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12. Kapitel Sorgen

Anm. der Autorin: Wooohoo! Es geht jetzt auch schon weiter … Der Zeitungsartikel trägt nicht gerade dazu bei, dass Wood sich weniger Sorgen um Adrien macht, und das, wo ein Treffen erst in fast zwei Wochen möglich ist! Zu allem Übel findet sich auch noch eine ominöse Notiz von Umbridge auf Woods Schreibtisch … und ein kleines Treffen mit dem Team nimmt eine höchst gefährliche Wendung …

Viel Spaß!

Eure Caly

P.S.: Das Lied bezieht sich – wie ihr sicher merkt – nicht wirklich auf die Inspektion, sondern eher auf jene Dinge, die man so über böse Quidditchkapitäne in Zeitungen liest

He's dangerous, just get it up

The way he moves so scandalous

Hot stuff, head to toe

Where he goes, no one knows …

Mis-Teeq – Scandalous

Als Oliver sah, was da vor ihm in großen Bildern und Lettern auf der Titelseite prangte, war es, als legte sich eine eisige Hand um sein Herz. Er blinzelte, als ob er sich vergewissern wollte, dass das, was er sah, keine Einbildung war.

„Was zum –"

Fahrig riss er dem betretenen Harry den Tagespropheten aus den Händen, glättete das Blatt und las mit klopfendem Herzen die Schlagzeile – einige Drittklässler, die tuschelnd an ihm vorbeigingen, bemerkte er nicht; Harry aber sehr wohl, und er blickte ihnen böse hinterher.

KAPITÄN AUF ABWEGEN – Puddlemere-Kapitän ‚ertränkt' Teamkrise stand in großen Lettern auf der ersten Seite, darunter ein Bild von Adrien, der irgendwo an einer Theke saß und munter ein Glas Whisky nach dem anderen kippte – zusammen mit einer dunkelhaarigen Frau, die Oliver nicht kannte. Der offensichtlich betrunkene Foto-Adrien lachte und seine Hand wanderte den Rücken der Frau entlang, hinunter in Regionen, die er in nüchternem Zustand niemals angefasst hätte.

Woods Hände bebten, als seine Finger das Papier umkrampften und ihm war plötzlich übel.

Mit trockenem Mund las er den kurzen Absatz, der unter dem Bild geschrieben stand.

Adrien Harrold, Kapitän der Nummer Eins in der Liga – Puddlemere United – versucht mit allen Mitteln über den Rücktritt des Team-Wunderknaben Oliver Wood hinwegzukommen

Mehr dazu auf Seite 7

Leise fluchend blätterte Wood in der Zeitung und verursachte ein kleines Papierchaos, das Harry vorsichtshalber zu beseitigen half. Der junge Sucher legte seinem Professor beschwichtigend eine Hand auf die Schulter und schob ihn dann samt Zeitung in den eher weniger betriebsamen Seitengang, aus dem er gekommen war.

„Komm schon, Oliver. Komm hierher, hier sind wir nicht so im Mittelpunkt …"

Der junge Schotte schien etwas abwesend zu sein, als er erneut die Seiten durchblätterte und schließlich auf der siebten haltmachte. Harry hatte den Artikel noch nicht wirklich gelesen und war umso erschrockener darüber, wie viele Fotos von Adrien Harrold geschossen worden waren. Eines zeigte ihn tanzend mit jener dunkelhaarigen Frau, ein anderes trinkend und lachend, ein weiteres, wie er in einer schrägen Fratze die Zunge der Frau zwischen den Zähnen hatte, und wieder ein anderes, wie er mit abgespanntem und müdem Gesicht aus einer Tür trat und sich schützend die Hände vor das Gesicht hielt. Unter diesem Foto befand sich erneut ein kurzer Absatz.

Trauriger Blick, rastlos: Adrien Harrold auf dem Heimweg vom Training. Er wirkt abwesend und gedankenversunken. Sind seine privaten und beruflichen Probleme die Gründe für die Flucht in den Alkohol?

Oliver, der diesen Absatz wohl ebenfalls gerade gelesen hatte, schüttelte schnaubend den Kopf. „Diese verlogenen …"

Doch weiter kam er nicht, neben all den Bildern, die von Adrien aufgenommen worden waren, erblickte er plötzlich auch sich selbst. Es war ein Foto, das einmal in der Halbzeit eines Spieles aufgenommen worden war – und auf dem er seltsam enttäuscht wirkte. Tatsächlich war bei einem Spiel aufgenommen worden, das, wie er sich erinnerte, sich erst in der zweiten Halbzeit zu ihren Gunsten gewandt hatte – seinen Gesichtsausdruck, der eigentlich einem schlechten Spiel galt, für diesen Schundartikel auszulegen, machte ihn wütend. Auch darunter fanden sich Zeilen.

Oliver Wood – nach dem Rücktritt aus dem Team nun Lehrer für Flugkampf an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei. Weiß er von den Eskapaden seines besten Freundes?

„Was schreiben die da bloß?", murmelte Harry angewidert und begann nun, neben dem immer fahriger werdenden Oliver den Hauptartikel zu lesen, der von einem gewissen Reporter mit den Initialen TB verfasst worden war.

Was es heißt, den besten Freund zu verlieren – das ist eine Situation, die Adrien Harrold (26) – Kapitän von Puddlemere United – in diesen Tagen durchmachen muss.

Jetzt, eine Wochen nach dem Rücktritt der Hütersensation des Teams und gleichzeitig dem besten Freund Harrolds – Oliver Wood – sieht es so aus, als versuche der junge Kapitän verzweifelt, Ablenkung zu finden – und das mit alarmierenden Auswirkungen.

Erst gestern sah man ihn in einem der laut Quellen populärsten Clubs in der Innenstadt Muggellondonds, ein Paradies für prominente Zauberer, die ihrer Berühmtheit entgehen und dafür ihre Unbekanntheit bei den Muggeln ausnützen wollen. Dies hatte wohl auch Harrold vor, jedoch die Rechnung ohne die Fotografen gemacht.

Anstatt seines besten Freundes, mit dem er in vergangenen Tagen solche Trips zu unternehmen pflegte, befand sich an seiner Seite eine unbekannte, dunkelhaarige Schönheit, die aber wahrscheinlich nicht der Zaubererwelt angehört und ihn wohl von seinen trübseligen Gedanken ablenken sollte (siehe Bilder oben). Später am Abend verließen die beiden den Club mit unbekanntem Ziel.

Robert Grant, Headcoach von Puddlemere United, war für ein genaueres Interview nicht zu sprechen, dementiert aber die Gerüchte, die sich um teaminterne und persönliche Probleme seines Jägers und Kapitäns ranken – allerdings nicht recht überzeugend.

Adrien Harrold hat mit Sicherheit kein Problem, sei es persönlich, noch mit Teammitgliedern oder dem Alkohol!", so die einzige Stellungnahme Grants, doch seine Augen sprechen bei diesem Satz eine andere Sprache, und die Indizien, die gegen Harrold vorliegen, bestätigen die mittlerweile aufkeimenden Vermutungen der Fans und Sportexperten. Der PU-Kapitän ist immerhin nicht gerade als einfacher Mensch bekannt.

Was geht in Adrien Harrold vor? Steckt er in einer kurzfristigen oder länger währenden Lebenskrise? Niemand weiß, wie es in seinen Gedanken aussieht, und doch sprechen Insider von einem Freundschaftsverrat zwischen ihm und Oliver Wood – eine Ligatragödie, wie sie lange nicht mehr gesehen wurde. tb

Für einen Moment lang blieb Wood der Mund offen stehen, und beide, er und Harry, schwiegen. Um sie herum hörte man nur das Schnattern einiger vorbeiziehender Schüler und das Prasseln des Regens gegen die nahegelegenen Fenster.

„Oliver?", fragte Harry schließlich vorsichtig, als der noch immer mit ausdruckslosem Blick auf den Propheten starrende Schotte kein Wort von sich gab. Der junge Gryffindor wusste, dass es für Wood ein Schock sein musste, dies zu lesen – war Adrien doch wirklich sein bester Freund, und so sehr er auch glauben wollte, dass der Tagesprophet sich die Geschichte rund um die persönlichen Probleme nur ausgedacht hatte, so musste er zugeben, dass die Fotos eindeutig waren.

„Wie können sie es nur wagen, so etwas zu veröffentlichen?!", knurrte Oliver schließlich und knüllte die Zeitung wütend zwischen seinen Händen zusammen. „Wie bei Merlin kommen die auf so einen Schwachsinn? Adrien und ein Alkoholproblem – meinetwegen? Pah! Das ich nicht lache!"

So abwertend er aber auch tat, innerlich bebte er und seine Gedanken rasten so schnell durch seinen Kopf, dass er zu schmerzen begann. Was um Himmels willen war mit Adrien los? Erst der Brief und dann dieser Zeitungsartikel …

„Ich bin mir sicher, die interpretieren da was falsch", versuchte Harry, ihn zu beschwichtigen, doch Erfolg hatte er damit nicht wirklich; dafür war Oliver viel zu aufgekratzt. „Du solltest dich nicht darum scheren! Wann, hast du noch mal gesagt, trefft ihr euch? In eineinhalb Wochen? Sprich mit ihm selbst, und glaub nicht das, was die Zeitungen schreiben. Ist ein gut gemeinter Ratschlag, und ich muss es ja wissen, oder?" Er zwinkerte schelmisch.

Etwas besänftigt ließ Wood die Hände mit dem Papierknäuel sinken und atmete tief durch. Vielleicht war alles wirklich nicht so schlimm, die wie Zeitung es aufbauschte. Ja – Adrien hatte einfach seinen Spaß gehabt und mal einen über den Durst getrunken, und das war ja etwas, was sie beide in vergangenen Tagen auch manchmal erlebt hatten.

„Du hast Recht, Harry", murmelte der junge Schotte schließlich und räusperte sich. „Ich sollte wirklich nicht so viel auf diesen Schund hier geben …"

Trotz allem aber blieben noch so viele Fragen offen, schoss es ihm wenig später, als er sich von Harry verabschiedet hatte und zurück zu seinem Zimmer schlenderte (der Appetit auf Frühstück war ihm gehörig vergangen). Wenn die Gerüchte wirklich nicht stimmten, was hatte es dann aber mit dem seltsamen, alkoholischen Geruch auf sich, den der Brief schwach zu verströmen schien? Und mit jener Zeile, die ihn erst stutzig gemacht hatte?

Nun ja … mach dir keine Sorgen um mich hier. Ich komm mit Lee schon zurecht … Irgendwie … sicher …

Er dachte an vorangegangene Briefe, in denen sein Freund schon so manche Dinge angedeutet hatte (wie hatte er nur so dämlich sein können, das nicht wahrzunehmen?) und nahm sich vor, mit Adrien zu sprechen und ihm ins Gewissen zu reden, sollte er tatsächlich solchen Mist bauen. Einigermaßen beruhigt bog er um eine Ecke – und wäre um ein Haar schon wieder mit jemandem zusammengeprallt.

Und er hatte gedacht, mittlerweile hätte wenigstens das aufgehört.

„Verzeihung", murmelte er gedankenverloren und wollte schon weiter seines Weges gehen, bis er bemerkte, dass es – wieder einmal – Katie war, die er fast umgerannt hatte.

„Langsam könnte man meinen, du legst es darauf an", witzelte sie und ihre Augen blitzten. „Was schwirrt dir durch den Kopf? Der Unterrichtsplan für morgen? Ein Schüler, der es einfach nicht schafft, sich auf dem Besen zu halten? Oder bin es etwa ich?"

Der letzte Satz war von ihrer Seite her sehr wohl scherzhaft gemeint, doch Oliver zuckte kaum merklich zusammen und blinzelte.

„Was?"

Katie lächelte und winkte ab. Plötzlich schien sie etwas verlegen. „Vergiss es. Ich weiß, was es ist! Du hast Angst, dass Umbridge dich in deinem Unterricht besuchen kommt und dir mit ihren Inspektionen auf die Nerven geht!" Bei diesen Worten machte sie ein düsteres Gesicht und rollte unheilvoll mit den Augen.

Ach ja. Die Inspektionen.

Vor ein paar Tagen war ein groß aufgemachter Artikel im Tagespropheten erschienen, der alle Schüler und andere, die es wissen wollten, darüber informierte, dass Dolores Umbridge zur Großinquisitorin ernannt worden war und somit die volle Befugnis erhielt, die Lehrkräfte der Schule zu inspizieren, ihre Fähigkeiten zu prüfen und etwaige Änderungen vorzunehmen – ein Ministeriumsgesetz, das im Kollegium viel Unmut (beispielsweise einen kleinen Wutanfall McGonagalls oder einen noch übler gelaunten Snape) und bei ihm selbst ein banges Gefühl in der Magengegend hervorgerufen hatte.

Was führte diese Frau im Schilde? Wie konnte er sich gegen sie wappnen, ohne aufzufallen oder erneut etwas Falsches zu sagen? Er hatte keine Ahnung, wann sie in seinen Unterricht kommen würde.

Tatsächlich war ihm auch das im Kopf herumgeschwirrt, wenn auch nicht in jenem Moment, und so nickte er einfach etwas beklommen.

„Genau. Genau das wird's sein …"

Katie schien sich damit zufrieden zu geben und hatte offenbar noch keinen Blick in die Zeitung geworfen, denn sie legte ihm aufmunternd eine Hand auf den Oberarm und blickte in seine Augen. „Du machst das schon! Wenn du schon ein aufmüpfiges, rebellierendes Quidditchteam unter Kontrolle halten konntest, schaffst du Umbridge mit links!" Sie zwinkerte verschwörerisch. „Was dagegen, wenn ich dich zum Frühstück begleite?"

„Hab keinen Hunger", erwiderte er entschuldigend. „Ich wollte gerade zurück."

„Schade", meinte die Jägerin mit einem Schulterzucken und wandte sich zum Gehen. „Aber ich habe welchen, und werde mir den leckeren Toast mit Marmelade nicht entgehen lassen!"

„Tu das."

Sie lachte, und bevor sie endgültig ging, beugte sie sich ein letztes Mal ganz nahe an ihn heran, so dass ihre Lippen schon fast sein Ohr berührten und ihr Atem über seine Haut strich.

„Übrigens … deine Rose sieht noch immer aus wie am ersten Tag …"

Und mit einem Lächeln, das er nicht deuten konnte, war sie auch schon verschwunden. Blinzelnd stand er da und sah ihr hinterher, und er konnte nicht verhindern, dass sich ein leichtes Grinsen auf seine Lippen stahl. Ihre lebensfrohe Art war noch immer genauso ansteckend wie früher.

Sie war wirklich faszinierend …

„Oh Mann!"

Mit einem tiefen Seufzen ließ Oliver sich wenig später auf sein Bett fallen, eine kleine Notiz in der Hand, die er dreimal durchgelesen hatte, bevor er endlich glauben konnte (oder musste), dass es wahr war.

Sehr geehrter Mr Wood,

ich, Dolores Umbridge, Großinquisitorin hiesiger Schule, bin dafür verantwortlich, das angestellte Lehrpersonal und deren Fähigkeiten zu überprüfen und dem Ministerium als Bericht vorzulegen sind.

Aus diesem Grunde nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass diese Überprüfung in Ihrem Gegenstand „Flugkampf" am Dienstag den 23. September in der 6. Einheit stattfinden wird.

Es verbleibt hochachtungsvoll

Dolores Umbridge

Großinquisitorin

Das Hochachtungsvoll könntest du dir sparen, du falsche Schlange, dachte er verbittert und rollte sich auf die Seite; die Notiz ließ er achtlos auf seine Bettdecke fallen.

Womit hatte er das bloß verdient?

Den Rest des Vormittags verbrachte er mit doch etwas rumorendem Magen auf seinem Bett und zermarterte sich den Kopf darüber, wie er es anstellen konnte, Umbridge gegenüber nicht erneut die Nerven zu verlieren oder etwas zu sagen, was ihn ‚überführen' konnte – wo sie sich doch ‚passenderweise' die Flugkampfstunde mit jener Klasse ausgesucht hatte, in der Fred, George und Angelina waren. Na toll.

Er brauchte einen guten Plan, und zwar dringend. Dies gestaltete sich allerdings als etwas schwierig, da sich Adrien penetrant in sein Gedankenfeld rückte und seine unerklärliche Verhaltensweise den jungen Schotten nicht losließ.

Wood beschloss schließlich, abzuwarten und zu sehen, was die Zeitungen weiter bringen würden. So wie er die Presse kannte, fand sie schnell ein neues Opfer, dass sie publik zur Schau stellen konnten – und wenn der ganze Rummel abgeklungen war, würde er endlich mit Adrien sprechen können.

Ob er wohl den Artikel schon gesehen hatte? Was er dazu sagte?

Leises Klopfen riss ihn aus seinen verworrenen Gedanken; er blinzelte und besann sich, dann rappelte er sich auf und eilte zur Tür, nicht ohne vorher sein Shirt gerade zu zupfen. Vorsichtig öffnete er und blickte direkt in Professor McGonagalls perlmuttfarbene Augen, die einen seltsamen Hauch von Besorgnis in sich trugen.

„Minerva, was kann ich für Sie tun?"

„Kann ich Sie kurz sprechen, Oliver?", kam prompt die Gegenfrage und der junge Schotte bat seine Kollegin ins Zimmer, wo sie auf einem der Stühle vor dem Schreibtisch Platz nahm und die Hände im Schoß faltete. Oliver selbst nahm hinter dem Schreibtisch Platz und verschränkte die Arme vor der Brust. Für einen Augenblick fochten ihre Augen einen stummen Kampf aus, dann meinte er: „Was gibt's?"

McGonagall zögerte, bevor sie zu sprechen begann. „Im Prinzip nichts … nur … wie geht es Ihnen?"

Dieser Satz ließ Wood sofort wissen, worauf sie hinaus wollte.

Adrien.

Er räusperte sich und stützte sich seufzend auf die Tischplatte ab, und er konnte nicht verhindern, dass ein leerer Ausdruck in seine Augen trat.

„Ich weiß, worauf Sie hinauswollen, Professor. Machen Sie sich keine Sorgen – den Artikel habe ich bereits gesehen und werde ihn wohl nicht weiter beachten …"

„Dann denken Sie also nicht –"

„Nein", unterbrach er sie bestimmt und fixierte sie mit seinem Blick, seine Stimme klang zuversichtlicher, als er sich fühlte. „Die Zeitungen haben oft genug unwahre Dinge geschrieben, sei es über ihn oder über mich. Was die Bilder angeht, so glaube ich, dass sie Sachen darin interpretieren, die so niemals geschehen sind. Damit ist das Thema erledigt."

Die Professorin hob ungläubig eine Augenbraue und blickte ihn über die Ränder ihrer eckigen Brillengläser an, und er hatte das Gefühl, dass sie versuchen wollte, in seine Seele zu blicken.

„Erledigt? Dieser an schamlose Verleumdung grenzende Artikel ist für Sie erledigt?"

„Ja. Was soll ich in Ihren Augen tun, Minerva? Eine öffentliche Stellungnahme abgeben?"

„Vielleicht."

Wood erhob sich hitzig und wanderte mit vor der Brust verschränkten Armen vor dem Fenster hin und her.

„Ein sehr unkluger Schachzug, fürchte ich. Damit würde ich mich Umbridge freiwillig auf dem Silbertablett präsentieren – ein Lehrer, der im öffentlichen Interesse steht, allem Anschein nach einen alkoholabhängigen Freund hat und zufällig noch mit Harry Potter gut befreundet ist und an dessen Erzählungen glaubt? Ich bitte Sie! Wenn ich das tue, kann ich meine Koffer auch gleich packen und gehen!"

Eine Weile schwiegen sie nun beide und Oliver, der es jetzt ein wenig bereute, sich so in Rage geredet zu haben, ließ sich wieder kleinlaut auf seinem Stuhl nieder. McGonagall schien nachzudenken, doch als sie letztendlich wieder etwas sagte, sah sie versöhnlicher aus.

„Sie haben Recht, Oliver. Vielleicht wäre es wirklich nicht klug, die Aufmerksamkeit noch mehr auf Sie zu lenken. Ich dachte nur … wissen Sie, Adrien Harrold war vor vielen Jahren auch einmal mein Schüler, und ich kenne seine Art. Dieser Artikel hier … vielleicht geht Ihnen das ja nahe …"

Glaubte hier denn niemand an Adriens Unschuld und an eine Missinterpretation der Sachlage?

„Nein, das tut es nicht. Und wenn Sie mich bitte entschuldigen würden – ich habe noch zu tun."

Jetzt wieder ein wenig mehr aufgebracht erhob sich der junge Schotte und geleitete seine Kollegin zur Tür, wo sie sich mit einem vielsagenden Blick verabschiedete.

Sobald sie aus dem Zimmer verschwunden war, ließ sich Wood zurück aufs Bett fallen und schlug mit der Faust wütend in sein Kissen. Was war nur plötzlich los? Kaum waren seine ‚Probleme' mit dem Albtraum und Katie im Griff, kam der nächste Schlag. Warum konnte nicht einfach alles nach Plan verlaufen?

Ach, ist in deinem Leben jemals schon etwas durchgehend nach Plan verlaufen?, meldete sich eine boshafte Stimme in seinem Hinterkopf, und er schüttelte unwirsch den Kopf.

Jetzt war keine Zeit für Selbstzweifel. Es gab andere Dinge, denen er seine Sorge und Aufmerksamkeit widmen musste – und Adrien, den er ohnehin bald treffen würde, war im Moment noch das kleinere Übel.

Umbridge glaubhaft den ministeriumstreuen, qualifizierten Lehrer vorzuspielen, würde bedeutend schwieriger werden …

Stupsen.

Es war ein beständiges Stupsen, das ihn seit einigen Minuten unaufhörlich versuchte, zu wecken und seine ohnehin schon geschädigte Schulter traktierte.

„Herr Adrien? Sir?"

Die hohe, piepsige Stimme riss ihn aus seinem unruhigen Schlaf und er öffnete blinzelnd die Augen. Das durchs Schlafzimmerfenster hereinfallende Sonnenlicht schmerzte, und schnell kniff er die Lider wieder zu. Doch das war nicht das einzige Problem, denn seine Glieder waren bleischwer und sein Kopf fühlte sich an, als würde jemand mit einem Hammer dagegen schlagen.

Adrien stöhnte leise und rollte sich auf den Rücken, wo er eine Weile schwer atmend liegen blieb und erstmals das pelzige, ekelige Gefühl im Mund registrierte. Was zum Teufel war gestern bloß geschehen? Wie er nach Hause gekommen war, wusste er nicht mehr; und zuhause musste er sein, denn die Stimme, die ihn geweckt hatte, hatte er eindeutig als die Cubbys identifiziert. Was mit dieser dunkelhaarigen Frau passiert war, deren Namen er vergessen hatte, wusste er auch nicht mehr.

Wieder stupste ihn die Hauselfe in die Seite. „Der Herr muss aufstehen, Sir! Cubby hat schlimme Neuigkeiten, oh ja!"

Der Kapitän blinzelte erneut und schaffte es endlich, sich auf seine Ellbogen aufzustützen. Seine Sicht klarte langsam auf und Cubby trat in sein Blickfeld, die Hände betreten in den Weiten ihres Geschirrtuchs vergraben, ein Ausdruck stummen Entsetzens in ihren großen Glubschaugen.

„Cubby!", flüsterte er heiser und rieb sich die Augen. „Wie spät ist es?"

„Fast zwei Uhr nachmittags, Sir. Cubby hat den Herrn schlafen lassen, weil er doch erst um sechs Uhr nach Hause gekommen ist!"

„Um sechs?", fragte Adrien ungläubig und schaffte es endlich, sich aufzusetzen. Die Bettdecke rutschte seinen nackten, athletischen Oberkörper hinunter und er fröstelte. Zudem plagte ihn ein höllischer Durst. „Ich weiß gar nichts mehr …"

„Cubby weiß das", erwiderte die Hauselfe, zuckte kurz darauf unmerklich zusammen, als ob sie befürchtete, für diese Aussage bestraft zu werden (obwohl sie wusste, dass sie von Adrien keine Strafe zu erwarten hatte) und wuselte zum Fensterbrett, wo sie ein Glas mit Saft hingestellt hatte.

„Hier, der Herr muss trinken", meinte sie hilfsbereit und reichte ihm das Glas, das er in einem Zug leer trank. Danach hatte das pelzige Gefühl ein wenig nachgelassen, doch der Durst war geblieben.

„Es tut mir Leid, Cubby", murmelte er schließlich betreten, als er den traurigen Ausdruck auf dem Gesicht der kleinen Hauselfe bemerkte. Er musste wirklich damit aufhören. „Aber weißt du … manchmal ist es nicht so einfach, mit sich selbst fertig zu werden."

Cubby nickte, doch Besorgnis sprach aus ihren Augen, und sie schien wegen etwas schrecklich nervös zu sein. Natürlich, sie hatte von einer schlechten Neuigkeit gesprochen.

„Was ist los, Cubby? Welche schlechten Neuigkeiten gibt es denn?", sprach er sie schließlich darauf an, als er die Beine über die Bettkante schwang und sich streckte und dehnte.

„Der Herr muss andere Lösungen für seine Probleme finden!", quiekte Cubby mit kullernden Augen und sie trat von einem Bein auf das andere. „Er schadet sich sonst nur selbst, sich und seinem Ruf!"

„Wovon redest du, Cubby?" Adrien war hellhörig geworden und fixierte die Hauselfe mit seinem Blick, die darunter zu schrumpfen schien. „Was ist passiert?"

Cubby, die sich nicht anders zu helfen wusste, seufzte tief und zog aus den Falten ihres Geschirrtuchs eine Ausgabe des Tagespropheten, und obwohl der Kapitän nicht wissen konnte, was kam, erfasste ihn ein eisiges Gefühl und ihm war mit einem Mal schlecht.

„Was hast du da? Komm schon, zeig es mir!", verlangte er und streckte seine zitternde Hand aus, er spürte, wie ihm der Schweiß auf die Stirn trat. „Na los!"

Die Hauselfe wimmerte leise und übergab die unheilvolle Zeitung ihrem Herrn, der sie auseinanderschlug, das Papier glättete – und erstarrte.

„Scheiße!", entfuhr es ihm und seine Augen wanderten hektisch über das, was er auf der ersten Seite zu sehen bekam. „Verdammte Scheiße!"

Fahrig blätterte er auf die angegebene Seite weiter hinten in der Zeitung und fühlte sich im nächsten Moment der Ohnmacht nahe. An all das, was er hier sah, konnte er sich nur mehr schemenhaft bis gar nicht mehr erinnern.

„Scheiße, scheiße, scheiße!", fluchte er leise und überflog den Artikel, den der Tagesprophet abgedruckt hatte – und mit jeder Zeile pochte sein Herz schneller gegen seinen Brustkorb.

Als er zu Ende gelesen hatte und Cubby sich beklommen in eine Ecke des Raumes verdrückt hatte, saß Adrien noch immer wie versteinert auf der Bettkante und rührte sich nicht, sprach nichts, war mit einem Mal hellwach. Erst dann fiel sein Blick auf die leere Whiskyflasche, die er abends zuvor noch geleert hatte und die nun auf einem Kleidungsberg vor sich hin vegetierte.

Unruhig stand er auf und stromerte in seinem Schlafzimmer umher – als er an seinem Spiegel vorbeikam, hielt er inne.

Der Adrien, der ihm aus dem Spiegel entgegensah, war ihm so fremd, dass es ihm kalt den Rücken hinunterlief. Helle Augen, die ihren Glanz verloren hatten, blickten ihn unter dunklen Ringen aus einem abgespannten, leeren Gesicht an.

Mit zitternden Fingern berührte er sein eigenes Spiegelbild.

Wann war es geschehen? Wann war der Alkohol zu seiner einzigen Problemlösung geworden? Wann hatte die Einsamkeit wieder so über ihn Besitz ergriffen und hatte ihn überrollt wie eine eiskalte Welle? Wann hatte er so dermaßen die Kontrolle über sich verloren?

Und das Schlimmste war, dass er auch noch seinen besten Freund mit in die missliche Lage hineingezogen hatte.

„Oliver …", flüsterte er heiser und berührte sacht mit einem Finger das Bild des jungen Schotten auf dem Papier. Der ehemalige Hüter sah blass und abgespannt aus – und obwohl es Adrien als Bild von einem vergangenen Spiel bekannt war, hatte er das Gefühl, das Wood in diesem Moment nicht anders aussah. Hatte er den Artikel schon gesehen? Wie musste er sich jetzt fühlen?

„Was habe ich bloß getan …?"

Der restliche Sonntag und der ganze Montag vergingen für Oliver quälend langsam, und McGonagall war nicht die letzte Person gewesen, die ihn auf den Zeitungsartikel mit Adrien angesprochen hatte. Nach Dumbledore, Cassandra, den Weasley-Zwillingen und einer überaus besorgten Katie war nun auch Angelina am Montagnachmittag in einem Korridor zu ihm gestoßen und hatte ihn über den Artikel ausgefragt.

Jedoch waren ihre Fragen nicht bohrend oder abschätzend, nein – ganz so, wie es sich für eine beste Freundin gehörte, drängte sie ihn nicht und verstand sogar, dass er versuchte, sich nicht so viel aus dem Gerede zu machen.

„Harry könnte Recht haben, weißt du – vielleicht haben die sich wirklich nur eine passende Story zu den Bildern ausgedacht", vermutete sie stirnrunzelnd, als sie den Gang im siebten Stock hinunterschlenderten. „Das, was in Zeitungen steht, ist doch noch lang nicht wahr! Denen wird wahrscheinlich eine gute Story gefehlt haben und zack, hatten sie schon ein Opfer, dem sie was andichten konnten!"

Oliver nickte bloß und schulterte seine Tasche mit den Notizen für den Unterricht. Der Vormittag war dem strömenden Regen zum Opfer gefallen und sie hatten ihn drin verbringen müssen – mit Theorien zu verschiedenen Flugmanövern oder – im Falle der Erstklässler – richtigen Besenstielhaltungen, und das alles in dem von McGonagall angebotenen leeren Klassenzimmer.

„Hör auf, dir Gedanken darüber zu machen!", schalt die junge Kapitänin schließlich ihren besten Freund und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Mach ich doch gar nicht …"

„Ach nein, es ist dir auch kaum anzusehen", erwiderte Angelina sarkastisch und schüttelte den Kopf über so viel Sturheit. „Das ist wieder mal typisch du; du versuchst allen weiszumachen, dass es dir völlig gleichgültig ist, und in Wirklichkeit frisst es dich von innen auf! Ich kenn dich doch, Oliver!"

Sie knuffte ihn freundschaftlich in die Seite und schenkte ihm einen aufmunternden Blick. „Du solltest langsam lernen, zu sagen, was du denkst. Das habe ich dir schon einmal gesagt, weißt du noch?"

„Natürlich. Wie könnte ich jene Nacht vergessen …", murmelte Oliver mit rauer Stimme, während sie um eine Ecke bogen und die Statue einer ziemlich hässlichen Hexe mit schauderhaften Furunkeln passierten. Dass er mittlerweile an seiner damaligen Entscheidung gehörig zweifelte, sagte er Angelina nicht. Der Zeitpunkt für ein solches Gespräch würde schon noch kommen.

„Na siehst du! Also?"

Wood seufzte und rückte seine Tasche zurecht, bevor er den Entschluss fasste, doch mit Angelina zu reden. Ihre Ratschläge und Aufmunterungsreden konnten manchmal wahre Wunder wirken – das hatte er bei manchem verlorenen Schulspiel erkannt.

„Es ist einfach so, dass …", begann er zögernd und blickte die Siebtklässlerin von der Seite her an. „Weißt du, ich mache mir einfach Sorgen! Das Schlimmste ist nicht, dass die Zeitungen vielleicht Mist gedruckt haben, sondern … sondern dass ich es ihm sogar zutrauen würde, Angelina …"

Diese Antwort schien die Jägerin ernsthaft zu verblüffen. „Zutrauen? Warum?"

„Wenn du je geglaubt hast, ich wäre schwierig, dann solltest du Adrien erst einmal kennenlernen", erwiderte Oliver beklommen und lehnte sich an die Wand des verlassenen Korridors, in dem sie sich gerade befanden. „Er ist unendlich loyal und mir der beste Freund, den ich mir wünschen kann. Wenn man ihn besser kennt, entdeckt man sogar eine gewisse Art von Humor an ihm. Als ich bei Puddlemere auf der Reserve anfing, wusste ich nicht so Recht, wohin ich mich wenden sollte. Schließlich waren alle anderen älter als ich, und ich kam auch noch frisch von der Schule. Aber Adrien hat das nicht gestört, im Gegenteil. Wir wurden schnell Freunde und entdeckten gemeinsame Interessen. Irgendwie waren wir vom selben Schlag, wenn du verstehst was ich meine …"

Angelina, die neben ihrem Freund an der Wand lehnte, nickte verständnisvoll.

„Nun musst du aber wissen, dass … naja … Adrien es nicht immer sehr leicht hatte. Er ist nicht gerade das, was man als einfachen Menschen bezeichnen kann – und damit ist er oft angeeckt. Erst als ich schon einige Monate bei Puddlemere war und mich scheinbar als Einziger am besten mit Adrien verstand – was mir damals irgendwie nicht ganz klar war -, klärte mich unser Coach eines Tages darüber auf, dass Adrien vor meinem Einstieg nicht gerade – nun ja, nicht gerade der private Mittelpunkt der Mannschaft war, verstehst du? Ein Kapitän, dem man Respekt und Aufmerksamkeit zollt, und mehr auch nicht. Rob sagte, es fiele den anderen schwer, auf ihn zuzugehen und mehr als eine berufliche Basis aufzubauen – und er gratulierte mir augenzwinkernd dazu, dass ich es geschafft hätte. Seine Worte aber hatten mich nachdenklich gemacht – wie musste Adriens Leben vor meinem Eintritt in die Mannschaft ausgesehen haben? Wie muss es jetzt aussehen? Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen, er hätte bestimmt sofort dicht gemacht. Wenn es um persönliche Emotionen geht, ist er sogar noch schlimmer als ich."

Er seufzte erneut und richtete den Blick an die Korridordecke. „Jetzt höre ich all diese Gerüchte und versuche, ihnen keinen Glauben zu schenken … aber was ist, Angelina, wenn die alte Einsamkeit ihn jetzt noch mehr mitnimmt als früher? Was, wenn er damit nicht umgehen kann und wirklich …" Wood brach ab und schwieg. Angelina legte ihm eine Hand auf den Oberarm und strich sanft darüber.

„Du glaubst, dass ihm der Weggang des einzigen Freundes, den er hatte, so zu schaffen macht?"

Oliver nickte mit zusammengepressten Lippen. „Der Brief, den er mir geschrieben hat – er roch nach Alkohol. Und er schrieb auch, dass er irgendwie schon zurecht kommt … es würde alles zusammenpassen!"

„Ach Calum …"

Woods Kopf ruckte bei der Erwähnung seines zweiten Vornamens herum und seine Augen sahen direkt in die Angelinas, die ihn aufmunternd anlächelte.

„So hast du mich schon lange nicht mehr genannt", stellte er schwach grinsend fest und stieß sich von der Wand ab, seine Freundin tat es ihm gleich.

„Stimmt. Und so nenne ich dich auch nur, wenn du wieder mal so in deinen Sorgen versinkst, dass niemand mehr an dich herankommt. Glaub mir, solche Situationen hab ich deinerzeit hier oft erlebt."

Sie zwinkerte, und Oliver fühlte, wie sein Herz allmählich leichter wurde. Anscheinend hatte es doch etwas genützt, seine Sorgen auszusprechen.

„Was rätst du mir?", wollte er schließlich wissen, als sie durch einen Geheimgang weitermarschierten.

„Ich würde mit ihm reden. Aber nicht per Eulenpost – persönlich. Man kann viel Unsinn in einem Brief schreiben, damit andere sich keine Sorgen machen. Sprich einfach mit ihm, das wird ihm gut tun. Hey, sieh mich nicht so an! Alicias Mutter ist Psychologin, schon vergessen? Das kommt halt heraus, wenn man die Sommerferien bei Spinnets verbringt und sich dafür interessiert."

Wood lachte. Alicias nichtmagische Mutter, die in ihrem Beruf verzweifelte Menschen beriet, hatte er schon vergessen, genauso wie Alicias ‚gut gemeinte Ratschläge' die sie ihm in der Phase der Nervosität immer gegeben hatte. Jetzt, wo er sich daran erinnerte, musste er lächeln, auch wenn es ihn damals beinahe zur Weißglut getrieben hatte – sehr zum Spaß von Fred und George.

„Und was den Tagespropheten angeht", sprach Angelina weiter, als sie bereits im zweiten Stock angekommen waren und sie sich langsam auf den Weg zu Verwandlung machen musste, „lass ihn reden und Gras über die Sache wachsen. Vielleicht hat Adrien ja mit diesem Artikel eingesehen, dass sein Verhalten nichts bringt – wenn es denn wahr ist. Die werden ihn schnell vergessen."

„Du hast vermutlich Recht", stimmte Oliver ihr zu und betrachtete seine Schuhe. „Vielleicht sollte ich wirklich abwarten …"

„Ist besser so, glaub mir. Ich muss jetzt leider los, McGonagall dreht mir den Kragen um, wenn ich schon wieder zu spät komme."

Eine kurze Pause entstand, in der Wood suchend nach rechts und nach links blickte, einen leeren Korridor zur Kenntnis nahm und dann Angelina in eine Umarmung zog, die sie erst verwundert, doch dann lächelnd erwiderte.

„Danke, Angelina. Was würde ich wohl ohne dich machen?"

„Dein Geld für teure Psychologinnen ausgeben", scherzte sie zwinkernd und erntete dafür einen Knuff in die Seite. „Hey, war nur ein Witz!"

„Das habe ich auch angenommen", erwiderte er grinsend, als sie sich voneinander gelöst hatten. „Wir sehen uns."

„Ja, wir sehen uns", verabschiedete sich die Jägerin zwinkernd und war mit einem Lächeln auch schon um die Ecke verschwunden, ziemlich in Eile, vermutlich wegen McGonagall. Ein letztes Mal wandte sie sich allerdings um, so als hätte sie etwas vergessen und meinte: „Ach, und Oliver … heute Abend gibt's ne kleine Teamsitzung unten im Kapitänsbüro. Wie sieht's aus, bist du dabei?"

Erfreut über die Einladung schob sich ein Lächeln auf Woods Lippen. „Klar! Ich meine …", er dämpfte die Stimme und blickte erneut umher, „wenn mich niemand sieht, natürlich gern. Ich möchte mich nicht so gerne am Tag vor der blöden Inspektion von Umbridge erwischen lassen."

„Na dann, bis heut Abend um acht", grinste die Kapitänin frech und war nun wirklich endgültig verschwunden.

Oliver schmunzelte, schob die Hände in die Hosentaschen und ging seines Weges. Er freute sich auf das Treffen und war erleichtert, dass er mit Angelina unbeschwert und frei über alles reden konnte.

Er versuchte allerdings nicht, sich auszumalen, wie ‚ruhig und ausgeglichen' Angelina mit ihren Ratschlägen sein würde, wenn er ihr von seinem Albtraum und seiner Einsicht erzählte.

„Komm schon, Oliver. Und das sollen wir dir jetzt glauben, ja?", meinte Fred Weasley spöttisch und nahm einen Schluck aus seiner Flasche Butterbier. Das Team der Gryffindors samt Oliver befand sich in Angelinas Kapitänsbüro, das sich in seiner Erscheinung seit der Kapitänszeit des jungen Schotten nur etwas gewandelt hatte. Die einzige Veränderung, die zu erkennen war, war die verringerte Anzahl an Quidditchzeitschriften und fetten Ordnern mit Spielstrategien, die sich sonst in den Regalen gehäuft hatten.

„Wieso denn nicht?", kam es lachend von Oliver, der ebenfalls einen tiefen Zug aus der Flasche nahm. „Was ist so abwegig daran?"

Der Rest des Teams verfolgte die Debatte gespannt und hatte es sich in den Stühlen rund um den Schreibtisch bequem gemacht; und sogar Ron Weasley, der erst ziemlich erstaunt über Olivers Anwesenheit gewesen war, lachte und scherzte nun genauso mit ihm, als gehöre er zu ihnen.

„Was daran abwegig ist? Das will ich dir sagen, mein Guter: Nie im Leben kannst du mir erzählen, dass Finbar Quigley früher Angst vorm Fliegen hatte! Sieh ihn dir doch mal an!"

Dass Oliver seinem größten Treibervorbild so etwas unterstellte, war für Fred einfach unfassbar; und noch viel schlimmer war das triumphierende Lächeln, das die Lippen des Schotten zierte.

„Es tut mir wirklich Leid, dein Weltbild zu zerstören … aber es ist so, wie ich es sage. Finbar hatte ganz gewaltige Angst davor, in der Luft zu schweben, und das bis zu seiner Einschulung in Hogwarts! Hat er mir selbst erzählt. Touché!"

Fred war für einen Augenblick still und saß mit weitgeöffneten Augen ungläubig da; und gerade wollte er zum Gegenargument ansetzen, als Angelina dazwischen ging.

„Hört endlich auf damit, bevor ihr euch noch die Schädel einschlagt!"

Grummelnd verschränkte der Zwilling die Arme vor der Brust und murmelte vor sich hin, doch als Oliver ihm als Zeichen der Versöhnung seine Flasche zum Anstoßen hinhielt, reagierte er versöhnlich und stieß mit seiner Flasche dagegen.

„Du bist ein Idiot, weißt du das?"

„Danke, zur Kenntnis genommen. Kompliment zurück!", konterte Oliver gelassen und lachte mit der Runde. Dann wandte er sich an Angelina und Alicia. „Könntet ihr mir vielleicht einen Gefallen tun?"

„Na klar, rück raus", kam es von der gut gelaunten Alicia, die ihn gespannt anblickte.

„Nun ja … Umbridge hat mir für morgen ihre Inspektion angedroht … am Nachmittag, in eurer Stunde. Würde es euch was ausmachen …"

„… uns wie normale, deine Unterrichtsmethoden toll findende Schülerinnen zu benehmen und jeglichen Kontakt zu dir zu bestreiten?", vollendete Angelina augenzwinkernd den Satz.

„So krass hätte ich es zwar nicht ausgedrückt, aber… so in etwa, ja", grinste Oliver verlegen und sah auf seine Hände hinunter.

„Mach dir keine Sorgen, Oliver", versicherte ihm Alicia und mit einem Seitenblick auf die Zwillinge fügte sie hinzu: „Und dass die zwei sich benehmen, kriegen wir auch noch hin."

„Danke! Ihr seid –"

„Die Größten …"

„… wissen wir!"

Die beiden Jägerinnen grinsten ihn an, und es war ihm etwas leichter ums Herz.

Die Stimmung wurde immer ausgelassener und es war bereits kurz nach neun Uhr. Wood war ungesehen zu den Umkleiden gekommen und beschloss, bald das Weite zu suchen, um von niemandem mehr gesehen zu werden – da klopfte es plötzlich an die Tür.

Das Team zuckte zusammen und starrte unisono auf die Tür, an der es erneut klopfte; und sie alle konnten ein leises und doch hörbar deutliches chrm chrm auf der anderen Seite vernehmen.

„Verdammt!", entfuhr es Oliver lautlos und sah mit schreckensweit geöffneten Augen zu Angelina hinüber, die erstarrt zu sein schien; dann aber kam Leben in das Team. Möglichst leise erhoben sie sich; Fred ließ die Butterbierflaschen verschwinden, George räumte einige Spielskizzen auf die Schreibtischplatte und die Mädchen suchten verzweifelt nach einem Versteck für Oliver, der unfähig war, nachzudenken oder sich zu bewegen.

Wenn sie dich hier findet … jetzt … hier … bist du erledigt …

Von draußen ertönte erneut das leise chrm chrm, gefolgt von der unheilvollen, mädchenhaften Stimme.

„Entschuldigung? Ist hier noch jemand?"

So unschuldig diese Frage erst auch klingen mochte, wenn man genauer hinhörte, erkannte man, dass Umbridge genau wusste, dass sich noch jemand in dem Büro befand. Oliver hoffte nur, dass sie nicht wusste, wer genau es war.

„Schnell, hier rein!", zischte Angelina fast lautlos, packte Oliver unsanft am Arm und zerrte ihn hinüber zu einem ziemlich alten und vermoderten Aktenschrank, in dem selbst der junge Schotte nie etwas aufbewahrt hatte.

Ein „Muss das sein?" sparte sich Wood allerdings, da er den modrigen Schrank einer Entdeckung von Umbridge bei Weitem vorzog. So stieg er mit angehaltenem Atem in den Schrank, Angelina schloss mit einem leisen Klicken die Tür und Finsternis legte sich auf seine Augen.

Von draußen hörte er die dumpfen Schritte der anderen, sie mussten sich wieder hingesetzt haben, um beiläufig zu tun, und Angelina war bestimmt gegangen, um die Tür zu öffnen.

„Entschuldigen Sie, Professor. Wir stecken gerade in einer wichtigen Besprechung", hörte Oliver die Kapitänin sagen und fand, dass sie sich ziemlich glaubhaft anhörte.

Wieder ertönte das mädchenhafte chrm chrm, und Wood liefen kalte Schauer über den Rücken hinunter. Seine Hände zerknüllten fahrig den Stoff seines Umhangs und er zwang sich dazu, möglichst nicht zu atmen.

„Mir tut es Leid, meine Liebe, Sie hier stören zu müssen", vernahm er Umbridges zuckersüße Stimme, und vorsichtshalber hielt er den Atem noch etwas länger an.

„Ist nicht schlimm, Professor", antwortete Angelina, und zu seinem Entsetzen bemerkte Oliver Unruhe in ihrer Stimme. „Um was geht es?"

„Ach", seufzte Umbridge theatralisch. „Ich fürchte, ich kann Professor Wood im Schloss nirgends finden. Dabei müsste ich noch wichtige Dinge wegen der Inspektion morgen mit ihm besprechen. Sie haben ihn nicht zufällig gesehen?"

Der letzte Satz klang nicht mehr unschuldig, sondern berechnend und kalt, und Wood war sich sicher, dass Umbridge die arme Angelina in diesem Moment mit einem schrecklich bohrenden Blick bedachte.

Stille. Dann …

„N-nein, nein Professor. Ich habe Ol- ich meine, Professor Wood nicht gesehen", hörte er Angelina sagen. „Schon seit heute Mittag nicht mehr."

„Ah …", machte Umbridge wissend, und überzeugt klang sie bei Weitem nicht. Doch – war es ein Wunder? Eine Fügung irgendwelcher höheren Mächte? – ging sie nicht weiter darauf ein und verlangte nicht, das Büro zu betreten.

„Dann werde ich ihn wohl oben im Schloss verpasst haben. Vielleicht gelingt es mir ja noch, ihn zu finden. Dankeschön für die Auskunft, meine Liebe."

Und mit diesen Worten hörte man sich entfernende Schritte und das Schließen der Tür.

Wood kauerte eine ganze Viertelstunde in seinem Kasten und lauschte dem gespielten Gespräch draußen im Büro über irgendwelche Taktiken. Langsam ging seine Frischluft aus, doch er wollte nicht riskieren, gesehen zu werden, falls Umbridge es sich anders überlegte und doch zurückkam.

Endlich, es kam ihm vor wie nach einer Ewigkeit, holte Angelina ihn aus dem Schrank.

„Das war knapp", flüsterte sie, und er konnte sie zittern spüren, als sie ihm aufhalf.

„Verdammt knapp", pflichtete ihr ein bleichgesichtiger George Weasley bei, der noch immer halb erstarrt auf seinem Stuhl saß.

Alicia und Katie waren sprachlos und saßen einfach nur da, doch Oliver konnte in einem kurzen Seitenblick auf Katie die Angst in ihren Augen sehen. Er warf ihr einen aufmunternden Blick zu, doch sie sah es nicht.

„Woher will die Kröte wissen, dass du hier bist? Von wegen Details wegen der Inspektion besprechen, das macht sie doch bei den anderen Lehrern genauso wenig!" George raufte sich die Haare und stützte den Kopf auf seinen Händen ab; alle anderen waren seiner Meinung. Woher hatte Umbridge die Vermutung, dass Oliver bei ihnen war? Was wusste sie? Wozu war sie fähig?

Drückende Stille legte sich über den Raum.

„Vielleicht sollte ich jetzt besser gehen", murmelte der junge Schotte schließlich betreten und langte nach der Türklinge, den Umhang über dem Arm. Als er zurückblickte, sah ihm sein ehemaliges Team entgegen, und es schmerzte ihn, dass sie ihre Freundschaft dermaßen verstecken mussten.

„Schön, dass du gekommen bist", lockerte schließlich Fred die Situation auf und brachte Wood dazu, schwach zu lächeln.

„Danke für die Einladung …", erwiderte er und hob die Hand zum Abschied. „Ich geh dann mal …"

„Bye …", kam es siebenstimmig und ziemlich bedrückt zurück und Oliver lächelte ein letztes Mal, bevor er die Tür hinter sich zuzog und sich so vorsichtig wie noch nie in seinem Leben in der Dunkelheit zurück ins Schloss stahl.

Das war's wieder einmal für heute das nächste Kapitel wird nur von der Inspektion handeln, demnach kürzer sein und schneller on kommen )

Schönen Tag noch und lasst bitte viele liebe Reviews da süchtig ist

Eure Lala

Ach ja, und für alle unter euch, die Finbar Quigley nicht kennen: Treiber der irischen Nationalmannschaft )