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7. Kapitel Gryffindors neuer Hüter

Anm. der Autorin: Ein erster Schultag ging zu Ende … aber wie wir alle wissen, folgen ja noch viele weitere … Ich hab mich dafür entschieden, den Ereignissen zu Beginn des Schuljahres und vielen anderen eine halb detaillierte, halb überblickende Aufmerksamkeit zu schenken – so wird denke ich für jeden was dabei sein )

Kommen wir gleich mal zu solch einem Ereignis – die erste Woche neigt sich ihrem Ende zu und wie wir wissen, kann Harry der Kröte gegenüber den Mund nicht halten, Angelina verliert die Nerven und – ja, Gryffindor bekommt einen neuen Hüter, der versucht, Olivers großes Erbe weiterzuführen … Was sagt der wohl zu Angelinas Wahl?

Lest selbst!

Eure Calypso

Happy turns to sad, sometimes life gets bad

But things get rearranged, nothing stays the same

It just never ends, here we go again

One thing still remains

Season changes …

Anastacia – Season Changes

„Sie hat was getan?"

Oliver hob entsetzt eine Augenbraue und sah die Weasleyzwillinge, die neben ihm gingen, fragend an. Die drei schlenderten gerade von der ersten, erfolgreichen Flugkampfstunde der siebten Gryffindorklasse zurück ins Schloss und hatten sich über dieses und jenes unterhalten. Es war ein bewölkter, eher kühler Nachmittag und der Wind zerzauste in kalten Böen ihre Haare. Gerade eben hatte Fred dem ehemaligen Kapitän von dem Vorfall während Harry Potters erster Verteidigung gegen die dunklen Künste-Stunde erzählt.

„Eine ganze Woche nachsitzen, ja", wiederholte George finster und kickte ein Steinchen mit der Schuhspitze aus dem Weg. „Nur, weil er die Wahrheit gesagt hat, aber du kennst die Alte ja. Fudge ist Gott und seine Ansichten Gesetz. Ich glaub, sie würde jeden, der es wagt, an Voldemorts Rückkehr zu glauben, am liebsten nach Askaban stecken." Er seufzte. „Das Nachsitzen stell ich mir nicht angenehm vor, vor allem für Harry nicht. Immer abends. Angelina hat getobt, das sag ich dir. Harry tat mir richtig leid, als sie ihn heute zusammengestaucht hat."

„Zusammengestaucht? Wieso das denn?", fragte Wood nach, denn das Bild, welches Angelina ihm noch am Vortag dargeboten hatte, wollte nicht wirklich zu dieser Erzählung passen.

„Naja, weil doch am Freitag um fünf die Auswahlspiele für den neuen Hüter sind", erklärte der Zwilling und schob die Hände tief in die Hosentaschen. „Sie wollte, dass alle aus dem Team dabei sind, damit der Neue mit allen abkann und so …"

Oliver nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte und richtete den Blick nach vor auf das große Mädchen mit den langen, geflochtenen Haaren, das bereits das Schlossportal wenige Meter vor ihnen passierte. Er nahm sich vor, später mit ihr zu reden.

Im Schloss angelangt verabschiedeten sich die Zwillinge mit einem Handschlag von Oliver, nachdem sie sich dreifach vergewissert hatten, dass auch ja keiner der Lehrer anwesend war; und der junge Schotte schlug schließlich den Weg zum Lehrerzimmer ein.

Auf dem Weg dorthin begegneten ihm einige Grüppchen von Schülern, die zu viert oder fünft durch die Gänge liefen, und es war ihm noch immer ein wenig unangenehm, wenn sie tuschelnd an ihm vorbeigingen. Nun allerdings merkte er, dass kindliches Kichern und Kieksen – besonders bei den Mädchengruppen – hinzugekommen war. Na toll.

Sieh zu, dass du nicht zum nächsten Gilderoy Lockhart mutierst …

„Halt, für Schüler kein Zutritt!", meinte einer der Wasserspeier keck, als er vor der breiten Holztür angekommen war und im Begriff war, hinein zu gehen. Genervt verdrehte er die Augen und fixierte den Wasserspeier mit einem gefährlichen Blick.

„Was du nicht sagst … sehr witzig."

Er wusste, warum er diese Wasserspeier schon immer gehasst hatte.

„Stimmt, ich könnte mich zu Tode lachen", meldete sich nun auch der zweite Wasserspeier mit spottender Stimme zu Wort. „Ich glaube, wir können den da nicht mehr so leicht aus der Fassung bringen", meinte er schließlich an seinen Kollegen gewandt. „Immerhin ist er ja Lehrer."

Beide brachen in lautes, gackerndes Lachen aus und Wood betrat mit einem letzten bösen Blick das Lehrerzimmer. Diese beiden konnten einem echt auf die Nerven gehen.

Warme Luft schlug ihm entgegen; eine Wärme, die das Feuer aus dem großen Kamin, der in die Wand eingelassen war, entsandte und damit den langgezogenen, mit dunklem Holz ausgetäfelten Raum erfüllte. Rund um einen langen, rechteckigen Tisch reihten sich verschiedene Stühle, die alle nicht zueinanderpassten, und einige recht gemütlich aussehende Lehnstühle waren vor dem Kaminfeuer aufgestellt.

Um diese Zeit war das Lehrerzimmer gut besucht; die Professoren Sprout und Vektor unterhielten sich vor dem Kamin, Professor Flitwick war in ein ernstes Gespräch mit Professor Raue-Pritsche vertieft und Professor Sinistra (deren Anblick ihn höchst erstaunte, war sie doch sonst eher nachtaktiv) hatte – wohl aus Mangel an Platz auf ihrem eigenen Schreibtisch – eine überdimensionale Sternkarte auf dem langen Tisch ausgebreitet und zeichnete mit seltsam aussehenden Linealen tief konzentriert darauf herum.

Da alle so vertieft in irgendwelche Beschäftigungen zu sein schienen und er sich nirgends aufdrängen wollte, dachte Wood schon daran, umzukehren, als er plötzlich hinter sich seinen Namen hörte. Erstaunt wandte er den Kopf und sah Professor McGonagall mit einem Lächeln auf den Lippen zur Tür herein kommen, im Arm hielt sie einen Stoß Pergamentrollen.

„Ah, Oliver. Schön Sie zu treffen."

Sie bugsierte ihn zu zwei freien Plätzen am großen Tisch und legte die Rollen auf der blankpolierten Tischplatte ab, dann forderte sie ihn mit einer Handbewegung auf, sich zu setzen. Als sie es ihm schließlich gleichgetan hatte, wurde ihr Lächeln noch breiter, ein Anblick, der so ungewohnt war, dass er fast schon surreal wirkte.

„Was ist der Grund für Ihre gute Laune, Minerva?", fragte er schließlich, selbst schon lächelnd, als sein Gegenüber noch immer kein Wort verloren hatte. Gleichzeitig merkte er, dass es ihm keine Probleme mehr bereitete, seine alte Hauslehrerin beim Vornamen anzusprechen.

„Ihr Erfolg natürlich", rückte sie schließlich heraus und nickte anerkennend. „Glauben Sie mir Oliver, schneidet man auch nur einmal das Thema Fliegen an, so bricht die ganze Schule in Begeisterung über Ihren Unterricht aus. Ihre Methoden und Unterrichtsart sind sehr beliebt, und das nach nur einem Tag. Sogar Dolores hat mich darauf angesprochen – sie konnte es gar nicht glauben."

McGonagall lachte leise. „Damit dürften wir ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Sie dachte wahrscheinlich, dass sich Ihr Alter und Unterrichten nicht vertragen würden."

Nun verstand Wood wahrlich die gute Laune seiner Kollegin und konnte nicht umhin zu grinsen. Umbridge hatte sich gründlich getäuscht, was seine Qualifikationen anging, und dass die Schüler seinen Unterricht mochten anstatt sich über ihn lustig zu machen, hob seine Laune noch um ein Stück mehr.

Da McGonagall aber Umbridge als Thema angeschnitten hatte, verdunkelte sich sein Gesicht sogleich wieder, als er an Harry und seine Strafarbeit dachte. Vielleicht hatte Minerva bereits davon gehört und konnte ihm mehr darüber sagen als die Zwillinge.

Professor McGonagalls Lippen verwandelten sich so schnell von dem breiten Lächeln in einen schmalen Strich, als der das Thema aufgriff, dass er fast gar nicht so schnell hätte schauen können.

„Natürlich habe ich davon gehört. Dolores hat Potter mit einer von ihr verfassten Notiz zu mir geschickt, in der sie … versucht hat, mir die Geschehnisse im Unterricht darzulegen."

Sie senkte die Stimme auf ein Flüstern. „Eigentlich verbietet es mir meinen Stellung, schlecht über Kollegen zu sprechen – aber bei dieser Frau wird man regelrecht dazu gezwungen. Sie und ich wissen, dass das, was Harry Potter erlebt hat, der reinen Wahrheit entspricht und dass Dolores Umbridge lediglich eine Marionette von Cornelius Fudge ist …"

Tief durchatmend massierte sie sich die Schläfen, bevor sie fortfuhr.

„Das, was ich erst gestern zu Harry Potter gesagt habe, Oliver, habe ich nicht getan, weil ich die Freundschaft zwischen ihnen auf Eis legen oder verhindern will. Natürlich ist es in Ordnung, wenn Sie – außerhalb des Unterrichts – die alten Kontakte pflegen. Und trotz allem warne ich Sie, Wood. Diese Frau ist gefährlich in dem Sinne, dass sie uns in allen Tätigkeiten, die dem Aufstieg des Dunklen Lords in jeglicher Weise vorbeugen, hindern kann. Sie dürfen ihr keine Gelegenheit geben, Sie vor dem Minister anzuschwärzen oder gar zu verweisen, denn das würde unser Vorhaben mehr als zurückwerfen."

Wood nickte ernst und verschränkte die Finger ineinander. So etwas in dieser Hinsicht hatte er bereits geahnt und ihm wurde wieder einmal bewusst, dass diese Situation mit höchster Vorsicht zu behandeln war. Trotz allem überraschte es ihn ein wenig, dass Minervas strenge Mahnung vom Vortag nur eine Art Scharade gewesen war, um Umbridge ein heiles Bild vorzugaukeln. Hieß das, sein Verhältnis zu seinen alten Freunden war nun doch nicht so eng zu sehen?

McGonagall schien zu merken, wie sehr ihn dieses Thema nachdenklich stimmte und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.

„Denken Sie nicht zuviel darüber nach, Oliver. Geben Sie sich nicht krampfhaft anders, als sie sind. Natürlichkeit wird Dolores keinen Anstoß zum Misstrauen geben."

„Da könnten Sie recht haben, Minerva."

„Sehen Sie. Und nun lächeln Sie wieder, denn das ist etwas, dass in diesen Tagen viel zu selten vorkommt. Ich bewundere und schätze Ihre Arbeit, Oliver; nicht jeder junge Mann in Ihrem Alter würde dies zustande bringen. Tun Sie sich etwas Gutes und sehen Sie sich am Freitag die Auswahlspiele für den neuen Hüter an. Lassen Sie den unschuldigen Blick – ich weiß, dass Sie ohnehin hingegangen wären. Tragen Sie zu unser aller Vorteil ein wenig dazu bei, dass Miss Johnson ihre Nerven im Zaum hält."

Olivers Blick wandelte sich in Schuldbewusstsein und er konnte nicht anders, als verlegen zu lächeln; versuchte gar nicht, sein geplantes Vorhaben, dass er noch am Vortag mit Angelina besprochen hatte, zu leugnen und hatte schon längst aufgehört, darüber nachzudenken, wie McGonagall seine Gedanken spielend erraten konnte.

„Stimmt …", bestätigte er schließlich kleinlaut und zwinkerte, was McGonagall amüsierte.

„Ich wusste doch, dass Ihr alter Geist noch nicht verloren gegangen ist", schmunzelte sie und erhob sich samt ihren Pergamentstößen. „Sie werden mir verzeihen, wenn ich jetzt in die Einsamkeit meines Büros zurückkehre, um mir die Zeit mit dem Korrigieren von Aufsätzen zu vertreiben."

Sie seufzte und schickte sich an zu gehen. „Haben Sie noch einen schönen Tag, Oliver."

„Ebenfalls, Professor."

Wood traf Angelina Johnson später am Abend, als er auf dem Weg in sein Zimmer und sie auf den Weg zurück in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors war. Die Siebtklässlerin sah abgespannt und müde aus; ein Anblick, der den jungen Schotten seltsam an sich selbst erinnerte.

„Hi Angelina", begrüßte er sie freundlich und lächelte sie aufmunternd an, denn er spürte, dass sie ziemlich gestresst war. „Alles in Ordnung bei dir?"

„Ja, geht schon", murmelte die Kapitänin und fuhr sich mit einer fahrigen Bewegung durchs Haar. „Bei dir?"

„Alles bestens … ist es noch immer in Ordnung für dich, wenn ich am Freitag zusehe?", fragte er vorsichtshalber, denn er wusste noch aus alten Zeiten, dass mit einer gestressten oder gereizten Angelina Johnson nicht gut Kirschen essen war und sie oftmals rapide ihre Meinung änderte.

Angelinas Augen durchzog ein kleiner Hoffnungsschimmer und sie nickte heftig. „Natürlich, Oliver! Ich bin froh, wenn ich die Meinung eines Kenners einholen kann … ich meine, immerhin sollte der Neue schon was auf dem Kasten haben … und ins Team passen … und …"

Kaum hatte sie das gesagt, wurde ihr hübsches Gesicht ärgerlich und ihr Blick zornig.

„Oliver, ich glaube, ich brauche deinen Rat als Kapitän. Es ist so … Harry macht Probleme. Irgendwie hat er es geschafft, Umbridge in die Quere zu kommen, und jetzt hat sie ihm die ganze Woche abends nachsitzen aufgehalst, und das, obwohl ich gesagt habe, dass das ganze Team am Freitag um fünf im Stadion sein soll, weil der Neue zu allen passen muss! Und ich habe ihm extra gesagt, er soll Umbridge um Erlaubnis bitten, dass er zu diesem Zeitpunkt gehen kann – aber NEIN! Jetzt sind wir einen zu wenig und es können nicht alle mitentscheiden und – und dann hab ich einfach die Nerven verloren heut beim Frühstück und …"

Das alles war mit so atemberaubend schneller Geschwindigkeit aus Angelina herausgesprudelt, dass Wood besonders aufpassen musste, um all ihre Worte zu verstehen. Beruhigend packte er sie an den Schultern und sah ihr fest in die Augen.

„Angelina, beruhig dich", befahl er mit ruhiger Stimme und die Jägerin holte tief Luft; Unsicherheit, die beim „Gespräch" mit Harry bestimmt noch nicht aufgetreten war, blitzte in ihrem Blick auf.

„Aber …"

„Hör mir zu … ich weiß, es ist ziemlich seltsam, das ausgerechnet von mir zu hören; aber ich erkenne, dass du gerade dabei bist, denselben Fehler zu begehen, den ich so viele Male begangen habe. Die Gründe, die andere vorbrachten, weil sie nicht zum Training oder was auch immer erscheinen konnten, waren mir oftmals herzlich egal, und das weißt du auch. Das hätte es aber nicht sein sollen. Es wird noch öfter passieren, dass irgendetwas nicht nach dem Schema läuft, das man sich ausgedacht hat, aber damit muss man lernen, zurecht zu kommen, glaub mir. Angelina, Harry hat von dieser", er dämpfte die Stimme, „schrecklichen Frau eine Strafarbeit gekriegt, weil er die Wahrheit gesagt hat. Nichts als die Wahrheit, und dafür sollte man nicht bestraft werden, das wissen wir beide. Die Umstände zwingen uns aber dazu, es so hinzunehmen, wie es ist."

Die junge Gryffindor schluckte und blinzelte. Von dieser Seite hatte sie es in ihrer aufgebrachten Stimmung nicht betrachtet.

„Du hast Recht", flüsterte sie heiser und biss sich auf die Unterlippe. „Natürlich hast du Recht. Ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen, nachdem ich ihn so angefahren hatte – aber ich wollte nicht schwach erscheinen …"

„Um Verzeihung zu bitten ist kein Zeichen der Schwäche", berichtigte Wood sanft und lächelte. „Es hat mich zwei Jahre gekostet, um das herauszufinden; und glaub mir, es war keine angenehme Erfahrung, es auf die harte Tour da draußen zu lernen."

Diese Worte verschafften Angelina eine etwas bessere Laune und es war, als ob sie ihren ehemaligen Teamkollegen plötzlich in einem völlig anderen Licht sah. So wie er jetzt sprach, hatte er nie während all seiner Jahre als Kapitän gesprochen, und sie spürte, dass die Veränderung, die in ihm vorgegangen war, aufrichtig war.

„Stimmt", meinte sie dann schwach grinsend. „Die eine oder andere Entschuldigung deinerseits hätte nicht geschadet …"

„He!", beschwerte sich Oliver und knuffte sie in die Seite, seine Augen trugen einen schelmischen Ausdruck. In seinem Inneren aber wusste er, dass sie recht hatte. Er hatte vieles falsch gemacht – und doch war es, als hätte er die Chance, sich neu und besser zu entwickeln, bekommen und genutzt.

„Entschuldige dich bei Harry", riet er ihr schließlich, bevor sie wieder getrennte Wege einschlugen und Angelina schuldbewusst von einem Bein aufs andre trat. „Er hat im Moment genug um die Ohren – da muss ihm nicht auch noch seine liebste Freizeitbeschäftigung zur Hölle gemacht werden. Hm?"

„Mhm …", machte die Jägerin und schenkte ihrem Freund einen dankbaren Blick, froh, dass er ihr mit so gutem Rat zur Seite stand, und lächelte. „Danke, Oliver."

„Keine Ursache", schmunzelte er und klopfte seiner Nachfolgerin auf die Schulter, bevor sie in den Gemeinschaftsraum und er auf sein Zimmer zurückkehrten.

Der Freitag brach genauso kühl und windig an, wie der Großteil der Woche gewesen war; und Oliver spürte schon beim Frühstück in der Großen Halle die Vorfreude auf die bevorstehenden Auswahlspiele in seinem Bauch rumoren. Zu lange schon hatte er keinem Quidditchspiel mehr beigewohnt, geschweige denn selbst gespielt.

Fast schon tat ihm sein Besen, der mittlerweile nur noch für Übungsflüge (im Falle der Erstklässler) und haarsträubende Manöver (im Falle der Flugkampfklassen) gebraucht wurde, und er nahm sich vor, in der nächsten Zeit mehr zu fliegen und seine Kondition aufrecht zu erhalten.

Die Gelegenheit, auf die er wartete, erschien auch gleich nach dem Frühstück, als er die Eingangshalle betrat – in Form von Fred und George, die ihn mit einem dieser schelmisch-verschmitzten Blicke empfingen, die normalerweise nichts Gutes verhießen.

Als er mit einem Schmunzeln absichtlich an ihnen vorbeiging, folgten sie ihm wie Hunde auf Schritt und Tritt und warfen sich verschwörerische Blicke zu.

Typisch Fred und George eben.

Als er bereits draußen auf dem Schulgelände war und die beiden noch immer hinter ihm herliefen, konnte er nicht mehr an sich halten und drehte sich so schnell um, dass die Zwillinge beinahe gegen ihn geprallt wären.

„Spuckt es schon aus, ihr beiden. Was habt ihr vor?", fragte er mit vor der Brust verschränkten Armen und legte den Kopf leicht schief, so wie er es schon früher getan hatte, wenn die beiden etwas ausheckten.

„Nichts Besonderes …"

„… oder Haarsträubendes …"

„… oder Spektakuläres …"

„… nein, wir haben uns einfach gedacht, wir unterbreiten dir einen kleinen Vorschlag – wo Angelina uns darüber informiert hat, dass Eure Durchlaucht auch bei den Auswahlspielen anwesend sein wird", neckte Fred frech und schob die Hände in die Hosentaschen. So ein Kommentar konnte wirklich nur von ihm kommen – es war kaum zu glauben, doch wenn es um Schlagfertigkeit und Frechheit ging, war er sogar noch gefürchteter als sein Bruder.

„So, und welchen Vorschlag wollt ihr meiner Majestät nun unterbreiten?", konterte Wood grinsend und stieg – wie schon so oft in alten Zeiten – auf das alberne Spiel der Zwillinge ein.

„Wir – also nicht nur wir beide, sondern auch der Rest des Teams – haben uns gedacht, es würde dir vielleicht gut tun, mal aus dem ganzen Lehrerkram auszubrechen …"

„… ja, wieder ein wenig Energie zu tanken …"

„… alte Zeiten aufleben zu lassen …"

Jungs! Kommt schon, raus damit; ich hab nicht ewig Zeit."

„Ungeduldig wie eh und je", seufzten Fred und George unisono, bevor letzterer dann endlich mit dem geheimnisvollen Vorschlag herausrückte.

„Was hältst du von einem Training? Einem ganz simplen Spiel? Wir sieben – wie früher! Bevor ein Neuer unsere alte Teamordnung völlig aufhebt? Na, wär das was?"

Erwartungsvoll und mit Dackelblick bedachten die Brüder den ehemaligen Kapitän, der sich ein breites Grinsen nicht mehr verkneifen wollte. Sie hatten einfach zu genau gespürt, wonach er sich gesehnt hatte.

Seine Vernunft erwachte in seinem Kopf und schien die Gestalt einer kleinen, wispernden Stimme anzunehmen, die sagte, dass das sicherlich ein Grund für Umbridge wäre, ihn anzuschwärzen und er damit McGonagalls Vertrauen mehr als strapazieren würde. Letztendlich jedoch siegte das Gefühl seines Herzens, das lautstark für ein Training mit seinen Freunden plädierte.

Mit einem lässigen Lächeln auf den Lippen kickte er ein Steinchen von sich und blickte den wartenden Zwillingen in die Augen. Ein kühnes, wagemutiges Blitzen durchzog seinen Blick.

„Abgemacht. Wann soll ich da sein?"

Der Wind pfiff in eisigen Böen, sandte Welle um Welle durch das Gras des Schlossgeländes und zerzauste Woods Haare, als er um vier Uhr mit geschultertem Besen hinunter zum Quidditchfeld schlenderte und den Umhang fester um seinen Körper zog, um die Windstöße nicht einzulassen.

Der Himmel war wolkenverhangen und sturmgrau; die Wolken bildeten scheinbar meterhohe Türme und verliehen dem späten Nachmittag etwas Weltuntergangähnliches.

Bereits jetzt konnte er fünf rote Gestalten hoch oben über dem Feld kreisen sehen, und sein Herz begann, schneller zu klopfen. Er schob alle beunruhigenden Gedanken an Umbridge beiseite und hoffte, dass dies endlich eine Gelegenheit sein würde, um richtig an Katie heranzukommen und normal mit ihr zu reden; endlich die Ungereimtheiten, die seit Anfang der Woche zwischen ihnen standen, zu beseitigen.

Vielstimmige Begrüßungsrufe empfingen ihn, als er das Stadion betrat; und ein breites Lächeln teilte seine Lippen, als sein ehemaliges Team – bis auf Harry – geschlossen in Sinkflug ging und ein paar Handbreit über dem feuchten Rasen vor ihm schweben blieb. Verstohlen warf er einen kurzen Blick zu Katie hinüber und stellte erleichtert fest, dass ihr Gesichtsausdruck weder traurig noch schüchtern, sondern eher ausgeglichen war.

„Euch fehlt nicht zufällig ein Hüter, oder?", grinste er und zwinkerte, was dazu führte, dass Angelina die Arme vor der Brust mit der glänzenden, roten Kapitänsplakette verschränkte und überlegen lächelte.

Noch, mein Guter, noch. Es ist allerdings nurmehr eine Frage der Zeit, bis wir dich ersetzt haben."

Der schelmische Ausdruck in ihren Augen strafte allerdings ihren Ton Lügen, und die Überlegenheit in ihrem Blick wich schnell purer Freude.

„Schön, dass du da bist, Oliver."

„Danke für die Einladung", erwiderte er und nahm seinen Feuerblitz von der Schulter. Der Himmel hatte sich ein wenig verdunkelt und der Wind war deutlich stärker geworden.

„Ja ja, genug mit der Gefühlsduselei", rhabarberte Fred und verdrehte gespielt die Augen. „Geht's jetzt endlich los?"

Diesen Satz nahmen sie alle beim Wort; Wood schwang sich auf seinen Feuerblitz und schon einen Augenblick später hatten sie sich alle in die kalten Lüfte erhoben.

Es war wirklich wie früher, nur mit der kleinen, aber entscheidenden Ausnahme, dass Angelina die Befehle gab. Die Jägerinnen führten wie immer einen grandiosen Ballwechsel, und doch schaffte es keine von ihnen, einen Ball an ihrem ehemaligen Hüter und mittlerweile ehemaligen Ligaspieler vorbeizubekommen, was ihn – nach langen Wochen des Nichtspielens – ungemein freute.

„Na Katie, schaffst du es dieses Mal?", lachte er zwinkernd und behielt die junge Gryffindor genau im Auge, die, wieder einmal auf ihn zusteuernd und den Quaffel unter dem Arm, kurz erstarrte und dann jedoch sein Lächeln erwiderte; auch ihre Stimme war fest und gut gelaunt, als sie antwortete.

„Lass dich überraschen", erwiderte sie keck und streckte ihm die Zunge heraus, bevor sie einen eleganten Bogen flog und mit einem wirklich sehr guten Schuss versuchte, den Quaffel im rechten Torring zu versenken, doch Oliver war schneller. Wie der Blitz war er in die Schusslinie abgetaucht und hielt den Ball sicher in Händen, einen Ausdruck im Gesicht, wie er ihn immer getragen hatte, als Flint es nicht geschafft hatte, ein Tor zu erzielen.

„Ach mist!", rief Katie gespielt frustriert und wendete ihren Besen, hoffend, dass ihre gute Laune ausreichte, um das Flattern im Bauch zu beruhigen. Sie hatte in der letzten halben Stunde sehr wohl bemerkt, dass alles viel leichter lief und ihr auch der Umgang mit Oliver viel leichter fiel, wenn sie sich betont lässig und ausgeglichen gab – und zu ihrem eigenen Erstaunen fühlte sie sich trotz des laut pochenden Herzens wohl dabei und genoss die Zeit, in der sie Wood so nahe sein konnte wie sonst nicht.

Sie drehte einen Salto aus Freude über die ein wenig positiv verlaufende Wandlung der Dinge und stellte mit einem Blick auf ihre Uhr enttäuscht fest, dass es bereits zehn vor fünf war und sie aufhören mussten, um keine Zeugen bei ihrer doch heiklen Tätigkeit zu haben.

Und tatsächlich, kaum war das Team auf dem Rasen gelandet sah man auch schon ein kleines Grüppchen Schüler, das aus dem Schloss kam, und Wood hatte sich gerade erst am Spielfeldrand in die erste Reihe gesetzt und den Besen kleingezaubert, da kamen auch schon die ersten Gryffindors und potenziellen neuen Hüter mit geschulterten Besen im Stadion an.

Erst, als Fred und George sich mit ungläubigem Blick und tuschelnd in die Seiten stießen, erkannte Oliver, dass auch ihr jüngster Bruder Ron unter den mittlerweile sieben Schülern war und verlegen versuchte, den beiden nicht in die Augen zu sehen.

Aha, da hatte wohl jemand ein kleines Geheimnis …

Von den anderen kannte er nur zwei; Vicky Frobisher (das einzige Mädchen unter ihnen) war eine Viertklässlerin mit ziemlich großem Mundwerk und Geoffrey Hooper, der blasiert aussehende Junge aus Katies Jahrgang, fand seiner Erinnerung nach immer etwas, worüber er sich beklagen konnte.

George, der mittlerweile herübergekommen war und neben Oliver Platz genommen hatte (für die Auswahlspiele würde nur ein Treiber benötigt werden), verriet ihm flüsternd die Namen der anderen Kandidaten für den Hüterposten. Lennart Smith und Ioan Turpin, zwei große, schlaksige Jungen, waren Viertklässler; wogegen Joshua Jameson, ein kantiger, vierschrötiger Kerl, ein Siebtklässler und Jamie Crawford, der leicht und wendig aussah, ein Drittklässler war.

Angelinas Nervosität war deutlich gestiegen, das war ihr anzumerken, doch ihre Miene festigte sich, als sie vor die Gruppe trat.

„Willkommen bei den Auswahlspielen für den neuen Hüter der Hausmannschaft von Gryffindor", begrüßte sie die Schüler, die teilweise ihr, teilweise Wood hinter ihr interessierte Blicke zuwarfen. Sie schien es zu bemerken, denn sie räusperte sich streng und fuhr fort. „Die Aufgabe des neuen Hüters ist es, unsere Torringe zu bewachen und dafür zu sorgen, dass die andere Mannschaft keine Punkte macht, klar? Das Erbe, das ihr anzutreten habt ist ziemlich groß", sie deutete kurz mit der Hand hinter sich und ein jeder wusste, wen und was sie meinte, „also macht das Beste draus. Ok?"

Die Kandidaten nickten, und Ron Weasley schien ein bisschen blass um die Nase. Wood beugte sich interessiert zu George hinüber.

„Ich wusste gar nicht, dass sich dein Bruder so für den Sport interessiert."

„Ich auch nicht", erwiderte der Zwilling perplex und beobachtete seinen Bruder, der sich zu den anderen gesellte, die am Spielfeldrand in einer Reihe Aufstellung genommen hatten. Er würde als vorletzter an der Reihe sein.

Inzwischen rief Angelina den ersten Kandidaten, Jamie Crawford, zu sich und das Team erhob sich erneut in die Lüfte. Die Kapitänin wies den Drittklässler hinüber zu den Torringen und gab Alicia und Katie danach ein Zeichen, mit dem vorgesehenen Ballabtausch und den Torwürfen zu beginnen.

Crawford flog gut, aber nicht ausreichend. Wie Oliver vermutet hatte, war er leicht und wendig, was aber nicht gleichzeitig voraussetzte, dass er gut darin war, den Quaffel zu fangen – zu oft blies ihn der mittlerweile heftiger gewordene Wind vom Kurs. Schon nach wenigen Minuten gab Angelina das Zeichen zum Aufhören und winkte den Nächsten, Lennart Smith, heran.

Bei Smith brauchte die Kapitänin nicht lange, um eine Entscheidung zu fällen. Der Viertklässler war dermaßen nervös, dass er kaum imstande war, sich auf dem Besen zu halten, geschweige denn die Hände vom Stiel zu nehmen. Seine Augen huschten fahrig hin und her und er übersah Alicia völlig, wie sie an ihn heranflog und den Quaffel neben ihm durch den Ring fallen ließ.

Seufzend ließ sich der ehemalige Kapitän in den Sitz zurücksinken und verschränkte die Arme vor der Brust. Noch war zwar noch nichts verloren, doch allein der Ausdruck in Angelinas Gesicht erregte Mitleid in ihm und erinnerte ihn an seine eigene, verzweifelte Suche nach einem Sucher. Er hoffte so sehr, dass auch seiner Nachfolgerin derartiges Glück zukommen würde.

Nachdem auch Smith wieder zurück auf der Erde war, stieg Vicky Frobisher frohen Mutes auf ihren Sauberwisch und schwebte gen Himmel, der langsam aber sicher den Einbruch der Nacht verkündete.

Sie war ein Lichtblick in diesem bis jetzt eher trüb verlaufenden Auswahlspiel, denn sie flog gut und schaffte es auch, die meisten Quaffel zu halten. Das einzige Manko, das sie zu besitzen schien, war, wie George Wood mitteilte, dass sie in allen möglichen Vereinen und Klubs Mitglied war und besonders den Koboldsteinklub sehr ernst zu nehmen schien.

„Sich für mehrere Dinge zerreißen zu müssen, ist keine gute Voraussetzung", meinte Oliver nachdenklich, als Vicky landete und Joshua Jameson sein Glück suchte.

Dass er es dort oben nicht finden würde, wusste der junge Schotte bereits, als der Siebtklässler noch nicht einmal vor den Torringen schwebte. Er wirkte auf einem Besen ziemlich fehl am Platz, lenkte ihn ziemlich schroff in die Richtung, aus der der Quaffel kam und wollte sich am Ende auch noch mit Angelina anlegen, als diese ihm bedeutete, dass sein Spiel vorbei war. Erst als Fred mit gefährlichem Blick eingriff, flog Jameson zu Boden und verließ wütend das Stadion, ohne auf eine Entscheidung zu warten.

„Trottel", kommentierte George das Verhalten seines Klassenkameraden und schüttelte den Kopf. „Wenn was nicht nach seinem hohlen Schädel geht …"

„Mhm …", machte Wood und beobachtete mit genauem Blick Geoffrey Hooper, der sich nach einer ellenlangen Beschwerde über das miese Wetter und die schlechten Bedingungen endlich dazu bequemte, zu den Ringen hinaufzufliegen. All der Jammerei zum Trotz flog er nicht schlecht und schaffte es, einem ziemlich gut gezielten Klatscher von Fred auszuweichen. Umso banaler war es dann aber, dass er einen wirklich einfach geworfenen Quaffel von Alicia durchließ, ohne mit der Wimper zu zucken.

Angelina, die einen mittlerweile leicht verzweifelten Eindruck machte, setzte ein gezwungenes Lächeln auf und entließ ihn zurück auf die Erde, warf dann Oliver einen flehenden Blick zu und flog zurück zu ihrer Position.

Ron Weasley war der Nächste. Mittlerweile leicht grünlich im Gesicht schwang er sich auf seinen Besen und schwirrte hinfort in die Lüfte.

Woods Einschätzung im ersten Moment sagte ihm, dass Ron schon einiges von Charlie geerbt hatte, jedoch wahrscheinlich erst seinen Schatten überspringen musste, um diese Kräfte freizusetzen. Er flog gut, aber nicht spektakulär, was ohne Zweifel auf die Nervosität zurückzuführen war.

Zumindest hielt er einen Großteil der Quaffel, die Angelina und Katie an ihm vorbeizubringen suchten, wurde aber sofort hochrot im Gesicht, wenn er den Ball aus Versehen fallen ließ oder ihn nicht zu fassen bekam. Wood lehnte sich zurück und dachte über die Leistungen, die er bisher gesehen hatte, nach, während Angelina den letzten Kandidaten, Ioan Turpin, nach oben holte.

Seine Leistung war nicht einen Kommentar wert, und George sog hörbar die Luft ein. Wahrscheinlich hatte er sich all das ein wenig anders vorgestellt.

„Da hast du's, Mann", murmelte er finster, als auch Turpin zurück auf dem Boden war und Angelina mit undefinierbarem Gesichtsausdruck auf sie zugeflogen kam, „so einen wie dich kriegen wir nie mehr …"

Wood antwortete nichts darauf, sondern versuchte, einen möglichst optimistischen Eindruck auf Angelina zu machen, die vom Besen stieg und energisch auf sie zugeschritten kam, den Tränen gefährlich nahe.

„Sag nichts", krächzte sie, als sie die Sitze erreicht hatte und zu dem Haufen Gryffindors hinüberspähte, die auf eine Entscheidung warteten. „Wir sind erledigt …"

„Nein, Angelina. Erledigt seid ihr nicht", versuchte der ehemalige Kapitän sie aufzumuntern und klopfte ihr auf die Schulter. „Du hast dein Bestes gegeben, und ich bin mir sicher, dass deine Entscheidung zum Vorteil des Teams gereicht." Er ließ den Blick über die Kandidaten wandern und musterte einen jeden genau. „Hast du schon eine Vorstellung?"

Die Kapitänin folgte seinem Blick und hob hilflos die Schultern. „Naja … Jameson fällt schon mal weg, der war grauenhaft … Smith auch … und Crawford könnte wahrscheinlich nur spielen, wenn kein Wind bläst …"

„Bleiben also nur noch Frobisher, Hooper und Weasley", fasste Wood zusammen und Angelina nickte. Mittlerweile war auch der Rest des Teams zu ihnen gestoßen, alle mehr oder weniger ratlos. Die Siebtklässlerin richtete ihr Wort nun an sie.

„Was meint ihr, Leute?"

Hilflose Blicke seitens der Mädchen und ein Kratzen Freds am Hinterkopf waren die Folge.

„Das ist beeindruckend unhilfreich", meinte Oliver lächelnd und ignorierte die verwunderten Blicke, die er daraufhin bekam. „Was? Nennt die Dinge doch beim Namen! Hooper kann gut fliegen, aber noch besser nörgeln. Stellt euch einen in eurem Team vor, der noch schlimmer darin ist, als ich es war." Die Zwillinge erschauderten. „Na also …"

„Gut, Hooper fällt weg", meinte Angelina, erleichtert, dass so schnell eine Vorentscheidung getroffen werden konnte und blickte fragend in die Runde; alle Teammitglieder waren einverstanden.

„Soweit käme es noch", seufzte Alicia, „dass wir einen bekämen, der noch schlimmer ist als Oliver."

„Das habe ich nicht gehört, Miss Spinnet, sonst setzt's Punkteabzug", konterte Wood leise und streng, so dass die Angesprochene leicht zusammenzuckte, dann jedoch die Faust drohend in seine Richtung schüttelte.

„Wage es ja nicht, mein Lieber …"

„Du hast ja keine Ahnung, wozu ich in der Lage bin …"

Schicksal oder nicht, Tatsache war, dass sein Blick bei diesen Worten unbewusst zu Katie hinüberglitt und die Jägerin verlegen die Augen niederschlug.

Was war denn das jetzt grade, du Idiot?

Merlin sei Dank schien niemand der anderen diese kleine Situation bemerkt zu haben, denn Angelina sprach schon von Vicky Frobisher.

„Wie schon gesagt, die ist in allen möglichen Vereinen", merkte George an und blinzelte. „Die für ein Training zu gewinnen, wenn gleichzeitig der Koboldsteinklub tagt, wird schwierig werden …"

„Da hast du allerdings Recht", mutmaßte Angelina nachdenklich und strich sich eine geflochtene Haarsträhne aus den Augen. „Bliebe nur noch …"

„Ronnie-Spätzchen", kam es unisono von den breit grinsenden Zwillingen, was den Mädchen mit erstaunten Blicken und hochgezogenen Augenbrauen quittiert wurde.

„Naja, er ist nicht schlecht geflogen", überlegte Wood mit gerunzelter Stirn und versuchte, sich Ron Weasleys Darbietung zurück ins Gedächtnis zu holen. „Außerdem hat er eine Ahnung vom Sport und hält die Quaffel ganz gut. Ich denke, er ist sich seiner selbst etwas unsicher … UND DAS VERHALTEN VON EUCH BEIDEN WIRD IHN SICHER NICHT STÄRKEN", meinte er ernst an Fred und George gewandt, die sich bereits lachend nach ihrem Bruder umgewandt hatten und erstaunt innehielten.

„Da hat Oliver recht. Wenn ihr euch über ihn lustig macht, wird er sich nie was zutrauen", meldete sich nun Katie zu Wort, und ein seltsames Gefühl durchflutete Woods Bauch. Streng befahl er sich, sich zusammenzureißen und blinzelte verwirrt.

„Könnte sie richtig liegen", meinte Fred verlegen an George gewandt und die beiden gelobten Besserung, was ihnen niemand so wirklich abkaufen wollte.

Fünf Minuten und eine Diskussion über verschiedene Aspekte von Rons Fähigkeiten später stand der Fünftklässler als neuer Hüter Gryffindors fest, und Angelina lief hinüber, um den Wartenden die Nachricht zu überbringen.

Die Reaktionen fielen verschieden aus; Joshua Jameson stampfte wütend und schnaubend wie ein Stier aus dem Stadion, Crawford gratulierte Ron zu seinem Sieg und stellte sich als guter Verlierer heraus; Vicky Frobisher war froh, nicht noch mehr Stress in ihrer Freizeit zu haben und Hooper nölte, wie immer, an der Entscheidung herum.

Ron aber schien still und blass, sein Blick war abwesend, als das Team und auch Wood zu ihm traten und ihm gratulierten; doch kaum waren sie auf dem Weg hoch ins Schloss, kam Leben in ihn, und er freute sich über seinen Triumph, nicht zuletzt, da seine Brüder ihm aufrichtig dazu Glück gewünscht hatten.

Sie hatten die große Treppe in der Eingangshalle erreicht und das Team zog, Ron beinahe auf den Schultern tragend, nach oben, um eine kleine Feier im Gemeinschaftsraum vorzubereiten; doch Angelina blieb noch einen Moment bei Oliver, der am Treppenfuß stehengeblieben war.

„Danke, Oliver. Für deine Hilfe", sagte sie aufrichtig und er konnte spüren, dass sie sehr erleichtert war. „Ron wird es schon schaffen, das weiß ich. Er braucht bestimmt nur einen kleinen Schubs … ich werde sowieso das erste Training gleich für morgen Nachmittag ansetzen … ich – du kannst ja vorbeikommen, wenn du Zeit hast."

Woods Miene hellte sich auf. Er hatte ohnehin nicht gewusst, womit er sich das erste Wochenende vertreiben sollte, und ob Cassandra überhaupt Zeit für jegliche Unternehmungen hatte, wusste er auch nicht. So nahm er dankbar Angelinas Einladung an und verabschiedete sich von ihr, bevor er die Richtung zum Lehrerzimmer einschlug, um Professor McGonagall von der Neuigkeit zu berichten.

„Komm Ron, mal sehen, ob Woods alter Umhang dir passt. Wir können seinen Namen abtrennen und deinen draufnähen! Ich geh ihn mal holen", rief Katie Bell im vollen, lauten Gemeinschaftsraum zu Gryffindors neuem Hüter hinüber und verschwand in eine kleine Kammer, die alte Umhänge, Möbel und allerlei Kram beherbergte.

In einem Regal, fein säuberlich aufgestapelt, lagen alte, scharlachrote Quidditchumhänge; manche mehr oder weniger zerschlissen, doch auf einem jeden standen noch der Name und die Nummer des jeweiligen Spielers.

Katie spürte, wie ihr Herz in dieser stickigen, staubigen Kammer unwillkürlich anfing, schneller zu schlagen, je näher sie dem Stapel mit Umhängen kam. Sie atmete tief durch und streckte mit ungewollt zitternden Fingern die Hand nach dem Umhang aus, der ganz oben auf dem Stapel lag, ein wenig staubig zwar, doch gut instand gehalten und noch kraftvoll in der Farbe.

In einer langsamen Bewegung entfaltete sie den weichen Stoff, der in faltigen Bahnen gen Boden fiel. Auf der Rückseite prangten groß in goldenen Lettern nur ein Wort und eine Eins.

Wood

Die Jägerin seufzte tief und knetete Olivers alten Umhang in ihren Händen. Er fühlte sich gut an, und als sie – sich vergewissernd, dass auch niemand ihr gefolgt war – ihre Nase hineinsteckte und daran roch, glaubte sie, ihn leibhaftig vor sich zu haben, ihn zu spüren und das Kitzeln seines Atems auf der Haut zu genießen.

So stand sie gedankenverloren einige Zeit lang da, bis ein Ruf Angelinas sie aus ihren Gedanken riss.

„Kates, wo bleibst du denn? Die Umhänge sind doch gleich gegenüber der Tür!"

„Ja, ich komme schon", antwortete die junge Gryffindor erschrocken, faltete mit schnellen Bewegungen den Umhang wieder zusammen und verließ die Kammer. Der Duft in ihrer Nase aber blieb.

Anm. der Autorin: Uiiii nach was Wood wohl riecht? Nun ja, vielleicht werden wir es ja erfahren ;) (und es sind NICHT Schweiß oder Moder… was denkt ihr bloß? Wo bleibt euer Sinn für Romantik? )

Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen und ihr habt Lust auf meeehr ) und ein wenig Aufklärung, was die Geschehnisse „von damals" betrifft …

Reviews sind immer erwünscht!

Schönen Tag euch noch und bis bald!

Eure Calypso