15.1.Fehler eingestehen

Anm. der Autorin: So, nachdem es nach Abistress und Ballsorgen ein wenig gedauert hat hier, kommt ein neues Kapitelchen, bzw. wieder mal ein kleines Unterkap, das dieses Mal wirklich nicht lange ist und nur dazu dient, dass Oliver endlich mit Angelina reden und diese ihm gehörig den Kopf waschen kann ;) Gut so, denn so kommt Wood letztendlich zu einer folgenreichen Erkenntnis …

Dieses Kapitel widme ich hiermit einer guten Freundin, die sich mit dem Songtext unten sehr gut identifizieren kann ; ) Außerdem möchte ich mich bei Psaum für die lieben Neujahrswünsche bedanken und sie retournieren! Thanks, dass du jedes Kapitel reviewst und das wirklich toll und konstruktiv!

Viel Spaß!

Eure Caly

I was mistaken, so who where you?

I thought I knew you?

I guess I was mistaken

But I only wanted you …

~ Save Ferris – Mistaken ~

Das Wetter über den Ländereien von Hogwarts war kühl und windig – wie schon so oft in den letzten Tagen. Die mächtigen Wipfel der Bäume des Verbotenen Waldes bogen sich ächzend und das Rauschen der Blätter war bis ins Quidditchstadion zu hören, wo Oliver gerade Angelinas Jahrgang durch die Lüfte jagte.

Nachdem Fred und George Weasley besonders übermütig gewesen waren, hatte Wood die ganze Klasse ohne Erbarmen zu einer Art Zirkeltraining in der Luft verdonnert, das aus schwebenden Hindernissen und – ganz besonders vielen – Puppen bestand. Die Schüler schnauften, ihre erhitzten Gesichter leuchteten rot, denn einfach war dieser Zirkel bestimmt nicht. Dann und wann streifte ein zorniger Blick aus der Klasse die Zwillinge, die nun sichtlich kleinlaut geworden waren und, genauso wie Angelina und Alicia, nicht verstehen konnten, wieso mit Oliver scheinbar wieder sein alter Kapitänsgeist durchgegangen war.

Tatsächlich war Oliver an diesem Nachmittag ziemlich gereizt, was sich ganz schlicht und einfach mit der Tatsache begründen ließ, dass er wieder einmal schlecht geschlafen und Umbridge ihn gestern noch bis an seine Grenzen der Selbstbeherrschung genervt hatte. Länger als ein paar Minuten mit dieser Frau zu verbringen war unerträglich, und doch hatte sie ihn fast eine Stunde lang nicht gehen lassen. Immer wieder waren ihr neue Fragen eingefallen, und als Oliver schließlich – wie sollte es anders sein: genervt und stocksauer – die Tür seines Zimmers zugeknallt hatte, wollte er einfach nur seine Ruhe haben.

Umbridges „Anstandsbesuch", wie man es harmlos nennen konnte, das verpasste und doch so dringend benötigte Gespräch mit Angelina und die kurze Zeit mit Katie aber hielten ihn noch lange wach, begleitet von fieberhaften Überlegungen, wie er sich Angelina am besten erklären konnte. Als ihm lange keine Antwort darauf eingefallen war und sein Herz mit jedem Gedanken an Katie Bell seine Brust sprengen zu wollen schien, hatte er schließlich aufgegeben und war in einen traumlosen Schlaf hinübergeglitten.

Nun stand er auf dem Quidditchfeld, ein grimmiger Ausdruck lag in seinen Augen und er beobachtete mit genauen Blicken die Klasse bei ihrem Zirkeltraining. Sein aufgewühlter Geist wurde etwas besänftigt, als er Angelina mit Bravour ihre zehnte Runde fliegen sah und seine schlechte Laune wich derselben Erleichterung, die er noch in sich getragen hatte, bevor Umbridge ihn aufgehalten hatte.

Nach der Stunde würde er endlich mit seiner besten Freundin reden können … seltsam … der Gedanke an den Verlauf des Gesprächs machte ihn ziemlich nervös, und er wagte sich nicht auszumalen, welche „Komplimente" Angelina für ihn bereit haben würde.

Vom Schloss wehte endlich Glockengeläut herüber und Oliver rief die Klasse zu sich herunter. Mit einem Schlenker seines Zauberstabs beförderte er Hindernisse und Puppen zurück in den Schuppen und blickte sich dann verstohlen nach Angelina um, die gerade mit Alicia gelandet war, ihr etwas zuflüsterte und dann ebenfalls ziemlich unschlüssig stehenblieb und so tat, als suche sie etwas in ihren Umhangtaschen. Alicia, die wohl verstanden zu haben schien, machte sich mit den noch immer grübelnden Zwillingen und dem Rest der Klasse auf den Weg zurück zum Schloss.

Angelina blickte auf, und als sie sich vergewissert hatte, dass niemand ihrer Klassenkameraden mehr im Stadion war, nickte sie mit dem Kopf leicht in Richtung Kapitänsbüro. Oliver stimmte zu und die beiden durchquerten das nun menschenleere Stadion.

„Wo hast du gestern gesteckt?", murmelte die Kapitänin leise und beäugte misstrauisch die Umgebung.

„Umbridge hat mich aufgehalten", erwiderte Oliver ebenso leise. „Als hätte die alte Kröte gewusst, dass ich mich mit jemandem treffen wollte. Langsam wird das echt bedenklich."

„Ich hab's doch gewusst", war Angelinas einziger abschätziger Kommentar zu seiner Erklärung. Sie hatten das Kapitänsbüro erreicht und verschwanden darin; bevor sie jedoch die Tür schloss, vergewisserte sich die Gryffindor erneut, dass ihnen niemand gefolgt war.

„Also … was ist los, Oliver?", begann sie schließlich unverblümt und ließ sich ihrem besten Freund gegenüber in ihren Schreibtischstuhl fallen. Sie versuchte, seinen Blick einzufangen, doch es war unmöglich. Er blickte sichtlich nachdenklich zu Boden, seine Finger trommelten auf die Schreibtischplatte, auf der er sich abgestützt hatte. „Worüber willst du so dringend reden?"

Oliver seufzte und versuchte, etwas zu sagen, brachte jedoch kein Wort heraus. Er wusste, was er Angelina fragen wollte … musste, um seinem Herzen wieder Ruhe zu geben. Es gab kein Zurück, er musste es wagen – egal, mit welcher Reaktion seine beste Freundin dann aufwarten würde.

„Hey, du brauchst keine Angst vor mir zu haben!", neckte ihn diese, als er noch immer nichts sagte und stützte das Kinn auf ihre gefalteten Hände. „Weder beiße ich, noch werde ich dich auslachen oder dir den Kopf abreißen."

„Ich befürchte, Letzteres ist gar nicht so abwegig."

Angelina stutzte, fing sich jedoch wieder und schenkte Oliver ein aufmunterndes Lächeln. „Los, komm! Erzähl's mir. Sonst kannst du wieder nächtelang nicht schlafen, ich kenn dich doch!"

Es schien, als suche Oliver fieberhaft nach Worten. „Nun ja … ich … wollte eigentlich nur …"

„Ja?"

„Nun … sag mal … geht Katie eigentlich mit jemandem aus?"

Mit einem Mal hatte sich Angelina gerade in ihrem Stuhl aufgerichtet, die Augen weit aufgerissen und starrte Oliver mit höchst verwundertem Blick an.

Was?"

Wurde Wood wirklich gerade rot? Lief die Welt plötzlich verkehrt? Angelina war unfähig, diesen Gedanken auch nur eine Silbe weiterzuspinnen, zu sehr war sie von Olivers Worten – ja, sie war wie vom Donner gerührt.

Oliver senkte den Blick erneut und schien plötzlich seine Schuhspitzen sehr interessant zu finden. Seine darauffolgenden Worte waren so leise, dass Angelina sie fast nicht verstehen konnte.

„Ich hab doch bloß gefragt, ob Katie … ob sie … ob sie mit jemandem ausgeht. Was ist schon dabei?"

„Was schon dabei ist?" Angelina klang leicht schockiert, doch ihre Lippen umspielte ein wissendes Lächeln. „Das verrate ich dir gleich, aber erst werde ich dich beruhigen, sonst bringen dich deine Gedanken noch um viele weitere Nächte Schlaf. Sie geht mit niemandem."

Etwas in Olivers Innerem entspannte sich bei diesen Worten und das leicht stechende Gefühl in seiner Magengegend verschwand augenblicklich. Mittlerweile verleugnete er sich selbst gegenüber schon nicht mehr, dass ihn diese Nachricht ganz und gar nicht kalt ließ.

Seine Erleichterung musste ihm ziemlich anzusehen sein, denn Angelina hob amüsiert eine Augenbraue und bedachte ihren Freund mit einem belustigten Blick. „Na, geht's dir jetzt besser? Alle Sorgen aus dem Weg geräumt?"

„Wa- wie kommst du darauf? Das waren keine Sorgen, ich … ich-"

„Erzähl das mal ruhig deiner Großmutter, mein Lieber", schnitt ihm die Kapitänin das Wort ab und verschränkte die Arme vor der Brust. „Die wird es dir genauso wenig glauben. Hör mal, Oliver: Wie könnte Katie mit jemand anderem ausgehen? Du weißt, wie es um sie steht. Ich hoffe, du hast das nicht vergessen." Ihre Stimme wurde ernst und ihre Augen musterten ihr Gegenüber genau. Wood bemerkte, dass sie plötzlich nicht mehr lächelte und ihr Blick eindeutig zu sagen schien ‚Erinnere dich an das, was damals passiert ist und was du gesagt hast …'

„Wie könnte ich das vergessen, Angelina", murmelte Oliver unbehaglich und rutschte auf seinem Stuhl hin und her. All das, was er sich an Worten zurechtgelegt hatte, war mit einem Mal aus seinen Gedanken verschwunden. „Ich wollte ohnehin mit dir darüber sprechen … über …", er räusperte sich und warf Angelina einen beinahe schon ängstlichen Blick zu, „… über damals."

„Ha!", entfuhr es der Kapitänin leise und es hörte sich verdächtig nach Ich hab's doch gewusst! an, doch sie hielt sich zurück und beschloss, erst zu hören, was Oliver zu sagen hatte. In ihren Augen war es zu eindeutig, das Oliver eines ebenfalls nicht vergessen hatte, seit er die Schule verlassen hatte – nämlich seine Gefühle für Katie. Ob sich ihre Vermutung endgültig bestätigte, würde sie in wenigen Sekunden erfahren, dessen war sie sich sicher. Genauso sicher war sie sich allerdings, dass sie mit ihm, sollte er nun wirklich eine Art Reue zeigen, ein ernstes Wörtchen reden musste.

„Weißt du, ich … Am Beginn dieses Schuljahres hatte ich … hatte ich einen Traum", begann Oliver schließlich zögernd. „Ich weiß, wie bescheuert sich das anhört, aber … ich erinnerte mich an damals, als ich das Schreiben von Puddlemere bekam. Als ich dich fragte, was mit Katie los wäre. .." Er schluckte und wagte es kaum, weiterzusprechen – Angelinas Gesichtsausdruck war so undefinierbar geworden, dass er nicht erahnen konnte, ob sie ihn ihm nächsten Moment umbringen würde oder nicht. „Auf alle Fälle habe ich dann darüber nachgedacht, was damals geschehen ist … was ich gesagt habe… und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr ist mir letztendlich klar geworden, dass …", seine Stimme wurde leiser, sein Herz klopfte ihm bis zum Hals, „… dass ich ziemlich Mist gebaut hab."

Er verstummte und versuchte, sein rasendes Herz zu beruhigen. Es war, als breite sich die Erleichterung erneut in ihm aus wie das Blut in seinen Adern – endlich war er es losgeworden, und endlich – so bemerkte er mit einem seltsam prickelnden Gefühl im Bauch – hatte er seinen Fehler von damals eingestanden; erkannt, dass die Realität bei Weitem anders aussah.

Angelinas Reaktion allerdings war genau so, wie er sie vorausgesagt – oder vielmehr befürchtet hatte.

„Oliver? Wiederhol das!" Sie klang ziemlich aufgebracht. Nicht gut. Er hätte es wissen müssen. Schon damals hatte sich die Gryffindor sehr für Katies Gefühle eingesetzt, hatte sie unterstützt und war ihr immer eine gute Freundin gewesen. Kein Wunder, dass sie seine Worte nun leicht – wie sollte er sagen – aus der Fassung brachten.

„Angelina, es tut mir Leid, ich –"

Es tut dir Leid?" Angelinas Augen funkelten gefährlich. „Was genau davon tut dir Leid, Oliver?"

„Komm schon, Angelina!"

„Nein, ich mein's ernst, Oliver", unterbrach ihn die Kapitänin mit leiser Stimme und fixierte ihn mit ihrem Blick. Es fiel ihr schwer, seine plötzliche Sinneswandlung zu begreifen. „Sag mir eines. Tut es dir Leid, dass du Katie einfach so im Unwissen gelassen hast? Oder tut es dir Leid, dass du erst jetzt den Mut dazu gefunden hast, den Fehler einzugestehen?"

Oliver schwieg und nagte an seiner Unterlippe. Er konnte verstehen, dass Angelina nicht gerade erfreut darüber war, und wenn er es recht bedachte, mutete dies alles nun wirklich ein wenig seltsam an. Erst verleugnete er seine Gefühle für Katie und sorgte dafür, dass sie nichts davon erfuhr und dann machte er seine Aussage wieder rückgängig? Er besaß offensichtlich wirklich die Gefühlswelt eines Teelöffels.

Angelina währenddessen hatte seine Antwort gar nicht erst abgewartet, aufgebracht begann sie ihm einen Vortrag zu halten – nämlich über alles, was er damals in ihren Augen falsch gemacht hatte. Ihre Ruhe und Ausgeglichenheit schien sich in diesem Moment mehr als gut versteckt zu haben.

„Weißt du Oliver, ich verstehe das nicht! Ihr Männer müsst das immer alle so kompliziert machen. Ihr steht nie zu dem, was ihr wirklich fühlt, und kaum erlebt ihr eine Situation, in der ihr es euch doch mal anders überkommt, als ihr es geplant hattet, macht ihr einfach alles Gesagte und Getane rückgängig! Ist dir eigentlich klar, was Katie für dich empfunden hat?"

„Empfunden hat?"

Unwillig winkte Angelina ab. „Noch immer empfindet, wie auch immer! Es ändert nichts an der Tatsache, dass du damals nach diesem Training –"

„Und nachdem du dich verplappert hast", erinnerte Oliver sie kleinlaut.

„Bei Merlin, HÄTTE ICH MICH NICHT VERPLAPPERT, WÄRE NIE WAS DARAUS GEWORDEN!", konterte Angelina und warf die Hände in die Luft. „Und lass mich gefälligst ausreden, Freundchen. Es ändert nichts an der Tatsache, dass du nach diesem Training erst gesagt hast, dass du in sie verliebt bist und dann plötzlich der Meinung warst, sie dürfe das nie erfahren und du würdest ihr ohnehin nichts bieten können! Und jetzt sitzt du hier und willst mir erzählen, dass du dich damals gründlicher in dir selbst geirrt hast als das Ministerium, als es Fudge zum Minister machte? HALLO?"

Wood blickte betreten zu Boden und scharrte mit der Spitze seines Sneakers auf dem Boden. Jetzt, wo er all das, was geschehen war, von einer anderen Person zu hören bekam, meldete sich in seinem Inneren das schlechte Gewissen – und zwar ziemlich heftig.

Angelina allerdings schien es gutzuheißen, dass er kleinlaut und nachdenklich geworden war, denn ihre Schimpftirade (deren aufgebrachter Ton allerdings langsam abflaute) ging munter weiter.

„Wenn du damals einfach zugelassen hättest, dass du genauso gern mit Katie zusammen sein würdest wie sie mit dir, dann würde ich jetzt nicht hier sitzen und mich über dich Sturkopf ärgern! Ist dir eigentlich klar, dass jetzt alles noch weitaus schwieriger sein wird als es damals war?"

Stummes Nicken war die Antwort. „Gut, wenigstens das ist dir bewusst", schnaubte Angelina kopfschüttelnd, doch langsam bekam sie Mitleid mit ihrem besten Freund, der wie ein Häufchen Elend (was irgendwie sehr seltsam an ihm aussah) vor ihr saß, nicht wusste, wie ihm geschah und offensichtlich nur ihren Rat gewollt hatte. Ganz war ihr Ärger noch nicht abgeflaut, trotzdem fuhr sie mit etwas sanfterer Stimme fort: „Weißt du, ich hab damals nicht ganz verstanden, warum du das alles gesagt hast; aber ich hab meinen Mund dir zuliebe gehalten und es einfach akzeptiert. Darum würde ich es jetzt sehr zuvorkommend von dir finden, wenn du mir alles erklären könntest."

Überrascht von ihrem plötzlichen Umschwung hob Oliver den Blick und begegnete dem Angelinas. Ein fragender Ausdruck war darin – und der junge Schotte erkannte, dass Angelina nicht wirklich böse auf ihn war, sondern vielmehr eine einleuchtende Erklärung forderte. Nun, nach all dieser Zeit, als er sich an seine damaligen Worte erinnerte, kamen sie ihm selbst so unwirklich vor, dass es ihm schwer fiel, sie zu wiederholen.

„Ich geb's ehrlich zu Angelina … ich habe damals nicht das Richtige getan", begann er mit leiser Stimme. „Dieser … dieser Traum war so – so heftig, dass ich nächtelang nicht schlafen konnte, ständig musste ich daran denken … Ständig hatte ich sie vor Augen. Vielleicht war ich damals nicht reif genug, Verantwortung für eine solche Beziehung zu übernehmen; vielleicht hatte ich Angst davor, ihr wehzutun, wenn ich dauernd weg wäre, um zu spielen und sie in Hogwarts sitzt und dann auch noch Angst haben muss, dass mir irgendetwas passiert …"

„Das hatte sie auch so", warf Angelina ein. „Dazu musstet ihr nicht zusammen sein."

„Hm", machte Wood bedrückt. „Das tut mir Leid … das wollte ich nicht …"

„Zu spät, mein Lieber."

„Könntest du bitte aufhören, so zynisch zu sein? Ich versuche immerhin gerade, Ordnung in das Chaos zu bringen!"

„Entschuldige."

„Danke. Auf alle Fälle dachte ich deswegen, es wäre besser, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Und jetzt bin ich wieder hier, und seit ich Katie wiedergesehen habe, erinnert mich alles an unser Gespräch damals und ich beginne mich zu fragen, ob es wirklich richtig ist, was ich damals entschieden habe." Er seufzte und massierte sich die Schläfen. „So langsam beginne ich nämlich, daran zu zweifeln."

Angelina, die Olivers Entscheidung nun ein wenig besser nachvollziehen konnte, legte ihrem Freund aufmunternd eine Hand auf den Arm. „Hey, nicht den Mut verlieren! Das bin ich von dir nicht gewöhnt!"

„Die jetzigen Umstände verleiten mich aber dazu", erwiderte Oliver düster. „Du-weißt-schon-wer ist zurückgekehrt und Umbridge schleicht in der Schule herum und wartet nur darauf, mir irgendetwas anhängen zu können. Toll, genauso habe ich es mir vorgestellt."

„Vergiss die verbotenen Schülergruppen nicht, denen du angehörst", bemerkte Angelina zwinkernd und Olivers Kopf ruckte hoch.

„Du weißt es?"

„Was kann ich dafür, wenn Fred seinen Mund nicht halten kann?", erwiderte die Jägerin trocken, doch ihre Augen funkelten. „Nein, Spaß beiseite. Ich hab vor dem Hogsmeadewochenende mit ihm darüber diskutiert, ob du wohl auch dabei wärst, wenn du noch zur Schule gingst, und dann hat er es mir verraten."

„Weiß noch jemand davon?" Angelina verneinte. „Gut … es wird ohnehin herauskommen, wenn das erste Treffen stattfindet …"

„Du lenkst vom Thema ab", erinnerte ihn seine beste Freundin. „Wolltest du nicht gerade in Selbstmitleid vergehen, weil die Situation gerade alles andere als einfach ist?"

„Angelina!"

„Ist doch wahr."

Oliver schnaubte. „Nächstes Mal gehe ich zu Alicias Mutter, die hat wenigstens ein Ohr für meine Probleme."

„Untersteh dich, deine Chefpsychologin bin immer noch ich!"

Die beiden prusteten los und die angespannte Stimmung war mit einem Mal verflogen. Sein Herz fühlte sich viel leichter an, als es sich noch vor einer Viertelstunde angefühlt hatte.

„Ich werde dir jetzt einen Rat geben, Calum", verkündete Angelina schließlich hoheitsvoll. „Also hör gut zu: Egal, was immer auch geschehen mag, du musst immer hören, was dein Herz dir sagt. Wie du gesehen hast, trifft der Kopf nicht immer Entscheidungen, die für einen selbst das Beste sind. Wenn dein Herz dich auf einen Weg führt, dann solltest du danach gehen – und da können auch zehn Umbridges in der Schule herumschwirren: Lass dich nicht von dem Weg abbringen! Mal ganz davon abgesehen, dass zehn Mal Umbridge eine grauenhafte Vorstellung ist …"

„Ich versteh schon, was du meinst", grinste Oliver dankbar und legte seine Hand auf Angelinas. „Danke."

Die Jägerin lächelte verschmitzt. „Keine Ursache. Tut mir Leid, dass ich vorhin etwas laut geworden bin."

„Das macht nichts", winkte Oliver ab. „Es war sehr, sehr hilfreich, glaub mir."

Stille trat ein, keiner von beiden sagte etwas; bis schließlich Angelina zögernd eine Frage stellte.

„Oliver?"

„Hm?"

„Du bist noch immer verliebt, habe ich Recht?"

So heftig hatte er sich noch nicht einmal selbst mit diesem Thema konfrontiert; doch er beschloss, einfach Angelinas Rat zu befolgen und auf sein Herz zu hören. Die Szene im Schuppen kam ihm wieder in den Sinn, gefolgt von dem einen Nachmittag im Krankenflügel.

Das laute Pochen gegen seinen Brustkorb war eindeutig.

„Ich denke schon", gab er schließlich leise zu und Angelina jauchzte, klatschte in die Hände und war drauf und dran, einen kleinen Freudentanz im Kapitänsbüro aufzuführen.

„Ich habe es gewusst, ich habe es gewusst!", jubelte sie in einer Art Singsang. „Ist das toll …"

Dann jedoch schien ihr ein ziemlich ernster Gedanke gekommen zu sein, denn sie hörte auf, auf ihrem Stuhl herumzuwackeln und fixierte Oliver mit erschrockenem Blick.

„Was? Ist dir plötzlich eingefallen, dass Katie doch mit jemandem ausgeht?", fragte Wood, nun da er sich endlich in einer Art und Weise zu seinen Gefühlen bekannt hatte, leicht alarmiert.

„Nein, du Dummkopf", murmelte Angelina. „Mir ist nur gerade aufgefallen … du bist ihr Lehrer …"

„Schön, dass du es auch mitbekommen hast und nun das Hauptproblem etwas besser nachvollziehen kannst."

„Ist ja bescheuert …"

„Du hast es erfasst."

„Aber egal!", rief Angelina plötzlich mit frischem Lebensmut aus und klatschte erneut in die Hände. „Ein bisschen Risiko ist immer gut. Kuck mich nicht so an! Das war der Lieblingssatz meines ehemaligen Mannschaftskapitäns, wenn er uns mal wieder einen seiner waghalsigen Spielzüge beibringen wollte." Sie streckte ihm die Zunge heraus und zwinkerte. „Mal im Ernst, Oliver: Was Umbridge nicht weiß, macht Umbridge nicht heiß! Niemand kann euch eure Gefühle nehmen, und das weißt du! Nicht einmal das Ministerium. Außerdem hast du ja noch Freunde, die dir ein Alibi beschaffen können."

„Denkst du nicht schon etwas zu weit, Fräulein?", bemerkte Wood amüsiert ob Angelinas plötzlichen Tatendrang; obwohl er insgeheim sehr wohl dachte, dass sie Recht hatte.

„Ganz und gar nicht", verneinte die Kapitänin. „Irgendeiner muss es ja tun, wenn ihr beide nicht soweit seid …"

„Hey!", rief Oliver gespielt empört aus. „Ich kann selbst auf mich aufpassen, danke."

„Weiß ich doch, du schottischer Sturkopf", erwiderte Angelina lächelnd. „Siehst du, so gefällst du mir viel besser. Du hast endlich gesagt was du denkst; und du siehst, was dabei herausgekommen ist! Ich verspreche dir, ich werde niemandem etwas von unserem Gespräch erzählen, auch Katie nicht. Das überlasse ich allein dir, mein Freund."

„Danke, Angelina. Ich schulde dir was."

„Lass mal, dafür bin ich doch da", meinte die Angesprochene grinsend. „Du würdest doch auch dasselbe für mich tun."

„Stimmt. Und sollte es je einer wagen, dir wehzutun, dann komme ich höchstpersönlich vorbei und ziehe ihm mit dem Besenstiel eins über."

„Mein Retter!", seufzte Angelina und tat so, als fiele sie in Ohnmacht.

„Das habe ich ernst gemeint", fügte Oliver mit Nachdruck hinzu und nahm sich wirklich vor, sollte irgendjemand seiner besten Freundin eines Tages wehtun, dann würde er es mit ihm zu tun bekommen. Dann jedoch kam ihm ein Gedanke, wie er sich bei Angelina revanchieren konnte.

„Du, Angelina … was hältst du davon, wenn wir am nächsten Hogsmeadewochenende gemeinsam ins Dorf hinunter gehen? Weißt du, Adrien kommt wieder her und ich würde dich ihm gerne vorstellen. Er hat sich schon darüber beschwert, dass ich immer nur von meiner besten Freundin erzähle, aber sie nie mitbringe."

Angelina machte große Augen. „Ich – treffen – Adrien Harrold?"

Oliver, amüsiert über ihre Sprachlosigkeit, nickte grinsend. „Ja, ganz genau."

Sie schien die Nachricht eine Weile zu verdauen, bevor sie endlich darauf antworten konnte. „Ja, das würde ich sehr gerne tun. Vor allem jetzt, da ich dir an deiner Nasenspitze ansehen kann, dass wieder alles in Ordnung ist."

„Oh ja, das ist es", meinte Oliver erleichtert und erhob sich. „Ich denke, wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen, nicht dass noch jemand misstrauisch wird."

„Man wird uns eine Affäre andichten, du wirst schon sehen", prophezeite Angelina mit unheilvoller Stimme und kullerte mit den Augen. „Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir …"

„Träum weiter, Lina", lachte Wood und beide verließen gut gelaunt das Kapitänsbüro in Richtung Schloss.

Der Professor hielt den ganzen Weg über den Blick gen Himmel gerichtet und beobachtete den Gang der Wolken, während eine kühle Brise sein Haar zerzauste.

Es war, als wäre in ihm ein Damm gebrochen, der alles zurückgehalten hatte, was er so tief in seinem Inneren gefühlt hatte; und vor seinen Augen tanzte den ganzen Weg bis zum Schloss ein einziges Wesen – ein Wesen mit blondem Haar und dem schönsten Lächeln auf der ganzen, weiten Welt.

~*~

Anm. der Autorin: Na endlich ist es raus ^^ Bitte alle mal für Oliver applaudieren, danke =)

Ach ja, und Angelina hat natürlich einen Ehrenapplaus verdient ^^

Nun, da Oliver endlich Ordnung ins Chaos gebracht hat, folgt der nächste Schritt – man sei gespannt ;)

Eure Caly