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13. Kapitel Hogsmeade Teil 1 - Die DA

Anm. der Autorin: Ich denke, zu diesem Kapitel bedarf es nicht sehr vieler Worte … just read and enjoy, und bestaunt Hermines wirklich große Zauberkünste und Olivers grenzenlosen Wagemut xD (und vor allem Cassandras großen Irrtum zwinker)

Dies ist mal der erste Teil des tollen Hogsmeade-Samstags, der zweite Teil kommt später und beinhaltet ja wie erwartet das Treffen zwischen Oliver und Adrien uuhuu

Dann mal viel Freude mit dem Kapitel!

Disclaimer: Natürlich gehören wieder so manche Textpassagen JKR (eigentlich ja ziemlich viele ) und sind der Richtigkeit halber aus dem fünften Band entnommen – allerdings eher aus Olivers Sicht beschrieben … ihr werdet ja sehen )

Eure Caly

Everyone has a secret

but can they keep it?

Can they keep it?

Maroon 5 – Secret

„Bevor du wie alle anderen runter ins Dorf gehst, komm in den zweiten Stock. Du weißt schon, zu dem Geheimgang hinter dem Wandteppich. Ich hab was für dich", raunte Fred Weasley Oliver am Morgen des Hogsmeadesamstages unauffällig zu, als er den jungen Professor auf dem Weg zum Frühstück einholte.

Wood nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte, und der Zwilling beschleunigte seine Schritte wieder, um möglichst schnell hinter der nächsten Ecke zu verschwinden.

Mit klopfendem Herzen wandte Oliver den Blick nach links und rechts, doch er konnte niemanden entdecken, der ihre kurze Unterhaltung mit böser Absicht belauscht hatte. Zum wohl hundertsten Male fragte sich eine kleine, hinterhältige Stimme in seinem Kopf, was denn in ihn gefahren war, diesem Unternehmen einfach zuzustimmen.

Nun gut, letztendlich hatte bei dem Gespräch mit Fred wohl sein altes Gryffindorherz gesiegt.

Als er die Große Halle betrat und zügig nach vorn zum Lehrertisch schritt, sah er Harry Potter bereits mit seinen Freunden am Gryffindortisch sitzen und frühstücken. Der Sucher sah kurz auf und seine bis dahin etwas angespannte Miene glättete sich, er zwinkerte sogar einmal fast unmerklich, was Wood als Geste der Dankbarkeit auffasste. Etwas mehr in dem Gefühl bestärkt, seine Position für etwas Gutes aufs Spiel zu setzen, ließ er sich auf seinem Platz nieder und tat sich eine Portion Speck auf.

Während er aß, beobachtete er unablässig die Halle und die wenigen Schüler, die zu dieser Zeit noch nicht auf dem Weg ins Dorf waren und fragte sich, wer von ihnen wohl auch im Eberkopf auftauchen würde.

Tief in Gedanken versunken bemerkte er nicht, dass Cassandra sich neben ihm niederließ und ihn von der Seite her anblickte. Als er sich nicht rührte, tippte sie ihn schließlich leicht auf die Schulter; und Oliver fuhr mit erschrockenem Blick herum, die Augen weit geöffnet und mit einem Ausdruck, der schuldbewusster gar nicht sein konnte, im Gesicht.

„Ja, ich freue mich auch, dich heute morgen zu sehen", meinte die junge Griechin mit einem Hauch Sarkasmus in der Stimme und schenkte sich Tee ein. „Man sieht es dir an, du hattest einen ruhigen und angenehmen Schlaf."

„Schön, dass du darüber so gut Bescheid weißt", erwiderte Oliver gedankenverloren und ließ weiter die Schüler nicht aus den Augen.

Wer von euch ist so mutig, Umbridge die Stirn zu bieten?

Cassandra ließ mit verwirrtem Blick den Teekelch sinken. Was war heute bloß mit ihm los? Er wirkte seltsam abwesend und auch ein wenig fahrig, wenn man seine wild auf den Tisch klopfenden Finger bedachte.

„Oliver? Was hast du denn? Man könnte meinen, du hast irgendwas zu verbergen", schmunzelte sie schließlich, und der Blick der dunkelbraunen Augen traf sie wenig später mit einem ziemlich misstrauischen Blick.

„Was meinst du damit? Was soll ich zu verbergen haben?"

„Gar nichts", erwiderte sie, vollkommen irritiert. „Das hab ich doch nur so gesagt …"

„Gut", brummte Oliver, wandte sich ab und widmete sich seinem Frühstück. „Ich dachte schon …"

Cassandra warf ihm noch einen kurzen Blick zu, sagte aber nichts mehr und konzentrierte sich ebenfalls auf ihr Frühstück. Aus diesem Mann wurde sie einfach nicht schlau.

Als er wenig später den Frühstückstisch verließ, sah sie ihm nach, bis er aus der Halle verschwunden war. Nachdenklich lehnte sie sich zurück und runzelte die Stirn, wie sie es immer tat, wenn sie etwas beschäftigte.

Irgendetwas versteckte er doch, da bestand kein Zweifel. Was es war, würde sie noch bald genug herausfinden. In Gedanken versunken widmete sie sich wieder ihrem Toast und ahnte nicht, dass Oliver in eben diesem Moment dabei war, Kopf und Kragen zu riskieren.

„Da bist du ja", murmelte Fred unruhig und winkte Oliver nach genauen Blicken nach links und rechts hinter den Wandteppich. Der junge Professor hatte sich sofort auf den Weg in den zweiten Stock gemacht, um den Zwilling zu treffen, der ihm Harrys Tarnumhang besorgt hatte.

Einen Tarnumhang. Erst hatte Wood geglaubt, Fred wolle ihn auf den Arm nehmen, doch langsam war dem Professor dann klar geworden, wie Harry so viele heimliche Ausflüge hatte unternehmen können, ohne dabei erwischt zu werden.

Welch ausgekochtes Schlitzohr.

„Ich hab mich doch schon beeilt", gab Oliver leise zurück und ließ den Teppich vor den Geheimgang fallen. Das Licht von Freds Zauberstab erleuchtete bereits den engen Gang und tauchte sie in gespenstisches Zwielicht. „Also?"

Der Zwilling grinste bloß, griff unter seinen Umhang, der eine seltsame Ausbuchtung aufwies, und holte etwas darunter hervor, das aussah wie flüssiges Silber.

„Ist er das?", raunte Wood mit heiserer Stimme und nahm den Umhang vorsichtig an. Er fühlte sich an, als wäre Wasser in Stoff eingewoben worden, und als er ihn ausbreitete, fielen die Falten des Umhangs wie ein Wasserfall auseinander.

„Jep", kam es von Fred, den der Anblick des Umhangs keineswegs zu erstaunen schien. „Familienerbstück von Harry oder so, also sieh zu, dass du ihn nicht verlierst oder kaputt machst."

„Das brauchst du mir nicht zu sagen", grinste Wood und bestaunte den Umhang von allen Seiten. „Und der macht wirklich unsichtbar?"

„Probier es aus."

Zögernd hob Oliver den Umhang hoch und legte ihn um. Eine Sekunde später schreckte er zurück – sein Körper war tatsächlich verschwunden.

„Wahnsinn!"

„Es erstaunt mich auch immer wieder", bemerkte Fred lässig, als sein Freund sich im Kreis drehte und der Kopf allein im Gang herumwirbelte. „Toll, nicht?"

Oliver nickte und zog den Umhang wagemutig ganz über den Kopf. Nun war er nicht mehr zu sehen.

„Hey, komm wieder raus. Ich hab keine Lust, mit einem Unsichtbaren zu reden", jammerte Fred, doch aus seinen Augen blitzte der Schalk, als sein Freund mit abenteuerlustigem Gesichtsausdruck den Umhang abstreifte. „So gefällst du mir schon besser, Käpt'n. Nun ja, ich muss jetzt los. George, Lee und ich plündern erst noch Zonko's, bevor wir in den Eberkopf kommen. Merlin, die Zeit läuft mir davon. Bis später!"

Und mit einem letzten Winken war Fred aus dem Geheimgang verschwunden. Oliver blieb zurück, in den Händen das wohl wertvollste, magische Utensil, das er je gesehen hatte. Sich so unsichtbar zu machen, dass man vor allem und jedem verborgen blieb, war eine hohe Kunst.

Nun war sein Wagemut schon eher geweckt, und nachdem er sich vergewissert hatte, dass niemand auf dem Gang war, huschte er hinter dem Wandteppich hervor und schob den Tarnumhang behutsam in seine Umhangtasche. Er hatte beschlossen, den Umhang draußen auf dem Gelände in einer Nische der Schlossmauer anzulegen.

So frohgemut gelangte er in die Große Halle und spazierte an Filch vorbei, der die kürzer werdende Schlange von Schülern mit missmutigem Gesicht nach draußen entließ. Lächelnd nickte er Raleigh Jones zu, der mit seinen Freunden Davy und Connor in der Schlange stand und ihm begeistert zuwinkte.

Draußen auf dem Gelände hielt er dann zielstrebig auf einen großen Mauervorsprung zu, der zu seinen Zeiten schon so manches Schülerpärchen erfolgreich verdeckt hatte – und merkte zu seinem größten Unglück nicht, dass ihn die Blicke einer Person Schritt für Schritt beobachteten.

Cassandra trat gerade aus der Großen Halle, als sie Oliver an der langen Schlange von Schülern, die nach unten ins Dorf wollten, vorbeispazieren sah. Sein Gesichtsausdruck war nicht mehr misstrauisch und schlecht gelaunt, sondern ausgeglichen und fröhlich.

Wie seltsam. Woher kam der plötzliche Sinneswandel?

Unauffällig, so dass weder er noch jemand anderes merkte, dass sie ihm folgte, schlenderte sie ebenfalls Richtung Schlossportal und trat wenige Augenblicke nach ihm hinaus ins Freie. Die frische, kalte Luft schlug ihr ins Gesicht und belebte ihre Sinne an diesem Samstagmorgen. Suchend blickte sie sich um und konnte gerade noch erkennen, wie Oliver halb hinter einem nahen Mauervorsprung verschwand. Nur mehr sein Rücken, den er ihr zugewandt hatte, war in ihrem Blickfeld.

Der junge Professor sah sich um und blickte Merlin sei Dank nicht in ihre Richtung, dann langte er in die Tasche seines Umhanges und zog etwas daraus hervor, das sie nicht sehen konnte. Sie blinzelte verwundert, und im nächsten Moment erschrak sie zutiefst, konnte gerade noch rechtzeitig den leisen Aufschrei unterdrücken, der bereits in ihrer Kehle gesteckt hatte.

Oliver war verschwunden.

Einfach weg, spurlos weg. Dort, wo er eben noch gestanden hatte, war nun Luft, pure Luft.

Mit pochendem Herzen wich Cassandra hinter einen Vorsprung neben dem Portal zurück und presste sich an den kalten Stein.

„Nur keine Panik", murmelte sie, doch ihr Herz wollte sich nicht beruhigen; zu viele Fragen warfen sich mit diesem plötzlichen Verschwinden auf und rasten wild durch ihre Gedanken.

Wo war Oliver hin verschwunden? Was hatte er versucht, zu verbergen? Und wenn er etwas zu verbergen hatte – welcher Seite diente es?

Sich vollkommen unsichtbar zu machen – denn disapparieren konnte man innerhalb Dumbledores Bannen nicht – war eine Kunst, die nicht viele Magier beherrschten, und schon gar nicht viele, die auf der guten Seite waren.

Als die junge Griechin mit weichen Knien wieder das Schloss betrat und wie in Trance die Treppe in die oberen Stockwerke hinaufstieg, kam ihr ein furchtbarer Gedanke.

Was, wenn Oliver Wood ein anderer war als der, der er vorgab zu sein?

Unsichtbar zu sein war großartig.

Zu dieser Ansicht war Oliver spätestens dann gekommen, als er ziemlich nahe an einigen Drittklässlern, die das Dorf offenbar zum ersten Mal besuchten, vorbeischlenderte – natürlich sorgfältig darauf achtend, dass sein Körper vollständig vom Tarnumhang verborgen war – und sie mehrmals in seine Richtung sahen, ohne ihn zu bemerken. Sie sahen einfach durch ihn hindurch.

Es war der pure Wahnsinn.

Hätte er diesen Umhang doch schon zu seiner Schulzeit gehabt … oder wenigstens von seiner Existenz gewusst … wie viel hätte er dann Flint heimzahlen können …

Wood grinste, als er sich ausmalte, was dann alles geschehen wäre; und das Lächeln blieb auf seinen Lippen, als er bereits die ersten Häuschen von Hogsmeade erreichte.

Langsamen Schrittes durchquerte er die schmale Hauptstraße und warf einen kurzen Blick auf die Uhr, die bereits dreiviertel elf anzeigte.

Heute war zudem der Tag, an dem er Adrien nach langen Wochen wiedersehen würde. Er sah dem Treffen mit gemischten Gefühlen entgegen; zum einen wusste er nicht, wie Adrien sich ihm gegenüber verhalten würde, zum anderen wusste er nicht, wie er seinem besten Freund im Falle des Falles helfen konnte.

Hör auf, dich verrückt zu machen … ihr kriegt das schon geregelt …

In einer letzten Notiz an den Kapitän hatte Oliver als Zeitpunkt Mittag und als Ort die Drei Besen ausgewählt, und da von Adriens Seite keine Einwände gekommen waren, würde er sich an diese Absprachen halten.

Die Gedanken an Adrien wurden jedoch schnell wieder von dem bevorstehenden Treffen verdrängt.

Zehn vor elf.

Olivers Herz pochte mit einem Mal wieder heftiger und er hielt mit schneller werdendem Schritt auf ein besonders schäbig und heruntergekommen aussehendes Haus zu, dass etwas abgelegen von den anderen an einer kleinen Seitenstraße lag. Hier trieben sich nurmehr wenige Schüler herum, da es nichts Interessantes mehr zu sehen gab. Dem schäbigen Pub mit dem Aushängeschild, auf dem ein blutender Eberkopf zu sehen war, entströmte ein schwacher Geruch nach Ziegen.

Während seiner ganzen Schulzeit war Oliver nie hier gewesen, zu sehr hatte er Madam Rosmertas gemütliches Wirtshaus geschätzt und bevorzugt. Umso mehr verwunderte ihn, warum Harry und seine Freunde ausgerechnet diese Einrichtung ausgewählt hatten, um einen geheimen Club zu gründen. Nun ja, ihm sollte es Recht sein.

Als er den Eberkopf schon fast erreicht hatte, bemerkte er drei Schüler, die unschlüssig vor der Eingangstür herumstanden und die Gegend genau abschätzten. Ron Weasleys flammend roter Haarschopf verriet das Trio rund um Harry, das offensichtlich als erstes angekommen war und nun auf die anderen wartete.

So lautlos er konnte schlich Oliver heran und fing einige Wortfetzen des Gesprächs der drei Freunde auf.

„Glaubst du wirklich, er kommt?", flüsterte Hermine Granger und biss sich auf die Unterlippe, ihr Blick war fragend.

„Fred war schon der Meinung, ja", erwiderte Harry zuversichtlich, doch so richtig daran zu glauben schien auch er nicht. Ron war offensichtlich der Einzige, der an die Worte seines Bruders glaubte.

„Jetzt hört auf, Panik zu schieben. Fred und George haben es einigen Leuten erzählt, sie werden schon kommen. Und wenn Oliver seine Freunde nicht im Stich lassen will, wird er auch kommen … denke ich zumindest."

Wood war mittlerweile so nahe an die drei herangetreten, dass einer von ihnen ihn bestimmt schon hätte spüren müssen, doch nichts dergleichen war geschehen.

„Ihr habt aber wenig Vertrauen in meine Loyalität", raunte er mit einem unsichtbaren Lächeln, laut genug, damit alle drei es verstehen konnten. Hermine stieß ein spitzes Quieken aus, Ron zuckte zusammen und blickte hektisch um sich und Harry fuhr herum, so dass er Wood mitten ins Gesicht sah.

„Oliver?", wisperte er und sein Blick huschte über den unsichtbaren jungen Mann, der sein Lachen gerade noch unterdrücken konnte.

„Ja?"

Über Hermines Gesicht glitt ein Ausdruck der Erleichterung, sie trat vorsichtig näher und lugte über Harrys Schulter. „Merlin, Professor Wood! Sie haben uns erschreckt."

„Entschuldigt. Ich konnt's nicht lassen. Und wenn du noch einmal außerhalb des Unterrichts Professor Wood zu mir sagst, erschrecke ich euch mit Vergnügen gerne wieder."

„Verzeihung", murmelte Hermine mit hochroten Wangen und Ron klopfte ihr gönnerhaft auf die Schulter. „Nimm's ihr nicht übel, unsere Hermine kann einfach nicht von der Schule lassen …"

„Kann ich wohl, du Blödmann", fauchte die Fünftklässlerin zurück und schüttelte Rons Hand von ihrer Schulter.

„Hört auf zu streiten", versuchte Harry, der offensichtlich den Ruhepol der Gruppe darstellte, die beiden zu besänftigen. „Wir sind immerhin nicht deshalb hier."

„Netten Umhang hast du da, Harry", meinte der unsichtbare Oliver mit anerkennendem Unterton in der Stimme und der Angesprochene lächelte ein klein bisschen stolz. „Schön, dass ich dir damit helfen konnte. Gute Idee von Fred, allein wär ich nicht drauf gekommen."

„Ja, beeindruckend einfallsreich."

Ron trat inzwischen bereits leicht hibbelig von einem Fuß auf den anderen und ließ den Blick in alle Richtungen schweifen, offensichtlich ziemlich darauf eingestellt, von jemandem beobachtet zu werden.

Harry warf ihm einen kurzen Blick zu, dann wandte er sich in die Richtung, in der er seinen ehemaligen Kapitän vermutete. „Hör mal, wir gehen jetzt rein und warten auf die anderen. Wenn du mitkommen willst …"

„Klar, natürlich", kam es aus dem Nichts und Harry nickte. „Gut. Am besten, du setzt dich irgendwo hin, wo es nicht auffällt, dass ein leerer Stuhl rumsteht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir beobachtet werden, also gib dich besser nicht zu erkennen."

„Das hatte ich ohnehin nicht vor."

Harry grinste und bedeutete den anderen, ihm zu folgen, als er auf die Eingangstür zuschritt und ihnen allen voran den Pub betrat.

Der Eberkopf schien das komplette Gegenteil zu den Drei Besen darzustellen, denn der Besitzer schien die Worte Gemütlichkeit und Sauberkeit nicht einmal schreiben zu können. Der einzige Raum – der Schankraum – war klein, eng und schmutzig; und sogar die Fenster waren zu verdreckt, um Sonnenlicht hineinfluten zu lassen. Dieses Manko wurde von kleinen, stümperhaften Kerzen nur wenig erfolgreich wettgemacht. Der Geruch nach Ziegen, der draußen schon leicht wahrzunehmen gewesen war, hatte sich drastisch intensiviert.

Als Oliver angewidert hinunter auf den Boden blickte, glaubte er erst, dass er aus nichts als festgetretener Erde bestünde – bis er noch viel angewiderter erkannte, dass es tatsächlich Stein war, der da unter dem Dreck von Merlin wusste wie lange schlummerte.

„Grauenhaft", entfuhr es ihm leise und er sah sich weiter in dem Pub um, der nicht sonderlich gut besucht war. Nur vier weitere Gäste befanden sich im Raum; am Tresen lehnte ein Mann, dessen ganzer Kopf mit einem schmutzig grauen Verband umwickelt war, der ihn offensichtlich nicht dabei störte, Glas um Glas einer seltsamen Flüssigkeit hinunter zu kippen, die selbst den Ouzo Cassandras verblassen lassen würde. An einem Tisch bei einem der Erkerfenster hielten sich zwei in Kapuzenumhänge gehüllte Gestalten auf, die Dementoren gar nicht so unähnlich waren, doch als sie an ihnen vorbeikamen, fing Oliver einige Gesprächsfetzen in starkem Yorkshire-Akzent auf. In der Ecke neben dem ebenfalls schmutzigen Kamin saß eine Hexe mit einem tiefschwarzen Schleier, der ihr bis zu den Füßen reichte und gerade mal die Spitze einer anscheinend großen Nase erkennen ließ.

„Ich weiß nicht so recht, Hermine" murmelte Harry, dem wohl Zweifel gekommen waren und musterte die Hexe mit dem Schleier. „Schon mal überlegt, dass Umbridge da drunter stecken könnte?"

Hermine, Ron und Oliver warfen ebenfalls der verschleierten Hexe einen kurzen Blick zu.

„Umbridge ist kleiner als die", raunte Oliver in Harrys Ohr und Hermine nickte bestätigend. „Stimmt. Und selbst wenn Umbridge hier reinkommt, kann sie nichts tun, um uns aufzuhalten. Ich hab die Schulordnung doppelt und dreifach überprüft. Das Betreten hier ist nicht verboten, ich hab eigens Professor Flitwick gefragt, ob Schüler in den Eberkopf dürfen. Er hat ja gesagt, mir aber dringend geraten, unsere eigenen Gläser mitzubringen."

„Wen wundert's", brummte Ron, dem dieser Ort sichtlich nicht geheuer war.

„Außerdem hab ich alles Erdenkliche nachgeschlagen über Studiengruppen und Hausaufgabengruppen und die sind eindeutig erlaubt. Ich glaube nur nicht, dass es eine gute Idee wäre, wenn wir das, was wir tun, auch noch an die große Glocke hängen", vollendete Hermine ihre Aufmunterungsrede und warf Ron einen bösen Blick zu.

„Nein", meinte Harry trocken und hob eine Augenbraue. „Vor allem, da es nicht gerade eine Hausaufgabengruppe ist, die wir planen, oder?"

In diesem Moment kam der Wirt aus dem Hinterzimmer heraus auf sie zu. Es war ein griesgrämiger Alter mit grauen Haaren und einem Bart. Aus irgendeinem Grund glaubte Wood, ihn schon einmal irgendwo gesehen zu haben, obwohl er noch nie in diesem Pub gewesen war.

Während Ron, Hermine und Harry etwas zu Trinken bestellten, ging Oliver in den hinteren Teil des Raumes und ließ sich vorsichtig an einem Tisch, der weit genug vom Tresen entfernt war, nieder. Misstrauisch beobachtete er die weiteren Anwesenden, konnte jedoch keine Anhaltspunkte für Ministeriumsbeamte oder Umbridge entdecken.

Als hätten sie seine Absicht erahnt, kamen die drei schließlich zum selben Tisch und ließen sich mit je einer Flasche Butterbier in der Hand auf den anderen Stühlen nieder.

„Oliver?", flüsterte Hermine leise und unauffällig, und Wood gab ein kurzes Raunen von sich, um zu zeigen, dass er in ihrer Nähe war.

„Wisst ihr was?", murmelte Ron mit begeistertem Gesicht. „Hier drin könnten wir alles bestellen, was wir wollen. Ich wette, dieser Typ würde uns alles verkaufen, es wär ihm schnuppe. Ich wollte schon immer mal Feuerwhiskey ausprobieren –"

„Du bist Vertrauensschüler", kam es unisono und leise von einer aufgebrachten Hermine und Oliver unter dem Umhang und Rons Grinsen erstarb. „Oh … ja …"

„Also, wer, habt ihr gesagt, will sich hier mit uns treffen?", fragte Harry, riss den Deckel seines Butterbieres auf und genehmigte sich einen tiefen Schluck, als wäre es genau das, was er jetzt brauchte.

„Würde mich auch interessieren", wisperte Wood unter seinem Umhang. „Ich weiß bisher nur von ein paar Leuten …"

„Naja, es sind ja auch nur ein paar Leute", meinte Hermine und sah nach einem Blick auf die Uhr besorgt zur Tür. „Ich hab gesagt, sie sollen um elf hier sein, und ich bin mir sicher, sie alle wissen, wo es ist – oh seht mal, das könnten sie sein!"

Tatsächlich – die Tür war aufgegangen und ein schwacher Sonnenstrahl drang in den dämmrigen Raum, der im nächsten Moment auch schon von einer hereinströmenden Schülerschar verdunkelt wurde. Ja, Schar war der richtige Ausdruck, der Wood staunend dazu einfiel.

Als erstes betrat Neville Longbottom aus Harrys Jahrgang den Raum, gefolgt von Dean Thomas und Lavender Brown. Hinterdrein kamen die Patil-Zwillinge Parvati und Padma, zusammen mit Ravenclaws Sucherin Cho Chang und einer ihrer Freundinnen. Danach Luna Lovegood (die Wood durch ihre ziemlich verträumte und sonderbare Art schon aufgefallen war), zusammen mit Colin und Dennis Creevey, Ernie Macmillian, Justin Finch-Fletchley, Hannah Abott, einer weiteren Hufflepuff mit einem langen Zopf; zudem noch drei Ravenclaws, Freds und Georges Schwester Ginny, ein junger Gryffindor namens Michael Corner und Zacharias Smith, ein Mitglied der Hausmannschaft von Hufflepuff.

Als letzte schneiten die Zwillinge höchstpersönlich herein, in Begleitung von Lee Jordan und vollbepackt mit Tüten aus Zonko's Scherzartikelladen; dicht gefolgt von Angelina, Alicia und Katie.

Sie waren also tatsächlich auch gekommen.

Für einen Moment glaubte er, Angelina den Raum nach etwas Bestimmtem absuchen zu sehen, und er hatte die leise Ahnung, dass Fred ihr von seiner Anwesenheit erzählt hatte. Dieser Idiot. Von wegen, er konnte den Mund halten.

„Ein paar Leute?", krächzte Harry neben ihm auf seinem Stuhl an Hermine gewandt. „Ein paar Leute?"

Hermine war davon wenig beeindruckt, sie wirkte sogar äußerst zufrieden. „Die Idee schein ziemlichen Anklang zu finden … Ron, würdest du noch ein paar Stühle holen?"

Während Ron tat wie ihm geheißen, hatte Fred bereits die Bar gestürmt und dem missmutigen Wirt ganze fünfundzwanzig Butterbiere abgenommen.

„Prost", meinte er gut gelaunt, als er die Flaschen verteilte. „Und rückt alle mal fleißig das Geld raus, dafür hab ich nicht genug …"

Die große, wild durcheinander redende Schülerschar nahm dankend die Getränke an und kramte in den Taschen nach den Münzen. Ein kurzer Seitenblick auf Harry sagte Oliver, dass dieser nicht so wirklich mit so einem Ansturm gerechnet hatte, denn er war blass, und in seiner Miene zeichnete sich ein Hauch von Wut ab.

„Was hast du den Leuten erzählt?", wandte er sich leise an Hermine. „Was erwarten die? Hör mal, wenn sie eine Rede oder so wollen, dann –"

„Ich hab dir doch gesagt, sie wollen einfach nur hören was du zu sagen hast", wehrte Hermine beschwichtigend ab, doch als Harrys Blick weiterhin äußerst böse auf ihr lag, beeilte sie sich, etwas hinzuzufügen. „Du brauchst jetzt noch gar nichts zu tun, ich werde zuerst mit ihnen reden."

Wood konnte sich gut vorstellen, wie es sich in Harrys Haut wohl gerade anfühlte und stupste ihn beschwichtigend in den Oberarm. Potter, der die Geste wahrgenommen hatte, lächelte dankbar und zwinkerte kurz.

Bald hatte sich die ganze Schülerschar rund um die drei (oder besser gesagt vier) herum in kleinen Grüppchen niedergelassen und die Gespräche erstarben langsam, wichen aufgeregten und neugierigen Gesichtern.

Als es vollkommen still war, räusperte sich Hermine. „Ähm … nun ähm … hi."

Die Aufmerksamkeit der Gruppe lag auf ihr, obwohl – wie Oliver bemerkte – das eine oder andere Augenpaar noch hoffnungsvoll zu Harry hinüberhuschte.

„Ähm … ja, ihr wisst, warum ihr hier seid … ähm … Harry hier hatte die Idee – besser gesagt, ich hatte die Idee – dass es gut wäre, wenn Leute, die Verteidigung gegen die dunklen Künste lernen möchten – und ich meine wirklich lernen, versteht ihr? Nicht den Stuss, den Umbridge mit uns macht …"

Man merkte deutlich, dass Hermine Granger dabei war, sich in Fahrt zu reden, und ihre selbstbewusste Stimme klang leise, aber gut verständlich zu jedem durch.

„Niemand kann das Verteidigung gegen die dunklen Künste nennen …"

„Das kannst du laut sagen", warf einer der Ravenclaws ein, was zustimmendes Geraune auslöste.

„Genau. Also, ich dachte, es wäre gut, wenn wir – nun, die Dinge selbst in die Hand nehmen würden."

Nach einem scheuen Seitenblick auf Harry fuhr sie fort. „Und damit meine ich lernen, wie wir uns richtig verteidigen, nicht nur in der Theorie, sondern indem wir tatsächlich zaubern –"

Michael Corner hob eine Augenbraue. „Du willst doch auch deine ZAG-Prüfung in Verteidigung gegen die dunklen Künste bestehen, wette ich?"

„Natürlich will ich das", gab Hermine ungehalten zurück. „Aber ich will noch mehr, nämlich richtig ausgebildet sein, weil … weil …" Sie holte tief Luft und schloss mit den Worten: „… weil Lord Voldemort zurück ist."

Oliver zuckte unter seinem Umhang leicht zusammen, und er spürte, wie der Klang des so gefürchteten Namens eine Gänsehaut auf seine Oberarme zauberte. Auch seine Eltern hatten Du-weißt-schon-wen nie beim Namen genannt und es fiel ihm so manches Mal noch schwer, mitanzuhören, wie jemand die beiden Wörter aussprach, die den Untergang der Zauebrerwelt besiegeln konnten.

Lord Voldemort.

Genauso absehbar wie seine eigene Reaktion war auch die der Schüler. Eine Ravenclaw verschüttete Butterbier über ihrer Kleidung, Terry Boot zuckte unwillkürlich zusammen, eine der Patil-Zwillinge erschauderte und Neville gab seltsame Geräusche von sich, die irgendwie nach Husten klangen.

Unauffällig warf Oliver einen Blick zu den drei Jägerinnen hinüber, die beisammen neben den Zwillingen saßen. Angelina war gefasst (wie immer), Alicia spielte nervös mit den Falten ihres Umhangs und Katies Augen glitzerten verdächtig.

Er war sich sicher, dass sie an ihren Bruder dachte und ertappte sich bei dem starken Wunsch, sie in den Arm nehmen zu wollen. Sie sah in jenem Moment so verletzlich aus, dass es ihm einen kleinen Stich versetzte. Es war ihm sogar egal, dass er einen solchen Gedanken eigentlich gar nicht hegen durfte.

Die Erwähnung von Voldemorts Namen hatte währenddessen das Interesse an Harry jedoch nur noch mehr angefacht.

„Nun … das ist jedenfalls der Plan", vollendete Hermine schließlich ihre Erklärung, nachdem sich die Aufregung einigermaßen gelegt hatte. „Wenn ihr mitmachen wollt, müssen wir entscheiden, wie wir –"

Sie wurde erneut unterbrochen, diesmal von dem Quidditchspieler aus Hufflepuff, der für Oliver schon im Unterricht recht arrogant gewirkt hatte.

„Wo ist denn der Beweis, dass Du-weißt-schon-wer zurück ist?", fragte er in ziemlich angriffslustigem Ton, und Oliver hätte ihn sicher für diese dumme Frage zurechtgewiesen – wenn er nicht unsichtbar unter einem Umhang gesessen hätte.

„Nun … Dumbledore glaubt es …"

„Du meinst, Dumbledore glaubt ihm", korrigierte der Hufflepuff und warf Harry einen abschätzenden Blick zu, dem dieser kühl begegnete.

„Wer bist du eigentlich?", brachte sich nun Ron ins Spiel, offenbar um Hermine den Rücken zu stärken.

„Zacharias Smith", antwortete der Junge gelassen, „und ich glaube, wir haben das Recht, genau zu erfahren, weshalb er behauptet, Du-weißt-schon-wer sei zurück!"

Dieser Smith war unausstehlich, soviel stand für Wood fest. Leider gab es immer wieder Zauberer und Hexen, die offenbar dem Tagespropheten mehr Glauben schenkten als Augenzeugenberichten. Was er selbst vom Propheten hielt – nun, das war eine andere Geschichte.

Hermine versuchte höchst alarmiert, die Situation abzuwenden. „Sieh mal, darum sollte es bei diesem Treffen überhaupt nicht gehen …"

Genau das aber, so überlegte Oliver, als er das erwartungsvolle Glitzern in vielen Augen sah, hatten die meisten wohl erwartet. Sie alle wollten die Geschichte aus erster Hand hören – nämlich von Harry persönlich. Welch eine Gelegenheit, die sich da geboten hatte! Hermine, die sonst immer alles mit einberechnete, schien dieses Detail übersehen zu haben.

„Ist schon gut, Hermine." Alle Köpfe wandten sich zu Harry um, der mit einem Mal gesprochen hatte, still und schweigsam, wie er da auf seinem Stuhl gesessen hatte. „Weshalb ich behaupte, Du-weißt-schon-wer sei zurück?"

Er blickte Zacharias Smith direkt in die Augen und der Rest der Schülerschar verfolgte dieses verbale Duell mit Spannung, denn auch sie würden nun die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit – erfahren.

„Ich habe ihn gesehen. Aber Dumbledore hat letztes Jahr der ganzen Schule erklärt, was passiert ist, und wenn du ihm nicht geglaubt hast, dann wirst du auch mir nicht glauben. Ich verschwende keinen Tag damit, irgendjemanden zu überzeugen!"

Das hatte gesessen. Alle hatten den Atem angehalten, und Oliver hatte das Gefühl, dass sogar die Gespräche an den Nachbartischen – sofern vorhanden – leiser geworden waren beziehungsweise ganz aufgehört hatten. Zacharias aber gab sich weiterhin abweisend.

„Dumbledore hat uns letztes Jahr nur gesagt, dass Cedric Diggory von Du-weißt-schon-wem ermordet wurde und dass du Diggorys Leiche nach Hogwarts zurückgebracht hast. Er hat uns keine Einzelheiten genannt, er hat uns nicht genau gesagt, wie Diggory ermordet wurde, und ich denke, wir alle würden gern wissen –"

Harry schien kurz davor zu sein, die Geduld zu verlieren und Oliver legte ihm beschwichtigend eine Hand auf den Oberarm (natürlich so, dass niemand es sehen konnte). Dennoch war Harrys Stimme hart, als er sprach.

„Wenn ihr hierher gekommen seid, um genau zu erfahren, wie es ist, wenn Voldemort jemanden ermordet, kann ich euch nicht helfen. Ich möchte nicht über Cedric Diggory reden, klar? Also, wenn ihr deshalb hier seid, dann verschwindet ihr am besten wieder."

Er warf einen wütenden Blick zu Hermine hinüber, die betreten auf ihrem Stuhl saß und eine solche Wendung des Gesprächs bestimmt nicht einkalkuliert hatte. Dennoch versuchte sie, mit hoher Stimme das Treffen irgendwie zu retten und nahm den Blick von Harry, der mittlerweile Zacharias mit einem undefinierbaren Ausdruck anstarrte.

„Also … wie ich schon sagte … wenn ihr lernen wollt, wie ihr euch verteidigen könnt, dann müssen wir besprechen, wie oft wir uns treffen, und wo wir –"

„Stimmt es, dass du einen Patronus zustande bringst?", unterbrach sie das Hufflepuff-Mädchen mit dem Zopf und blickte Harry freundlich an.

Dieser konnte nichts Falsches oder Abwertendes hinter dieser Frage erkennen, und so bejahte er, während rundum ein interessiertes Gemurmel ausbrach.

„Einen gestaltlichen Patronus?"

Wieder nickte er.

„Dann ist es wirklich wahr? Du erzeugst einen Hirsch als Patronus?"

„Ja."

„Ist ja irre, Harry!", rief Lee Jordan höchst beeindruckt aus. „Das hab ich gar nicht gewusst!"

Fred Weasley klärte ihn sofort über die Ursache dessen auf. „Mum hat Ron gesagt, er soll es nicht rumerzählen. Sie meinte, Harry bekäme ohnehin schon genug Aufmerksamkeit deswegen."

„Da hat sie nicht Unrecht", brummte Harry etwas besser gelaunt und ein paar Leute lachten.

Olivers Lippen teilte ebenfalls ein leichtes Lächeln und er ließ den Blick wie so oft in den letzten Minuten durch den Raum schweifen. Er blieb an der Hexe mit dem Schleier hängen, die unruhig auf ihrem Stuhl hin und her rutschte. Misstrauisch kniff Wood die Augen zusammen, um sie genauer zu beobachten, doch Details waren aufgrund des dämmrigen Lichtes selbst bei seinen scharfen Augen schier unmöglich. War sie womöglich eine Spionin Umbridges?

„Hast du einen Basilisken mit diesem Schwert aus Dumbledores Büro getötet?", wollte ein anderer Ravenclaw neugierig wissen. „Das hat mir eines von diesen Portraits erzählt, als ich letztes Jahr bei ihm war …"

„Ähm … ja, das hab ich", bekannte Harry, dem es sichtlich unangenehm war, all seine Heldentaten aufgelistet zu bekommen.

Justin Finch-Fletchley piff und die Creevey-Brüder, die ohnehin Harrys größte Fans zu sein schienen, tauschten ehrfurchtsvolle Blicke.

„Und im ersten Schuljahr", verkündete der rundgesichtige Neville stolz, „hat er den Stein der Meisen gerettet –"

„ – der Weisen!", zischte Hermine ungehalten.

„Ja genau … meine ich doch! Vor Ihr-wisst-schon-wem!"

„Und nicht zu vergessen", brachte sich auch die Sucherin der Ravenclaws ins Gespräch ein, „die ganzen Aufgaben, die er letztes Jahr beim Trimagischen Turnier lösen musste! An Drachen und Wassermenschen und dieser Acromantula vorbeikommen und so weiter …"

Oliver beobachtete amüsiert, wie Harry Cho mit einem seltsam glänzenden Blick in den Augen bedachte und fragte sich, ob sich zwischen den beiden wohl etwas anbahnte. Unbewusst huschten seine Augen zu Katie hinüber, die dem ganzen interessiert folgte. Von der Traurigkeit war nichts mehr zu sehen.

„Hört mal", ergriff schließlich wieder Harry das Wort. „Ich möchte nicht so klingen, als versuchte ich bescheiden zu sein oder so … aber ich hatte bei alldem eine Menge Hilfe …"

„Bei dem Drachen hattest du keine", widersprach Michael Corner sofort. „Da bist du wirklich ganz cool geflogen …"

„Ja schon …"

„Und diesen Sommer hat dir keine geholfen, die Dementoren zu verjagen", meinte Susan Bones aufmunternd und Oliver hatte das Gefühl, als nahm das Treffen eine ziemlich positive Wendung, was ihn sehr für Harry und seine Freunde freute, die mehr als glücklich aussahen.

„Okay", gab Harry schließlich zu, „ich weiß, manches habe ich ohne Hilfe geschafft, aber was ich eigentlich sagen will, ist –"

Wieder unterbrach ihn Smith. „Weichst du aus wie ein Wiesel, weil du uns nichts von den Sachen beibringen willst?"

„Wie wär's, wenn du endlich mal die Klappe hältst?", fuhr Ron dazwischen und funkelte den vorlauten Hufflepuff so zornig an, als wolle er ihn auf der Stelle schlagen.

Zacharias wurde rot. „Na ja, wir sind alle hier, damit wir was von ihm lernen, und jetzt erzählt er uns, dass er im Grunde nichts davon kann", meinte er kleinlaut.

„Das hat er nicht gesagt", fauchte Fred und George fügte hinzu: „Willst du vielleicht, dass wir dir mal die Ohren ausputzen?", und zog ein langes und lebensgefährlich aussehendes Metallinstrument aus der Tüte von Zonko's.

„Oder sonst was von dir, wir sind echt nicht zimperlich, wo wir das hinstecken", verstärkte Fred die Drohung noch, sichtlich ungehalten über die Frechheit, solche Unterstellungen zu wagen.

„Ja, schön", unterbrach Hermine sie hastig und warf einen eiligen Blick zur Uhr. „Wir müssen weitermachen. Die Frage ist: Sind wir uns einig, dass wir bei Harry Unterricht nehmen?"

Zu Olivers und wahrscheinlich auch Harrys Erleichterung folgte allgemein zustimmendes Gemurmel. Einzig und allein Zacharias Smith blieb stumm, was aber vermutlich daran lag, dass das Metallding in Freds Hand immer noch seine Aufmerksamkeit verlangte.

„Gut", sagte Hermine und sie sah aus, als wäre ihr ein Stein vom Herzen gefallen. „Nun, dann ist die nächste Frage, wie oft wir uns treffen. Ehrlich gesagt hat weniger als einmal die Woche keinen Sinn …"

„Wart mal", ergriff plötzlich Angelina das Wort. „Wir müssen aufpassen, dass wir unserem Quidditchtraining nicht in die Quere kommen …"

Gut mitgedacht, Angelina …

„Ja", schloss sich Cho an. „Unserem auch nicht."

„Auch nicht unserem", fiel Zacharias Smith mit ein.

„Ich bin sicher, wir finden einen Abend, an dem alle können", versicherte Hermine ihnen etwas ungeduldig. „Aber versteht ihr, das ist ziemlich wichtig. Immerhin geht es darum, dass wir uns gegen Voldemorts Todesser zu verteidigen lernen …"

„Gut gesagt!", stimmte ihr Ernie Macmillian, ein Junge, der Oliver ein wenig an Percy Weasley erinnerte, zu. „Ich persönlich halte das für äußerst wichtig, vielleicht noch wichtiger als alles andere, was wir dieses Jahr tun, einschließlich der ZAG-Prüfungen." Mit einem herausfordernden Blick in die Runde fuhr er fort. „Ich persönlich begreife einfach nicht, warum uns das Ministerium in dieser schwierigen Zeit eine so unbrauchbare Lehrerin vorsetzt. Offensichtlich wollen sie nicht wahrhaben, dass Ihr-wisst-schon-wer zurück ist! Mich wundert ohnehin, dass sie Dumbledore die Einführung der neuen Fächer haben durchgehen lassen. Das nenne ich richtigen Einsatz, um uns auf die Bedrohung vorzubereiten! Fähige Lehrer, sinnvoller Unterricht – aber uns eine Lehrerin zu schicken, die uns im Ernst daran hindern will, defensive Zauber einzusetzen …"

Oliver unter seinem Umhang verspürte einen Hauch von Stolz, als er Ernie so über seinen Unterricht reden hörte und war erleichtert, dass seine Methoden offenbar Anklang fanden (und nicht missmutige Trainingsverweigerungen wie noch vor ein paar Jahren).

„Wir glauben, der Grund, warum Umbridge nicht will, dass wir in Verteidigung gegen die dunklen Künste ausgebildet werden ist der, dass sie irgendeine Wahnidee hat, dass Dumbledore seine Schüler zu einer Art Privatarmee aufstellen könnte. Sie denkt, er würde uns gegen das Ministerium ins Feld führen!", erklärte Hermine ernst.

Diese Aussage schien fast alle zu verblüffen, sogar Wood hatte keine Ahnung davon gehabt, dass das der heimliche Grund für Umbridges Anti-Zauberstab-Unterricht war. Luna Lovegood allerdings schien überhaupt nicht beeindruckt.

„Ja, das passt zusammen. Schließlich hat auch Cornelius Fudge seine Privatarmee."

„Was?", kam es von einem völlig verdutzten Harry und die Blicke der gesamten Gruppe lagen auf der jungen Ravenclaw, die völlig verträumt irgendwo ins Leere starrte.

„Ja, er hat eine Armee aus Heliopathen."

„Nein, hat er nicht", zischte Hermine ungehalten.

„Doch, hat er."

„Was sind Heliopathen?", beendete der ahnungslose Neville die Diskussion und erlangte so die Aufmerksamkeit Lunas.

„Das sind Feuergeister", erklärte sie und bekam dabei so große Glubschaugen, dass Oliver fürchtete, sie würden demnächst herausfallen. „Riesig große Flammenwesen, die über das Land galoppieren und alles niederbrennen, was ihnen –"

„Es gibt sie nicht, Neville", fuhr Hermine mit schneidendem Ton dazwischen.

„O doch, es gibt sie!" Luna wurde langsam aber sicher wirklich zornig, was bei ihr ziemlich seltsam wirkte.

„Tut mir Leid, aber wo ist der Beweis dafür?", fauchte Hermine.

„Es gibt genug Augenzeugenberichte. Nur weil du so engstirnig bist und man dir alles unter die Nase halten muss, bevor du –"

Ein leises, einschneidendes chrm chrm ließ sie alle plötzlich herumfahren und ein eiskaltes Gefühl breitete sich in Olivers Brust aus – bis er und die anderen bemerkten, dass es bloß Ginny Weasley gewesen war, die Professor Umbridge ziemlich realgetreu nachgeahmt hatte. Erleichtertes Gelächter erfüllte den Schankraum und Ginny brachte vor, weswegen sie das Ende der Diskussion zwischen Hermine und Luna herbeigeführt hatte. „Wollten wir nicht gerade beschließen, wie oft wir uns zum Verteidigungsunterricht treffen?"

„Ja", bestätigte Hermine rasch, offensichtlich froh, der Diskussion mit Luna entkommen zu sein. „Allerdings, Ginny …"

„Nun, einmal die Woche klingt gut …", überlegte Lee Jordan.

„Solange …"begann Angelina, doch Hermine schnitt ihr das Wort ab. „Ja, ich weiß, solange das mit Quidditch klargeht. „Nun, was wir noch entscheiden müssen, ist, wo wir uns treffen."

Diese Frage gestaltete sich schon etwas schwieriger zu beantworten, und selbst Wood, der im Schnelldurchlauf alle möglichen Räumlichkeiten der Schule durchdachte, kam zu keiner Lösung.

„In der Bibliothek?", schlug Katie schließlich vor, klang aber dabei nicht wirklich überzeugt von ihrem Vorschlag.

„Ich glaube kaum, dass Madam Pince erfreut sein wird, wenn wir Flüche in ihrer Bibliothek ausprobieren", meinte Harry nachdenklich.

„In einem unbenutzten Klassenzimmer?", kam es von Dean Thomas.

„Ja", schloss sich Ron dem an. „Vielleicht überlässt uns McGonagall ihres, das hat sie doch auch getan, als Harry für das Trimagische geübt hat!"

„Warte mal, ich bin mir sicher, dass sie dieses Mal nicht so zuvorkommend sein wird", entgegnete Harry. „Hermine hat zwar gesagt, dass Studiergruppen nicht verboten sind, aber ich habe so das Gefühl, dass das hier als ein wenig aufrührerisch gelten könnte. Da wird McGonagall nicht mitspielen."

Dasselbe hatte auch Wood bei Rons Vorschlag gedacht und fand sich nun in Harrys Antwort bestätigt.

Niemand sonst schien irgendeinen Raumvorschlag aufbringen zu können. Hermine seufzte. „Nun gut, wir werden versuchen, was zu finden. Sobald wir ein Datum und einen Ort für das erste Treffen haben, lassen wir eine Nachricht an alle rumgehen."

Sie stöberte in ihrer Tasche und zog Pergament und Feder heraus, dann zögerte sie kurz, als ob sie sich das, was sie sagen wollte, noch einmal überlegen müsste.

„Ich … ich finde, ihr solltet alle eure Namen aufschreiben, nur damit wir wissen, wer da war. Und ich denke auch", sie holte tief Luft, „dass wir uns einig sein sollten, dass wir nicht groß rumposaunen, was wir tun. Wenn ihr also unterschreibt, erklärt ihr euch einverstanden, weder Umbridge noch sonst jemandem zu sagen, was wir vorhaben."

Fred war der erste, der mutig nach dem Pergament griff und seinen Namen darauf setzte, doch Oliver fiel auf, dass einige Leute nun, da sie ihren Namen in die Liste eintragen sollten, nicht wirklich glücklich aussahen.

Zacharias Smith dachte gar nicht daran, das Pergament anzunehmen, als George es ihm mit eindringlichem Blick hinhielt. „Ähm … nun, Ernie wird es mir schon sagen, wenn ein Treffen stattfindet."

Doch auch Ernie widerstrebte es sichtlich, auf der Liste zu unterschreiben, was Hermine mit hochgezogenen Augenbrauen bemerkte.

„Ich ... nun, wir sind Vertrauensschüler", platzte er schließlich mit dem Grund für sein Zögern heraus. „Und wenn jemand diese Liste findet … also, ich wollte sagen … du hast es selbst gesagt, wenn Umbridge das rauskriegt …"

Was für ein Feigling …

„Eben hast du noch verkündet, die Gruppe sei für dich das Wichtigste in diesem Jahr", erinnerte ihn Harry mit finsterem Blick und Ernie wurde nervös.

„Ich – ja, das ist es auch, nur –"

„Ernie, glaubst du wirklich, dass ich diese Liste einfach rumliegen lasse?" Hermine wurde langsam aber sicher gereizt, was nie Gutes bedeutete. Derselbe Gedanke schien auch Ernie gekommen zu sein, denn er ließ sich mit etwas weniger besorgter Miene nicht mehr bitten und setzte beherzt seinen Namen auf das Pergament.

Danach hatte niemand mehr Einwände aufzubringen und die Liste füllte sich, selbst Zacharias Smith unterschrieb freiwillig. Während alle fünfundzwanzig Schüler ihren Namen auf die Liste schrieben, fühlte Wood sich erneut hin und hergerissen zwischen Vernunft und Risiko.

Was, wenn er ebenfalls der Gruppe beitrat und seinen Namen auf die Liste setzte? Er selbst glaubte zwar nicht wirklich daran, dass Hermine die Liste verlor oder jemand anderes sie in die Hände bekam, doch ein flaues Gefühl in seinem Magen sagte ihm, dass das Böse niemals schlief. Sollte er den doch sehr riskanten Schritt wagen? Was, wenn jemand die Liste in die Hände bekam und seinen Namen darauf las? Jemand, der damit schneller zu Umbridge lief, als er Quidditch sagen konnte?

Nachdenklich sah er hinüber zur Schlange vor der Liste, wo Katie gerade frohgemut ihren Namen aufs Pergament schrieb, gefolgt von Angelina und Alicia, die allesamt keine Zweifel an diesem Unternehmen zu haben schienen, geschweige denn die Befürchtung, erwischt zu werden. Der Wunsch nach ordentlicher Ausbildung schien bei ihnen allen sehr stark vorhanden zu sein.

Wenn er es recht bedachte, hatte er selbst eine einigermaßen regelmäßige Ausbildung in der Verteidigung gegen die dunklen Künste genossen (auch wenn Quirrell und Lockhart nicht wirklich der Rede wert gewesen waren). Immerhin hatte er seinen Abschluss bei Lupin gemacht, einem wie er fand überaus fähigen Lehrer. Dieser hatte ihm noch viele Dinge beigebracht, doch manches von dem, was Harry zu zaubern imstande war (ein Patronus zum Beispiel) brachte auch er nach sieben Schuljahren nicht zustande.

Interessant wäre es schon, gib es doch zu …

Mittlerweile war der junge Schotte so in Gedanken vertieft, dass er nicht bemerkte, wie die Schüler schnatternd aufstanden und in kleinen Gruppen den Eberkopf verließen. Die Zwillinge und Lee, die – wie sie sagten – noch einige Waren heikler Natur erwerben wollten, verabschiedeten sich ebenfalls, und Fred zwinkerte Harry kurz zu, bevor auch sie nach draußen verschwanden.

Noch bevor sich die Tür wieder geschlossen hatte, hatte Oliver seine Entscheidung getroffen.

Ruhe war im Schankraum eingekehrt; der griesgrämige Wirt, der heute wohl das Geschäft seines Lebens gemacht hatte, stand stumm wie ein Fisch hinter dem Tresen und versuchte, einige Gläser mit einem schmutztriefenden Lappen zu säubern (was ihm natürlich nicht gelang). Der Mann mit dem komplett einbandagierten Gesicht kippte sein letztes Glas hinunter und wankte dann schließlich zur Tür hinaus, wobei er fast gegen den Türpfosten knallte.

Ron unterdrückte ein leises Kichern und wandte sich mit seiner Flasche Butterbier wieder den anderen zu.

„Wenn ihr mich fragt, sollte sich der Typ zwei Löcher in seine Bandagen schneiden", gluckste er. „Bevor er noch über eine Klippe fällt …"

„Dass du dir über so etwas auch noch Gedanken machst", murmelte Hermine ungläubig und wollte gerade die Liste sorgfältig in ihrer Tasche verstauen, als ein geflüstertes „Warte!" sie aufhielt.

Irritiert hielt sie inne und sah zu Olivers Stuhl hinüber, und auch Harry und Ron horchten auf.

Wood rückte näher an die drei heran, befreite seine Hand vom Tarnumhang und nahm Hermine das Blatt Pergament aus der Hand. Für sie und ihre Freunde sah es ziemlich befremdlich aus, wie da eine einzelne Hand durch die sonst leere Luft tanzte und ihrem unsichtbaren Besitzer das Blatt vor Augen hielt.

Fein säuberlich hatten alle Anwesenden untereinander unterschrieben; Oliver erkannte Freds und Georges fast identisches Gekrakel, Angelinas kleine Handschrift und Katies schöne, geschwungene Schrift.

„Gibst du mir die Feder?", bat er Harry neben ihm im Flüsterton, worauf dieser verwundert die Augenbrauen hob. „Wozu? Willst du etwa –"

„Glaubst du, ich bin gekommen, weil mir langweilig war, oder was?", raunte Wood zurück und Ron fiel beinahe die Flasche Butterbier aus der Hand.

„Du willst auch mitmachen?", hakte er nach und Oliver nickte, bevor ihm klar wurde, dass Ron es ja nicht sehen konnte. Unter seinem Umhang hervorzukommen getraute sich der junge Professor trotzdem nicht, zu sehr hielt ihn die beständige Anwesenheit der Hexe mit dem Schleier davon ab.

„Ich weiß, dass ich es nicht sollte. Und bevor du mir mit meinen Pflichten und den Schulregeln kommst, Hermine", Hermine, die bereits zum Sprechen angesetzt hatte, wurde rot und sah betreten zu Boden, „sollt ihr wissen, dass ich derselben Ansicht wie Ernie Macmillian eben bin. Er hat sehr weise gesprochen. Es ist traurig, dass diese Gruppe der einzige Weg zu sein scheint, wie man sich gegen den Dunklen Lord wappnen kann – und damit meine ich die unglaubliche Ignoranz des Ministeriums und dieses unfähigen Mannes, der sich unser Minister schimpft."

Er schnaubte verächtlich, und die drei Fünftklässler blickten sich erstaunt an. Dass so etwas von Olivers Seite kommen würde, hatten sie nicht gedacht. Selbst Fred hatte Harry erzählt, dass der ehemalige Kapitän sehr zögerlich gewesen war und nur dem zugestimmt hatte, sich die Sache anzusehen.

„Und deshalb", schloss Wood einige Momente später leise, „bin ich sicher dabei, wenn es darum geht, vielleicht jemand anderem etwas von meinem Wissen beizubringen und selbst dazuzulernen. Vor allem, wenn es dabei dem Wohl der Schüler dient. Ich hab immerhin ja auch meinen anderen Job dafür aufgegeben."

„Du hast Recht", mutmaßte Hermine, die sich wieder gefasst hatte und die Vorstellung, dass ein Lehrer – auch wenn er noch so gut mit ihnen befreundet sein mochte – die Regeln nach Strich und Faden brach, verdaut hatte. „Immerhin bist du der einzige von uns, der schon seinen Abschluss gemacht hat und da draußen viel rumgekommen ist."

„Ich kann auch einige Sachen von dir lernen", fügte Harry mit einem Hauch Dankbarkeit in der Stimme hinzu und erleichterte Stimmung machte sich breit.

Ron hatte bereits eifrig nach der Feder gekramt, mit der auch alle anderen unterschrieben hatten und reichte sie Wood, dessen Herz wieder schneller pochte.

Du tust das Richtige …

Ohne wirklich zu zögern setzte er die Spitze der Feder an und setzte seinen Namen unter den von Zacharias Smith. Es war getan – er war jetzt Teil dieser Gruppe, die es wagte, sich dem ungläubigen Ministerium zu widersetzen. Ein eigenartiges, aber gutes Gefühl.

Zufrieden nahm Hermine die Liste wieder an sich, holte ihren Zauberstab hervor, tippte ein paar Mal gegen das Blatt und murmelte unverständliche Worte. Sie schien genau zu wissen, was sie tat, denn das Pergament erstrahlte kurz in schwachem Lichtschein und verblasste dann wieder.

„Was hast du getan, Hermine?", wollte Harry wissen, während Wood seine Hand wieder unter den Umhang zog.

„Ich habe die Liste verhext", erwiderte die junge Gryffindor mit selbstzufriedenem Lächeln. „Jetzt würde ich es niemandem mehr raten, zu Umbridge zu gehen und ihr zu petzen, was wir vorhaben. Wir wüssten dann nämlich genau, wer es war – und derjenige würde es wirklich, wirklich bedauern. Sagen wir es mal so … die Pickel von Eloise Midgen würden aussehen wie ein paar harmlose Sommersprossen."

„Wie –", setzte Ron an, doch Hermine winkte ab. „Sei kurz still, ich muss mir für Oliver etwas überlegen …"

„Wieso für mich?", kam es verwundert aus dem Nichts.

„Nur für den Fall der Fälle", meinte Hermine, der ein guter Gedanke gekommen zu sein schien. Wieder tippte sie mit dem Zauberstab gegen das Pergament, dieses Mal genau auf Woods Unterschrift, und murmelte ein kurzes Wort. Die Buchstaben leuchteten für den Bruchteil einer Sekunde glührot auf und nahmen dann wieder ihre ursprüngliche, schwarze Farbe an.

„Ich habe deine Unterschrift jetzt so verhext, dass sie nur von uns dreien gesehen werden kann, und von dir, dem Urheber, natürlich", erklärte Hermine mit schlauem Blick, rollte die Liste zusammen und steckte sie vorsichtig in die Tasche. „Sollte Umbridge sie jemals in ihre fetten, kleinen Wurstfinger bekommen, so wird sie deinen Namen darauf nicht entdecken."

„Wieso hast du das nicht mit allen Namen gemacht?"

„Weil du ein heikler Fall bist, Wood. Ich würde wetten, Fudge und Umbridge wären fies genug, dir deswegen einen Prozess anzuhängen, wenn sie erführen, dass du bei einer aufrührerischen Schülergruppe mitgemischt hast. Du bist immerhin volljährig, kein Schüler mehr und voll zurechnungsfähig – ach ja, und zu allem Überfluss bist du auch noch Lehrer. Bei uns allen ist es egal, mehr als von der Schule fliegen können wir nicht. Wir sind immerhin noch nicht erwachsen im Sinne des Gesetzes. Und ein komplizierter Zauber ist es außerdem."

Harry und Ron folgten Hermines Worten mit großen Augen, und sogar Oliver war überrascht, so etwas aus Hermine Grangers Mund zu hören.

„Du bist eine geniale Hexe, weißt du das?", brachte er schließlich hervor; etwas, was er schon einst während eines ziemlich regnerischen Quidditchspieles zum Ausdruck gebracht hatte, und wie damals errötete Hermine. „Ach, lass mal …"

Die vier erhoben sich, nickten dem Wirt noch einmal zu, der davon nicht die geringste Notiz nahm, und verließen den stickigen Pub. Frische Luft schlug ihnen entgegen und begierig sogen sie sie in vollen Zügen ein.

„Ich denke, ich könnte eine neue Feder gebrauchen", meinte Hermine schließlich beflissen, als sie im hellen Sonnenlicht standen und Wood mit einem Blick auf seine Uhr feststellte, dass es fast zwölf Uhr war. Adrien, an den er bis zu diesem Moment nicht mehr gedacht hatte, tauchte wieder in seinen Gedanken auf, und ein flaues Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. Ob er wohl schon im Dorf war?

„Wir sehen uns, Oliver", verabschiedete sich Harry schließlich von seinem unsichtbaren Freund und zwinkerte. Er schien genau zu wissen, was in dem ehemaligen Kapitän in diesem Moment vorging. „Wirst schon sehen, alles wird gut. Okay?"

„Okay", kam es mit belegter Stimme unter dem Umhang hervor und Harry nickte. „So will ich das hören. Also, man sieht sich. Und danke, dass du gekommen bist!"

Schnell beeilte er sich, zu den anderen beiden aufzuschließen; und Oliver huschte rasch hinter den Pub, um nach sorgfältigen Kontrollblicken in alle Richtungen den Umhang abzustreifen. Sein Körper wurde wieder sichtbar, und er streckte und dehnte sich, bevor er den Tarnumhang zusammenfaltete und vorsichtig in die Innentasche seines Umhangs schob. Es war doch etwas anderes, sich wieder freier bewegen zu können.

Raschen Schrittes verließ Wood schließlich die kleine Seitenstraße und gelangte zurück auf die belebtere Hauptstraße, auf der sich nun wesentlich mehr Schüler tummelten als noch am Vormittag. Die Drei Besen kamen langsam in Sicht, doch Adrien war nicht zu sehen, so genau Oliver auch die Umgebung absuchte.

Irgendwo schlug eine hell klingende Glocke zwölf, gerade als Oliver die Eingangstür des Wirtshauses erreichte und unschlüssig davor stehenblieb. Nervös schabte er mit dem Schuh auf dem lehmigen Boden herum und biss sich auf die Unterlippe.

Insgeheim befürchtete er, Adrien würde es nicht schaffen, zu kommen – würde ihm nicht unter die Augen treten können. Diesen Gedanken verwarf er jedoch schnell wieder, wusste er doch, dass auch sein bester Freund den Bedarf hatte, zu reden.

So wartete er und behielt die Straße vor ihm genau im Blick, versuchte Adrien in der Menge zu erkennen, doch er war weit und breit nirgends zu sehen.

Gerade überlegte er, in die warme Stube hineinzugehen und dort auf seinen Freund zu warten, als ihn plötzlich das Gefühl überkam, dass jemand hinter ihm stand und ihn beobachtete. Diesem Gefühl folgte ein leises Räuspern – ein Räuspern, dass er nur zu gut von Pressekonferenzen und sonstigen offiziellen Anlässen her kannte.

Mit angehaltenem Atem und schnell pochendem Herzen wandte Oliver sich langsam um.

Anm. der Autorin: Aus Maus huiiiii nicht verzagen, der zweite Teil folgt sobald … ich hoffe, ich konnte das mit dem ersten Treffen der DA etwas realistisch gestalten und ihr tut mich nicht als gnadenlose Abschreiberin vom 5. Band ab Aber ein bisschen muss ich mich ja auch an die Vorlage halten ;)

reviews-schild hochhalt das alles sagt

Eure Caly