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8. Kapitel Eine verlorene Chance

Anm. der Autorin: Also, da wären wir wieder zu einem – vielleicht eher nicht so lustigen – Kapitel … Ich glaube, ihr alle wisst, worum es geht. ) Es ist ein eher kurzes Kapitel, da es ja nur ein gewisses Ereignis behandelt … Welche Umstände haben dazu geführt, dass Oliver von Angelina von Katies Gefühlen erfuhr? Wieso hat er damals – trotz seinen eigenen Empfindungen – seine Chance nicht ergriffen und sich – wie er heute weiß – vor der Verantwortung davongestohlen? Wir werden es erfahren …

Deshalb werd ich jetzt keine großen Reden schwingen und euch einfach lesen lassen …

Der Liedtext stammt dieses Mal von einer meiner Lieblingsbands – nämlich Switchfoot.

Viel Spaß!

Ach ja, hiermit schreibe ich einen kleinen Contest aus An alle Leser, die Vorschläge haben, wonach Oliver Wood riecht (was ja viele anscheinend brennend interessiert) ;-) Eine Mail an mich reicht, und vielleicht ist der origniellste/schönste Vorschlag schon bald in der Story ;-)

Yesterday is a wrinkle on your forehead

Yesterday is a promise that you've broken

Don't close your eyes, don't close your eyes

This is your life and today is all you've got now

Today is all you'll ever have …

Switchfoot – This is your life

Seine Armbanduhr zeigte gerade mal halb neun Uhr abends , als Wood die Tür hinter sich ins Schloss knallen und den Umhang achtlos fallen ließ. Er streckte und dehnte seine müden Glieder, denen das lange Sitzen auf den unbequemen Stadionbänken nicht unbedingt gut getan hatte. Im Nachhinein verstand er nicht, wie die Schüler bei den teilweise langen Spielen bloß so lange darauf ausharren konnten – er selbst war ja nur in seinem ersten Jahr in den „Genuss" gekommen.

Über das Auswahlspiel nachdenkend zog er die Vorhänge zu, verstaute seinen Besen wieder in seinem Beutel und wollte gerade beginnen, sich bettfertig zu machen (denn eine unheimliche Müdigkeit hatte ihn ergriffen), als er auf seinem Schreibtisch eine kleine Notiz bemerkte.

Verwundert trat der junge Schotte näher heran und nahm sie, um sie zu lesen. Es war ein kleines Stück Pergament, auf dem sich einige Zeilen in geschwungener, aber etwas unbeholfener Schrift befanden. Ein Blick auf die Unterschrift sagte ihm, dass die Nachricht von Cassandra war, und er lächelte. Offensichtlich fiel es ihr schwer, die griechischen Buchstaben gegen die lateinischen einzutauschen.

Lieber Oliver,

ich hoffe, die Auswahlspiele für Gryffindor sind gut gelaufen. Durch das Fenster konnte ich

es ein wenig sehen und mitverfolgen.

Leider konnte ich dich nicht antreffen, darum hab ich dir einfach eine kleine Notiz dagelassen. Vielleicht hast du ja Lust, heute Abend zum Wochenausklang ein kleines Getränk unten im Dorf zu nehmen?

Komm einfach zu mir herüber, wenn du willst.

Liebe Grüße,

ά

Ihren Namen hatte sie auf Griechisch geschrieben, was Wood belustigte. Interessiert betrachtete er die fremdartigen Schriftzeichen eingehend und beschloss, die Einladung anzunehmen, da er ohnehin nichts zu tun hatte und das Bett weitgehend eine Notalternative gewesen war. Vorher aber wollte er noch eine kleine Verschnaufpause einlegen; und so zog er das Shirt wieder zurück über seinen Oberkörper anstatt es in eine Ecke zu werfen und ließ sich mit Schwung auf sein Bett fallen.

Das letzte, was er noch denken konnte, bevor die Müdigkeit ihn übermannte, war die Frage, was Lehrer wohl an ihren Wochenenden so taten und die völlig abstrakte Vorstellung, wie Snape unten im Eberkopf völlig allein einen drauf machte, schlich durch seine Gedanken; dann fiel er in einen kurzen, aber tiefen Schlaf; und Träume mit längst vergangenen Erinnerungen suchten ihn heim, die er schon lange verdrängt hatte …

Die Sonne sandte ihre wärmenden Strahlen hinunter auf die Ländereien von Hogwarts und eine lauwarme Aprilbrise fuhr in sanften Wellen durch das Gras.

Die Schüler von Hogwarts, die ihre Prüfungen herbeisehnten und unter den Lasten der ihnen aufgebürdeten Hausaufgaben und Lernpläne ächzten, hatten ihre Lagerplätze am Seeufer oder unter schattenspendenden Bäumen auf dem Gelände aufgegeben und waren ins Schloss zurückgekehrt – alle, bis auf einen.

Die goldenen Sonnenstrahlen reflektierten sich tausendfach auf er Oberfläche des sich in Wellen kräuselnden Sees und tauchten Oliver Woods große, athletische Gestalt in zartes Dämmerlicht. Mutterseelenallein stand er am Ufer des Gewässers und sah in die unendlichen Weiten hinaus, ganz so, als ob er auf etwas wartete. Seine Miene war undefinierbar, keine Emotionen durchzogen sein hübsches Gesicht.

Suchend schweifte sein Blick über den Horizont, und seine Fäuste, die sich noch gerade eben zu Fäusten geballt hatten, lockerten sich im nächsten Moment entspannt, ja klopften schon nervös gegen seine Oberschenkel. Die fest aufeinander gepressten Lippen sahen auch nicht mehr dermaßen streng aus und alles in allem wirkte der Siebtklässler regelrecht entspannter, als die große Schleiereule flügelschwingend aus dem Firmament auf ihn herabstieß und leise schuhuhend auf seiner Schulter landete. In ihrem zarten Schnabel steckte ein Brief.

Nun sollte er also endlich Antwort erfahren … sollte endlich Gewissheit haben und sehen, was das Auswahlspiel und das Gespräch mit Robert Grant, dem Trainer seiner Lieblingsmannschaft in Prestwick gebracht hatten. Seine Gedanken schweiften kurz zu der Auswahl zurück und er versuchte sich aufzumuntern, indem er sich sagte, dass er gut gewesen war – mindestens so gut wie die anderen (die übrigens alle um einiges älter gewesen waren als er).

Na, was bringst du mir Schönes, Sayu?", murmelte Wood mit vor Aufregung bebender Stimme und nahm seinem Haustier mit zitternden Händen das Schreiben ab. Sayuri, die seine Nervosität zu spüren schien, stupste ihn leicht mit dem schönen Kopf an und gab beruhigende Laute von sich.

Ja ja, du hast leicht reden … in diesem Brief, Sayu, steckt meine Zukunft …"

Fein säuberlich war auf die Vorderseite der Empfänger aufgeschrieben worden.

Oliver Calum Wood

Haus Gryffindor, siebter Jahrgang

Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei

Der Kapitän atmete tief durch und versuchte, sein pochendes Herz zu beruhigen. Derartige Nervosität hatte er schon lange nicht mehr verspürt, und all der Stress rund um seine Abschlussprüfungen schien irgendwo in den Weiten seines Kopfes verschwunden zu sein. Jetzt gab es nur noch ihn und diesen Brief – der Brief, der ihm entweder eine aussichtsreiche Zukunft als nationaler Spieler ermöglichen oder seinen Traum platzen lassen würde.

Mit bebenden Fingern öffnete er den Umschlag und zog ein zusammengefaltetes Stück Pergament, beschrieben mit derselben Handschrift, heraus. Es fiel ihm ungeheuer schwer, das Stück Pergament zu entfalten und zu lesen, seine Hände krampften sich in ungeheurer Anspannung um den Brief, während sein Herz aus der Brust zu springen drohte.

Sehr geehrter Mr. Wood,

nachdem wir uns von Ihren wirklich sehr beachtlichen Fähigkeiten und Flugkünsten bei den Auswahlspielen vor zwei Wochen überzeugen konnten, freut es mich besonders, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie die Konkurrenz, wie man so schön sagt, vom Platz gefegt haben.

Ihr Können und Charisma, sowohl im Teamspiel als auch außerhalb, erleichtert uns die Entscheidung, Ihnen den Posten als Hüter in unserer Reservemannschaft anzubieten.

Oliver taumelte und vor seinen Augen blitzen für einen Moment Sterne auf; wieder und wieder las er den letzten Satz durch, um sich zu vergewissern, dass er nicht träumte, dann las er den Brief zu Ende, noch heftiger zitternd als zuvor.

Wie wir wissen, wird ihre Ausbildung an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei mit Beginn dieses Sommers beendet sein.

Deshalb hoffen wir, Sie am 1. August um 14 Uhr zu Ihrem ersten Training bei Puddlemere United willkommen heißen zu können.

Über alles Weitere werden wir sprechen, wenn Sie dort angekommen sind.

Wir erwarten Ihre Eule mit Ihrer Zusage! Es würde uns sehr freuen, Oliver, wenn sie ein Teil unseres Teams werden könnten.

Einen schönen Abend.

Robert Grant

Das Management

Puddlemere United

Den Triumph- und Freudenschrei, der wenige Sekunden später über die Ländereien von Hogwarts schallte, hätte selbst der Wirt des Tropfenden Kessels hören können.

Oliver, das ist WAHNSINN!", brüllten Fred und George Weasley unisono und begruben ihren Teamkapitän in einer ziemlich heftigen Umarmung. Auch Harry klopfte seinem Freund – sofern er ein Stück freien Körpers erwischte – anerkennend auf die Schulter, während die Mädchen jubelnd und strahlend in die Hände klatschten.

Der Siebtklässler hatte das Training am nächsten Abend dazu auserkoren, seinem Team von seinem glücklichen Erfolg zu berichten, und als er mit der Neuigkeit herausgerückt war, als alle verschwitzt und motiviert wieder zurück in der Umkleide waren, hätten der Tumult und die ehrliche Freude seiner Freunde nicht größer sein können.

Und wann wirst du anfangen, zu trainieren?", fragte Angelina interessiert, als sie sich alle wieder ein wenig beruhigt hatten und in einer gemütlichen Runde beisammen saßen, um sich zu unterhalten – wie immer nach dem Training.

Anfang August", erwiderte Oliver glücklich, und das Hochgefühl in seiner Brust schien noch ein wenig mehr anzuschwellen. Nicht einmal Snape, der ihm – äußerst mies gelaunt – die heutige Zaubertränkestunde zur Hölle gemacht hatte, obwohl sein Trank fehlerfrei gewesen war, hatte seine Stimmung trüben können.

Eine Weile noch unterhielten sie sich über seine Zukunftspläne, und Olivers Blicke huschten unbewusst immer wieder zu Katie Bell hinüber. Die hübsche Jägerin saß auf der Bank, die Arme vor der Brust verschränkt, und schien ins Unendliche zu blicken, beteiligte sich kaum am aufgeregten Geschnatter ihrer Freundinnen und schien sich nur von den Spekulationen der Zwillinge über das Leben im Profisport berieseln zu lassen. Sie schien in Gedanken versunken – worüber dachte sie wohl nach? Was konnte es sein, dass sie so bedrückt aussehen ließ und sie keinerlei Freude an seiner Neuigkeit zeigte? Sein Glücksgefühl ließ etwas nach.

Ein merkwürdiges Kribbeln breitete sich in seiner Magengegend aus und er schluckte. Es war sinnlos zu leugnen, dass er Katie, die für ihr Alter einen doch sehr reifen Charakter und Humor besaß, mochte und sie äußerst attraktiv fand, doch ihre teilweise eher schüchterne und ablehnende Haltung machte es ihm unmöglich, ihren Standpunkt herauszufinden. Warum mussten Mädchen auch immer so kompliziert funktionieren?

Nun mal langsam Junge, meldete sich eine Stimme in seinem Kopf zu Wort; würde es denn in Anbetracht der neuesten Tatsachen – wenn du dir trotz deinen Wünschen ehrlich bist, mit euch funktionieren?

Doch bevor Oliver auch nur die Gelegenheit hatte, diesen äußerst beunruhigenden Gedanken weiterzuspinnen, löste sich die Gesellschaft nach einem Blick auf die Wanduhr langsam auf. Katie war eine der ersten, die die Kabine verließ, gefolgt von Alicia und den Zwillingen, die es nicht lassen konnten, die Mädchen zu ärgern. Harry folgte der Meute kopfschüttelnd und war kurz darauf ebenfalls in der Dunkelheit verschwunden.

Angelina, wie so oft die letzte, stopfte schnell ihren Umhang in die Sporttasche, die sie für solche Zwecke besaß und wartete galant auf ihren Kapitän, der seinen Nimbus schulterte und die Lichter ausmachte.

Da hast du dir ja ziemlich was vorgenommen", staunte sie schließlich, als sie alleine zum Schloss hochschlenderten (die anderen waren längst hineingegangen). „Reservehüter bei Puddlemere United … wahnsinn. Du wirst schon sehen, dabei wird es nicht bleiben!"

Immer langsam mit den jungen Hippogreifen!", lachte Wood und boxte die Gryffindor in die Seite. „Jetzt muss ich erst mal zusehen, dass ich mich in dieser Branche überhaupt zurecht finde. Immerhin ist das was völlig anderes als Schulsport und außerdem bin ich um ein ganzes Stück jünger als der Rest des Teams."

Stimmt, sie werden sich fragen, was so ein Dreikäsehoch in ihrer Mannschaft zu suchen hat", konterte Angelina keck und fing sich erneut einen halbherzigen Rippenstoß ein. „He, du weißt, wie ich es meine."

Sie sah ihm fest in die Augen und lächelte. „Ich freue mich sehr für dich, Oliver. Ehrlich. Endlich hast du die Chance, auch da draußen zu zeigen, welche außergewöhnlichen Fähigkeiten in dir stecken."

Danke", murmelte Wood, verlegen ob des Kompliments seiner Jägerin und sprach dann nach kurzem Zögern an, was ihn schon seit dem Gespräch in der Kabine beschäftigte.

Du Angelina … ich habe das Gefühl, dass … nun ja … dass Katie sich nicht wirklich für mich freut … ich meine, ich kann mir keinen Grund dazu vorstellen und ich hab einfach schon länger das Gefühl, dass ich ihr irgendwie zu nahe getreten bin, also … vielleicht kannst du mir sagen, was mit ihr los ist? Immerhin bist du ihre Freundin."

Naja, wie soll man sich auch freuen, wenn der, in den man verliebt ist, von der Schule geht und auf Nimmerwiedersehen in der Liga verschwindet?"

Dieser Satz war so schnell und leise aus Angelina herausgesprudelt, dass Oliver ihn fast nicht verstanden hätte, doch er hatte es, und die Worte trafen ihn wie Stromschläge. Mit hochgezogenen Augenbrauen und wild klopfendem Herzen starrte er die Jägerin an, die vor Schreck stehen geblieben war und erschrocken die Hände vor den Mund geschlagen hatte, den Ausdruck puren Schuldbewusstseins in den dunklen Augen.

Was hast du da gerade gesagt?"

Nichts, Oliver, gar nichts", versuchte Johnson noch, die Situation zu retten und zog ihn weiter Richtung Schloss, offenbar zutiefst ärgerlich über sich selbst, doch Wood ergriff ihren Arm und zog sie zurück, so dass sie auf der Stelle stehen blieb. Sie schaffte es nicht, ihm in die Augen zu sehen und schien mit einem Mal ihre Schuhspitzen sehr interessant zu finden.

Wiederhol das", befahl er ihr mit bebender Stimme, doch sie schüttelte stumm den Kopf. Er konnte Tränen in ihren Augen glitzern sehen und er wusste, dass sie sich gerade in ziemlich üblem Ausmaß verplappert hatte.

Der Sturm in seinen Gedanken legte sich allmählich und er versuchte, einen klaren Kopf zu bewahren.

Angelina, rede mit mir! Hast du eben gesagt, dass Katie in … in mich verliebt ist?"

Die Jägerin blieb stumm und versteifte sich. Woods Herz pochte laut gegen seine Brust.

Das hast du gesagt, stimmt's? Verdammt Angelina, woher … ich meine wieso … wann …? Komm schon, sag es mir!"

Er war sprachlos und ließ die Fünftklässlerin los, die sich nervös durchs Haar fuhr und den Umhang fest um sich zog. Die Situation war ihr offenbar mehr als unangenehm.

Oliver …", begann sie schließlich, ihre Stimme nicht mehr als ein heiseres Flüstern. „Hör mal … ich könnte mich gerade echt selbst verfluchen und würde am liebsten alles zurücknehmen. Aber … naja … es ist die Wahrheit …"

Sie sah ihn noch immer nicht an und Oliver fühlte sich, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen.

Katie … also, ich … ich meine … Katie Bell ist … ist …" Er schaffte es nicht, den Satz zu vollenden und Angelina nickte schweigend.

Katie Bell war verliebt – in ihn. Und das seit wusste Merlin wie lange. Oh, wie sehr er sich ohrfeigen könnte für all jene Momente, in denen er ihr Verhalten falsch gedeutet oder sich ihr gegenüber unfair oder distanziert verhalten hatte.

Das … das wusste ich nicht", krächzte er mit heiserer Stimme und räusperte sich verlegen, Angelinas Blick nahm einen verwunderten Ausdruck an, als sie ihren Kapitän so nervös erblickte. Sie hob stirnrunzelnd eine Augenbraue.

Aber eigentlich ist das für dich ohnehin kein Grund, um darüber nachzudenken … ich meine, du gehst Ende des Jahres von der Schule und …" Sie hielt inne, als sie Woods versteinerten Gesichtsausdruck bemerkte, seine Augen sprachen Bände. Die ihren weiteten sich und ihr Mund formte ein erstauntes „Oh …".

Ihre Hand legte sich vorsichtig auf seinen Arm, doch er spürte die Berührung kaum. Ein düsterer Gedanke hatte sich in seinem Kopf eingenistet und begann, sich unaufhörlich auszubreiten.

Auch wenn er jetzt die Gewissheit besaß, dass sie zueinanderfinden konnten – die Chance auf eine Zukunft würde es kaum geben. Wie Angelina gesagt hatte: Am Ende dieses Jahres würde er von der Schule gehen, bei einer der besten Mannschaften Großbritanniens spielen und somit ständig unterwegs oder eingespannt sein. Für eine Beziehung blieb da kaum mehr Platz und Zeit, und das war nicht das, was er Katie bieten wollte.

Er fühlte ein Brennen in seinen Augen, als er sich dieser Tatsache bewusst wurde, und sein Herz wurde schwer, Kälte erfüllte seine Brust.

Es war doch alles umsonst …

Oliver?"

Angelinas zaghafte Stimme holte ihn aus seinen Gedanken und er blinzelte. Sie stand vor ihm und sah ihn besorgt an, ihre Hand noch immer auf seinem Arm.

Oliver, was ist los mit dir, hm? Komm schon, ich hab doch schon länger gemerkt, dass dir was im Kopf herumgeht. Dass SIE dir im Kopf herumgeht, stimmt's?"

Wood schluckte, doch dann beschloss er, sich einfach seiner wohl besten Freundin anzuvertrauen und nickte.

Also doch…", murmelte sie verständnisvoll und seufzte, während ihr Gegenüber nachdenklich schwieg und den Blick in gen Himmel richtete. Sie konnte spüren, dass eine jede Faser seines athletischen Körpers sich verkrampft hatte und verfluchte sich – wie schon so oft in den letzten Minuten – dass sie so töricht gewesen war, Katies gut gehütetes Geheimnis so leichtfertig preiszugeben. Nun aber, als sie sah, dass sich ihre Vermutung, was Wood betraf, bestätigte, sah sie kein Problem mehr an der Sache, und das sagte sie dem Kapitän auch.

Aber Oliver, wenn du darüber nachdenkst, ist das doch gut! Wenigstens weißt du jetzt, was sie für dich empfindet und du solltest zu ihr gehen und –"

Nein, Angelina!", unterbrach er sie mit gebrochener Stimme und die Jägerin hielt erstaunt inne.

Was meinst du mit ‚Nein'?"

Ich …" Oliver stockte und fuhr sich fahrig durchs Haar. Die Gedanken in seinem Kopf verhärteten sich, und er spürte, wie sie alles Gute zu verdrängen schienen. Zurück blieb nur endlose Aussichtslosigkeit.

„… ich kann nicht zu ihr gehen. Es würde nichts bringen …"

Was heißt da, es würde nichts bringen?", empörte sich Angelina leise. „Oliver, sie ist in dich verliebt, so lange ich sie kenne. Und du bist es – offensichtlich – ja auch. Was also würde da nichts bringen?"

Du verstehst das nicht", erwiderte Wood mit verletztem Gesichtsausdruck und wandte sich ab. „Ich würde ihr nie das bieten können, was sie braucht. Ich würde so oft nicht für sie da sein können, es – es geht einfach nicht."

Angelina, die solche Worte nicht erwartet hatte, erschrak. Dachte er wirklich, er könnte Katie nicht genug bieten?

Oliver, was du redest, ist Schwachsinn! Wie kommst du nur auf so was?"

Doch ihr Freund hörte ihr nicht zu, sondern hatte mit langen Schritten den Weg zum Schloss fortgesetzt. Seine Stimme drang durch die Dunkelheit an ihre Ohren.

Angelina, bitte sag Katie nicht, dass wir darüber gesprochen haben. Bitte. Behalt es für dich. Ich will ihr nicht wehtun."

Und damit war er auch schon in der Finsternis verschwunden. Angelina Johnson, komplett ratlos und mit hängenden Schultern, blieb zurück.

Hoffentlich weißt du, was du tust!", rief sie ihm leise nach, nicht sicher, ob er sie noch gehört hatte.

Oliver Wood aber fuhr sich mit dem Ärmel seines Umhangs verstohlen über die Augen, als er das Portal erreichte und hoch zum Gemeinschaftsraum spurtete. Die Gedanken in seinem Kopf rasten.

Du hast nichts Falsches getan, du hast genau richtig entschieden …

Habe ich das?

Oliver fuhr von seinem Bett hoch, so schnell, als hätte ihm jemand ins Gesicht geschlagen. Blinzelnd, mit verschwitztem Shirt und rasendem Herzen sah er sich im Zimmer um, doch niemand war zu sehen.

Schwer atmend fuhr er sich durchs Haar und ließ sich zurück aufs Bett sinken. Alle Versuche, sein aufgebrachtes Herz zu beruhigen, scheiterten.

Es war das erste Mal, dass er einen Traum dieser Art gehabt hatte, und er war voll von solcher Intensität gewesen, dass es ihm vorgekommen war, als hätte er alles noch einmal gelebt. Der letzte Satz aber, der wie in seinem Kopf unheilvoll in der Luft gehangen war, war ihm neu …

Das Gespräch mit Angelina … Katies Geheimnis … und sein furchtbarer Fehler …

Sein Inneres zog sich zusammen, als er an seine Gedanken damals dachte. Mittlerweile, und auch in der Zeit nach Hogwarts, hatte er eingesehen, dass Angelina Recht gehabt hatte. Das, was er geredet hatte, war Schwachsinn gewesen, und er hatte es nicht einmal bemerkt.

Er hätte eine Chance gehabt, doch er hatte sie nicht genützt … nicht wahrgenommen … es nicht einmal versucht … was war er doch für ein Idiot.

Das alles natürlich machte die Situation für ihn jetzt noch schwerer. Wie er unbefangener mit Katie umgehen sollte, vor allem bei ihrem Verhalten, wusste er nicht. Die Tatsache, dass die neue, dicke Mauer namens Professor beständig zwischen ihnen stand, machte das ganze auch nicht leichter, erschwerte eher alles noch.

Er war nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen, und sein umherschweifender Blick blieb an Kassandras Brief hängen.

Nein, nach diesem Traum konnte er nicht mehr ausgehen …

Seufzend drehte er sich auf die andere Seite und hing noch lange seinen wirren Gedanken nach, ohne auf eine Lösung zu kommen, bis die Schwere des Schlafes ihn übermannte und erneut gefangen nahm.

Kassandra Theano sah auf die Uhr und seufzte niedergeschlagen. Es war bereits nach zwölf Uhr, und Oliver war noch immer nicht gekommen.

Ein klein wenig enttäuscht wandte sie den Blick vom Fenster ab und warf sich auf ihr edel blaues Himmelbett. In ihrem Bauch kribbelte es, während sie schweigend vor sich hinstarrte.

Sie konnte nicht leugnen, dass er ihr gefiel. Die Art, wie er sich bewegte und sprach, und besonders sein Lachen hatten es ihr angetan. Er war klug, humorvoll und hatte Stil; er schien perfekt zu sein.

Nur hatte sie keine Ahnung, wie sie an ihn herankommen konnte, denn er schien in seinem Herzen etwas zu verbergen, das sie nicht erahnen konnte.

Und da waren noch die anderen Kollegen, die sicher etwas merken würden. Sie musste vorsichtig sein, um ihre geliebte Stelle nicht zu verlieren.

Frustriert hieb sie mit der Faust in die weiche Matratze und rollte sich ein wie eine Katze, das Kribbeln im Bauch war noch immer da. Erst nach ewig langer Zeit, so schien es ihr, fiel sie in einen traumlosen Schlaf, und das letzte, was sie sich fragte, war, welche Erklärung er wohl am nächsten Morgen haben würde …

Anm. der Autorin: Sooo ich hoffe, jetzt sind einige Hintergründe besser geklärt … immer diese Jungs, müssen erst aus der Pubertät herauswachsen, um klar denken zu können ;-)

Ich hoffe, es hat euch gefallen und verspreche euch schnell ein neues Kapitelchen :-D

Eure Caly