm treffen aber … Es erscheint mir alles so unübersichtlich …"
Sie grinste ein wenig verlegen. Wood war sie auf Anhieb sympathisch.
„Natürlich. Am besten gehen wir erst mal hinein. Wo das Festmahl ist, kann Dumbledore nie weit sein."
Gemeinsam stiegen sie nun die Stufen zum Schlossportal hoch, und Wood ignorierte gekonnt das Tuscheln und Flüstern jener Schüler, die an ihnen vorbeiliefen, um einen besonders guten Platz in der Halle zu ergattern.
„Mein Name ist übrigens Oliver Wood", stellte er sich schließlich vor, was er als höflich und angebracht befand. „Ich bin der neue Professor für Flugkampf."
„Nett, Ihre Bekanntschaft zu machen", meinte die Unbekannte lächelnd und ergriff die Hand, die Oliver ihr hinhielt. „Mein Name ist Cassandra Theano. Ich bin hier, um die Stelle für den Unterricht in Okklumentik anzutreten."
„Ah ja?", entfuhr es Wood überrascht und er hob eine Augenbraue. Dann war er also nicht der Einzige, den Dumbledore für dieses Schuljahr neu besetzt hatte. Nun ja, nach allem was er wusste, hatte der Schulleiter auch – wieder einmal – einen neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste finden müssen. Dieses Fach war wirklich verflucht.
„Verwundert Sie das, Mr. Wood?", erwiderte Cassandra, doch ihre belustigt blitzenden Augen straften ihren eher kühlen Tonfall Lügen.
„Ganz und gar nicht. Wenn Professor Dumbledores Wahl auf Sie gefallen ist, kann das nur Gutes bedeuten."
„Kennen Sie sich mit Okklumentik aus?", fragte sie weiter, als beide das Portal durchschritten und sich in der Eingangshalle befanden, von der die riesige Treppe hinauf in die oberen Stockwerke führte. Festliche Kerzen erleuchteten zum Anlass die steinernen Wände und Porträts, die dort hingen.
„Um ehrlich zu sein, habe ich mich damit nie wirklich auseinandergesetzt", gab er zu und lächelte in sich hinein. Cassandra Theano war eine Professorin, die mit ihrem Scharfsinn, Humor und schlagfertigen Antworten sicher sehr bald beliebt sein würde – vor allem bei der männlichen Schülerschaft.
„Zu schade", war Cassandras Kommentar auf seine Worte und sie wollte gerade ansetzen, um weiter zu sprechen, als eine tiefe, altbekannte Stimme zu ihnen drang.
„Mr. Wood, Miss Theano! Es freut mich außerordentlich, Sie beide zu sehen!"
Albus Dumbledore, seines Zeichens amtierender Schulleiter von Hogwarts, kam mit wehendem Bart, dunkelviolettem, mit Sternen gesprenkeltem Umhang und dazupassendem Hut auf sie zugeschritten, die Arme in einer Willkommensgeste ausgebreitet.
„Ich hoffe, Sie hatten eine gute Reise", fuhr er lächelnd fort, als er ihnen die Hand schüttelte und Oliver fühlte sich erneut von diesem ungebrochenen Charisma des alten Zauberers eingenommen, wie er es schon zu Schulzeiten gewesen war. „Jetzt schlage ich aber vor, dass wir all das formelle Drumherum bis nach dem Festmahl warten lassen. Man soll schließlich nichts mit leerem Magen besprechen."
Er lachte, klatschte einmal in die Hände und wies sie zu einer kleinen, schäbig aussehenden Holztür, die man mehr als leicht übersehen konnte.
„Diese Tür hier führt Sie direkt an den Lehrertisch. Mr. Wood, Ihr Platz ist neben mir und Professor McGonagall, sie wird nach der Einteilung zu Ihnen stoßen; Miss Theano, der Ihre wird neben Professor Flitwick sein. Sie können ihn nicht verfehlen, er ist nicht der allergrößte."
Dumbledores durchdringende blaue Augen blitzten vergnügt, dann scheuchte er sie weiter und verschwand schließlich selbst durch eine andere Tür.
„Er ist ja noch außergewöhnlicher und erstaunlicher, als ich ihn in Erinnerung hatte", meinte Cassandra mit verblüfftem Gesichtsausdruck, bevor sie Wood durch die kleine Holztür folgte.
Ein schmaler, mit kleinen Kerzen erleuchteter Gang führte sie um eine Biegung zu einer weiteren, kleinen Tür; Oliver, jetzt noch nervöser als vorhin, schaffte es zumindest, dass Zittern seiner Hände unter Kontrolle zu halten, nicht aber sein laut pochendes Herz.
Du hast keine Wahl … jetzt nicht mehr. Da musst du durch.
„Nach Ihnen", meinte er schließlich, packte die schwere Klinke und drückte sie hinunter.
„Oh, wie galant", gab Cassandra spöttisch zurück und Wood hatte das unangenehme Gefühl, dass sie seine Nervosität ganz genau spürte. Selbstbewusst straffte die Hexe ihre Schultern und schritt hinaus in die von tausenden Kerzen erleuchtete Große Halle, wo sie sich nach kurzem Umsehen neben Professor Flitwick niederließ, der sie sofort in ein Gespräch verwickelte.
Wood atmete nochmals tief durch, versuchte selbstbewusst und wie ein ernst zu nehmender Professor auszusehen und entschied sich schließlich für den Gesichtsausdruck, den er auch immer aufgesetzt hatte, als er und sein Team hinaus auf das Feld marschiert waren. Ja, das war gut.
Es dauerte nur einen Bruchteil von Sekunden – nachdem er auf das Podium getreten war und sich neben dem freien Stuhl von McGonagall niedergelassen hatte – bevor auf den Haustischen die Tuschelei erneut ausbrach.
Besonders am Gryffindortisch steckten viele Schüler die Köpfe zusammen oder warfen ihm neugierige Blicke zu, unter ihnen auch Raleigh und seine Freunde, die ihm zuwinkten.
Fred und George Weasley saßen mit Lee Jordan, Angelina, Alicia und Katie fast am Kopfende des Gryffindortisches und winkten ihm unter aufmunterndem Zwinkern zu, das wohl sagen sollte: Du schaffst das schon!
Die Erstklässler waren noch nicht eingetroffen, und so blieb den Schülern unten an den Tischen noch genug Zeit, um über ihn und Cassandra zu tuscheln, die noch immer mit Flitwick sprach und somit nicht ganz allein der Öffentlichkeit ausgesetzt war. Neben Wood aber saß Professor Sinistra, eine Hexe, die von Natur aus nie viel Wert auf unterhaltsame Konversation gelegt hatte, und so vermied er es, sie anzusprechen.
Er spürte die vielen Blicke, die noch immer auf ihm lagen – nicht nur, weil er mittlerweile ein berühmter Spieler der Quidditchliga geworden, sondern auch erst vor zwei Jahren das letzte Mal dort unten gesessen hatte – und bemühte sich nach Kräften, seine „Kapitäns-Miene" aufrecht zu erhalten.
Adrien würde in dieser Situation wohl seine Maske aufsetzen, die er bei Spielen immer trug – kühl, beherrscht und unnahbar; so dass er niemandem seine Nervosität offenbaren musste.
Oliver musste schmunzeln, als er an Adrien dachte. Wie würde es ihm – und auch dem Rest des Teams – ergehen? Er beschloss, die Meute in den Weihnachtsferien zu besuchen.
Gerade hatte er seine Gedanken zu Ende geführt, als sich Professor Dumbledore hereinstahl, sich mit einem erwartungsvollen Seufzen auf den großen Lehnstuhl sinken ließ und die Handflächen auf die Holzplatte legte, vergnügt und leise summend und die durchdringend blauen Augen auf die Schüler vor ihm gerichtet.
Da von McGonagall und den Erstklässlern noch nichts zu sehen war (hoffentlich waren nicht wieder einige in den See gekippt wie schon einmal), ließ auch Wood seinen Blick unauffällig den Lehrertisch entlangschweifen.
Da saßen Professor Sprout, Professor Vektor, Professor Snape (der heute besonders griesgrämig dreinsah), dann ein leerer Stuhl (der üblicherweise Hagrids war), links von Professor Dumbledore am Fußende des Tisches Professor Flitwick mit Kassandra Theano (noch immer in ein Gespräch vertieft) sowie einige andere Lehrer – doch jene Frau, die den linken Platz neben dem Schulleiter innehatte, kannte er nicht.
Interessiert beugte er sich ein klein wenig vor, um sie näher in Augenschein zu nehmen; was sich von der Seite als eher schwierig herausstellte, da sie sich gerade zu Dumbledore geneigt hatte und ihm ins Ohr flüsterte.
Was er aber erkennen konnte, war zum einen ihre untersetzte Statur und zum anderen eine schreckliche, flauschige rosa Strickjacke, die sie über ihren Umhang gezogen hatte; passend zu dem – wie er nun, da sie sich abgewandt hatte und an ihrem Trinkkelch nippte, erkannte – noch schrecklicheren rosa Haarreifen, der in ihrem mausgrauen, lockigen Haar steckte. Ihr Gesicht machte einen fahlen, trägen Eindruck; ihre Augen schienen leicht hervorzuquellen und im Großen und Ganzen erinnerte sie ihn stark an eine Kröte. An eine ziemlich bösartige Kröte.
Wer bei Merlins Bart ist DAS denn…
Oliver lehnte sich wieder zurück und nippte ebenfalls an seinem Trinkkelch, der – wie er erstaunt feststellte – nicht mit Kürbissaft (so wie gewohnt), sondern mit Wein gefüllt war.
Er hatte das drängende Gefühl, dass mit dieser Frau nicht leicht Kirschen essen sein würde, wer immer das auch war.
Seine Überlegungen wurden von Professor McGonagall unterbrochen, die die Türen der Halle geöffnet hatte und nun an der Spitze einer langen, verängstigt wirkenden Schar Neulinge hereinmarschierte; in den Händen trug sie ein zusammengerolltes Stück Pergament und den wackligen Stuhl, auf dem der Sprechende Hut lag.
Alle Gespräche an den Haustischen verstummten und die Blicke richteten sich gespannt auf die Erstklässler, die sich in einer Reihe vor dem Lehrertisch aufstellten und ängstlich zu ihnen hochsahen; das Kerzenlicht beleuchtete flackernd viele bleiche Gesichter.
Dumpf konnte Oliver sich an seinen ersten Tag in Hogwarts erinnern, als er – ein klein wenig eingeschüchtert von der Halle und den vielen Menschen – den Hut aufgesetzt hatte.
Das alles schien so lange her zu sein …
Der Riss in der Hutkrempe öffnete sich nun weit und setzte an, das alljährliche Lied zu Schuljahresbeginn zu singen.
In alter Zeit, als ich noch neu,
Hogwarts am Anfang stand,
Die Gründer unsrer noblen Schule
Noch einte ein enges Band;
Sie hatten ein gemeinsam' Ziel
Sie hatten ein Bestreben …
Als der Hut nach einigen Minuten wieder verstummte, erklang wie gewohnt Beifall, doch dieses Mal, so fiel Wood auf, war auch viel Getuschel darunter. Er selbst war verwundert über die Wendung, die das Lied des Hutes dieses Jahr genommen hatte. Soweit er sich zurück erinnern konnte, hatte er noch nie eine Warnung ausgesprochen; und diese Tatsache behagte ihm ganz und gar nicht. Die neue Bedrohung durch Voldemort schien noch näher und schrecklicher zu sein, als es auf den ersten Blick schien.
Professor McGonagall, die schließlich ihr Pergament entrollte und Anstalten machte, die Namen der Wartenden zu verlesen, gebot dem Flüstern und den Tischgesprächen ein Ende. Würdevoll hielt sie das Pergament hoch, sandte noch einmal einen Blick der finsteren Sorte über die vier Haustische, dann begann sie.
„Abercrombie, Euan."
Ein sehr verängstigt wirkender Junge stolperte nach vorne, und Wood tat er fast schon leid, als er den für ihn viel zu großen Hut aufsetzte. Als Euan Abercrombie schließlich dem Haus Gryffindor zugeteilt wurde, was Oliver applaudierend kommentierte, stolperte er zurück und zum Haustisch, wo der Rest der Gryffindors ihn bereits erwartete.
Mit jedem verlesenen Namen verkürzte sich die Reihe der wartenden Erstklässler, und langsam machte sich in Woods Magen ein starkes Hungergefühl breit; hatte er doch bis auf einen Schokofrosch im Hogwartsexpress seit dem Morgen nichts mehr gegessen.
Schließlich wurde ein Mädchen namens Rose Zeller dem Hause Hufflepuff zugeteilt und die Verteilung war zu Ende. Professor McGonagall packte den Stuhl und den Hut und schritt eilig mit ihnen davon. Dafür erhob sich Professor Dumbledore und breitete die Arme weit aus, seine Augen blitzten.
„An unsere Neuen", rief er und strahlte, „willkommen! An unsere alten Hasen und so manch anderen – willkommen zurück." Sein Blick huschte kurz zu Oliver und er zwinkerte. Dann fuhr er gut gelaunt fort. „Es gibt eine Zeit, um Reden zu halten, aber dies ist sie nicht. Haut rein!"
Sofort nachdem Dumbledore verstummt war, erschienen auf allen Tischen eine Unmenge von Speisen, so dass sich die Tischplatten zu biegen schienen.
Auch auf dem langen Tisch der Lehrer reihten sich Platten mit Braten und Geflügel, Schüsseln mit Gemüse, Pasteten und Gebäck, sowie edle Krüge voll von Wein.
Oliver lächelte und tat sich ordentlich auf, um seinen mittlerweile fast revoltierenden Magen zu beruhigen. Als er den ersten Bissen tat, seufzte er leise auf. Wie sehr hatte er dieses Essen vermisst.
Den Stuhl neben ihm hatte mittlerweile Professor McGonagall eingenommen, die ihm kurz und aufmunternd zugezwinkert hatte und dann Dumbledore in ein Gespräch verwickelte; scheinbar sehr zum Ärger der untersetzten, rosa gekleideten Lady links neben ihm.
Interessiert ließ er dann den Blick weiter durch die Halle schweifen, sah zu seiner Freude hie und da bekannte Gesichter und fühlte sich in diesem Moment gar nicht mehr nervös, eher angenehm aufgeregt.
Als er das Mahl beendet hatte und sich satt und schon ein klein wenig müde in seinem Stuhl zurücklehnte, verschwand sein Teller sofort vom Tisch und McGonagall wandte ihre Aufmerksamkeit nun ihm zu.
„Ich freue mich, dass Sie hier sind, Oliver", sagte sie und es klang aufrichtig. „Professor Dumbledore hat eine ausgezeichnete Wahl getroffen; ich bin sicher, dass sie die Aufgabe mit Bravour meistern werden."
Sie lächelte, was während seiner Schulzeit nicht sehr oft vorgekommen war.
„Ich werde tun, was ich kann, Professor."
„Minerva. Bitte."
„Nun, ich werde tun, was ich kann. Minerva."
McGonagall lächelte erneut (was für ein ungewohnter Anblick das doch war) und machte sich daran, den Rest ihres Nachtisches aufzuessen. Oliver derweil atmete tief durch und verschränkte die Finger auf der Tischplatte ineinander. An die Tatsache, eine seiner strengsten und unnahbarsten Professorinnen plötzlich mit ihrem Vornamen anzusprechen, als wären sie altbekannte Freunde, musste er sich wohl erst gewöhnen.
Allmählich schwoll die Lautstärke in der Großen Halle wieder an, die Schüler hatten fertig gegessen und warteten nun satt und träge auf Dumbledores alljährliche Schulanfangsrede, die er ihnen gnädigerweise vor dem Essen erspart hatte.
Als der Schulleiter sich schließlich erhob, wurde es mucksmäuschenstill und alle Blicke richteten sich auf den Lehrertisch. Auch Wood lehnte sich leicht vor, gespannt darauf, was Dumbledore ankündigen würde und sich selbst bewusst, dass die Ankündigung seiner Person ebenfalls bevorstand.
Unwillkürlich begann sein Herz wieder stärker zu pochen; auf eine Art, die er das letzte Mal beim Finalspiel in seinem Abschlussjahr gespürt hatte. Merkwürdig.
„Nun, jetzt, da wir alle ein weiteres herrliches Festessen verdauen, bitte ich für einige Momente um eure Aufmerksamkeit für die üblichen Bemerkungen zu Schuljahresbeginn. Die Erstklässler sollten wissen, dass der Wald auf dem Schlossgelände für Schüler verboten ist – und einige unserer älteren Schüler sollten es inzwischen auch wissen."
Wood sah, wie Harry und seine beiden Freunde sich unten am Gryffindortisch zulächelten.
„Mr. Filch, der Hausmeister, hat mich, wie er sagt, zum vierhundertzweiundsechzigsten Mal darum gebeten, euch daran zu erinnern, dass Zauberei zwischen den Unterrichtsstunden auf den Gängen nicht erlaubt ist, ebenso wenig wie eine Reihe anderer Dinge, die alle auf der erschöpfenden Liste nachzulesen sind, die jetzt an Mr. Filchs Bürotür hängt."
Ach, die Liste kann noch länger werden?
Dumbledore räusperte sich und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Es schien, als wäre die nächste Ankündigung von sehr wichtiger Natur.
„Dieses Jahr haben wir gleich vier Veränderungen im Kollegium –" Unten auf den Tischen brach vereinzelt Geflüster aus und diejenigen, die eins und eins zusammenzählen konnten, blickten mit großen Augen und gerunzelter Stirn hoch zu Wood, der den Blicken mit Gelassenheit begegnete.
„Wir freuen uns sehr, Professor Raue-Pritsche erneut willkommen zu heißen, die Pflege magischer Geschöpfe unterrichten wird."
Professor Raue-Pritsche erhob sich kurz, nickte knapp und ließ sich wieder auf ihrem Stuhl nieder; müder Beifall erfüllte die Halle. Obwohl sie ein sehr großes Fachwissen im Bereich der magischen Kreaturen aufwies, konnte sie niemand ob ihrer eher griesgrämigen Art sonderlich leiden.
Als der Applaus verebbte, fuhr Dumbledore fort, ein stolzes Glitzern trat nun in seine Augen.
„Die – wie soll ich sagen … gegebenen Umstände haben mich außerdem veranlasst, zwei weitere und vor allem neue Fächer in den Stundenplan aufzunehmen, die verpflichtend für alle Schüler sein werden. Aus diesem Grunde freut es mich außerordentlich, zum einen Professor Cassandra Theano aus Athen hier an der Schule begrüßen zu dürfen. Professor Theano wird so freundlich sein und euch ihren recht beeindruckenden Fundus an Fachwissen und Anwendungsgeschick der Okklumentik weitergeben. Ich danke Ihnen, Miss Theano."
Cassandra erhob sich mit einem etwas verlegenen Lächeln und der Beifall in der Halle fiel schon deutlich begeisterter aus; Oliver konnte von seinem Platz aus sehen, dass viele Schüler die Hälse reckten, um die neue und vor allem junge Professorin zu begutachten.
Als die junge Griechin wieder Platz genommen hatte, wandte Dumbledore sich ihm zu – und mit ihm hunderte Augen, deren Blicke nun auf ihm lagen. Er fühlte sich, als könne er jeden einzelnen von ihnen spüren. Nun war der Augenblick gekommen; der Moment, in dem sie alle erfahren würden, dass er zurückgekehrt war, um sie zu unterrichten. Er, der zwanzigjährige Ex-Hüter von Puddlemere United, der vor noch nicht all zu langer Zeit noch selbst in ihren Reihen gesessen hatte. Wie wahnwitzig diese Begebenheit doch immer wieder erschien.
Sein Herz pochte laut und stark, und er musste sich zusammenreißen, um seine Maske aufrecht zu erhalten. Die Worte des Schulleiters hörte er nur wie aus weiter Ferne.
„Zum anderen ist es eine außerordentlich glückliche Begebenheit, dass sich für die Stelle des Professors für das Fach Flugkampf", Fred und George zwinkerten sich zu und knufften sich gegenseitig in die Rippen, „niemand anderes als Oliver Wood bereit erklärt hat, der euch allen ja noch in guter Erinnerung sein dürfte. Wir alle kennen seine Stärken, und ich bin der Meinung, dass ihr davon nur profitieren könnt. Danke, Mr. Wood. Willkommen zurück."
Mit weichen Knien erhob sich Oliver, hob kurz die Hand zum Gruß (wie dämlich musste diese Geste doch aussehen!) und erlaubte sich ebenfalls ein verlegenes Grinsen. Lauter Beifall und Pfiffe erfüllten die Große Halle; und besonders die Gryffindors feierten die Rückkehr ihres ehemaligen Kapitäns und Hausmitgliedes mit Jubelrufen und stampfenden Füßen. Raleigh und seinen Freunden war die Kinnlade heruntergesackt und sie starrten ihn erst ungläubig an, bevor sie schließlich in die Jubelrufe miteinfielen. Die Slytherins hingegen ließen sich nur zu müdem Klatschen hinreißen und sahen recht griesgrämig drein.
Die werden die Abreibung noch nicht vergessen haben, die das Team und ich ihnen verpasst haben …
Erleichtert über die Reaktion seiner Mitschüler ließ Wood sich wieder auf seinen Stuhl sinken und Professor McGonagall klopfte ihm auf die Schulter.
„Willkommen zurück, Oliver."
„Danke … Minerva."
Als die Schüler sich wieder einigermaßen beruhigt hatten, setzte Dumbledore erneut an, zu sprechen.
„Wir freuen uns ebenfalls, Professor Umbridge vorstellen zu können, unsere neue Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste."
Die Reaktion war höflicher aber kaum begeisterter Beifall. Umbridge war wohl keinem Schüler auch nur annähernd sympathisch.
Der Schulleiter, ungerührt über den spärlichen Applaus, fuhr unbeirrt fort. „Auswahlspiele für die Quidditch-Mannschaften der Häuser finden am –"
Weiter kam er nicht, plötzlich brach er ab und warf dieser Professor Umbridge neben ihm einen fragenden Blick zu. Für einen Moment wunderte Oliver sich, warum der Schulleiter aufgehört hatte, zu sprechen; doch dann, als er bemerkte, dass die Professorin aufgestanden war (wobei sie nicht recht viel größer als im Sitzen wirkte) und sich mit einem leisen chrm chrm räusperte, runzelte er die Stirn.
Noch nie hatte er erlebt, dass jemand Dumbledore bei seiner Rede unterbrach, denn dies war etwas, was an Respektlosigkeit grenzte.
Dieser schien nur einen Moment verdutzt, dann setzte er sich kurzerhand wieder und bedachte Umbridge mit einem aufmerksamen Blick.
Die Schüler brachen in Tuscheln aus und tauschten teilweise verwirrte, teils belustigte Blicke. Wood spürte, wie McGonagall neben ihm scharf die Luft einsog und die Lippen auf eine Art und Weise zusammenpresste, wie er sie noch nie gesehen hatte.
„Alles in Ordnung?", flüsterte er ihr leise zu und bekam dafür ein gequältes Lächeln.
„Oliver, sagen Sie mir nach dem Festmahl, ob mit dieser Person alles in Ordnung ist", meinte sie und in ihrer Stimme lag tiefe Abneigung.
Wood hatte nur kurz Zeit, über ihre Worte nachzudenken, denn Umbridge hatte bereits zu sprechen begonnen.
„Danke, Direktor, für diese freundlichen Willkommensworte."
Diese hohe, hauchzarte Stimme, die irgendwie an ein kleines Mädchen erinnerte, war übelkeiterregend; und sie begann dem jungen Schotten drastisch noch unsympathischer zu werden, angefangen von ihrem offensichtlich falschen Getue bis hin zu ihrer schrecklich rosa Flauschjacke.
„Chrm chrm. Es ist wunderbar, wieder in Howarts zu sein, muss ich sagen. Und solch glückliche kleine Gesichter zu mir heraufblicken zu sehen."
Oliver hob spöttisch die Augenbrauen und ließ den Blick im Saal umherschweifen. Keiner der Schüler sah sonderlich glücklich aus, eher verblüfft über die Art, wie diese Frau mit ihnen sprach. Als ob sie alle noch Kleinkinder wären.
„Ich freue mich sehr darauf, Sie alle kennen zu lernen, und ich bin sicher, wir werden sehr gute Freunde werden."
Nun konnte er das Grinsen nicht unterdrücken und stütze sich so mit dem Ellbogen auf der Tischplatte auf, dass seine Handfläche über seinem Mund lag. Der Drang, zu lachen, wurde langsam aber sicher unerträglich. Wer bei Merlin war diese Frau, und was musste ihr im Kopf herumgehen, dass sie so zu den Schülern sprach?
Professor Umbridge änderte ihre Sprachweise aber gänzlich, als sie weitersprach; und ihre Stimme hatte etwas Geschäftsmäßiges an sich.
„Das Zaubereiministerium hat der Ausbildung junger Hexen und Zauberer immer die größte Bedeutung beigemessen. Die seltenen Gaben, die Sie von Geburt an besitzen, könnten verkümmern, wenn wir sie nicht durch sorgfältige Anleitung fördern und hegen würden. Die uralten Fähigkeiten, die der Gemeinschaft der Zauberer vorbehalten sind …"
Je länger Umbrigde sprach, desto mehr Unruhe breitete sich unter den Schülern aus; und auch Wood musste an sich halten, um nicht in einen Tagtraum, in dem er zum ersten Mal wieder über das Quiddicht-Feld von Hogwarts flog, wegzudriften. Er zwang sich stattdessen, aufrecht zu sitzen und jedes Wort – mochte es noch so unsinnig oder merkwürdig sein – zu verfolgen. Was um Himmels Willen sagte diese Frau da? Worte über Fortschritt und dessen Einstellung fielen, ebenso Ausdrücke wie „Fähigkeiten, die der Zaubererschaft vorbehalten sind" oder „Traditionen des Herumstümperns"; und in seinem Kopf machte sich langsam aber sicher der Gedanke breit, dass diese Frau nichts Gutes im Schilde führte. Dumbledore würde sie im Auge behalten müssen.
Auch Cassandra lauschte aufmerksam der Rede, doch sie hatte die Stirn gerunzelt und ihr Gesichtsausdruck war fragend.
„… um zu säubern, wo wir Verhaltensweisen finden, die verboten gehören."
Mit diesen Worten setzte sie sich und Dumbledore begann laut zu klatschen. Seinem Beispiel folgten, wenn auch gänzlich abgeneigt, die Lehrer; von denen manche die Hände nur ein- oder zweimal zusammenschlugen und dann mit argwöhnischer Miene innehielten.
Auf den Haustischen fiel der Applaus ebenfalls eher spärlich aus, was – wie Oliver vermutete – an der allgemeinen Unaufmerksamkeit lag.
„Ich danke Ihnen vielmals, Professor Umbridge, das war eine höchst aufschlussreiche Rede", meinte Dumbledore, der das Wort wieder ergriffen hatte, schließlich und verbeugte sich in die Richtung der untersetzten Hexe. „Nun, wie gesagt, die Quidditch-Auswahlspiele finden diesen Freitag statt. Für die jeweilige genaue Uhrzeit der einzelnen Häuser wendet euch bitte an den Hauslehrer oder an den Kapitän der Hausmannschaft. Bei allen anderen Fragen stehen euch eure jeweiligen Hauslehrer gerne zur Verfügung. Und nun", schloss er und breitete erneut die Arme aus, „ist es Zeit, unseren Verstand ruhen zu lassen. Ich wünsche euch eine gute Nacht und einen angenehmen Start ins neue Jahr."
Mit diesen Worten war das Festmahl endgültig aufgelöst, die Halle wurde erfüllt von Fußgetrappel und zahllosen Rufen, als sich hunderte von Schülern auf zu ihren Schlafsälen und Gemeinschaftsräumen machten. Die Vertrauensschüler versuchten, dem Chaos Herr zu werden und ihre Schützlinge auf einen übersichtlichen Haufen zusammenzutreiben; und als das schließlich geschafft war, verließ Schar um Schar die Große Halle.
Auch Wood erhob sich, mittlerweile satt und in freudiger Erwartung auf das Bett, das ihn, obwohl er noch nicht wusste, wo, erwartete.
Als er sich umwandte, sah er Dumbledore auf ihn zukommen, in dessen Augen ein heiteres Funkeln lag; hinter ihm Cassandra Theano, die ebenfalls ein wenig erschöpft aussah. Kein Wunder, nach einer solchen Reise.
„Oliver, es tut mir Leid, dass ich Sie leider noch nicht Ihrer wohlverdienten Ruhe übergeben kann. Ich habe noch einige Dinge mit Ihnen und Miss Theano zu besprechen. Folgen Sie mir."
Mit zügigem Schritt (den man einem Mann seines Alters wohl kaum zutrauen würde) hielt er auf eine zweite Tür neben der einen zu, durch die sie gekommen waren, öffnete sie und bat sie hinein.
Die schmale Holzpforte führte in einen kleinen, aber gemütlich eingerichteten Raum, in den auf irgendeine Art und Weise alle Farben der vier Häuser inkludiert zu sein schienen. Im Kamin prasselte ein munteres Feuer und warf lange Schatten an die steinernen Wände. Davor, in einem hohen Fauteuil, saß Professor McGonagall und bedachte die Eintretenden mit erwartungsvollem Blick.
„Nun gut", begann der Schulleiter, als er die Tür hinter sich geschlossen und den beiden neuen Professoren einen Platz angeboten hatte. Nebeneinander saßen sie nun auf einem ziemlich weichen Sofa und blickten zu dem hageren, alten Mann auf wie kleine Schulkinder, die auf ihre Instruktionen warteten.
„Noch einmal herzlich willkommen in Hogwarts. Eure Anwesenheit erleichtert die gegenwärtige Situation um einiges." Er dämpfte die Stimme, blickte nach links und nach rechts, als ob er befürchtete, jemand würde sie belauschen, dann sprach er weiter. „Meine Entscheidung, Eure Lehrfächer neu einzuführen, kommt nicht von ungefähr. Das wisst ihr. Jedoch ist nicht die gesamte Zaubererwelt der Meinung, dass jene Dinge, die Harry Potter letzten Sommer im Irrgarten erlebte, auch wirklich geschehen sind. Meine linke Nachbarin ist dafür ein lebendes Beispiel."
Er hielt inne, und beide, Oliver und Cassandra, waren so scharfsinnig, die Person hinter Dumbledores Wortspiel zu erkennen. Umbridge war also eine von Fudges treuen Anhängern, seiner Meinung wahrscheinlich bedingungslos untergeben. Das machte die Sache natürlich schwieriger.
„Solchen Menschen", meinte der Schulleiter weiter, „ist es natürlich ein Dorn im Auge, dass ich Fächer bereitstelle, die zur Verteidigung Voldemorts dienen, obwohl er doch gar nicht zurück sein kann. In ihren Augen zumindest."
Mit ernstem Blick bedachte er die beiden Professoren und sah sie über die Ränder seiner halbmondförmigen Brillengläser hinweg an.
„Deshalb ist es eure Aufgabe, die Schüler eines besseren zu belehren und ihnen zu helfen, sich gegen die Bedrohung zu schützen, die über uns heraufzieht. Egal, was manche von ihnen sagen werden – und ich bin mir ziemlich sicher, dass es einige darunter gibt, die dem Tagespropheten Glauben schenken -, davon sollt ihr euch nicht beirren lassen. Verstanden?"
Oliver und Cassandra nickten ernst, zum Zeichen, dass sie verstanden hatten; und Wood, als er einen Blick zu McGonagall hinüberwarf, schien es, als sähe sie plötzlich sehr alt und angespannt aus. Diese Umbridge würde ihnen allen wohl noch sehr viel Ärger bereiten; wenn sie es nicht schon tat. Ihre Rede war erst der Anfang gewesen, da war er sich sicher.
„Und nun", rief Dumbledore besser gelaunt aus und klatschte in die Hände, „wenden wir uns angenehmeren Dingen zu. Sie beide werden im Lehrerflügel des Schlosses untergebracht – Ihr Stirnrunzeln ist berechtigt, Oliver. Kein Schüler hat ihn je betreten, deshalb weiß auch niemand, wie es dort aussieht. Glauben Sie mir, es wird Ihnen gefallen." Er zwinkerte spitzbübisch, bevor er sich McGonagall zuwandte und ihr zunickte.
Die Hexe erhob sich und holte aus den Tiefen ihres Umhangs zwei Pergamentblätter hervor, von denen sie jeweils eines Oliver und Cassandra gab.
„Ihr Stundenplan", erklärte sie. „Miss Theano, Ihre Stunden finden im dritten Stock statt. Es ist die Klasse neben der Statue von Gundula der Großartigen. Mr. Wood, Ihre Stunden finden vorwiegend draußen auf dem Feld statt. Sofern Sie das Bedürfnis haben sollten, Theoriestunden mit einem Dach über dem Kopf abzuhalten oder es das Wetter nicht zulässt, ist Ihnen das leere Klassenzimmer im zweiten Stock freigestellt."
Oliver nickte und betrachtete eingehend den Stundenplan auf seinem Pergamentblatt.
Montag
Flugstunde, erste Klassen Gryffindor & Ravenclaw
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Flugstunde, erste Klassen Slytherin & Hufflepuff
Mittagessen
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Flugkampf, sechste Klasse Gryffindor
Dienstag
Flugkampf, zweite Klasse Gryffindor
Flugkampf, fünfte Klasse Ravenclaw
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Flugkampf, sechste Klasse Ravenclaw & Slytherin
Mittagessen
Flugkampf, siebte Klasse Gryffindor & Hufflepuff
Flugkampf, siebte Klasse Ravenclaw & Slytherin
Mittwoch
Flugkampf, zweite Klasse Slytherin
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Flugkampf, zweite Klasse Hufflepuff & Ravenclaw
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Mittagessen
Flugkampf, fünfte Klasse Gryffindor & Slytherin
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Donnerstag
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Flugkampf, dritte Klasse Gryffindor
Flugkampf, zweite Klasse Slytherin
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Mittagessen
Flugkampf, sechste Klasse Hufflepuff
Freitag
Flugkampf, fünfte Klasse Hufflepuff
Flugkampf, vierte Klasse Gryffindor & Ravenclaw
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Flugkampf, vierte Klasse Hufflepuff & Slytherin
Mittagessen
Ein anstrengender, aber ausgewogener Stundenplan. Als Wood die Klassen und deren Häuser betrachtete, fühlte er eine Art Aufregung in ihm aufsteigen. Morgen ging es also wirklich los.
„Ich denke, nun ist alles geklärt. Mir bleibt nichts anderes, als Ihnen eine gute Nacht und morgen einen guten Start zu wünschen. Miss Theano, erweisen Sie mir die Ehre, Ihnen Ihr Zimmer zeigen zu dürfen", schloss Dumbledore schließlich galant und bot Cassandra seinen Arm an, den sie schüchtern ergriff und mit einem kurzen „Gute Nacht" aus dem Zimmer verschwand.
„Kommen Sie, Oliver", sagte nun auch McGonagall und lächelte. „Ich werde Ihnen Ihre Unterkunft zeigen."
Wenige Minuten später (in denen Wood Hogwarts mit all seinen Treppen, Portraits und anderen Erinnerungen wiedersah) hatten sie das Bildnis einer großen, schlanken Frau erreicht, dass an einer sonst leeren, großen Wand hing. Sie trug eine leichte, weiße Tunika, die sie mit einem goldenen Band gegürtet hielt; blondes Haar fiel ihr über die Schultern und sie war gerade dabei, einige Pergamentrollen zu lesen, als sie die Ankömmlinge bemerkte.
„Guten Abend, Minerva. Es freut mich, Euch zu sehen", sprach sie, und ihre Ausdrucksweise hatte einen leichten, altertümlichen Hauch; genauso wie das Tongeschirr und die weißen Säulen, die ihr Landschaftsbild zierten. „Professor Dumbledore brachte vorhin eine Frau aus meiner Heimat mit; wohl neu hier, denn gesehen habe ich sie noch nie; und jetzt kommt Ihr mit einem Mann, der mir ebenfalls gänzlich unbekannt ist."
Sie musterte Oliver freundlich mit ihren perlmuttfarbenen Augen und schenkte ihm ein Lächeln, wohl zum Zeichen, dass sie ihm wohlgesonnen war.
„Das ist Oliver Wood, Athene", erwiderte Professor McGonagall. „Er ist wie Cassandra, die du bereits kennengelernt hast, ein neuer Lehrer an der Schule; und ich bin gerade dabei, ihm die Gepflogenheiten des Lehrerflügels zu unterbreiten."
„Eine sehr gute Tat", lobte Athene und ließ sich anmutig auf dem grasbewachsenen Boden ihres Gemäldes nieder. „Wisset, Oliver: Das Kollegium der Lehrer von Hogwarts ist eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Die einander an der Hand fasst, wenn die Zeiten schlecht stehen. Deshalb erfahrt nun den Weg, in diese Gemeinschaft zu gelangen."
Mit diesen Worten streckte sie ihre Hand aus und berührte – so schien es – die Oberfläche des Portraits.
Verwundert blickte Wood von ihr zu McGonagall, die ihn aufmunternd ein wenig nach vor schob. „Sie müssen Ihre Handfläche auf ihre legen, Oliver. Sie erkennt alle Lehrer an ihren Händen, Fälschungen haben gegen sie keine Macht. Athene wird nun auch die Details Ihrer Hand einprägen."
Zögernd trat Wood einen weiteren Schritt nach vor und streckte seine Hand aus, bis seine Handfläche auf die Athenes traf. Er spürte raue Leinwand unter seinen Fingern, und trotzdem hatte er das Gefühl, als würde er auch eine zarte Hand berühren.
„Ah!", sagte Athene und ihre Augen glitzerten. „Ihr tragt viel Mut in Euch, Oliver Wood. Und einen klugen Verstand. Willkommen."
Und mit einem Mal verschwand das Portrait vor seinen Augen und ein Gang offenbarte sich dahinter, mit Fackeln ausgeleuchtet.
„Nach Ihnen", meinte McGonagall lächelnd und folgte ihrem ehemaligen Schüler in den freigelegten Korridor. Nachdem sie den Durchgang passiert hatten, erschien die Wand von neuem, reglos und starr, als wäre sie niemals da gewesen.
„Hier lang."
Sie bogen am Ende des Ganges rechts ab, kamen an vielen Türen vorbei, hinter jeder wohl eine Lehrerunterkunft liegen mochte, und Oliver staunte ob der vielen Portraits von Lehrkräften, die diese Schule je besessen hatte und die nun an der Wand hingen. Dumbledore, McGonagall, Flitwick und auch Snape sah er da, sie alle festgehalten in einem goldverzierten Rahmen. Besonders verwundert war er, als er am Ende des Ganges ein Gemälde erkannte, dass Cassandra zeigte, und noch mehr staunte er, als er daneben eines von sich selbst erblickte. Selbstbewusst lächelnd beobachtete sein Gemälde-Ich den Gang und winkte ihm zwinkernd zu.
Wahnsinn.
Schließlich waren sie vor einer der großen Holztüren angelangt, die stellvertretende Schulleiterin drückte die Klinke herunter und bat Oliver in den Raum.
Als er diesen betrat, konnte er nicht anders, als zu staunen.
Ein großer Leuchter hing von der hohen Decke und tauchte das Zimmer in warmes, freundliches Kerzenlicht; warf lange Schatten auf ein großes, gemütlich aussehendes und dunkelrot bezogenes Himmelbett und einen großen Schreibtisch samt dahinter stehendem Lehnstuhl. Sein Gepäck und der Käfig mit Sayuri standen neben einem dunklen, ausladend wirkenden Schrank; und die Eule gab glückliche Laute von sich, als sie ihren Herrn erblickte. An der gegenüberliegenden Wand zum Bett, neben einer weiteren Tür, war ein Kamin eingelassen, in dem ein munteres Feuer prasselte.
Der weiche Teppich dämpfte Olivers Schritte, als er das Zimmer durchmaß und einen Blick aus dem Fenster hinaus auf das dunkle Schlossgelände warf. In einiger Entfernung konnte er den See im Mondlicht glitzern sehen.
Irgendwie fühlte er sich, als wäre er … ja, als wäre er nach Hause zurückgekehrt.
„Ich hoffe, es sagt Ihnen zu, Oliver", kam es von McGonagall, die noch immer hinter ihm stand und ihn aus seinen Gedanken riss.
„Natürlich … natürlich, Minerva", erwiderte er perplex und wandte sich um, ziemlich sicher, dass sie das freudige Glitzern in seinen Augen sehen konnte, „es ist … unglaublich."
„Das freut mich." Sie lächelte und wandte sich dann zum Gehen. „Ich werde Sie nun allein lassen. Kommen Sie morgen um halb acht zum Frühstück, dann werde ich Ihnen noch weitere Informationen geben, was Ihren Unterricht betrifft, Oliver. Gute Nacht."
„Ist in Ordnung. Gute Nacht, Minerva."
Als die Professorin verschwunden war und die Tür sachte hinter sich geschlossen hatte, legte Oliver seinen Umhang ab und ließ sich mit Anlauf auf das große Bett fallen. Dort lag er dann und gab sich ganz den neuen Eindrücken und Erlebnissen hin, die er heute gewonnen hatte.
Es verwunderte und verwirrte ihn noch immer zutiefst, dass McGonagall ihn plötzlich eher als einen Kollegen und Freund behandelte, wo er doch anderen Umgang mit ihr gewohnt war; doch wenn er darüber nachdachte, so war sie eine angenehme Gesprächspartnerin und hilfreich, was das Schulgeschehen anging.
Auch Cassandra Theano hatte einen netten Eindruck auf ihn gemacht, und er war froh, nicht der einzige junge Lehrer in Hogwarts zu sein. Er war sich sicher, dass er auch mit ihr gut auskommen würde.
Und dann, als er seine Gedanken weiter schweifen ließ, erinnerte er sich plötzlich an eine Person, die er im ganzen Trubel völlig vergessen hatte.
Katie.
Seit der Zugfahrt hatte er nicht mehr mit ihr gesprochen, sie nur flüchtig gesehen. Hatte sie ihn angesehen, als er oben auf dem Podium gesessen hatte? Hatte sie ihn beobachtet?
Er seufzte und blickte gedankenverloren zu Sayuri hinüber.
Was sie wohl gerade tut?
Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte er all die Zeit, in der er bei Puddlemere gespielt hatte, neben seinem alten Team besonders ihre Art vermisst. Die Art, die ihn zum Lachen gebracht hatte, selbst wenn die Umstände ganz und gar nicht zum Lachen gewesen waren. Die Art, die ihn aufgemuntert und ihn geneckt hatte, wenn er wieder mal zuviel nachgedacht hatte. Die Art, die temperamentvoll gegen ihn protestiert hatte, als er sie frühmorgens aus dem Schlafsaal aufs Feld geschleift hatte.
Die Art, die auf einmal in Gefühle umgeschlagen hatte.
Wie hatte er nur so blind sein können?
Er seufzte erneut und begann schließlich, sich seiner Kleidung zu entledigen und Sayuri mit einem Eulenkeks zu füttern.
Morgen würde er früher aufstehen müssen, um seine Sachen einzusortieren und sich auf die erste Stunde vorzubereiten.
„Gute Nacht, Sayu. Schlaf gut."
Mit einem Schlenker seines Zauberstabs löschte er die Kerzen auf dem Leuchter und beschwor das Feuer im Kamin so weit herunter, dass es nur mehr schwach erglomm und rot-orange Sprenkel an die Wände malte; dann schlüpfte er nur in seinen Shorts unter die Bettdecke und starrte zum Baldachin über ihm hinauf.
Dies war sein neues Leben. Nun musste er sehen, was er daraus machte; alle Kräfte freisetzen, die er benötigte, um dieser Bedrohung, wie Dumbledore sie nannte, zu widerstehen.
Irgendwo in einem anderen Teil des Schlosses zog Katie Bell die Decke bis weit über ihre Ohren hinauf, versuchte, ihr hämmerndes Herz zu beruhigen und seufzte.
Es war soweit. Ihre Gefühle waren wieder da, endgültig, unbestreitbar, stärker als zuvor; und die Verzweiflung, hervorgerufen von der Tatsache, dass er nun für sie noch unerreichbarer war, lief in Tränen ihren Wangen hinunter. Das, was sie so sehr wollte und begehrte, durfte nicht sein. Nicht mehr.
Und doch konnte sie sich mit diesem Faktum nicht einigen, fand keine Ruhe. Wenigstens versuchen wollte sie es, doch gab es irgendeine Chance?
Was sollte sie nur tun?
Anm. der Autorin: Arme, arme Katie … ob sich alles noch zum Guten wendet?
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Eure Calypso
