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12.1. Kapitel Die Inspektion

Anm. der Autorin: Soooo … letztendlich hab ich das Kapitel doch geteilt … ja ich weiß, Schande über mich Willkommen zum Unterkapitel 12.1. Wenn die Inspektion, die ja jetzt folgt, mal vorüber ist, wenden wir uns wieder sehr interessanten Dingen zu … ;)

Zuvor aber muss Oliver Umbridges Fragen über sich ergehen lassen und zusehen, dass er nichts Falsches von sich gibt … drücken wir ihm mal die Daumen

Außerdem kann Fred nach Ende der Inspektion mit einigen interessanten Neuigkeiten aufwarten, die unseren Professor mal wieder in die Bredouille bringen – wagt er auch diesmal ein Risiko? Wir werden sehen …

Und wie immer: Reviews erwünscht!

Viel Spaß!

Eure Caly

P.S.: Das Lied – wieder mal – seltsam Aber naja, sinngemäß kommt's vielleicht hin :D

Drah di ned um, oh oh oh

Schau schau

Der Kommissar geht um, oh oh oh

Wenn er di anschaut und du weißt warum …

Falco – Der Kommissar

Der Dienstagmorgen brach kühl und windig an, war aber glücklicherweise regenfrei, wie Wood, der bereits um sechs Uhr aufgewacht war, mit einem Blick aus dem Fenster feststellte. Sein Magen rumorte und er fühlte sich ziemlich nervös. Das Erlebnis am Abend hatte ihn noch hibbeliger gemacht, als er ohnehin schon gewesen war. Eine Zeit lang tigerte er rastlos in seinem Zimmer herum und ging in Gedanken noch einmal alle möglichen Fragen durch, mit denen Umbridge ihn drangsalieren konnte, gefolgt von den dazupassenden Antworten, doch nach einer Weile klang für ihn alles nach aufgesetzter Heuchelei, und er gab es auf, bevor er sich selbst verrückt machte.

Das, was die Sache so nervenaufreibend machte, war die Tatsache, dass er absolut keine Ahnung hatte, was auf ihn zukam.

Schließlich schleppte er sich mit pochendem Herzen unter die Dusche und streckte und dehnte seine Muskeln und Glieder, in denen noch immer der Schrecken von gestern zu lauern schienen. Das warme Wasser prasselte auf seine Haut und erweckte seine Lebensgeister, und als er frisch rasiert, gewaschen und ordentlich angezogen hinunter in die Große Halle schlenderte, fühlte er sich etwas mutiger.

Du brauchst dir keine Sorgen zu machen … die Schüler mögen deinen Unterricht, und sie mögen dich … naja … mit Ausnahme der Slytherins vielleicht … aber du hast heute Nachmittag Angelina, Alicia und die Zwillinge … alles wird gut …

„Na, schon aufgeregt?", war das erste, was Cassandra sagte, als sie sich wenig später neben ihm am Lehrertisch niederließ. „Glaub mir, so schlimm wie du tust, ist es gar nicht."

Oliver, der keinen Bissen hinunterbrachte, ließ ein hohles Lachen hören. „Ach ja? Und woher weißt du das?"

„Na weil ich meine Inspektion gestern schon hatte", antwortete die junge Griechin gelassen und schob sich ein Stück Würstchen in den Mund. Nach dem sie hinuntergeschluckt hatte, fuhr sie fort. „Sie war nicht aufdringlich oder unfreundlich, sondern hat mich einfach nur nach meiner Ausbildung und meiner Herkunft gefragt. Sonst nichts. Du siehst Gespenster, Oliver!"

„Nein, sehe ich nicht, Cassandra. Die Frau hat es auf mich abgesehen, schon seit sie weiß, wer ich bin und welche Freundschaften ich pflege. Die will doch nur einen Grund, um mich abservieren zu können. Toll – eine Gefahr für das Ministerium weniger! Fast schon ist es, als kennt sie jeden Schritt, den ich tue!"

„Wieso das denn?"

Flüsternd, so dass keiner der anderen Lehrer sie hören konnte, erzählte Oliver ihr von dem turbulenten Vorabend. Als er geendet hatte, machte Cassandra große Augen.

„Du hast dich hinunter zu deinen Freunden geschlichen?"

„Ja. Sie haben mich eingeladen!"

„Und wenn sie dich erwischt hätte?"

„Hat sie aber nicht!"

Cassandra legte die Stirn in Falten und setzte einen Blick auf, der auch gut zu Hermine Granger gepasst hätte. Ihr Ton allerdings klang besänftigt.

„Stimmt. Sei froh, dass du so gute Freunde hast. Auch wenn eine Freundschaft zu ihnen gefährlich für dich sein kann."

Sie wandte sich wieder ihren Würstchen zu und überließ einen vollends irritierten Wood sich selbst, dem der Hunger wieder einmal gänzlich vergangen war.

Wie er es schließlich geschafft hatte, den Vormittagsunterricht und das Mittagessen ohne Schweißausbrüche oder panische Herzklopfattacken zu überstehen, war ihm später ein Rätsel. Als er zur siebten Stunde den sanft abfallenden Hang hinunter zum Quidditchfeld schlenderte, in der einen Hand den Besen, in der anderen seine Tasche, fühlte er sich, als hätte jemand ziemlich schwere Beinschützer an seinen Schienbeinen befestigt.

Du schaffst das schon … ja, du schaffst das schon … Cassandra hat es auch geschafft … was die Griechin schafft, schaffst du allemal …

Obwohl es noch nicht geläutet hatte, war bereits die gesamte siebte Gryffindorklasse im Stadion versammelt, alle mit ihren Besen in den Händen und einem aufmunternden Ausdruck auf den Gesichtern. Umbridge war nirgends zu sehen.

Fred und George traten an Oliver heran, als er die Gruppe erreicht hatte und die Klasse ihn begrüßte.

„Bleib locker, Oliver …"

„… sonst wird das nie was …

„… du kriegst das schon …

„… und wenn nicht, können wir der Alten immer noch einen über den Schädel ziehen …"

Die beiden lachten, und Oliver erlaubte sich ein nervöses Grinsen, bevor er sie zurück in die Gruppe schickte und sich umsah. Von Umbridge weit und breit keine Spur. Gut. Er würde eben ohne sie mit dem Unterricht beginnen.

Ganz normal …

„Ich bin mir sicher, ihr alle wisst noch, was wir letzte Stunde geübt haben, nicht wahr?", rief er und ging vor der Gruppe auf und ab, damit ihn auch ein jeder verstehen konnte. Manche Augen folgten immer noch verstohlen dem Feuerblitz in seiner Hand, der selbst jetzt noch eine Kuriosität darstellte.

Joshua Jameson, der vierschrötige Junge, der sich erfolglos als Hüter beworben hatte und seitdem etwas kleinlaut geworden war, hob die Hand.

„Joshua?"

„Den geschlossenen Angriff auf den Feind", spulte er eifrig herunter und erntete dafür von seinen Klassenkameraden unterdrücktes Kichern und von Fred und George einen geflüsterten Kommentar, der sich wie „Holzkopf" anhörte. Jameson schien Gefallen an solchen Manövern gefunden zu haben.

„Sehr richtig, Joshua. Der geschlossene Angriff auf den Feind. Nun, wie wir letztes Mal schon besprochen haben, bilden sich dabei immer Gruppen von fünf oder sechs Fliegern, die versuchen, den Feind von allen Seiten einzuengen und ihn in eine Sackgasse zu treiben und unschädlich zu machen. Es hört sich einfach an, erfordert aber höchste Konzentration. Dabei dürft ihr natürlich nicht auf die nötigen Schildzauber vergessen."

Mit einem Schlenker seines Zauberstabs und einem gemurmelten Zauberspruch holte der junge Schotte die Puppen aus ihrem Verschlag und ließ sie in einer langen Reihe vor der Gruppe schweben bleiben. Die Nervosität hatte sich gelegt, und die Freude daran, den anderen zu zeigen, wie sie sich verteidigen konnten, gewann die Oberhand.

„Heute dehnen wir unsere Übung etwas aus, soviel sei verraten. Aber zuerst übt eure Schildzauber auf dem Boden. Stellt euch paarweise zusammen und schickt euch gegenseitig einen Fluch an den Hals. Einen harmlosen, Fred. Du sollst George nicht krankenflügelreif fluchen, verstanden? Der andere beschwört ein Schutzschild herauf und versucht, sich zu schützen. Alles klar? Also dann legen wir –"

Chrm chrm."

Sie war gekommen.

Olivers Nackenhaare stellten sich auf und er atmete tief durch, bevor er sich mit dem freundlichsten Lächeln, das er aufbieten konnte, umwandte. Die Klasse vermied es, zu flüstern; sie standen alle ganz still da, und nur Angelina und Alicia warfen sich besorgte Blicke zu.

„Schön, dass sie den Weg hierher gefunden haben, Professor", begrüßte Wood die ältere Hexe, die einen furchtbaren grellrosa Umhang mit flauschigem Kragen und dazu passende Handschuhe trug, und blickte auf sie hinunter. Umbridges krötenhafter Mund hatte sich zu so etwas ähnlichem wie einem Lächeln verzogen und sie antwortete mit ihrer zuckersüßesten Stimme.

„Die Freude ist auf meiner Seite, Professor. Ich hoffe, sie haben meine Notiz erhalten …" Sie deutete mit gewichtigem Blick auf das Klemmbrett, das sie in der Hand hielt, und Oliver, der angestrengt versuchte, seine Nervosität zu verstecken, nickte. „Natürlich, Professor. Wie soll ich –"

„Oh, machen Sie sich meinetwegen keine Umstände!", rief Umbridge gekünstelt beschämt aus. „Sie haben doch eben Ihren Schülern ein kleines Selbststudium aufgegeben? Währenddessen kann ich mich umsehen und Ihnen ein paar Fragen stellen, wenn es Recht ist."

„Natürlich."

Auf einen bittenden Blick Woods stellte sich die Klasse schließlich sang- und klanglos paarweise zusammen und begann, den Abwehrzauber zu üben. Bald war das Stadion erfüllt von lauten Rufen, Lichtblitzen und zeitweiligem Gelächter, wenn ein Kitzelfluch das Schutzschild durchbrochen hatte.

„Nun, Mr Wood", begann Umbridge förmlich und betrachtete mit interessierter Miene die Weasley-Zwillinge, die sich gerade höchst konzentriert gegenseitig verfluchten und Schutzschilde aufbauten, und Oliver hatte nur kurz Zeit, erleichtert über das disziplinierte Verhalten der beiden zu sein, da kam auch schon die erste Frage. „Seit wann unterrichten Sie hier in Hogwarts?"

Als ob du das nicht wüsstest …

„Genau genommen erst seit Anfang dieses Monats", gab er wahrheitsgetreu zurück und Umbridge kritzelte etwas auf ihr Klemmbrett. Ob es gut oder schlecht war, vermochte der junge Schotte nicht zu sagen.

„Wann haben Sie ihren Abschluss an dieser Schule gemacht?"

„Im Juni 1994."

„Ah", machte Umbridge, noch immer zuckersüß lächelnd. Jedoch trug sie einen leicht triumphalen Ausdruck im Gesicht, der Oliver nichts Gutes zu verheißen schien. „Und was haben Sie davor gemacht? Ich meine, in der kurzen Zeitspanne, die seit Ihrem Abschluss an dieser Schule vergangen ist." Sie erlaubte sich ein hochmütiges Lächeln und Wood erkannte den versteckten Seitenhieb dahinter. Raffinierte, alte Hexe.

„Nun … ich war Hüter in der britischen Liga, bei Puddlemere United, um genau zu sein. Erst auf der Reservebank, dann in der Ligamannschaft."

„Nein, wie aufregend", erwiderte Umbridge und klang dabei gar nicht beeindruckt, während sie weitere Zeilen auf ihren Block schrieb. „Dumbledore hat Sie nun für diese Stelle angeworben und besetzt. Denken Sie, dass Ihre Vergangenheit als Profispieler Sie automatisch als so guten Flieger ausgibt, um es anderen ordnungsgemäß beizubringen?"

Das Lächeln, mit dem sie ihn nun bedachte, war an Falschheit nicht zu überbieten, und Oliver wusste im ersten Moment nicht, was er darauf antworten sollte. Für einen Moment hörte man nur die Rufe der Klasse, dann räusperte er sich.

„Ich denke, dass Dumbledore mir die Stelle nicht angeboten hätte, wenn er nicht zur Gänze davon überzeugt wäre, dass ich der Richtige dafür bin."

Das klang nicht zu selbstverherrlichend und auch nicht zu abwertend, und Umbridge notierte eifrig weiter.

„Denken Sie, dass Sie aufgrund ihres doch noch nicht sehr hohen Alters trotz allem die nötige Reife, die von einer Lehrkraft verlangt wird, mit einbringen?"

Dies war die Frage, auf die er insgeheim schon gewartet hatte. „Ich glaube, dass fortgeschrittenes Alter und Reife nicht immer Hand in Hand gehen, Professor. Als Kapitän habe ich jahrelang Erfahrung im Umgang mit der Leitung einer Mannschaft sammeln können, und wenn man in der Sportbranche ist, sieht und erlebt man ziemlich viel, was einen reifen lässt. Außerdem haben junge Professoren oft einen besseren Draht zu den Schülern. Ich bin der Überzeugung, dass ich der Aufgabe gewachsen bin."

Auch dazu fanden sich sofort einige Zeilen auf dem Block. Dann ließ Umbridge von ihm ab und wandte sich Angelina und Alicia zu, die sich in der Nähe gegenseitig Kitzelflüche auf den Hals jagten. Ausgerechnet die beiden. Umbridge schien genau zu wissen, mit wem er näher befreundet war.

„Miss Johnson, könnten Sie mir kurz einige Fragen beantworten? Wenn Sie so nett wären."

Angelina und Alicia tauschten einen kurzen Blick, dann kam die Kapitänin mit langsamem Schritt herüber und hielt vor Umbridge, die mindestens um einen Kopf kleiner als die ziemlich großgewachsene Siebtklässlerin war, inne.

„Wie würden Sie den Unterricht bei Mr Wood beschreiben?"

Angelina kicherte und hielt sich die Hand vor den Mund. „Entschuldigung, der Fluch eben … ähm … Auf alle Fälle interessant und produktiv. Erst denkt man, man gebraucht einen Besen nur, um normal zu fliegen oder Quidditch zu spielen, aber jetzt lernen wir Dinge, auf die wir normalerweise nie gekommen wären. Für mich ist das zumindest so." Angelina errötete leicht, was bei ihrer dunklen Hautfarbe aber eher unbemerkt blieb.

Umbridge kritzelte auf ihr Klemmbrett und stellte, ohne aufzusehen, die nächste Frage.

„Dieses Fach trägt den Namen ‚Flugkampf' – wozu, Miss Johnson, denken Sie, können Sie die daraus erworbenen Fähigkeiten gebrauchen?"

Bitte sag nicht ‚Zum Kampf gegen Voldemort', bitte nicht …

„Dieses Fach und jene Dinge, die wir erlernen, können in unserem späteren Berufsleben von Nutzen sein, glaube ich. Als Auror zum Beispiel sind viele der Manöver äußerst hilfreich, um Verbrechern das Handwerk zu legen oder sich gegen solche zu wappnen, die etwas widerspenstiger sind."

Danke, Angelina. DANKE.

Wood vermied es, seine beste Freundin anzusehen, sondern beschloss, ihr später für die Antwort zu danken. Doch wenn er gedacht hatte, die Inspektion wäre damit zu Ende, hatte er gehörig falsch gedacht. Umbridge zauberte nämlich eine neue Frage aus dem Ärmel – eine Frage, die beinahe Angelinas und Olivers selbstbewusste Fassade ins Wanken brachte.

„Wie ich gehört habe, war Mr Wood seinerzeit ein überaus strenger und gnadenloser Kapitän in Ihrer Hausmannschaft, der wenig Rücksicht auf Wetterverhältnisse oder andere Hindernisse nahm. Können Sie dasselbe von seiner jetzigen Unterrichtsweise behaupten?"

Oliver sog erschrocken tief die Luft ein und versuchte, sein schon fast schmerzhaft pochendes Herz zu beruhigen; und auch Angelina sah wie auf frischer Tat ertappt aus. Dass der Professorin offensichtlich Details von den Quidditchtrainings damals bekannt waren, hatte keiner von beiden geglaubt; und dass Wood sich für viele seiner Fehler entschuldigt und eingesehen hatte, dass nicht alles richtig gewesen war, würde ihm jetzt nicht weiterhelfen.

Wenn ich den oder die Verräter finde, die ihr das erzählt haben …

„Nun", stammelte Angelina und versuchte tapfer, Umbridges Blick standzuhalten. „Ich -"

„Professor Woods Unterricht ist weder gnadenlos noch zu streng, Professor Umbridge", kam ihr plötzlich Alicia zu Hilfe, die die missliche Lage ihrer Freundin nicht mehr mit ansehen konnte. „Er versteht es, auf die Schüler zuzugehen und ihnen den Sachverhalt nahezubringen, so dass ihm ein jeder folgen kann. Die Stunden sind immer unterschiedlich und interessant, und dass er ein guter Flieger ist, sieht man und merkt man, wenn er vor der Klasse steht."

„Genau", pflichtete ihr Angelina schnell bei. „Außerdem gibt es in jeder Klasse Schüler, die mit Besen nicht so viel am Hut haben. Denen hilft er, besser mit ihrer Abneigung umzugehen …"

„Und wer immer auch behauptet hat, unsere Trainings seien unmenschlich gewesen", fügte Alicia noch aufgeregt hinzu, „der weiß nicht, wovon er spricht. Professor Wood war ein sehr guter Kapitän!"

Zum Abschluss nickten die beiden Jägerinnen beinahe unisono und Professor Umbridge füllte mit den neuen Informationen weitere Zeilen auf ihrem Klemmbrett. Als Wood einen kurzen Blick darauf erhaschte, runzelte er die Stirn, denn einer der Sätze lautete wortwörtlich „Wird von den weiblichen Schülern bedingungslos gelobt und verehrt "; und bevor er noch den Mund aufmachen konnte, um dagegen zu protestieren, schickte Umbridge die beiden Mädchen bereits zurück an ihre Arbeit.

„Ich danke Ihnen, meine Lieben … Nun, Mr Wood, so betrachtet findet Ihr Unterricht offensichtlich großen Anklang", stellte sie fest und überflog ihre Notizen. Fast schon konnte man meinen, dass sie nicht sehr glücklich darüber war, den in ihren Augen viel zu jungen und unerfahrenen Professor so gefestigt und qualifiziert zu erleben.

„Auch ich muss zugeben, dass Sie offensichtlich durchaus an Erfahrung mit dem Besen und Qualifikationen verfügen", musste sie einräumen und Woods Herz machte einen Luftsprung. „Ich bedanke mich für das Gespräch. Es war wirklich äußerst aufschlussreich. Sie erhalten das Ergebnis in ungefähr zehn Tagen."

„Ich danke Ihnen, Professor."

Umbridge nickte knapp zum Abschied, drehte sich um und marschierte aus dem Stadion, das Klemmbrett unter dem Arm und mit etwas säuerlicher Miene, da sie offenbar nicht das vorgefunden hatte, was sie erwartet hatte.

Oliver fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und atmete tief durch, als er den rosa Umhang schon fast beim Schloss oben wahrnahm; Fred und George warfen ihm einen Blick zu, der wohl sagen sollte ‚Entspann dich, Mann – es ist vorbei' und die beiden Mädchen kamen mit etwas betretenen Gesichtern herüber.

„Ich hoffe, wir haben dich nicht noch tiefer ins Schlamassel geritten", meinte Angelina kleinlaut und blickte verlegen zu Oliver auf. Dieser jedoch verschaffte ihr mit einem Lächeln Erleichterung.

„Ihr beide wart großartig", murmelte er ihnen leise zu und schenkte ihnen dankbare Blicke, die sie erleichtert auffingen. „Wer immer ihr auch von meinen Methoden erzählt hat, hat nicht mehr lange zu leben, das schwöre ich euch. Trotzdem danke. Ich schulde euch was."

„Lass mal", winkte Alicia ab. „Auch wenn ich nicht jeden Tag rumerzählen würde, dass deine Trainings nicht gnadenlos und rücksichtslos waren, bin ich froh, dass ich dir helfen konnte." In ihren Augen blitzte der Schalk und sie streckte dem grinsenden Oliver die Zunge heraus, bevor sie mit Angelina wieder zurück auf ihren Platz ging.

Wood klatschte in die Hände und erlangte so die Aufmerksamkeit der Klasse wieder, die in den letzten Minuten etwas abgeschweift war. „Da wir nun wieder allein sind", von manchen hörte man freudiges Gemurmel, „und ihr alle offensichtlich schon ziemlich gut im Erschaffen von Schutzschilden seid, gehen wir jetzt zum spannenden Teil über."

Mit einem Schlenker seines Zauberstabs entsandte er die Puppen, die reglos in einer Reihe etwas abseits verharrt hatten, hoch in die Lüfte, wo sie – nicht so wie sonst – im Stadion verweilten, sondern weit hinausflogen und schließlich irgendwo auf den Ländereien verschwanden.

Laute Oh-Rufe ertönten und ein paar Schüler sahen ihnen mit großen Augen hinterher – schon fast ahnend, worauf ihr Professor hinauswollte.

„Heute geben wir uns nicht mit den vorgeschriebenen Grenzen dieses Stadions zufrieden!", rief Oliver und beschrieb mit seinem ausgestreckten Zauberstabarm einen weiten Bogen, der das ganze Feld einzuschließen schien. „Heute sind die Ländereien unser Übungsplatz."

Erneut brach aufgeregtes Gemurmel los; so etwas hatten sie noch nicht erlebt und sie alle waren gespannt darauf, wie sie ihre Fähigkeiten in einem wesentlich größeren Territorium beweisen konnten.

„Deshalb gebe ich euch jetzt eine halbe Stunde. Tut euch zu fünft oder zu sechst zusammen und verteilt euch auf dem Gelände. Übt das Manöver, das wir zuletzt besprochen haben. Wenn es euch gelungen ist, könnt ihr euch in kleinere Gruppen teilen und andere Taktiken versuchen. Ihr habt allen Platz, den ihr braucht. Wenn die Zeit um sind, werde ich rote Funken in den Himmel schicken und die Puppen zurückholen. Verstanden?"

Allgemeines Nicken war die Antwort darauf. „Gut. Habt keine Angst vor den Puppen, sie tun euch nichts. Sie nicht; andere vielleicht schon. Deshalb solltet ihr nicht vergessen, weshalb ihr das hier lernt."

Einen kurzen Augenblick lang schwieg die Klasse und warf sich beklommene Blicke zu, doch dann klatschte Oliver erneut in die Hände.

„Dann los. Strengt euch an, ich will sehen, was ihr könnt! Besen bereit?"

Die Schüler bestiegen ihre Besen und umklammerten die Stiele fest; die Zwillinge trugen ein abenteuerlustiges Glitzern in den Augen.

„Zauberstäbe bereit?"

Die letzten zogen nun ihren Zauberstab und sahen zu, dass sie ihn so festhielten, dass er nicht verloren gehen konnte.

„Ab mit euch!"

Fünfzehn Besen erhoben sich ins sturmgraue Firmament, schwirrten von dannen und verloren sich schon bald im wolkenverhangenen Himmel. Der Wind sandte eine kühle Brise über das Feld und zerzauste Olivers Haare. Der junge Schotte war als einziger im Stadion zurückgeblieben und genoss den frischen Windstoß, der sein erhitztes Gesicht kühlte.

Er hatte zunehmend das Gefühl, dass die Inspektion gar nicht so schlecht gelaufen war, wie er angenommen hatte, und diese Tatsache zauberte ein Lächeln auf seine Lippen.

Du hast es ihr gezeigt … und du hast dir selbst etwas bewiesen …

Aus der Ferne hörte man laute Rufe und ein schwaches Leuchten hoch oben in den Wolken verriet Oliver, dass die erste Gruppe soeben auf eine oder mehrere der Puppen gestoßen war.

Schmunzelnd bestieg der junge Professor ebenfalls seinen Feuerblitz, stieß sich mit Schwung vom Boden ab und schoss hinauf in die Lüfte, um zu sehen, was seine Schüler mit den Puppen anstellten.

Wenige Tage später schlenderte Oliver gemächlichen Schrittes am Waldrand entlang, die Hände in den Taschen und den Blick auf einen Punkt weit in der Ferne gerichtet. Der Himmel über ihm verdichtete sich und sturmgraue Wolken zogen auf, wie so oft in der letzten Zeit.

Der junge Schotte versuchte, den Kopf freizubekommen, und das konnte er nur, wenn er draußen an der frischen Luft war und der Wind alle Sorgen aus seinen Gedanken fortblasen konnte. Dieses Mal allerdings schien es aussichtslos zu sein.

Wood seufzte und hob einen kleinen Stein auf, der verwahrlost auf dem moosigen Boden lag; und während er ihn betrachtete, erkannte er, dass es noch eine Zeit lang dauern würde, bis die Sache mit Adrien vergessen war.

Viele Sportzeitschriften und andere Klatschblätter hatten die Story aufgegriffen und noch mehr aufgebauscht, als sie ohnehin schon war, von neuem sah sich Oliver mit plötzlichen, neuen Details aus dem anscheinend so turbulenten Leben Adriens konfrontiert. In der heutigen Ausgabe hatte Rob Grant wenigstens den ganzen Spekulationen rund um einen eventuellen Rücktritt (oder Rausschmiss) ein Ende gesetzt und klar und deutlich verkündet, dass Adrien Harrold fixer Bestandteil des Teams bleiben würde.

Der junge Kapitän selbst hatte allerdings zu nichts Stellung genommen, was Oliver einerseits als gut, andererseits als schade befand. Er hätte endlich gerne etwas gehört, das von seinem besten Freund selbst stammte.

Ein leises Kreischen holte Wood aus seinen Gedanken, verwundert hob er den Kopf und blickte suchend in die Umgebung, doch er konnte nichts entdecken. Erst als er hinauf in den Himmel sah, erkannte er den Uhu, der auf ihn hinabstieß, in den Krallen eine kleine Pergamentrolle; und sein Herz klopfte mit einem Mal schneller.

Adriens Uhu Skiron ließ sich flügelschlagend auf Olivers Schulter nieder und schuhute leise, während er seinen Kopf am Hals des jungen Schotten rieb. Dieser strich ihm sanft über das Gefieder und befreite den Brief mit bebenden Fingern aus den Krallen.

Fahrig entfaltete er das Blatt Pergament und war halb erstaunt, halb enttäuscht, nur einige Zeilen vorzufinden.

Oliver,

ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich dir jetzt schreiben soll. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob ich es schaffe, dir in die Augen zu sehen, wenn wir uns treffen.

Das, was passiert ist, ist geschehen und ich kann es nicht mehr rückgängig machen – so sehr ich das auch will. Und am allermeisten verschulde ich mir, dass ich dich so mit in die Sache reingezogen hab.

Es ist schrecklich unpersönlich, alles in einem Brief zu erklären; deshalb bin ich froh, dass wir uns so bald treffen können. Wir müssen dringend reden.

Es tut mir Leid, dass die letzten Tage sicher nicht einfach für dich waren. Vielleicht kann ich dir auch alles erklären – wenn du überhaupt noch willst, dass ich komme.

Adrien

Für einige Sekunden stand Oliver einfach nur da und starrte auf das kleine Stück Pergament in seiner Hand; der Wind zerzauste sein ohnehin schon unordentliches Haar, fuhr unter seinen Umhang und ließ ihn frösteln.

Diese wenigen Zeilen, die Adrien da geschrieben hatte, drückten für seine Verhältnisse eine Menge Gefühle aus, so viel stand fest. Anscheinend ging es ihm nach diesem Vorfall – der nun wirklich geschehen zu sein schien – wirklich nicht gut, und Oliver konnte sich vorstellen, dass Rob ein ziemliches Donnerwetter veranstaltet hatte (oder noch immer veranstaltete).

Skiron flatterte von seiner Schulter und hockte sich auf den Ast eines nahegelegenen Baumes, als Wood sich bückte und in seiner Tasche nach einem Federkiel, Tinte und einem Stück Pergament kramte.

Obwohl seine Finger von der Kälte schon ein wenig schmerzten, schaffte er es, das Fass aufzuschrauben, auf dem unebenen Grund abzustellen und kniend eine kurze Antwort zu verfassen.

Adrien,

was redest du für einen Schwachsinn, natürlich will ich, dass du kommst!

Du hast Recht, wir müssen dringend reden. Aber bis dahin sieh zu, dass du dir nicht mehr allzu viele Gedanken darüber machst, okay? Lass dich von Cubby ein bisschen umsorgen und aufpäppeln, ich weiß doch, wie gern sie das tut. Und mach dir um mich keine Sorgen.

Bis bald,

Oliver

Nachdenklich faltete er das Stück Pergament zusammen, räumte die Schreibsachen zurück in die Tasche und erhob sich. Skiron, der offensichtlich gemerkt hatte, dass die Nachricht fertiggestellt war, kam von seinem Ast herunter und setzte sich erneut auf Olivers Schulter.

„Das hier ist für deinen Herrn", flüsterte dieser dem Uhu zu, bevor er ihm den Brief in die ausgestreckten Krallen legte und ein letztes Mal übers Gefieder strich. „Flieg schnell."

Der Uhu schuhute leise und stieß sich von Woods Schulter ab. Majestätisch breitete er die Schwingen aus und erhob sich hinauf in den dunkler werdenden Himmel, immer höher und höher, bis er nur noch als kleiner, schwarzer Punkt im Firmament zu erkennen war.

Oliver blickte Skiron nach, bis er nicht mehr zu sehen war; dann seufzte er, vergrub die Hände erneut in den Hosentaschen und wanderte weiter seines Weges, nun aufs Neue mit Gedanken um den letzten Brief seines Freundes beschäftigt.

Gerade wollte er den Weg hinunter zum Quidditchfeld einschlagen, als er hinter sich plötzlich schnelle Schritte hörte, gefolgt von einem leisen Ruf.

„Oliver! Warte!"

Verwundert hielt der Angesprochene inne und warf einen Blick nach hinten. Er hatte die Stimme erkannt und sah zu seinem Erstaunen Fred Weasley hinter ihm den Weg herabkommen. Der Zwilling rannte schnell, seine Haare wehten im Wind und seine Wangen glühten vor Aufregung. Schlitternd kam er vor Wood zum Stehen und holte tief Luft, seine Brust hob und senkte sich in unregelmäßigen Stößen.

„Immer mit der Ruhe, Fred", lachte Oliver und klopfte seinem Freund auf den Rücken. „Welcher Wahnsinn hat dich denn ergriffen? Du rennst ja, als ob die Häscher des Dunklen Lords persönlich hinter dir her wären."

„Ha ha", keuchte Fred augenrollend und richtete sich auf, um besser Luft zu bekommen. „Welch sinniger Vergleich, Käpt'n. Aber darum geht es jetzt nicht. Ich habe Neuigkeiten, die vielleicht auch dich interessieren dürften." Sein Blick huschte in alle Himmelsrichtungen, ob auch außer ihnen sonst niemand zu sehen war.

„Bevor du etwas sagst, Fred, muss ich dich daran erinnern, dass ich alles, was du mir jetzt anvertraust und was sich nicht im Rahmen der Schulordnung oder des Gesetzes bewegt, dem Schulleiter oder Großinquisitorin Umbridge melden muss und werde", erwiderte Oliver mit todernster Miene und tadelndem Gesichtsausdruck, und Fred wich vor Schreck ein wenig zurück, die Augen weit aufgerissen ob der strengen Miene.

„Wie? Was? Oliver?"

„Ja?", gab der Angesprochene mit hochgezogener Augenbraue zurück. „Glaubst du etwa, ich nehme meine Pflichten als Lehrer auf die leichte Schulter oder was?"

„N-nein … a-aber …"

„Na also …"

Stille breitete sich zwischen den beiden aus und Wood konnte es buchstäblich hinter Freds Stirn arbeiten sehen, dann schaffte er es nicht mehr, an sich zu halten und prustete los.

„Dein Gesicht … haha … ist göttlich, Fred … haha!"

Fred, der den Witz erst jetzt erkannte, schnaubte und warf die Arme in die Luft. „Du Idiot! War ja klar, immer auf die Armen mit den roten Haaren! Das ist der Dank dafür, dass ich mich bei Umbridges Anstandsbesuch so benommen habe!"

Oliver klopfte ihm lachend auf die Schulter. „Tut mir Leid, das musste sein. Es ist so schön mitanzusehen, wenn du und George auch mal reingelegt werdet."

„Ja, wirklich schön für dich. Lachen wir alle eine Runde über den hereingelegten Zwilling", brummte Fred gespielt verdrießlich, doch er besann sich schnell wieder, als ihm einfiel, weswegen er eigentlich hier war.

Derselbe Gedanke schien auch Wood gekommen zu sein, denn er blickte sein Gegenüber fragend an. „Also, was gibt es für Neuigkeiten, die so unglaublich interessant für mich sein sollen?"

„Nun ja", begann der Zwilling mit verheißungsvoller Miene. „Für dich allein ja nicht … eher für alle, die nicht damit zufrieden sind, wie der Verteidigungsunterricht hier an der Schule dieses Jahr abläuft."

Oliver wusste, was er meinte. Seit Umbridge angedeutet hatte, dass in ihrem Unterricht keine Zauberstäbe und Verteidigungssprüche vorkommen würden – was in ungefähr so war, als würde man ein Quidditchspiel ohne Besen vorschlagen – hatten sich viele Schüler auch in seinem Unterricht über diesen Zustand beschwert und waren erleichtert gewesen, dass er ihnen wenigstens ein paar nützliche Zauber beibrachte. Den Verteidigungsunterricht an sich aber konnte er ihnen nicht ersetzen, und deshalb lauschte er gespannt Freds Ausführungen.

„Nun ja, und vorhin hat Hermine Granger mit mir gesprochen. Du weißt schon, sie ist in Harrys Jahrgang und immer mit ihm zusammen. Ziemlich kluges Mädchen. Sie sagte was von der Gründung einer Gruppe, die – verborgen vor Umbridges Augen – selbst die Verteidigung erlernt und übt, wenn schon in der Schule nichts dafür getan wird. Harry würde der Gruppe ein paar Tipps geben, sagte sie, denn er hätte ja schon einige Erfahrung, nicht zuletzt wegen dem Trimagischen Turnier. Und dann meinte sie noch, dass alle, die Interesse hätten, am Hogsmeadewochenende um elf Uhr vormittags in den Eberkopf kommen sollen, da fände dann eine Besprechung statt. Ich glaube, sie hat es schon einigen gesagt, aber wir sollten auch noch andere, vertrauenswürdige Personen einweihen und fragen, ob sie mitkommen wollen."

Er zwinkerte und scharrte mit der Schuhspitze in der Erde, die Hände in den Taschen vergraben, während Oliver sich seine Worte durch den Kopf gehen ließ.

Harry und seine Freunde planten also eine Art Aufstand gegen die rosa Lady … Ziemlich mutig, doch von seinem Sucher war er ja auch nichts anderes gewohnt. Interessiert fragte er nach anderen Schülern, die Hermine angeworben hatte.

„Ach, da sind so einige, soweit ich weiß. Ein paar Ravenclaws und Hufflepuffs, Slytherins natürlich nicht; und von den Gryffindors Neville, Dean, Ginny, Ron, Lee … und natürlich Angelina, Alicia und Katie."

Katie.

„Katie auch?", entfuhr es Oliver leise und Fred runzelte die Stirn. „Ja, Katie auch. Wieso fragst du?"

„Ach, nur so", winkte der junge Schotte ab, sah seinem Freund dabei aber nicht in die Augen. „Und was hat das Ganze jetzt mit mir zu tun?"

Freds Augen nahmen ein abenteuerliches Glitzern an und seine Lippen umspielte ein eindeutiges Grinsen.

„Na was wohl? Ich wollte dich fragen, ob du dabei bist!"

Erwartungsvoll blickte der Zwilling seinen ehemaligen Kapitän an, der die Frage erst einmal verdauen musste.

Ich? In einer geheimen Schülerorganisation, die sich munter allen Ministeriumsvorschriften widersetzt? Spinnt er?

„Würde sich ja toll in meinem Lebenslauf machen", meinte er schließlich ironisch an Fred gewandt. „Angestellt als Lehrer, verliert aber den Job aufgrund von geheimen Machenschaften mit unerlaubten Schülerorganisationen zur Bekämpfung des Bösen. Träum weiter, Mann."

Währenddessen war er bereits einige Schritte weitergegangen, doch der Treiber holte ihn ein und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Nein, warte Oliver. Ich träume nicht, ich meine das komplett ernst."

Seine Stimme hörte sich tatsächlich ernst an; so ernst, wie Wood ihn noch nie in seinem Leben erlebt hatte. Mit hochgezogener Augenbraue wandte er sich um und blickte dem Rothaarigen in die Augen.

„Fred, du weißt, dass das unmöglich ist! Wie soll das gehen? Verrat's mir! Ich hab schon so genug Sorgen am Hals."

„Du hast ja Recht. Aber liegt dir gar nichts daran, dass wir richtige Verteidigung erlernen? Sollen wir so unvorbereitet sein, wenn er wirklich angreift?"

„Nein … aber das ist nicht so einfach, wie du es dir vorstellst." Oliver schnaubte frustriert und schob die Hände tief in die Taschen. Einmal mehr wünschte er sich, als einfacher Schüler Teil des Ganzen sein zu können. Die Differenzen, die seine jetzige Position hervorrief, waren einfach zu tiefgreifend. „Was glaubst du, was passiert, wenn McGonagall davon erfährt? Oder Dumbledore? Oder – was noch viel schlimmer wäre – Umbridge?"

„Sie müssen es ja nicht erfahren", wandte Fred beherzt ein. „Wenn das ganze Ding wirklich zustande kommt, werden wir uns ohnehin verstecken müssen. Einer mehr, der illegal dabei ist, fällt da auch nicht auf, glaub mir."

Ein hohles Auflachen vonseiten Woods war die Antwort darauf. „Du spinnst doch, Fred."

„Nein, tu ich nicht", beharrte dieser. „Wie gesagt, ich meine es todernst. Und todernst könnte das Ganze wirklich werden, wenn es erst zu spät ist."

Dieses Argument ließ Oliver aufhorchen. In gewisser Weise hatte sein Freund ja Recht – wenn Voldemorts Zorn erst über die Zauberergemeinschaft hereinbrach, würde es für die Schüler von Hogwarts, denen der richtige Umgang mit Abwehrzaubern fehlte, nicht gut stehen. Dumbledore würde bestimmt wollen, dass seine Schüler sich verteidigen konnten und war mit der jetzigen Methode wahrscheinlich alles andere als glücklich.

Hatte er, Oliver, nicht geschworen, Dumbledore bei seinem Kampf gegen Voldemort zu unterstützen?

Nachdenklich geworden nagte der junge Schotte an seiner Unterlippe und lauschte Freds weiteren Worten. „Wir würden all das lernen, was uns jetzt verwehrt bleibt, wir würden eine Gemeinschaft sein, und niemand kann uns vorschreiben, was wir lernen sollen und was nicht. Und du, Oliver! Du hast schon mehr von der Welt gesehen als wir anderen. Du bist Lehrer für Flugkampf, du hast schon deinen Abschluss mit halbwegs normalem Verteidigungsunterricht gemacht. Wenn du dabei wärst, ist es auch für Harry eine gute Stütze!"

Freundschaftlich boxte der Zwilling dem ehemaligen Kapitän in die Seite. „Und wir würden uns natürlich auch freuen … das weißt du doch. Komm schon, Oliver. Gib dir einen Ruck und sieh es dir wenigstens einmal an. Hilf Harry."

Stille breitete sich zwischen den beiden aus, und für eine Zeit lang war nur das ferne Rauschen des stärker gewordenen Windes hoch oben in den Baumwipfeln des Verbotenen Waldes zu hören. Die Nacht war fast hereingebrochen und die Lichter des Schlosses leuchteten gespenstisch aus dem Halbdunkel zu ihnen herüber.

Oliver verschränkte die Hände vor der Brust und zögerte, bevor er eine Antwort gab. Völlig widersprüchliche Gedanken rasten in seinem Kopf und halfen ihm nicht gerade, die Entscheidung leichter treffen zu können. Einerseits bangte er um seine Arbeit und fürchtete, dass das Ganze auffliegen und Umbridge zu Ohren kommen konnte. Andererseits hatte er sich doch vorgenommen, Dumbledore in allem, was er gegen den Dunklen Lord zu unternehmen gedachte, zu unterstützen. Es war zwar Harry, der diese Treffen auf die Beine stellen wollte, doch was Harry für richtig befand, konnte von Dumbledores Meinung nicht so weit entfernt sein.

„Und du glaubst, das mit dieser Gruppe wird was, ja?" hakte er zur Sicherheit nach und Fred, der das Nachgeben seines ehemaligen Kapitäns witterte, bekam leuchtende Augen.

„Na klar, Mann! Mach dir keine Sorgen. Wir alle müssen aufpassen, dass wir nicht erwischt werden. Das wird eine ziemlich heikle Sache – aber wir tun es für uns und unsere Verteidigung. Ich will schließlich nicht hinterrücks von einem Todesser kalt gemacht werden."

„Mhm", machte Oliver noch immer ziemlich nachdenklich und richtete seinen Blick auf einen undefinierbaren Punkt weit in der Ferne. „Ich glaube, das will niemand … und so weit wird es auch nicht kommen."

„Heißt das, du siehst es dir wenigstens mal an?"

„…"

„Oliver, bitte antworten!"

„Na gut, du Nervensäge! Du hast gewonnen. Ich seh mir euer Treffen an und dann reden wir weiter. Aber wehe, du erzählst irgendjemandem, dass ich zugesagt habe. Dann bringe ich dich höchst persönlich um."

„Schon gut", wehrte Fred lachend ab. „Keine Angst, ich kann meinen Mund halten. Harry werde ich aber wohl Bescheid geben dürfen. Komm schon, Oliver; schließlich soll er keinen Schreck kriegen, wenn du da plötzlich auftauchst."

Diese Worte lösten den nächsten alarmierenden Gedanken in Woods Kopf aus. „Das ist ja schon das nächste Problem! Wie soll ich bei diesem Treffen dabei sein, ohne dass ich zuviel Aufmerksamkeit errege? Gut, dass jeder gleich sehen kann, dass ich dabei bin und mich als Lehrer gegen das Ministerium auflehne!"

Wenn er aber erwartet hatte, dass Fred sich die Haare raufen und keine Antwort darauf parat haben würde, hatte er sich gründlich getäuscht. Viel eher stahl sich ein verwegenes Grinsen auf die Lippen des Rothaarigen und seine Augen blitzten triumphierend.

Au contraire, mein Freund", meinte er zwinkernd und legte Wood einen Arm um die Schulter. „Gehen wir ein Stück … Weißt du … Harry hat da einen sehr interessanten Umhang …"

Anm. der Autorin: muahaha ) Böööser Oliver … aber noch wissen wir ja nicht, ob alles gut geht und er wirklich von dem überzeugt ist, was Hermine sich da ausgedacht hat ;) Auf jedem Fall wissen wir jetzt, dass Fred ein sehr überzeugender Mensch ist Hoffentlich hat es euch gefallen und Reviews sind immer schön, ne?

Eure Caly