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10. Kapitel Samstagabend auf Griechisch

Anm. der Autorin: Aaaber jetzt gibt's Ärger hehe Snape ist nicht sehr erfreut darüber, dass seine Schützlinge zusammengestaucht werden – mal sehen, wie Wood sich da rausredet und ob er sein Temperament zügeln kann … außerdem steht ja noch das „Date" mit Cassandra an – sozusagen, wie im Titel schon erwähnt – ein kleiner Samstagabend auf Griechisch ;-)

(An alle Katie-Fans unter euch: Nur nicht die Pferde scheu machen, auch wenn sie dieses Mal nicht wirklich vorkommt Ein wenig muss ich euch ja auf die Folter spannen )

Viel Spaß!

Eure Caly

P.S.: Das Lied passt vielleicht nicht wirklich, aber es hat wenigstens etwas mit Griechenland zu tun Und einen lieben Gruß noch mal an Judith, die dachte, dass dieses Kapitel etwas mit Pornografie zu tun hat :D

Griechischer Wein ist wie das Blut der Erde

Komm, schenk mir ein!

Und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran

Dass ich immer träume von daheim …

Udo Jürgens – Griechischer Wein

Oliver beschloss, es auf die eher lockere Art zu versuchen – ähnlich wie bei McGonagall und dem Rest des ihm respektierenden Kollegiums – und auf keinen Fall überlegen zu wirken, denn das würde bei dem Meister der Zaubertränke sein Untergang sein.

„Severus, was kann ich für Sie tun?", meinte er deshalb freundlich, bemerkte aber zu seinem größten Missfallen, dass seine Stimme nicht wirklich sicher klang. Und vielleicht war die Wahl des Vornamens auch keine sonderlich gute Partie gewesen, denn Snapes Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen. Verdammt.

„Für Sie immer noch Professor Snape, Wood", schnarrte der Professor mit gefährlich funkelnden Augen und trat langsam näher. Er wirkte mehr denn je wie eine große Fledermaus, nur mit dem kleinen Unterschied, dass er jetzt aussah, als würde er sein Opfer gleich auseinandernehmen.

Rundherum waren die ehemaligen Professoren in ihren Portraits zusammengekommen und blickten aufgeregt und tuschelnd auf die beiden Männer, die sich gegenüberstanden; es war mucksmäuschenstill.

Oliver fühlte, wie sein Herz in die Hose sank, genau wie damals, als er noch ein Schüler Snapes gewesen war. Stunde um Stunde zurechtgewiesen, mit Strafarbeiten eingedeckt oder gemein behandelt, nur seines Hauses und des Kapitänsamtes wegen.

Die Erinnerungen ließen sein Herz klopfen und er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.

„Nun gut, Professor … Ich weiß noch immer nicht, was ich für Sie tun kann", wiederholte er, doch dieses Mal fiel ihm der freundliche Ton in der Stimme schwerer. Was konnte Snape denn schon tun? Ihm Punkte abziehen? Ihm eine Strafarbeit aufbrummen? Nein, diese Zeiten waren vorbei, und derselbe alte Hass wie schon am Tage gegen die Slytherins schwelte in seiner Brust. Er würde sich nicht erniedrigen lassen – nicht mehr.

„Ich denke, das wissen Sie sehr wohl, Wood", zischte Snape leise und trat noch ein paar Schritte auf ihn zu, sein Gesichtsausdruck war furchterregend. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie heute Nachmittag Schüler meines Hauses zurechtgewiesen haben …"

„Nun, das ist korrekt, aber –"

„… sie angeschrien haben …"

„Ich …"

„… und sogar die Familie eines Schülers beleidigt haben!"

Diese letzten Worte drangen abgehackt und überdeutlich aus Snapes Mund und seine schwarzen Augen blitzten böse.

Oh mein Gott, wieso hast du dir ausgerechnet MALFOY ausgesucht??

Wood schluckte und straffte seine Schultern, neues Selbstbewusstsein durchflutete ihn und er dachte an McGonagall, die ihm bestimmt zur Seite stehen würde, sollte Snape irgendetwas Krummes drehen.

„In der Tat gab es heute eine kleine Meinungsverschiedenheit unten auf dem Quidditchfeld …"

„Das gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, meine Schüler anzuschreien!", unterbrach Snape ihn mit scharfer Stimme und die Professoren in den Portraits zuckten zusammen.

Wood blinzelte kurz, doch dann besann er sich, sammelte neues Selbstbewusstsein und fuhr er ungerührt fort.

„Wenn Sie aufhören würden, mich ständig zu unterbrechen, könnte ich den Sachverhalt vielleicht genauer schildern."

Snape sah aus, als hätte Oliver ihm ins Gesicht geschlagen. Bestimmt hatte noch nie jemand – Dumbledore eventuell ausgenommen – es gewagt, ihm dermaßen das Wort zu nehmen, doch er blieb – sichtlich empört – still und hörte an, was Oliver weiter zu sagen hatte.

Dieser fühlte sich mit einem Mal mutig, mutig, all das zu sagen, was ihn seiner Brust heranwuchs, und ohne auch nur darüber nachzudenken, begann er zu sprechen.

„Ihre Schüler, Snape, haben heute Nachmittag unten auf dem Quidditchfeld Aktionen geliefert, die selbst eines wahren Slytherins ganz und gar nicht würdig waren. Sie mögen vielleicht aufgrund meiner eigenen Schulzeit glauben, dass ich alle Schüler dieses Hauses für falsche Schlangen halte, und ich kann Ihnen versichern, dass sich einige wirklich unter diesem Haufen befanden – allerdings kenne auch ich die anderen Eigenschaften, die einen Slytherin ausmachen sollten und seien Sie darüber informiert, dass keiner von diesen Schülern auch nur eine davon besitzt! Andere Leute fertigzumachen und zu demütigen ist keine Ruhmestat, sondern ein jämmerlicher Versuch, sich selbst größer und mächtiger erscheinen zu lassen. Manche von diesen Demütigungen gingen einfach zu weit. Ich sah mich gezwungen, Mr Malfoy in diesem Fall den Mund zu verbieten, denn er griff nicht nur das Team der Gryffindors, sondern auch mich persönlich an. Und ich denke, dass in dieser Schule ein gewisser Respekt vor Professoren – egal welchen Alters – vorherrscht, oder sehe ich das falsch?"

Snape, offenbar noch immer perplex ob Olivers mit sicherer und scharfer Stimme vorgetragener Erklärung, schien aus seiner Starre zu erwachen. Zu Woods Verwunderung erschien er etwas versöhnlicher – ein Zug, den er an ihm noch nie gesehen hatte. Und trotz allem blieb das misstrauische Funkeln in seinen dunklen Augen.

„Wenn diese Dinge der Wahrheit entsprechen …"

„Das tun sie, denn ich habe gerade nicht die Geduld, Gegenteiliges vorzuheucheln, Professor."

Diese Worte schienen Snape bewusst zu machen, dass aus dem Oliver Wood, den er noch vor einigen Jahren in seinem Unterricht zu Schnecke gemacht hatte, jemand geworden war, der seinen Weg ohne Wenn und Aber ging und sich nicht mehr so leicht unterkriegen ließ, und seine Lippen kräuselten sich zu einem gequälten Lächeln.

„Nun, wenn Sie sich persönlich angegriffen gefühlt haben, so werde ich dieses Problem schnellstmöglich lösen", meinte er mit öliger Stimme und neigte leicht den Kopf, doch der Ausdruck in seinen Augen passte nicht zu diesem schon leicht spöttischen Tonfall. Sein Blick war immer noch gefährlich und erinnerte Wood an eine Schlange, die nur darauf wartete, ihre Beute in Stücke zu reißen.

Trotzdem gab Oliver seine mittlerweile sehr selbstsichere Stellung nicht auf und hielt tapfer dem stechenden Blick Snapes stand, der immer noch so aussah, als wollte er auf irgendetwas hinaus. Eine Pause entstand.

Schließlich räusperte Wood sich.

„Wenn sonst kein Problem mehr vorliegt, Professor, dann entschuldigen Sie mich. Ich bin verabredet."

Mit diesen Worten ließ er schließlich Snape, der noch immer ein wenig perplex aussah und sich damit begnügen musste, die gegebenen Umstände einfach als richtig hinzunehmen, stehen und schlenderte in aller Seelenruhe davon, die Hände in den Hosentaschen und das Herz unbeschwert wie noch nie. Er fühlte sich gut, großartig um genau zu sein, und als er um die Ecke gebogen war und an Cassandras Tür klopfte, hatte er das Gefühl, dass der Abend nur noch besser werden konnte.

Dem hast du's gezeigt … endlich …

Die junge Griechin öffnete ihm mit einem strahlenden Lächeln.

„Da bist du ja! Pünktlich wie eine Sonnenuhr. Komm ruhig noch kurz herein, ich mach mich schnell fertig."

Sie bugsierte ihn in ihre Wohnung, die ähnlich der seinen eingeteilt und aufgebaut war und huschte mit einem atemlosen „Gib mir zwei Minuten!" ins Bad. Derweil hatte er genügend Zeit, das Zimmer in all seinen – wie er bemerkte sehr ordentlichen – Kleinigkeiten zu betrachten.

Das Bett war nicht von dunklem Rot wie seines, sondern edel dunkelblau; weiße Kissen und Decken lagen darauf herum und Wood schmunzelte. Da war wohl jemand in seine Landesfarben vernarrt …

Der große Schreibtisch wirkte aufgeräumt und auch sonst schien in diesem Raum nichts dem Zufall überlassen worden zu sein; Bücher, Schreibutensilien und Bilderrahmen standen ordentlich in den dafür vorgesehenen Regalen.

Interessiert beugte er sich über einen silbernen Rahmen, aus dem ihm Cassandra und ein kleines, hübsches Mädchen, das ihr ziemlich ähnlich sah und in etwa elf Jahre alt sein musste, entgegenwinkten. Cassandra zwinkerte und stieß das Mädchen gespielt empört in die Seite, als es ihr etwas ins Ohr flüsterte und ihn dabei nicht aus den Augen ließ.

„Evangelía. Meine Schwester", kam es plötzlich von der Badezimmertür her und Oliver fuhr herum. Die junge Griechin kam lächelnd auf ihn zu, und bei Merlin, sie sah in ihrer weißen, langärmeligen und körperbetonten Tunika und den dunklen Jeans unleugbar gut aus. Ein schwarzer Umhang hing lässig über ihrem linken Arm.

„Na, hat es dir die Sprache verschlagen?", meinte sie verschmitzt lächelnd und Wood, der aus seiner Starre erwachte, blinzelte.

Was tust du da eigentlich?

Schnell besann er sich auf seine Schlagfertigkeit und versuchte, der peinlichen Situation etwas Komik abzugewinnen.

„Das hättest du wohl gerne. Ich war nur erstaunt darüber, dass es so etwas wie dich auch zwei Mal gibt."

„Dankeschön für das Kompliment", antwortete Cassandra trocken, doch ihren Augen blitzten schelmisch. „Darf man es zurückgeben?"

„Pech gehabt, meine Liebe. Ich bin einzigartig auf dieser Welt."

„Wie schade …"

Stille, ihre Blicke – ineinander verfangen, dann …

Beide brachen in prustendes Lachen aus, und es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatten.

Der Spaß, den er jetzt mit Cassandra zusammen hatte, bestärkte Oliver nur noch in dem Glücksgefühl, das er seit dem Sieg über Snape in sich trug – und half ihm vielleicht auch ein wenig über seine anderen, etwas komplizierteren Gefühlsprobleme hinweg.

„Bevor wir hier Wurzeln schlagen, sollten wir lieber gehen", riet die junge Griechin schließlich lachend und schob Wood mit mehr Kraft, als er von ihr erwartet hätte, aus der Tür.

Scherzend und neckend verließen sie Seite an Seite ungesehen das Schloss und schlenderten in gemütlichem Tempo den steinigen, teilweise grasüberwucherten Weg ins Dorf hinunter. Eine kühle Brise strich um ihre Gesichter und zerzauste Cassandras lange Lockenpracht, drang unter ihre Umhänge und ließ sie schon bald etwas frieren. Der Himmel allerdings war klar, die Regenwolken hatten sich endgültig verzogen und er gab nun die Vielfältigkeit und Schönheit der Sterne preis, die auf sie hinunterfunkelten.

Unwillkürlich musste Wood an Katie denken – und an jene, sternenklare Nacht, in der Angelina ihm ihr größtes Geheimnis preisgegeben hatte. Ein flaues Gefühl breitete sich in seinem Magen aus, das sich bald zu einem angenehmen Kribbeln entwickelte, wenn er an seine jüngste, ehemalige Jägerin dachte – doch dann war da noch Cassandra, die neben ihm spazierte und mit der er so unbeschwert sein konnte wie noch mit wenigen vor ihr.

Mit einem Mal fühlte er sich schrecklich zerrissen, und hätte er seiner Kollegin nicht das Nachholen des Abends versprochen, so hätte er sich jetzt am liebsten in seinem Bett unter den Decken vergraben und seinen Kopf einfach seinen wirren, wild im Kreis jagenden Gedanken überlassen.

So aber blieb ihm keine Zeit, über seine Wirrungen nachzudenken, denn das Dorf rückte näher und die Stille, die zwischen ihm und der Griechin lag, breitete sich bleischwer aus.

„Es ist ziemlich kalt hier draußen", bibberte Cassandra endlich nach einer Weile und man konnte deutlich ihre Zähne aufeinanderschlagen hören. „Solche Temperaturen bin ich einfach nicht gewohnt …"

Hoffnungsvoll schielte sie zu Wood hinüber, der diesen Blick zu ihrem großen Missfallen allerdings nicht bemerkte, oder zumindest falsch deutete, denn er meinte nur aufmunternd: „Wir sind gleich da. Da vorne sind schon die Lichter."

Er beschleunigte seinen Schritt, seine Hände waren tief in den Taschen vergraben und so gar nicht dort, wo die Griechin sie gerne gehabt hätte – nämlich wärmend um ihren Schultern.

Es würde schwerer sein, seinen Geist und seinen Charakter zu erforschen und für sich zu gewinnen, als sie gedacht hatte; eine Tatsache, die sie noch mehr frösteln ließ. Dazu kam noch, dass er irgendetwas vor ihr zu verbergen schien – vielleicht nicht mit Absicht, doch etwas füllte seine Gedanken und ließ ihn nicht befreit und unbeschwert leben.

Ihre stärkste Waffe zur Lüftung dieses Geheimnisses einzusetzen, nein, das getraute sich Cassandra nicht und verwarf diesen Gedanken sofort. Wie skrupellos von ihr, überhaupt darauf zu kommen …

Der Wind pfiff in den Ritzen der alten Holzhäuser und heulte durch die schmalen Gassen, als die beiden Professoren das Dorf betraten und die steinige Hauptstraße entlang schlenderten. Die Geschäfte und Läden hatten überwiegend geschlossen; nur aus Zonko's Scherzartikelladen waren dann und wann grüne und rote Lichtschimmer zu sehen, gefolgt von einem leisen, gedämpften Knall.

„Jetzt weiß ich wenigstens, woher Fred und George all ihre Inspiration haben", brummte Wood schmunzelnd, als sie den Laden passierten und ein grünes Leuchten ihre Gesichter gespenstisch in der Dunkelheit erhellte. „So viele Jahre lang immer von Zonko's Nachschub in Sachen Scherzartikel zu bekommen hat ihnen nicht gut getan …"

„Du meinst die Weasley-Zwillinge?", fragte Cassandra und drehte sich noch einmal zu dem Laden um, der in diesem Moment von einem etwas lauteren Knall erschüttert wurde. „In der Tat, sie sind etwas übermütig … und sehr verwegen … und vorlaut … aber sie sind ein perfektes Team, soweit ich sehen kann. Sie ergänzen sich ohne Worte – und du musst zugeben, dass es ihren Einfällen nicht an Genialität mangelt!"

Erstaunt wandte Wood den Blick seiner Kollegin zu. „Du kennst ihre Erfindungen?"

„Ich bitte dich – wer im Schloss kennt sie nicht? Man hört so einiges von Schülern … aber kein Wunder, in deinen Stunden müsste man sich ja über das Feld heiser brüllen, um miteinander zu sprechen, von daher bin ich nicht erstaunt darüber, dass deine Schüler dir so etwas vorenthalten."

Sie grinste verschmitzt und zog den Umhang fester um ihren Körper. Dann bemerkte sie den beinahe schon wehmütigen Ausdruck in Woods Gesicht.

„Sie sind gute Freunde von dir, hm? Die beiden?"

Oliver nickte schweigend und kickte ein kleines Steinchen mit der Spitze seiner Turnschuhe die Straße entlang. „Freunde wie sie kann man sich wirklich wünschen – wenn du in der Klemme steckst, oder nicht weiter weißt, ist immer einer von ihnen da und muntert dich auf. Das war in meiner Zeit als Kapitän besonders hilfreich … auch wenn sie es meistens waren, die mich zur Weißglut getrieben haben … so wie der Rest des Teams."

Er lächelte bei dem Gedanken an die vergangenen Zeiten und seufzte, als er an das unbeschwerte Training am Vortag dachte. Die Freundschaft zu den Zwillingen sowie zum ganzen Team war wohl diejenige, der er zu Schulzeiten am meisten gepflegt hatte, nicht zuletzt des Sports wegen.

„Du wünschtest, du wärst wieder einer von ihnen, habe ich Recht?" Cassandra war stehen geblieben und blickte ihn aus ihren großen, dunklen Augen an; doch kein Spott sprach aus ihnen, vielmehr Verständnis. Wood hielt inne und erwiderte ihren Blick, sie konnte die Sterne sehen, die sich im unergründlichen Dunkel seiner Augen spiegelten. Sein Mund verbog sich zu einem gequälten Lächeln.

Anns na h-òrain againne cluinnidh tu a' ghaoth, a' mhuir agus ar dualchas ..." meinte er schließlich, und es war eine Sprache, die Cassandra nicht verstand. Sie aus seinem Mund zu hören, war gleichzeitig so fremd und doch vertraut, dass sie ihn nur verwundert anstarren konnte. „Was bedeutet das?", fragte sie schließlich neugierig, als er sich zum Gehen gewandt hatte und ihr schon einige Schritte voraus war. „Welche Sprache hast du gesprochen?" Der junge Schotte schenkte ihr erneut ein schwaches Lächeln, dann sagte er: „In unseren Liedern hörst du den Wind, das Meer und unsere Geschichte …" Kurz hielt er inne, schob die Hände wieder tief in die Taschen und schlug die Richtung zu den Drei Besen ein. „Auch, wenn wir nie gesungen haben und es hier weit und breit kein Meer gibt … manchmal wünschte ich, ich könnte wieder ein Teil des ganzen sein, wie es früher einmal war. Ich wünschte, die Zeiten wären wieder so friedlich wie damals. Doch das wird nicht sein … Unsere Geschichte ist zu Ende … oder jedenfalls findet sie einen ganz anderen Ausgang, als sie begonnen hat." Und mit diesen Worten hielt er der nachdenklich gewordenen Griechin die Tür des Wirtshauses auf und folgte ihr hinein. Warme, stickige Luft und vielstimmiges Gemurmel schlug ihnen entgegen, als sie die hell erleuchtete Stube betraten, und sich nach einem freien Tisch umsahen. Das Wirtshaus war gut besucht, und doch war es nicht so vollgestopft wie Oliver es noch von Hogsmeade-Wochenenden aus alten Zeiten gewöhnt war. Einige Dorfbewohner saßen an großen Tischen zusammen, spielten Karten oder unterhielten sich; Madam Rosmerta, die wohlgeformte und hübsche Wirtin, stand hinter der Schank und mischte einigen vermummten, gedrungenen Gestalten einen doppelten Feuerwhiskey. Wood und Cassandra kämpften sich zwischen den kleinen Tischen hindurch, denn Cassandra hatte einen freien Platz gleich neben der Schank entdeckt; und als die vermummten Gestalten mit ihrem Feuerwhiskey von dannen zogen und Madam Rosmerta freie Sicht auf die Ankömmlinge hatte, quietschte sie kurz auf und schlug die Hände vor den Mund. „Dann ist es also wahr!", rief sie mit einem breiten Lächeln aus, kam um die Schank herum und drückte Oliver so fest an sich, dass ihm beinahe die Luft ausging. „Mein Oliver ist tatsächlich zurückgekommen!" „Rosmerta, du – erwürgst – mich …", keuchte er lachend und versuchte, sich aus ihrem Griff zu befreien, doch die Wirtin, die in atemberaubendem Tempo weiterjubilierte, ließ nicht locker. „Als ich von Hagrid hörte, dass du zurückkommst, dachte ich, dass die Hippogreife ein wenig mit ihm durchgegangen wären – Professor für Flugkampf, dachte ich, so etwas Hirnrissiges – aber jetzt… JETZT bist du hier!" Cassandra biss die Zähne zusammen und versuchte krampfhaft, nicht laut aufzulachen. Der Anblick war aber auch zu komisch: Oliver Wood, ein großer und athletischer junger Mann, außer Gefecht gesetzt von einer um mindestens eineinhalb Köpfe kleineren Frau.

Langsam aber sicher drehten sich alle Leute im Wirtshaus neugierig nach den dreien um, das Murmeln wurde lauter, viele zeigten mit dem Finger auf sie und tuschelten, und Wood schaffte es endlich, sich aus dem schraubstockartigen Griff Rosmertas zu befreien.

„Hagrid hatte schon Recht", schnaufte er und atmete tief ein, um seine Lungen wieder mit Luft zu füllen; er kam sich ziemlich zerdrückt vor. „Ich bin wieder oben im Schloss … und jetzt hätten wir gerne einen Platz und zwei Butterbiere, wenn du erlaubst. Ich fühle mich irgendwie beobachtet …"

Neben ihm brach Cassandra in verhaltenes Kichern aus. ‚Irgendwie beobachtet' war noch leicht untertrieben, die ganze Stube hatte ihre Augen mittlerweile auf die Neuankömmlinge gerichtet, ein Großteil der Gespräche war verstummt.

Rosmerta füllte die aufkeimende Stille, in dem sie die beiden umständlich zu dem freien Tisch bugsierte und ungläubig vor sich hin murmelnd zurück hinter ihre Schank wuselte, um Butterbier zu holen.

„Hier scheint es ja vor Verehrerinnen nur so zu wimmeln", grinste die Griechin keck, als sie sich gesetzt hatten und Wood sich seines Umhangs entledigte. „Und ich dachte, du hattest zu deiner Schulzeit nur Augen für den Sport?" Belustigt zog sie eine Augenbraue hoch und erntete nur einen undefinierbaren Blick seinerseits.

„Ha ha, sehr witzig", brummte er und rieb sich die Augen. Dann aber lächelte er, zu ihrer Erleichterung, da sie schon gefürchtet hatte, ihn verärgert zu haben. „Sie hatte schon immer was für mich übrig – schon damals, als ich das erste Mal dieses Wirtshaus betrat. Irgendwie kennt sie auch meine Eltern aus deren Schulzeit – was weiß ich. Das Ergebnis all dieser Fakten nun ist das, was du eben gesehen hast."

Cassandra lachte herzlich und nahm dankend das Butterbier entgegen, welches die eifrig herangeeilte Madam Rosmerta gebracht hatte. Dabei plapperte sie erneut fröhlich vor sich hin.

„Also, ich kann es noch immer gar nicht glauben … wie stolz deine Eltern auf dich sein müssen, mein Junge! Da fällt mir ein, ich hab sie schon ziemlich lange nicht mehr besucht – nun ja, die Arbeit, weißt du, die Arbeit …"

Oliver nickte schmunzelnd und nahm sein eigenes Butterbier entgegen. „Danke, Rosmerta … würde es dir etwas ausmachen …" Er vollendete seinen Satz nicht, sondern ruckte mit dem Kopf nur kurz in Cassandras Richtung und lächelte entschuldigend. Die Wirtin wurde rot und entschuldigte sich umständlich für ihr „Geschwätz", wie sie es nannte. Wenn sie etwas brauchten, so rief sie ihnen auf dem Weg zum nächsten, vollbesetzten Tisch zu, so sollten sie nur nach ihr rufen.

„Ich mag sie", stellte die Griechin fest, nachdem sie angestoßen und einen ersten, tiefen Schluck getrunken hatten. „Sie ist eine gute Seele … sehr redselig, aber eine gute Seele."

„Zu diesen Zeiten sind die nicht mehr oft zu finden", murmelte Oliver gedankenverloren und dachte an jenes Grauen, gegen das er seine Schüler auszubilden hatte.

Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus und man hörte nur mehr die Gespräche, die an den Nebentischen erneuten Aufschwung gefunden hatten.

„Du hast mir noch immer nicht gesagt, welche Sprache das eben war", erinnerte sich Cassandra plötzlich und sah ihn aufmerksam an, stützte ihr Kinn auf ihre gefalteten Hände und blickte ihn im die Augen. „Also?"

„Ach das", winkte er ab und nahm noch einen großen Schluck. „Das war Gälisch."

„Gälisch?", wiederholte Cassandra verwundert. „Was ist Gälisch?"

„Eine Sprache."

„Ach nein, da wäre ich jetzt nicht alleine draufgekommen!"

Er lachte. „Gälisch ist eine schottische Sprache … sozusagen eine zweite neben Englisch. Sie stammt von einem Volk, das vor Jahrtausenden diese Lande bevölkerte: den Kelten."

Nach einem weiteren Schluck fuhr er fort: „Es gibt auch in Irland eine Form von Gälisch, aber die beiden Sprachen unterscheiden sich doch voneinander. Mein Vater ist damit aufgewachsen und dachte, es wäre eine gute Idee, wenn es bei mir genauso wäre … nun ja …"

Ihr Gespräch wandte sich von diesem Thema ab und anderen zu, und die Zeit schien wie im Fluge zu vergehen. Cassandra beispielsweise erzählte viel von ihrer Heimat und ihrer Familie, die sie sehr zu vermissen schien; und Oliver, der noch nie in Griechenland gewesen war, lauschte der Beschreibung der Landschaften zunehmend interessiert. Madam Rosmerta brachte ihnen noch einige Male neue Getränke und wollte partout nicht zulassen, dass Wood bezahlte. Dann und wann kam es auch vor, dass einer der Gäste, bevor er das Gasthaus verließ, mit scheuem Blick um ein Autogramm bat; und wieder einmal verfluchte Wood die Presse dafür, dass er nirgends mehr unerkannt tun und lassen konnte, was er wollte.

„Weißt du, wenn du anfängst, bist du für sie ein Frischling, nicht weiter beachtenswert … und dann, sobald du deine ersten Siege einfährst, feiern sie dich wie einen Volkshelden", sagte er ein klein wenig missmutig, nachdem er seinen Namen für eine kleine, völlig aus dem Häuschen plappernde Hexe auf eine Serviette gekritzelt hatte. „Du bist dauernd im Kreuzfeuer der Medien, kannst dich während der Saison auf niemanden einlassen und niemandem wirklich vertrauen, weil du immer das Gefühl hast, er könnte deine persönlichen Dinge an die Presse weitererzählen. Jeder deiner Schritte wird beobachtet und viele Dinge, die du selbst noch gar nicht über dich weißt, erfährst du aus der Zeitung. Du wirst es nicht glauben, wie viele angebliche Beziehungen mit irgendwelchen Frauen oder Prügeleien ich mit irgendwelchen Ligaspielern schon hatte, seit ich nicht mehr auf Reserve spiele."

Sein Blick verfinsterte sich, und während er an seiner fünften Flasche Butterbier nippte, konnte Cassandra gut nachfühlen, wie es in ihm zu jenen Zeiten ausgesehen haben musste. Gerade erst dem Schulalltag entwachsen zu sein und schon ein Opfer der Presse zu werden, stellte sie sich hart und unbarmherzig vor, und das sagte sie ihm auch. Ein hölzernes Lachen war die Antwort.

„Hart und unbarmherzig, in der Tat … Es gibt Magazine, die nur einen schiefen Blick von dir als aggressive Persönlichkeitsstörungen auslegen … Mein bester Freund Adrien zum Beispiel war bei einem Spiel ziemlich verschlossen und schweigsam, weil sein Bruder mit komplizierten Brüchen im St. Mungo's lag, und am nächsten Tag wusste ganz Großbritannien, dass sein Bruder ‚an tödlichen Vergiftungen leide und Adrien deshalb darüber nachdenke, den Sport an den Nagel zu hängen, um sich einem Leben der Erforschung zu Gegengiften zu widmen'."

„Das ist ja furchtbar!"

„So ist es", stimmte er ihr zu und leerte die Flasche in einem Zug. „Er war komplett aus dem Häuschen und wäre am liebsten zu denen gefahren und hätte sich mit den Reportern angelegt … Merlin sei Dank hat er es nicht getan … er ist manchmal ein wenig temperamentvoll, weißt du?"

Die Stimmung war ein wenig gedrückt, und so beschloss Cassandra, das ‚Motto' des Abends etwas umzugestalten. Sie entschuldigte sich kurz bei Wood, stand auf und schlenderte zur Theke hinüber, wo Madam Rosmerta Bierkrüge auswischte. Ein kurzer Wortwechsel, ein erstaunter Ausruf, Gelächter und schon wenig später kam die Griechin mit einem kleinen Tablett voller Schnapsgläser und zwei Wassergläsern zurück. Die durchsichtige, aber doch etwas trüb wirkende Flüssigkeit in den kleineren Gläsern schwappte hin und her und als sie das Tablett auf ihren Tisch stellte, drang Wood ein intensiver Geruch nach Kräutern in die Nase.

„Was ist das? Nach Feuerwhiskey sieht's nicht aus …"

„Völlig richtig", lächelte Cassandra geheimnisvoll und ließ sich ihm gegenüber nieder, nachdem sie Rosmerta mit dankbarem Blick zugewinkt hatte. „Das ist nämlich auch keiner. Das ist Ouzo."

„Bitte was?"

„Ouzo", wiederholte Cassandra und musste ob des verwirrten Gesichtsausdrucks ihres Gegenübers lachen. Er war einfach zu süß …

„Und was bitte ist Ouzo genau?", kam schon die nächste Frage von Wood, der sich näher über die Schnapsgläser gebeugt hatte und deren flüssigen Inhalt näher in Augenschein nahm. „Sieht irgendwie … seltsam aus …"

„Ich würde es mal so bezeichnen", meinte die junge Griechin schmunzelnd, „das, was Scotch Whisky für euch ist, ist der Ouzo für uns Griechen."

„Ich verstehe", grinste Wood. „Eine Art Nationalgetränk also …"

„Richtig", bestätigte Cassandra. „Die Gelegenheit, dass dieses Gasthaus hier einen Ouzo-Vorrat besitzt – was ich nicht wirklich erwartet habe – muss genutzt werden! Und damit du all deine Fans hier um dich herum auch mal ein wenig vergessen kannst, bringe ich dir jetzt bei, wie man in Griechenland trinkt."

„Wie, so etwas kann man lernen?", witzelte Oliver, fing sich jedoch nur einen strafenden Blick seines Gegenübers ein. Die mittlerweile schon fünf Butterbiere und zwei Feuerwhiskey in seinem Blut machten sich ein wenig bemerkbar und ließen die Geräusche um ihn herum alle etwas intensiver werden, doch er fühlte sich gut – unbeschreiblich gut. Da konnte ihn so ein griechisches Gesöff auch nicht mehr aus der Bahn schlagen.

„Natürlich kann man das lernen, auch wenn es die meisten Nicht-Griechen leicht vom Hocker haut."

„Nun gut", erwiderte er angriffslustig und schob die Ärmel seines Pullovers nach oben. „Wollen wir mal sehen, wie lange dein Ozu gegen schottische Trinkfestigkeit durchhält."

„Es heißt Ouzo, du Anfänger", kam es schlagfertig von Cassandra. „Du kannst dir wohl auch nichts merken, was?"

Er wollte den Mund aufmachen, um ihr etwas entgegenzuschleudern, doch sie legte schnell einen Finger auf seine Lippen und gebot ihm, zu schweigen. „Hör mir erst mal zu, bevor du große Reden schwingst, Mister. Also … während ich durch die Welt gereist bin, habe ich gemerkt, dass viele Nationen den Ouzo komplett anders trinken als die Griechen es eigentlich tun – nämlich unverdünnt. Das ist bei uns eher unüblich."

„Schwach!", war Olivers kichernder Kommentar zu dieser Aussage, doch er schwieg sofort, als Cassandra ihn gefährlich anfunkelte.

„Dazu haben wir die Wassergläser", erklärte sie und wies auf die beiden größeren Gläser. „Du kannst dir soviel Wasser in deinen Ouzo geben, wie du für richtig befindest – deshalb sind die kleinen Gläser nicht ganz angefüllt. Normalerweise gehört da auch noch Eis dazu, aber das lassen wir für heute mal. Hier!"

Und mit diesen Worten stellte sie ihm das erste Glas voll Ouzo seines Lebens hin. Wiederum stieg ihm der scharfe Geruch des Getränks in die Nase, und er blinzelte.

„Und das trinke ich jetzt einfach so?"

„Genau, einfach so", bestätigte Cassandra, die ihr Glas sorgsam mit Wasser auffüllte. Wood tat es ihr gleich, doch sein schottischer Stolz ließ nur ein kleines Wasserrinnsal in seinem eigenen Glas zu. Cassandra registrierte dies mit spöttischem Blick.

„Du kannst es nicht lassen, was?"

„Nein, leider nicht", erwiderte er mit einem aufgesetzten Lächeln und hob das Glas. „Auf die jüngsten Professoren, die diese Schule wahrscheinlich jemals gesehen hat!"

„Auf unsere Freundschaft", sagte Cassandra leise, und ihre Augen blitzten dabei.

„Dito", bestätigte Wood mit rauer Stimme und erwiderte ihren Blick, ein seltsames Gefühl durchfuhr ihn und er fragte sich, was wohl hinter diesen großen Augen, so dunkel wie das Gefieder eines Raben, vorgehen mochte.

„Das wichtigste, was wir jetzt noch zum Anstoßen brauchen, ist die griechische Version von ‚Cheers'."

„Die da wäre?"

Yia mas."

„Gut … yia mas!"

Glas klirrte auf Glas, als sie anstießen und im nächsten Moment hatte auch schon jeder sein Glas auf einen Zug geleert.

Cassandra räusperte sich und schloss kurz die Augen, Wood jedoch verzog angewidert das Gesicht und schluckte den Rest, der sich noch in seinem Mund befand, mit einem für die Griechin zutiefst komischen Gesichtsausdruck hinunter; begleitet von einem Brennen im Rachen.

„Was um Himmels Willen ist das für ein Teufelszeug?", krächzte er und stellte sein Glas zurück auf den Tisch. Cassandra lachte schallend.

„Na, halten wir etwa nichts aus?"

„Davon war jetzt nicht die Rede, Fräulein. Ich fragte, was das für ein Teufelszeug ist!", korrigierte Oliver gespielt empört und nahm sich das nächste Glas vom Teller, dieses Mal gänzlich auf das Wasser verzichtend.

„Wenn du es genau wissen willst: Dieses Teufelszeug besteht aus reinem Alkohol, vermischt mit verschiedensten Kräutern, hauptsächlich aber Fenchelsamen oder Anis", erklärte Cassandra noch immer kichernd und nahm sich ebenfalls ein zweites Glas.

„Ist ja schrecklich … so genau wollte ich das nicht wissen", waren Olivers Worte, bevor er erneut mit seiner Kollegin anstieß und das Glas leerte.

So verstrichen die Stunden, und es war bereits weit nach Mitternacht, als Madam Rosmerta die beiden freundlich darauf aufmerksam machte, dass sie bereits die letzten Gäste waren und sie schließen musste. Noch immer wollte sie partout kein Geld von Oliver annehmen, obwohl bereits eine beachtliche Zahl Gläser auf dem Tisch standen, und so versprach der junge Schotte grinsend, dass sie bestimmt bald wieder kommen würden.

Lachend verließen sie das Gasthaus und schlenderten den Weg zurück hoch ins Schloss. Es war noch kühler geworden, doch der Wind hatte etwas nachgelassen und erfrischte ihre erhitzten Gesichter nur mit einer leichten Brise.

Die Sterne schienen auf sie herab, als sie so dahin schlenderten und hinauf ins Firmament blickten.

„Schön, nicht?", meinte Cassandra staunend und drehte sich einmal im Kreis, um alle Himmelsrichtungen sehen zu können. Der Alkohol aber machte ihrem Gleichgewicht einen Strich durch die Rechnung, sie stolperte und fand sich – gerade noch rechtzeitig – in Olivers Armen wieder.

„Nächstes Mal musst du weniger trinken, hörst du?", philosophierte der mit ernstem Gesicht, doch aus seinen Augen blitzte der Schalk.

„Das sagt genau der Richtige", protestierte Cassandra lachend und befreite sich aus seinem Griff (auch wenn sie nichts dagegen gehabt hätte, länger darin zu verweilen).

Mittlerweile hatten sie das Schlossportal erreicht und stahlen sich leise hinein. Die Korridore lagen wie ausgestorben in Dunkelheit, nur hier und da brannte eine Fackel; und mit viel unterdrücktem Lachen hatten sie schließlich Athenes Portrait gefunden – den Zugang zum Lehrerflügel.

Die junge Göttin war aus ihrem leichten Schlummer aufgeschreckt und betrachtete, eine Augenbraue belustigt erhoben, die beiden Ankömmlinge.

„Guten Abend, ihr zwei", lächelte sie. „Oder sollte ich besser sagen, gute Nacht? Abend scheint mir nicht mehr ganz angemessen."

„Weise gesprochen, Athene", stimmte Wood ihr zu und streckte seine Hand aus, damit sie aus ihr lesen konnte. „Wir waren unten im Dorf, etwas trinken."

„Wie schön. Es erfreut mich, wenn die Lehrerschaft von Hogwarts auch untereinander starken Zusammenhalt findet", meinte Athene freundlich und las auch aus Cassandras Hand.

„Ich habe ihm griechische Bräuche gezeigt", erzählte die junge Griechin zwinkernd und die Göttin hob anerkennend die Augenbrauen.

„In der Tat? Ein kluger Schritt von dir …"

„Naja, ich will das mal klarstellen. Die griechischen Bräuche, wie sie es nennt, haben sich auf das richtige Trinken von Ozu …"

„OUZO!"

„… also gut, Ouzo beschränkt. Da war nicht viel dabei."

„Er hat ihn nicht mal verdünnt", flüsterte Cassandra empört der Göttin zu, die gespielt erschrocken die Hand vor den Mund schlug.

„Hat er nicht? Aus ihm wird wohl nie ein Grieche werden …"

Die beiden Frauen lachten, und Oliver rollte mit den Augen. Seine Lider wurden langsam aber sicher immer schwer, so wie sein Herz, denn mit der Trägheit des Alkohols kamen auch die Gedanken über Katie zurück.

„Ich möchte euch ja nicht bei eurem Gespräch stören, aber ich würde gerne ins Bett", versuchte er schließlich, die Aufmerksamkeit der beiden zu erringen und schaffte es. Athene gab mit einem Lächeln auf dem Gesicht und einem Gutenachtwunsch den Eingang frei und verschloss sich wieder, sobald Oliver und Cassandra den Flügel betreten hatten.

„Na dann … gute Nacht", meinte Cassandra lächelnd, als sie vor Olivers Wohnung angekommen waren. Einen Moment lang standen sie unschlüssig herum, dann meinte sie: „Es war ein toller Abend …"

„Mhm", machte Oliver, der plötzlich – wie sie bemerkte – müde und abgespannt aussah. Er rang sich ein Lächeln ab, bevor auch er ihr eine gute Nacht wünschte. „Schlaf gut …"

Irgendetwas war da in der Luft … sie glaubte, es spüren zu können …

Erwartungsvoll beugte sie sich vor, Oliver tat es ihr gleich – ihr Herz fing an, in rasendem Tempo zu pochen, ihre Gesichter kamen sich immer näher …

Doch ihre Erwartungen wurden enttäuscht; Wood gab ihr einen leichten Abschiedskuss auf die rechte Wange, so wie es jeder mit seinen Freunden halten würde.

„Bis morgen dann …"

Und mit diesen Worten öffnete der junge Schotte seine Zimmertür und verschwand mit einem letzten Lächeln dahinter.

Zurück ließ er eine enttäuschte Cassandra, die sich ungläubig über die rechte Wange fuhr und nicht verstehen konnte, warum alles so schnell gegangen war. Schließlich besann sie sich und setzte ihren Weg zurück zu ihrem Zimmer fort. Noch war nicht aller Tage Abend, das wusste sie, und als sie die Stelle, die seine Lippen berührt hatten, betastete, kribbelte es in ihrem Bauch.

Wenigstens etwas …

Neeeeiiiin …

Mit einem stummen Schrei auf den Lippen erwachte Katie Bell und setzte sich kerzengerade in ihrem Krankensaalbett auf. Erst wusste sie nicht, wo sie sich befand, doch dann kam die Erinnerung an das furchtbare Training zurück … und an Oliver …

Ihr Herz klopfte wild, als sie sich in die Kissen zurückfallen ließ, und sie atmete tief ein und aus …

Der Traum, oder besser gesagt Albtraum, der sie eben heimgesucht hatte, nahm jeden Winkel ihres Kopfes ein und spielte die schreckliche Szenerie immer wieder vor ihrem inneren Auge ab.

Ein dunkler Korridor, Professor Theano – mit Oliver alleine, ihre Hände, die nach seinen verlangten und ihre Lippen, die sich auf seine legten; er, der sich nicht dagegen wehrte …

Katie wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, als würde sie die Gedanken zu verscheuchen versuchen.

Mach dich nicht verrückt, Katie … hast du etwa den schönen Nachmittag vergessen, den du mit ihm verbracht hast? Lass dich nicht von dieser impertinenten Person einschüchtern – ha!

Diese Tatsache tröstete sie ein wenig und half ihr, schneller wieder zur Ruhe zu kommen. Dennoch, ein ungutes Gefühl blieb die ganze Nacht über und sollte auch den nächsten Tag, ja sogar die nächste Woche überdauern.

Anm. der Autorin: Die arme Katie … was muss sie doch durchstehen … Ich hoffe, dass euch auch dieses Kapitel gefallen hat, obwohl es hier mal eher um die Relation zwischen Oliver und Cassandra ging … ist ja immerhin auch Teil der Story …

Aber keine Sorge … wenn die hohen Mächte wollen, wird alles gut ;-)

Wie immer freu ich mich über Reviews aller Art Keksteller hinstellt

Bis zum nächsten Mal!

Eure Caly